Der psychoanalytische Ansatz von Erik Homburger Erikson


Hausarbeit, 2005
14 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Biographie Erik H. Eriksons

3. Entstehung und Hintergrund des psychoanalytischen Ansatzes

4. Die acht Phasen des Menschen
4.1 Urvertrauen vs. Urmissvertrauen
4.2 Autonomie vs. Selbstzweifel
4.3 Initiative vs. Schuldgefühl
4.4 Kompetenz vs. Minderwertigkeit
4.5 Identität vs. Rollendiffusion
4.6 Intimität vs. Isolierung
4.7 Generativität vs. Stagnation
4.8 Ich-Integrität vs. Verzweifelung
4.9 Tabellarische Darstellung

5. Bewertung und Kritik

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Mensch durchläuft von Geburt an eine ständige Entwicklung. Die einzelnen Phasen seiner Entwicklung sind dabei meist an der biologischen Reife des Organismus orientiert und die Aufgabe einer jeden Phase besteht in der Bewältigung eines konkreten Konflikts.

Erik Homburger Erikson erweitert mit seinem psychoanalytischen Ansatz, der Entwicklung des Menschen über acht Stufen zwar die Theorie von Freud um die Aspekte der psychosozialen Krisen und Modalitäten, sowie drei weitere Phasen der Erwachsenenentwicklung, orientiert sich jedoch bei der Einteilung der einzelnen Stufen immer noch zu stark an der biologischen Reife des Organismus und vernachlässigt den Einfluss der Kultur und des sozialen Umfelds auf die Entwicklung. Seine Theorie kann nur auf Menschen des westlichen Kulturkreises übertragen werden und ist so angelegt, dass ein Konflikt nur vollständig oder gar nicht gelöst werden kann. Eine Anleitung zur Lösung oder Auskunft darüber gibt was geschieht, wenn ein Konflikt nicht gelöst wird fehlen jedoch völlig. Außerdem stellt sich die Frage, ob in den acht von Erikson angebotenen Stufen wirklich alle wichtigen Entwicklungsphasen des Menschen enthalten sind.

Die folgende Arbeit hat die Absicht, den psychoanalytischen Ansatz von Erik H. Erikson, sowie seine acht Entwicklungsstufen genauer darzulegen, aber auch Schwachstellen seiner Theorie aufzuzeigen und die Vernachlässigung wichtiger, einflussreicher Aspekte deutlich zu machen.

2. Die Biographie Erik H. Eriksons

Erik Homburger Erikson wurde am 15. Juni 1902 in Frankfurt am Main geboren, ist jedoch ursprünglich dänischer Herkunft. Seine Kinderzeit verbrachte er bei seinem Stiefvater in Karlsruhe. Nach Beendigung seiner Schulausbildung kam er, durch seine Zusammenarbeit mit Peter Blos, in Kontakt mit Anna Freud, Freud selbst und der Psychoanalyse, die ihn von Beginn an begeisterte. Er begann eine Ausbildung bei A. Freud und veröffentliche schon bald seine ersten wissenschaftlichen Schriften.

1933 wanderte er zunächst nach Koppenhagen und dann in die USA aus, wo er eine kinderanalytische Praxis eröffnete. Obwohl er nicht Promoviert hatte, übte er im weiteren Verlauf eine Lehrtätigkeit an der medizinischen Fakultät in Harvard und später auch an Yale University aus.

Erik H. Erikson verstarb im Ater von 92 Jahren, am 12. Mai 1994 in Harwich, Massachusetts.

Zu seinen bedeutendsten Werken zählen „Kinder und Gesellschaft“, 1950 und „Jugend und Krise“, 1968.

3. Entstehung und Hintergrund des psychoanalytischen Ansatzes

Der psychoanalytische Ansatz von Erik H. Erikson basiert auf der von Sigmund Freud verfassten Theorie der psychosexuellen Dynamik. Diese geht von einem „ständigen Konflikt zwischen 2 Teilen der Persönlichkeit“ (Zimbardo / Gerring, 2003, S. 533), dem Es und dem Über- Ich, aus, der durch das Ich besänftigt wird.

Das Es bezeichnet den unbewussten Teil der Persönlichkeit und den Ausgangspunkt der primären Triebe (Vgl. Zimbardo / Gerring, 2003, S. 533). Das Über-Ich repräsentiert die Werte einer Person, sowie die gesellschaftlich und moralisch geltenden Normen und Regeln (vgl. ebd.). Das Ich stellt in diesem Zusammenhang den Vermittler im Konflikt des Es und des Über-Ichs dar und ist realitätsorientiert (vgl. ebd.).

Im Gegensatz zu Freud legt Erikson bei seiner Theorie mehr Gewicht auf den Einfluss des Ich und nicht (wie Freund) auf das Es (Lustprinzip). Er erweitert das Modell Freuds von fünf auf acht Phasen, da nach seiner Auffassung die Entwicklung des Menschen nicht mit der Pubertät abgeschlossen ist, sondern sich bis ins „Alter“ fortsetzt.

Die einzelnen Phasen der Theorie sind jeweils von biologischen Reifungsmerkmalen des Organismus gekennzeichnet, die natürlich von unterschiedlichen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Konflikten begleitet sind. Erikson beschreibt jede Phase in zehn Dimensionen:

1. psychosexuelle Dynamik (von Freud übernommen)
2. psychosexuelle Modalitäten (von Freud übernommen)
3. psychosoziale Krisen (Konflikt)
4. psychosoziale Modalitäten
5. Umkreis der Bezugspersonen
6. Stärken
7. Antipathien
8. Elemente der sozialen Ordnung
9. Ritualisierende Bindung
10. Ritualismen (vgl. A. Flammer, 1996, S. 85).

Wie durch die Punkte vier und fünf deutlich wird, legt Erikson besonderen Wert auf den sozialen Aspekt und somit den Einfluss, den die Außenwelt auf die Entwicklung der Persönlichkeit nimmt. Er konzentriert sich auf die Bedeutung von Erfahrungen die dem Einzelnen von Kultur und Gesellschaft vorgegeben sind.

In jeder der Phasen gilt es einen bestimmten Konflikt, eine psychosoziale Krise (Punkt 3), zu bewältigen; die Art und das Maß der Bewältigung des Konflikts, haben enormen Einfluss auf den Verlauf der weiteren Entwicklung. Die „angemessene“ Bewältigung führt zum Übergang zur nächsten Stufe, was aber nicht gleichzeitig bedeutet, dass man sich ständig in einem Konflikt befindet, sehr wohl aber dass man ein neues und höheres Niveau der sozialen Integration erreicht hat.

Eriksons Erkenntnisse über die psychosozialen Krisen sind zum einen auf seine eigenen Erfahrungen in seiner Kindheit und Einwandererzeit zurückzuführen und zum anderen auf seine Arbeit mit den Ureinwohnern Amerikas und groß angelegten Versuchsreihen zur Analyse von Entwicklungsprozessen.

Laut Peter Cozen (1990, S. 10) entspringt Eriksons Begeisterung für die Psychoanalyse, sowie die Motivation für seine Arbeit den Identitätsproblemen, die er am eigenen Leib erfahren hat. Sie stellen also neben Freuds Theorie den Ausgangspunkt für seinen psychoanalytischen Ansatz dar.

4. Die acht Phasen des Menschen

4.1 Urvertrauen vs. Urmissvertrauen

Die Entwicklungsaufgabe dieser Phase besteht in der Ausbildung von Urvertrauen und damit der Grundlage der gesunden Persönlichkeit.

Vertrauen ist ein „`wesenhaftes Zutrauen zu anderen als auch ein fundamentales Gefühl der eigenen Vertrauenswürdigkeit´“ (A. Flammer, 1996, S. 85) und Urvertrauen bezeichnet „eine allesdurchdringende Haltung sich selbst und der Welt gegenüber“ (ebd.). Es stellt sich von alleine ein, wenn das Kind eine starke und stabile Beziehung zur Mutter hat, durch die es mit Nahrung, Aufmerksamkeit, Wärme und Geborgenheit versorgt wird. Ist die Befriedigung der Grundbedürfnisse jedoch nicht gegeben, wird dem Kind nur gelegentlich Aufmerksamkeit zu teil oder lässt die Bezugsperson das Kind häufig allein, kann das Gefühl von Urvertrauen nicht entwickelt werden und es stellt sich das Gegenteil, Urmissvertrauen, ein. Diese „Schädigung des Urvertrauens kann Entfremdung, Rückzug auf sich selbst, (…), und Depressionen bewirken“ (A. Flammer, 1996, S. 86).

Es ist nicht zu vermeiden, dass das Vertrauen auch einmal enttäuscht wird, es sollte jedoch wann immer es möglich ist vermieden werden, um dem Kind eine stabile Grundlage zum Aufbau von Urvertrauen zu geben und das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen zu erhalten.

Die Krise dieser Phase besteht nun darin, dass das Kind lernen muss, die enge Bindung zur Mutter aufzugeben und sich auch auf die Menschen in seiner unmittelbaren Umwelt zu verlassen. Hat das Kind diese bewältigt, ist es der Welt und seinen Mitmenschen offen zugewandt und somit für die zweite Phase gerüstet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der psychoanalytische Ansatz von Erik Homburger Erikson
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Jugendtheorien
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V52447
ISBN (eBook)
9783638481601
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ansatz, Erik, Homburger, Erikson, Jugendtheorien
Arbeit zitieren
Janina Tatan (Autor), 2005, Der psychoanalytische Ansatz von Erik Homburger Erikson, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52447

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