Politisierte Rezeption des Hofjuden Joseph Süß Oppenheimer in der Weimarer Republik

In den Arbeiten Sterns, Elwenspoeks, Feuchtwangers und Kornfelds


Magisterarbeit, 2004
104 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Zwischen Mythos und Versachlichung
1.1 Herkunft und Identität
1.1.1 Oppenheimers esoterisches Judentum (Stern)
1.1.2 Der ritterliche Jude (Elwenspoek)
1.1.3 Der Jude als Emporkömmling (Kornfeld)
1.2 Der „dämonische Charakter“
1.2.1 Die Rache des Sündenbocks (Feuchtwanger)
1.2.2 Von der Schuld des Handelnden (Stern)

2. Erotik und Exotik
2.1 Maskerade und Attraktion: Die Suche nach dem wahren Gesicht
2.1.1 Die „verkapselte“ Lichtgestalt (Feuchtwanger)
2.1.2 Deutungsversuche der Historiographie
2.1.2.1 Die „psychologische Phantasie“ (Elwenspoek)
2.1.2.2 Entzauberung der Legende (Stern)
2.2 Die „Schönheit des Bösen“
2.2.1 Begierde und Ambivalenz (Feuchtwanger)
2.2.2 Eine homoerotische Freundschaft (Kornfeld)
2.2.3 Oppenheimer als Kind des Barock (Stern)
2.2.4 „Der galante Abenteurer“ (Elwenspoek)
2.3 Orient und Okzident (der Weg des Juden zwischen Ost und West)
2.3.1 Von der Macht zum Verzicht (Feuchtwanger)
2.3.2 Der Dualismus der Seele (Stern)

3. Zwischenbemerkung

4. Die Darstellung von Fremdheit
4.1 Entfremdung und Annäherung: Oppenheimer und die Juden
4.1.1. Entfremdung als äußerer Schein (Stern)
4.1.2. Die Grablegung des „Messias“ (Feuchtwanger)
4.1.3. Juden als Bittsteller (Kornfeld)
4.2 Die Funktion des „Fremden“ in der christlichen Gesellschaft
4.2.1 Der höfische Agent (Feuchtwanger)
4.2.2 Judenhass als Herrschaftsmittel (Kornfeld)
4.2.3 Oppenheimers unpopuläre Politik (Stern)
4.3 Fremdheit und Bewegung

5. Der Kampf um ein Symbol
5.1 Theoretische Überlegungen zum Symbolbegriff
5.2 Der Hofjude im Kontext jüdischer Symbolik
5.3 Ein politischer Mensch als Politikum: Walther Rathenau als Vorbild der
Oppenheimer-Literatur
5.4 Ein Exorzismus des Antisemitismus?

6. Schlusswort

Literatur

Eidesstattliche Erklärung

Einleitung

Ein Schabkunstblatt aus dem Jahr 1738, das die Gestalt des im selben Jahr in Stuttgart hingerichteten Finanzexperten Joseph Süß Oppenheimer gleich doppelt abbildet, fasst dessen Bedeutung für seine Zeit aus christlicher Perspektive zusammen. Gezeigt wird auf der einen Seite der ehemalige Hofjude in Dreispitz, Galanteriedegen und Schoßrock. In Schnallenschuhen und mit Spazierstock repräsentiert er das modische Bild des Hochadels, seine Haltung strahlt Selbstbewusstsein und amtliche Würde aus. Eine Bildüberschrift verziert das Blatt mit einer Aufzählung seiner Titel des Jahres 1736, zeichnet ihn aus als gewesenen „Württembergischen Geheimen Rath, Cabinets-Minister und Financien-Directorie“.[1] Diesem „Glücksstand“ steht auf der anderen Seite der „Unglücksstand“ entgegen, dem fürstlichen Titel des ersten Bildes entspricht hier eine Kurzfassung des Todesurteils. Die Haltung Joseph Oppenheimers drückt Ratlosigkeit aus, seine Kleidung verrät nichts mehr von der vergangenen Würde, ein dunkler Bart wächst an seinem Kinn und die Hände sind ihm als Zeichen der Hilflosigkeit vor der Brust gefesselt. Wo er sich auf der einen Seite noch auf ebenem Palastboden präsentiert, steht er auf der anderen in der Natur, ein verwachsener Baumstumpf drängt sich rechts aus dem Bild, als flöhe dieser vor dem Anblick des durch das Urteil Gezeichneten. Die Bildunterschrift erzählt schließlich die Moral der Geschichte und richtet sich direkt an die Juden Württembergs:

„Ihr Juden die Ihr Euch müßt meinetwegen schämen. Ihr könet jetzt an mir ein guts Exempel nehmen. Betriegt ihr Land und leut, und mischt euch in den Staat, so wider fähret euch auch eine solche That.“[2]

Die ausführliche Beschreibung seines ehemals wohlhabenden, nun aber jeden Reichtums beraubten Lebens kann die Schadenfreude nicht verheimlichen, die sozialen Neid und lange unterdrückte Rachegefühle offenbart. Die Hinrichtung des Stuttgarter Hofjuden ist gemessen an den Möglichkeiten der Zeit ein mediales Ereignis, jedenfalls zieht sie eine große Menge Schaulustiger an, die den „Juden Süß“ sterben sehen will. Die gefeierte Exekution kennzeichnet aber nicht das Ende der Beschäftigung mit einer Person, die das öffentliche Bewusstsein der Zeit wie kaum eine andere beschäftigt. Die Auseinandersetzung mit dem spektakulären Fall, der die Phantasie der Zeitgenossen und Nachgeborenen in Atem hält, bricht nicht ab und reicht in der Tat bis zum heutigen Tag.[3] Dabei ist es nicht nur der umstrittene Rechtsfall, der die Gemüter beschäftigt, sondern die Gestalt des Verurteilten selber, dessen unbekannte Jugend und steiler Aufstieg, sowie sein sagenumwobenes Leben in Luxus und Genusssucht, was die Gemüter zu immer neuen Spekulationen und Interpretationen reizt. Der überwiegende Teil aller literarischen und auch wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema konnte und kann sich der mythenumwobenen Kraft dieser Figur nicht entziehen.

Joseph Süß Oppenheimer[4] (vermutlich 1692 oder 1698-1738) ist in eine Zeit geboren, als das jüdische Leben in Deutschland erst beginnt sich äußerlich sichtbar dem Leben der christlichen Gesellschaft anzunähern. Zwar gab es schon vor seiner Zeit Handel treibende Juden, die es durch besonderes Talent und Fleiß bis zu den Höfen brachten, aber die Konsequenz, mit der er seine jüdische Sozialisation in den Hintergrund spielt und die Sitten und Gebräuche des christlichen Adels annimmt, sucht seinesgleichen.[5] Joseph Oppenheimer hat in wenigen Jahren erreicht, wovon in jener Zeit enormer sozialer Ungleichheit weite Teile des Volkes nur träumen konnten, er durchläuft eine glänzende Karriere, bis er schließlich Finanzberater[6] des Prinzen Karl Alexander von Württemberg wird. Aber es ist sicher nicht nur die außergewöhnliche Karriere, die den Zeitgenossen das Staunen lehrt, sondern die Leichtigkeit, mit der Oppenheimer scheinbar auch die Grenzen zwischen Judentum und Christentum überspringt, ohne dabei zu konvertieren. Eine derartige „Ausnahmeerscheinung“ muss seiner Umgebung unerklärlich scheinen. Das heißt jedoch nicht, dass die Zeitgenossen ihm indifferent entgegentreten, dazu ist der Finanzienrat im politisch-wirtschaftlichen Betrieb zu sehr exponiert erlässt er doch ununterbrochen Anordnungen, die nicht nur den einfachen Mann, sondern das gesamte Spektrum des Volkes selbst die hohen Beamten – (teils) unbarmherzig treffen. Als der Herzog, dessen Macht die gesellschaftliche Stellung seines Hofjuden garantierte, unter mysteriösen Umständen stirbt, wird Oppenheimer der Prozess gemacht.

Nach der Hinrichtung des Hofjuden hat es immer wieder Versuche gegeben, sich seiner Gestalt zu nähern, ihn entweder als „Verderber“ des Landes Württemberg, oder als „Sündenbock für die Christenschelmen“ darzustellen. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Thema nach dem Ersten Weltkrieg entgegengebracht, als sich die gesellschaftliche Stimmung in Deutschland mehr und mehr gegen den jüdischen Teil der deutschen Bevölkerung wendet.[7]

In nicht allzu großer zeitlicher Entfernung voneinander entstehen sowohl dramatische Entwürfe (Lion Feuchtwanger, 1916; Paul Kornfeld, 1930), populärwissenschaftliche und wissenschaftliche Abhandlungen (Curt Elwenspoek, 1926; Selma Stern, 1929) und ein erfolgreicher Roman (Lion Feuchtwanger, 1922 vollendet, veröffentlicht 1925).[8] Diese Häufung von Bearbeitungen ist es, der hier Aufmerksamkeit geschenkt werden soll, d.h. es wird zu erörtern sein, weshalb der Stoff für die Rezipienten in der Weimarer Republik derart attraktiv wird. Welche Aspekte sind es, die vor allem betont werden, um welche Topoi wird gestritten und was lässt sich daraus über die Funktion der historisch-literarischen Figur sagen? Es liegt dabei natürlich auf der Hand, dass das Schicksal Oppenheimers vor dem Hintergrund der schwieriger werdenden gesellschaftlichen Lage der Juden in Deutschland aufgefasst werden konnte. Eine derartige Untersuchung muss sich also der bedrängenden politischen Umstände dieser Epoche für die jüdischen Bürger bewusst sein.[9]

Bereits im Verlauf des 19. Jahrhunderts war ein rassisch argumentierender Antisemitismus begründet worden, der nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg von deutschen Antisemiten gebraucht wurde, um die Juden als Sündenböcke, als eigentlich Verantwortliche der politischen und sozialen Probleme der Zeit zu entlarven.[10] Die zunehmende Popularität dieser Weltanschauung und der mit ihr verbundenen Stereotype zwang die Juden Deutschlands dazu, sich mit ihr auseinander zu setzen. Indem der Traum von Emanzipation und Akkulturation unter Druck geriet, mussten die jüdischen Bürger Stellung beziehen, mussten sie den erhobenen Anwürfen begegnen. Im Rahmen dieser Arbeit bedeutet das auch, dass die Diskurse, die das Selbstverständnis der Juden in Weimar herausforderten (durch die das „jüdische Wesen“ angegriffen wurde), benannt und problematisiert werden. In diesen Kontext gehört unter anderem die umstrittene Abstammung Oppenheimers, aber auch sein Äußeres, also der sogenannte „Körperdiskurs“ (Punkte 1 und 2). Ähnliche Stereotype wie gegenüber dem Körperlichen sind auch über das „Wesen“ des Juden en vogue, die damit verbundene Kontroverse hat für die hier besprochenen Werke nachhaltige Bedeutung. Zunächst aber wird zu erörtern sein, wie Oppenheimers Beziehung zum Judentum seiner Zeit gestaltet ist, in welchem Maße er selbst als „jüdisch“ oder „unjüdisch“ geschildert wird.[11] Aus den Übereinstimmungen und Differenzen der Darstellungen ergibt sich das Bild einer politisierten Rezeption, die in Oppenheimer weit mehr findet als einen Romanhelden, mehr als ein Stück deutsch jüdischer Geschichte. Es geht demnach in dieser Analyse nicht primär um „die Wahrheit“ über die „historische Person“ Oppenheimer, sondern vielmehr sollen Einsichten aus den Spannungen und Widersprüchen der (inzwischen selbst bereits historischen) Bearbeitungen resultieren.

Der zweite Teil der Arbeit ist der Frage gewidmet, wie am Fall Oppenheimer das fortdauernde, bzw. neu entfachte Gefühl von Fremdheit der deutschen Juden[12] sichtbar wird und wie das Verhältnis Oppenheimers zum christlichen, bzw. jüdischen Teil der Bevölkerung dargestellt ist. Die Art und Weise, in der sein Verhältnis zur Umwelt beschrieben wird, zeigt, wie sehr die Vorurteile und Stereotypen, die in diesem Zusammenhang erwähnt werden, noch (oder schon wieder) die Lebenswirklichkeit der Rezipienten bestimmen. Anschließend wird ausgelotet, in welchem Sinne die historische Gestalt Symbolcharakter trägt, und wie sich dies in der Rezeption niederschlägt.[13]

Gegenstand der Analyse werden die oben erwähnten literarischen und wissenschaftlichen Bearbeitungen sein. Dabei sollen die Unterschiede, die zwischen den verschiedenen Genres hier der prosaischen, der dramatischen und der wissenschaftlichen Literatur nicht verleugnet, oder verwischt werden. Zunächst aber handelt es sich bei allen hier zitierten Werken um Auseinandersetzungen mit der historischen Person, und als solche sind sie Zeugnis einer Aneignung, einer Stellungnahme. Es ist offensichtlich, dass der Dichter sich eines historischen Stoffes freier bedient, als der den Fakten verpflichtete Wissenschaftler, doch auch die/der Historiker/in muss Stellung beziehen zu dem behandelten Gegenstand, muss ihn gestalten, muss – selbst wenn dies oft unmerklich zwischen den Zeilen geschieht – Geschichte beurteilen. Gerade bei einer lückenhaft überlieferten Gestalt wie der Oppenheimers, braucht es, um ein zusammenhängendes Bild zu zeichnen, der Interpretation, manchmal gar der Improvisation.[14]

Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit richtet sich daher darauf, a) zu zeigen, wie sich die Oppenheimer-Literatur vor dem Hintergrund eines zunehmend rassistisch geprägten Judenbildes bewegt, b) zu erörtern, auf welche Weise die Figur politische Bedeutung trägt, und c) zu diskutieren, wie unterschiedlich die Auseinandersetzung der hier besprochenen Autoren mit dem „jüdischen Problem“ sich ausprägt. Die Beurteilung des Falles, so die Annahme, trägt gleichzeitig eine Diagnose der Lebensumstände, als auch einen Kommentar zur Lebensperspektive der Juden der Weimarer Republik in sich. Dabei wird durch die Figur Joseph Oppenheimers nicht nur auf den Antisemitismus der Zeit Bezug genommen, sondern es wird ebenfalls das problematische jüdisch-jüdische Verhältnis (d.h., das Verhältnis zwischen weitgehend säkularisierten und traditionell-orthodoxen Juden, den sog. „Ostjuden“) thematisiert. Wie unterschiedlich eine solche Auseinandersetzung schließlich ausfallen kann, das wird in dieser Arbeit zu zeigen sein. Als eine erste Annäherung an die genannten Quellen sollen hier zunächst deren Autoren kurz vorgestellt werden.

Curt Elwenspoek (1884-1959), aus protestantischer Familie, war promovierter Jurist (seit 1908), wandte sich aber bald dem Theater zu. Zunächst versuchte er sich schauspielerisch, später auch als Regisseur und Dramaturg (Amsterdam, Köln, Wiesbaden u. Mainz). Während seiner Tätigkeit als Intendant in Kiel (seit 1922) unterstützte er die provokativen und skandalumwitterten, frühen Inszenierungen des bis dahin unbekannten Carl Zuckmayer, die schließlich zur Entlassung der beiden führen. Elwenspoek wird danach (1924) Spielleiter und Dramaturg in Stuttgart, er arbeitet für den Rundfunk (Zwischen 1930-38 in Stuttgart, später (1940/41) beim Sender Oslo) und ist als freier Schriftsteller tätig.[15] Zu seinen bevorzugten Sujets zählen dabei Biographien volkstümlicher Figuren (Schinderhannes, Rinaldo Rinaldini, Der höllische Krischan – ein Lebensbild des Dichters Christian Dietrich Grabbe u.a.), Romane (Die roten Lotosblüten, 1941; Panama, 1942; Dynamit 1949 u.v.a.), Märchenerzählungen und Breviers zu diversen Themen. Auch nach dem Krieg ist er wieder als Rundfunksprecher tätig.

Carl Zuckmayer hat dem ehemaligen Intendanten des Kieler Schauspielhauses in seinen Lebenserinnerungen ein eindringliches Denkmal gesetzt, indem er neben seiner menschlichen Wärme und Lebenslust auch den Mut zum künstlerischen Experiment hervorhob. „Er war das, was für den Betroffenen selbst das Leben erschwert, es aber für seine Umgebung, besonders für die ihm beruflich Unterstellten, entschieden erleichtert: ein Idealist.“[16] Die Bearbeitung der Biographie Joseph Oppenheimers fällt in die Zeit, in der Elwenspoek als Chefdramaturg in Stuttgart tätig ist, in jener Stadt also, in der Oppenheimer den Höhepunkt seiner steilen Karriere erreichte, dort, wo er schließlich hingerichtet wurde.

Lion Feuchtwanger (1884-1958) stammt aus einem orthodox-jüdischen Elternhaus, geht aber mit Beginn seines Studiums (Germanistik, Philosophie, Geschichte) in Distanz zur traditionellen Lebensweise, ohne sich dabei grundsätzlich vom jüdischen Glauben zu lösen. „Zeit seines Lebens beschäftigte er sich mit jüdischen Stoffen und Problemen, während er fürchtete, der Zionismus könne zu einem ‚jüdischen Chauvinismus’ führen.“[17] Die wahre Bedeutung des Judentums erblickt er in seiner geistig-literarischen Substanz, im nomadenhaften Dasein der Juden.

Feuchtwanger immigriert 1933 nach Frankreich (Sanary-sur Mer) und beginnt Romane über die Wirklichkeit in Nazi-Deutschland zu verfassen.[18] Daneben bearbeitet er auch historische jüdische Themen, schreibt einen Zyklus über Flavius Josephus (1930-40) und emigriert nach Kriegsbeginn erneut, dieses Mal lässt er sich in den Vereinigten Staaten nieder. Auch in seinen späten Werken widmet er sich jüdischen Themen, er verfasst den Roman Die Jüdin von Toledo (1952-54), in dem er die Motive aus seinem Jud Süß (1916, 1925) aufgreift, diesmal den Hofjuden aber weniger drastisch schildert das Judentum wird hier als Gegengewicht zu Chauvinismus und Krieg charakterisiert.

Paul Kornfeld (1889-1942) ist der Sohn eines wohlhabenden Prager Spinnereibesitzers, auch er genießt eine jüdische Erziehung, wächst mit der deutschen Sprache auf. „Kornfelds Tagebuchaufzeichnungen aus seiner Prager Zeit zeugen von einer exzessiven Selbstbezogenheit und einem fast zwanghaften Drang, Dichter zu werden.“[19] Er entschließt sich 1914 Prag zu verlassen und in Deutschland als Schriftsteller tätig zu sein. Er debütiert 1917 am Schauspielhaus Frankfurt (Die Verführung), wird bedeutender Autor des Expressionismus.[20] 1925 wird er von Max Reinhard ans Deutsche Theater nach Berlin berufen, 1927/28 ist er am Hessischen Landestheater tätig, aus dem er aber aufgrund eines Skandals entlassen wird. Zurück in Berlin schreibt er Essays und Glossen, schätzt die politische Situation indes falsch ein, nimmt den Aufstieg des Nationalsozialismus offenbar nicht ernst. Das Drama Jud Süß entsteht 1930 und wird im Jahr darauf unter der Regie Jessners im Theater am Schiffbauerdamm uraufgeführt.

Seit 1932 ist Kornfeld wieder in Prag, wo er an einem Roman (Blanche oder Das Atelier im Garten) arbeitet. Trotz des deutschen Einmarsches verlässt er das Land nicht und wird 1941 von der SS verhaftet, ein Jahr später verstirbt er im Ghetto Lodz, Polen.[21] Sein letzter Roman, der unter abenteuerlichen Umständen gerettet wird, erscheint 1957 im Rowohlt-Verlag.

Selma Stern [22] (1890-1981) arbeitet, nachdem sie zwischen 1909-1914 an den Universitäten München und Heidelberg studierte und promovierte, seit 1918 bis zu deren Schließung 1933 in der Akademie für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Ihr zentrales Interesse gilt dem Verhältnis des preußischen Staates zu den Juden, dem auch ihr mehrbändiges Hauptwerk gewidmet ist (Der preußische Staat und die Juden, Publikationen 1925/1938/1970). Das Werk über Joseph Oppenheimer (Jud Süss. Ein Beitrag zur deutschen und zur jüdischen Geschichte), das hier besprochen werden soll, erscheint 1929. Die Historikerin flieht 1941 vor den Nazis in die USA, wo sie zwischen 1947 und 1957 erste Archivarin der American Jewish Archives am Hebrew Union College in Cincinatti ist. 1954 wird Stern Mitbegründerin des Leo-Baeck-Institus (dessen Namenspatron sie Zeit ihres Lebens auch persönlich nahe stand) in Jerusalem, New York und London. Noch in den Vereinigten Staaten, aber auch seit ihrer Rückkehr nach Europa in die Schweiz 1960 forscht Stern unter anderem weiter über das Thema der Hofjuden und vervollständigt ihre achtbändige Gesamtausgabe von Der preußische Staat und die Juden. Zu den weiteren Veröffentlichungen gehören außerdem z.B. The Court Jew; A Contribution to the History of the Period of Absolutism in Central Europe (1950), Josel von Rosheim, Befehlshaber der Judenschaft im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (1959) und der historische Roman The Spirit Returneth (1946), in dem sie die Verfolgung der Juden zur Zeit der Pest thematisiert.[23]

1. Zwischen Mythos und Versachlichung

Die Darstellung der Figur Oppenheimers ist von widersprüchlichen Deutungen geprägt, je nachdem, wie sich die Interpreten zu den Legenden verhalten, die sich um seine Person ranken. Dabei ist schon allein aufgrund der verschiedenen Textsorten eine unterschiedliche Herangehensweise anzunehmen, wo die Dichtung sich der Phantasie bedient, erwartet der Leser von wissenschaftlichen Darstellungen einen eher sachlichen, klärenden Blick.

Zwischen den Polen „Mythos und Versachlichung“ bewegt sich auch die Rezeption des Oppenheimer-Stoffes, wobei es vor allem jene Mythen sind, die a) Aussagen über sein (jüdisches) Selbstverständnis betreffen oder b) für die moralische Be-/Verurteilung seiner Person relevant sind, die widersprüchlich gedeutet werden. Dabei ist die Frage der (vermuteten) Abstammung Oppenheimers von einem christlichen Adeligen, die Einschätzung seiner Verantwortung für den Staatsstreich in Württemberg, die Charakterisierung seines Verhältnisses zum Herzog Karl Alexander, oder seine Haltung zum Judentum von einiger Bedeutung.

1.1 Herkunft und Identität

Für das Bild, das die Rezipienten von Oppenheimer entwerfen, ist dessen Herkunft ein erster Anhaltspunkt. Gerade das Fehlen eindeutiger Belege über die Art der Erziehung, die er genossen hat, ermöglicht Spekulationen über sein Verhältnis zum Judentum. Hinzu kommt die Legende, dass Oppenheimer der Sohn eines nichtjüdischen, adeligen Vaters gewesen sei. Es wird zu untersuchen sein, welche Deutungen die jeweiligen Autoren bevorzugen und wie sich in solchen Variationen deren Standpunkt offenbart. In der folgenden Untersuchung – soviel sei noch erwähnt werden nicht alle Quellen gleichzeitig zu jeder sich ergebenden Frage ausgewertet, sondern immer eben jene, die für eine bestimmte Frage besonders aussagekräftig erscheinen.[24]

1.1.1 Oppenheimers esoterisches Judentum (Stern)

Die Legende hat Oppenheimer einen christlichen Vater angedichtet, den „Freiherrn Georg Eberhard von Heidersdorf, Ritter des deutschen Ordens zu Heilbronn, Feldmarschallleutnant des fränkischen Kreises und Kommandant von Heidelberg“[25]. Wie Selma Stern in ihrer Studie über „Jud Süß“ versichert, taucht der Name dieses Adligen in den umfangreichen „Archivalien“ nicht auf, wird auch im Prozess, in dem „nicht eine Liebesstunde unerforscht“ blieb, in dem „die erotischen Geheimnisse des Angeklagten bis ins kleinste“[26] ergründet wurden, nicht erwähnt. Umso auffälliger ist es, dass sich die Rezeption diesem Detail mit großem Interesse nähert, dass, obwohl es kaum Hinweise für ihre Glaubhaftigkeit gibt, die Legende von einem unehelichen Vater so häufig wiederholt wird. Die Popularität dieses Gerüchtes ist wohl nicht allein durch den lange beschränkten Zugang zu den Prozessakten zu erklären. Die unübersichtliche Informationslage verleitete die Rezipienten zu Spekulationen über eine Gestalt, die sich den herkömmlichen Wahrnehmungsmustern entzog, in der man sowohl jüdische, als auch christliche Momente zu entdecken meinte, diese aber einem Juden nicht zuschreiben wollte oder konnte.[27] Selma Stern prüft die Legende auf ihre Glaubwürdigkeit und folgert, dass die fehlende Erwähnung im Prozess, sowie „jüdisches Recht und jüdische Sitte“ einer Vaterschaft des Grafen Heidersdorf entgegensprächen.

Die Mutter Michal blieb bis zum Tode Süßkind Oppenheimers (des Vaters Joseph Oppenheimers, T.B.) seine geachtete Frau. (...) Nach jüdischem Recht und jüdischer Sitte wäre es aber in jener Zeit strengster Ghettomoral völlig unmöglich gewesen, dass der Steuerrezeptor der Pfälzer Landjudenschaft in Gemeinschaft mit einer Ehebrecherin lebte, und dass er den Sohn einer frevelhaften Verbindung als eigenes Kind nach jüdischem Gebot und Gesetz aufzog.[28]

Der Graf Heidersdorf (o. Heddersdorf) verkörpert eine Reihe von Zügen, die auch Oppenheimer auszeichnen. Ähnlich wie der Hofjude macht er eine glänzende Karriere, steht in allen Ehren, bis er 1693 einen politischen Fehler begeht, indem er die Stadt Heidelberg an die Franzosen ausliefert.[29] Als Folge dieser (behaupteten) kampflosen Übergabe wird der Graf angeklagt und zum Tode verurteilt, es kommt aber nicht zur Vollstreckung, sondern „nur“ zur Entehrung, er wird brutal körperlich gedemütigt und seines militärischen Ranges enthoben. Die letzten Jahre seines Lebens verbringt er in einem Kloster und führt das Leben eines Mönchs. Dieses wechselhafte Schicksal, der Sturz eines Mächtigen, erinnert in manchen Zügen an Oppenheimer, der sich ebenfalls im Angesicht des Todes der religiösen Tradition zuwendet. Die Analogie ist augenfällig und scheint verlockend, doch Stern wendet sich dezidiert gegen das unbewiesene Gerücht, sie betont hingegen, dass in Wirklichkeit „in Süß mehr das Wesen des vornehmen Frankfurter Juden als des deutschen Adligen in Erscheinung“[30] trete. Das erstaunliche Selbstbewusstsein, die multiplen Talente und die Weltläufigkeit Oppenheimers erklären sich viel eher durch die lange Tradition der angesehenen Frankfurter Handelsjuden, als durch die vage Abstammung von einem deutschen Grafen.

Die Judenstättigkeit erzeugte ein Gefühl der Sicherheit, und diese ein Selbstgefühl und einen Stolz, wie sie der Angehörige ärmerer, beständig von der Gefahr der Vertreibung bedrohter Gemeinden in sich nicht entwickeln konnte. (...) Frankfurt galt als die Hauptstadt in Israel.[31]

Sterns Intention ist deutlich, Oppenheimer ist für sie eine repräsentative Figur des Judentums jener Epoche, auch wenn er (vor seiner Inhaftierung) Bräuche und Traditionen ignoriert. Sie verweist weiter auf die Auswirkung der gesicherten Lebenssituation der Juden in Frankfurt, die sie als Voraussetzung für Selbstbewusstsein und weltläufiges Auftreten anführt. Um Talente wie Oppenheimer hervorzubringen – so die Botschaft – die ihre Fähigkeiten in den Dienst des Staates stellen, bedarf es der Anerkennung und des Schutzes der Juden durch die christliche Gesellschaft.

Unterstellt man hingegen den nichtjüdischen Vater, dann wird Oppenheimers herausragende Stellung als Vorund Leitbild für eine gleichberechtigte Daseinsform der Juden in Deutschland geschmälert. Leicht könnten dann, wie geschehen, Kritiker und Hasser des Judentums die als positiv bewerteten Eigenschaften dem deutschen, alle verwerflichen Eigenschaften aber dem jüdischen „Anteil“ seines Wesens zuschreiben. Damit Oppenheimer nicht einfach als dem Judentum entfremdet oder als Christ im jüdischen Gewand missverstanden wird, legt Stern Wert auf seine (rein) jüdische Abstammung. Wenngleich er sich gegenüber der Landschaft (dem Parlament) unmissverständlich als Unparteiischer, als „Volontär von allen Religionen“ ausgibt, wenn er bekennt, dass „er gegen keine Religion einige Passion habe und also einer weder geneigt noch abhold sei“[32], so glaubt Stern doch an seine Verbundenheit mit den Quellen seiner Erziehung, seiner Herkunft.

Trotz alledem aber, trotzdem er sich im Scherz mit dem Teufel verbündet, trotzdem er voller Sarkasmus einmal seinen Freunden einen Gruß an den lieben Gott bestellt, bindet ihn der uralte, schicksalhafte Glaube seines Volkes. (...) Das religiöse Gefühl ist trotz allem Spott und aller Freigeisterei das Urgefühl seines Wesens, die letzte und einzige Bindung, die die widerstrebenden Mächte seines Innern zusammenhält und letzten Endes sein Ethos und seine Größe bestimmt.[33]

Der Grund, warum er trotz einer derartig intimen Verknüpfung mit dem „schicksalhaften Glauben seines Volkes“ nicht auch offen diese Überzeugung praktiziert, so vermutet Stern, liegt darin verborgen, dass „zwischen der Welt seiner Kindheit und der Welt seines Wirkens“ eine „unüberbrückbare Kluft“ liegt, dass die „Achtung, die die Thora vor dem Lernen, Lesen, Forschen und Wissen verlangte“ anderer Art war „als die Anforderungen, die der europäische Zeitgeist an den schaffenden Menschen stellte.“[34] In diesen Worten beschreibt die Historikerin ein Lebenskonzept, welches auch Modell für einen Teil der jüdischen Bürger der Republik von Weimar sein könnte. Es ist nicht mehr die Religion, die ausschließlich das Selbstbewusstsein der Juden in Deutschland prägt, sondern mehr und mehr tritt das Bewusstsein in den Vordergrund, Teil eines Nationalstaates zu sein, Teil einer „Kulturnation“ kurz, man versteht sich als Träger dieser Kultur. In der Gestalt Oppenheimers – so spricht es aus Sterns Aufzeichnungen bereitet sich die Idee des „Deutschen Staatsbürgers jüdischen Glaubens“ bereits vor. Die Bedeutung der Bildung für das Selbstverständnis der jüdischen Bürger darf nicht unterschätzt werden, sie wird neben der Taufe gewissermaßen als „Billett zur europäischen Kultur“ (H. Heine) verstanden. Entsprechend fragt Stern auch nach eventuell wirksam gewordenen Erziehungseinflüssen auf den jungen Joseph Oppenheimer.

Es wäre für die Erkenntnis des Süßschen Problems, noch mehr für die Erkenntnis jener beinahe unerforschten Übergangszeit der jüdischen Geschichte sehr wichtig, wenn man Näheres über seine Erziehung wüsste, wenn man der Frage nachgehen könnte, ob auch deutsche Bildungselemente in ihm wirksam geworden sind. Leider schweigen darüber alle Quellen.[35] (Hervorhebung von mir, T.B.)

Was genau sie mit diesen „deutschen Bildungselementen“ meint, führt Stern nicht genauer aus. Schon sein immer wieder gelobter, vollendeter Gebrauch der deutschen Sprache könnte ja als Nachweis für einen solchen Einfluss gelten. Da im Fall Oppenheimers der Besuch einer deutschen Schule oder Hochschule nicht nachzuweisen ist, führt Stern einige andere Beispiele an, die darauf hinweisen, dass weltliche Bildung bei vornehmen Juden keine Seltenheit war[36]. Das eigentliche Bildungserlebnis Oppenheimers verdankt er laut Stern seinen ausgedehnten Reisen, vor allem aber dem Aufenthalt im „kaiserlichen Wien“.[37] Wie wichtig die persönliche Entwicklung für das Bürgertum Ende des 19. Jahrhunderts war, betont auch George Mosse:

Der Begriff „innerer Entwicklungsprozess“ im Zusammenhang mit dem Erwerb von Bildung bezog sich nicht etwa auf instinktive Vorlieben oder emotionale Neigungen, sondern auf die Ausbildung von Vernunft und ästhetischem Geschmack; sein Zweck bestand darin, den einzelnen vom Aberglauben weg in die Aufklärung zu führen. Bildung und Aufklärung taten sich während der jüdischen Emanzipation zusammen und ergänzten einander auf natürliche Weise. Außerdem stellte die Bildung einen anhaltenden Prozeß dar, der zu Lebzeiten eines Menschen keineswegs abgeschlossen war. Deshalb betrachteten sich jene, die diesem Ideal anhingen, als Teil eines Prozesses und nicht als „fertige Erziehungsprodukte“. Und daraus wiederum ergab sich natürlich ein Ideal, das für die jüdische Assimilation wie maßgeschneidert war, transzendierte es doch alle nationalen und religiösen Unterschiede durch die Entfaltung der individuellen Persönlichkeit.[38]

Im Kontext dieser Entwicklung argumentiert auch die Historikerin. Sie sieht in dem Hofjuden einen Vorläufer dieses Prozesses der Angleichung, muss aber einsehen, dass sein Werdegang von praktischen Notwendigkeiten und nicht von einem explizit aufklärerischen Bildungsideal geprägt ist. Entsprechend findet sich bei ihr eine Beschreibung jüdischen Lebens:

Der Jude dieser Zeit war in Beruf, Sitte, Anschauung hineingeboren. Der individuelle Trieb war unterbunden. (...) Immer wieder das Geschäft, das Bethaus und das Lehrhaus, der Wochentag des niedrigen Dienstes und der geheiligte Tag der Ruhe, der dem Gedrückten das Gefühl der Freiheit und des Stolzes zurückgab, immer wieder die enge Gasse und der verstohlene Blick auf die geöffnete Welt.[39]

Das Bildungsideal hat, folgt man Mosse, in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Transformation hin zu nationalistischen Werten durchlaufen. So „stand das Wort ‚Geist’ nun für das Volk – die Seele. Das griechische Ideal unveränderlicher Schönheit galt für viele nur noch insofern, als es dem deutschen Nationalstereotyp Form und Inhalt gab. Neben der Umwandlung des Bildungsprinzips in eine Art neuer Religion trugen diese Faktoren zur Untergrabung der ehemals für so verlässlich und vielversprechend gehaltenen Gemeinsamkeit zwischen deutschen und deutsch-jüdischen Bildungsbürgern bei.“[40] Diese Bedeutungsänderung des Bildungsbegriffs in Deutschland, hat die Historikerin erst viel später erkennen können. In der Einleitung zu ihrem Buch über die Hofjuden beschreibt sie die eigene Geisteshaltung vor dem Krieg:

(...) though she (Selma Stern, T.B.) was aware of the dark, irrational elements in human nature ever in revolt against spirit and civilization, she was nevertheless certain that reason and humanity would win in the end.[41]

Stern versucht, wenn es um die jüdischen Wurzeln Oppenheimers geht, zu zeigen, dass dieser ein neues Kapitel deutsch-jüdischer Beziehungen einleitet, vielmehr noch – dass er die Trennung zwischen christlicher und jüdischer Sphäre aufhebt.

1.1.2 Der Jude als ritterlicher Christ (Elwenspoek)

In der Untersuchung Curt Elwenspoeks Jud Süß Oppenheimer. Der große Finanzier und galante Abenteurer des 18. Jahrhunderts (1926) wird der Legende um den christlichen Vater einige Wahrscheinlichkeit eingeräumt. Oppenheimer habe, so führt er aus, im Prozess über seine Eltern geschwiegen, weil er sich über das Gesetz, das „die fleischliche Vermischung“ zwischen Juden und Nichtjuden untersagte[42], im Klaren gewesen sei, seine Eltern aber nicht habe in Gefahr bringen wollen. Er spekuliert über das unverhältnismäßige Urteil, das über den Grafen Heidersdorf gefällt wird und vermutet die wahre Ursache auch hierbei in der Verbindung, die der Adlige mit der Jüdin eingegangen sei. Auf den populären Rassismus[43] der Zeit greift Elwenspoek zurück, wenn er die Wahrscheinlichkeit der Vaterschaft Heidersdorfs mit der Beschaffenheit des „Blutes“ Oppenheimers in Zusammenhang bringt.

Überdies wird diese Darstellung (Elwenspoeks Buch, TB) in ihrem weiteren Verlauf erkennen lassen, dass manche Züge im Wesen des Joseph Süß Oppenheimer sehr wohl aus einer unglücklichen Blutmischung erklärt werden können, die ohne eine solche Voraussetzung rätselhaft bleiben.[44]

Die Vorgehensweise des Autors ist problematisch. In einem weiteren Schritt verklärt er die aus Spekulation gefolgerten Annahmen zur Wirklichkeit. So kreiert er ein Bild des Hofjuden, das seine außergewöhnliche Persönlichkeit durch die väterlichen Anteile zu erklären trachtet.

Dass der Jude, in dessen Seele zweifelsohne vom Vater her aristokratische Instinkte lebendig waren, nicht nur reicher und einflussreicher, sondern auch weitschauender, witziger und eleganter war als der schwäbische Adel, das verzieh man ihm nicht.[45]

Doch Elwenspoek leugnet nicht, dass der spätere Hoffaktor jüdisch erzogen ist. Er misst diesem Einfluss in Oppenheimers Leben aber keinen bedeutenden Wert bei, das Jüdische, das ist bemerkenswert, bezieht sich bei Elwenspoek vor allem auf die äußere Erscheinung. Die Argumentation selber gewinnt ihre Urteile vor dem Hintergrund rassistischer Stereotype, wobei „das Jüdische“ als makelbehaftet erscheint. So wird die Besonderheit der Erscheinung Oppenheimers gerade an seinem unjüdischen Äußeren festgemacht, daran, dass er „weder in seinen Manieren, noch in seinem Akzent, noch in seinem Aussehen den Juden verriet.“[46] An der gleichen Stelle heißt es, dass „Süß in seiner äußeren Erscheinung und in seinem Auftreten von einem ‚Mauscheljuden’, wie ihn zahllose Schmähschriften nennen, entfernt war.“ In der darauf folgenden Anekdote wird neben der äußeren Erscheinung auch sein großzügiges Verhalten, seine Ritterlichkeit, d.h. seine Freigebigkeit, aber auch sein Witz und Schlagfertigkeit unter Beweis gestellt. Gerade in der Negation der als „jüdisch“ deklarierten Eigenschaften verrät sich aber das stereotype Denken. So wird Oppenheimers Judentum in dieser Darstellung gleich auf mehreren Ebenen wegretuschiert, wird das christliche Element durch die Aufwertung von unzuverlässigen Legenden aufgewertet. Es wundert kaum, dass Elwenspoek sich nirgends die Mühe macht zu erklären, was denn genau das „Jüdische“ bezeichnet, welche Eigenschaften sich mit diesem Attribut verbinden. Gerade das Fehlen einer Reflexion dieser Kategorien verweist auf den verbreiteten Diskurs jener Zeit, es wird einsichtig, dass Elwenspoek bei seinem Publikum ein stillschweigendes Verständnis voraussetzt, dass es einen oft unausgesprochenen Konsens über das gab, was als „jüdisch“ empfunden wurde.

Wenn sich die Biographie dem Gerichtsprozess und der damit einhergehenden offensichtlichen religiösen Einkehr Oppenheimers annimmt, drückt Elwenspoek seine Sympathie für die integere Haltung des Juden aus.

Und sein bis zuletzt unbeirrbarer Entschluss, gerade jetzt ‚Jude zu bleiben und kein Christ zu werden, auch wenn er römischer Kaiser werden könnte’, berührt ebenso sympathisch wie seine ritterliche Diskretion im Hinblick auf die von ihm kompromittierten Frauen. Die Todesnähe weckt immer Kindheitserinnerungen. Und je näher Süß den Tod vor sich sieht, um so hartnäckiger klammert er sich an die religiösen Vorstellungen und Gebote seiner Jugend.[47]

Das Motiv für Oppenheimers Annäherung an das Judentum ist somit ausgemacht, es ist die Angst vor dem Tod. Ohne die ungerechte Verurteilung, so lautet das Argument, hätte Oppenheimer sich kaum auf sein Judentum besonnen. Zwar betont Elwenspoek immer wieder seine Sympathien für den ungerecht Verurteilten, für dessen „ritterliche Diskretion“, es wird aber deutlich, dass er sich Oppenheimer als einer begnadeten Ausnahmeerscheinung nähert, dass er es als Errungenschaft betrachtet, dass dieser sein Judentum hinter sich gelassen hat, sich dessen höchstens in einem Affekt aus Angst und Trotz nochmals bedient. Diese Perspektive impliziert, dass das Bild, das Elwenspoek von Oppenheimers liefert, in vielen Punkten den Wunschvorstellungen des Autors entspricht, der auf Oppenheimer sein Ideal des potenten und ritterlichen Kavaliers projiziert.[48] Die Männlichkeit Oppenheimers mag für eine Zeit, in der eine verbreitete Krise der Identität vorherrscht, für eine Generation, die sich gegen die Väter auflehnt, ein willkommenes Identifikationsmoment bilden. Der Jude ist deshalb eindrucksvoll, weil er die Maximen der christlichen Gesellschaft und die Bürgertugenden in exemplarischer Weise verkörpert. Die Quelle für diese Interpretation der Gestalt des Hofjuden mag in einem Ausspruch des Herzogs Karl Alexander zu suchen sein, in dem dieser Oppenheimer christliche Züge zuschreibt. Dort heißt es, dass „des Süßen (d.h. Oppenheimers, T.B.) Sentiments christlich, die mehrsten von meinen Räthen aber passioniert, interessiert und jüdisch seyn.“[49] An anderer Stelle drängt sich bei Elwenspoek eine Gleichsetzung von jüdischem Glauben und jüdischer Erscheinung auf, wobei diese Beschreibung Assoziationen von Krankheit und Verfall evoziert.

Die Bilder lassen deutlich erkennen, dass Süß in den letzten Jahren Fett angesetzt, einen gewissen Embonpoint bekommen hatte; im Gefängnis war er klein und mager geworden, das Gesicht war schmal und eingefallen und von einem schwärzlichen, wolligen Bart umrahmt. Wie er innerlich dem Glauben seiner Väter wieder nahegekommen war, so erschien er äußerlich auch allmählich jüdisch wie nie zuvor.[50]

Es kann also festgehalten werden, dass, wenn Elwenspoek es unternimmt, den Hoffaktor Joseph Süß Oppenheimer als „großen Finanzier und galanten Abenteurer“ zu charakterisieren, dies keineswegs eine ausdrückliche Wertschätzung seines Judentums meint. Die Sympathiebekundungen müssen vorsichtig auf ihre Substanz geprüft werden. Es zeigt sich dabei aber auch, dass Elwenspoek Oppenheimers Judentum in dem Maße aufwertet, in dem dieser von der christlichen Gesellschaft als Jude verurteilt wird. Es sind seiner Meinung nach die „Redlichsten“, die „mit einer gewissen Beschämung“ erkennen, „dass in Oppenheimer nicht so sehr der Verbrecher als der Jude gerichtet sei“.[51] Gegen derart antisemitische Tendenzen richtet der Autor seine Deutung und ist sich der eigenen Voreingenommenheit durchaus bewusst, wenn er „die menschliche Persönlichkeit Oppenheimers mit ihren Schwächen und Vorzügen“ zu zeichnen beabsichtigt, wenn er eine „gewisse Sympathie für den Menschen“[52] als Bedingung der eigenen Studie angibt. Er macht die Unklarheit der Quellen zusätzlich für diese Position verantwortlich, „da viele wesentliche Punkte wohl für immer im Dunkel bleiben dürften“, wird man ihm (Elwenspoek, T.B.) „die Anwendung des Grundsatzes zugute halten, der gilt, solange es ein Recht gibt: In dubio pro reo.“[53] Gerade dieses apologetische Bedürfnis, das sich die Verteidigung zum Motiv macht, trägt eher zur Mystifizierung des „gefährlichen Glücksritters“, des „genialen Hasardeurs“[54] bei, als dass es zu einer nüchternen, aber historisch fundierten Betrachtung Oppenheimers führte. Elwenspoeks Position bleibt spekulativ und kann so gegen den Antisemitismus, gegen den sie sich zu richten vorgibt, nichts bewirken. Tatsächlich bewegt sich die Argumentation zuweilen vor dem Hintergrund antisemitischer Klischees und tradiert diese dadurch. Die naheliegende, für seine Untersuchung nicht unbedeutende Frage nach den Ursachen dieses Judenhasses, berührt Elwenspoek nicht.

1.1.3 Der Jude als Emporkömmling (Kornfeld)

In Kornfelds Drama „Jud Süss“ stehen anstelle einer Beschreibung der Herkunft Oppenheimers die Vorurteile seiner Umgebung. Der Herzog ist über den Juden erstaunt, der es durch Gerissenheit bis zu einer Anstellung bei dem Minister Remchingen gebracht hat. Alle Formen durchbrechend dringt Oppenheimer am Beginn des Dramas ins herzogliche Schloss ein und wendet sein Geschick daran, von einer „einflussreichen Persönlichkeit“ als Sekretär angestellt zu werden. Da er nicht bis zum Herzog gelangt, konzentriert er sich zunächst auf den Minister Remchingen, wird dessen rechte Hand, ergreift aber die Gelegenheit, als Karl Alexander diesen besucht. Im Laufe des Gespräches, das sich zwischen dem verblüfften Regenten und dem Juden ergibt, kommt Oppenheimers „Herkunft“ zur Sprache.

Herzog So. Gut. – Aber wie bist Du denn überhaupt in die Stadt gekommen? Wie ? Nun, da er einmal in Ihrem (Remchingens, T.B.) Hause ist, wollen wir es nicht näher untersuchen. – Von wo stammst Du denn?

Süss Aus Heidelberg, Euer Durchlaucht.

Herzog Das heisst: aus dem Heidelberger Ghetto? Sag einmal, wie sieht es denn eigentlich in so einem Ghetto aus? Hohe Häuser, enge Gassen, was? Und viel Dreck, was? Aber er sieht ganz ordentlich aus, ganz sauber. – Und bei wem bist du denn dort aufgewachsen?

Süss Bei meinen Eltern, Euer Durchlaucht.

Herzog So. Aha! Nicht beim Rabbi?

Süss Nein, Durchlaucht.[55]

Die Unkenntnis und Unbefangenheit des Herzogs, der sich für Oppenheimer mit einer Art verblüffter Neugierde und kindlicher Begeisterung interessiert, spiegeln und karikieren die Vorurteile, die über das jüdische (Ghetto-) Leben im Umlauf sind. Gleichzeitig steht Oppenheimer durch seine Erscheinung und gute Manieren, aber auch durch seine offenbar areligiöse Erziehung im Kontrast zu diesen Vorurteilen. Eine Korrektur des Judenbildes wird aber nicht unternommen, vielmehr werden der Aufstieg Oppenheimers am Hof zu Stuttgart, sein Verhältnis zum Herzog und die judenfeindliche Stimmung in Württemberg zu den bestimmenden Themen. So wird Oppenheimer schon in der ersten Szene von den Dienern erniedrigt, die in ihm ein willkommenes „Spielzeug“ gefunden haben.

3. Diener Gerade vom Baum heruntergesprungen und aus dem Urwald frisch importiert – ein echter Jud!

Alle Ei wei! Ei wei!

1. Diener Herein mit ihm! Ich zahle einen Groschen!
2. Diener Ich halte mir schon die Nase zu. Aber man muss ihn am Bart zupfen – das bringt Glück! Herein mit ihm![56]

In Kornfelds Bearbeitung des Stoffes tritt das antisemitische Vorurteil in den Mittelpunkt, der Jude wird nicht als Person, sondern als „Rolle“ wahrgenommen. Folglich versucht Oppenheimer hier, durch Klugheit seine Situation zu verbessern, sich durch Macht auch Respekt zu verschaffen. Es ist bezeichnend, dass Kornfeld seinen Protagonisten gleichnishaft den Weg aus dem Ghetto an den christlichen Adelshof gehen lässt, dass Oppenheimer zunächst im traditionellen jüdischen Gewand[57] auftritt und erst später, nachdem er die Anschuldigungen, die seine Feinde beim Herzog gegen ihn vorbringen, abwehren kann (2. Akt, 2. Szene), vom Herzog dazu aufgefordert wird, auch äußerlich seiner neuen Stellung als Finanzienrat gerecht zu werden.

Herzog Eine Flasche Champagner! – Wie du dagestanden bist vor diesen Leuten, in Deinem Judenrock! Das muss jetzt anders werden! Du bist jetzt Finanzienrat! Wie siehst Du aus? So darfst Du mir nicht mehr herumgehen! –

Süss Aber Durchlaucht -!

Herzog Halt’s Maul! Du bist Finanzienrat, bist ein Herr! Warum sollst Du kein Herr sein? ... So gut wie andere wirst du den Degen auch noch tragen können!

(...)

Herzog Wir wollen noch viele Gläser miteinander trinken! Aber aus dem Schloss schmeiße ich Dich hinaus!

Süss Und was soll ich dann tun, Durchlaucht?

Herzog Dir ein Palais bauen! Du hast Geld genug dafür: Du hast von der Münze gesprochen, sagst, dass die Münzmeister immer reicher werden – Du kannst sie pachten![58]

Die steile Karriere Oppenheimers am Hof zu Stuttgart verdankt sich in Kornfelds Version der persönlichen Protektion durch den Herzog, der in dem Juden einen engen Vertrauten findet. Mit dieser Entwicklung vom rechtlosen Bittsteller zum zentralen Entscheidungsträger, vom „Ghettojuden“ zum Edelmann, beschreibt Joseph Oppenheimer symbolisch den Weg der Emanzipation. Diese wird gleichzeitig dadurch kritisiert, dass ihr Gelingen nur von den Eliten abhängt – es ist allein der Herzog, der das Wohl Oppenheimers schützt. Diese Darstellung der Emanzipation als private Freundschaft, spiegelt sich auch in der Figurenkonstellation des Dramas.[59] Der naive, durch Legenden ausgeschmückte Antisemitismus geht vom Volk aus, die Anfeindungen am Hof sind eher dem Neid, der persönlichen Konkurrenz, dem menschenverachtenden Kalkül zuzuschreiben. Es ist kein Zufall, dass Oppenheimers erbittertster Feind Remchingen selbst als Aufsteiger, als Emporkömmling gekennzeichnet ist. Das tragische Schicksal des Hofjuden ist letztlich eine Folge seines übersteigerten Wunsches nach Anerkennung und Erfolg, also eine Folge seines Ehrgeizes. Diese Diagnose stellt auch die Herzogin am Ende der Tragödie.

Herzogin Der Geist der Zeit ist immer ein Affengeist. Zuerst erfindet ihr ihn und dann lauft Ihr ihm nach. Damals, als Sie ihn noch nicht zitiert haben, damals hätte alles noch gut werden können – in jeder Beziehung! Heute, wer weiß wie alles werden wird! Sie sehen ja gar nicht, was in der Welt um Sie her vorgeht! So von Gott verlassen sind Sie![60]

Es liegt nahe, diesen Ausspruch als Kommentar auf die Verhältnisse der Weimarer Zeit zu beziehen, als Kritik an einer Gesellschaft, die durch ihren Glauben an die technische Rationalisierbarkeit den Blick für die Menschlichkeit verloren hat. Kornfeld als Expressionist steht dieser „entseelten Welt“ kritisch gegenüber, er fasst dies in seiner Programmschrift „Der beseelte und der psychologische Mensch“ in Worte.

Das eben mag die letzte Mission und der letzte Sinn aller Kunst sein, nichts, als das: die Menschheit zu erinnern, dass sie aus Menschen besteht, und den Menschen zu erinnern, dass er Gottes ist und eine Seele hat, dass sie sein einziger Mittelpunkt, sein einziges Wesen ist (...); letzter Sinn aller Kunst, dem Menschen vorzuführen, wie alle Wirklichkeit nur Schein ist und hinschwindet vor dem wahren menschlichen Dasein.[61]

Wie sehr Kornfelds Stück als Analogie auf die Zeit geschrieben war, zeigt auch die Berliner Uraufführung 1930 (Regie Leopold Jessner, Hauptrolle Ernst Deutsch), in der Jessner die „Volksszenen“ – vermutlich aus Angst vor einem Skandal ersatzlos streicht.[62]

Aufstieg und Fall von Joseph Süß Oppenheimer mussten Kornfeld geeignet scheinen, Verhaltensweisen seiner Zeitgenossen historisch distanziert aufzuzeigen. Auch für Kornfeld ist die Lebensgeschichte Süß Oppenheimers Spiegel und Gleichnis: In der dargestellten Vergangenheit wird die Gegenwart der Weimarer Republik gedeutet.[63]

1.2 Der dämonische Charakter

Wer wie Oppenheimer ambivalente Reaktionen provoziert, wer eine solche Wirkung entfaltet, muss offenbar etwas Unerklärliches in sich tragen, etwas, das ihn aus der Masse hebt. Es muss, auch wenn sich dies z.T. nur „zwischen den Zeilen“ findet, eine dunkle Seite an seinem Wesen geben, die ihn zu der kalt berechnenden Person werden lässt. Dabei zeigt sich in der Rezeption die Tendenz sich dieses Zuges zu bemächtigen, ihn zu gebrauchen, um Oppenheimer noch geheimnisvoller und unberechenbarer werden zu lassen, um so seinen literarischen Wert zu erhöhen. Dagegen steht die Absicht, die scheinbar „dämonische“ Seite seines Wesens erklärbar zu machen, ihn in seinen Motiven menschlich und nachvollziehbar erscheinen zu lassen. Diese Entwicklung in der neueren Forschung beschreibt auch Barbara Gerber, die noch bis heute „Rückschläge“ bei der Bearbeitung des Themas konstatiert.

Erst in neuerer Zeit haben sich akademische Untersuchungen von der jahrzehntelangen Dämonisierung dieser Gestalt freimachen können, die sie mit belletristischen Annäherungsversuchen an den Stoff gemeinsam hatten, selbst wenn sie eigentlich eine Versachlichung erreichen wollten.[64]

An der Bewertung dieses Motivs lässt sich zeigen, welches Urteil die Rezeption über die historische Figur, bzw. über das Phänomen des Aufstiegs Oppenheimers spricht. Worin besteht nun diese dunkle Seite, die ihm zugeschrieben wird?

1.2.1 Die Rache des Sündenbocks (Feuchtwanger)

In Lion Feuchtwangers Version des Stoffes gründet sich die Besonderheit des Hofjuden auf seine außergewöhnlichen Talente, auf seinen Reichtum, seine erotische Anziehungskraft und in letzter Konsequenz auf die Integrität, die ihn moralisch über seine (christlichen) Gegner erhebt. Bevor er aber diese letzte Stufe erreicht, bedient er sich aller Mittel, seine Macht zu vergrößern. Er braucht und verbraucht Frauen, oft, um die Gunst des Herzogs zu erneuern, oft auch aus reinem Vergnügen.

Wie die Mode und sein Behagen immer neue Speisen, Weine, immer anderes Kristall und Porzellan für seine Tafel forderte, so für sein Bett immer neue Frauen. Er brauchte sie und verbrauchte sie.[65]

[...]


[1] Die Abbildung findet sich bei Barbara Gerber, Jud Süss. Aufstieg und Fall im frühen 18. Jahrhundert, Bildteil, Abb. 6.

[2] Ebenda.

[3] Es ist allerdings anzumerken, dass die Rezeption nach dem Zweiten Weltkrieg – wohl als Folge des antisemitischen Propagandafilms „Jud Süss“ (Regisseur: Veit Harlan, Hauptdarsteller: Ferdinand Marian) - für Jahrzehnte tabuisiert wurde. Die nennenswerten frühen Nachkriegsveröffentlichungen zum Thema der Hofjuden, die auch Joseph Oppenheimer thematisieren, sind Selma Stern, The Court Jew. A Contribution to the History of the Period of Absolutism in Central Europe, 1950, und Heinrich Schnee, Die Hoffinanz und der moderne Staat. Geschichte und System der Hoffaktoren an deutschen Fürstenhöfen im Zeitalter des Absolutismus, 1953 (Schnee mit deutlicher Tendenz die Interpretation Sterns anzufechten, z.T. in antisemitischer Tradition). Erst seit den 80er Jahren gibt es eine vorsichtige, meist wissenschaftlich-literarische Neubegegnung mit dem Thema. Mit ausschlaggebend für erneute Dramatisierungen des Stoffes war offenbar die Wiederentdeckung (1987) des als verschollen geltenden (ungekürzten) Manuskripts des gleichnamigen Dramas von Paul Kornfeld. Vgl. Theater Heute, 2/88, S. 23.

[4] Eigentlich „Joseph ben Issachar Süßkind Oppenheimer“ (Vgl. Encyclopaedia Judaica <CD-ROM Edition>); die Namensgebung variiert indes. Das verkürzte, oft pejorativ verstandene „Jud Süß“ oder „Süss“ soll in dieser Arbeit, wo nötig, allenfalls in Anführungszeichen Verwendung finden, sonst wähle ich die heute gebräuchliche Anrede mir Vor- und Familiennamen, d.h. Joseph Oppenheimer. Auch Gerber bemerkt die Wirkung dieser Verkürzung: „Kein Zufall war es, dass die unpersönliche zeitgenössische Anrede „Jud“ am Namen der Person haften blieb, als sie längst unzeitgemäß geworden war: Wie „Schinderhannes“ zum Räuber schlechthin, wurde „Jud Süß“ der Nachwelt zum Juden schlechthin.“ Gerber, a.a.O., S. 299. Haasis hat indes dargestellt, dass Oppenheimer selbst die Anrede „Süss“ oder „Siess“ bevorzugte, lange Zeit auch so unterzeichnete. Vgl. Hellmut G. Haasis, Joseph Süß Oppenheimer, S. 35.

[5] Er ist damit ein prominenter Vertreter jener Schicht, die seither als Hofjuden (syn. Hoffaktoren) benannt werden. Über die historische Bewertung dieses gesellschaftlichen Phänomens ist das letzte Wort nicht gesprochen. Die Frage, ob die Hofjuden als Wegbereiter des modernen Staates, als Initiatoren des aufsteigenden Frühkapitalismus zu betrachten seien, bzw. ob sie andersherum als ein Produkt der spezifischen Lebensumstände nach dem 30jährigen Krieg zu betrachten sind, ist Gegenstand anhaltender Debatten. Werner Sombart (1911) vertrat in seinem Werk Die Juden und das Wirtschaftsleben erstere These. Ähnlich später dann Schnee, a.a.O. Diese Zuschreibung konnte in einer Zeit, da die Moderne verbreitet durch soziale Härte und Verunsicherung traditioneller Lebensentwürfe wahrgenommen wurde, auch als Schuldzuweisung aufgefasst werden. Gegen derartig vereinfachende Positionen setzt sich die jüngste Forschung ab, die versucht, das Wesen des Hofjudentums aus seinem politisch und gesellschaftlich bedingten historischen Kontext zu begreifen. Zuletzt Rotraud Ries; J. Friedrich Battenberg, Hofjuden – Ökonomie und Interkulturalität. Die jüdische Wirtschaftselite im 18. Jahrhundert. Eine eindeutige Antwort auf die Bedeutung der Hofjuden im Prozess der wirtschaftlichen Modernisierung ist aber auch dort nicht zu finden.

[6] Schnee führt akribisch aus, dass der Titel des „Geheimen Finanzrates“ im Rang einem Geheimen Legationsrat gleichgestellt war, d.h. dass sein Titel, wenn nicht de jure, so doch de fakto einem hohen Rang in der württembergischen Beamtenhierarchie entsprach, was „doch etwas Unerhörtes“ bedeutete. Vgl. Schnee, Hoffinanz, S. 133.

[7] Brenner bemerkt dazu: „Der Auseinandersetzung mit dem eigenen Judentum konnte sich in der Weimarer Republik kaum noch ein deutscher Jude verwehren. Für manche führte diese Auseinandersetzung zu einer bewussten und vollständigen Trennung von der jüdischen Gemeinschaft, für die Mehrheit jedoch bedeutete sie eine neue Identitätssuche.“ Michael Brenner, Wie jüdisch waren Deutschlands Juden? Die Renaissance jüdischer Kultur während der Weimarer Republik, S. 22.

[8] Bereits im Verlauf des 19. Jahrhunderts war es zu einer erneuten Auseinandersetzung mit der historischen Gestalt gekommen. Beispiele hierfür sind Manfred Zimmermanns Abhandlung Joseph Süß Oppenheimer, ein Finanzmann des 18. Jahrhunderts, Stuttgart 1874, und Wilhelm Hauffs Novelle, Jud Süß, 1827, der damit dem durch Walter Scott begonnenen Trend zur historisch-romantischen Erzählung folgt. Die erwähnte dramatische Arbeit Feuchtwangers soll in dieser Arbeit nicht berücksichtigt werden, vielmehr soll sein weit erfolgreicherer gleichnamiger Roman diskutiert werden.

[9] Dabei soll keineswegs die Geschichte „rückwärts“ gelesen werden. Es wäre irreführend, die Figur Oppenheimers vorab als historischen Fingerzeig auf den heraufdämmernden Holocaust zu verstehen.

[10] Die Liste derer, die an der Ausprägung dieses Denkens beteiligt waren, ist zu lang, um hier zitiert zu werden. Sie reicht von Joseph Arthur Gobineau (1816-1882) bis Georg von Schoenerer (1842-1921), von Houston Steward Chamberlain (1855-1927) bis Karl Lueger (1844-1910).

[11] Es wird klar, dass die Attribute „jüdisch“ und „unjüdisch“ allein schon physiognomische, wenn nicht psychologische Stereotype implizieren.

[12] Dabei ist die Attributierung „deutscher Jude“, bzw. „jüdischer Deutscher“ bereits ein Ausdruck des problematischen Verhältnisses. Der sprachliche Ausdruck spiegelt hier die gesellschaftliche Distanz.

[13] Ausgehend von Selma Sterns Behauptung, dass der Hofjude Oppenheimer als Symbol wahrgenommen werde.

[14] So hat der bereits erwähnte Heinrich Schnee der Historikerin Selma Stern diverse Ungenauigkeiten und interpretatorische Fehlgriffe attestiert, ohne dabei selbst wiederum frei von ideologischer Tendenz und verkürzenden Wertungen zu sein. So sein Urteil über Oppenheimer auf S. 147: „Er (d.h. Oppenheimer, T.B.) war ein hemmungsloser Machtmensch, raffiniert klug, überaus tüchtig, rücksichtslos, ja brutal in der Verfolgung seiner Ziele, egoistisch durch und durch; aber ihm fehlte jene Weisheit, die den Politiker zum Staatsmann macht; denn die Politik war ihm doch nur Geschäft.“ Dies ist, mit Verlaub, ein moralisches Urteil, das seine Tendenz nicht verbergen kann.

[15] Das Deutsche Biographische Archiv gibt für die Zeit nach 1942 die Tätigkeit als „Wissenschaftlicher Leiter im Vortragswesen des Reichssenders Berlin“ an. Die Quellenlage zur Biographie Elwenspoeks ist allerdings mehr als dürftig. Es gibt lediglich einige verstreute Hinweise auf die Stationen seines Lebens, siehe: Achim Anders, Meister einer beglückenden Lebenskunst; Killy, Walther (Hrsg.): Literaturlexikon. Eine kurze Bemerkung zu Elwenspoeks Roman Panama (1942) findet sich bei H. Boeschenstein, The German Novel 1939-44, Toronto 1949.

[16] Carl Zuckmayer, Als wär’s ein Stück von mir, S. 354f.

[17] Andreas B. Kilcher, Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur, S. 141.

[18] Zu der sogenannten „Wartesaal-Triologie“, die sich mit der bürgerlichen Sorglosigkeit in Anbetracht der heraufdämmernden Katastrophe befasst, zählen Die Geschwister Oppermann, Erfolg und Exil, alle zwischen 1933 und 1939 verfasst.

[19] Sandra Nuy, Paul Kornfeld: Jud Süss, S. 35.

[20] Weite Verbreitung hat seine expressionistische Programmschrift Der beseelte und der psychologische Mensch (1918) gefunden.

[21] Nicht wie oft behauptet im Konzentrationslager. Vgl. Wilhelm Haumann, Paul Kornfeld. Leben – Werk – Wirkung.

[22] Seit 1927 verheiratet mit Eugen Täubler, dem ersten Direktor der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, sie trägt dann den Namen Stern-Täubler.

[23] Zu Selma Stern siehe International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945 (Vol 2), “Her scholarly publications were based on the premise that Judaism had to be studied in the context of the political and cultural environment.” Frederick Lachman, in Encyclopaedia Judaica <CD-ROM Edition> Auch: Marina Sassenberg, Selma Stern and The Court Jew. Bemerkungen zur deutschen Erstveröffentlichung. Des weiteren der biographische Band Apropos Selma Stern, mit einem biographischen Essay von Marina Sassenberg.

[24] Hierbei handelt es sich freilich um einen vieldiskutierten Begriff, der eng mit der Sozialisation und Erziehung eines Menschen in Verbindung steht. Michael A. Meyer hat in seinem Buch Jewish Identity in the Modern World eine Definition gewagt: „I shall understand identity as referring to those totalities of characteristics which individuals believe to constitute their selves. Individual identity is built upon pre-adult identifications with persons close to the child, with their values and behavior patterns. As the individual becomes an adult these identifications must be integrated not only with one another but with the norms of the society in which the individual will play a role.” S. 5. Wie inflationär der Begriff der Identität gehandelt wird, lässt sich nachvollziehen in Odo Marquard; Karlheinz Stierle, Identität. Dort bemerkt Marquard auf S. 347: „Identitätsdiskussionen werden – mit erhöhtem Kollisionsrisiko – zum Blindflug.“ Damit es dazu in dieser Arbeit nicht kommt, soll die Fragestellung darauf reduziert werden, welche Deutung die Rezipienten zu Herkunft und jüdischer Erziehung Oppenheimers, bzw. dessen Identifikation mit der jüdischen Sphäre anbieten. Es interessiert also vor allem die Frage, was aus Oppenheimer gemacht wurde, wie seine Person gedeutet wurde, weniger was er (wirklich) war und darstellte.

[25] Selma Stern, Jud Süss, S. 10. Die Legende hat sowohl in die wissenschaftliche Literatur, als auch in die Dichtung Eingang gefunden. Haasis hat den unkritischen Umgang mit der Herkunft Oppenheimers kritisiert, kann über die Art und Weise, wie der Kommandant Heidersdorf mit Oppenheimer in Verbindung gebracht wurde nur spekulieren. Vgl. Haasis, Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß, S. 17ff .

[26] Ebenda

[27] Vgl. Hellmuth G. Haasis, a.a.O., S. 8ff. Daher ist das Gerücht, dass Oppenheimer das Kind einer illegitimen Verbindung einer Jüdin und eines christlichen Adeligen gewesen sei, sowohl von philosemitischer, als auch von antisemitischer Seite tradiert worden.

[28] Stern, S. 10.

[29] Insofern ist das Geburtsdatum Oppenheimers ein Politikum, da die frühe Datierung auf 1692 die Möglichkeit einer Vaterschaft des Grafen wenigstens dem Zeitpunkt gemäß zuließe.

[30] Stern, S. 12.

[31] Ebenda

[32] Stern, S. 136.

[33] Stern, S. 137.

[34] Stern, S. 15.

[35] Ebenda

[36] „Es kam vor, dass jüdische Kinder, wenn auch selten, deutsche Schulen besuchten oder von deutschen Lehrern im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet wurden, dass einige Auserwählte auf deutschen Hochschulen studierten.“ Weiter gehe aus den Aufzeichnungen der Glückel von Hameln hervor, dass in der Familie Französisch gesprochen und Klavier gespielt wurde. Vgl. Stern, S. 15ff.

[37] Womit Stern auf die vermutete Verwandtschaft zu den Wiener Hofjuden Oppenheimer anspielt. Haasis, a.a.O., S. 20, verweist darauf, dass sich die Hinweise auf Oppenheimers Reisen auf äußerst zweifelhafter Grundlage bewegen. „Süß selbst berief sich nie auf Verwandte oder seine Erfahrungen in europäischen Handelsmetropolen.“ (S. 21) Dass Stern Oppenheimer dennoch ein wie auch immer geartetes „Bildungserlebnis“ zuspricht, mag als Hinweis dafür gelten, dass sie ihn in Abgrenzung zur begrenzten jüdischen (Ghetto-) Sphäre, gewissermaßen bereits als Teil der „europäischen, christlichen Gesellschaft“ zeigen will.

[38] George L. Mosse, Jüdische Intellektuelle in Deutschland, S. 22.

[39] Stern, a.a.O., S. 13.

[40] Mosse, a.a.O., S. 36.

[41] Stern, The Court Jew, S. 6. Dass sie mit dieser Haltung nicht allein war, muss nicht betont werden. Ähnlich äußerte sich auch Sigmund Feuchtwanger (der Vater Lion Feuchtwangers): „Die Kultur und die Humanität schreiten vorwärts, so unmenschliche und barbarische Dinge können nicht wiederkommen, so wenig wie die viehischen Bestialitäten der altrömischen Kaiser. In den Ländern, in denen die Kultur noch nicht fortgeschritten ist, vor allem in Russland und in Rumänien, sind die Juden auch heute noch unterdrückt und leben und schuften wie Sklaven, und der Jude ist rechtlos und machtlos, und immer wieder liest man von Pogromen. Wir aber haben eine Verfassung. (...) Was vorbei ist, ist vorbei, und die Zeiten der Unkultur und der Barbarei werden nie wiederkommen.“ Zitiert nach Wilhelm von Sternburg, Lion Feuchtwanger, S. 75.

[42] Er hätte, so der Gedanke, diesen Anklagepunkt durch den Nachweis eines christlichen Vaters abwenden können, seine Mutter aber und der Graf wären an seiner Stelle zur Rechenschaft gezogen worden. Oppenheimer handelt – folgt man Elwenspoek Anschauung – selbstlos und ritterlich, bis in den Tod.

[43] Wie fundamental dieser Diskurs die europäische Selbstwahrnehmung veränderte, findet sich bei Poliakov: „Innerhalb der europäischen Gruppe gab es ‚historische’ Rassen, die so sehr voneinander verschieden waren, wie es die weiße und die schwarze Rasse nur sein konnten.“ Léon Poliakov (u.a.), Rassismus. Über Fremdenfeindlichkeit und Rassenwahn, S. 93.

[44] Curt Elwenspoek, Jud Süß Oppenheimer, S. 18f. Ähnlich heißt es auch bei Feuchtwanger: „Er (Herzog Karl Alexander, T.B.) gestand sich nicht, dass, was ihn an den Juden band wie das, was ihn abstieß, viel tiefer und unheimlicher in seinem Blut lag.“ Feuchtwanger (FW), Jud Süß, S. 382.

[45] Elwenspoek, a.a.O., S. 45.

[46] Elwenspoek, S. 23ff.

[47] Elwenspoek, S. 161.

[48] Es ist anzumerken, dass Elwenspoek anders als behauptet, nicht auf Grundlage sämtlicher Akten berichtet. Ob allerdings die Kenntnis aller Dokumente seine Perspektive grundlegend verändert hätte, ist zumindest zweifelhaft.

[49] Elwenspoek, S. 83.

[50] Elwenspoek, S. 161.

[51] Elwenspoek, S. 178.

[52] Elwenspoek, S. 6 (Vorbemerkung) Die „gewisse“ Sympathie, die der Autor voraussetzt, kann entweder als Identifikation, oder als implizite Rechtfertigung für seine positive Haltung Oppenheimer gegenüber aufgefasst werden. Wenn er behauptet, es brauche Sympathie, um Oppenheimer als Mensch angemessen darzustellen, legt dies die Annahme nah, dass er ihn positiver darstellen will, als es die historischen Berichte eigentlich zulassen. Elwenspoek, der den Roman Feuchtwangers kannte, glaubt, der Persönlichkeit Oppenheimers näher zu kommen, als die frühere Rezeption: „Aber alle diese Schriften, von den ersten Pamphleten bis zu dem Roman Lion Feuchtwangers, lassen den Kern der Persönlichkeit dieses mehr als in einem Sinne außergewöhnlichen Menschen im Dunkel.“ Ebenda, S. 14.

[53] Elwenspoek, S. 6.

[54] Elwenspoek, S. 190.

[55] Paul Kornfeld, Jud Süss. Tragödie in drei Akten und einem Epilog, S. 35.

[56] Kornfeld, S. 31.

[57] Ein deutlicher Bezug auf die sogenannte „ostjüdische Erscheinung“, die in der Weimarer Republik im Gegensatz zur weitgehend assimilierten jüdischen Bourgeoisie stand.

[58] Kornfeld, S. 40.

[59] Diese Konstellation kann (i. S. einer Karikatur) auch an die wohl prominenteste Freundschaft im Zuge der Emanzipation in Deutschland erinnern, jene zwischen Moses Mendelssohn und Gotthold Ephraim Lessing.

[60] Kornfeld, a.a.O., S. 49. Solche Sätze, die Kornfeld seinen Protagonisten gelegentlich in den Mund legt, sind es, die, angesichts seines eigenen tragischen Schicksals dazu einladen, als visionäre Vorwegnahme der faschistischen Machtübernahme gedeutet zu werden. Es war aber, zieht man die brieflichen Äußerungen Kornfelds in Betracht, vermutlich nicht die bewusste Absicht des Autors, der die Gefahr des NS eher gering schätzte. Vgl. Haumann, a.a.O.

[61] Paul Kornfeld, Der beseelte und der psychologische Mensch, S. 33f.

[62] Vgl. Nuy, a.a.O., S. 143. Dabei hatte Kornfeld gerade in den Volksszenen den Zusammenhang aus sozialer Not und Antisemitismus eindringlich beschrieben.

[63] Nuy, S. 43.

[64] Gerber, a.a.O., S. 292.

[65] Lion Feuchtwanger (FW), Jud Süss, S. 42ff.

Ende der Leseprobe aus 104 Seiten

Details

Titel
Politisierte Rezeption des Hofjuden Joseph Süß Oppenheimer in der Weimarer Republik
Untertitel
In den Arbeiten Sterns, Elwenspoeks, Feuchtwangers und Kornfelds
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Judaistik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
104
Katalognummer
V52206
ISBN (eBook)
9783638479790
Dateigröße
934 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hofjude, Joseph, Oppenheimer, Rezeption, Gestalt, Weimarer, Republik, Arbeiten, Selma, Sterns, Curt, Elwenspoeks, Lion, Feuchtwangers, Paul, Kornfelds
Arbeit zitieren
Magister Artium Thorsten Beck (Autor), 2004, Politisierte Rezeption des Hofjuden Joseph Süß Oppenheimer in der Weimarer Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52206

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Politisierte Rezeption des Hofjuden Joseph Süß Oppenheimer in der Weimarer Republik


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden