Empirische Lese(r)forschung

Institutionen, Verfahren und Ergebnisse


Seminararbeit, 2005
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Institutionen
2.1 Stiftung Lesen
2.2 Bertelsmann Stiftung
2.3 Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V

3. Verfahren
3.1 Theorieansätze
3.2 Forschungstypen
3.3 Forschungsstruktur
3.3.1 Forschungsgegenstand
3.3.2 Fragestellungen
3.3.3 Methodische Vorgehensweise
3.3.4 Probleme

4. Ergebnisse
4.1 Verschiedene Aspekte des Leseverhaltens
4.2 Bisherige Ergebnisse 1958-1993
4.3 Aktuelle Ergebnisse der Stiftung Lesen (1992/2000)
4.3.1 Ziele, Rahmenbedingungen und methodisches Vorgehen
4.3.2 Leseverhalten im Medienkontext
4.3.3 Was wird gelesen?
4.3.4 Kaufimpulse
4.3.5 Lesesozialisation, Familieneinfluss und Lesemotivation
4.3.6 Der Index „Buchlesen“
4.3.7 Wandel der Lesestrategien
4.3.8 Ein Blick auf die Vielleser

5. Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

7. Erklärung

1. Einleitung

Die aktuelle PISA-Studie hat mit ihren Ergebnissen im Bereich Bildung unlängst für Ernüchterung gesorgt. Im Vergleich zu anderen Ländern sieht es mit den Lesefertigkeiten bei deutschen Schulkindern schlecht aus. Bestseller wie beispielsweise die „Harry Potter-Reihe“ geben zwar punktuell positive Signale für das Lesen, können aber dennoch nicht langfristig einem Negativtrend entgegenwirken. Grund genug also, das Leseverhalten und die Lesekompetenz einmal näher zu untersuchen, Vermutungen empirisch zu untermauern und Gründe für Entwicklungen im heutigen Leseverhalten von Menschen zu finden. Ziele dieser Untersuchungen könnten sein, auf die Bedürfnisse der heutigen Leser zu reagieren und Verlage, Buchhändler und die Bildungspolitik auf Trends und Entwicklungen im Leseverhalten hinzuweisen. Die Leseförderung kann außerdem wesentliche Erkenntnisse der Lese(r)forschung dazu nutzen, um neue Anreize zum Lesen zu schaffen.

Will man Informationen über den Stellenwert des Lesens innerhalb der Bevölkerung gewinnen, sollte man einen Blick auf die Lese(r)forschung zu werfen. Besonders aufschlussreich sind dabei empirische Studien, die unterschiedliche Dimensionen des Lesens untersuchen. Wenngleich die Geschichte des Lesens sehr weit zurückzuverfolgen ist, so beschäftigt man sich erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit damit, Lesegewohnheiten zu analysieren.

Im Folgenden soll daher ein Überblick über die Lese(r)forschung gegeben werden: Zunächst werden mit der Stiftung Lesen, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels sowie der Bertelsmann Stiftung drei wesentliche Institutionen der Lese(r)forschung bzw. Buchmarktforschung vorgestellt.

Anschließend sollen mögliche Verfahren der Forschung näher beleuchtet werden. Hier geht es zunächst um eine Einordnung in den theoretischen Zusammenhang und Darstellung verschiedener Forschungstypen, der Schwerpunkt liegt jedoch in der Betrachtung des Forschungsgegenstandes und möglichen Fragestellungen in der Forschung. Auch sollen besondere Kennzeichen, Methoden und Probleme der Lese(r)forschung kurz angerissen werden.

Nach einem kurzen Blick auf bisherige zentrale Befunde der Lese(r)forschung soll schließlich mit aktuellen Befunden der Stiftung Lesen aus den Jahren 1992 und 2000 das Leseverhalten in Deutschland in seinen wesentlichen Zügen beschrieben werden. Welche Auswirkungen und Möglichkeiten für die Zukunft diese Erkenntnisse bieten, soll abschließend Gegenstand des Fazits sein.

2. Institutionen

2.1 Stiftung Lesen

Der Ursprung der Stiftung Lesen lässt sich bis in die 1960er Jahre zurückverfolgen, als engagierte Buchhändler, Verleger und Persönlichkeiten aus Bildung und Kultur eine „Theodor-Heuss-Gesellschaft“ zur Leseförderung planten (vgl. Buhrfeind 1999, 483). In den 1970er Jahren führte die flächendeckende Verbreitung des Fernsehens zu Bemühungen, eine praktisch tätige Institution zu schaffen, die dieser Entwicklung begegnen sollte – es folgte die Gründung der „Deutschen Lesegesellschaft“ im Jahr 1976 (vgl. Buhrfeind 1999, 483). 1988 wurde sie in „Stiftung Lesen“ umgewandelt und hat ihren Sitz in Mainz.

Wesentliche Ziele der Stiftung Lesen liegen in der Leseförderung in Familie, Kindergarten und Schule. Im Zuge dessen liegt ihr auch daran, Kampagnen und Werbung für das Lesen durchzuführen und Information und Dokumentation zu Medienkultur und Leseförderung zu leisten. Nicht zuletzt ist ein wichtiges Ziel der Stiftung Lesen die Forschung (vgl. Buhrfeind 1999, 483-484).

In ihrer konkreten Tätigkeit ist die Stiftung Lesen ebenfalls eine Anlaufstelle für alle, die sich für das Lesen einsetzen. Sie unterstützt die Leseförderung durch Projekte und Kampagnen und entwickelt methodische Grundlagen für praktische Leseförderungsarbeit weiter (vgl. Buhrfeind 1999, 484). Wissenschaftliche Tagungen und Veranstaltungen gehören zu ihren Aufgaben wie auch die Zusammenarbeit mit Unternehmen, Verlagen und dem Buchhandel (vgl. Buhrfeind 1999, 484).

2.2 Bertelsmann Stiftung

Die Bertelsmann Stiftung wurde 1977 durch den Unternehmer Reinhard Mohn in Gütersloh gegründet (vgl. Bertelsmann Stiftung 2005a). Während die Stiftung Lesen sich – wie der Name es nahe legt – ausschließlich mit dem Lesen beschäftigt, nennt die Bertelsmann Stiftung Ziele in vielen Bereichen. „Die Bertelsmann Stiftung will frühzeitig gesellschaftliche Herausforderungen identifizieren sowie exemplarische Lösungsmodelle entwickeln und verwirklichen“ (Bertelsmann Stiftung 2005c), heißt es in den Zielen.

Sie setzt sich somit für eine bessere Bildung ein, strebt eine gerechtere, effiziente Wirtschaftsordnung an und tritt für ein vorsorgendes Gesundheitswesen ein. Des Weiteren sind eine lebendige Bürgergesellschaft und eine wachsende internationale Verständigung als Ziele genannt. Projekte werden in den Bereichen Bildung, Kultur, Wirtschaft, Demokratie und Gesundheit durchgeführt (vgl. Bertelsmann Stiftung 2005b). Besonders in den Bereichen Leseförderung und Leseforschung setzt die Bertelsmann Stiftung seit langem Akzente.

2.3 Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

1825 wurde der „Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig“ gegründet. Auf seine Initiative hin entstand 1912 die Deutsche Bücherei in Leipzig sowie 1947 die Deutsche Bibliothek in Frankfurt (vgl. Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2004b). Nach dem zweiten Weltkrieg schlossen sich die buchhändlerischen Landesverbände 1948 zur Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verleger- und Buchhändler-Verbände zusammen. Im weiteren Verlauf kam es 1955 zu einer grundlegenden Satzungsänderung mit dem noch heute gültigen Namen „Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.“. Die Börsenvereine in Leipzig und Frankfurt am Main schlossen sich 1991 zu einem gesamtdeutschen Börsenverein zusammen (vgl. Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2004b).

Als Spitzenorganisation des herstellenden und verbreitenden Buchhandels besteht die wichtigste Aufgabe des Börsenvereins darin, die Interessen von Verlagen und Buchhändlern zu vertreten (vgl. Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2004a). Was die Forschung betrifft, so betätigt sich der Börsenverein vor allem in der Buchmarktforschung. Auch die Leseförderung ist ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit.

3. Verfahren

3.1 Theorieansätze

Verschiedene sozialwissenschaftliche Studien zum Verhalten und zu den Einstellungen von Menschen lassen sich auch auf die Leseforschung anwenden. Bonfadelli (1999, 107-108) hat diese verschiedenen Ansätze in einem „theoretischen Bezugsrahmen des Leseverhaltens“ veranschaulicht (vgl. Abbildung 1). Dieser soll im Folgenden kurz vorgestellt werden, ohne jedoch auf weitere theoretische Einzelheiten einzugehen. Auf der einen Seite finden sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die die Mediennutzung und somit auch das Lesen von Büchern beeinflussen: Inwieweit das Buch durch sozio-kulturelle Einflüsse und die Bildungspolitik (Schulbesuch etc.) eine Bedeutung für das Individuum erlangt, wird oft in der wichtigen gesellschaftlichen Phase der Kindheit/Jugend entschieden. Auf der anderen Seite stehen die individuellen Rahmenbedingungen, die sich auf das Leseverhalten auswirken: Hier spielt der persönliche Lebensablauf eine Rolle und ob Elternhaus und Freundeskreis einen Beitrag zur Lesekompetenz und Lesemotivation leisten. Auch die Persönlichkeitsstruktur darf als wesentlicher Einfluss nicht außer Acht gelassen werden.

Unter Berücksichtigung dieser Rahmenbedingungen ergeben sich je nach Theorieansatz nun unterschiedliche Anwendungen und Erkenntnisse in Bezug auf Lesekompetenz, Lesemotivation, Lesestoffe und die Freizeit-/Medienumwelt (vgl. Bonfadelli 1999, 107).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Theoretischer Bezugsrahmen des Leseverhaltens

Quelle: Bonfadelli 1999, 107

3.2 Forschungstypen

Die Leseforschung lässt sich zunächst in fünf Kategorien aufteilen. Es gibt die klassische Buchmarktforschung, die in der Regel von Verlagen, Buchclubs oder Verbänden initiiert wird. Dabei werden ausschließlich auf das Buch bezogene Dimensionen des Leseverhaltens erhoben, als Beispiel wären hier die für den Börsenverein durchgeführten Allensbacher Studien zu nennen (vgl. Bonfadelli 1999, 86-87). Daneben existieren Konsum-Surveys, innerhalb derer das Leseverhalten durch die Mediennutzung erfasst wird (vgl. Bonfadelli 1999, 87). Nationale Medienstudien sind oft langfristig angelegt und beschäftigen sich mit der Entwicklung der Lesedauer und Lesehäufigkeit in der Bevölkerung, so etwa die seit 1964 alle fünf Jahre von der ARD durchgeführte Studie „Massenkommunikation“ (vgl. Bonfadelli 1999, 87). Das Lesen kann auch in einen eher kulturorientierten Zusammenhang gestellt und so durch Surveys zum Kulturverhalten der Bevölkerung untersucht werden (vgl. Bonfadelli 1999, 87). Schließlich eröffnet die universitäre Buchlese(r)forschung zumeist theorieorientierte Perspektiven und ist in ihrer Art grundlagenorientiert und funktionsbezogen (vgl. Bonfadelli 1999, 87).

3.3 Forschungsstruktur

In der sozialwissenschaftlichen Lese(r)forschung geht man von einem Verständnis der Lesegewohnheiten als „medienbezogenes soziales Handeln“ (Bonfadelli 1999, 86) aus. Die Forschungslage ist als disparat zu bezeichnen, da die Leseforschung nicht institutionalisiert ist und es somit zu unterschiedlichen Erkenntnissen und Entwicklungen kommt. Unterschiede bestehen vor allem in voneinander abweichenden Lesedefinitionen, Abfragemodellen, Grundgesamtheiten und Auswahlverfahren (vgl. Bonfadelli 1999, 86). In Deutschland ist die Leseforschung seit den 1960er Jahren vor allem durch den Börsenverein, die Bertelsmann Stiftung sowie das Institut für Demoskopie Allensbach begründet. Während das Buch zunächst isoliert dastand, kann man seit den 1970er Jahren so genannte „Medienvergleichsuntersuchungen“ ausmachen, in denen das Buch im Kontext zu anderen Medien wie etwa Rundfunk und TV betrachtet wird (vgl. Bonfadelli 1999, 87). Wichtig ist auch die Tatsache, dass sich die Leseforschung zumeist auf rezeptive Aspekte beschränkt – das Schreiben gerät so in den Hintergrund (vgl. Bonfadelli 1999, 97).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Empirische Lese(r)forschung
Untertitel
Institutionen, Verfahren und Ergebnisse
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Buchwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar II
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V52549
ISBN (eBook)
9783638482301
ISBN (Buch)
9783638748773
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Empirische, Lese(r)forschung, Proseminar, Lesen, Buch
Arbeit zitieren
Johannes Neufeld (Autor), 2005, Empirische Lese(r)forschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52549

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