1. Einleitung
Die folgenden Kapitel sollen einen Einblick in die Arbeiten des "Uses- and Gratifications Approach" geben und dessen Entstehungsgeschichte erläutern.
Welche neuartigen Thesen stellte der Ansatz zur Diskussion? Welchen Bedarf gab es, die neuen Sichtweisen über das Publikumsverhalten zu etablieren? Wie lässt sich der Ansatz in die Forschungstradition einordnen?
Es soll vor allem Bezug auf die unterschiedlichen Forschungsepochen genommen, sowie deren Ziele und Entwicklung dargelegt werden.
Wer war an der publikumszentrierten Forschung beteiligt? Welcher Art gestalteten sich die Studien?
Ebenso soll der verhaltenstheoretische Bezugsrahmen, also die soziologische Basis herausgearbeitet werden. Welche Hintergründe bildeten also das Fundament des Ansatzes?
Abschließend werden in einer kurzen Kritik die Schwächen des Ansatzes angesprochen und es sollen Möglichkeiten seiner Anwendung angedacht werden.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Anfänge der Medienwirkungsforschung
3. Der Stimulus-Response-Ansatz
4. Die Entwicklung des Uses-and-Gratifications-Ansatzes
5. Hertha Herzog:"What Do We Really Know About Daytime Serial Listeners?"
6. Einordnung des Ansatzes im wissenschaftlichen Diskurs:
6.1. Verhaltenstheoretische Soziologie
6.1.1 Die Neuentdeckung des Individuums
6.1.2 Homo SozioOeconomicus
6.1.3 Begrenzte Rationalität
6.2 Verortung und Bewertung
7. Die Uses and Gratifications – Forschung in den siebziger Jahren
8. Die Israel-Studie als methodologisches Beispiel
9. Kritik
10. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den „Uses and Gratifications Approach“ als einen entscheidenden Paradigmenwechsel innerhalb der Medienwirkungsforschung. Das primäre Ziel ist es, die historische Entstehung des Ansatzes, seine theoretischen Grundlagen in der soziologischen Verhaltensforschung sowie seine methodologische Weiterentwicklung in den 1970er Jahren nachzuvollziehen und kritisch zu hinterfragen.
- Historische Entwicklung der Medienwirkungsforschung vom Stimulus-Response-Modell hin zur publikumszentrierten Perspektive.
- Analyse der soziologischen Fundamente, insbesondere verhaltenstheoretischer und ökonomischer Erklärungsmodelle.
- Darstellung der Forschungspraxis der 1970er Jahre anhand der Israel-Studie als methodologisches Fallbeispiel.
- Kritische Reflexion der theoretischen Schwächen, der Operationalisierung motivationaler Gründe und der Herausforderungen bei der Modellbildung.
Auszug aus dem Buch
Die Neuentdeckung des Individuums
Mitte der sechziger, Anfang der siebziger Jahre wurde, Parallel zur Entwicklung des Uses and Gratifications Ansatzes, das in der Soziologie vorherrschende Paradigma Durkheims (1858 – 1917) in Frage gestellt, wonach die „sozialen Tatsachen“ und nicht individuelle Faktoren Untersuchungsgegenstand der Soziologie sein sollten. Dieser „soziologische Funktionalismus“ wurde zum Beispiel 1964 von Caspar Homans (1910 – 1989), dem damaligen Präsidenten der American Sociological Association, in seinem Vortrag „Bringing Men Back In“ scharf kritisiert. Vielmehr sollte das Augenmerk auf das ökonomische Denken in der Soziologie gelenkt werden (s.u.).
Zu dieser Zeit entwickelte sich eine heftige Diskussion darüber, ob es richtig sei, das Individuum als Ausgangspunkt zur Erklärung soziologischer Phänomene zu benutzen, oder ob ein individueller Ansatz nicht per se das Gegenteil eines sozialen Ansatzes sei. Im Laufe der Zeit wurden innerhalb der Soziologie einige Paradigmen entwickelt, die die jeweiligen Ansätze zusammenfassen sollten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des „Uses- and Gratifications Approach“ und dessen Entstehungsgeschichte.
2. Die Anfänge der Medienwirkungsforschung: Erläuterung der Grundlagen der Medienwirkungsforschung anhand der Definition von Maletzke.
3. Der Stimulus-Response-Ansatz: Darstellung des behavioristischen Modells und seiner Bedeutung für die frühe Medienforschung.
4. Die Entwicklung des Uses-and-Gratifications-Ansatzes: Abwendung von der Theorie der wirkungsstarken Medien hin zu aktiveren Publikumsmodellen.
5. Hertha Herzog:"What Do We Really Know About Daytime Serial Listeners?": Analyse der pionierhaften Studien zu Bedürfnissen bei der Radiohörspielnutzung.
6. Einordnung des Ansatzes im wissenschaftlichen Diskurs: Theoretische Fundierung in der verhaltenstheoretischen Soziologie und ökonomischen Modellen.
7. Die Uses and Gratifications – Forschung in den siebziger Jahren: Bestrebungen zur Systematisierung und methodischen Weiterentwicklung des Ansatzes.
8. Die Israel-Studie als methodologisches Beispiel: Konkrete Anwendung des Ansatzes auf das Medienverhalten in Krisenzeiten.
9. Kritik: Auseinandersetzung mit den theoretischen und methodischen Schwächen des Ansatzes.
10. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Ansatzes und Ausblick auf seine heutige Bedeutung.
Schlüsselwörter
Uses and Gratifications Approach, Medienwirkungsforschung, Stimulus-Response-Theorie, Publikumsforschung, Mediennutzung, Bedürfnisbefriedigung, Rezipient, Verhaltenstheorie, Israel-Studie, Massenmedien, Theorie der wirkungsstarken Medien, methodologische Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen und historischen Entwicklung des „Uses and Gratifications Approach“, der den Fokus der Medienwirkungsforschung vom passiven Publikum hin zum aktiven Mediennutzer verschiebt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der Medienwirkungsforschung, die soziologische Fundierung individuellen Handelns, die methodische Erforschung von Medienbedürfnissen sowie die kritische Reflexion des Ansatzes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den „Uses and Gratifications Approach“ als Forschungsrichtung zu definieren, seine soziologischen Wurzeln freizulegen und aufzuzeigen, wie sich dieser Ansatz in den 1970er Jahren methodisch entwickelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse der medienwissenschaftlichen Forschungstradition und veranschaulicht methodische Ansätze (insbesondere bivariate Befragungsstudien) am Beispiel der Israel-Studie von 1973.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Stimulus-Response-Modells als Ausgangspunkt, die Analyse soziologischer Paradigmen (Homo SozioOeconomicus) und die detaillierte Betrachtung der Forschungsschwerpunkte der 1970er Jahre.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Uses and Gratifications, Medienwirkung, Rezipient, Bedürfnisbefriedigung und die methodische Operationalisierung in der Publikumsforschung.
Welche Bedeutung hat die Israel-Studie im Kontext der Arbeit?
Die Israel-Studie dient als exemplarisches methodisches Fallbeispiel, um zu verdeutlichen, wie Forscher Bedürfnisse von Mediennutzern in Krisenzeiten (Yom-Kippur-Krieg) empirisch erhoben haben.
Warum gilt der Ansatz als kritikwürdig?
Die Kritik entzündet sich an der atheoretischen Struktur des Ansatzes, der Schwierigkeit, motivationale Gründe präzise zu operationalisieren, sowie der Gefahr einer Überbetonung der Rationalität bei der Medienauswahl.
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- Florian Jysch (Author), Jennifer Bork (Author), Lennart Hintz (Author), 2002, Der Uses and Gratifications Approach, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5241