Portugal - mehr als ein kleiner Küstenstreifen der Iberischen Halbinsel am atlantischen Westrand Europas


Hausarbeit, 2002
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Zeit bis zur Nelkenrevolution – Portugal bis zum Jahr 1974

3. Die Euphorie des 25. April 1974 – Portugal erwacht nach 48 Jahren aus einem politischen Tiefschlaf

4. Portugal heute
4.1. Die Wirtschaft im Überblick
4.2. Problem des Analphabetentums und der Kinderarbeit
4.3. Das Bildungssystem
4.4. Demoskopie
4.4.1. Umfragen aus dem Jahr 1978 und deren Auswertung
4.4.2. Umfragen aus dem Jahr 1988 und deren Auswertung

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ich möchte eine wissenschaftliche Arbeit über ein Land schreiben, welches im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts nach fünfzigjähriger Diktatur und nach der Nelken-revolution von 1974 eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht hat. Am atlantischen Rande Europas gelegen, wird die einstige Weltmacht des Mittelalters Portugal im öffentlichen Bewusstsein nur marginal und als Touristenziel wahrgenommen. Portugal hat jedoch mit seiner überseeischen Expansion, der Erstumsegelung des Kaps der Guten Hoffnung und der Öffnung des Seeweges nach Asien 1497 das Gesicht der modernen Welt maßgeblich geprägt.

Systemtheoretiker wie David Easton und Gabriel Almond erachten ein Mindestmaß an positiven Einstellungen zum politischen System als bestandsnotwendige Erfordernis für dessen Erhalt. Portugal wechselte vom politischen Chaos zu Zeiten der ersten Republik 1926 in eine stabile Diktatur und drohte dann erneut in ein Chaos zu verfallen. An diesem Punkt werde ich im dritten Abschnitt ansetzen, um zu erklären, wie es den Portugiesen gelungen ist, ab 1986 politische Stabilität in einem demokratischen System zu erreichen.

Zuerst werde ich kurz das Wissen der Geschichtsbücher bis zum Jahr 1974 zusammen-tragen. Anschließend ist mir das Erwachen der portugiesischen Bevölkerung aus einem politischen Tiefschlaf wichtig zu erklären. Nach anfänglichen Schwierigkeiten durch eine sozialistische Wirtschaftspolitik ist später eine zunehmend positive Einstellung einer wachsenden Mehrheit der Bevölkerung gegenüber der neuen Demokratie und somit Systemstabilität nachweisbar, welches ich in 4.4.2. mit Umfrageergebnissen belegen werde. Im vierten Kapitel beschäftige ich mich mit dem Portugal von heute. Hier werde ich meine vorherigen Gedanken des 2. und 3. Kapitels in den kleineren Abschnitten erneut aufgreifen und weiter vertiefen. Dabei wird mein Hauptaugenmerk auf die Wirtschaft und auf die Bildung fallen. Abschließend werde ich einige Umfragen aus den Jahren 1978 und 1988 auswerten, mit welchen ich bereits im Referat gearbeitet habe. Hinweisend möchte ich erwähnen, dass die Umfragen nur eine vorläufige Zwischenbilanz darstellen. Dennoch denke ich, dass man anhand der Einstellungen und Meinungen der portugiesischen Bevölkerung sehr gut erkennen kann, wie rasant eine demokratische Entwicklung vonstatten gehen kann - von Politikverdrossenheit hin zu aktiver Teilnahme.

2. Die Zeit bis zur Nelkenrevolution – Portugal bis zum Jahr 1974

Portugiesen haben einen festen Bezug zur älteren Geschichte ihres Landes. Es gab in Portugal bis heute keinen Bruch in der Konstruktion der eigenen Nationalgeschichte, sondern allmähliche Verschiebungen, Nuancierungen, Änderungen des für die jeweilige Moderne funktionalisierten Geschichtsbildes. (Briesemeister/Schönberger 1997:119) Die Nelkenrevolution vom 25. April 1974 veränderte das geschichtliche Selbstbild eines Staates nur bezüglich der jüngeren Zeitgeschichte. Das geschichtliche Selbstverständnis Portugals wurzelt vor allem in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte. Aus diesem Grund werde ich in diesem Abschnitt auf diese Epochen besonderen Wert legen.

Das Gebiet des heutigen Portugals ist seit Jahrtausenden besiedelt. Für das heutige Portugal ist aber die Dauer der Besiedlung des Landes und die Frage, inwieweit ein Teil der heutigen Portugiesen von den damaligen Siedlern abstammen, irrelevant. Das kulturelle Gedächtnis der heute Lebenden beginnt mit dem Einbezug der Iberischen Halbinsel in das Römische Reich, die Ansetzung des Beginns der eigenen Nationalgeschichte im engeren Sinn aber erst mit der staatlichen Gründung Portugals im Mittelalter. (Briesemeister/Schönberger 1997:120)

Unter der von 1385 bis 1580 regierenden Dynastie Avis fanden die portugiesischen Entdeckungsfahrten statt, die Portugal zu einem Weltreich verhelfen sollten, das in diesen Dimensionen in der Menschheitsgeschichte zuvor unbekannt war. Unter Prinz Heinrich dem Seefahrer (1394 – 1460) befuhren und erforschten portugiesische Seeleute als erste Europäer die Weltmeere. Heinrich entdeckte und besiedelte die Azoren und Madeira, Bartholomeus Dias erschloss die afrikanische Westküste und kam bis zum Kap der Guten Hoffnung, Vasco da Gama umschiffte das Kap und stieß in den Indischen Ozean vor. Auch der erste Weltumsegler – Magellan – war ein Portugiese. Durch diese Fahrten der Portugiesen wurde eine Epoche zunehmender weltweiter Vernetzung eröffnet, die bis heute andauert und dazu führte, dass die regionalen Kulturen und Gemeinschaften der ganzen Welt voneinander Kenntnis erlangten.

Auf das 15. und 16. Jahrhundert wird aus portugiesischer Sicht bis heute die wahre nationale Bedeutung Portugals in der Weltgeschichte zurückgeführt.

Der Aufstieg der Niederlande und Großbritanniens zur Seemacht im 16. und 17. Jahr-hundert bedeutete für Portugal den Niedergang. Das portugiesische Könighaus zeigte Schwächen, so dass es den in Spanien regierenden Habsburgern durch geschickte Politik gelang, von 1580 bis 1640 auch die portugiesische Krone zu tragen. Portugal blieb aber ein selbständiger Staat mit eigenen Grenzen und eigener Verwaltung.

Es war zwar nur eine kurze Zeit, dennoch hat diese Epoche Spuren hinterlassen. Dem portugiesischen Königshaus gelang es nie mehr, zur alten Stärke zurückzufinden. Im Gegenteil, eine Reihe dynastischer Kriege im 19. Jahrhundert schwächte die Krone weiter. 1822 erklärte Brasilien seine Unabhängigkeit vom Mutterland Portugal. 1892 musste der Staatsbankrott erklärt werden, die innerpolitische Lage destabilisierte sich zusehends. 1908 sollte der erste Königsmord in der portugiesischen Geschichte das Ende der Monarchie einleiten. Dem Nachfolger gelang es nicht die Monarchie zu retten. Eine Revolution führte am 4. Oktober 1910 zur Ausrufung der Republik.

Die Erste Republik war durch politische Instabilität und häufige Regierungswechsel gekennzeichnet. Acht verschiedene Präsidenten und 34 Regierungen in nur 16 Jahren, 20 Aufstände und Staatsstreiche, über 150 Streiks, mehr als 300 Bombenexplosionen allein in Lissabon und die für große Teile der Bevölkerung schwierige Wirtschaftslage ließen der neuen Staatsform keine Chance, in der noch an die Monarchie gewöhnten Bevölkerung Wurzeln zu schlagen. (Briesemeister/Schönberger 1997:149) Portugal stand kurz vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. So wundert es nicht, dass ein Militärputsch vom Mai 1926 die Demokratie ohne großen Widerstand aus den Angeln heben konnte.

Die folgenden Jahre des Estado Novo unter der Herrschaft Salazars waren geprägt von

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

einem rigorosen Sparkurs, der zwar die Staatsfinanzen konsolidierte und die portugiesische Währung, den Escudo, zu einer der härtesten Währungen Europas machte, aber gegen die Armut im Lande tat Salazar nichts, vor allem die ländliche Bevölkerung verelendete zusehends. Daher sollte man den Estado Novo als konservative Diktatur klassifizieren, die der Modernisierung der Wirtschaft im Wege stand.

Salazar verstand es, den Staat eher aus dem Hintergrund kraft seiner Persönlichkeit, seines Einflusses auf die Führungseliten und seiner zahlreichen, im Laufe der Zeit wechselnder Ämter so zu lenken, wie er es für richtig hielt; geschickt inszenierte er dabei das irreführende Bild eines Diktators wider Willen und einer sanften Diktatur, die eigentlich niemandem wehtun könne oder wolle und einen langsamen Fortschritt, der niemanden über Gebühr belaste. (Briesemeister/Schönberger 1997:151).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Portugal - mehr als ein kleiner Küstenstreifen der Iberischen Halbinsel am atlantischen Westrand Europas
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Vergleichende Analyse politischer Systeme Westeuropas
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V5263
ISBN (eBook)
9783638132091
ISBN (Buch)
9783640098842
Dateigröße
670 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, an dieser Sache zu arbeiten. Ich habe während des Semesters über Portugal auch ein Referat gehalten. 346 KB
Schlagworte
Nelkenrevolution, Umfragen, Systemstabilität, EG-Beitritt, EU, Salazar, Estado Novo
Arbeit zitieren
Tina Dutschmann (Autor), 2002, Portugal - mehr als ein kleiner Küstenstreifen der Iberischen Halbinsel am atlantischen Westrand Europas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5263

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