Die frühen Kolonialstädte der Spanier und Portugiesen in Lateinamerika - Ein Vergleich


Hausarbeit, 2005
34 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung in das Thema

2 Präkolumbischer „Städtebau“ und Anfänge der kolonialen Stadtentwicklung
2.1 Indianischer „Städtebau“
2.2 Funktionsfähige indianische Metropolen zu Beginn der Conquista - Cuzco, Tenochtitlan und Cholula

3 Inbesitznahme und Überblick der Kolonialisierung
3.1 Inbesitznahme und Durchdringung der „Neuen Welt“
3.2 Überblick über die Kolonialisierung

4 Die spanische Kolonialstadt
4.1 Lage und Stadtstruktur der spanischen Kolonialstadt
4.2 Bauformen der spanischen Kolonialstadt

5 Die portugiesische Kolonialstadt
5.1 Lage und Stadtstruktur portugiesischer Kolonialstädte
5.2 Bauformen der portugiesischen Kolonialstadt

6 Die lateinamerikanische Stadt – Eine Gegenüberstellung

7 Fazit und weiterer Ausblick 31
7.1 Fazit
7.2 Weiterer Ausblick

Literatur / Quellenverzeichnis:

Vorwort

Die vorliegende Arbeit baut auf einer bereits geschriebenen Arbeit mit dem Thema die „Die Stadtstrukturen und Stadtneugründungen der Kolonialstädte Lateinamerikas“ auf.

Im Zuge der Überarbeitung ist aber aufgrund veränderter Themenstellung eine völlig neue eigenständige Arbeit mit einem neuen Erkenntnisinteresse entstanden.

Um Missverständnissen hinsichtlich der Fragestellung im zweiten und dritten Teil vorzubeugen, soll gesagt werden, dass mir die Ausgangslage, gemeint ist der präkolumbische Siedlungs- und Städtebau sowie auch die Rahmenbedingungen der spanischen und portugiesischen Eroberung, als Einstieg in dieses Thema sehr wichtig waren, auch wenn dies unter Umständen als eigenständiges Thema gelten würde.

Ich sehe diese Abschnitte als unverzichtbar an, um ein Gefühl für den Gesamtkontext und die Zeit, in dem sich der koloniale Städtebau abspielte zu bekommen und das Hauptthemenfeld hierein einzubetten.

Es soll hierdurch die Bedeutung der Fragestellung nicht geschmälert, sondern vorbereitend und zielgerichtet darauf hingeleitet werden.

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit ist im Rahmen der Vorlesung „Stadtbaugeschichte 1+2 “ im Wintersemester 2005 entstanden. Gegenstand der Hausarbeit ist eine Untersuchung der frühen lateinamerikanischen Kolonialstädte.

Neben einer Vorstellung der Rahmenbedingungen, des indianischen Siedlungs- und Städtewesens und der Conquista, soll die zentrale Fragestellung sein: „Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten zeichnen die Stadtgründungen der beiden iberischen Völker, der Spanier und der Portugiesen in der neuen Welt aus “?

Der Anlass dieser Arbeit ist durch ein schon lange währendes eigenes Interesse an diesem Thema und eine andere schon geschriebene Hausarbeit begründet.

Um die Entwicklungen und Vorgänge des Schwerpunktes der Arbeit besser nachvollziehen zu können, erfolgt innerhalb des 1. Kapitels die Einführung in das Thema.

Im 2. Kapitel wird, um die Ausgangssituation in der vorspanischen Zeit zu veranschaulichen, der indianische Städtebau beispielhaft geschildert, sowie anschließend drei Beispiele noch funktionierender indianischer „Städte“ zu Beginn der Conquista.

Das 3. Kapitel beschäftigt sich mit der Durchdringung des Kontinentes Südamerika durch die Spanier und Portugiesen sowie der Conquista.

Das 4. und 5. Kapitel hat die Charakteristik spanischer und portugiesischer Kolonialstädte, und deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten bezüglich der Beschaffenheit und Vorgehensweise der Stadtgründungen zum Thema. Unterschiede in den Stadtstrukturen, der Ansiedlungsweise und Motivation und auch in der Architektur sollen hier aufgezeigt werden. Die beiden Kapitel beschäftigen sich

mit den spanischen und portugiesischen Kolonialstädten hinsichtlich der Lage, Stadtstruktur und der Bauformen.

Im 6.Kapitel erfolgt eine Gegenüberstellung der spanischen und portugiesischen Kolonialstadt. Das 7. Kapitel schließt mit einem Fazit, sowie einem abschließenden Ausblick ab.

1.1 Einführung in das Thema

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den städtischen Entwicklungen der Spanier und Portugiesen in der sogenannten „Neuen Welt“, inbegriffen den Siedlungsweisen der Indianer. Sie wird sich mit den Anfängen der spanischen und portugiesischen Stadtentwicklung in der „Neuen Welt“ im Zuge der Conquista und der Kolonialisierung beschäftigen. Das spezielle Erkenntnisinteresse wird aber auf die Unterschiede der spanischen und portugiesischen Stadtgründungen und Vorgehensweisen gerichtet sein, welche aufgezeigt und analysiert werden.

Im Gegensatz zu Nordamerika waren im 16. Jahrhundert in Südamerika, welches seit Jahrhunderten eine gefestigte städtische Kultur besaß, Besitzergreifung und Agrarkolonisation nicht identisch. In Nordamerika war 2 Jahrhunderte später die Kolonisation eine unmittelbare Folge der Landnahme, Landnahme und bäuerliche Erschließung fielen zur gleichen Zeit zusammen. In Südamerika dagegen liegen zwischen der politischen Machtergreifung und der tatsächlichen Besiedelung des Landes über 300 Jahre und es fanden nur linienhafte Durchdringungen durch die Konquistadoren und keine Masseneinwanderung wie in Nordamerika statt.

Die Motive der spanischen und portugiesischen Stadtgründungen waren unterschiedlichster Natur, was bereits an charakteristischen Unterschieden an der

Lage der Kolonialstädte beider Völker erkennbar ist. Die spanischen Herrschaftssitze und ersten festen Niederlassungen gründeten oft auf indianischen Vorstädten und deren Ruinen und befanden sich vor allem in den Hochbecken der Anden.

Die Spanier kamen nicht als friedliche Siedler und Agrarkolonisten, sondern als Eroberer, gelockt von Gold- und Silberschätzen nach Südamerika, im Vergleich zu den Portugiesen, welche als Seefahrer und Kaufleute kamen und eher periphere, maritime Siedlungsplätze in Form von ungeplanten Ansiedlungen als Stützpunkte portugiesischer Seefahrer bevorzugten.

Genauso wie die Motive der Stadtgründungen beider Völker unterschiedlich waren, so verschieden waren, trotz vieler Gemeinsamkeiten auch die ersten Stadtgründungen.

2 Präkolumbischer „Städtebau“ und die Anfänge der kolonialen Stadtentwicklung

Um das Vorgehen der Spanier und Portugiesen hinsichtlich ihrer Stadtgründungen verständlicher zu machen und den Hintergrund zu schaffen, folgt eine Beschreibung des indianischen Siedlungs- und Städtebaus. Dies soll als Einstieg dienen, um zu veranschaulichen auf was für Verhältnisse, bezüglich der Kultur und des Grades der Siedlungs- und Stadtbaukunst die beiden iberischen Völker stießen, da sich darauf aufbauend die Ansiedlungspolitik beider Völker unterschied. Während die Spanier teilweise auf indianische Hochkulturen trafen und Siedlungen und Städte in der Nähe noch bestehender oder auch auf den Ruinen vernichteter indianischer Siedlungen errichteten, blieben die Portugiesen unabhängig dieser Faktoren in Küstennähe.

2.1 Präkolumbischer „Städtebau“

Im Folgenden sollen einige der wichtigsten Beispiele von indianischen, vorspanischen Stadtgründungen kurz erläutert werden.

Um Zeremonienzentren gescharte Siedlungen bestanden in Lateinamerika schon 3000 v. Chr. Solche Städte als Siedlungskonzentrationen organisierter Staats- und Religionssysteme , in denen auch schon Arbeitsteilung verübt wurde, gab es bereits 1000 v. Chr. Wenn hier also der Begriff der indianischen Stadt verwendet wird, so stützt er sich auf eben genannte Faktoren, wobei die Frage ob es sich nun um Städte handelt von der Betrachtungsweise abhängt (Schütz;1984;19).

Ein präkolumbisches Städtewesen hat es nach Wilhelmy/Borsdorf nur im westlichen Südamerika gegeben, wobei keinesfalls alle Hochkulturen der Andenländer und des pazifischen Küstenbereiches durch städtische Lebensformen gekennzeichnet waren.

Die Chibcha-Reiche in den Hochbecken der kolumbianischen Ostkordillere untermauern diesen Tatbestand, da es keine Städte mit Steinmauern waren, sondern befestigte Plätze mit runden Umwallungen aus Holz und Rohrgeflecht mit Lehmbewurf und mit kleinen Rundhütten mit grasbedeckten Kegeldächern. Da guter Bruchstein reichlich in den Gebirgen der Hochbecken vorhanden war, hat die Erdbebengefahr die Chibcha wohl davon abgehalten massivere Bauten zu errichten. Neben dem Salzhandel, der Herstellung von Textilien und keramischen Waren, lebte die Bevölkerung größtenteils vom Ackerbau. Wenn also von einer Hochkultur der Chibsa gesprochen wird, so ist weniger die bauliche Leistung, sondern wohl eher die politische, soziale und religiöse Organisationsfähigkeit gemeint (Wilhelmy; 1987;22).

Im Bereich der 2.000 km langen Küstenwüste Perus, die von über 50 aus den Anden fliessenden Flüssen durchzogen wird, entwickelten sich indianische, von Mais,- Maniok,- Bohnen- und Baumwollanbau lebende Oasenkulturen. Zwei der wichtigsten Bauwerke des alten Südamerika blieben in Form der 41 m hohen Sonnenpyramide und einer kleineren Mondpyramide erhalten und auch die Terassenanlagen, Lehmmauern, Strassen und Kanäle machen die Siedlungen der um 800 n. Chr. verloschenen Mochica-Kultur zu städtischen Anlagen. Neben der Ruinenfläche Pacatnamu auf einer Hochebene in Küstennähe, wo mehr als 57 Pyramidenreste gefunden wurden, sind auch im Tal von Viru, wo eine starke Bevölkerungskonzentration vorhanden war, aus Lehmziegeln errichtete und durch Leitern zugängliche Siedlungskomplexe errichtet worden. Korridorartige Gassen und kleine Höfe trennten die mit hunderten, eng verschachtelten Räumen versehenen Wohnblöcke.

In Gallinazo, der „Hauptstadt“ des Viru-Tals lebten bis zu 10.000 Menschen und obwohl derartig großen Siedlungen planerische Ideen zugrunde liegen müssen, lässt sich nicht sagen, ob es sich um Städte, oder um geplante,

zusammengedrängte Dorfgemeinschaften handelte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Indianischer Städtebau in Peru in vorspanischer Zeit. Im Norden ist Pacatnamu und Viru, weiter südlich Lima, Machu Picchu und Cuzco zu sehen.: Entwurf Wilhelmy

In Chan Chan, der „Hauptstadt“ des Chimor-Reiches (1000 – 1460), welches das Reich von Moche (Mochica) ablöste lässt sich die Frage bejahen. Die Lebensgrundlage war Oasenbau, Fischfang und Küstenhandel, wofür das große Hafenbecken spricht und die Stadt Paramonga war nicht nur militärischer Stützpunkt, sondern wies einen, durch gefundene Hausreste, städtischen Charakter auf. Das Stadtgebiet von Chan - Chan, welches bis zu 50.000 Menschen beherbergte, hatte eine Größe von 20 km², der Kernbezirk 6km². Gärten, Felder, Wohnhausgruppen und locker verstreute Paläste und Pyramiden prägten das äußere Umfeld der Stadt und ein 80 km langer Kanal führte Wasser heran. Im Inneren der durch massive Mauern geschützten Stadt lebte die Aristokratie in komfortablen Bauten außerhalb des Palastbezirkes, während die normale städtische Bevölkerung in einem 1 km² großen, eng verbauten Quartier wohnte. Der Großteil der bäuerlichen Bewohner wohnte im weiteren Umkreis von Chan - Chan und war zur Nahrungsmittelversorgung und zur Hilfe bei Bauarbeiten verpflichtet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 und 3 Chan-Chan in Peru: Planausschnitt und Luftaufnahme von Stadtteilruinen

Quelle: Schütz, 1987 Städte in Lateinamerika, 28

Die wohl wichtigsten Gründer von Städten im präkolumbischen Südamerika waren die Inka, deren Reich im 15. Jahrhundert die größte Ausweitung, über 37 Breitengrade von Mittelchile bis ins südliche Kolumbien, erreichte. Der Mittelpunkt des Inka-Reiches politischer, religiöser und kultureller Natur war die Stadt Cuzco, welche Ende des 12. Jahrhunderts in über 3.000 m Höhe als Hauptstadt gegründet wurde. Die engen Strassen Cuzcos waren gepflastert und gerade und die meisten Bauwerke, vom Wohnhaus bis zum Palast aus Stein. Riesige eckige Blöcke wurden ohne Mörtel und mit minimalen Fugen aufeinander gesetzt und stellten ein verzahntes, erdbebensicheres Gemäuer dar. Es wurden überwiegend 1-2 stöckige

Bauten errichtet und aus statischen Gründen nahm die Dicke des Steins nach oben ab und auf viele Fenster- und Türen wurde verzichtet. Im Gegensatz zu den Maya fehlt jeglicher ornamentaler Schmuck, da es den Inka um die architektonische Wirkung und die strenge Schönheit der Bauten an sich ging. Der Kunstsinn der Inka fand im kultischen und höfischen Leben prunkvoll seinen Ausdruck. Die einfachen städtischen Menschen lebten in sogenannten Adobehäusern, welche aus Lehmziegeln errichtet waren. Mit den Menschen im nahen Umland soll die Bevölkerung Cuzcos zu Hochzeiten an die 200.000 Menschen gezählt haben. Der kultische Mittelpunkt war der Sonnentempel, auf dessen Fundamenten die Spanier später die Kirche Santo Domingo erbauten und auch die durch das massive Gemäuer gezeichneten Strassen wurden bei dem Wiederaufbau Cuscos durch die Spanier ebenso übernommen, wie der kanalisierte und mit Brücken versehene Fluss am Rand der Stadt.[1]

Sämtliche Oasensiedlungen in Nähe der Pazifikküste, wie auch die vorher beschriebenen wurden 1460 von den Inka besetzt und in das indianische Großreich einverleibt.

Im östlichen Hochland zog sich das Reich der Inkas bis zur Grenze des andinen Bergwaldes, der die Überleitung zum Amazonastiefland einleitet. Diese Vegetationsgrenze, an der damals schon die Hochkultur der Inka auf primitive Lebensformen stieß, ist bis heute eine Kulturgrenze geblieben. Machu Picchu, in fast 2.430 m Meereshöhe, inmitten des Gebirges auf einer Bergspitze gelegen, war wohl die wichtigste Grenzsiedlung des Inkareiches. Sie hatte ein nach den Bauprinzipien der Inkas gegliedertes Gemeinwesen und hatte aufgrund fehlender Verteidigungs- anlagen keine Festungsform. Wie in Cuzco waren auch in Machu Picchu die Gebäude schmucklos und ohne Reliefs und als Strassen dienten, neben einem gepflasterten Verbindungsweg nach Cuzco, hunderte von Treppen. Kunstvolle Ackerbauterrassen und Wasserleitungssysteme versorgten die hauptsächlich bäuerliche Bevölkerung, welche in Gruppenquartieren mit zugeordneten Kultanlagen wohnte.

[...]


[1] Stadtstruktur Cuzco siehe 2.2

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Die frühen Kolonialstädte der Spanier und Portugiesen in Lateinamerika - Ein Vergleich
Hochschule
Technische Universität Hamburg-Harburg
Veranstaltung
Stadtbaugeschichte
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
34
Katalognummer
V52260
ISBN (eBook)
9783638480208
Dateigröße
3843 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kolonialstädte, Spanier, Portugiesen, Lateinamerika, Vergleich, Stadtbaugeschichte
Arbeit zitieren
Sebastian von der Lieth (Autor), 2005, Die frühen Kolonialstädte der Spanier und Portugiesen in Lateinamerika - Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52260

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