Im Anfangsunterricht machen die gerade eingeschulten Kinder ihre ersten Erfahrungen mit dem schulischen Lernen. Zum einen muss das Interesse und die Neugier in Bezug auf die Mathematik im Kind geweckt werden. Diese sollte von Anfang an für die Kinder greifbar und verständlich sein und sollte nicht nur abstrakt wahrgenommen werden. Es hat sich gezeigt, dass die ersten schulischen Erfahrungen mit der Mathematik großen Einfluss auf das Bild haben, welches sich im Schüler verfestigt. Zum anderen ist es meiner Meinung nach ebenfalls von nicht geringer Bedeutung, während des Unterrichts ausreichend Bewegungsmöglichkeiten zu schaffen. So kann man den Erstklässlern den Übergang vom Kindergarten zur Grundschule erleichtern und sie Schritt für Schritt in die neuen Strukturen einführen.
Im offenen Anfangsunterricht kann einerseits der noch sehr stark ausgeprägte Bewegungsdrang berücksichtigt werden. Die Kinder besorgen sich neue Materialien, schauen bei ihren Mitschülern oder bewegen sich sogar bei der Erarbeitung des Unterrichtsstoffs. Andererseits eröffnen offene Unterrichtformen eine gute Möglichkeit zur Differenzierung.
Im Folgenden möchte ich zur Einführung eine kurze Übersicht über verschiedene Arten von offenem Unterricht geben und einen Blick auf die Bedeutung der zum Teil sehr differierenden Lernvoraussetzungen werfen. Nachfolgend befasse ich mich mit Arbeits- und Anschauungsmaterialien, die für den Anfangsunterricht geeignet sind. Zum Abschluss habe ich beispielhaft das Thema „Erarbeitung des Zahlraums bis 20“ für den offenen Anfangsunterricht erarbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Offene Unterrichtsformen
2.1 Lernen an Stationen
2.2 Tages- und Wochenplan
2.3 Freie Arbeit
2.4 Projektarbeit
3. Lernvoraussetzungen
4. Arbeitsmittel und Anschauungsmaterialien im arithmetischen Anfangsunterricht
5. Erarbeitung des Zahlraums von 1-20
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und praktische Umsetzung von offenem Unterricht im mathematischen Anfangsunterricht. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie durch verschiedene Unterrichtsformen und den Einsatz geeigneter Arbeitsmittel die heterogenen Lernvoraussetzungen von Erstklässlern berücksichtigt und mathematische Kompetenzen erfolgreich aufgebaut werden können.
- Prinzipien offener Unterrichtsformen
- Umgang mit Heterogenität und Lernvoraussetzungen
- Einsatz von Arbeits- und Anschauungsmaterialien
- Erarbeitung des Zahlraums von 1-20
- Förderung durch Rechenspiele
Auszug aus dem Buch
- Das Zwanzigerfeld
Bei dem Zwanzigerfeld ist eine flächenhafte Darstellung von Vorteil, da diese Art den dekadischen Aufbau der Zahlen betont. Um die Zahlauffassung zu ermöglichen, ist die Fünferzäsur sinnvoll. Somit wird der Ablösungsprozess vom zählenden Rechnen unterstützt. Das Zwanzigerfeld kann problemlos zur Hundertertafel erweitert werden und ist somit nicht nur für den Anfangsunterricht geeignet.
Die Art und Weise, wie ein Kind das Zwanzigerfeld nutzt, kann völlig unterschiedlich. So könnte beispielsweise die Aufgabe 7+6 lösen, indem es in der ersten Zeile die 7 hervorhebt und in der zweiten Zeile die 6, also die Summanden getrennt untereinander liegen. Nun kann das Kind mit Hilfe der „Kraft der Fünf“ das Ergebnis ablesen, d. h. es werden Fünf in der oberen und Fünf in der unteren Zeile erfasst. Dazu kommen noch mal Zwei und Eins, die Addition dieser schrittweise erfassten Zahlen führt zum Ergebnis.
Es wäre jedoch auch denkbar, dass die Summanden hintereinander liegen. Dann würde das Ergebnis mit Hilfe der „Zehnerergänzung“ errechnet werden. Das Kind würde erst die sieben hervorheben, bis zum Ende der Zeile, also bis zur Zehn ergänzen und schließlich die noch fehlenden Drei in der Zweiten Zeile markieren. (vgl. Bartnitzky 2002, S. 151)
Beide Wege wären effektiv und würden zum Ergebnis führen. Weiter Möglichkeiten wären denkbar, dementsprechend ist es durchaus wichtig, verschiedene Rechenwege zuzulassen und Kinder sogar dazu Ermutigen, sich dieses bewusst zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Anfangsunterrichts für das mathematische Bild von Kindern und stellt den offenen Unterricht als Methode zur Berücksichtigung des Bewegungsdrangs und zur Differenzierung vor.
2. Offene Unterrichtsformen: Dieses Kapitel erläutert verschiedene Organisationsformen wie das Lernen an Stationen, Tages- und Wochenpläne, Freiarbeit und Projektarbeit zur Gestaltung eines differenzierten Unterrichts.
3. Lernvoraussetzungen: Hier wird die hohe Heterogenität von Erstklässlern bezüglich ihrer mathematischen Vorkenntnisse thematisiert und die Notwendigkeit aufgezeigt, Kinder dort abzuholen, wo sie stehen.
4. Arbeitsmittel und Anschauungsmaterialien im arithmetischen Anfangsunterricht: Das Kapitel behandelt die Bedeutung von Visualisierungshilfen wie dem Zahlenstrahl, dem Zwanzigerfeld und Wendeplättchen sowie die motivierende Rolle von Rechenspielen.
5. Erarbeitung des Zahlraums von 1-20: Es werden didaktische Ansätze zur Einführung der Zahlen diskutiert, wobei die ganzheitliche Erarbeitung des Zwanzigerraums favorisiert und durch konkrete Stationsbeispiele konkretisiert wird.
6. Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung unterstreicht den Nutzen des offenen Unterrichts für die Förderung von fachlichen und sozialen Kompetenzen angesichts der kommenden Schuleingangsphase.
Schlüsselwörter
Offener Anfangsunterricht, Mathematikunterricht, Erstklässler, Heterogenität, Lernvoraussetzungen, Anschauungsmaterialien, Zwanzigerfeld, Lernen an Stationen, Freiarbeit, Rechenspiele, Zahlraumerweiterung, Differenzierung, Selbstkontrolle, soziale Kompetenzen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den didaktischen Möglichkeiten und der praktischen Gestaltung eines offenen Anfangsunterrichts im Fach Mathematik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind offene Unterrichtsmethoden, der Umgang mit heterogenen Lernvoraussetzungen, die Auswahl und Nutzung von Anschauungsmaterialien sowie die methodische Erarbeitung des Zahlenraums bis 20.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch offene Unterrichtsstrukturen eine individuelle Förderung der Kinder im mathematischen Anfangsunterricht gelingen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse didaktischer Fachliteratur und der Verknüpfung dieser Theorie mit praktischen Anwendungsbeispielen aus dem Schulalltag.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung offener Unterrichtsformen, eine Analyse der Lernvoraussetzungen der Kinder sowie die detaillierte Beschreibung geeigneter Anschauungsmittel und konkreter Unterrichtssequenzen zur Zahlraumerarbeitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Offener Anfangsunterricht, Mathematikdidaktik, Differenzierung und Anschauungsmaterialien charakterisieren.
Warum ist das Zwanzigerfeld für den Anfangsunterricht besonders geeignet?
Das Zwanzigerfeld ist vorteilhaft, da es durch seine flächenhafte Darstellung den dekadischen Aufbau der Zahlen betont und die Fünferzäsur nutzt, um das zählende Rechnen durch eine simultane Zahlauffassung abzulösen.
Welche Rolle spielen Rechenspiele im offenen Mathematikunterricht?
Rechenspiele dienen als effektive und motivierende Lernform zur Wiederholung, Übung und Festigung mathematischer Kenntnisse, fördern die Selbstständigkeit der Schüler und entlasten den Lehrer durch eingebaute Selbstkontrollmechanismen.
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- Antje Höfs (Author), 2005, Offener Anfangsunterricht im Fach Mathematik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52418