Von der GHH zur Neuen Mitte - Nutzungswandel auf einer zentralen Fläche in Oberhausen


Hausarbeit, 2004
22 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der Gutehoffnungshütte
2.1 Beginn der niederrheinischen Eisenindustrie
2.2 Gründung der Gutehoffnungshütte
2.3 Hüttenzusammenschluss
2.4 Industrielle Entwicklung von 1850-1945
2.5 Entwicklung ab 1945 und Niedergang der GHH

3. Einfluss der GHH auf die Stadtentwicklung Oberhausens

4. Strukturwandel Oberhausens – Das Projekt “Neue Mitte“

5. Die Neue Mitte Oberhausen
5.1 Gesamtübersicht
5.2 Ausbau der Verkehrsanbindungen
5.3 Das CentrO
5.4 Die CentrO Promenade
5.5 Die Arena
5.6 Der CentrO Park
5.7 Das Gasometer
5.8 Das Technologiezentrum

6. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

In keiner anderen Stadt des Ruhrgebiets hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten ein derartiger Strukturwandel vollzogen wie in Oberhausen. Noch vor 15 Jahren hatte die Stadt unter dem Rückgang der Kohle- und Eisenindustrie zu leiden. Oberhausen war von einer hohen Arbeitslosenzahl, brachliegenden Industrieflächen und einer unsystematischen Stadtbebauung gekennzeichnet. Es wurde nach einer Lösung der schlechten wirtschaftlichen und städtebaulichen Lage gesucht. Letztendlich einigte man sich auf das Projekt “Neue Mitte“. Auf dem ehemaligen Thyssen-Gelände entstand in kürzester Zeit eine Verbindung aus modernem Wohnen, Gewerbe- und Büroflächen sowie Unterhaltungs- und Einkaufsmöglichkeiten.

In chronologischer Reihenfolge habe ich versucht, die Entwicklung und den strukturellen Wandel der Stadt Oberhausen darzustellen. Insbesondere habe ich mich mit der Geschichte der Gutehoffnungshütte befasst. Diese ist in zwei Hinsichten für die Entstehung der Neuen Mitte von Bedeutung. Zum einen war es die GHH, welche die industrielle Entwicklung der Stadt Oberhausen vorangetrieben hat und den größten Arbeitgeber der Stadt darstellte. Dem entsprechend hatte der Niedergang der Gutehoffnungshütte auch große Auswirkung auf die Stadtentwicklung. Zum anderen entstanden große Teile der Neuen Mitte auf dem ehemaligen Gelände der GHH, welche später zu Thyssen gehörte.

2. Entstehung der Gutehoffnungshütte

2.1 Beginn der niederrheinischen Eisenindustrie

Mit der Gründung der St. Michel Eisenhütte in Bocholt beginnt im Jahre 1730 die niederrheinische Eisenindustrie. Ihr folgte 1753 die St. Antony Hütte im damaligen Vest Oberhausen, östlich von Sterkrade. Freiherr Franz v. d. Wenge zum Dieck, Domherr zu Münster entdeckte 1740 das vorhandene Eisenerz und erhielt ein Jahr später vom Kölner Erzbischof die Erlaubnis, nach Eisenstein zu suchen. In seine Suche bezog Franz von der Wenge neben dem ehemaligen kölnischen Gebiet auch das damalige benachbarte Cleve mit ein. Erste Verhüttungsversuche ergaben, dass das clevische Eisenstein eine gute Ergänzung zum cölnischen darstellte.

Der Bau einer Eisenhütte stellte aufgrund der unterschiedlichen staatlichen Zugehörigkeiten beider Gebiete den Freiherrn jedoch vor große Schwierigkeiten. V. d. Wenge entschied sich letztendlich für den Bau im kölnischen Gebiet und erhielt hierfür am 13. Juli 1753 eine Genehmigungsurkunde. 1757 wurde mit dem Bau der Hütte begonnen. Als Hüttenplatz wurde ein Gebiet am Sterkrader Bach oberhalb von Sterkrade ausgesucht.

Am 18. Oktober 1758 wurde die Hütte in Betrieb genommen. Die Produktion beschränkt sich jedoch auf 20 - 30 Wochen im Jahr, abhängig vom Erz- und Holzkohlevorrat. An Eisenerz mangelte es selten, zumal auch die clevischen Bauern die Hütte mit Eisenerz belieferten. Der Mangel an Holzkohle stellte das größere Problem dar. Die produzierten Güter wurden größtenteils über Alsum und Ruhrort nach Holland exportiert.

Aus betriebswirtschaftlichen Gründen wurde die St. Antony Hütte für 6 Jahre an Schwarz & Hund verpachtet. Auch durch die Verpachtung ließen sich die Gewinne jedoch nicht steigern. Ganz im Gegenteil. Die Hütte befand sich in einem denkbar schlechten Zustand. Die Pacht wurde lediglich für das erste halbe Jahre gezahlt. Zudem weigerten sich die Pächter nach Ablauf des Pachtvertrages die Hütte zu verlassen.

Trotz dieser schlechten Erfahrung bei der Verpachtung überließ v. d. Wenge 1779 Eberhard Pfandhöfer, einem Hüttenmeister aus dem Siegerland, die St. Antony Hütte zur Pacht. Aufgrund finanzieller Engpässe gründete Pfandhöfer schon nach kurzer Zeit mit drei weiteren Personen, Doeinck, Reigers und Diepenbrock, eine Gesellschaft. Am 18. Februar 1783 trat Pfandhöfer auf Wunsch der anderen drei Gesellschafter aus dem Pachtvertrag aus und übernahm die Leitung der Gutehoffnungshütte. (vgl. Gutehoffnungshütte Oberhausen Rheinland 1910, S.4)

2.2 Gründung der Gutehoffnungshütte

Am 22. Oktober 1780 stellte Pfandhöfer einen Antrag auf Abbaugenehmigung für das Eisengestein zwischen Rhein, Ruhr und Lippe. Die Erlaubnis zur Errichtung einer Eisenhütte bei Sterkrade folgt am 03. Mai 1781. Zudem wird Pfandhöfer für die ersten sechs Jahre vom Zoll für die benötigten Rohstoffe befreit. Mit dem Bau der Eisenhütte „Gute Hoffnung“ wurde letztendlich 1782 begonnen.

Auch mit der Abtei Sterkrade kam Pfandhöfer zu einer Einigung. Diese war in der Vergangenheit ein konsequenter Gegner der industriellen Erschließung Sterkrads gewesen. Grund hierfür waren die vom Kloster betriebenen Mühlen am Sterkrader Bach. Die Abtei befürchtete, dass der Betrieb der Mühlen durch den Wassergebrauch der Eisenhütte beeinträchtigt werde, und die Forellenzucht Schaden nehmen könnte. Pfandhöfer vereinbarte mit der Abtei Sterkrade eine Gewinnbeteiligung über 12 Jahre. Im Gegenzug beteiligte sich die Abtei mit einem Viertel an allen entstehenden Kosten und legte keinen Einspruch gegen den Bau ein. Die Kostenbeteiligung der Abtei kam Pfandhöfer gerade recht. Er verfügte zwar über Unternehmergeist und geschäftliche Verbindungen, die er als Pächter der St. Antony Hütte erworben hatte. Ihm fehlten jedoch die finanziellen Mittel zur Errichtung der Hütte. Ein weiterer bedeutender Geldgeber dieses Projekts war Friedrich Jadokus Krupp aus Essen. (vgl. Gutehoffnungshütte Oberhausen Rheinland 1910, S.5)

Bereits 1780 erklärte Pfandhöfer, dass er Verhüttungsversuche mit abgeschwefelter Steinkohle plane. Dieses Vorhaben wurde vom preußischen Bergamt mit großem Interesse verfolgt, da es an Holzkohle noch immer mangelte. Die erforderliche Holzkohle wurde größtenteils über die Ruhr aus der Grafschaft Mark importiert. Aufgrund der Bemühungen der preußischen Verwaltung und gegen den Widerstand der anderen Territorialherren war es gelungen, die Ruhr für den Kohleabbau schiffbar zu machen.

Im Jahre 1804 bestand die Hütte Gute Hoffnung aus einem Hochofen und einem Windofen, den dazu gehörigen Gebäuden für Formerei, Kohlen und Magazinierung, sowie aus einem Ofen zum Tempern und einer Schleifmühle.

2.3 Hüttenzusammenschluss

Innerhalb von 30 Jahren waren nach der Gründung der Eisenhütte Neu-Essen im Jahre 1791 drei Hütten im heutigen nördlichen Ruhrgebiet entstand. Jede dieser Hütten lag auf einem anderen Hoheitsgebiet. Aufgrund dieser territorialen Kleinstaatlichkeit war das Konkurrenzdenken untereinander sehr ausgeprägt. Dieses wiederum hemmte die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Es waren weder ausreichend Rohstoffe noch genügend Arbeitskräfte für drei Hütten vorhanden. So wurde beispielsweise nur im Winter produziert, da zu dieser Zeit in der Landwirtschaft nur ein geringer Arbeitskräftebedarf bestand. Es kam jedoch immer wieder zu zeitweiligen Stilllegungen. (vgl. Die Neue Mitte Oberhausen 1998, S. 37)

Schon bald kam der Gedanke auf, die Wirtschaftlichkeit der Hütten durch Vereinigung zu verbessern. Sowohl Pfandhöfer, Leiter der Gutehoffnungshütte, als auch Julius Gottlieb Jacobi, Hütteninspektor der Fürstäbtissin auf der Eisenhütte Neu Essen, bekundeten ihr Interesse an der Pachtung der St. Antony Hütte. Am 28. Juli 1793 bekam Julius Gottlieb Jacobi den Zuschlag, doch Pfandhöfer setzte sich gegen den Beschluss gesetzlich zur Wehr. 1795 kam ein Vergleich zustande, in dem Pfandhöfer für die nächsten 6 Jahre als Pächter der St. Antony Hütte eingesetzt wurde. Pfandhöfer hatte sich jedoch finanziell übernommen und konnte seinen Pachtvertrag gerade einmal zwei Jahre aufrechterhalten. St. Antony wurde somit von Inspektor Jacobi übernommen und mit der Hütte Neu Essen vereinigt. Auch die Gutehoffnungshütte konnte Pfandhöfer nicht länger halten. 1800 wurde die Hütte an die Hauptgläubigerin, die Witwe Krupp, versteigert. Die Eisenhütte Neu Essen wurde nach kurzer Zeit geschlossen, da es aufgrund des französischen Einfuhrverbots von fremden Eisengusswaren links des Rheins an Absatz fehlte.

1805 kauften Franz und Gerhard Haniel sowie Gottlob Jacobi die Hütten St. Antony und Neu Essen. Drei Jahre später erwarben sie ebenfalls die Gutehoffnungshütte und nahmen Heinrich Huyssen als vierten Gesellschafter auf. (vgl. Gutehoffnungshütte Oberhausen Rheinland 1910, S. 7 ff.)

Somit kam es 1808 letztendlich zum Zusammenschluss der drei Hütten, welche fortan im gemeinschaftlichem Eigentum der Gewerkschaft Jacobi, Haniel und Huyssen (JHH) standen. Die örtliche Rohstoffknappheit in Bezug auf Eisenerz und insbesondere Holzkohle führte jedoch in den folgenden Jahren zu einer Produktionsverlagerung. Neben den unzureichenden Rohstoffen stellte auch die englische Industrie in preislicher und technischer Hinsicht eine große Konkurrenz dar. Die Produktion der Roheisenherstellung ging immer weiter zurück. Man baute stattdessen verschiedene Verarbeitungsbetriebe auf. So wurde beispielsweise 1811 der Hüttenbetrieb auf Neu Essen erneut eingestellt und ein Hammerwerk für die Verarbeitung von schmiedbarem Eisen errichtet. Auf der Gutehoffnungshütte wurde 1814 mit dem Bau einer Dampfmaschine der Grundstock einer Maschinenfabrik gelegt. Des Weiteren wurden diverse Stahl- und Walzwerke errichtet um die Schiffsbauwerft in Ruhrort zu beliefern. (vgl. Entwicklung und Wachstum der Stahl- und Walzwerke Oberhausen und Neu-Oberhausen 1880-1890 1970, S. 12 ff.) In den Gießereien auf St. Antony und auf Gutehoffnung wurden jedoch weiterhin Gusswaren für den eigenen Verbrauch sowie für den Verkauf hergestellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Von der GHH zur Neuen Mitte - Nutzungswandel auf einer zentralen Fläche in Oberhausen
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Das Ruhrgebiet II
Note
gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V52419
ISBN (eBook)
9783638481397
Dateigröße
978 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neuen, Mitte, Nutzungswandel, Fläche, Oberhausen, Ruhrgebiet
Arbeit zitieren
Antje Höfs (Autor), 2004, Von der GHH zur Neuen Mitte - Nutzungswandel auf einer zentralen Fläche in Oberhausen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52419

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