Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der 'Montage als Erzähltechnik der Großstadt und ihren Funktionen in Alfred Döblins Roman Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf' auseinander. Es sollen verschiedene Gesichtspunkte des Montageverfahrens (literaturgeschichtlich und am Text selbst) herausgearbeitet werden.
In einer genauen Analyse einzelner Textstellen wird versucht, Konstruktionsaspekte offen zu legen. Um diese Textausschnitte adäquat verstehen zu können, ist es notwendig, allgemeine theoretische Ausführungen zur Montage voranzustellen. Besonderes Augenmerk wird auf die Darstellung des Großstadtdiskurses gelegt. Die Verknüpfung von Montagetechniken mit dem Themenkomplex der Großstadt soll herausgearbeitet werden. Bei einer ersten Beschäftigung mit Alfred Döblin fällt sofort seine Zuordnung zur literarischen Moderne auf. So zum Beispiel bei Gabriele Sander, die in ihrer Biografie über den Autor schreibt: "Alfred Döblin gehört inzwischen unbestritten zu den Schlüsselfiguren der literarischen Moderne in Deutschland." Ein literarhistorischer Exkurs zum Begriff der Moderne scheint auf Grund dieses Postulats notwendig zu sein und auch für die Interpretation des Romans 'Berlin Alexanderplatz' nützlich.
Der Roman 'Berlin Alexanderplatz' ist kein autobiografischer Roman. Für eine Ausführung des Themas scheint eine vorangestellte kurze Darstellung der Biografie trotzdem sinnvoll zu sein, um sich davon ausgehend dem Autor und der Zeit dem Roman annähern zu können. Es geht dabei um keine 'Komplettdarstellung', sondern um eine Darstellung für meine Fragestellung wichtiger Aspekte. Selektionsprozesse sind unvermeidbar und führen zwangsläufig zu einer tendenziellen Darstellung. Dies gilt wahrscheinlich am stärksten für die Besprechung ästhetischer Positionen des Autors. Ich führe dabei nur die für meine Interpretation – und vor allem im Hinblick auf die Montage – relevanten Passagen an, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Alfred Döblin – Biografie
2.1. Die Moderne – ein literarhistorischer Exkurs
3. Die Montage als ästhetisches Verfahren zur Darstellung der Großstadt
4. Zur Umsetzung der Montage bei Alfred Döblin
4.1. Zur Funktion montierter Fragmente bei Alfred Döblin
5. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Montage als spezifische Erzähltechnik der Großstadt in Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz". Dabei wird analysiert, inwieweit das Montageverfahren als adäquates Mittel dient, um die Komplexität, Unübersichtlichkeit und Schnelllebigkeit der urbanen Erfahrung in die literarische Form zu übertragen und den Leser aktiv zur Reflexion anzuregen.
- Die Montage als ästhetisches Verfahren der literarischen Moderne
- Die Wechselbeziehung zwischen Großstadtwahrnehmung und Montagetechnik
- Die Funktion von "Fremdmaterial" und "Eigenmaterial" im Roman
- Die Rolle des Lesers bei der Interpretation montierter Textfragmente
- Assoziative Verbindungen und satirische Elemente als Teil der Erzählstruktur
Auszug aus dem Buch
3. Die Montage als ästhetisches Verfahren zur Darstellung der Großstadt
An den Beginn der theoretischen Ausführungen sei die Definition von Montage nach Victor Žmegač gestellt: "M[ontage] sollte man das Verfahren nennen, fremde Textsegmente in einen eigenen Text aufzunehmen, sie mit eigenem zu verbinden bzw. zu konfrontieren." Was sind die Schlussfolgerungen dieser Definition? Sie betont das Verfahren. Also nicht das Endergebnis, sondern die Tätigkeit und den Zusammenhang des Herstellens. Damit stellt das Werk sein 'Gemachtwerden' öffentlich aus. Ein weiterer Aspekt der Definition ist das Textsegment, also das Material, das der Montage zu Grunde liegt. Hier ist ein Anknüpfungspunkt zur bereits erwähnten Avantgardebewegung zu sehen, der durch folgendes Zitat aufgezeigt werden soll:
"Systematisieren ließen sich diese Verfahrensweisen [des Dadaismus, zB. die Montage, Simultaneitätsprinzip, Destruktion von Wörtern uvm.] im Begriff des Materials, der auf das qualitativ Neue von Dada verweist: sowohl die Sprache selbst als auch jedes Partikel und jeder Gegenstand der Realität [...] können unter dadaistischer Ägide zum Element von Literatur und Kunst [...] werden."
Das bedeutet also, dass durch das Einbeziehen von Fragmenten der Realität intensiver auf diese verwiesen werden kann, oder, dass das zumindest ein Anspruch montierender Künstler ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Montage als Erzähltechnik in "Berlin Alexanderplatz" zu untersuchen, und stellt den theoretischen Rahmen sowie die methodische Vorgehensweise vor.
2. Alfred Döblin – Biografie: Es wird ein Überblick über das Leben Alfred Döblins gegeben, wobei insbesondere biografische Prägungen und Einflüsse beleuchtet werden, die für das Verständnis seines Romans relevant sind.
2.1. Die Moderne – ein literarhistorischer Exkurs: Dieser Abschnitt ordnet Döblin in den Kontext der literarischen Moderne ein und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen traditionellen Abbildungsverfahren und der neuen, fragmentarischen Ästhetik.
3. Die Montage als ästhetisches Verfahren zur Darstellung der Großstadt: Hier wird der theoretische Begriff der Montage systematisch erarbeitet und als notwendige Form zur literarischen Bewältigung der chaotischen Großstadterfahrung dargestellt.
4. Zur Umsetzung der Montage bei Alfred Döblin: Dieses Kapitel analysiert anhand konkreter Textbeispiele aus dem Roman, wie Döblin die Montage technisch umsetzt und welche Materialien er dafür verwendet.
4.1. Zur Funktion montierter Fragmente bei Alfred Döblin: Dieser Teil vertieft die Analyse der Montagefunktionen, indem er aufzeigt, wie montierte Fragmente das Geschehen kommentieren, Kontexte schaffen und die Wahrnehmung des Lesers steuern.
5. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst zusammen, dass die Montage ein zentrales, die literarische Moderne prägendes Verfahren darstellt, das Döblin nutzt, um die Komplexität der Großstadt abzubilden und den Leser zur aktiven Mitarbeit anzuregen.
Schlüsselwörter
Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz, Montage, Großstadt, Literatur, Moderne, Avantgarde, Erzähltechnik, Franz Biberkopf, Fragmentierung, Realitätsfragmente, Eigenmaterial, Großstadtwahrnehmung, literarische Analyse, Montageverfahren
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Erzähltechnik der Montage in Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz" und untersucht deren Funktion bei der Darstellung der modernen Großstadt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Montage und Großstadterfahrung, die theoretischen Hintergründe der Moderne sowie die spezifische Anwendung und Wirkung des Montageverfahrens im Roman.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Döblin durch Montage das "Nebeneinander" der Großstadt abbildet und auf welche Weise dieser Bruch mit traditionellen Erzählformen den Leser zur aktiven Auseinandersetzung zwingt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Primärtextstellen im Vergleich mit theoretischen Ausführungen zur Montage sowie literaturhistorischen Exkursen zur Moderne.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil wird die konkrete Umsetzung der Montage bei Döblin analysiert, inklusive der Unterscheidung zwischen Fremdmaterial (wie Zeitungsberichten) und dem von der Verfasserin eingeführten Begriff des "Eigenmaterials".
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlagworten gehören Montage, Großstadt, Moderne, Fragmentierung und Erzähltechnik.
Welche Bedeutung hat das "Eigenmaterial" im Kontext der Analyse?
Das "Eigenmaterial" bezieht sich auf fiktionale Passagen, die zwar formal als Montage wirken, aber keine direkten Realitätsfragmente enthalten. Sie sind für die Struktur und Funktion des Romans essenziell.
Wie trägt die Montage zur Komik im Roman bei?
Die Montage erzeugt durch assoziative Aneinanderreihung und die bewusste Kontrastierung unterschiedlicher Sinnbezirke komische Effekte, die oft zur ironischen Entwertung oder Karikatur genutzt werden.
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- Elisabeth Augustin (Author), 2005, Die Montage als Erzähltechnik der Großstadt und ihre Funktionen in Alfred Döblins Roman 'Berlin Alexanderplatz', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52478