Das Deutsche Gesundheitssystem steht vor dem Wandel.
Schon die vergangenen drei Jahrzehnte versuchte die Politik mit zahlreichen Reformen den Kostenanstieg einzudämmen.
Es gibt nur wenige Wirtschaftbereiche die in solch kurzer Zeit mit so vielen Gesetzesänderungen zu tun hatten, wie das Deutsche Gesundheitssystem. Schlagworte wie Verzahnung, Kooperation oder Vernetzung fielen bereits in den vergangenen Jahren, doch blieb es lediglich bei Gesprächen und Diskussionen.
Anstatt die Strukturen und Anreize des Systems zu verändern, wurde weiterhin eine Budgetierung und Rationierung verfolgt und der entscheidende Durchbruch blieb bis heute aus.
Die Einführung der Integrierten Versorgung (IV) durch die Gesundheitsreform 2000 war keineswegs eine Neuenddeckung für den maroden Gesundheitssektor.
Bereits im Jahr 1973 wurde durch das Institut des Deutschen Gewerkschaftsbundes ein Ausschuss von Wissenschaftlern und Praktikern ins Leben gerufen, mit der Aufgabe, eine Analyse der Notwendigkeit sowie den Möglichkeiten und Grenzen einer integrierten medizinischen Versorgung vorzunehmen. Das Ergebnis war erwartungsgemäß positiv. Doch aufgrund der Beharrlichkeit vieler Leistungsanbieter konnte sich das neue System nicht durchsetzten. [...] Das Ziel der Arbeit ist es, dem Leser eine Übersicht vom System der Integrierten Versorgung
sowie deren mögliche Auswirkungen auf das Deutsche Gesundheitswesen zu verschaffen.
Zu ergänzen ist, dass die unter 5. aufgeführten Gedanken nicht abschließend sind. Zur
Umsetzung des Systems müssen Managementstrukturen aufgebaut werden, wie man sie in der
bisherigen Gesundheitsversorgung noch nicht kennt.
Leider kann aber im Rahmen dieser Arbeit nur ein Abriss über wesentliche Punkte der
Umsetzung gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Rahmenbedingungen im deutschen Gesundheitswesen
2.1 Sektorale Trennung und die daraus resultierenden Mängel
2.2 “Kostenexplosion“ im deutschen Gesundheitssystem und deren Ursachen
2.2.1 Ausgabenentwicklung im Gesundheitswesen
2.2.2 Demographische Entwicklung
2.2.3 Medizinisch-technischer Fortschritt
2.2.4 Angebotsinduzierte Nachfrage
2.3 Fazit
3 Integrierte Versorgung
3.1 Begriffsdefinitionen
3.1.1 Integrierte Versorgung
3.1.2 Integration
3.1.3 Kooperation und Koordination
3.2 Abgrenzung zur Regelversorgung, Modellvorhaben nach §§ 63-65 SGB V und Strukturverträgen nach § 73a SGB V
3.2.1 Regelversorgung
3.2.2 Modellvorhaben nach §§ 63-65 SGB V
3.2.3 Strukturverträge nach § 73a SGB V
3.3 Die Zielsetzung der Integrierten Versorgung
3.4 Vor- und Nachteile für Patienten der Integrierten Versorgung
3.5 Vor- und Nachteile für Leistungsanbieter der Integrierten Versorgung
4 Gesetzliche Grundlagen der integrierten Versorgung
4.1 Gesundheitsreform 2000 - § 140a-h SGB V
4.2 Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenkassen (GKV- Modernisierungsgesetz) - § 140 a-d SGB V
4.2.1 Vertragspartner nach §140b Abs.1 SGB V
4.2.2 Verträge nach § 140b Abs. 3-5
4.2.3 Vergütung nach §140c SGB V
4.2.4 Grundsatz der Beitragssatzstabilität nach§ 140b Abs.4 S 2 SGB V
4.2.5 Die Anschubfinanzierung, Bereinigung nach § 140d SGB V
4.2.5.1 Die Anschubfinanzierung
4.2.5.2 Die Budgetbereinigung
4.2.5.3 Registrierungsstelle zur Unterstützung der Umsetzung des §140d
4.3 Haftung bei Behandlungsfehlern in der Integrierten Versorgung
5 Die Umsetzung der Integrierten Versorgung
5.1 Unternehmensnetzwerke in der IV
5.2 Das Schnittstellenmanagement der IV
5.3 Das Informationsmanagement der IV
5.4 Das Qualitätsmanagement der IV
5.5 Behandlungspfade in der IV
5.6 Das Kostenmanagement der IV
6 Schlussbemerkung:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Integrierte Versorgung (IV) als Antwort auf die strukturellen Defizite im deutschen Gesundheitswesen, insbesondere die sektorale Trennung und den zunehmenden Kostendruck. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie durch eine prozessorientierte Vernetzung der Leistungsanbieter eine qualitativ hochwertigere und effizientere medizinische Versorgung realisiert werden kann.
- Analyse der sektoralen Fragmentierung und ihrer negativen Auswirkungen auf die Patientenversorgung.
- Untersuchung der gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Anreizsysteme durch GKV-Reformen.
- Erörterung von Chancen und Risiken der IV für Patienten sowie Leistungsanbieter.
- Darstellung praktischer Umsetzungsinstrumente wie Behandlungspfade und Unternehmensnetzwerke.
- Evaluation des Kostenmanagements und der Finanzierungsmodelle im Kontext der Integrierten Versorgung.
Auszug aus dem Buch
5.1 Unternehmensnetzwerke in der IV
Die Notwendigkeit einer strukturellen Veränderung des Gesundheitssystems wurde bereits ausführlich erläutert. Es bedarf kooperativer Organisationsformen, die einen leistungsstellenübergreifenden Versorgungsprozess ermöglichen, der vor allem auch den Anforderungen chronisch Erkrankter entspricht.
Um solch neue Strukturen zu schaffen, müssen die Grenzen zwischen den einzelnen Leistungsanbietern geöffnet werden, nur so kann ein Informationsaustausch stattfinden, der Voraussetzung für die Kooperation und Koordination ist.
Eine Möglichkeit den Kooperationsdefiziten in den gegebenen Strukturen zu begegnen, liegt im Aufbau von Netzwerken.
Netzwerke sind eine besondere Form der Kooperation. Sie entstehen zwischen rechtlich selbstständigen und wirtschaftlich meist unabhängigen Unternehmen, die einen gegenseitigen Vertrag miteinander eingehen.
Die Bildung eines Netzwerkes kann auf horizontaler wie auch auf vertikaler Ebene (siehe 3.1.3) erfolgen. Das Ziel der Netzwerke ist die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und die Optimierung des Ressourceneinsatz, was für einen einzelnen Anbieter, wegen fehlender Ressourcen, gar nicht möglich wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des deutschen Gesundheitswesens ein und stellt die Ziele sowie den Aufbau der Arbeit dar.
2 Rahmenbedingungen im deutschen Gesundheitswesen: Hier werden die Ursachen für Ineffizienzen, wie die sektorale Trennung und die Kostenentwicklung, detailliert analysiert.
3 Integrierte Versorgung: Dieses Kapitel definiert die Begriffe der Integrierten Versorgung, grenzt sie von anderen Versorgungsformen ab und benennt Zielsetzungen sowie Vor- und Nachteile für die Akteure.
4 Gesetzliche Grundlagen der integrierten Versorgung: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Rahmenbedingungen, insbesondere die Auswirkungen des GKV-Modernisierungsgesetzes, und untersucht Vergütungsstrukturen sowie Haftungsfragen.
5 Die Umsetzung der Integrierten Versorgung: Hier werden praktische Ansätze für die IV aufgezeigt, darunter Netzwerke, Schnittstellen- und Qualitätsmanagement sowie Behandlungspfade und Kostenmanagement.
6 Schlussbemerkung:: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Einschätzung über die zukünftige Entwicklung und Bedeutung der Integrierten Versorgung für den Gesundheitsmarkt.
Schlüsselwörter
Integrierte Versorgung, GKV, Gesundheitsreform, Leistungsanbieter, Sektorale Trennung, Kooperation, Koordination, Patientenversorgung, Kostenmanagement, Qualitätssicherung, Behandlungspfade, Vertragsärzte, Krankenhäuser, Gesetzliche Krankenversicherung, Effizienzsteigerung
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Anliegen dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Konzept der Integrierten Versorgung als notwendige strukturelle Reform, um die bestehenden Ineffizienzen und Versorgungsbrüche im deutschen Gesundheitswesen zu überwinden.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der sektoralen Trennung, den gesetzlichen Rahmenbedingungen durch das GKV-Modernisierungsgesetz, den Auswirkungen für Patienten und Leistungsanbieter sowie praktischen Managementmethoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, einen Überblick über das System der Integrierten Versorgung zu geben und aufzuzeigen, wie durch prozessorientierte Kooperation eine qualitativ hochwertige und wirtschaftliche Gesundheitsversorgung gesichert werden kann.
Welche methodischen Ansätze werden zur Erörterung genutzt?
Es werden eine Literaturanalyse der gesetzlichen Grundlagen und eine betriebswirtschaftliche Betrachtung der Versorgungsstrukturen sowie der Anreizmechanismen für die beteiligten Akteure vorgenommen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die spezifischen Vor- und Nachteile für Patienten und Anbieter sowie praktische Umsetzungskonzepte wie Schnittstellenmanagement und Behandlungspfade.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Integrierte Versorgung, Sektorale Trennung, Kooperation, Kostenmanagement und Qualitätssicherung.
Wie wirkt sich die sektorale Trennung auf die Patienten aus?
Die sektorale Trennung führt laut Arbeit zu Versorgungsbrüchen, Therapieunterbrechungen und kostspieligen Doppeluntersuchungen, was die Qualität der Behandlung mindert.
Welche Rolle spielt die Anschubfinanzierung für die IV?
Sie dient als finanzieller Anreiz zur Förderung der IV, indem Mittel von der bestehenden Gesamtvergütung umverteilt werden, um den Aufbau neuer Versorgungsstrukturen in der Anfangsphase zu ermöglichen.
Warum ist das Qualitätsmanagement in der IV so bedeutsam?
Da in der IV Preis und Qualität entscheidende Wettbewerbsfaktoren für den Vertragsabschluss mit Krankenkassen sind, ist ein systematisches Qualitätsmanagement für den Erfolg und die Existenzsicherung der Anbieter essenziell.
- Quote paper
- Heike Patt (Author), 2006, Integrierte Versorgung. Neue Perspektiven im Deutschen Gesundheitswesen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52189