Biografie Josef Neckermann


Hausarbeit, 2005

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Herkunft und Kindheit

2. Der Jungunternehmer im Dritten Reich

3. Nach dem Krieg: Aufbau und Niedergang des Wirtschaftswunders

4. Erfolge als Reiter und Sportfunktionär

Quellenverzeichnis

1. Herkunft und Kindheit

Am 05. Juni 1912 wird Josef Carl Neckermann als zweites Kind seiner Eltern Josef Carl Neckermann und Julia Neckermann (geb. Lang) in Würzburg geboren. Sein Vater ist Kohlengroßhändler und wird auf Grund seines Besitzes und seiner Beziehungen in Wirtschaft und Politik als „Rockefeller von Würzburg“ betitelt.[1]

Josef wächst mit seinen Geschwistern Maria-Barbara (1909-1948) und Walter (1914-1972) in Würzburg auf. Er besucht das Realgymnasium. Dort galt er eher als Außenseiter.[2] Die Schule steht für Josef nur an zweiter Stelle, seine ganze Leidenschaft gehört dem Reiten. Im Schwimmbad lernt Josef seine spätere Frau Annemarie Brückner kennen. Sein Vater ist sein großes Vorbild und Josef möchte eines Tages ebenfalls Unternehmer werden. Geprägt durch seinen Vater entsteht auch sein Lebensmotto: „Was du tust, das tust du ganz!“.

Ein Wendepunkt in seinem Leben ist der frühe Tod des Vaters am 20. Dezember 1928. Sein Vater erliegt einem Herzinfarkt und von diesem Tag an ist seine Kindheit vorbei.[3]

2. Der Jungunternehmer im Dritten Reich

Josef soll nach abgeschlossener Ausbildung das Unternehmen seines Vaters J.C. Neckermann übernehmen. Der Prokurist Guido Klug führt die Geschäfte der Kohlenhandlung fort. Josef schließt 1929 die Schule mit Mittlerer Reife ab und beginnt eine Lehre bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in Würzburg, Hausbank der Neckermanns. Anschließend absolviert er ein 18-monatiges Praktikum bei der Hedwigs- Hütte AG in Stettin und wird im Jahr 1931 zum Assistenten der Geschäftsführung bestellt. Er geht nach England und Belgien und kehrt im Jahr 1933 nach Deutschland zurück. Mit nur 22 Jahren tritt er in das väterliche Unternehmen in die Geschäftsleitung ein. Er will unbedingt Erfolg und modernisiert und strukturiert das Unternehmen komplett um. Auch vor Aufträgen der Rüstungsindustrie schreckt er nicht zurück.[4]

Für den Bau von Fliegerhorsten der NS Luftwaffe im Raum Würzburg liefert er die Kohlen, aber seine Tätigkeit im Kohlengeschäft füllt ihn nicht aus. Er möchte etwas Eigenes, etwas „ganz Großes“. Daher übergibt er das Kohlenunternehmen an seinen Bruder Walter.[5]

Am 16. August 1934 heiratet Josef seine Jugendliebe Annemarie Brückner. Im Oktober 1935 kommt das erste Kind der Eheleute, Peter, zur Welt. Im Jahr 1937 folgen Tochter Eva- Maria und 1942 Sohn Johannes.

Im Jahr 1934 tritt Neckermann in die Reiter- SA ein. In seiner Biografie schreibt er als Rechtfertigung allerdings: „ohne es so recht zu merken..“, lässt aber weitere Fakten offen.[6] In der Familie ist er mit seiner Sympathie für die SA nicht allein. Seine Schwester Barbara hat 1930 den Rechtsanwalt Dr. Lang geheiratet, der ein Buch über die SA- Bewegung geschrieben hat, in dem er das Regime bejubelt. Auch Neckermanns Schwiegervater Richard Brückner hegt Sympathien für das System.

Am 15. September 1935 werden die Nürnberger Rassegesetze (Blutschutzgesetz, Reichsbürgergesetz, Reichsflaggengesetz) erlassen. Jüdische Unternehmer werden sowohl persönlich als auch unternehmerisch unter Druck gesetzt. Ihre Unternehmen werden zu Spottpreisen arisiert. Die Kaufhäuser des jüdischen Unternehmers Ruschkewitz werden von SA Leuten streng beobachtet. Die Kunden werden belästigt, beschimpft und fotografiert. Hier sieht Neckermann seine Chance und macht sich diese Gelegenheit zu nutze, obwohl er von den Maßnahmen der NSDAP gegen Ruschkewitz nichts gewusst haben will, da er sich zu dieser Zeit noch in England aufhielt. Er lässt sich von seiner Mutter seinen Erbanteil der Firma J. C. Neckermann in Höhe von 200.000 Reichsmark auszahlen und nutzt dieses Geld als Startkapital, um seine Träume von einem eigenem Geschäft zu verwirklichen. Neckermann erwirbt am 25. Oktober 1935 vom jüdischen Unternehmer Ruschkewitz dessen Textilkaufhaus sowie das Niedrigpreisgeschäft Wohlwert- Merkur in Würzburg für 100.000 Reichsmark. Die Abgeltung eines Firmenwertes wurde von vornherein ausgeschlossen, da dies unter dem NS- Regime für jüdische Unternehmen nicht üblich war.[7]

Neckermann stellt die Geschäftsübernahme dennoch als „freundschaftliche Übernahme“ dar und begründet dies damit, dass Siegmund Ruschkewitz ihn mit folgendem Satz verabschiedet: „ Mir fällt dieser Schritt nicht leicht, aber ich weiß, bei Ihnen ist mein Geschäft gut aufgehoben! …“.[8]

Helmut Schmidt, der Neckermann 1994 für das Fernsehen porträtiert, sagt über ihn: „Neckermann wird zum Nutznießer des braunen Terrors“.[9] Auch die Amerikaner werfen Neckermann später „skrupellose Zielstrebigkeit“ vor.[10]

Siegmund Ruschkewitz zieht mit seiner Frau zunächst nach Berlin und wandert 1940 nach Palästina aus. Auf dem Seeweg erliegt er einem typhusartigen Fieber und stirbt. Kurze Zeit später stirbt auch seine Frau. Der Sohn Ernst Ruschkewitz wird mit seiner Familie nach Osten verschleppt und getötet. Die Söhne Hans und Fritz, ehemalige Reitkumpel Neckermanns, können sich retten.[11] Im Jahr 1950 erhalten die Söhne Ruschkewitz als Entschädigung das Trümmergrundstück in Würzburg und 50.000 D-Mark. Das Grundstück verkaufen die Ruschkewitz Söhne für 300.000 D-Mark an Karstadt.[12]

Neckermann hat viele Feinde. Die Kaufhäuser Ruschkewitz und Merkur sind den örtlichen Einzelhändlern ein Dorn im Auge. Die Einzelhändler verlangen die Schließung der beiden Kaufhäuser: „..unser Führer hat den Warenhäusern und den Juden doch nicht deshalb den Kampf angesagt, um nun an die Stelle der semitischen Volksfeinde weiße Juden zu installieren!“ fordern die Gegner Neckermanns.[13] Doch Neckermann kämpft und erlangt durch das Reichswirtschaftsministerium die Erlaubnis, die Geschäfte Ruschkewitz und Merkur wieder zu eröffnen.

Mit immer neuen Geschäftsideen und getreu seiner Maxime: „Wir müssen Dinge bringen, die es woanders nicht gibt!“ funktioniert sein System so gut, dass er bereits seine erste Million verdient und 150 Angestellte beschäftigt.[14] Sonderaktionen und Sonderrabatte werden zum Prinzip Neckermanns. Er setzt als erster Kaufmann in Deutschland Wühltische als Instrument des Kundenfangs ein.

Im Jahr 1937 tritt Neckermann in die NSDAP ein.

[...]


[1] www.wikipedia.org/wiki/Josef_Neckermann, 12.12.05.

[2] Vgl. Veszelits, Die Neckermanns, 2005, S. 43.

[3] Vgl. Neckermann, Erinnerungen; 1990, S. 27.

[4] Vgl. www.patricia-wiede.de/show_ref.php?ref=0035; 28.01.06.

[5] Vgl. www.patricia-wiede.de/show_ref.php?ref=0035; 28.01.06.

[6] Vgl. Neckermann, Erinnerungen; 1990, S. 55.

[7] Vgl. Neckermann, Erinnerungen; 1990, S. 69.

[8] Vgl. Neckermann, Erinnerungen, 1990, S. 70.

[9] Vgl. www.patricia-wiede.de/show_ref.php?ref=0035; 28.01.06.

[10] Vgl. www3.mdr.de/kulturreport/091005/neckermann.html, 28.01.06.

[11] Vg. Neckermann, Erinnerungen, 1990, S. 70.

[12] Vgl. Veszelits, Die Neckermanns, 2005, S. 230.

[13] Vgl. www.patricia-wiede.de/show_ref.php?ref=0035; 28.01.06.

[14] Vgl. Veszelits, Die Neckermanns, 2005, S. 93.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Biografie Josef Neckermann
Hochschule
Hochschule Bremen
Veranstaltung
Sozial- u. Wirtschaftsgeschichte (Business History)
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V52571
ISBN (eBook)
9783638482479
ISBN (Buch)
9783638843614
Dateigröße
965 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Fachlich sehr gute Hausarbeit, interessantes Thema, besonders der nationalsozialistische Hintergrund gut durchleuchtet.
Schlagworte
Biografie, Josef, Neckermann, Sozial-, Wirtschaftsgeschichte, History)
Arbeit zitieren
Diplom-Betriebswirtin (FH) Ines von Hollen (Autor:in), 2005, Biografie Josef Neckermann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52571

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