Die Wählerverluste der liberalen Parteien in der Weimarer Republik: Eine Konsequenz der Säkularisierung?


Essay, 2005

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung
1.1.1. Thematik der vorliegenden Arbeit
1.1.2. Einschränkung des Begriffs der Säkularisierung

2. Die Wählerverluste der liberalen Parteien in der Weimarer Republik: Eine Konsequenz der Säkularisierung?
2.1.1. Die Wählerschaft der liberalen Parteien
2.1.2. Die Konfession als Einflussgröße des Wahlverhaltens
2.1.3. Der Säkularisierungsprozess
2.1.3.1. Die Protestantische Staatskirche bis
2.1.3.2. Entfremdung von der Kirche und Fehlen des politischen Einflusses

3. Zusammenfassung und Auswertung der Ergebnisse

4. Literatur

1. Einführung

1.1.1. Thematik der vorliegenden Arbeit

Es finden sich in der politischen Wissenschaft unzählige und umfassende Beiträge zum Scheitern der Weimarer Republik. Diesem dort anzutreffenden, nahezu unüberschaubaren Spektrum von Ursachen und Einflüssen gerecht zu werden übersteigt bei weitem die Möglichkeiten dieser Arbeit und soll auch nicht ihr Anliegen sein.

Die hier vorliegende Arbeit soll einen Versuch darstellen, für den augenscheinlichen aber oft als voreiligen Schluss scharf kritisierten, Zusammenhang der Wählerverluste der liberalen Parteien[1] bei gleichzeitigen Wahlstimmengewinnen der NSDAP, ein Erklärungsmodell vorzustellen. Dabei soll besonders der Aspekt der „stillen Säkularisierung“[2] als Ursache untersucht und seine Bedeutsamkeit herausgearbeitet werden.

Es ist nicht im Sinne dieser Arbeit sich in jeglicher Weise in der Kontroverse um die Verantwortung für das Scheitern der Weimarer Republik zu positionieren. Es geht lediglich um den Versuch einen Zusammenhang aufzuzeigen, der von großer Bedeutung zu seien scheint, bisher aber wenig in der Fachliteratur auseinandergesetzt wurde.

Einer vom Umfang her der Fragestellung entsprechenden Identifikation der Wählerschaft der liberalen Parteien, soll eine Überprüfung folgen, inwieweit überhaupt der Einfluss der Konfession für das Wahlverhalten von Bedeutung war. Sich daran anschließe sei der Prozess der Säkularisierung skizziert. Die sich daraus folgernden Schlüsse und Zusammenhänge werden abschließend Ausgewertet und zusammengefasst.

1.1.2. Einschränkung des Begriffs der Säkularisierung

In Anbetracht der Fragestellung dieser Arbeit erscheint es sinnvoll den Begriff der Säkularisierung, wie er in dieser Arbeit verwendet werden soll, einzuschränken.

Mit Säkularisierung sei hier in erster Linie die Emanzipation und Loslösung der protestantischen Bevölkerung von der Kirche gemeint. An dieser Stelle sei aus dem einfachen, im Folgenden noch näher ausgeführten Grund, dass Protestanten im Schnitt doppelt so anfällig gegenüber der NSDAP waren wie Katholiken[3], bewusst auf eine Untersuchung bezüglich des katholischen Bevölkerungsanteils verzichtet. Des Weiteren erscheint es, um der Stringenz willen, sinnvoll, obwohl sich der Säkularisierungsprozess in weiten Teilen, vor allem Westeuropas, auf sehr ähnliche Weise abspielte, eine weitere Einschränkung vorzunehmen. Der Begriff der Säkularisierung soll sich hier folglich nur auf Deutschland, als Staat in seinen damaligen Dimensionen, und den Zeitraum der Jahre 1866 bis 1933 beziehen. Eine weitere Fassung des Begriffs scheint in anbetracht der Fragestellung und Kapazität dieser Arbeit als nicht zweckgemäß.

Die Bezeichnung der „stillen Säkularisierung“[4] wird hier von Fritz Stern übernommen und soll schlicht ausdrücken, dass es sich um eine unbemerkte, schleichende Säkularisierung handelte.

2. Die Wählerverluste der liberalen Parteien in der Weimarer Republik: Eine Konsequenz der Säkularisierung?

2.1.1. Die Wählerschaft der liberalen Parteien

Damit eine vernünftige Darstellung darüber erfolgen kann, warum und wohin eine Abwanderung der Stimmen der liberalen Parteien stattgefunden hat, ergibt sich zwangsläufig die Notwendigkeit, vorab festzustellen wer überhaupt diese Wählerschaft der liberalen Parteien gewesen ist. Es geht also darum, die Gesellschaftsschicht der Wähler der liberalen Parteien der Weimarer Republik möglichst genau zu identifizieren, um anschließend konkret, mit einem diese Gesellschaftsschicht betreffenden Umstand argumentieren zu können.

Sich nur auf die Selbstdarstellung der DDP, wie auch der DVP, als Mittelparteien, also Parteien des bürgerlichen Mittelstandes[5] zu stützen wäre an dieser Stelle wohl zu einfach und undifferenziert. Es bietet sich stattdessen an, anhand einer bestimmten Anzahl von Gesellschaftsgruppen ihre jeweilige Affinität zu den liberalen Parteien zu untersuchen und somit eben deren Wählerschaft zu ermitteln. Als Gesellschaftsgruppen sollen im Folgenden die Arbeiter, Handwerk und Kleinhandel, Bauern, sowie Angestellte und Beamte in mittleren und unteren Rängen dienen. Da diese Auswahl die wählerstimmenstärksten Gesellschaftsschichen ausreichend differenziert widerspiegelt, bietet sie sich trotz der Vernachlässigung marginaler anderer Gesellschaftsgruppen in diesem Zusammenhang an.

Die Arbeiterschaft

Was die Arbeiterschaft anbelangte, waren die liberalen Parteien durchaus um Wähler bemüht. Dies zeigte sich besonders deutlich im Wahlbündnis der DDP mit den Gewerkvereinen zur Wahl der Nationalversammlung von 1919. Diese zählten Ende 1918 immerhin über 113 000 Mitglieder, auch wenn nicht davon auszugehen ist, dass auch jedes Gewerksvereinmitglied wirklich die DDP wählte. Auch die DVP versuchte ihrerseits durch eine enge Zusammenarbeit mit den Christlichen Gewerkschaften[6] im Milieu der Arbeiter Stimmen zu werben. An dieser Stelle ist jedoch anzumerken, dass sich durch den ausgebliebenen Brückenschlag zwischen der DDP und den Sozialdemokraten, mit der SPD ein für diese Gesellschaftsschicht weitaus attraktiverer Konkurrent um dieselben Stimmen bemühte. Darüber hinaus beschränkte sich das hier umworbene Wählerpotenzial nur auf den protestantischen Bevölkerungsanteil, da sich auch was die Arbeiterschaft anbelangte eine sehr ausgeprägte Treue der Katholiken zur Zentrumspartei feststellen lässt.

So wie sich zu den Wahlen der Nationalversammlung von 1919 trotzdem davon ausgehen lässt, dass sich unter den überwältigenden 5,6 Millionen Wählern der DDP auch ein nicht unerheblicher Anteil an Arbeitern befand, ist für beide liberalen Parteien nach der Wahl vom Juni 1920 festzustellen, dass der Wähleranteil der Arbeiter schwindend gering war. Hartenstein stellte in diesem Zusammenhang fest, dass die DVP aus den Wahlen vom Juni 1920 als „nichtproletarische Partei par excellence hervor[ging]“[7] und auch die DDP sehr starke Verluste unter den Arbeitern hinnehmen musste. Es erscheint folglich als richtig, auch unter anbetracht der Tatsache, dass sich weder bei der DDP noch bei der DVP, Kandidaten der Arbeiterschaft auf aussichtsreichen Listenplätzen fanden, davon auszugehen, dass die Arbeiter als Wählerschaft für die liberalen Parteien an dieser Stelle vernachlässigt werden können.

[...]


[1] Wann immer im Verlaufe dieser Arbeit die Rede von den liberalen Parteien ist, sind die Deutsche Demokratische Partei (DDP) und die Deutsche Volks Partei (DVP) gemeint. Dies gilt solange nicht explizit der Name einer anderen Partei mit niedergeschrieben ist.

[2] Stern, Fritz: Der Traum vom Frieden und die Versuchung der Macht. Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, Berlin 1988, S.157f.

[3] Falter, Jürgen W. : Hitlers Wähler, München 1991, S.177.

[4] Stern, Fritz: Der Traum vom Frieden und die Versuchung der Macht. Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, Berlin 1988, S.157f.

[5] Albertin, Lothar: Liberalismus und Demokratie am Anfang der Weimarer Republik, Düsseldorf 1972, S.107.

[6] Albertin, Lothar: Liberalismus und Demokratie am Anfang der Weimarer Republik, Düsseldorf 1972, S.111.

[7] Hartenstein, Wolfgang: Die Anfänge der Deutschen Volkspartei 1918-1920,Düsseldorf 1962,S.251.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Wählerverluste der liberalen Parteien in der Weimarer Republik: Eine Konsequenz der Säkularisierung?
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V52413
ISBN (eBook)
9783638481359
ISBN (Buch)
9783640122820
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wählerverluste, Parteien, Weimarer, Republik, Eine, Konsequenz, Säkularisierung
Arbeit zitieren
Timo Graf von Koenigsmarck (Autor), 2005, Die Wählerverluste der liberalen Parteien in der Weimarer Republik: Eine Konsequenz der Säkularisierung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52413

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