Entstehung der deutsch-finnischen "Waffenbrüderschaft" im Fortsetzungskrieg


Hausarbeit, 2005

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Situation vor dem Fortsetzungskrieg
2.1. Das deutsch-finnische und russisch-finnische Verhältnis
2.2. Die Entwicklung bis zur Zusammenarbeit
2.2.1. Finnlands Neutralitätspolitik vor dem Winterkrieg
2.2.2. Der Winterkrieg
2.2.3. Die deutsch-finnische Annäherung
2.3. Die deutsch-finnische Zusammenarbeit

3. Der Kriegsbeginn

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis
5.1. Monographien
5.2. Sammelbände

1. Einleitung

Schon während der Geburt der finnischen Republik in den Jahren 1917 bis 1918 kam es zu einer Anlehnung an das Reich und zu militärischer Hilfe Deutschlands.[1]

Das aus deutschen Diensten heimkehrende finnische Jäger-Bataillon, das an der deutschen Ostfront gegen Russland gekämpft hatte, bildete den Rahmen für die in Aufstellung befindliche Bauernarmee Mannerheims.[2]

Auch wenn der Kavalleriegeneral Mannerheim der deutschen Hilfeleistung kritisch gegenüber stand, kämpften Finnen und Deutsche Schulter an Schulter im Freiheitskrieg und errangen die Entstehung eines neuen unabhängigen Finnlands.[3]

Als dann nur zwei Jahrzehnte später im Zuge des Zweiten Weltkrieges sowjetrussische Streitkräfte finnisches Territorium überfielen, mussten die Finnen nach fast vier Monaten bemerkenswert heldenhafter Verteidigung einen harten Frieden annehmen.

Nachdem es in diesem sogenannten Winterkrieg weder von Seiten des Völkerbundes noch von den Entente-Mächten Hilfeleistungen zugunsten Finnlands gegeben hatte, suchte die finnische Politik wenig später erneut eine Annäherung an Deutschland.[4]

Im Frühjahr 1941 trat das demokratische Finnland dann gänzlich auf die Seite des totalitären Deutschlands über.[5]

Die Frage, die in dieser Arbeit behandelt werden soll, lautet:

Gab es zwischen Deutschland und Finnland eine tiefe Freundschaft, auf die sich die Finnen nach dem Winterkrieg zurück besinnten, oder handelte es sich dabei um ein reines Zweckbündnis, aus politischem Kalkül?

Wurde Finnland vom Dritten Reich zur Teilnahme am Ostfeldzug gegen Sowjetrussland „überredet“ oder entsprach es den finnischen Interessen – wie kam es also zur Waffenbrüderschaft?

Dabei wird auf eine Darlegung der genauen historischen Kriegsabläufe aufgrund des gesetzten Rahmens dieser Arbeit zu verzichten sein, um die Analyse der außenpolitischen Beziehungen Finnlands und insbesondere den Prozess der Annäherung an das „ungeliebte“ nationalsozialistische Deutsche Reich vertiefen zu können.

2. Die Situation vor dem Fortsetzungskrieg

2.1. Das deutsch-finnische und russisch-finnische Verhältnis

Der finnische Staat wurde vor dem Hintergrund eines Freiheits- und Bürgerkrieges geboren, „der auch Züge eines finnisch-russischen Krieges trug“[6] und den der „weiße“ General Carl Gustav Freiherr von Mannerheim gegen die sozialistischen „roten“ Truppen des aufständischen Volksausschusses zu führen hatte.[7]

Dabei bestand der Kern seiner Truppen aus dem finnischen Jäger-Bataillon 27, „das in Deutschland ausgebildet wurde und maßgeblich am Erfolg der „Weißen“ beteiligt war, wiederum mit Unterstützung der Deutschen durch General von der Goltz“[8].

Damit wurde den Finnen zweifellos eine gewisse Anlehnung an Deutschland in die Wiege gelegt.

Dagegen bedeuteten die übermächtigen geopolitischen Interessen Russlands seit je her eine Gefahr für das finnische Volk.

„Von 1917/18 bis zum Ende des 2. Weltkrieges zählte ein scheinbar unüberbrückbarer finnisch-sowjetischer Gegensatz zu den beständigen Faktoren der europäischen Politik, (…). Die 600jährige Funktion Finnlands als Grenzland und Bastion des schwedischen Reiches gegen die russische Expansion und – vor allem – die bitteren Erfahrungen der Finnen in der letzten Phase der über hundertjährigen Zugehörigkeit zum zaristischen Großreich im Kampf um die Bewahrung der eigenen Identität und Freiheitsräume bestimmte vor allem in den 20er und 30er Jahren das Verhältnis zwischen der Finnischen Republik und dem Sowjetimperium.“[9]

Somit zog es Finnland auch aufgrund des Prinzips „der Feind meines Feindes ist mein Freund“ auf die Seite Deutschlands.

Die militärische Stärke Deutschlands stellte für die Finnen ein natürliches Gegengewicht zur Stärke Russlands im Ostseeraum dar.[10]

„Deutschland hatte traditionell großen Einfluss auf die finnische Wissenschaft und Kultur“[11] und Deutsch wurde in den Schulen am häufigsten als Fremdsprache gelehrt.

Es gab eine verbreitete Bewunderung für das Deutsche Reich vor allem in weiten Teilen des finnischen Offizierkorps, dass seine

Grundausbildung überwiegend in Deutschland genossen hatte.[12]

Doch vor Allem aufgrund der Ideologisierung der deutschen Politik in den Dreißiger Jahren ist diese Deutschlandorientierung mehrheitlich nicht weiter gewachsen.

So waren die Beziehungen auf dem Gebiet der Politik Anfang 1939 sogar auf einem Nullpunkt angelangt und der Molotow-Ribbentrop-Pakt sowie die deutsche Unterstützung für die Sowjetunion zu Beginn des Zweiten Weltkrieges beunruhigten Finnland sehr.[13]

Dies ließ sich allerdings angesichts der alten Beziehungen leicht vergessen, als sich das Verhältnis zwischen der Sowjetunion und Deutschland in der zweiten Hälfte des Jahres 1939 abzukühlen begann. Auch für Marschall Mannerheim, den Ohto Manninen eher als anglophil ansieht, überwog zunehmend das Misstrauen gegenüber den Bolschewiken.

[...]


[1] Erfurth, Waldemar: Der finnische Krieg 1941-1944, München 1978, S. 15.

[2] Ebd., S. 14.

[3] Ebd., S. 14.

[4] Ebd., S. 22.

[5] Jokipii, Mauno: Finnland und der Zweite Weltkrieg - eine historische Ortsbestimmung, in: Jäntti, Ahti / Holtkamp, Marion (Hrsg.): Schicksalsschwere Zeiten, Marschall Mannerheim und die deutsch-finnischen Beziehungen 1939-1945. Berlin 1997 (Schriftenreihe des Finnland-Instituts in Deutschland, Bd. 1), S. 21.

[6] Röpstorff, Thomas: Finnland im Spannungsfeld der Großmächte 1939-1941, Kiel 1989, S. 2.

[7] Jäntti, Ahti / Holtkamp, Marion (Hrsg.): Schicksalsschwere Zeiten, Marschall Mannerheim und die deutsch-finnischen Beziehungen 1939-1945. Berlin 1997 (Schriftenreihe des Finnland-Instituts in Deutschland, Bd. 1), S. 9.

[8] Ebd.

[9] Röpstorff: Finnland im Spannungsfeld, S. 1.

[10] Manninen, Ohto: Die deutsch-finnische „Waffenbrüderschaft“ – Realität oder Mythos? in: Jäntti / Holtkamp (Hrsg.): Schicksalsschwere Zeiten, S. 42.

[11] Ebd.

[12] Wegner, Bernd: Finnland und der Zweite Weltkrieg - eine historische Ortsbestimmung (Kommentar zum Vortrag von Prof. Dr. Mauno Jokipii), in: Jäntti / Holtkamp (Hrsg.): Schicksalsschwere Zeiten, S. 37.

[13] Manninen:„Waffenbrüderschaft“, S. 42.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Entstehung der deutsch-finnischen "Waffenbrüderschaft" im Fortsetzungskrieg
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar Neueste Geschichte
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V52440
ISBN (eBook)
9783638481540
ISBN (Buch)
9783638765114
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Wie kam es zur 'Waffenbrüderschaft' im Fortsetzungskrieg? Rückbesinnung auf eine deutsch-finnische Freundschaft oder politisches Kalkül?
Schlagworte
Entstehung, Waffenbrüderschaft, Fortsetzungskrieg, Proseminar, Neueste, Geschichte, Zweiter Weltkrieg, Finnland
Arbeit zitieren
Stefan Hansen (Autor), 2005, Entstehung der deutsch-finnischen "Waffenbrüderschaft" im Fortsetzungskrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52440

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