Es finden sich in der politischen Wissenschaft unzählige und umfassende Beiträge zum Scheitern der Weimarer Republik. Diesem dort anzutreffenden, nahezu unüberschaubaren Spektrum von Ursachen und Einflüssen gerecht zu werden übersteigt bei weitem die Möglichkeiten dieser Arbeit und soll auch nicht ihr Anliegen sein. Die hier vorliegende Arbeit soll einen Versuch darstellen, für den augenscheinlichen aber oft als voreiligen Schluss scharf kritisierten, Zusammenhang der Wählerverluste der liberalen Parteien1 bei gleichzeitigen Wahlstimmengewinnen der NSDAP, ein Erklärungsmodell vorzustellen. Dabei soll besonders der Aspekt der „stillen Säkularisierung“2 als Ursache untersucht und seine Bedeutsamkeit herausgearbeitet werden. Es ist nicht im Sinne dieser Arbeit sich in jeglicher Weise in der Kontroverse um die Verantwortung für das Scheitern der Weimarer Republik zu positionieren. Es geht lediglich um den Versuch einen Zusammenhang aufzuzeigen, der von großer Bedeutung zu seien scheint, bisher aber wenig in der Fachliteratur auseinandergesetzt wurde. Einer vom Umfang her der Fragestellung entsprechenden Identifikation der Wählerschaft der liberalen Parteien, soll eine Überprüfung folgen, inwieweit überhaupt der Einfluss der Konfession für das Wahlverhalten von Bedeutung war. Sich daran anschließe sei der Prozess der Säkularisierung skizziert. Die sich daraus folgernden Schlüsse und Zusammenhänge werden abschließend Ausgewertet und zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1.1. Thematik der vorliegenden Arbeit
1.1.2. Einschränkung des Begriffs der Säkularisierung
2. Die Wählerverluste der liberalen Parteien in der Weimarer Republik: Eine Konsequenz der Säkularisierung?
2.1.1. Die Wählerschaft der liberalen Parteien
2.1.2. Die Konfession als Einflussgröße des Wahlverhaltens
2.1.3. Der Säkularisierungsprozess
2.1.3.1.Die Protestantische Staatskirche bis 1918
2.1.3.2.Entfremdung von der Kirche und Fehlen des politischen Einflusses
3. Zusammenfassung und Auswertung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen den Wählerverlusten der liberalen Parteien in der Weimarer Republik und dem gleichzeitigen Erstarken der NSDAP. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern die sogenannte stille Säkularisierung und die damit verbundene Entfremdung der protestantischen Mittelschicht von kirchlichen Bindungen als Erklärungsmodell für die Wählerwanderung zum Nationalsozialismus dienen kann.
- Analyse der Wählerschichten liberaler Parteien (DDP und DVP)
- Untersuchung der Bedeutung der Konfession für das Wahlverhalten
- Darstellung des Säkularisierungsprozesses der protestantischen Bevölkerung
- Prüfung der Anfälligkeit protestantischer Wähler für nationalsozialistische Ideologie
- Bewertung der Säkularisierungsthese als Erklärungsfaktor für Wahlergebnisse
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Die Wählerschaft der liberalen Parteien
Damit eine vernünftige Darstellung darüber erfolgen kann, warum und wohin eine Abwanderung der Stimmen der liberalen Parteien stattgefunden hat, ergibt sich zwangsläufig die Notwendigkeit, vorab festzustellen wer überhaupt diese Wählerschaft der liberalen Parteien gewesen ist. Es geht also darum, die Gesellschaftsschicht der Wähler der liberalen Parteien der Weimarer Republik möglichst genau zu identifizieren, um anschließend konkret, mit einem diese Gesellschaftsschicht betreffenden Umstand argumentieren zu können.
Sich nur auf die Selbstdarstellung der DDP, wie auch der DVP, als Mittelparteien, also Parteien des bürgerlichen Mittelstandes zu stützen wäre an dieser Stelle wohl zu einfach und undifferenziert. Es bietet sich stattdessen an, anhand einer bestimmten Anzahl von Gesellschaftsgruppen ihre jeweilige Affinität zu den liberalen Parteien zu untersuchen und somit eben deren Wählerschaft zu ermitteln. Als Gesellschaftsgruppen sollen im Folgenden die Arbeiter, Handwerk und Kleinhandel, Bauern, sowie Angestellte und Beamte in mittleren und unteren Rängen dienen. Da diese Auswahl die wählerstimmenstärksten Gesellschaftsschichen ausreichend differenziert widerspiegelt, bietet sie sich trotz der Vernachlässigung marginaler anderer Gesellschaftsgruppen in diesem Zusammenhang an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieses Kapitel legt die Thematik dar, definiert die Forschungsabsicht und schränkt den Begriff der Säkularisierung für die weitere Untersuchung ein.
2. Die Wählerverluste der liberalen Parteien in der Weimarer Republik: Eine Konsequenz der Säkularisierung?: Der Hauptteil analysiert die Zusammensetzung der liberalen Wählerschaft sowie den Einfluss der Konfession und des Säkularisierungsprozesses auf das Wahlverhalten in der Weimarer Republik.
3. Zusammenfassung und Auswertung der Ergebnisse: Hier werden die Zwischenergebnisse zusammengeführt und die Säkularisierungsthese als plausible Erklärung für die Abwanderung der protestantischen Wähler zur NSDAP bestätigt.
Schlüsselwörter
Weimarer Republik, liberale Parteien, DDP, DVP, NSDAP, Säkularisierung, stille Säkularisierung, Konfession, Protestantismus, Wählerverhalten, Mittelschicht, Nationalsozialismus, Wahlverluste, Kirchenbindung, Entfremdung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die Wählerverluste der liberalen Parteien (DDP und DVP) in der Weimarer Republik zugunsten der NSDAP.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die soziale Struktur der liberalen Wählerschaft, der Einfluss der Konfession auf das politische Verhalten und der Prozess der Säkularisierung im protestantischen Milieu.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, die Säkularisierungsthese als Erklärungsmodell für die überdurchschnittliche Anfälligkeit der protestantischen Bevölkerung für den Nationalsozialismus zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse des Wahlverhaltens anhand von Gesellschaftsgruppen und zieht soziologische sowie historische Forschungsergebnisse zur Deutung des Wählerwandels heran.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil identifiziert die relevanten Wählerschichten, vergleicht das Wahlverhalten von Protestanten und Katholiken und skizziert die Entfremdung der Protestanten von der Kirche nach 1918.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Säkularisierung, Protestantismus, Wählerwanderung und Weimarer Parteiensystem geprägt.
Wie unterschied sich das Wahlverhalten von Katholiken und Protestanten?
Katholiken zeigten eine hohe Milieubindung und Stabilität zur Zentrumspartei, während Protestanten eine deutlich höhere Affinität zur NSDAP aufwiesen und weniger fest an Parteien gebunden waren.
Welche Rolle spielte der "neue Mittelstand"?
Beamte und Angestellte bildeten einen wesentlichen Teil der liberalen Wählerschaft, waren jedoch aufgrund ihrer Entwurzelung und fehlenden politischen Identifikationsangebote besonders für radikale politische Strömungen empfänglich.
- Citar trabajo
- Timo Graf von Koenigsmarck (Autor), 2005, Die Wählerverluste der liberalen Parteien in der Weimarer Republik: Eine Konsequenz der Säkularisierung?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52413