1 Vorwort
„Aspekte eines christlichen Gottesbegriffs“ – so lautet der Titel dieser Hausarbeit. Ziel soll es sein, zwei –zeitlich voneinander unabhängige- Darstellungen in den Fokus des Interesses zu stellen.
Dabei beginnen die Ausarbeitungen bei Anselm von Canterbury, der Zeit des 11. Jahrhunderts und der Frühscholastik und reichen mit dem Ersten Vatikanischen Konzil hin zum späten 19. Jahrhundert zum Vorabend des Kulturkampfes. Es wird folglich erkennbar, dass die Vorstellungen eines christlichen Gottesbegriffs kein abgeschlossenes Absolutum, sondern ein zeitlich - dynamischer Prozess sind.
In Betracht der geistesgeschichtlichen Epochen und deren oben genannten Vertretern, lässt sich ein Zeitrahmen von etwa 700 bis 750 Jahren festmachen.
Nachdem beide Positionen sowohl historisch eingeordnet und inhaltlich
vorgestellt worden sind, wird im Fazit der Versuch unternommen, ein
abschließendes Bild dieser Hausarbeit auszuarbeiten
[...]
Gliederung
1 Vorwort
2 Aspekte eines Gottesbegriffes beim heiligen Anselm von Canterbury – Die Frühscholastik
2.1 Zum historischen Kontext
2.1.1 Zur Vita des heiligen Anselm
2.1.2 Inhaltlicher Punkt der Frühscholastik
2.2 Inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Anselms Gottesbeweises
2.2.1 „Quod vere sit Deus“ – Dass Gott wahrhaft ist
2.2.2 „Quod non possit cogitari non esse“ - „Dass nicht gedacht werden kann, er sei nicht.“
2.2.3 „Quomodo insipiens dixit in corde, quod cogitari non potest“ – „Wie der Tor im Herzen gesprochen hat, was nicht gedacht werden kann.“
3 Der christliche Gottesbegriff auf Basis des dogmatischen Konzilstextes „Dei filius“ - Der Vorabend des „Kulturkampfes“
3.1 Zeitlicher Sprung und Historische Einordnung
3.2 Zum Inhalt des ersten Kapitels „Gott, der Schöpfer aller Dinge“ der dogmatischen Konstitution „Dei Filius“
3.2.1 Vorwort der dogmatische Konstitution „Dei Filius“
3.2.2 „Der eine, vollkommene, von der Welt verschiede Gott“
3.2.3 „Der Akt der Schöpfung: seine Vollkommenheit, sein Zweck und seine Wirkung“
3.2.4 „Die göttliche Vorsehung“
3.2.5 Ergebnis der Überlegungen dieses Kapitels
3.2.6 Reaktionen
4 Vergleichendes Fazit der beiden Kapitel dieser Hausarbeit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Entwicklung christlicher Gottesvorstellungen anhand zweier historisch und kontextuell unabhängiger Quellen zu untersuchen und gegenüberzustellen. Die Forschungsfrage widmet sich der Herausarbeitung, inwieweit das Gottesbild über einen Zeitraum von rund 750 Jahren als dynamischer Prozess verstanden werden kann.
- Analyse des Gottesbegriffs bei Anselm von Canterbury (Frühscholastik).
- Untersuchung der dogmatischen Konstitution „Dei filius“ (Erstes Vatikanisches Konzil).
- Historische Einordnung der jeweiligen geistesgeschichtlichen Epochen.
- Logisch-analytische Betrachtung der Gottesbeweise und Attribute.
- Gegenüberstellung von Vernunft und Glauben in beiden Epochen.
Auszug aus dem Buch
„Quod vere sit Deus“ – Dass Gott wahrhaft ist
Dies ist die zentrale Aussage und zugleich Überschrift des zweiten Kapitels des Proslogion. Das entscheidende hierbei ist, dass das „sit“, d.h. das „esse“, nicht als nur Beschreibendes zu verstehen sein soll, sondern die wahrhafte „Existenz“ Gottes beschreiben soll. Eben diese „wahre Existenz“ Gottes zu beweisen, ist Anliegen Anselms. Dabei greift Anselm in seiner Schrift das Beispiel eines Malers auf, mit dessen Hilfe er die zwei Ebenen der Existenz bzw. des Verstehens um die Existenz näher bringen möchte.
Dieses beschreibt im Originaltext der Satz „Aliud enim est rem esse in intellectu, aliud intelligere rem esse“ – „Eines nämlich ist es, wenn eine Sache im Verstand ist, etwas anderes, wenn man versteht, dass eine Sache ist.“ So besteht zum einen die Möglichkeit, etwas im Verstand zu haben, dadurch dass man es hört, oder eben, bleiben wir beim Beispiel des Malers, dadurch, dass er sich das Objekt seines Malens vorstellt, es aber noch nicht versteht, weil er es noch nicht gemalt hat. „Hat er es aber bereits gemalt, so hat es sowohl im Verstande als auch versteht er, dass das, was er bereits geschaffen hat, ist.“ Es werden also die beiden Weisen der Existenz deutlich erkennbar: Im Verstand und in der Realität. Und Synthese beider ist die Existenz sowohl im Verstand als auch in der Realität. Und eben hiervon muss auch der Tor (= Atheist), der Anlass der Überlegungen, überzeugt werden. Allein dadurch, dass er „aliquid quo nihil maius cogitari possit“ akustisch wahrnimmt, hat er es nach Anselm in seinem Verstande (= 1. Schritt in intellectu). Es muss allerdings auch in re (= 2. Schritt) existieren, denn sonst wäre logischer Weise Gott oder besser ausgedrückt das „aliquid quo nihil maius cogitari possit“ eben nicht dieses! Wäre es eben nicht auch in re (dieses „maius“) dann wäre für die Existenz in re etwas durchaus Größeres denkbar. Und das kann eben (in Bezug auf Gott) nicht sein. Folglich lässt sich das „aliquid quo nihil maius cogitari possit“ in seiner Existenz als in intellectu et in re denken.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Dieses Kapitel führt in das Ziel der Arbeit ein, zwei zeitlich unabhängige Darstellungen des Gottesbegriffs zu vergleichen, um den dynamischen Prozess theologischer Vorstellungen aufzuzeigen.
2 Aspekte eines Gottesbegriffes beim heiligen Anselm von Canterbury – Die Frühscholastik: Hier werden die Vita des Anselm von Canterbury sowie seine zentralen Argumente aus dem Proslogion zur logischen Notwendigkeit der Existenz Gottes analysiert.
3 Der christliche Gottesbegriff auf Basis des dogmatischen Konzilstextes „Dei filius“ - Der Vorabend des „Kulturkampfes“: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Kontext des Ersten Vatikanischen Konzils und arbeitet das Gottesbild aus der Konstitution „Dei Filius“ unter Berücksichtigung politischer Spannungen heraus.
4 Vergleichendes Fazit der beiden Kapitel dieser Hausarbeit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese, die zeigt, dass beide Quellen den Kontakt zum Göttlichen suchen und Vernunft und Glaube als komplementäre Größen begreifen.
Schlüsselwörter
Fundamentaltheologie, Anselm von Canterbury, Frühscholastik, Proslogion, Dei filius, Erstes Vatikanisches Konzil, Gottesbegriff, Gottesbeweis, Kulturkampf, Glauben, Vernunft, Existenz, Scholastik, päpstliche Unfehlbarkeit, Dogmatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung und Gegenüberstellung von christlichen Gottesbegriffen anhand von Anselm von Canterbury und dem Ersten Vatikanischen Konzil.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die frühscholastische Gottesbeweisführung, die dogmatische Festlegung im 19. Jahrhundert sowie die historische Einordnung dieser theologischen Denkweisen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass christliche Gottesvorstellungen kein starres Absolutum sind, sondern einen zeitlich-dynamischen Prozess innerhalb der Geistesgeschichte darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-theologische Analyse angewandt, die durch die Auswertung von Primärtexten und einschlägiger Sekundärliteratur gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Anselms „aliquid quo nihil maius“ und die Analyse der Konstitution „Dei Filius“ im Kontext des Kulturkampfes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Fides quaerens intellectum“, „Gottesexistenz“, „Schöpfung“, „Vorsehung“ und „Ratio“ geprägt.
Wie unterscheidet sich Anselms Gottesbegriff vom Verständnis des Ersten Vatikanums?
Während Anselm eine stärker logisch-philosophische Herleitung der Notwendigkeit Gottes verfolgt, fokussiert das Erste Vatikanum auf ein dogmatisch-offenbartes Verständnis des Schöpfergottes in einem politisch spannungsreichen Umfeld.
Welche Rolle spielt der „Tor“ in Anselms Überlegungen?
Der „Tor“ dient Anselm als Antagonist bzw. Atheist, dessen Leugnung Gottes durch die logische Konsequenz des Gottesbeweises als Nicht-Kennen entlarvt wird.
Wie reagierte die Zeitgenossenschaft auf das Dogma des Ersten Vatikanums?
Das Dogma führte zu einer starken Polarisierung, die unter anderem in der Gründung der Altkatholischen Kirche und politischer Repression während des Kulturkampfes mündete.
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- Marc Sprungmann (Author), 2006, Aspekte eines christlichen Gottesbegriffes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52304