Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Philosophy - Philosophy of the 20th century

Mechanismen der modernen Macht - Hausarbeit zu Michel Foucaults genealogischer Analyse der modernen Macht mit besonderer Berücksichtigung seines Machtkonzeptwandels von 1970-1976

Title: Mechanismen der modernen Macht - Hausarbeit zu Michel Foucaults genealogischer Analyse der modernen Macht mit besonderer Berücksichtigung seines Machtkonzeptwandels von 1970-1976

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 33 Pages , Grade: 2

Autor:in: Sabrina Radeck (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In unseren Alltagsfloskeln steckt häufig der Begriff ‚Macht’: Jemand ist an der Macht, man wird ohnmächtig, jemand ist der Machthaber über etwas, man wird zu etwas ermächtigt. Des Weiteren gibt es Weltmächte, Machtfragen oder auch Machtergreifungen. Hinter diesen Aussprüchen und Begriffen steckt das Bild, dass die Macht jemandem gehört, der sie ausübt und dass es andere gibt, die sich dieser Macht unterwerfen. Diesem Verständnis nach, kann man die Macht genau lokalisieren, ihre Wirkungsweisen untersuchen, sie beurteilen, verändern, umkehren oder revolutionieren. Das Bild des allein herrschenden Monarchen, der Herr über sein Volk und die Gesetze ist und das alleinige Bestimmungsrecht hat, ist immer noch eine gebräuchliche Vorstellung.
Es gibt aber auch Betrachtungsweisen, die die Macht nicht an Subjekte gebunden oder als Eigentum verstehen. Der französische Philosoph Michel Foucault (1926-1984) hat sich in seinen Schriften in poststrukturalistischer Manier vom Subjekt abgewendet. In „Die Ordnung der Dinge“ von 1966 untersucht er mit archäologischer Methode die Ordnungsschemata der Wissenschaften in den verschiedenen Epochen. Einen besonderen Bruch konstatiert er im Übergang von der Klassik zur Moderne. Letztere hat nämlich als zentrales Thema des Wissens den Menschen entdeckt und ihn in den Humanwissenschaften, wie Medizin, Biologie, Soziologie Psychologie etc, zum zentralen Objekt der Erkenntnis gemacht. Der Mensch ist somit zugleich der Erkennende und das zu erkennende Objekt. Er kreiert sich also selbst den Raum der Erkenntnis und begrenzt ihn durch seine eigene Sichtweise.
Diese Erkenntnisse verleiten zu dem Gedanken, der Mensch oder das Subjekt ist der Hauptakteur der Gegenwart. Doch Foucault schließt in „Die Ordnung der Dinge“ mit dem Satz:
„Wenn diese Dispositionen verschwänden, so wie sie erschienen sind, wenn durch irgendein Ereignis, dessen Möglichkeit wir höchstens vorausahnen können, aber dessen Form oder Verheißung wir im Augenblick noch nicht kennen, diese Dispositionen ins Wanken gerieten, wie an der Grenze des achtzehnten Jahrhunderts die Grundlage des klassischen Denkens es tat, dann kann man sehr wohl wetten, daß der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Genealogie und diskursive Ordnung

Exkurs: Strukturalismus und Poststrukturalismus

2.1 Die Macht der Diskurse

2.1.1Was ist ein Diskurs?

2.1.2 Die Dressur des Diskurses

2.1.2.1 Äußere Ausschließungsprozeduren

2.1.2.2 Interne Ausschließungsprozeduren

2.2 Methodik gegen die Angst vor dem „Rauschen des Diskurses“

3 Genealogie als „Anti-Wissenschaft“

4 Bio-Macht und ihre Technologie

4.1 Die Repressionshypothese

4.1.1 Die christliche Förderung der Sexualität

4.1.2 Sex als Sache der Verwaltung

4.2 Allianzdispositiv vs. Sexualitätsdispositiv

4.2.1 Das Allianzdispositiv

4.2.2 Das Sexualitätsdispositiv

4.2.3 Sexualität und Familie

4.3 Chronologie gegen die Repression

4.4 Die Macht des Lebens

5 Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung von Michel Foucaults Machtkonzeptionen im Zeitraum von 1970 bis 1976. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob es sich um eine kontinuierliche Theorieentwicklung handelt oder ob Foucault einen konzeptionellen Bruch vollzog, insbesondere den Übergang von einer repressiven hin zu einer produktiven Machtvorstellung.

  • Die Genealogie als methodisches Instrument zur Machtanalyse
  • Foucaults Diskursbegriff und die Mechanismen der Diskurseinschränkung
  • Die Abkehr von der Repressionshypothese am Beispiel der Sexualität
  • Die Etablierung des Sexualitätsdispositivs und der Bio-Macht
  • Der Wandel vom souveränen Machtverständnis zur Macht des Lebens

Auszug aus dem Buch

2.1.1Was ist ein Diskurs?

„Wir müssen uns nicht einbilden, daß uns die Welt ein lesbares Gesicht zuwendet, welches wir nur zu entziffern haben. Die Welt ist kein Komplize unserer Erkenntnis. Es gibt keine prädiskursive Vorsehung, welche uns die Welt geneigt macht. Man muß den Diskurs als eine Gewalt begreifen, die wir den Dingen antun; jedenfalls als eine Praxis, die wir ihnen aufzwingen. In dieser Praxis finden die Ereignisse des Diskurses das Prinzip ihrer Regelhaftigkeit.“

Foucault beginnt Diskurse zu analysieren, weil er sich von deren Untersuchung einen andersartigen Erkenntnisgewinn erhofft, als ihn die herkömmliche Geschichtsschreibung bisher hervorgebracht hat. Sie berücksichtige zwar auch kleine Ereignisse, statt nur die Meilensteine zu untersuchen und habe sich von einem kausalen Erklärungsmodell gelöst. Doch es gehe immer noch darum, Strukturen freizulegen, in die die Ereignisse eingeordnet werden könnten und die letzteren vorgängig seien.

Mit seiner subjektlosen Philosophie, die jedweden Ursprungsgedanken zu eliminieren versucht, führt Foucault nun aus heuristischen Gründen Begriffe ein, mit denen man die Diskurse in einer Gesellschaft untersuchen kann. Nur anhand dessen wird deutlich, was man unter einem Diskurs zu verstehen hat; denn Foucault vermeidet es, eine klare Definition dafür abzugeben. Es sind Begriffe wie „Ereignis“, „Serie“, „Regelhaftigkeit“, „Zufall“ oder „Diskontinuität“, die einen Diskurs charakterisieren, ihn aber auch in sich widersprüchlich machen. Denn wie kann ein Diskurs Regeln befolgen oder auch aufstellen und zugleich diskontinuierlich sein?

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, wie Macht traditionell als repressiv und lokalisiert verstanden wird, und kontrastiert dies mit Foucaults poststrukturalistischer Sichtweise.

2 Genealogie und diskursive Ordnung: Dieses Kapitel erläutert Foucaults Diskursanalyse als Beginn seiner Machtanalyse, bei der er Diskurse als geregelte Praktiken versteht und methodische Abgrenzungen zum Strukturalismus vornimmt.

3 Genealogie als „Anti-Wissenschaft“: Hier wird die Genealogie als Methode „wirklicher Historie“ gegen die traditionelle, teleologische Geschichtsschreibung positioniert, um Machtverhältnisse jenseits von Ursprungssuchen zu analysieren.

4 Bio-Macht und ihre Technologie: Das Kapitel analysiert anhand der Sexualität den Wechsel von einer negativen Repressionshypothese hin zu einer produktiven, modernen Machtform, der Bio-Macht.

5 Schluss: Das Schlusskapitel resümiert die Entwicklung in Foucaults Denken und stellt fest, dass sein Machtkonzept einen grundlegenden Wandel von der Unterdrückung zur produktiven Ausgestaltung von Diskursen durchlaufen hat.

Schlüsselwörter

Michel Foucault, Macht, Genealogie, Diskurs, Sexualität, Bio-Macht, Poststrukturalismus, Repressionshypothese, Sexualitätsdispositiv, Wissen, Wahrheit, Subjekt, Machtverhältnisse, Machtanalyse, Herrschaftssystem.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Veränderung des Machtverständnisses von Michel Foucault in seinen Schriften zwischen 1970 und 1976.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Diskursanalyse, die genealogische Methode, die Analyse der Sexualität und der Begriff der Bio-Macht.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu klären, ob Foucaults Machttheorie kontinuierlich gewachsen ist oder ob wesentliche Brüche in seiner Auffassung vorliegen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit basiert auf einer wissenschaftlichen Literaturanalyse von Foucaults Werken, insbesondere „Die Ordnung des Diskurses“ und „Der Wille zum Wissen“.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der genealogischen Diskursanalyse, dem methodischen Umbruch zur „Anti-Wissenschaft“ und der Anwendung dieser Methode auf die Sexualität als Beispiel für moderne Macht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind Macht, Genealogie, Diskurs, Bio-Macht, Sexualität und Dispositiv.

Wie unterscheidet sich das Allianzdispositiv vom Sexualitätsdispositiv?

Das Allianzdispositiv war auf das Recht, die Heirat und die Weitergabe von materiellem Gut ausgerichtet, während das Sexualitätsdispositiv die Körper und die Sexualität produktiv reguliert und überwacht.

Warum revidiert Foucault seine Repressionshypothese?

Er erkennt, dass die Vorstellung einer unterdrückten Sexualität gerade zu einer Ausweitung und Intensivierung von Diskursen über Sexualität geführt hat, anstatt sie zu unterdrücken.

Was versteht Foucault unter Bio-Macht?

Bio-Macht bezeichnet eine Machtform, die sich nicht auf das Recht zu töten stützt, sondern darauf abzielt, Leben zu verwalten, Körper zu disziplinieren und Produktivität zu steigern.

Excerpt out of 33 pages  - scroll top

Details

Title
Mechanismen der modernen Macht - Hausarbeit zu Michel Foucaults genealogischer Analyse der modernen Macht mit besonderer Berücksichtigung seines Machtkonzeptwandels von 1970-1976
College
University of Duisburg-Essen
Course
Michel Foucault
Grade
2
Author
Sabrina Radeck (Author)
Publication Year
2005
Pages
33
Catalog Number
V52399
ISBN (eBook)
9783638481243
ISBN (Book)
9783656792116
Language
German
Tags
Mechanismen Macht Hausarbeit Michel Foucaults Analyse Macht Berücksichtigung Machtkonzeptwandels Michel Foucault
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sabrina Radeck (Author), 2005, Mechanismen der modernen Macht - Hausarbeit zu Michel Foucaults genealogischer Analyse der modernen Macht mit besonderer Berücksichtigung seines Machtkonzeptwandels von 1970-1976, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52399
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  33  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint