Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit. Das Prinzip Öffentlichkeit im Wandel


Hausarbeit, 2004
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung:

2. Hauptteil
2.1 Ideengeschichtliche Einordnung
2.2 Der Begriff Öffentlichkeit
2.3 Aufstieg und Niedergang der Öffentlichkeit
2.4 Politischer Funktionswandel am Beispiel des deutschen Parlaments

3. Schluss
3.1 Kritische Anmerkungen
3.2 Rückblick und Ausblick

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Habilitationsschrift von Jürgen Habermas „Strukturwandel der Öffentlichkeit“, dem „Typus bürgerliche Öffentlichkeit“, den Habermas darin entwirft und dem Wandel den dieses Prinzip der Öffentlichkeit durchläuft.

Nach einer theorie- und ideengeschichtlichen Einordnung, die Habermas’ Intentionen darlegen und Beeinflussungsfaktoren erläutern soll, wird im Folgenden der Begriff der Öffentlichkeit, wie Habermas ihn verwendet, erläutert, da ihm im Rahmen seiner Untersuchung eine zentrale Rolle zukommt. Im nächsten Abschnitt wird die spezifische Entwicklung des Prinzips der Öffentlichkeit dargelegt – ihr Aufstieg aus der Repräsentativen Öffentlichkeit des Mittelalters, über ihren Höhepunkt während der bürgerlich- liberalen Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts bis hin zu ihrem Niedergang während der heutigen Massendemokratien. Am Beispiel des deutschen Parlaments soll in einem weiteren Schritt deutlich gemacht werden wie dieser Strukturwandel der Öffentlichkeit zu einem – von Habermas negativ beurteiltem- Funktionswandel in der Politik geführt hat. In diesem Zusammenhang soll besonderes Augenmerk auf die Beeinflussung des Parlaments durch Interessenvereinigungen vor allem von Verbänden gelegt werden. Ein letzter Punkt greift dann kurz einige Kritikpunkte an Habermas’ Überlegungen auf und zeigt, dass sein Frühwerk, obwohl schon 1962 erschienen, in der aktuellen demokratie- und wissenschaftstheoretischen Debatte immer noch Geltung besitzt.

2. Hauptteil

2.1 Ideengeschichtliche Einordnung

Die Auseinandersetzung mit Jürgen Habermas und seinen Werken verlangt immer auch eine Beachtung seiner Beziehung zu den Philosophen der Frankfurter Schule und deren Ansätzen. Als Vertreter der zweiten Generation der Frankfurter Schule wurde Habermas natürlich von deren kulturkritischer Theorie beeinflusst. Habermas, der von 1955 bis 1959 Assistent bei Theodor W. Adorno am Frankfurter Institut für Sozialforschung war, scheute jedoch nicht die kritische Auseinandersetzung mit dessen Positionen. Obwohl er sich in seinen frühen Arbeiten noch stark an der „kulturpessimistischen Deutungsperspektive“[1], die unter anderem von Adorno und Horkheimer geprägt wurde, orientiert, wird auch schon in Strukturwandel der Öffentlichkeit deutlich, dass seine Theoriekonzeption einer eigenständigen philosophisch-soziologischen Richtung folgt. Heming sieht in Strukturwandel der Öffentlichkeit dann auch eher eine Weiterführung der kulturkritischen Gedanken aus Adornos und Horkheimers „Dialektik der Aufklärung“, als eine Übernahme der Ansätze der Frankfurter Schule.[2] Habermas greift demnach zwar kritische Positionen der frühen Frankfurter Schule auf, entwickelt diese dann aber unter Einbeziehung historischer, soziologischer und empirischer Gesichtspunkte zu einer umfassenden Gesellschaftsstudie weiter. Habermas legt dabei im Gegensatz zu Adorno und Horkheimer jedoch Wert auf eine normative Ausrichtung der Untersuchung[3] und will die klassische kritische Theorie der Frankfurter Schule an Hand normativer Aspekte weiterentwickeln.[4]

Auch seine gedankliche Auseinandersetzung mit den Positionen der deutschen Philosophen Immanuel Kant und Georg Friedrich Wilhem Hegel finden Eingang in seine Theoriekonzeptionen. Unter anderem hat Kant’s Schrift „Was ist Aufklärung“ Habermas bei der Ausgestaltung seiner gesellschafts- und ideologiekritischen Positionen und bei seinen Überlegungen im Zusammenhang mit dem Prinzip der Publizität stark beeinflusst. Wesentlich hierbei ist die Beziehung zwischen privater Meinung und öffentlicher Meinung[5] und der freie und öffentliche Diskurs als Grundvoraussetzung für Demokratie[6] Die Skizze der bürgerlichen Gesellschaft, die Habermas entwirft liegt wiederum in Hegelianischer Tradition. Der private Bereich mit der Arbeitswelt und dem Warenverkehr steht dem staatlichen Bereich gegenüber. Öffentlichkeit nimmt dabei eine Mittlerrolle ein, wie unten näher erläutert wird.[7] Habermas verwendet in seiner Analyse viele weitere Gedanken und Ansätze bekannter Philosophen, die hier aber nicht weiter aufgeführt werden können. Von den klassischen Vertragstheoretikern Hobbes und Locke über Gesellschaftstheoretiker wie Tocqueville und Marx bis hin zu der deutsch-amerikanischen Politologin Hannah Arendt reicht die Bandbreite der verarbeiteten Positionen.[8]

Strukturwandel der Öffentlichkeit lässt sich gedanklich ohne Probleme in das philosophische Gesamtwerk von Jürgen Habermas einordnen. Diese frühe Arbeit lässt schon Ansätze erkennen, die Habermas in seinen späteren Werken thematisieren und konkretisieren wird und bildet somit den Ausgangspunkt für seine kritische Gesellschaftstheorie, der bereits viele Elemente seines Gesamttheoriekonzepts enthält – wenn auch manchmal noch in unausgereifter Form. Der Begriff des Erkenntnisinteresses, den Habermas 1968 in seiner Arbeit „Erkenntnis und Interesse“[9] thematisiert spielt ebenso eine Rolle wie einige kommunikationstheoretische Aspekte, die in Strukturwandel der Öffentlichkeit bereits konzeptionell erarbeitet werden und dann 1981 in seinem wohl bekanntesten Werk „Theorie des kommunikativen Handelns“[10] als zentrales Motiv verwendet werden.[11] Im Einzelnen soll darauf hier nicht näher eingegangen werden.

2.2 Der Begriff Öffentlichkeit

Habermas stellt eine Begriffsanalyse des Wortes „Öffentlichkeit“ an den Anfang seiner Untersuchung. An Hand verschiedener Begriffsdimensionen versucht Habermas den Gegenstand seiner Analyse zu definieren und verschiedene Bedeutungsebenen zu klassifizieren. Wichtigste Kategorie auch für den Strukturwandel der Öffentlichkeit ist die Verwendung des Wortes Öffentlichkeit in Verbindung mit der öffentlichen Meinung und dem in diesem Zusammenhang bedeutsamen Begriff der Publizität. Öffentlichkeit und Publikum sind deshalb so zentral, weil effektive Kritik an der Gesellschaft und an der politischen Wirklichkeit nicht im privaten Raum der Familie, sondern nur in der Öffentlichkeit geübt werden kann. Das Publikum übernimmt diese für Habermas außerordentlich wichtige kritisierende Funktion, indem sie persönliche Meinungen aus dem privaten in den öffentlichen Raum transferiert und sie somit zur öffentlichen und für alle Bürger sowie den Staat gleichermaßen wahrnehmbaren Angelegenheit macht- eben zu jener öffentlichen Meinung.[12] Dieses Prinzip ist Habermas zufolge grundlegend für ein funktionstüchtiges Verhältnis von Staat und Gesellschaft und eine Basis seines Idealbildes von Demokratie.

Der Begriff der Öffentlichkeit und die Öffentlichkeit als eigenständiger Raum kristallisieren sich in Deutschland erst mit der Entstehung der bürgerlich – liberalen Gesellschaft im 18. und 19. Jahrhundert heraus. Habermas spricht von öffentlicher und privater Sphäre[13], deren spezifische Trennung voneinander die Basis dieser bürgerlich – liberalen Gesellschaft ist. Reese-Schäfer bezeichnet Öffentlichkeit treffend als „Begriff zur Beschreibung des kommunikativen Raumes zwischen bürgerlicher Privatsphäre und dem Staat.“[14] Habermas selbst beschreibt Öffentlichkeit im Vorwort als „epochaltypische Kategorie“[15], welche von Habermas als „grundlegendes gesellschaftliches Ordnungsprinzip“[16] angesehen wird. Der Geltungsanspruch dieses Begriffs Öffentlichkeit erstreckt sich somit auf den gesamten gesellschaftlichen Raum und zeigt somit noch einmal den ganzheitlichen Charakter der Untersuchungen von Habermas auf. Er versteht seine Analyse als Versuch Öffentlichkeit als gesamtgesellschaftliches Strukturprinzip zu begreifen.

[...]


[1] Heming 1997: 25 ff.

[2] vgl. Heming 1997: 25 ff.

[3] vgl. Reese-Schäfer 2001: 46 ff.

[4] vgl. Horster 1999: 16

[5] vgl. Horster 1991: 15

[6] vgl. Horster 1999: 15

[7] vgl. Reese-Schäfer 2001: 38

[8] vgl. Reese-Schäfer 2001: 46

[9] Habermas 1968

[10] Habermas 1981

[11] vgl.: Heming 1997: 26

[12] vgl. Habermas 1962: I §1

[13] Habermas 1962: Kapitel I §1

[14] vgl. Reese Schäfer S. 34

[15] vgl. Habermas 1962: Vorwort

[16] Heming 1997: 25

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Details

Titel
Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit. Das Prinzip Öffentlichkeit im Wandel
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Theorien politischer Kommunikation
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
12
Katalognummer
V52461
ISBN (eBook)
9783638481717
ISBN (Buch)
9783640951376
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Jürgen, Habermas, Strukturwandel, Prinzip, Wandel, Theorien, Kommunikation
Arbeit zitieren
Philipp Kratschmer (Autor), 2004, Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit. Das Prinzip Öffentlichkeit im Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52461

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