Mechanismen der modernen Macht - Hausarbeit zu Michel Foucaults genealogischer Analyse der modernen Macht mit besonderer Berücksichtigung seines Machtkonzeptwandels von 1970-1976


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

33 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Genealogie und diskursive Ordnung
Exkurs: Strukturalismus und Poststrukturalismus
2.1 Die Macht der Diskurse
2.1.1 Was ist ein Diskurs?
2.1.2 Die Dressur des Diskurses
2.1.2.1 Äußere Ausschließungsprozeduren
2.1.2.2 Interne Ausschließungsprozeduren
2.2 Methodik gegen die Angst vor dem „Rauschen des Diskurses“

3 Genealogie als „Anti-Wissenschaft“

4 Bio-Macht und ihre Technologie
4.1 Die Repressionshypothese
4.1.1 Die christliche Förderung der Sexualität
4.1.2 Sex als Sache der Verwaltung
4.2 Allianzdispositiv vs. Sexualitätsdispositiv
4.2.1 Das Allianzdispositiv
4.2.2 Das Sexualitätsdispositiv
4.2.3 Sexualität und Familie
4.3 Chronologie gegen die Repression
4.4 Die Macht des Lebens

5 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In unseren Alltagsfloskeln steckt häufig der Begriff ‚Macht’: Jemand ist an der Macht, man wird ohnmächtig, jemand ist der Machthaber über etwas, man wird zu etwas ermächtigt. Des Weiteren gibt es Weltmächte, Machtfragen oder auch Machtergreifungen. Hinter diesen Aussprüchen und Begriffen steckt das Bild, dass die Macht jemandem gehört, der sie ausübt und dass es andere gibt, die sich dieser Macht unterwerfen. Diesem Verständnis nach, kann man die Macht genau lokalisieren, ihre Wirkungsweisen untersuchen, sie beurteilen, verändern, umkehren oder revolutionieren. Das Bild des allein herrschenden Monarchen, der Herr über sein Volk und die Gesetze ist und das alleinige Bestimmungsrecht hat, ist immer noch eine gebräuchliche Vorstellung.

Es gibt aber auch Betrachtungsweisen, die die Macht nicht an Subjekte gebunden oder als Eigentum verstehen. Der französische Philosoph Michel Foucault (1926-1984) hat sich in seinen Schriften in poststrukturalistischer Manier vom Subjekt abgewendet. In „Die Ordnung der Dinge“ von 1966 untersucht er mit archäologischer Methode die Ordnungsschemata der Wissenschaften in den verschiedenen Epochen. Einen besonderen Bruch konstatiert er im Übergang von der Klassik zur Moderne. Letztere hat nämlich als zentrales Thema des Wissens den Menschen entdeckt und ihn in den Humanwissenschaften, wie Medizin, Biologie, Soziologie Psychologie etc, zum zentralen Objekt der Erkenntnis gemacht. Der Mensch ist somit zugleich der Erkennende und das zu erkennende Objekt. Er kreiert sich also selbst den Raum der Erkenntnis und begrenzt ihn durch seine eigene Sichtweise.

Diese Erkenntnisse verleiten zu dem Gedanken, der Mensch oder das Subjekt ist der Hauptakteur der Gegenwart. Doch Foucault schließt in „Die Ordnung der Dinge“ mit dem Satz:

„Wenn diese Dispositionen verschwänden, so wie sie erschienen sind, wenn durch irgendein Ereignis, dessen Möglichkeit wir höchstens vorausahnen können, aber dessen Form oder Verheißung wir im Augenblick noch nicht kennen, diese Dispositionen ins Wanken gerieten, wie an der Grenze des achtzehnten Jahrhunderts die Grundlage des klassischen Denkens es tat, dann kann man sehr wohl wetten, daß der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand.“[1]

Diese Prophezeiung des Untergangs des Subjekts kann als Ankündigung zu Foucaults späteren Analysen in „Überwachen und Strafen“ und „Der Wille zum Wissen“ verstanden werden. Durch Disziplinierung und Biopolitik wird zwar auf das Subjekt eingewirkt, jedoch wird sich herausstellen, dass es in den Strukturen und Kräfteverhältnissen untergeht.

In der vorliegenden Arbeit sollen Foucaults Machtkonzeptionen von 1970 bis 1976 in Auszügen vorgestellt werden. Dabei gilt es am Ende zu klären, ob es sich um eine kontinuierliche Theorieentwicklung handelt, oder, wenn es Brüche gibt, wie diese zu bewerten sind.

Zunächst werden die Anfänge von Foucaults Machtanalyse dargestellt. Hierzu wird im zweiten Kapitel auf seine Antrittsvorlesung am Collège de France „Die Ordnung des Diskurses“ von 1970 eingegangen. Foucault entfaltet dort sein Forschungskonzept, in dem er seine neue Methode der Geschichtsschreibung, die Genealogie, neben seiner schon praktizierten Archäologie vorstellt. Seine Ausführungen zu den Diskursen sollen verdeutlichen, dass Foucault hier an einem Übergang seiner Vorstellung von Macht steht.

Geht er in „Die Ordnung des Diskurses“ noch von repressiven und verknappenden Mechanismen der Diskursformationen aus, ändert sich dies in seinen späteren Werken. Diese Entwicklung beginnt mit Foucaults detaillierter Auseinandersetzung mit der genealogischen Methode, die er in seinem Aufsatz „Nietzsche, die Genealogie, die Historie“ von 1974, darlegt und die im dritten Kapitel dieser Arbeit thematisiert wird.

Das vierte Kapitel widmet sich schließlich dem Ziel von Foucaults Forschungsvorhaben, der Analyse der modernen Macht. Hier findet die genealogische Methode in ausgereifter Form Anwendung. Neben seiner Machtkonzeption soll hier auch die Genealogie, exemplifiziert an seinem Buch „Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1“ von 1976, in ihrem Gebrauch deutlicher werden.

In einem abschließenden Kapitel soll eine Verbindung zwischen Foucaults Machtverständnis in „Die Ordnung des Diskurses“ und „Der Wille zum Wissen“ gezogen werden, um die Veränderung in seiner Vorstellung von den Wirkungsweisen der Macht zu verdeutlichen. Dazu wird das Interview „Die Machtverhältnisse gehen in das Innere der Körper über“ von Lucette Finas mit Foucault von 1977 hinzugezogen.

2 Genealogie und diskursive Ordnung

Besonders in seinen späteren Werken aus den siebziger Jahren, widmet sich Foucault der Machtanalyse. In seiner berühmten Antrittsvorlesung am Collège de France, „Die Ordnung des Diskurses“ von 1970, macht Foucault deutlich, dass Diskurse in einer Gesellschaft nach bestimmten, impliziten Regeln funktionieren. Sie besagen, über welche Themen, in welcher Weise und von welcher Person in einer Gesellschaft gesprochen werden darf. Aber es gibt keine einzelne Person oder Institution, die diese Regeln anordnet. Die Regeln entstehen vielmehr durch ein Gefüge, das sich über Epochen hinweg entwickelt hat und an dem viele Kräfte einer Gesellschaft beteiligt sind.

Der Diskurs ist ein besonderes Charakteristikum der modernen Macht und für Foucault der Beginn seiner genealogischen Vorgehensweise. In „Die Ordnung des Diskurses“ geht er jedoch noch implizit von einer repressiven Macht aus, was an seinen Ausführungen zu den Mechanismen der Verknappung der Diskurse deutlich wird. Die Vorstellung einer modernen Macht, die nach Foucault allgegenwärtig ist, von allen Seiten kommt, die sich in der Vielfältigkeit von Kräfteverhältnissen darstellt, die niemand entworfen hat und nicht subjektiv ist, formuliert er jedoch erst einige Jahre später, in „Der Wille zum Wissen“. Er betrachtet die Genealogie zunächst als Ergänzung zu seiner vorherigen archäologischen Methode, die sich auf die Rekonstruktion von Diskursformationen zu einem bestimmten Zeitpunkt konzentriert.

In den folgenden Unterkapiteln soll deutlich gemacht werden, warum sich die genealogische Methode für die Analyse der Macht besser eignet. Dazu soll zunächst in einem Exkurs dargelegt werden, wovon sich die Genealogie als Methode des Poststrukturalismus abgrenzt, nämlich von der diachronischen, aber doch ein Zentrum suchenden Methode des Strukturalismus. In den sich anschließenden Kapiteln wird dieser Umbruch, der sich jedoch zunächst in Foucaults beginnender Machtanalyse als Übergangsphase darstellt, in der Untersuchung der Diskurse nachvollzogen.

Exkurs: Strukturalismus und Poststrukturalismus

Der Poststrukturalismus hat sich vornehmlich in Frankreich in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt. Man kann ihn als Erweiterung, aber auch als Kritik am Strukturalismus verstehen. Beiden gemeinsam ist der Bezug zum „linguistic turn“, der Semiotisierung der Welt und vieler Wissenschaften. Der Grundstein für den Strukturalismus wurde mit Ferdinand de Saussures Begründung einer strukturalen Linguistik am Anfang des 20. Jahrhunderts gelegt, mit der er die allgemeinen sprachlichen Strukturen beschreiben und untersuchen wollte. Durch die Analyse des Zeichens und die Feststellung, dass zwischen Bezeichnetem und Bezeichnendem eine arbiträre Verbindung besteht, verliert das Zeichen seinen Repräsentationscharakter.

Nicht die Referenz zur außersprachlichen Wirklichkeit ist sinngebend. Der sprachliche Sinn wird nur sprachintern konstituiert. Er beruht auf der Differenz der Zeichen untereinander, da Signifikate und Signifikanten nur in Abgrenzung zu anderen verwendet werden, die nicht mit ihnen identisch sind. Nur durch die Struktur der Sprache, also wie Zeichen kombiniert werden, wie sie sich bedingen oder auch ausschließen, wird Sinn generiert.

In Saussures Überlegungen gibt es daher kein individuelles Subjekt, das einem Zeichen seine Bedeutung gibt. Eine Bedeutung ergibt sich nur aus der Position, die das Zeichen in Beziehung zu anderen Zeichen in einem System einnimmt. Um eine Regelhaftigkeit im Sprachsystem und damit auch Bedeutungen zu rekonstruieren, muss die Struktur eines Textes, oder eines anderen Zeichengefüges analysiert werden. Der Inhalt ist dabei unwichtig, wenn man nicht die Struktur als Inhalt ansieht. Außersprachliche Deutungshilfen, wie die Autorintention oder der historische Bezug werden abgelehnt.

Im Hinblick auf die Stellung des Subjekts wird aus diesem Analyseverfahren deutlich, dass es zwar aus dem sinnstiftenden Zentrum verdrängt wurde, aber noch nicht ganz verschwunden ist, weil es noch die Fähigkeit hat, den Sinn in dem geschlossenen Sprachsystem zu erkennen. Obwohl der Strukturalismus sich also von der Bewusstseinsphilosophie verabschiedet, bleibt er noch in seinem teleologischem Konzept verhaftet, da er prinzipiell von einer Existenz eines Sinns in der Ordnung des Sprachsystems ausgeht.

Der Poststrukturalismus beinhaltet sowohl eine Kritik, eine Radikalisierung und auch eine Bestätigung des Strukturalismus.

Dem Strukturalismus wie dem Poststrukturalismus ist die Annahme gemeinsam, dass Sinn durch bedeutungsstiftende Differenzen innerhalb der Struktur entsteht. Der Poststrukturalismus weist aber darauf hin, dass es unendlich viele Differenzierungen gibt und deshalb immer neue Sinnzusammenhänge entstehen können. Man kann daher die Sprache nicht als klar abgegrenztes System verstehen. Es gibt kein Zentrum der Strukturen. Die Systeme sind offen, die Sinnzuschreibungen sind unendlich und Erkenntnis ist prinzipiell unmöglich.

War das Subjekt im Strukturalismus schon durch den Verlust des Sinnstifterstatus aus dem Zentrum verdrängt worden, verschwindet es im Poststrukturalismus in der Unendlichkeit der Sinnzuschreibungen ganz.[2]

Mit der Dezentrierung des Subjekts hört auch die Suche nach einem Ursprung und nach Kausalität auf. Die Historie wird nicht mehr teleologisch betrachtet. Mit der Methode der Genealogie soll die Entstehung von geschichtlichen Entwicklungen analysiert werden. Foucault beginnt dieses Unternehmen mit seiner Diskursanalyse. Darin fragt er nach den Bedingungen, welche die Diskurse entstehen und kursieren lassen, aber auch nach Strukturen, die bestimmte Diskurse unterdrücken. Er wechselt die Perspektive und schaut nicht auf die großen Ereignisse der Geschichte, wie Revolutionen oder Kriege. Er betrachtet die unscheinbaren Prozeduren, die die allgemeinen Regeln unterlaufen und so eine Gesellschaft beeinflussen.

Der folgende Abschnitt hat Foucaults Diskursanalyse zum Thema. Daran sollen die Anfänge von Foucaults Machtanalyse deutlich gemacht werden, da in folgenden Teilen dieser Arbeit, wenn es um die Biomacht geht, Parallelen und Weiterentwicklungen aufgezeigt werden können.

2.1 Die Macht der Diskurse

Mit der Diskursanalyse beginnt Foucault sein Projekt der Analytik der modernen Macht. In seiner Inauguralvorlesung am Collège de France stellt er sein Konzept in groben Zügen vor und benennt die Themen, die ihn in den folgenden Jahren beschäftigen werden. Zum einen möchte er sich mit den Praktiken des Strafvollzugs auseinandersetzen. Zum anderen gilt sein Interesse dem Willen zur Wahrheit und zum Wissen, der sich mit dem Aufkommen der Humanwissenschaften auf eine besondere Weise durchgesetzt hat und dem sich jeder in einer westlichen Gesellschaft Lebender nicht entziehen kann.

Foucault möchte die übliche Geschichtsschreibung, die sich auf die Aneinanderreihung von großen Ereignissen in der Historie beschränkt und ein teleologisches Grundverständnis beinhaltet, um einen etwas subtileren Blickwinkel erweitern. Durch das Einführen des Diskursbegriffs und Foucaults Herangehensweise, eher den unscheinbaren Ereignissen der Geschichte Bedeutung beizumessen, ergibt sich eine Vorstellung von Macht, die keinen Souverän kennt. Das Zufällige und Ereignishafte im geschichtlichen Verlauf soll beobachtet und beschrieben werden, um Diskontinuität sichtbar zu machen und das Verhaftetsein in feststehenden Bedeutungen aufzulösen.

Der Diskurs selbst spielt dabei eine doppelte Rolle. Er zeigt zum einen, was in einer Gesellschaft als wahr und falsch erachtet wird, zum anderen kann man an den Prozeduren, die den Diskurs einschränken und kontrollieren sehen, wovor sich eine Gesellschaft fürchtet und was sie mittels des Diskurses zu bändigen versucht.

So soll in den folgenden Unterkapiteln geklärt werden, was nach Foucault ein Diskurs ist und welche Prozeduren der Ausschließung und der Kontrollen ihn treffen. Zuletzt wird auf die beiden miteinander verwobenen Richtungen von Foucaults Analyse, die Kritik und die Genealogie eingegangen. An ihnen wird das Neuartige an Foucaults Geschichtsauffassung deutlich.

2.1.1 Was ist ein Diskurs?

„Wir müssen uns nicht einbilden, daß uns die Welt ein lesbares Gesicht zuwendet, welches wir nur zu entziffern haben. Die Welt ist kein Komplize unserer Erkenntnis. Es gibt keine prädiskursive Vorsehung, welche uns die Welt geneigt macht. Man muß den Diskurs als eine Gewalt begreifen, die wir den Dingen antun; jedenfalls als eine Praxis, die wir ihnen aufzwingen. In dieser Praxis finden die Ereignisse des Diskurses das Prinzip ihrer Regelhaftigkeit.“[3]

Foucault beginnt Diskurse zu analysieren, weil er sich von deren Untersuchung einen andersartigen Erkenntnisgewinn erhofft, als ihn die herkömmliche Geschichtsschreibung bisher hervorgebracht hat. Sie berücksichtige zwar auch kleine Ereignisse, statt nur die Meilensteine zu untersuchen und habe sich von einem kausalen Erklärungsmodell gelöst. Doch es gehe immer noch darum, Strukturen freizulegen, in die die Ereignisse eingeordnet werden könnten und die letzteren vorgängig seien.[4]

Mit seiner subjektlosen Philosophie, die jedweden Ursprungsgedanken zu eliminieren versucht, führt Foucault nun aus heuristischen Gründen Begriffe ein, mit denen man die Diskurse in einer Gesellschaft untersuchen kann. Nur anhand dessen wird deutlich, was man unter einem Diskurs zu verstehen hat; denn Foucault vermeidet es, eine klare Definition dafür abzugeben. Es sind Begriffe wie „Ereignis“, „Serie“, „Regelhaftigkeit“, „Zufall“ oder „Diskontinuität“, die einen Diskurs charakterisieren, ihn aber auch in sich widersprüchlich machen.[5] Denn wie kann ein Diskurs Regeln befolgen oder auch aufstellen und zugleich diskontinuierlich sein?

Eine Antwort darauf liefert Foucaults Erkenntnisinteresse, in wahrnehmender und beschreibender Manier, die Denksysteme einer Gesellschaft darzulegen. Dazu analysiert er, wie man über bestimmte Themen spricht, über welche man nicht spricht, wer überhaupt sprechen darf und welche Themen tabuisiert, ausgegrenzt und kontrolliert werden.

Der Diskurs ist also mehr als nur ein gesprochenes Wort oder eine Aneinanderreihung von Aussagen über ein bestimmtes Themengebiet. Am Diskurs wird für Foucault die moderne Form von Macht deutlich: „Der Diskurs mag dem Anschein nach fast ein Nichts sein – die Verbote, die ihn treffen, offenbaren nur allzu bald seine Verbindung mit dem Begehren und der Macht.“[6] Vorgreifend auf Foucaults Analysen über den Diskurs der Sexualität könnte man hier anführen, dass sich Sexualität in der Beichtpraxis als Gegenstand des Begehrens äußert. Mit dem Gegenstand gibt es aber auch ein Verlangen nach Macht, die sich mit dem Zugang zum Diskurs einstellt: „[...]er [der Diskurs] ist dasjenige, worum und womit man kämpft; er ist die Macht, deren man sich zu bemächtigen sucht.“[7]

Zu den Begriffen Macht und Begehren, die den Diskurs treffen, kann man auch den der Wahrheit anführen. Seit dem 19. Jahrhundert gibt es nach Foucault eine Erkenntnis- und Wahrheitsgier: einen Willen zum Wissen. Er ist vom Begehren und dem Willen zur Macht angetrieben und konstruiert in den Diskursen, was als wahr und ebenso als falsch anerkannt wird. Der Diskurs sagt also die Wahrheit, indem er vorschreibt, was als Wahrheit zu gelten hat, auch wenn es nicht die Wahrheit ist: „Der Diskurs verliert so seine Realität, wenn er sich der Ordnung der Signifikanten unterwirft:“[8]

Der Wille zur Wahrheit will zugleich enthüllen und kontrollieren. Zum einen, um Macht zu erlangen und zum anderen, um die Angst vor der Unkontrolliertheit und der Diskontinuität des Diskurses zu bändigen, indem es Regeln für das Wahrsprechen gibt.

[...]


[1] Foucault, 1971: S. 261

[2] zu Strukturalismus/Poststrukturalismus vgl. Münker/Roesler, 2000: S. 1-35

[3] Foucault, 1974: S. 36f.

[4] ebd., S. 37-39

[5] vgl. ebd.

[6] vgl., ebd., S. 8

[7] Foucault, 1974: S.8

[8] ebd., S. 34

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Mechanismen der modernen Macht - Hausarbeit zu Michel Foucaults genealogischer Analyse der modernen Macht mit besonderer Berücksichtigung seines Machtkonzeptwandels von 1970-1976
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Michel Foucault
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
33
Katalognummer
V52399
ISBN (eBook)
9783638481243
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mechanismen, Macht, Hausarbeit, Michel, Foucaults, Analyse, Berücksichtigung, Machtkonzeptwandels, Foucault
Arbeit zitieren
Sabrina Radeck (Autor), 2005, Mechanismen der modernen Macht - Hausarbeit zu Michel Foucaults genealogischer Analyse der modernen Macht mit besonderer Berücksichtigung seines Machtkonzeptwandels von 1970-1976, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52399

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