Microbanking in Entwicklungsländern zwischen Rentabilität und Subventionierung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

28 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

A. Die entwicklungspolitische Zielsetzung des Microbanking im Wandel der Zeit

B. Ansätze zur Bewertung der Rentabilität von Mikrofinanz- institutionen
I. rreichbarkeit der Zielgruppe als vorrangiges Sachziel .
1. Dimensionen der Zielgruppenorientierung.
2. Messung mittels des Depth of Outreach Index
II. Kostendeckung als Voraussetzung für dauerhafte Lebensfähigkeit .
1. Bedeutung der Kostendeckung für die Nachhaltigkeit
2. Möglichkeiten zur Messung der Nachhaltigkeit
III. Auswirkungen auf Einkommen und Wohlfahrt
IV. Zielkonflikte zwischen Sachziel und Formalziel .

C. Rentabilitätssteigernde Steuerinstrumente
I. Handlungsempfehlungen zur Vergabe von Geldern in Abhängig- keit von der Entwicklungsstufe einer Mikrofinanzinstitution
II. Interne Ressourcenmobilisierung durch Ersparnisse
1. Steigerung der Rentabilität durch Unabhängigkeit von
externen Geldern
2. Handlungsempfehlungen zur Mobilisierung von Ersparnissen.
III. Rentabilitätsorientierte Gestaltung der Kreditvergabe .
1. Einsatz von Sicherungssubstituten.
2. Beeinflussung der Rückzahlungsquote durch innovative Kreditvergabetechniken.

D. Empfehlungen für die Schaffung rentabler Mikrofinanz-

institutionen vor dem Hintergrund sich wandelnder

Rahmenbedingungen

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Darstellung eines Depth of Outreach-Diamanten und Berechnung

des DOI (Beispiel)

A. Die entwicklungspolitische Zielsetzung des Microbanking im Wandel der Zeit

Die Erfolge von Mikrofinanzprogrammen bei der Armutsbekämpfung haben weltweit mehr Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt. Inzwischen ist Microbanking zu einem beliebten Modell der internationalen Entwicklungszusammenarbeit avanciert. So haben auch die Vereinten Nationen das Jahr 2005zum„Year of Microcredit“ deklariert.[1]

Gleichwohl ist die Situation in den meisten Entwicklungsländern noch immer durch eine Unterentwicklung des formellen Finanzsektors geprägt, was die Armen daran hindert, Vermögen aufzubauen, Kleinunternehmen zu gründen und sich gegen Notfälle abzusichern.[2] Heute werden zwar bereits etwa 100 Mio. Kunden mit einem Kreditvolumen von ca. € 1 Mrd. weltweit von Mikrofinanzinstitutionen (MFI) bedient, gleichzeitig haben aber immer noch ungefähr 1 Mrd. Menschen keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen (FDL).[3] Zwar sind informelle Finanzbeziehungen[4] weit verbreitet, diese reichen aber nicht aus, um die auch in Entwicklungsländern vorhandenen wirtschaftlichen Potenziale zu nutzen. Aus diesem Grund beschäftigt sich die Entwicklungspolitik bereits seit über einem halben Jahrhundert mit der Förderung des Finanzwesens in den Entwicklungsländern.[5]

In den 60er und 70er Jahren wurde wirtschaftliche Rückständigkeit noch als Konsequenz mangelnder Kapitalausstattung betrachtet. Folgerichtig konzentrierte sich die Entwicklungspolitik auf Kapitaltransfers im Sinne von „financing development“.[6] Erst Mitte der 80er Jahre begann sich das heutige Verständnis der Microfinance zu entwickeln, und zwar als Kritik an subventionierten, zielgruppengerichteten Kreditprogrammen, die i.d.R. hohe Rückzahlungsverluste zu verzeichnen hatten und somit auf dauerhafte Kapitalzuschüsse angewiesen waren.[7] Schließlich vollzog sich in den 90er Jahren der als „Microfinance Revolution“ bezeichnete Paradigmenwechsel von einer subventionierten Zielgruppenfinanzierung hin zum Aufbau marktorientierter, nachhaltiger und wirtschaftlich tragfähiger Mikrobanken.[8]

Unter Microfinance versteht man die Bereitstellung von Spar- und Kreditprodukten[9] für Bezieher kleiner Einkommen in den Entwicklungsländern[10], die keinen Zugang zu FDL durch klassische Finanzinstitutionen haben, hierunter fallen auch Kleinunternehmer.[11] Kredite werden dabei insb. für solche Zwecke bereitgestellt, die ihrerseits wieder Einkommen generieren.[12] Das Zielsystem einer MFI lässt sich durch die Dominanz des Sachziels, also der Reduktion von Armut durch die Bereitstellung von FDL, über das Formalziel der Erfolgserzielung charakterisieren.[13]

Die entscheidende Annahme der Entwicklungspolitik lautet, dass die Schaffung von Finanzinstitutionen in Entwicklungsländern trotz der lokalen Verhältnisse möglich ist. Unterstützt wird deswegen der Aufbau rentabler und zielgruppenorientierter MFI, die den Armen dauerhaften und verlässlichen Zugang zu Krediten und Ersparnissen verschaffen, was für ihre wirtschaftlichen Aktivitäten unerlässlich ist.[14] Eine große Bedeutung kommt dabei Subventionen und Spenden zu, was daran ersichtlich wird, dass auch die großen und erfolgreichen MFI zumindest in ihrer Gründungsphase auf finanzielle Zuschüsse angewiesen waren.[15]

MFI sind insofern besondere Finanzinstitutionen, da sie zwischen sozialem Sachziel und der Forderung nach Rentabilität stehen.[16] Doch wie lässt sich die Rentabilität einer solchen Institution messen? Mit den Bewertungskriterien der Rentabilität befasst sich das zweite Kapitel der vorliegenden Hausarbeit. Das dritte Kapitel geht auf geeignete Instrumente zur Rentabilitätssteuerung ein und gibt Handlungsempfehlungen zur Erhöhung der Rentabilität. Die Arbeit schließt mit generellen Empfehlungen vor dem Hintergrund sich wandelnder Rahmenbedingungen.

B. Ansätze zur Bewertung der Rentabilität von Mikrofinanzinstitutionen

Zwar verfolgen MFI mit der Armutsbekämpfung ein anderes Sachziel als klassische Banken, aber auch sie agieren rentabilitätsorientiert. Ökonomische Kriterien zur Bewertung der Leistungsfähigkeit traditioneller Banken – wie die Eigenkapitalrentabilität – sind zur Beurteilung von MFI jedoch nicht geeignet und müssen durch adäquate Substitute ersetzt werden. Um die Rentabilität verschiedener MFI vergleichbar zu machen, müssen die entsprechenden Kriterien anhand geeigneter Indizes operationalisiert, d.h. messbar gemacht werden.[17]

I. Erreichbarkeit der Zielgruppe als vorrangiges Sachziel

1. Dimensionen der Zielgruppenorientierung

Die Erreichbarkeit der Zielgruppe wird anhand des Kriteriums Outreach (to the poor) bewertet. Dieses Kriterium untersucht, ob die Zielgruppe ausreichenden Zugang zu an ihren Bedürfnissen ausgerichteten Finanzprodukten der MFI hat. Es gilt insb. solche Personen zu erreichen, die aufgrund ihres hohen Risikos und der hohen Kosten der Kleinkreditvergabe von traditionellen Banken nicht bedient werden.[18] Indikatoren für die Zielgruppenorientierung sind vor allem die Anzahl der Kunden und der vergebenen Kredite pro Jahr, kundenorientierte Kredit- und Sparprodukte sowie die Größe des Kreditportfolios.[19]

Es lassen sich verschiedene Dimensionen der Zielgruppenorientierung unterscheiden. So beschreibt die Outreach-Tiefe das Armutsniveau der bedienten Kunden. Die Outreach-Qualität bezieht sich auf den Wert der bereitgestellten Finanzprodukte im Hinblick auf die spezifischen Bedürfnisse der Zielgruppe. Die Outreach-Breite erfasst die Anzahl der Kunden einer gegebenen Tiefe, die mit einem Mikrofinanzprodukt einer bestimmten Qualität bedient werden. Die für die Kunden anfallenden Zins- und Transaktionskosten werden durch die Outreach-Kosten beschrieben. Die Outreach-Länge und die Outreach-Vielfalt machen zudem Aussagen über die Langfristigkeit und die Vielfalt der Produkte.[20]

[...]


[1] Vgl. Steinwand (2004), S. 1.

[2] Vgl. Schmidt (2000), S. 1 / Zeller; Meyer (2002a), S. 1.

[3] Vgl. Steinwand (2004), S. 4.

[4] Informelle Finanzbeziehungen bestehen z.B. zwischen Familienmitgliedern oder zu Geldverleihern.

[5] Vgl. Schmidt (2000), S. 1 / Steinwand (2004), S. 3.

[6] Vgl. Steinwand (2004), S. 3.

[7] Vgl. Ledgerwood (1999), S. 2.

[8] Vgl. Steinwand (2001), S. 21 / Steinwand (2004), S. 3 / Zeller; Meyer (2002a), S. 4.

[9] MFI können aber auch andere FDL wie Versicherungen oder zusätzliche Dienstleistungen wie Geschäftsführungstraining anbieten.

[10] Mittlerweile wurde der Microfinance-Ansatz auch auf Industrieländer übertragen.

[11] Vgl. Steinwand (2004), S. 6.

[12] Vgl. Gutiérrez Nieto et al. (2004), S. 3.

[13] Vgl. Kreuz (2000), S. 5.

[14] Vgl. Schmidt (2000), S. 1 f.

[15] Vgl. Steinwand (2004), S. 3.

[16] Vgl. Gutiérrez Nieto et al. (2004), S. 2.

[17] Vgl. Gutiérrez Nieto et al. (2004), S. 3 / Evers; Habschick (2001), S. 56.

[18] Vgl. Ledgerwood (1999), S. 34 / Evers; Habschick (2001), S. 55 und S. 62 f.

[19] Vgl. Evers; Habschick (2001), S. 56 / Gutiérrez Nieto et al. (2004), S. 10.

[20] Vgl. González-Vega (1998), S. 2

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Microbanking in Entwicklungsländern zwischen Rentabilität und Subventionierung
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Lehrstuhl für Finanzierung und Investition)
Veranstaltung
Hauptseminar Finanzierung und Investition
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
28
Katalognummer
V52174
ISBN (eBook)
9783638479578
ISBN (Buch)
9783656561224
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Microbanking, Entwicklungsländern, Rentabilität, Subventionierung, Hauptseminar, Finanzierung, Investition
Arbeit zitieren
Verena Schabbach (Autor), 2005, Microbanking in Entwicklungsländern zwischen Rentabilität und Subventionierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52174

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