Transmigration im 18. Jahrhundert: Siebenbürgen


Studienarbeit, 2005

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Transmigration unter Karl VI.
2.1 Massenvertreibung aus Salzburg als Auslöser der Transmigration
2.2 Transmigration als letzter Ausweg
2.3 Umsetzung der Transmigration unter Kaiser Karl VI.

3. Transmigration unter Kaiserin Maria Theresia

4. Ankunft in Siebenbürgen
4.1 Ergebnisse der Karolinischen Transmigration
4.2 Ergebnisse der theresianischen Transmigration

5. Schluss

6. Anhang

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Arbeit setzt sich mit einem dunklen Kapitel der Migrationsgeschichte in der Frühen Neuzeit auseinander: die Transmigration.

Im Zuge der Rekatholisierung der Habsburgermonarchie war Transmigration (lat. transmigro = übersiedeln) im 18. Jahrhundert ein beschönigendes Wort für Deportation, das alle Umstände von Zwang und Gewalt verschleiern sollte.

In mehreren Phasen wurden unter Kaiser Karl VI. und später unter Kaiserin Maria Theresia fast 4000 Menschen nach Siebenbürgen „transmigriert“.

Mehrere essentielle Fragen lassen sich dabei über die Transmigration stellen: War der Glaubensstreit wirklich der einzige Grund für eine Deportation? Wieso machte sich der Staat dann die Mühe die Protestanten gezielt umzusiedeln und vertrieb sie nicht einfach aus dem Land? Inwiefern war die katholische Kirche in die Transmigration verwickelt? Und weshalb sollten die Transmigranten ausgerechnet in Siebenbürgen, das im heutigen Rumänien liegt angesiedelt werden?

Die jüngere Literatur die für diese Arbeit auf Grund des Forschungsstandes benutzt wurde setzt den Schwerpunkt allerdings kaum noch auf die Transmigration alleine sondern erwähnt sie vielmehr nur als Begleitumstand anderer Themenbereiche. In den letzten Jahren schienen sich kaum noch Autoren direkt mit der Geschichte der Transmigration im Habsburgerreich auseinandergesetzt zu haben. Ironischerweise behandelt Irmgard Sedler in ihrem Buch „Die Landler in Siebenbürgen. Gruppenidentität im Spiegel der Kleidung von Mitte des 18. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts“ aus dem Jahr 2004 die Fälle der Transmigration in einem ganzen Kapitel äußerst detailliert obwohl das in dieser Ausführlichkeit anbetracht ihres Buchtitels wohl gar nicht unbedingt notwendig gewesen wäre.

Diese Hausarbeit soll dem entgegenkommen und Einblicke in die wahren Hintergründe sowie der Chronologie der Transmigration bieten. Des Weiteren wird aufgezeigt wie die Integration der Transmigranten in dem neuen fremden Land verlief und welchen Problemen sie dabei gegenüberstanden.

2. Transmigration unter Karl VI.

2.1 Massenvertreibung aus Salzburg als Auslöser der Transmigration

Im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts scheiterten im Lande ob der Enns und im Salzkammergut gegenreformatorische Maßnahmen am Widerstand der protestantischen Bevölkerung. Dies führte 1626 unter Kaiser Ferdinand II. zum „großen Bauernstaub“, dem „letzten großen Aufbäumen gegen den staatlichen Religionszwang in den kaiserlichen Erblanden“.[1] Hierbei gab es eine beträchtliche Anzahl von Todesopfern unter den Bauern: 12 000 von 40 000 Bauern kamen dabei ums Leben.[2] Nach dem Tod Ferdinands II. 1637 und dem ungewechselten Kurs seines Nachkommen Kaiser Ferdinand III. hatte der protestantische Teil der Bevölkerung zwei Optionen: entweder sie bekannten sich zur katholischen Staatsreligion, oder sie wanderten aus. Anfänglich verließen hauptsächlich protestantische Adelige und Wohlhabende ihre Heimat, später mit dem Westfälischen Frieden im Jahr 1648 auch verstärkt Bauern.[3] Dabei kam es häufig zu Kettenwanderungen. Die restlichen Protestanten heuchelten aus Angst den katholischen Glauben vor und verheimlichten ihre protestantische Identität.

Der erlittene wirtschaftliche und kulturelle Schaden war immens, die Bedeutung des noch restlichen Arbeiterpotentials wie zum Beispiel Bauer, Salzarbeiter und Holzknechte stieg, was dazu führte, dass die örtlichen katholischen Kirchen und Behörden während des noch verbleibenden 17. Jahrhunderts die ehemaligen „Ketzer“ gezwungenermaßen dulden mussten. Zusätzlich wurden die Kryptoprotestanten noch durch den „Corpus Evangelicorum“ gestärkt, der 1663 mit dem katholischen Gegenstück im Regensburger Reichstag die Aufgabe übernahm das konfessionelle Gleichgewicht zu erhalten. Mit den Jahren trauten sich mehr und mehr Geheimprotestanten nun aus dem Untergrund heraus und nutzten das neue Organ um „sich mit Beschwerden gegen den eigenen Landesherrn“[4] wenden zu können. Die wachsende Unzufriedenheit und den damit eingehenden Beschwerden und sogar Beleidigungen in Richtung der regierenden Macht, machte den Staat unter Kaiser Karl VI (1711-1740) wieder aufmerksamer und man reagierte Anfang des 18. Jahrhunderts gegen das „rebellische Potenzial“ mit Bekehrungsversuchen durch Hausdurchsuchungen, Geldbußen, Bücherinquisition sowie verschiedenen Verboten und Haftstrafen und vor allem Jesuitenmissionen.[5]

„Im Bewusstsein ihrer wirtschaftlichen Unentbehrlichkeit und im Vertrauen auf die Hilfe der Glaubensbrüder aus dem unmittelbar angrenzenden Reich wehrten sich die [Salzburger] Protestanten entschlossen und ohne Rücksicht auf die Folgen eines freien Bekenntnisses zum evangelischen Glauben gegen die Drangsalierung der Jesuiten“.[6] Als Reaktion darauf erließ 1731 der Salzburger Fürstbischof Leopold Freiherr von Firmian ein Emigrationspatent, das zur Folge hatte, dass mit militärischer Unterstützung des Kaisers über 20 000 Protestanten aus dem Erzbistum Salzburg vertrieben wurden.[7] Karl VI. wurde im Nachhinein klar, dass sein Staat dabei wirtschaftliches Potential und vor allem auch Steuerzahler an seinen protestantischen Rivalen Friedrich Wilhelm I. von Preußen verlor, der vielen Vertrieben Schutz bieten wollte.[8] Mit der Idee der Transmigration fand Kaiser Karl VI. augenscheinlich die Ideale Lösung des Problems.

2.2 Transmigration als letzter Ausweg

Trotz der Vertreibung der Protestanten aus dem Fürstbistum Salzburg verhielt sich die evangelische Bevölkerung im Salzkammergut und dem Lande ob der Enns relativ ruhig.[9] Dies verführte den obersten Verwaltungsbeamten im Salzkammergut, Ferdinand Friedrich Graf Seeau zu einem undurchdachten Versprechen:[10] Er mahnte die Bevölkerung davor den katholischen Glauben vorzuheucheln, da man sie im Lande andernfalls nicht mehr „leyden“ wolle. Wer sich aber nicht wahrhaft zum Katholizismus bekenne, solle zur „Obrigkeit“ gehen und man werde „ihm gewißl[ich] freyen Pass geben, daß er hin mag reisen, wo er hin will mit seinem Weib, Kindern und Haabschaft“.[11] Folglich bekannten sich fast 1200 Personen öffentlich als evangelisch um einen Pass für die Auswanderung erhalten zu können.[12] Der Schreck im kaiserlichen Hof saß tief, denn mit so einer hohen Anzahl (auswanderungswilliger) Protestanten hatte man nicht gerechnet. „Dem Kaiser wurde die schon in Aussicht gestellte Transmigrations-Resolution am 15. Juli 1733 abverlangt.“[13]

Die Transmigration war ursprünglich nur als letzter Ausweg, als „ultima ratio“ für die Bestrafung der Aufwiegler gedacht.[14] Diese letztmögliche Maßnahme sollte vor allem mögliche Nachahmungstäter im Salzkammergut abschrecken.[15] Hauptsächlich ging es dem Kaiser um die Bekehrung der Irrgläubigen, weswegen er anfangs in einem Schreiben vom 31. April 1734 anwies, nur etwa 30-40 „Rädelsführer“ mit ihren Familien auf Schiffen über die Donau in das von osmanisch-österreichischen Kriegen, Kuruzenstürmen und Pestseuchen wirtschaftlich stark angeschlagene Siebenbürgen zu deportieren.[16] Eine Rückkehr der Transmigranten wurde dabei auf Grund der Entfernung zur Heimat ausgeschlossen.

[...]


[1] Sedler, Irmgard: Die Landler in Siebenbürgen. Gruppenidentität im Spiegel der Kleidung von der Mitte des 18. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Hamburg 2004, S. 32

[2] vgl. Leidinger, Hannes/ Moritz, Verena/ Schippler Berndt (Hrsg.): Das Schwarzbuch der Habsburger. Die unrühmliche Geschichte eines Herrschergeschlechtes. Wien – Frankfurt/M. 2003, S. 79

[3] vgl. Sedler: Landler. S. 32/33

[4] vgl. Sedler: Landler. S. 34

[5] vgl. Sedler: Landler. S. 35

[6] vgl. Sedler: Landler. S. 35

[7] Salzburger Exulanten. – In CD-Rom. – Microsoft Encarta Professional 2003 – Microsoft 1993-2002

[8] http://www.landler.com/landler/gesch/index.html - Stand: 4. April 2005.

[9] vgl. Sedler: Landler. S. 36

[10] vgl. Sedler: Landler. S. 36

[11] STA Hermannstadt/Sibiu – Faszikularakten P 152, Bl. 1-3.

[12] vgl. Sedler: Landler. S. 37

[13] vgl. Sedler: Landler. S. 37

[14] vgl. Sedler: Landler. S. 36

[15] vgl. Winkelbauer, Thomas: Österreichische Geschichte 1522-1699. Ständefreiheit und Fürstenmacht. Länder und Untertanen des Hauses Habsburg im konfessionellen Zeitalter Teil 2. Wien 2003, S. 62

[16] vgl. Sedler: Landler. S. 37

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Transmigration im 18. Jahrhundert: Siebenbürgen
Hochschule
Universität Stuttgart
Veranstaltung
Proseminar: Migration in der Frühen Neuzeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V52574
ISBN (eBook)
9783638482493
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Transmigration, Jahrhundert, Siebenbürgen, Proseminar, Migration, Frühen, Neuzeit
Arbeit zitieren
Philipp Dragomir (Autor), 2005, Transmigration im 18. Jahrhundert: Siebenbürgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52574

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Transmigration im 18. Jahrhundert: Siebenbürgen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden