Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Individual, Groups, Society

Sprache als Mittel zur Macht - Hausarbeit zu Pierre Bourdieus Theorie der 'Ökonomie des symbolischen Tauschs'

Title: Sprache als Mittel zur Macht - Hausarbeit zu Pierre Bourdieus Theorie der 'Ökonomie des symbolischen Tauschs'

Term Paper , 2004 , 21 Pages , Grade: 1

Autor:in: Sabrina Radeck (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

„Was heißt sprechen?“ Diese Frage stellt sich der französische Soziologe Pierre Bourdieu in seinem gleichnamigen Buch, das den Untertitel „Die Ökonomie des sprachlichen Tauschs“ trägt und 1982 in Frankreich erschienen ist. Schon im Untertitel wird deutlich, dass Bourdieu hier keinen rein sprachwissenschaftlichen Ansatz verfolgt, sondern sich gegen die strukturalistische Sprachwissenschaft vor allem von Ferdinand de Saussure wendet. Er kritisiert dabei die Reduktion der Sprachtheorie auf das Sprachsystem, das die Realisierung und die gesellschaftliche Praxis von Sprache ausblendet.
Saussure betrachtet seine Semiologie als Teil der Sozialwissenschaften, doch durch seine Auffassung von Gesellschaft als eine von ihren Mitgliedern unabhängige Größe vernachlässigt er die Aspekte der Produktion und Reproduktion der Sprache durch die Individuen. Auch die sozialen Umstände der Akteure, wie etwa ihre Klassenzugehörigkeit, ihr geographisches Umfeld oder ihr Bildungsgrad, werden außer Acht gelassen.
Doch gerade auf diese Aspekte kommt es Bourdieu in seiner Theorie an, in der er besonders die Sozialbeziehungen und die daraus entstehenden Machtverhältnisse berücksichtigt. Er erweitert damit den Kommunikationsakt von einem bloßen sprachlichen Austausch auf einen dahinter verborgenen Austausch verschiedener Machtverhältnisse zwischen den Sprechern. Das Anerkennen und Erkennen von autorisierten Sprechern beeinflusst nach Bourdieu stark das kommunikative Handeln und sein Gelingen. Er bezieht zudem die Sprachfähigkeit, den sprachlichen Habitus eines Akteurs und den sprachlichen Markt mit ein, der mit einem System von Sanktionen und Zensuren auf die Handlungsmöglichkeiten einwirkt und sie determiniert.
In der vorliegenden Arbeit sollen anhand der Theorie Bourdieus Bedeutung und Einfluss von sozialen Dispositionen, Gewalt und Macht auf die Sprache dargestellt werden. Es soll gezeigt werden, dass in Bourdieus Ansatz Kommunikation nicht ohne Gesellschaft funktioniert und diese als Notwendigkeit für die kontinuierliche Reproduktion von Sprache angesehen werden muss. Doch auch die Sprache selbst übt Einfluss auf die sozialen Beziehungen und die Herrschaftsverhältnisse in einer Gesellschaft aus, in dem sie durch den sprachlichen Habitus der Akteure die Klasseneinteilung anerkennt, legitimiert und reproduziert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen der soziologischen Theorie von Pierre Bourdieu

2.1 Das soziale Feld

2.2 „Habitus und Feld, Leib gewordene und Ding gewordene Geschichte,[...]“

2.3 Inkorporation und Reproduktion

2.4 Das Kapital und seine Erscheinungsformen

2.4.1 Das ökonomische Kapital

2.4.2 Das kulturelle Kapital

2.4.3 Das soziale Kapital

2.4.4 Das symbolische Kapital

3 Die Macht der Sprache

3.1 Kritik am sprachwissenschaftlichen Strukturalismus

3.2 Der sprachliche Markt

3.3 Kennen und Anerkennen

3.4 Profitchancen auf dem sprachlichen Markt

3.4.1 Profit durch institutionalisierte Autorität

4 Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis der Theorie von Pierre Bourdieu das Verhältnis von Sprache und Gesellschaft. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Kommunikation losgelöst von gesellschaftlichen Machtverhältnissen betrachtet werden kann und wie soziale Dispositionen den sprachlichen Ausdruck sowie dessen Anerkennung beeinflussen.

  • Analyse der soziologischen Grundlagen (Habitus, soziales Feld, Kapitalformen) nach Pierre Bourdieu.
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem strukturalistischen Sprachverständnis (Saussure).
  • Untersuchung des sprachlichen Marktes als Ort symbolischer Machtkämpfe.
  • Betrachtung von Profitchancen durch den autorisierten Gebrauch von Sprache.
  • Darstellung der Rolle von Institutionen bei der Etablierung legitimer Sprache.

Auszug aus dem Buch

3.2 Der sprachliche Markt

Die Sprachkompetenz bemisst sich bei Bourdieu nach der Fähigkeit, inwieweit die legitime Sprache beherrscht wird. Die legitime oder offizielle Sprache wird vornehmlich in der Politik, aber auch bei offiziellen Anlässen, wie Bewerbungsgesprächen, verwendet. Auf dem sprachlichen Markt kann sie nur dann als profitabwerfendes Kapital eingesetzt werden, wenn die Unterschiede im sprachlichen Habitus aufrechterhalten werden.

Bourdieu bezeichnet dies als „Distinktionsprofit“ und verdeutlicht damit, dass die soziale Struktur es so vorgibt, dass es Unterschiede in den Zugangsmöglichkeiten zur legitimen Sprache geben muss, um eine „Seltenheit der Produkte“ zu erzeugen. So werden die symbolischen Herrschafts- und Machtverhältnisse konstruiert und aufrechterhalten. Die Seltenheit macht Distinktion aus, die den Wert auf dem Markt erhält oder steigert, was wiederum dazu führt, dass Strategien verfolgt werden, um diese Marktlage zu reproduzieren, damit weiterhin Distinktionsprofit gemacht werden kann.

Die Sprachkompetenz wirkt also auch auf die allgemeine Kapitalverteilung, denn sie bestimmt unter anderem den Bildungsweg und die Chancen der Akteure auf dem Arbeitsmarkt. Ein distinguierter Sprachstil ermöglicht bekanntermaßen leichter den Zugriff auf erstrebenswerte Berufe als ein eher umgangssprachlicher Sprachduktus. Bourdieu drückt dieses Phänomen folgendermaßen aus:

„Die Struktur des Raums der Sprachstile reproduziert somit die Struktur der objektiven Unterschiede, und zwar vermittelt über die Struktur des sprachlichen Feldes als eines Systems sprachlicher Machtverhältnisse im eigentlichen Sinne, die auf einer ungleichen Verteilung des Sprachkapitals beruhen (oder, wenn man so will, auf der ungleichen Verteilung der Chancen, objektivierte sprachliche Ressourcen zu inkorporieren).“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob Sprache und Kommunikation ohne Gesellschaft denkbar sind und skizziert Bourdieus Absage an rein strukturalistische Sprachmodelle.

2 Grundlagen der soziologischen Theorie von Pierre Bourdieu: Hier werden die zentralen Begriffe wie soziales Feld, Habitus, Inkorporation und die verschiedenen Kapitalformen erläutert, die als theoretisches Fundament dienen.

3 Die Macht der Sprache: Dieses Kapitel verknüpft die soziologischen Grundlagen mit der Sprache und analysiert den sprachlichen Markt sowie die Rolle von Autorität und Macht innerhalb von Kommunikationsakten.

4 Schluss: Das Schlusskapitel beantwortet die Ausgangsfrage negativ und betont die Notwendigkeit, Sprache immer im Kontext gesellschaftlicher Produktionsverhältnisse ganzheitlich zu betrachten.

Schlüsselwörter

Pierre Bourdieu, Soziologie, Sprache, Gesellschaft, Habitus, soziales Feld, Kapital, kulturelles Kapital, symbolische Macht, Machtverhältnisse, sprachlicher Markt, Kommunikation, Inkorporation, Distinktionsprofit, Sprachwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis von Sprache und Gesellschaft anhand der soziologischen Theorien von Pierre Bourdieu.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Konzepte des Habitus, des sozialen Feldes, der verschiedenen Kapitalformen sowie deren Auswirkungen auf den sprachlichen Ausdruck und Machtverhältnisse.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu untersuchen, ob Kommunikation losgelöst von der Gesellschaft betrachtet werden kann, und aufzuzeigen, wie soziale Machtstrukturen den Sprachgebrauch legitimieren und reproduzieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die Bourdieus Begriffe und Analysen kritisch auf sprachwissenschaftliche Fragestellungen anwendet und bestehende Theorien, wie die von Saussure oder Austin, kontrastiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der soziologischen Basisbegriffe und deren spezifische Anwendung auf den sprachlichen Markt und die Macht der Sprache.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Habitus, soziales Feld, symbolisches Kapital, Machtverhältnisse und die Kritik am Strukturalismus.

Wie unterscheidet sich Bourdieus Ansatz von Saussures Sprachwissenschaft?

Bourdieu kritisiert die Reduktion auf ein rein abstraktes Sprachsystem und fordert die Einbeziehung der sozialen Praxis, der Akteure und der Machtverhältnisse in die Analyse.

Was ist mit dem „sprachlichen Markt“ gemeint?

Der sprachliche Markt ist ein Ort, an dem Sprecher ihre Sprachkompetenz als Kapital einsetzen, um durch „Distinktion“ (Unterscheidung) symbolischen Profit zu erzielen.

Warum spielt die Autorität für die Wirkung von Sprache eine Rolle?

Laut Bourdieu verleihen Institutionen und Ämter dem Sprecher eine Delegation von Macht, die eine Aussage erst wirksam und performativ macht, unabhängig von der rein linguistischen Struktur.

Excerpt out of 21 pages  - scroll top

Details

Title
Sprache als Mittel zur Macht - Hausarbeit zu Pierre Bourdieus Theorie der 'Ökonomie des symbolischen Tauschs'
College
University of Duisburg-Essen
Course
Kommunikation ohne Gesellschaft?
Grade
1
Author
Sabrina Radeck (Author)
Publication Year
2004
Pages
21
Catalog Number
V52400
ISBN (eBook)
9783638481250
ISBN (Book)
9783656772910
Language
German
Tags
Sprache Mittel Macht Hausarbeit Pierre Bourdieus Theorie Tauschs Kommunikation Gesellschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sabrina Radeck (Author), 2004, Sprache als Mittel zur Macht - Hausarbeit zu Pierre Bourdieus Theorie der 'Ökonomie des symbolischen Tauschs', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52400
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  21  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint