Die Diplomarbeit beschreibt nach einer Einleitung zunächst die 3 Modellgenerationen und die Beziehung zw. Währungs- und Bankenkrise (Twin Crisis). Danach werden die Ursachen für die Krisen in Norwegen und Finnland Ende der 80er Anfang der 90er und die Krisen in Mexiko 1994 und Argentinien 2001 näher betrachtet. Im Schlußteil werden die Ergebnisse vergleichend dargestellt und der Bezug zu den theoret. Krisenmodellen modelliert. Umfangreiches Zahlen- und Tabellenmaterial (18 Seiten) runden die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Vorwort
1.2 Ziel und Gang der Diplomarbeit
1.3 Begriffsklärung und Abgrenzung
2. Modelltheoretische Überlegungen
2.1 Krisenmodelle
2.1.1 Das Krisenmodell der ersten Generation
2.1.2 Krisenmodelle der zweiten Generation
2.2 Twin Crises - Modelle der dritten Generation
2.2.1 Banken - Run Modell
2.2.2 Moral Hazard Modell
2.2.3 Balance Sheet Modell
2.3 Zusammenfassung
3. Die Finanzkrisen in Skandinavien
3.1 Ursachen der Krisen in Norwegen 1988-93 und Finnland 1991-93
3.1.1 Deregulierung und Liberalisierung des Finanzsektors
3.1.2 Lending Boom und Asset Price Bubble
3.1.3 Akkumulation notleidender Kredite und das Platzen der Price Bubble
3.1.4 Unzureichendes Risikomanagement der Banken
3.1.5 Politische Faktoren
3.1.6 Negative exogene Schocks
3.2 Zusammenfassung
4. Die Finanzkrisen in Lateinamerika
4.1 Mexiko - Ursachen der Krise 1994
4.1.1 Steigende und sinkende Portfolioinvestitionen
4.1.2 Die Bankenkrise als Folge der Liberalisierung des Finanzsektors
4.1.3 Reale Aufwertung und wachsende Leistungsbilanzdefizite
4.1.4 Politische Faktoren und Staatsverschuldung
4.2 Argentinien - Ursachen der Krise 2001
4.2.1 Staatsverschuldung und wachsende Haushaltsdefizite
4.2.2 Reale Aufwertung und das Scheitern des Currency Boards
4.2.3 Die Auflagenpolitik des IWF
4.2.4 Korruption
4.3 Zusammenfassung
5. Schlussbetrachtungen
5.1 Gemeinsamkeiten
5.2 Unterschiede
5.3 Zusammenfassung – tabellarische Darstellung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Ursachen großer Finanzkrisen in Skandinavien und Lateinamerika, um ein tieferes Verständnis für die Entstehung, den Verlauf und die wechselseitige Abhängigkeit von Währungs- und Bankenkrisen zu entwickeln.
- Makroökonomische Krisenmodelle (erste, zweite und dritte Generation)
- Deregulierung und Liberalisierung des Finanzsektors in den 1980er/90er Jahren
- Die Rolle von Lending Booms, Asset Price Bubbles und staatlichen Bailout-Garantien
- Exogene Schocks, Leistungsbilanzdefizite und politische Einflussfaktoren
- Vergleichende Analyse der Krisen in Norwegen, Finnland, Mexiko und Argentinien
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Lending Boom und Asset Price Bubble
Die Folge dieser weit reichenden Deregulierungsmaßnahmen war eine immense Ausweitung des Kreditvolumens. Vor allem mit der Abschaffung der Mindestreserveregelungen 1984 begann auch der Boom bei der Vergabe von Bankkrediten (Vgl. Abb. 8). Diese Situation wurde begünstigt durch die cheap money and low inflation policy der Zentralbank, die erhöhte Inlandsnachfrage aufgrund des wirtschaftlichen Booms und durch ein unvorteilhaftes Steuersystem.
Die Deregulierung des grenzüberschreitenden Kapital- und Geldverkehrs und die Abschaffung der Devisenkontrollen erleichterten zudem die Verschuldung in ausländischer Währung. Vor allem bei Bau- und Dienstleistungsbetrieben betrug der Anteil an Fremdwährungsverbindlichkeiten oftmals 50 Prozent der gesamten Verbindlichkeiten. Auch Banken schlossen mit Hilfe von Auslandsschulden die durch wachsender Kreditnachfrage und geringer heimischer Sparquote die aufreißende Finanzierungslücke. Das Verhältnis von Bankkrediten zum nominalen BIP stieg in Finnland von 55 Prozent in 1984 auf fast 100 Prozent in 1990. In Norwegen verlief die Entwicklung ähnlich. Ein steigendes Kreditvolumen (Lending Boom) stellt für sich allein genommen kein gravierendes Problem dar. Empirische Untersuchungen zeigen jedoch, dass insbesondere in Zeiten eines wirtschaftlichen Aufschwunges der Grundstein für die spätere Krise gelegt wird. „ A number of studies have found that banking sector problems often follow an economic boom.”
Hoggarth/Reis/Saporta (2001) kamen aufgrund der Auswertung der Daten von 47 Bankenkrisen zu dem Ergebnis, dass Bankenkrisen in entwickelten Ländern oft einem wirtschaftlichen Boom folgen. Eine Begründung hierfür ist der beschriebene Lending Boom (auch Overlending). Konjunkturhochs können in Anbetracht der rosigen wirtschaftlichen Perspektiven zu einer Lockerung externer Finanzierungsbeschränkungen und zu optimistischeren Kreditvergabeentscheidungen führen. Die Boomphase führt demnach typischerweise zu einer expansiveren Kreditvergabepolitik. Banken vergeben Kredite auch an weniger gute Kunden für unsichere Investitionsobjekte. Die Kreditnachfrage ist aufgrund des Booms ausreichend vorhanden. Die Verbindung von geringen, teils negativen Sparquoten der privaten Haushalte (Vgl. Abb. 9 u. 10) und einem rasanten Kreditwachstum stellt die Frage, was mit Geldern geschah: „Die immense Verschuldung privater Haushalte wurde in großem Umfang zur Finanzierung von Wohnimmobilien genutzt, deren Preise sich zwischen 1980 und 1989 vervierfachten…“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik globaler Finanzkrisen ein und legt das Ziel sowie den Aufbau der Diplomarbeit dar.
2. Modelltheoretische Überlegungen: Hier werden theoretische Krisenmodelle der ersten bis dritten Generation erläutert, um die Mechanismen von Währungs- und Bankenkrisen zu fundieren.
3. Die Finanzkrisen in Skandinavien: Dieses Kapitel analysiert die Krisen in Norwegen und Finnland als Folge von Deregulierung, Kreditbooms und negativen exogenen Schocks.
4. Die Finanzkrisen in Lateinamerika: Hier werden die Krisen in Mexiko und Argentinien untersucht, wobei insbesondere Staatsverschuldung, Währungsanbindungen und politische Faktoren im Fokus stehen.
5. Schlussbetrachtungen: Das Kapitel vergleicht die Krisenursachen in Skandinavien und Lateinamerika und fasst die Erkenntnisse in einer tabellarischen Übersicht zusammen.
Schlüsselwörter
Finanzkrise, Währungskrise, Bankenkrise, Twin Crisis, Deregulierung, Lending Boom, Asset Price Bubble, Kapitalmobilität, Wechselkursbindung, Moral Hazard, IWF, Staatsverschuldung, Leistungsbilanzdefizit, Auslandsverschuldung, Krisenmodelle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ursachen von Finanzkrisen in unterschiedlichen Regionen, speziell in Skandinavien und Lateinamerika, unter Verwendung makroökonomischer Theorieansätze.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Analyse ab?
Im Fokus stehen die Interdependenzen zwischen Währungs- und Bankenkrisen, die Auswirkungen finanzieller Globalisierung sowie die Rolle staatlicher Politik und institutioneller Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine Ursachenanalyse der Finanzkrisen in den genannten Regionen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie die Anwendbarkeit verschiedener Krisenmodelle zu überprüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive und vergleichende Analyse auf Basis ökonomischer Krisenmodelle, ergänzt durch die Auswertung empirischer makroökonomischer Daten und Literatur.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung sowie die detaillierte Untersuchung der skandinavischen Bankenkrisen und der lateinamerikanischen Währungskrisen (Mexiko, Argentinien).
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Twin Crisis, Deregulierung, Lending Boom, Moral Hazard, Währungsbindung und Asset Price Bubble.
Welche Rolle spielt die IWF-Auflagenpolitik in den lateinamerikanischen Krisen?
Der Autor diskutiert kritisch, ob Standardlösungen des IWF und eine zu rasche Liberalisierung der Finanzmärkte in Schwellenländern krisenverstärkend wirken konnten.
Warum wird in der Arbeit zwischen den Krisen in Skandinavien und Lateinamerika differenziert?
Die Differenzierung zeigt, dass in Skandinavien vor allem Fehlentwicklungen im privaten Bankensektor (Lending Boom) dominieren, während in Lateinamerika die Staatsverschuldung und Währungsanbindungen im Vordergrund stehen.
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- Dipl.Volkswirt Stefan Berger (Author), 2005, Ursache von Finanzkrisen. Lateinamerika und Skandinavien im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52282