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Der Kompetenzstreit zwischen Bund und Ländern - Perspektiven und Lösungsansätze am Beispiel des öffentlichen Dienstes

Title: Der Kompetenzstreit zwischen Bund und Ländern - Perspektiven und Lösungsansätze am Beispiel des öffentlichen Dienstes

Seminar Paper , 2005 , 16 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Johannes Neufeld (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Oft wird der gegenwärtige Zustand des Gesetzgebungsverfahrens in der Bundesrepublik Deutschland als schwieriges System mit vielen Hindernissen beschrieben. Unterschiedliche Interessen auf sachlicher und politischer Ebene wirken einander entgegen und erschweren die Gesetzgebung. Bund und Länder sind zudem in zentralen Bereichen der Gesetzgebung eng miteinander verflochten. Die Rolle des Bundesrats als Vertretung der 16 Länder fällt dabei besonders ins Gewicht. Schließlich müssen derzeit rund 60 Prozent aller Gesetzentwürfe den Bundesrat passieren, weil sie Länderinteressen berühren und daher zustimmungspflichtig sind. Dies wäre nicht unbedingt von Nachteil, wäre nicht die unterschiedliche Stimmverteilung in Bundestag und Bundesrat immer wieder ausschlaggebend für das Scheitern von Gesetzentwürfen. Deutlich wird schon hier, dass die gegenwärtigen Kompetenzen in Frage gestellt werden müssen und ein enormer Reformbedarf besteht, um einer drohenden Regierungsunfähigkeit entgegen zu wirken. Der Bundesrat setzte zu diesem Zweck im Jahr 2003 eine Bundesstaatskommission ein, die Vorschläge erarbeiten sollte, um eine neue Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern zu ermöglichen und so den Anteil der zustimmungspflichtigen Gesetze im Bundesrat auf ungefähr 35 Prozent zu senken. Zur Debatte stand ausschließlich eine komplette Föderalismusreform, die zuletzt trotz Übereinstimmung in vielen Bereichen an der Uneinigkeit über den Bereich Bildung scheiterte.
Exemplarisch soll hier ein Bereich beleuchtet werden, an dem die kontroverse Diskussion zwischen Bund und Ländern veranschaulicht wird: Die Diskussion um eine Reform des öffentlichen Dienstes und des Dienstrechts der Beamten. Im Folgenden wird daher anhand dieses Beispiels ein Überblick über die gegenwärtige Situation gegeben. Bedeutsam sind dabei grundsätzliche Rahmenbedingungen wie die Regelung im Grundgesetz ebenso wie ein Blick auf die Praxis und Probleme innerhalb des öffentlichen Dienstes. Ferner soll die Diskussion dieses Themas innerhalb der Bundesstaatskommission skizziert werden, bis hin zu den konkret gemachten Lösungsvorschlägen bezüglich der Kompetenzverschiebungen zwischen Bund und Ländern. Ziel dabei ist es, anhand dieses Beispiels die Notwendigkeit und Möglichkeit von Reformen im Bereich des öffentlichen Dienstes herauszustellen und einen Ausblick auf mögliche Auswirkungen von Reformen zu geben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Situation im öffentlichen Dienst

2.1 Der öffentliche Dienst im Grundgesetz

2.2 Das System des öffentlichen Dienstes und seine Probleme

2.3 Alternative Systeme für den öffentlichen Dienst

3. Realisierung von Reformen in einem politischen System

4. Reformvorschläge durch die Bundesstaatskommission

4.1 Allgemeines

4.2 Reformvorschläge der Projektgruppe 2

4.3 Position der beteiligten Akteure

4.4 Diskussionsergebnisse

5. Fazit und Ausblick

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Kompetenzstreit zwischen Bund und Ländern in der Bundesrepublik Deutschland, wobei sie sich exemplarisch auf den Reformbedarf und die Reformansätze im öffentlichen Dienst konzentriert. Ziel ist es, die Verflechtungen und Blockaden im Gesetzgebungsverfahren aufzuzeigen und die Notwendigkeit sowie Möglichkeiten einer Kompetenzentflechtung zwischen den staatlichen Ebenen zu analysieren.

  • Analyse der verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen des öffentlichen Dienstes
  • Untersuchung der strukturellen Probleme des hierarchisch-bürokratischen Verwaltungssystems
  • Anwendung der Vetospieler-Theorie zur Erklärung politischer Reformblockaden
  • Diskussion konkreter Reformmodelle der Bundesstaatskommission (Trenn-, Bandbreiten- und Zugriffsmodell)
  • Bewertung der Möglichkeiten zur Steigerung der Effizienz und Eigenständigkeit der Länder

Auszug aus dem Buch

2.2 Das System des öffentlichen Dienstes und seine Probleme

Das Land als Arbeitgeber stellt für die Ausführung der Aufgaben im öffentlichen Dienst Beamte und Angestellte ein, die in einem klar gegliederten System tätig sind. Bevor die angestrebten Änderungen dieses Systems näher betrachtet werden, soll ein Blick auf das System und seine gegenwärtige Probleme geworfen werden.

Wichtigste Voraussetzung für die Durchsetzung von Entscheidungen in einem rechtsstaatlichen System ist zunächst eine an Regeln und Kontrollen gebundene Durchführung (vgl. Rudzio 2003, 467). So werden Zuständigkeiten detailliert und dauerhaft verteilt. Die ausführenden Akteure müssen sich zudem an Recht und internen Regeln orientieren sowie Entscheidungen schriftlich dokumentieren, um die Kontrolle und Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten. Ferner konzentriert sich die Verantwortung auf die jeweils höchste Instanz einer Behörde, was ständige Rück- und Absprachen erfordert (vgl. Rudzio 2003, 467). Kontrolle und Überregulierung von Vorgängen ersetzen dabei das Vertrauensprinzip.

Durch den hierarchisch-bürokratischen Aufbau des Administrationssystems ergeben sich beträchtliche Effizienzverluste, da jeder noch so geringfügige Vorgang dokumentiert werden muss und durch klare Kompetenzabgrenzungen oft ein Verlust sachlicher Zusammenhänge die Folge ist (vgl. Rudzio 2003, 467-468). Auch wenn in der Praxis Entscheidungen zuweilen auf dem informellen Dienstweg zustande kommen können, sind doch die formalen Rahmenbedingungen dafür nicht gegeben. Problematisch scheint auch, „dass die Aufgaben des öffentlichen Dienstes über Ordnungsfunktionen ausgreifen und in großem Maße auch Dienstleistungen und gestaltende Aufgaben umfassen“ (Rudzio 2003, 468), z.B. Bildung, Wissenschaft oder soziale Angelegenheiten. Hierbei lässt sich jedoch selten mit genauen Handlungsanweisungen arbeiten, sodass als Ausweg eine „weniger rigide Führung und Kontrolle durch Verwaltungsspitzen“ erscheint (vgl. Rudzio 2003, 468).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beschreibt das Scheitern der Föderalismusreform und leitet die Problematik der komplexen Kompetenzverflechtungen zwischen Bund und Ländern ein.

2. Die Situation im öffentlichen Dienst: Analysiert die verfassungsrechtlichen Vorgaben und die bürokratischen Schwachstellen des gegenwärtigen Verwaltungssystems.

3. Realisierung von Reformen in einem politischen System: Erläutert mithilfe der Vetospieler-Theorie, warum politische Konsensbildung in der Bundesrepublik oft schwierig ist.

4. Reformvorschläge durch die Bundesstaatskommission: Stellt die konkreten Modelle zur Kompetenzverschiebung vor und beleuchtet die Positionen der Akteure.

5. Fazit und Ausblick: Bewertet die Reformversuche kritisch und mahnt eine stärkere Ergebnisorientierung sowie eine föderale Entflechtung an.

Schlüsselwörter

Föderalismusreform, öffentlicher Dienst, Kompetenzstreit, Bund und Länder, Bundesstaatskommission, Vetospieler, Gesetzgebungsverfahren, Neues Steuerungsmodell, Reformstau, Berufsbeamtentum, Verwaltungseffizienz, Kompetenzverteilung, Verwaltungsreform.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt den Reformbedarf und den Kompetenzstreit zwischen Bund und Ländern im Kontext der deutschen Föderalismusreform, fokussiert auf den öffentlichen Dienst.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert auf verfassungsrechtliche Strukturen, bürokratische Defizite im öffentlichen Dienst und die politische Blockadepolitik innerhalb der Bundesstaatskommission.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, anhand des Beispiels „öffentlicher Dienst“ die Notwendigkeit einer Kompetenzentflechtung zwischen Bund und Ländern zur Vermeidung von Regierungsunfähigkeit aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine politikwissenschaftliche Analyse der Rahmenbedingungen sowie die Anwendung der Vetospieler-Theorie nach Tsebelis zur Erklärung der Reformblockaden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die rechtliche Situation gemäß Grundgesetz, die strukturellen Probleme des öffentlichen Dienstes und diskutiert drei spezifische Reformmodelle (Trenn-, Bandbreiten- und Zugriffsmodell).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Föderalismusreform, öffentlicher Dienst, Vetospieler, Kompetenzverschiebung und Neue Steuerungsmodelle sind die zentralen Begriffe.

Was besagt das im Kapitel 4.2 vorgestellte „Bandbreitenmodell“?

Das Modell sieht vor, dass der Bund weiterhin Rahmenvorschriften erlässt, die Länder innerhalb dieser „Bandbreiten“ jedoch Abweichungen bei Besoldung und Versorgung vornehmen können.

Warum wird in Kapitel 3 das Konzept der „Vetospieler“ verwendet?

Es dient dazu, die reformhemmenden Strukturen des deutschen politischen Systems zu analysieren, bei denen eine zu hohe Anzahl an Akteuren mit Vetomacht die Konsensfindung erschwert.

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Details

Title
Der Kompetenzstreit zwischen Bund und Ländern - Perspektiven und Lösungsansätze am Beispiel des öffentlichen Dienstes
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Grundseminar
Grade
2,3
Author
Johannes Neufeld (Author)
Publication Year
2005
Pages
16
Catalog Number
V52546
ISBN (eBook)
9783638482288
ISBN (Book)
9783638748766
Language
German
Tags
Kompetenzstreit Bund Ländern Perspektiven Lösungsansätze Beispiel Dienstes Grundseminar Föderalismusreform
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johannes Neufeld (Author), 2005, Der Kompetenzstreit zwischen Bund und Ländern - Perspektiven und Lösungsansätze am Beispiel des öffentlichen Dienstes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52546
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