Die Informationslücke - Ist die Selbstbestimmung des Menschen eine Illusion?


Fachbuch, 2004

163 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung

2. Die Entwurzelung des Menschen

3. Unterfangen zur Rettung der Wirklichkeit

4. Der Sinn

5. Chaos und Ordnung in Wahrnehmen und Denken

6. Ein wissenschaftstheoretisches Grundkonzept zur Überwindung des Subjektivismus – Relativismus

7. Der Zusammenhang zwischen Sprache, Denken und Welt in Bezug auf die Grund – und Sekundärstruktur unseres Bewusstseins

8. Form – und Gestaltgebungsprozesse in der Natur und im menschlichen Denken

9. Ideenrealismus und Metaphysik

10. Zusammenfassung und Schluss

Literaturverzeichnis

Register

1. Einführung

„Gewalt? Ist es nicht beispielsweise möglich, dass der Trieb, andere Arten auszulöschen, bis zum tödlichen Ausgang um territorialen oder sexuellen Besitz zu kämpfen oder die eigene Art zu bekriegen, nicht so sehr die Folge von ,natürlichen‘ tierischen Instinkten ist, als vielmehr Folge der unnatürlichen Bedingungen in der menschlichen Kultur? Lassen wir Darwins Zirkelschlussanalogie beiseite - die Natur ist wie der Mensch, also ist der Mensch wie die Natur -, so werden wir frei für die Beobachtung, dass aggressive und anscheinend gewalttätige Handlungen von Tieren nicht unbedingt ein Spiegelbild menschlicher Gewalt darstellen. Ein Löwe, der von der Ökonomie seines Hungers bestimmt ist, tötet ein Gnu sehr schnell, und es gibt natürliche Mechanismen, die Beute in einen Schockzustand zu versetzen und dadurch das Leid sehr gering zu halten. Dagegen ist die Art von menschlicher Gewalt, über die wir uns Sorgen machen, selten darauf gerichtet, das aufzuessen, was getötet wurde, und sie erzeugt viel Leid. Ganz anders als tierische Aggression erwächst menschliche Aggression fast immer aus dem ‚Ich‘, einer Erfindung des menschlichen Bewusstseins und der Kultur. Welche Irrtümer auch immer die neue Biologie noch enthalten mag, sie hat es jedenfalls möglich gemacht, einige der früher unbestrittenen Annahmen im Zusammenhang mit der Darwinschen Theorie in Frage zu stellen.“[1]

Zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts setzt sich fort, was die Menschen am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts beschäftigte und in Atem hielt. Einerseits geschieht dies auf der wirtschaftlichen Ebene mit der Machtballung der Multis, durch die teilweise turbulenten Ereignisse im Börsengeschäft und andererseits auf dem politischen Gebiet, wo sich diejenigen Entwicklungen abspielen, die erdbebengleiche Veränderungen hervorrufen können.

Dass bei solchen Veränderungen Machtstreben zur Beherrschung eines bestimmten Marktes oder wirtschaftliche Interessen und Machteinfluss auf Regierungen im Zentrum stehen, ist unbestritten. Dass die rücksichtslosen Methoden zur Machtvermehrung auf wirtschaftlicher und auf politischer Ebene oft psychologisch raffiniert, öfter aber (vor allem im politischen Bereich) werbe - technisch plump arrangiert werden, ist kein Geheimnis. Ebenso wenig, wie es sich feststellen lässt, dass es in beiden Bereichen kein Zurückschrecken gibt, wenn es denn um die Machtvermehrung geht.

Dass die Ursache dieser neuen Evolutionschritte zur Machtkonzentration der Entscheidungsträger und zur Instrumentalisierung der Gesellschaft ihren Ursprung im menschlichen Ich-Bewusstsein, einem ‚Konstrukt des menschlichen Bewusstseins‘, haben soll, stellen Briggs und Peat als Hypothese auf. Sie berufen sich auf die Systemtheoretiker Lovelock, Margulis, Mc Clintock (Nobelpreis 1983) und E. Jantsch[2], die in ihrer systemischen Denkweise durch die Theorie der Wechselwirkung (Rückkoppelung) des Ganzen mit den Teilen eine neue Evolutionstheorie herleiten. Rückkoppelungssysteme erklären die Evolution der planetaren Chemie des Kosmos über die Bildung der Erde zur Entstehung der Bakterien, pflanzlicher und tierischer Zellen, Ökosysteme, komplexer pflanzlicher und tierischer Organismen, Übergänge zu arbeitsteiligen Gesellschaften, der Entstehung des Menschen und menschlicher Organisationen, wie Sippen und Familien, bis hin zur Individualisierung des Bewusstseins und des Gewissens der Einzelmenschen. In der Rückkoppelung und Wechselwirkung des Teils mit dem Ganzen bildet sich gemäss der Systemtheorie die Unvorhersagbarkeit der Entwicklung eines Systems heraus. Die Gestalt des ganzen Systems hängt von seinem winzigsten Teil ab, wenn also gemäss der Annahme der Urknalltheorie nur ein einziges Energiequant anders gewesen wäre, so spekulieren Kosmologen, könnte unser Universum völlig anders aussehen. Aufgrund dieser Logik müsste gefolgert werden, dass ein Ich-Bewusstsein sich möglicherweise gar nicht, oder wenn doch, dann in ganz anderer Weise entwickelt hätte.

Wenn Briggs und Peat in ihrem Buch (Die Entdeckung des Chaos.) sagen, dass: „... die Gestalt des Ganzen vom winzigsten Teil abhängt. So gesehen ist der Teil das Ganze, denn durch das Wirken jedes Teils kann sich das Ganze in Gestalt des Chaos oder des Wandels manifestieren. Dieser den Wandel bewirkende ‚Teil‘, der Anfang des Ganzen, ist die ,Informationslücke‘ , die im Laufe der Iterationen (Das sind die aus den Rückkoppelungsvorgängen entstehenden Annäherungen des Ganzen an den Teil und des Teils an das Ganze. Anm. d. V.) die Unvorhersagbarkeit des Systems herausbildet. (...) Manche Physiker glauben, es gebe einen Zusammenhang zwischen diesem Prinzip der Informationslücke und Gödels berühmtem Unvollständigkeitstheorem.[3]

In den dreissiger Jahren schreckte Kurt Gödel die Gemeinde der Mathematiker auf, als er zeigte, dass wichtige logische Systeme wie Arithmetik und Algebra immer Aussagen enthalten müssen, die wahr, aber nicht aus einem bestimmten Axiomensystem herleitbar sind. Auch hier, so fand Gödel, im Zentrum dieser logischen Strukturen, muss es eine Informationslücke geben, und wieder umfasst diese Lücke gewissermassen das Ganze. Sein Beweis des Unvollständigkeitstheorems beruhte auf dem Lügner - Paradox: „Der Kreter hatte gesagt ‚Alle Kreter sind Lügner‘; Gödel bewies eine mathematische Aussage, die besagte: ,Diese Aussage ist nicht beweisbar.‘ (...) Gregory Chaitin, ein Mathematiker im IBM - Forschungszentrum in Yorktown Heights, New York, zieht einen neuen informationstheoretischen Beweis von Gödels Theorem heran, um klarzumachen, dass Gödels Fund nicht nur eine mathematische Kuriosität darstellte. Das iterative Paradox (den durch die Wechselwirkung der Aussagen in der steten Annäherung gefundenen Widerspruch Anm. d. V.), die allumfassende Lücke im Zentrum unserer Logik selbst, das potentielle Chaos aufgrund dieser fehlenden Information, betrifft natürlich, wie Chaitin meint, vieles, wenn nicht fast alles, worüber wir nachdenken.“, dann stellen sie eigentlich die Frage nach dem organisierenden Prinzip, bzw. dem Prinzip der Informationslücke, in dem sich selbst organisierenden System. Mit dem Ausdruck ,Informationslücke‘ (also der nicht erkennbaren wahren Voraussetzung unter der das System funktioniert), die den Teil darstellt, der den Wandel bewirken soll, entpuppen sich die Systemtheoretiker bewusst oder unbewusst als Vertreter des Philosophen Kant. (Kant Immanuel, 22.4.1724 - 12.2.1804).

Dieser stellt in seiner ‚Kritik der reinen Vernunft‘ das ,Ding an sich‘ als nicht erkennbar und die das Ding konstituierende Ursache als transzendental dar, als dass „überhaupt nichts, was im Raume angeschaut wird, eine Sache an sich, noch dass der Raum eine Form der Dinge sei, die ihnen etwa an sich selbst eigen wäre, sondern dass uns die Gegenstände an sich gar nicht bekannt sind, und was wir äussere Gegenstände nennen, nichts anderes als blosse Vorstellungen unserer Sinnlichkeit sind, deren Form der Raum ist, deren wahres Correlatum aber, d. i. das Ding an sich selbst, dadurch gar nicht erkannt wird, noch erkannt werden kann, nach welchem aber auch in der Erfahrung niemals gefragt wird.“[4] Im Falle der Entdeckung des Chaos bedeutet Kants ,Ding an sich‘, das im ausserräumlichen und im ausserzeitlichen nicht erkennbar sein soll, im Gegensatz zur vorgestellten Erscheinung (dessen also, was wir gemäss Kant wahrnehmen können), die Entäusserung des sich ,selbst organisierenden (autopoietischen) Prinzips‘. Dieses Prinzip selber, auf Kant zurückgeführt, wird von ihm als zwar wirksam, aber nicht erkennbar, also als transzendentale Idealität von Raum und Zeit[5] bezeichnet, da dessen Erkenntnis die Grenzen der menschlichen Erfahrung übersteigt und aus diesem Grunde nicht möglich ist. Dies tut auch die Naturwissenschaft in Kants Nachfolge, aber sie bezeichnet eben dieses autopoietische Prinzip als Informationslücke. Anstelle der Erkenntnis werden dann die Vorstellungen gesetzt, die mittels Kommunikationsvorgängen zu Konventionen und Paradigmen verarbeitet, Lehrmeinungen werden. So kommt ein Bild der Welt ,als meine Vorstellung‘ und ein Konstrukt, genannt ,Ich – Bewusstsein‘, zustande.[6]

Der Informationslücke misst die Entdeckung der Chaostheorie eine grosse Bedeutung zu, denn in ihr ist das Ganze wirksam, das heisst zugleich der Teil, denn das Ganze ist nicht ohne Teil, der Teil nicht ohne das Ganze denkbar. In der Informationslücke ist demnach die Beziehung oder das Verhältnis des Ganzen zum Teil und des Teils zum Ganzen aktiv. Was dieses wirkende Prinzip ist, das sowohl im Ganzen, wie auch im Teil gestaltbildend tätig ist, ist die Wechselbeziehung zwischen Teil und Ganzem. Anders ausgedrückt, es ist das Verhältnis in dem sich der Teil zum Ganzen, das Ganze zum Teil ausspricht. Die systemische Terminologie spricht hier von ,der Wirksamkeit der engen Vernetzung‘.

Da der Mensch in der Systemtheorie als ein System verstanden wird, kann die Frage nach der Informationslücke im System Mensch nur jene nach dem konstituierenden Prinzip im menschlichen Organismus und Bewusstsein sein. Dieselbe Frage muss sich der Genforscher in bezug auf das Prinzip der Informationslücke stellen, wenn er sich mit den Rückkoppelungsprozessen in RNS und DNS befasst. Die Antwort, ,Das kann man nicht wissen‘, erweist sich als Tod jeder Weiterentwicklung der naturwissenschaftlichen Forschung.

Ebenso wie bei der Erscheinung anderer Systeme, kann gemäss Systemtheorie auch beim menschlichen System das autopoietische (das sich selbstorganisierende) Prinzip, nicht erkannt werden, noch macht es einen Sinn danach zu fragen.

In dieser Untersuchung soll der These, dass das menschliche Ich - Bewusstsein eine Illusion, eine menschliche Erfindung, also ein Konstrukt sei, das sich durch Rückkoppelung und Iteration zufällig gebildet, bzw. selbst organisiert habe, auf den Grund gegangen und gezeigt werden, wie gerade diese Auffassung zur Relativierung aller Wertehaltungen der zivilisierten Gesellschaft und damit zur Grundlage unmenschlichen, unsolidarischen Verhaltens führt, das den Menschen zum Feind der Natur und seiner selbst gemacht hat.

Im weiteren soll dargestellt werden, wie Begriffe aus Paradigmen sich in das Begriffssystem der Menschen einnisten und zu einem Alltagsbewusstsein, einer Alltagssprache führen, in der solche als Phrasen gedankenlos selbstverständlich verwendet werden.

[Fr1]

2. Die Entwurzelung des Menschen.

Noch nie hatte man so genaue Forschungsdaten wie heute, die über die Entstehung und Entwicklung von Materie und Lebewesen Auskunft geben. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Mathematik, Physik, Chemie, Biochemie, Biologie und Neurophysiologie hat zu einer nie gesehenen Anhäufung von Wissen über die Natur und den Menschen geführt. Dennoch stehen dem analysierenden Bewusstsein grenzenlose Erweiterungen dieser Disziplinen bevor, in denen sich der einzelne Mensch zunehmend als verloren empfindet. Die Computerisierung der Forschungsergebnisse, die aus der Zusammenarbeit zahlloser Wissenschafter hervorgehen, hat eine ins unermessliche wachsende Zahl von Daten zur Folge, die für den Einzelnen so schwer zu durch- und überschauen sind, dass dem Mann von der Strasse das Gefühl erwächst, den Experten und Spezialisten auf diesen Gebieten ausgeliefert zu sein. Da aus dieser Ohnmachtsempfindung heraus Resignation entstehen kann, zieht sich das menschliche Individuum in die Welt der Selbstbezogenheit zurück und je stärker diese Resignation ist, desto schneller fühlt es sich in seiner Existenz bedroht. Es gibt verschiedene Wege, aus Resignation und Existenzangst auszubrechen. Die Gesellschaftsphänomene des Massenkonsums in Bezug auf Ware, Information, Fun & Lifestyle oder der Gewaltanwendung als Gruppen – oder Einzelphänomen, sei das in Form von seelischer, verbaler oder körperlicher Aggression (auch in Bezug auf selbstzerstörerische Tendenzen wie Drogenkonsum, schleichender Selbstmord durch Stressfaktoren, Selbstmord), seien als aktuellste exemplarisch erwähnt. Doch bei jeder dieser Art von Ausbrüchen holt einen die eigene Verlorenheit wieder ein.

Das menschliche Denken und Verhalten ist vorerst an die gesellschaftlichen Wertehaltungen (Normen) gebunden, wobei zu bemerken ist, dass auch das Phänomen der so genannt wertfreien Gesellschaft eine Wertung darstellt. Das Loslösen des menschlichen Individuums aus den traditionellen Werten, was durchaus eine Befreiung darstellen könnte, hat zuerst einmal die Entwurzelung und Heimatlosigkeit des menschlichen Innenlebens zur Folge, aus der das oben dargestellte Ohnmachtsgefühl und die innere Verlorenheit (noch nie gab es so viele psychische Krankheitserscheinungen wie heute) entstehen.

Ein Hauptgrund dieser Vorgänge in der Gesellschaftsentwicklung ist jener der so genannten ,Wertefreiheit‘ unserer postmodernen Gesellschaft und die daraus folgende Konsequenz, dass auf Grund fehlender Orientierungshilfen das subjektive Erleben überrollt wird von den sogenannten Fakten der Wissenschaftlichkeit und der Alltagsinformation. Das Gefühl des ‚Nicht mehr Durchschauenkönnens‘, des ,Überblickverlustes‘, führt zur Flucht aus jeglicher Verbindlichkeit, denn wie soll ich mich mit der Welt verbinden, wenn diese (gemäss den Paradigmen der systemischen Theorie) für mich nicht erkennbar und einzig und allein mein Innenleben eine subjektive ,Realität‘ aufweist, über die ich zudem auch nichts wirklich Gültiges aussagen kann.

Die so genannte ,Wertefreiheit‘ bedeutet für das Individuum einen so starken Eingriff, dass es sich in der Gesellschaft nicht mehr gehalten fühlt. Dem Einzelmenschen scheint durch die ,Wertefreiheit‘ jedes Verhalten möglich. Die soziale Kontrolle von Mensch zu Mensch ist so auf ein absolutes Minimum geschrumpft, was einerseits unglaublich befreiend sein kann, andererseits dazu führt, dass das staatliche System als grenzensetzende Autorität aktiver werden muss. Dagegen sträubt sich das an die Wertung ,wertfrei‘ gebundene Individuum. Dieser Wirkungskreis führt zu vermehrter staatlicher Kontrolle und Überwachung (in Richtung ,big brother is watching you ...‘), wodurch sich der Mensch in seinem Freiheitsgefühl eingeschränkt fühlt und sich unter Umständen dagegen zu wehren beginnt, was den Staat wiederum zu verstärkter Kontrolle anregt. (Zu beobachten anhand der Entwicklung im ‚Kampf gegen den Terrorismus‘ speziell in den USA oder im Anti – Globalisierungskampf der NGO‘s.)

Um der Ursache dieser Prozesse nachzugehen, ist ein Exkurs in die Grundlagen der Systemtheorie notwendig.

Die Systemtheorie ist eine Theorie, die Komplexes auf bekannte Werte zurückführt und diese dann in eine Wechselwirkung bringt. Diese einfachsten Elemente, die in Regelkreisen[7], parallel geschalteten Rückkoppelungsschleifen und reentrenten Wechselwirkungen[8] nicht linear aufeinander reagieren, lösen Wahrnehmungs- und Reaktionsaktivitäten im Nervensystem der Lebewesen aus. Das heisst, die Resultate der gegenseitigen Einwirkungen dieser Grundelemente sind nicht voraussagbar. Da die Systemtheorie die hoch differenzierte Wirklichkeit auf ihre einfachsten Elemente zurückführt, nennt sie sich eine rekursive Theorie.

Eine zentrale Bedeutung kommt dem Begriff Information[9] zu. Unter Information ist hier zu verstehen, wie der Mensch als natürliches System, das sich wie andere natürliche Systeme (Tiere, Pflanzen) vom kybernetischen System (mechanische Apparate) durch die fünf Merkmale des Lebens unterscheidet (Wachstum, Differenzierung, Stoffwechsel, Reiz – Reaktion und Fortpflanzungsfähigkeit), Umweltreize aufnimmt und diese verarbeitet. Dabei ist festzustellen, dass die systemische Forschung den Menschen als sehr komplexes physikalisch- biochemisches System begreifen will. Daher werden die oben erwähnten Begriffe aus der Computertechnik auch in der Gehirnforschung angewandt.

Im Prinzip können die Forschungen auf folgende Modellvorstellung reduziert werden: Die Objekte der Umwelt (Sender) senden, dadurch dass das Individuum (Empfänger) sie wahrnehmen will, Sinnesreize aus, diese bewirken dann im Gehirn eine unglaubliche Aktivität in den Beziehungsnetzwerken der Neuronen. Einige Forscher sprechen von Neuronenfeuerungen, andere von der Umwandlung der Sinnesreize in elektromagnetische Wellenformen, die in Schaltkreisen reentrenter Verknüpfungen, parallel angeordneter polysynaptischer Schleifen, die bio – und elektrochemischen Prozesse der Gehirntätigkeit initiieren. Es ist die Gehirntätigkeit, welche in der menschlichen Innenwelt die von Sinnesreizen angeregte Information aus der Aussenwelt erzeugt. Im natürlichen System Mensch entsteht so das subjektive Bewusstsein des Gegenstandes in der Umwelt. Daraus ist zu schliessen, dass der Mensch als natürliches System nie ein gültiges Bild seiner Aussenwelt haben kann. Diese muss ihm als ,black box‘ vorkommen

Durch seine subjektive Art der Wahrnehmung reagiert er auf die Reize der Umwelt. Seine Reaktionen (Handlungen in der Umwelt) sind aber wiederum zu reduzieren auf bio – und elektrochemische Prozesse, die seine Ausdrucksorgane (Muskulatur, Gliedmassen, Sprache) zur Tätigkeit veranlassen.

Anhand eines Beispiels aus dem Buch ,Gehirn und Geist, wie aus Materie Bewusstsein entsteht‘ sei illustriert, wie sich dessen Verfasser, der Biochemiker und Mediziner G. M. Edelmann (1972 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet) und der Professor für Psychiatrie an der University of Wisconsin, Giulio Tononi, Senior Fellow für Theoretische und Experimentelle Neurobiologie am Neurosciences Institute Madison, das Funktionieren des menschlichen Systems vorstellen:

„Wenn ich zum Beispiel denke: ‚Ich muss zum Supermarkt gehen, bevor es zu spät ist‘, befinde ich mich tief im mentalen Leben II (höheres Bewusstsein im Gegensatz zum mentalen Leben I, welches das niederere Bewusstsein höherer Tiere umfasst) und meine Gedanken umschliessen automatisch soziale Interaktionen, eine hoch entwickelte Sprache, massiv ineinander verschachtelte Erinnerungen und Beziehungen zu anderen Menschen. Vielleicht ist mir dieser Gedanke gekommen, als ich die Küche betreten habe, um mir einen Schluck Wasser zu holen, und dabei ist mir reichlich spät eingefallen, dass ich versprochen hatte, heute einzukaufen. Beim Betreten der Küche fiel mein Blick auf die Uhr: Kurz vor Ladenschluss – ein starker Auslöser für den Gedanken, der mich jetzt umtreibt.“[10]

Das Wahrnehmen der Uhrzeit spielt sich gemäss des oben skizzierten Vorgangs der Information ab. Dabei müssen wir, falls wir die Systemtheorie ernst nehmen und zu Ende denken wollen, festhalten, dass diese Uhrzeit als eine subjektive Wahrnehmung zu gelten hat, von der man nicht wirklich etwas Gültiges aussagen kann, da die wahrnehmende Person diese aus den eigenen Erfahrungen (den Konnotationen), die in globalen Karten[11] im Gehirn gespeichert sind, auswählt und interpretiert.

Was geschieht nun aber weiter mit dem derart informierten Menschen?

„Überlegen Sie nun, was in meinem Kopf abläuft: Zunächst einmal sind Basalganglien, Kleinhirn und Motorcortex damit beschäftigt, mich in die Küche gehen und unbewusste Routinehandlungen wie das Aufdrehen des Wasserhahns vollführen zu lassen. Während ich mich bewege, senden Globalkartierungen Signale an meinen Körper, meine Arme und Beine, deren ich mir grossenteils ebenfalls nicht bewusst werde. Eine Reihe von reentrenten Wechselwirkungen zwischen meinen visuellen Karten, meinem Scheitellappen und verschiedenen Stirnlappen sind daran beteiligt, die Zeigerstellung auf dem Zifferblatt augenblicklich in Zeit zu übersetzen. Die Aktivität des dynamischen Kerngefüges lässt ein komplexes zusammenhängendes Szenario und zugleich Bilder von meinem Körper entstehen. – Ich werde in diesem Augenblick von einer heftigen Wallung erfasst. Ein Gefühl leichter Furcht aus dem primären Bewusstsein, das auf der Ebene des höheren Bewusstseins zu einer Emotion mit allen notwendigen kognitiven Komponenten verdichtet wurde: ‚Der Laden könnte bereits geschlossen sein.‘ Aufsteigende Bewertungssysteme (alle durch Umweltfaktoren und Vererbung erworben ... Anm. d. V.) – der Locus coeruleus, verschiedene Kerne im unteren Stirnhirn, die Raphekerne und der Hypothalamus – schütten eine besondere Neurotransmitterkombination aus, die den jeweiligen Stellenwert der verschiedenen Signale reflektiert. Das Kerngefüge muss die neutralen Konsequenzen dieser Aktivität registrieren – Gefühle, Perzeptionen und Erinnerungen.

An diesem Punkt kommt es vielleicht zu einem expliziten Rückgriff auf die Sprache als Ausdruck wahrhaft subjektiven emotionalen Erlebens: die (womöglich laut gesprochene) Feststellung: ‚Verflixt! Ich muss noch einkaufen!‘ Mit diesem Satz ist das gesamte System des Sprachgedächtnisses in Aktion getreten und wird innerhalb des Kerngefüges spezifisch an den mit ihm verbundenen Schläfenlappen gekoppelt, der Begriffsbildung halber obendrein an das Stirnhirn und über bestimmte Ausgangsportale wieder mit den Basalganglien, die mich meinen Plan, in die Garage zu gehen, umsetzen lassen, schliesslich und endlich lässt der Motorcortex seine Signale folgen .“[12]

Hier brechen die Autoren die Schilderung ab, der Leser hat also zu ergänzen, dass dann von der motorischen Gehirnrinde (Motorcortex) der Bewegungsapparat in Gang gesetzt wird und es schliesslich zur Vollendung der Handlung kommt. Dass dieser Vorgang noch begleitet sei von der einen oder anderen flüchtigen Erinnerung an früher bereits verpasste Gelegenheiten mit negativen Folgen, die das natürliche System Mensch zwar gespeichert, aber durch das unangenehme Negativ – Erlebnis, nicht so abrufbereit hat, dass das Gefühl klar bewusst auftauchen kann, (also verdrängt hat) gibt dem ganzen Vorgang noch die gewünschte Freudsche psychologische Note.

Diese aus interdisziplinären Forschungen resultierende Ergebnisse verführen die Forscher, in linearer Logik (die eigentlich im Widerspruch zur Komplexität der zustande gekommenen Erkenntnisse steht), zum Schluss, dass das menschliche Ichbewusstsein ein durch Zufall entstandenes, subjektives Erlebnis sei, von dem, zu Ende gedacht, der Mensch nicht einmal von sich selber sagen kann, ob er eines besitzt oder nicht. Es kommt zur absoluten Identitätskrise. Über andere Menschen, die ihm ebenso als Objekte erscheinen wie andere Lebewesen oder Gegenstände, kann nichts ausgesagt werden, denn was sie an Wahrnehmungsreizen aussenden, wird durch meinen ,Empfänger‘, Sinnes - Nervensystem genannt, subjektiv gedeutet. Im Klartext heisst das, dass ich durch mein zufällig zustande gekommenes Ich – Bewusstsein eine Welt konstituiere, die nur meiner Vorstellung entspricht und weder über die Wirklichkeit der Welt, noch über die Wirklichkeit meiner eigenen Existenz etwas aussagen kann, so es denn überhaupt eine solche Wirklichkeit gäbe. Ich bin isoliert von der Welt, gefangen im System.[13]

Die im Alltagssprachgebrauch fest verankerten Begriffe ,Wertefreiheit‘ und ,Subjektivität‘ haben in diesen Paradigmen der Wissenschaft ihren Ursprung und werden im zwischenmenschlichen Bereich, ohne ein Bewusstsein davon, welche Konsequenzen für Individuum und Gesellschaft das hat, verwendet und in Denkschemata eingebaut, auf denen Soziologie, Kommunikationswissenschaft, Betriebswissenschaft, Ökonomie, Pädagogik und Methodik, Psychologie und Psychiatrie ihre paradigmatischen Denkgebäude aufbauen und in denen zunehmend die Menschenwürde verloren geht. Das heisst die Würde als Mensch vom anderen Menschen, von der Betriebsführung, der Gesellschaft und der Politik ernst genommen und respektiert zu werden. Wie soll ein natürliches System, in diesem Fall das menschliche Subjekt, die Aussenwelt, die anderen natürlichen Systeme respektieren, wenn sie doch nur in seiner Vorstellung existieren, also nur ein Konstrukt sind. Es ist nicht zu unterschätzen, was solche Paradigmen im menschlichen Seelenerleben an Unverbindlichkeiten und Verantwortungslosigkeiten gegenüber Mensch und Umwelt auslösen können.

Dieser Ansicht steht scheinbar die starke positive Wertung der UNO – Deklaration der Menschenrechte gegenüber, in der die Grundrechte eines jeden Menschen festgehalten sind. Dies ist aber kein Widerspruch, denn je stärker Unverbindlichkeit und Verantwortungslosigkeit gegenüber Mitmensch und Umwelt um sich greifen, desto stärker müssen gesetzliche Regelungen das soziale Zusammenleben regeln, da das Individuum in der ,wertefreien‘ Gesellschaft seinen Halt verloren hat und ihn in sich selber nicht finden kann, da es nur als Konstrukt, bzw. Illusion existiert. Wertehaltungen wie die Menschenwürde, die gemäss der systemischen Weltanschauung rein zufällig zustande kommen und keine dauerhafte Gültigkeit haben, das heisst eben auf einer Konvention beruhen, werden von den Staaten der UNO von aussen gesetzt.

Dadurch, dass das menschliche Ich und das Ichbewusstsein als rein zufällig und subjektiv - illusionistisch auf der Grundlage von Rückkoppelungsschleifen, Parallelschaltungen und reentrent wechselwirkenden Systemen im Gehirn, in denen Neuronenfeuerungen oder elektromagnetische Schwingungen vor sich gehen, entstanden, und die Welt als bloss subjektive Vorstellung dargestellt wird, verliert die menschliche Individualität jeglichen Zugang zu einer realen Welt, empfindet sie sich unbewusst als Spielball biochemisch – physikalischer Prozesse und wird aus dem Grund jedes Wirklichkeits – und Wahrheitsempfindens entwurzelt.

3. Unterfangen zur Rettung der Wirklichkeit.

Die systemische Theorie stellt sich selbst als eine ,naturwissenschaftlich - materialistisch - monistische Methode‘ dar. Nur ist sie in ihrer Methode und in ihren Schlussfolgerungen weder konsequent materialistisch, noch monistisch. Sie macht, um den Vorgang der ‚ subjektiven Welterkenntnis‘ zu erklären, Anleihen beim kritischen Idealismus von Kant. Dieser geht davon aus, dass ein Subjekt Objekten gegenüber stehe (Gegen-stände). Die Wahrnehmungsfähigkeit der Sinne nennt Kant Sinnlichkeit. Diese wiederum bezeichnet er als durchlässige Membran zwischen Subjekt und Objekt. Die Objekte, das heisst unsere Umwelt, können wir aber nicht direkt als Wirklichkeit erkennen, sondern nur indirekt aus den in uns entstandenen Gehirnaktivitäten erschliessen. Das Ob-jekt, das bedeutet eigentlich das Entgegengeworfene, kennen wir überhaupt nur aus unserer Vorstellung.[14]

Das hypothetische Objekt, von dem wir nicht wirklich sagen können, ob und wie es überhaupt existiert, ob es also objektiv vorhanden wäre, nennt Kant das , Ding an sich‘, damit wir dies auf keinen Fall mit dem Gegenstand wie wir ihn erkennen, bzw. vorstellen, verwechseln. Das , Ding für uns‘ (im Gegensatz zum ‚Ding an sich‘ ist dies kein von Kant geprägter Begriff, Kant nennt das ,Ding für uns‘ die Erscheinung, Anm. d. V.), das Ding also, wie wir es uns vorstellen oder zu erkennen glauben, nennt Kant die Erscheinung. Damit ist gezeigt, dass die Systemtheorie, die sich als materialistischen Monismus ausgibt, durch ihre Konstruktion wie Selbst - und Gegenstandsbewusstsein entstehen, den überwunden geglaubten kantschen Idealismus, der ein metaphysisches System ist, reaktiviert.

Es ist im weiteren einzuschieben, dass der Dichter Heinrich v. Kleist (7. 3. 1715 - 24. 8. 1759), ein Zeitgenosse Kants, der diesen studierte und einen leidenschaftlichen Drang nach dem Erleben der Wirklichkeit hatte, Selbstmord beging, weil er Kants Anschauung nicht überwinden konnte, d.h. nicht ertragen konnte, dass die Wirklichkeit nicht erkenn - und erlebbar sein soll. Er hat die Wirklichkeit dann im Todeserlebnis gesucht.

Erstaunlich ist, dass die Autoren des mehrfach zu zitierenden Buches (Gehirn und Geist) sich in der Frage, wie Bewusstsein entsteht, von dualistischen Positionen distanzieren: „ ... So haben Neurowissenschafter sich dualistische Positionen zu eigen gemacht, denen zufolge der bewusste Geist mit dem Gehirn mittels so genannter Psychonen interagiert, die mit der linken Gehirnhälfte kommunizieren.“[15] selber aber ebenfalls unbewusst eine dualistisch - idealistische, statt, wie beabsichtigt, eine monistisch materialistische[16] Haltung einnehmen, indem sie von den transzendenten[17] Wirkungsweisen der Umweltobjekte ausgehend, eine Welt der Vorstellung kreieren. Wahrscheinlich hat das seinen Grund darin, dass sie sich in ,Gehirn und Geist‘ dahingehend äussern, dass Seinslehre und Erkenntnistheorie von der Hauptaufgabe ihres Unterfangens , Bewusstsein und seine Eigenschaften zu erklären‘ ablenken würden.[18]

Steiner widerlegt den kritischen Idealismus Kants durch folgenden Gedankengang, in welchem er zeigt, dass die Hypothese des kritischen Idealismus nur haltbar ist, wenn sie sich auf den naiven Realismus beruft:

Man geht zunächst von dem aus, was dem naiven Bewusstsein gegeben ist, von dem wahrgenommenen Dinge. Dann zeigt man, dass alles, was an diesem Dinge sich findet, für uns nicht da wäre, wenn wir keine Sinne hätten.

Kein Auge: keine Farbe. Also ist die Farbe in dem noch nicht vorhanden, was auf das Auge wirkt. Sie entsteht erst durch die Wechselwirkung des Auges mit dem Gegenstande. Dieser ist also farblos. Aber auch im Auge ist die Farbe nicht vorhanden; denn da ist ein chemischer oder physikalischer Vorgang vorhanden, der erst durch den Nerv zum Gehirn geleitet wird, und da einen anderen auslöst. Dieser ist noch immer nicht die Farbe. Sie wird erst durch die Seele (in der Systemtheorie ,Vorstellung‘ genannt, Anm. d. V.) nach aussen an einen Körper verlegt. An diesem glaube ich die Farbe endlich wahrzunehmen. Wir haben einen vollständigen Kreisgang durchgemacht. Wir sind uns eines farbigen Körpers bewusst geworden.“[19]

Dabei ist zu bekräftigen, dass diese Farbe unsere subjektive Vorstellung sein soll. Ebenso wie der Körper natürlich unsere subjektive Vorstellung ist. Das sind seine ersten Feststellungen. Dann hebt er mit einer Gedankenoperation an: „...So lange man dabei stehen bleibt, scheint alles in schönster Ordnung. Aber die Sache muss noch einmal von vorne angefangen werden. Ich habe ja bis jetzt mit einem Dinge gewirtschaftet: mit der äusseren Wahrnehmung, von dem ich früher, als naiver Mensch, eine ganz falsche Ansicht gehabt habe. Ich war der Meinung: sie hätte so, wie ich sie wahrnehme, einen objektiven Bestand. Nun merke ich (als kritischer Idealist, Anm. d. V.) dass die Farbe ... nur eine Modifikation meiner seelischen Zustände (meiner subjektiv erzeugten Vorstellungen, Anm. d. V.) ist. ... Ich muss also den Körper mit der Farbe selbst als Vorstellung behandeln. Konsequenterweise sind dann aber auch meine Sinnesorgane und die Vorgänge in ihnen blosse subjektive Vorstellungen. Ich habe kein Recht von einem wirklichen Auge zu sprechen, sondern nur von meiner Vorstellung des Auges. Ebenso ist es mit der Nervenleitung und dem Gehirnprozess und nicht weniger mit dem Vorgange im Zustandekommen meiner Vorstellung, durch den aus dem Chaos der mannigfaltigen Empfindungen Dinge aufgebaut werden sollen...“[20]

Stimmt die Theorie, dass die Dinge in der Umwelt meine subjektiven Vorstellungen sind, dann muss es auch mit meinem Sinnesorgan, mit meinem Gehirn und mit meinen durch die komplizierte Apparatur gemessenen Gehirnaktivitäten so sein.

Was macht denn der kritische Idealist? Er nimmt auf naive Weise an, dass seine Sinnesorgane und sein Gehirn wirklich existieren. Damit hebt sich der kritische Idealismus selber auf und damit hebt die systemische Theorie ihre Hypothese auf, dass die Gegenstände der Umwelt blosse Vorstellungen seien. Sie entlarvt sich in der Tat als ein metaphysisches System, dieses müsste man als metaphysischen Materialismus bezeichnen, was ein philosophisches Unwort ist, gleichzeitig aber aufdeckt, dass der wissenschaftliche Materialismus an eine Grenze gestossen ist, an der die Naturwissenschaft beginnt, sich Fragen über den Geist zu stellen, dessen Wirkungsweise sie eben aus ihrer eigenen Methode heraus anerkennen müsste, um zu einem wirklichkeitsgemässen und nicht bloss vorgestellten Monismus zu werden. Tut sie das nicht, führt sie sich selbst, wie wir oben gesehen haben, als materialistisch naturwissenschaftliche Methode ad absurdum. Sie steht da als das, was sie eben gerade unter keinen Umständen sein will, als metaphysisches System. Denn wären die Objekte der Umwelt nur blosse Vorstellungen, dann wäre auch das natürliche System Mensch eine blosse Vorstellung, sowie die ganzen aufwändigen Resultate der Forschung. Konsequent gedacht, müsste sich die ganze Welt dann in eine Welt blosser Vorstellungen, das würde nach materialistischer Terminologie bedeuten: ins Nichts, auflösen. Das Nichts aber existiert in der Materie nicht, kann also nur eine Idee sein und Ideen sind geistiger Natur. Geht man also dem Denken des naturwissenschaftlichen Materialismus wirklich auf den Grund, dann kommt man zum Geist.

Dies ist an der naturwissenschaftlichen Methode selbst aufzuzeigen. Ein Paradigma (Beispiel, Muster; Bild für die momentan erkannte, sich wandelnde Wahrheit Anm. d. V.) im naturwissenschaftlichen Sinne entsteht durch die Übereinstimmung von Denken und Wirklichkeit, was im Experiment überprüfbar ist. Heute wird immer häufiger die Mathematik als Bezugsystem für die wissenschaftliche Wahrheitssuche eingesetzt. Zentral ist aber das Experiment, das die Wirklichkeit überschaubar macht. Im Experiment werden Denken und Wirklichkeit zusammengebracht. Ausgangspunkt ist das Denken, durch welches die Hypothese aufgestellt wird. Experimente sind somit immer nur in einem bestimmten gedanklichen Bezugssystem möglich. Wahrheiten ausserhalb des Bezugssystems können nicht erfasst werden. Hypothesen werden Paradigmen, wenn die ,Realität‘ mit ihnen übereinstimmt. Ist dies nicht oder nicht mehr der Fall, müssen die Hypothesen überdacht und neu formuliert werden. Das Denken wird der ,Realität‘ dann wiederum angenähert.

Man kann es drehen und wenden, wie man will, es geht nicht anders, als dass das Denken als geistiger Prozess selbst in der materialistischen Naturwissenschaft das Primat hat. Offensichtlich ist der Naturwissenschafter in einer derart selbstlosen Haltung gegenüber seinem Forschungsgegenstand, dass er sich in seiner Denkaktivität vollauf vergisst. Man könnte dies die Selbstvergessenheit des Denkens nennen.

Welchen Einfluss die Linguistik und der Strukturalismus auf das systemische Denken ausüben, wird später erläutert.

Die Idee, welche durch die Denkaktivität erarbeitet und bewusst wird, ist das konstituierende Prinzip, durch welches das Experiment angeordnet wird und das im Experiment wirkt, damit die Versuchsanordnung ihre Gesetzmässigkeit ,aussprechen‘ kann. Durch die Denkaktivität wird dann auch die Gesetzmässigkeit erkannt. Denkaktivität, Idee, Gesetzmässigkeit und Erkenntnis sind die geistigen Elemente, d. h. die Wirkursachen, welche die materielle Anordnung des Experiments als Bedingungsursachen bestimmen und die erkannte Gesetzmässigkeit verifizieren. Sie gehören ebenso zum System Experiment, wie die ganze Apparatur des Experimentaufbaus. Das ist keine dualistische, eben keine metaphysische Anschauung, denn die materielle Anordnung ist identisch mit der durch die Denktätigkeit erarbeiteten Idee und der Gesetzmässigkeit, die durch das Experiment ausgesprochen und vom Naturforscher wiederum durch Denkaktivität erkannt werden kann. Das Denken des Forschers ist individueller Art, die Gesetzmässigkeit spricht sich allgemein aus und die Erkenntnis, durch das Denken erfasst, verbindet das Individuelle mit dem Allgemeinen, umfasst beides. Die Erscheinung des Experimentes entspricht der erkannten Gesetzmässigkeit, dem sie konstituierenden Prinzip, der Idee.

Die materielle Anordnung des Experimentes ist der Ausdruck dieses Vorganges. Dass dies eine monistische Anschauung ist, liegt auf der Hand, denn die Idee ist mit der Materie eins geworden. Materie und Idee sind die zwei Seiten einer und derselben Erscheinung. Das Denken als Prozess verbindet diese, bringt sie in ein Verhältnis, einen Zusammenhang oder, gemäss systemischer Ausdrucksweise, stellt den Rückkoppelungsprozess einer engen Vernetzung zwischen Materie und Idee dar. Wenn wir die eingangs gestellte Frage nach der Informationslücke erneut aufwerfen, so können wir an dieser Stelle vermuten, dass diese die , Idee‘ als konstituierendes Prinzip sei, und dass die Idee durch die Denkaktivität in der materiellen Wirklichkeit ebenso wieder erkannt (geschaut; griech. idein = schauen) werden kann, wie sie vor ihrer Verwirklichung durch das Denken als Idee beobachtet und erkannt werden konnte.

Als Beispiel zur Verdeutlichung, sei hier das Entstehen eines Tisches beschrieben:

Der Schreiner bekommt den Auftrag, einen Tisch herzustellen. Die Idee des Tisches umfasst alle möglichen Erscheinungen des materiellen Tisches. Einbeinige, dreibeinige, vier- oder mehrbeinige Erscheinungsformen kann diese Idee haben. Das Tischblatt kann jede erdenkliche Form annehmen. Immer aber liegt dem Ganzen die Ursprungsidee des Tisches zu Grunde. Der Schreiner bewegt sich mit seinem Denken schöpferisch, phantasievoll in den möglichen Ausprägungsformen der Uridee, er beobachtet die ,Idee Tisch‘ durch sein Denken und bildet sich eine Vorstellung, die Idee oder der Begriff ,Tisch‘ hat sich individualisiert.[21]

Dann beginnt er zu skizzieren. Das tut er so lange, bis er eine dem Auftrag, der Kostenlimite und seiner handwerklichen Anschauung von Zweckmässigkeit und Ästhetik entsprechende Lösung gefunden hat. Nun holt er das richtige Holz und beginnt die Vorstellung zu verwirklichen. Der fertige Tisch ist die verwirklichte Vorstellung, die eine der unendlich vielen möglichen Ausprägungen der Uridee ist und die den Ansprüchen des Kunden und des Handwerkers entspricht.

Betrachte ich den Tisch, erkenne ich ihn auch als solchen und nenne ihn nicht Stuhl oder Bett. Die Idee oder der Begriff ‚Tisch‘ ist mir bewusst geworden. Einerseits, weil ich als Mensch in irgend einer Phase meiner Biographie diesen Begriff erworben und in mein Begriffssystem eingeordnet habe, andererseits, weil ich den Gegenstand durch meine Sinneswahrnehmung und meine (vorerst unbewusste) Denk- und Vorstellungsaktivität mit diesem Begriff identifiziere. Ich schaffe den Zusammenhang zwischen der Erscheinung ,materieller Tisch‘ und dem Begriff ‚Tisch‘ durch das Denken. Ob nun der Begriff ‚Tisch‘ mein Denken anregt, oder die Erscheinung ‚Tisch‘ mein Denken anstösst, spielt keine Rolle, denn Erscheinung und Begriff sind die zwei Seiten ein und desselben Dinges. Zentral ist, dass ich mein Denken in Bewegung bringe und die Subjekt-Objekt-Spaltung im Erkenntnisprozess überwinde . (Die Trennung Ich und Welt ist überwunden; d.h. ich setze mich in ein Verhältnis zum Tisch, wenn ich im Erkenntnisprozess durch das Denken den Begriff ,Tisch‘ mit der Wahrnehmung ‚Tisch‘ identifiziere. Durch das Denken bin ich in der Erkenntnis nicht mehr vom Tisch getrennt, sondern mit ihm verbunden, sonst könnte ich ihn nicht erkennen.)

Ich erkenne die Idee in der Wirklichkeit wieder. Idee und Wirklichkeit sind zwei Seiten eines und desselben Dings. Deshalb kann das keine dualistisch, transzendente Anschauung sein, denn die Ausprägung der Idee ist so real erkennbar wie der Tisch, sie gehören untrennbar zusammen. Beide sind als Einheit wirklich und wirksam im materiellen Raum, entsprechen also den Anforderungen, die eine wahrhaftig monistische Anschauung an die Welt stellt.

Genauso verhält es sich mit dem Experiment und seinen Ergebnissen.

Dadurch dass Linguistik und Strukturalismus den geschilderten, durch das Denken unmittelbar einsehbaren Vorgang als naive Weltschau ausschliessen, besteht ein Dogma in der Naturwissenschaft, es gibt keine Unvoreingenommenheit mehr. Die Entstehungsgeschichte dieses Dogmas soll im Zusammenhang mit den Erläuterungen über Sprachphilosophie behandelt werden, die Thesen vertritt wie: „Der naive Verstand, damit ist die natürliche Logik gemeint, sagt, wir hätten Gedanken, die wir nachträglich noch in Worte (Sprache) fassen. Das ist falsch. Wir denken immer schon in einer bestimmten Sprache und übernehmen unbewusst von ihr die Strukturen in diesem Denken.“ [22] Oder: „Wir erkennen nicht die Welt an sich, sondern sehen sie immer so, wie es die Grammatik unserer Sprache erlaubt.“[23]

Damit ist gesagt, dass die Grammatik den Gedanken forme. Was wir hier als nichts weiteres, denn als eine Hypothese anschauen wollen, die wir späterhin untersuchen werden.

Werden diese Vorgänge in der naturwissenschaftlichen Entwicklung nicht durchschaut, baut man Konstrukte auf der Grundlage von rein illusionistischen Paradigmen, welche die Welt verändern. Es entsteht eine künstliche, unwirkliche Welt von Konstrukten und Vorstellungen, gegen die sich die Erlebnis - und Empfindungsfähigkeit des menschlichen Individuums sträubt, weil sie nicht seiner (naiven?) Natur entsprechen. Die Frage ist nun diejenige nach den Auswirkungen dieser Veränderungen in allen Bereichen des Menschseins. Vor allem muss in unserer durch den Individualismus geprägten Gesellschaft berücksichtigt werden, wie diese das Bewusstsein und die Empfindungswelt des Individuums beeinflussen und was es braucht, damit das Individuum in seiner Sinnsuche gestärkt und initiativ an der Gesellschaftsbildung mitwirken kann und sich nicht mehr und mehr von der wirklichen Welt entfremdet, wie der postmoderne Mensch dies in seiner unbewussten Such(t)tendenz tut.

Durch ihre Ausprägungen in Psychologie, Psychiatrie, Soziologie, Pädagogik und Methodik - Didaktik, erhält die systemische Theorie einen humanistischen Anstrich, der das Ziel der Sinnsuche ins Auge fasst und darin mündet, dass es nicht nötig ist, in allem einen Sinn zu finden. Die Verständigung durch den intersubjektiven Intellektualismus ergibt den Konsens, die Konvention. Ob diese sinnvoll sind, ist aus der relativistischen Sicht nicht relevant, es muss einfach für beide Subjekte ,stimmen‘ das macht den Sinn aus. Daraus ergibt sich die eigenartige Ausprägung einer postmodernen Strömung die man ,Humanmaterialismus‘ nennen könnte.

Nur ist dazu zu bemerken, dass die Grundlage dieser Fachgebiete, wie oben dargestellt, durch den ihr immanenten Subjektivismus und Relativismus ausgehöhlt ist und eine gesundende Entwicklung nicht fördern kann, sondern diese in der Aussichtslosigkeit der Sinnleere nur als Illusion aufrecht erhält. Kein vernünftiges Individuum lässt sich auf das Paradigma ein, dass sein Selbst - und Ichbewusstsein eine blosse Schimäre sei. Natürlich werden der Psychologe, der Psychiater, der Pädagoge sagen, dass sie mit dem , Ich als Wirklichkeit ‘ arbeiten wollen. Sie sind sich dabei aber nicht bewusst, dass wenn sie davon reden, dass alles subjektiv ist, sich dieses , Ich als Wirklichkeit‘ in die Illusion des nur Vorgestelltwerdens auflöst. Damit verliert sich die Aktivität des Denkens in der Denkdressur einer vermeintlich materialistischen Naturwissenschaft, als selbständige, individuelle Kraft im Subjektivismus und im Relativismus und mit ihm die Kraft zur wirklichen Selbständigkeit, Unabhängigkeit und zur Gestaltung einer befriedigenden Biographie.

Da die Idee, die in der systemischen Theorie wirkt, eine relativistische ist und bis in den letzten Teil des Systems wirksam ist, nimmt sie sowohl dem Teil, wie auch dem Ganzen jeglichen Sinn, denn sie löst alles ins Nichts auf. Deshalb muss der Systemtheoretiker sagen, dass das konstituierende Prinzip dem Zufall entspringe und nicht erkennbar, also eine Informationslücke, sei. Dagegen wehrt sich das gesunde (naive?) Empfinden des menschlichen Individuums, dessen Ichbewusstsein als eine Illusion dargestellt wird, das sich aber vorerst instinktiv empfindungsmässig als eine Realität erlebt, die es dann durch ehrliche Denkarbeit bewusst und berechtigt als eine Realität erkennt und anerkennt.

Die Systemtheorie erhält erst dann eine Berechtigung und wird den Menschen zu neuen Entwicklungsschritten verhelfen, wenn sie die ‚Hypothese der Informationslücke‘ aufgibt und sich der ‚Hypothese der Idee als konstituierendes Prinzip, erkannt durch die Denkaktivität‘ annimmt und diese mit der Genauigkeit des naturwissenschaftlichen Denkens im wirklichen Sinne erforscht.

4. Der Sinn

Es ist zu untersuchen, wie sich der Systemtheoretiker das Entstehen der Psyche als System (d. h. des Seelenlebens, Anm. d. V.) vorstellt und wie er zur Lösung der Sinnfrage kommt, die sich jedem Menschen im Moment einer Identitätskrise stellt.[24]

Da sich kein Mensch in seinem Ich – Bewusstsein mit einer Ansammlung von Nervenzellen, sondern mit seiner Ich – Empfindung identifiziert, ist eine Abgrenzung des Begriffs ‚Nervensystem‘ vom Begriff ‚Psyche‘ notwendig. Obwohl Bewusstsein identisch ist mit den neuronalen Funktionen, aus denen subjektive Vorstellungen entstehen, kann eine Theorie der Selbstreferenz des Bewusstseins aufgestellt werden, indem man die Grundlage des Nervensystems ignoriert (theoretische Loslösung des Bewusstseins von seiner physischen Grundlage, Anm. d. V.) und nur von der Vorstellung des eigenen Bewusstseins ausgehend, den anderen psychischen Systemen wiederum Bewusstsein zuschreibt. Dieses andere Bewusstsein ist aber keine überprüfbare Tatsache. Es ergibt sich meiner Vorstellung nur, weil ich auf das Bewusstsein des andern Systems schliesse, da das erstere psychische System (mein eigenes, Anm. d. V.) auch eines hat, das heisst, dass ich mein Bewusstsein auf das andere projiziere und mir vorstelle, dass die Welt des anderen identisch ist mit meiner Welt.

Im weiteren spricht er davon, dass das Nervensystem für die Entstehung von Bewusstsein notwendig, aber nicht Teil des Bewusstseins sei. Durch die theoretische Trennung zwischen Bewusstsein und Nervensystem ergibt es sich, dass sich mit dem ersteren der Psychologe zu beschäftigen hat und mit dem letzteren der Neurophysiologe.

Auch hier zeigt sich, wie ein Dualismus entsteht, indem zwei Systeme vorgestellt werden, die sich gegenseitig bedingen und in Wechselwirkung treten. Dieser Vorgang wird Interpenetration[25] genannt. Dabei ist für das Bewusstsein das Nervensystem Umwelt, ebenso wie für das Nervensystem das Bewusstsein Umwelt ist. Das eine ist die materielle Grundlage, das andere ihr Bewusstseins - Gegenstück.

Auch wenn das nicht so gesagt wird, ist es doch so, dass eine materielle Substanz in den Vorstellungen (Bewusstsein) nicht nachgewiesen werden kann, also müssen diese geistiger Natur sein.

Die Elemente des Bewusstseins sind also Vorstellungen, diese haben keine materiellen Entsprechungen, entstehen aber aufgrund der Gehirnfunktionen. Da Vorstellungen keine materiellen Entsprechungen aufweisen, kann man Beziehungen zwischen Gehirnfunktionen und Vorstellungen auch nicht direkt nachweisen. Es ist gemäss der Systemtheorie aber einsehbar, dass es diese gibt. Das wird aus der Tatsache geschlossen, dass Denken und Handeln nicht planlos ablaufen, sondern dass sich bestimmte Vorstellungen, die als Erinnerungen in globalen Karten des Gehirns[26] gespeichert sein sollen, in logischer Weise mit auf sie folgenden Vorstellungen sinnvoll verknüpfen. Wäre das nicht so, ergebe sich kein Sinn.

Da stellt sich die Frage danach, wann eine Verknüpfung sinnvoll und wann sie sinnlos ist. Auf diesen Aspekt reduziert sich letztlich die Sinnfrage in der Systemtheorie. Die Antwort des Systemtheoretikers ist, dass selbst sinnlose Vorstellungen einen Sinn haben, nur weisen sie eine geringe Wahrscheinlichkeit auf, einer aktuellen Vorstellung sinnvoll zu folgen. ‚Wirkliche‘ Sinnlosigkeit resultierte einzig und allein aus der absoluten Beliebigkeit der Anschlussvorstellungen, die jegliche Gesetzmässigkeit ausschliesst.

Das Übergehen des Bewusstseins von Vorstellung zu Vorstellung wird durch die Sinngebung geführt. Wie das Bewusstsein dies tut, wodurch es bewegt wird, von Vorstellung zu Vorstellung zu wandern, wird ausgelöst dadurch, dass die Vorstellungen sich gegenseitig autopoietisch prüfen, ob sie zueinander passen. Es gibt Vorstellungen, die akzeptieren gewisse Folgevorstellungen und andere nicht. So wird man, wenn man in ein Auto steigt, mit grösster Wahrscheinlichkeit den Motor starten und davonfahren. Die Möglichkeit, dass man im Auto ein Feuer entfacht, scheint sehr gering, ist aber nicht bis ins Letzte auszuschliessen, das wäre aber unter Umständen eine sinnlose Tat, könnte aber unter anderen Umständen durchaus auch eine sinnvolle sein.

Die kontinuierliche Autopoiesis[27], d. h. die fortlaufende Selbstorganisation, gewährleistet, dass jede Vorstellung eine Anzahl von Möglichkeiten aufweist, die Aufschluss geben darüber, welche Kombination nun gedacht oder getan werden sollte und welche nicht. Umgekehrt sichern diese Anschlussmöglichkeiten die fortlaufende Selbstorganisation. Sinn ergibt sich nur aus einem Überfluss (Redundanz) von Anschlussmöglichkeiten. Es ist dieser oder es ist auch jener Weg möglich, es gibt eine Wahlfreiheit oder wohl eher einen Wahlzufall und dies im wörtlichen Sinne. Es kann aber auch sein, dass die Person zur Wahl gezwungen wird, da die Anschlussmöglichkeiten durch Gesetzmässigkeiten eingeschränkt sind. Somit kann Sinn nicht statisch sein, sondern passt sich ständig zwischen ,Determiniert sein‘ und ‚Relativiert werden‘ der Umwelt an.

Die Möglichkeiten aller Anschlussvorstellungen werden Sinnhorizont genannt. Der Sinnhorizont stellt das psychische System der Person dar und wird als seelische Realität bezeichnet. Diese Realität ist eine innerpsychische, also subjektiv. Vorstellungen, die im Sinnhorizont nicht vorhanden sind, sind für die Psyche der jeweiligen Person nicht existent. Können also von ihr, wenn sie an sie herangetragen werden, nicht verknüpft und somit auch nicht verstanden werden.

Soweit vorerst die Schilderung des systemtheoretischen Ansatzes nach N. Luhmann. Dazu müssen folgende Überlegungen angestellt werden:

Es ist ein Widerspruch von einer innerpsychischen Realität zu sprechen, gleichzeitig aber die Hypothese aufzustellen, dass unser Ichbewusstsein ein Konstrukt sei. Entweder ist unser Ichbewusstsein eine Realität, ebenso wie die innerpsychische dies ist oder aber, es gibt auch keine innerpsychische Realität, sondern nur die zufällig zustande gekommene Vorstellung eines innerpsychischen Konstrukts, das wir für unser Ego halten.[28]

Als weiterer Problempunkt kristallisiert sich die Frage heraus, ob eine Person imstande sein soll, einen neuen Begriff zu erlernen, bzw. eine neue Vorstellung zu erwerben, wenn diese im Sinnhorizont des Systems kein Echo finden kann, aber zu einer Erweiterung des Sinnhorizontes mit neuen Anknüpfungsmöglichkeiten führen könnte. Aus der Beobachtung der menschlichen Bewusstseinsrealität ist dies möglich. Auch da müssen wir einsehbar machen, ob und wenn ja, wie es zur Bildung ganz neuer Begriffe, bzw. Vorstellungen kommen kann, die zu einer Erweiterung des Begriffssystems, bzw. des Sinnhorizontes führen, was erst einen wirklichen Sinn ins Menschsein trägt, nämlich den der Entwicklung der Persönlichkeit.

Folgen wir im weiteren den Erläuterungen des Systemtheoretikers, sehen wir, dass durch das Ausschliessen der Existenz anderer Vorstellungen als jener, die in meinem Sinnhorizont vorhanden sind, das System der Sinngebung einer Person ein geschlossenes sei. Es grenzt sich dadurch von der Umwelt ab, setzt sich aber mit deren Einflüssen gezwungenermassen auseinander. Somit ist das System aber nicht der Beliebigkeit des subjektiven Erlebens ausgeliefert, sondern es muss sich in der Umwelt bewähren. Die an den Sinnhorizont anschliessenden Vorstellungen müssen der Zufälligkeit (Kontingenz) der Umgebung (... das sind die für die jeweilige Person nicht existenten Äusserungen der anderen Systeme ... ) durch Rückkoppelung entgegenwirken. Jede Zufälligkeit aus der Umwelt, und das ist alles, was in meinem Sinnhorizont keinen Platz hat, ist eine Bedrohung für das System, das sich entweder dem Zufall anpasst, in dem es sich das Ereignis gemäss seines subjektiven Sinnhorizontes zurechtlegt (d. h. intellektualistisch durch intersubjektive Kommunikation erklärt ...) oder aber den Zufall als Störfaktor und Verunsicherung durch Machtausübung, Gewaltanwendung, Ignoranz, Abwendung, Verdrängung usw. eliminiert. Damit schliesst der Systemtheoretiker eine wirkliche Erkenntnis, d. h. die Einsicht in eine Gesetzmässigkeit durch Evidenz, im Grunde genommen aus, denn dies wäre der geistige Akt eines realen, denktätigen Individuums, das eine wirkliche Wahrnehmung (materielle Kundgebung des Begriffes) mit ihrem ihr entsprechenden Begriff (seiender Begriff als Wahrnehmung der geistigen Seite der materiellen Erscheinung durch den Denkwillen) identifiziert und somit im Erkenntnisakt das Wahrnehmungsobjekt mit dem Begriff zur Einheit verbindet.

Um der Verunsicherung zu entgehen, werkelt das psychische System an einem Modell von seiner Umwelt, um Unwägbarkeiten, Überraschungen, Zufälle und andere Störfaktoren jeglicher Art zu eliminieren oder wenigstens auf ein Minimum zu reduzieren, das ergibt ihm seinen Sinn, denn damit kann es sich selber von der Umwelt abgrenzen.

Aus dem Zustand des Sinnhorizontes ergeben sich dem System Erwartungen an die subjektiv wahrgenommene Umwelt. Aus denen wiederum werden Ansprüche an die Ereignisse in der Umwelt, die in mir bestimmte Vorstellungen auslösen, die dann evaluiert werden mit ,erfüllt‘ oder ,nicht erfüllt‘. Der Anspruch wird wiederum in das psychische System integriert. Ist also von meinem subjektiven Erleben bestimmt, das heisst relativ. Die Problemlage der Aussenwelt wird subjektiv wahrgenommen, ist so eine innere Problemlage des Systems, denn für ein anderes psychisches System ist dies unter Umständen eben gar kein Störfaktor, der einer Problemlage ähnlich sein könnte. Die Erwartung orientiert sich durch den Anspruch an der Differenz zwischen ‚erfüllt‘ – ‚nicht erfüllt‘ und erzeugt im psychischen System durch das Gefälle zwischen Erwartungshaltung und Realität in der Empfindung eine entsprechende sympathisierende oder antipathisierende Gefühlslage. Durch diese wiederum ergeben sich innere Anpassungen an innere Problemlagen, die durch äussere subjektiv empfundene Störfaktoren erzeugt wurden.

Die Sinnfrage wird also darauf reduziert, ob im Sinnhorizont des psychischen Systems (des menschlichen Subjekts) Anknüpfungsmöglichkeiten für die in der Umwelt gemachten und subjektiv empfundenen und zu subjektiven Vorstellungen verarbeiteten Wahrnehmungen bestehen. Für das ‚psychische System‘ macht es ‚Sinn‘, wenn es Anknüpfungen vornehmen kann oder es innerhalb des Sinnhorizontes gelingt, Anpassungen vorzunehmen, wenn nicht, ergibt sich kein Sinn oder der Sinn, dass es zur Erhaltung des System richtig ist, keinen Anschluss zu finden. Der Sinnhorizont stellt somit die ‚Realität‘ der Person dar. Wenn Vorstellungen innerhalb des Sinnhorizontes nicht da sind, dann sind sie für die jeweilige Person nicht existent.

Daraus ist ersichtlich, dass sich in dieser Denkart der Neo – Darwinismus ausspricht (Obwohl sich die Systemtheoretiker entschieden vom Darwinismus distanzieren), denn es geht um die Erhaltung des Systems mittels Selektion von Informationen, wobei aus den „unendlich großen Mengen der Signale aus der Umwelt, gemäß Systemtheorie die intensivsten, kräftigsten Signale (survival of the fitest) die Art und Weise der Information durch Zufall bestimmen.“ [29]

Über seine Sinngrenzen, die Abgeschlossenheit der Anschlussmöglichkeiten grenzt sich das System von der Umwelt ab, definiert es sich. Ausserhalb seiner subjektiven Existenz gibt es keinen für das System relevanten Sinn, obwohl es im Umkreis jede Menge weitere Systeme geben muss. Ich, als menschliches System, schreibe den Umweltereignissen aber Sinn zu, ich schliesse aus meiner eigenen Sinngebung darauf, dass die anderen Systeme, die es in meiner Vorstellung gibt, sich auch einen Sinn zuschreiben, ebenso wie ich das mit dem subjektiven Erleben des Bewusstseins tue. Erst durch die Störung bestimmter Relationen innerhalb meines Sinnhorizontes durch die Umwelt, wird im System Sinn aufgebaut, denn es wird dadurch dazu gezwungen, sich abzugrenzen und Sinnstrukturen aufzubauen, welche die Störungen meistern können.

Durch Ereignisse in der Umwelt, wie den Fuss übertreten, Streit mit dem Nachbarn, leiden unter den Folgen einer Erkältung, usw. sucht das System nach neuen Anschlussmöglichkeiten, um solche zufällig zustande gekommenen Anschlusselemente zu vermeiden, d. h. überlebenstüchtig zu werden.

Als Resultat dieser Erläuterungen müssen wir folgendes festhalten: Die Verhaltensmuster des Systems entstehen, so wie sie oben dargestellt sind, aus Selbst- und Fremdkonditionierung. Die Verhaltensweisen, die durch Konditionierung entstehen, sind wiederum ein Produkt von Erfolgs -, bzw. Misserfolgserlebnissen (Belohnung und Bestrafung im sozialen Umfeld) in bezug auf Aktionen in der Wechselwirkung mit der Umwelt. Auf der Stufe des Bewusstseins des mentalen Lebens I (nach Edelmann und Tononi „gehirn und geist“ S. 149) spielt sich das durch Tierversuche verifiziert so wie geschildert ab, selbst auf der Stufe des mentalen Lebens II (Edelmann und Tononi „gehirn und geist“ S. 265), als des Bewusstseins höherer Ordnung (dieses sei hier ‚Alltagsbewusstsein‘ genannt), scheint sich der Sinn des Menschenlebens auf eben diese Weise, durch Selbstkonditionierung, zu ergeben. Das gewöhnliche Bewusstsein, das sich mit der Arterhaltung und der Erhaltung des subjektiven Wohlergehens ganz im Sinne vom Überleben des Tüchtigeren, also rein darwinistisch (der Mensch ist das Ergebnis von Vererbung, Umwelteinflüssen und Selektion) erlebt, scheint sich mit dieser einschränkenden Sinndeutung bescheiden zu müssen. Dadurch, dass die systemische Sinngebung, in der Selbsterhaltung der Systeme den Sinn sieht und diesen jedem System zugesteht, ist der Darwinismus noch lange nicht überwunden. Ob in der Selbstherhaltung der Systeme wirklich der einzige Sinn liegt, der durch das menschliche Individualitäts-Erleben gesucht wird, muss in Frage gestellt werden. Macht es des Menschen Sinn aus, ein Konstrukt von Vorstellungen innerhalb eines Begriffsystems, in welchem die initiativsten und lebensfähigsten Informationen den Menschen bestimmen, zu sein? Ergibt sich sein Sinn daraus, dass sich aus diesen Informationen ein Sinnhorizont bildet, in dem sich autopoietisch Vorstellungen an Vorstellungen anschliessen, so wie uns Vererbung und Umwelt zufällig geprägt haben und wir aus dem Überlebensdrang heraus funktionieren, um unsere Art zu erhalten? Das ist eine völlig deterministische Anschauung, die in der Verpackung des Relativismus daherkommt. Was ergibt sich daraus für den Menschen für ein Sinn? Letztlich keiner. Diese Anschauung zeigt die absolute Hoffnungslosigkeit auf, die völlig kafkaesk anmutet, wie das Dietmar Kesten in seinem Nachruf auf Niklas Luhmann schreibt: „Luhmann zitierte gerne den Satz Franz Kafkas ‚Es gibt viel Hoffnung, aber nicht für uns‘.“[30]

Das systemische Denken ist ein neo – darwinistisches und steht absolut im Widerspruch zur Forderung von J. Briggs und F. D. Peat, dass statt des Kampfes ums Überleben Kooperation stattfinden soll.[31] Denn Kooperation kann nur durch ein reales Ich – Bewusstsein gewollt werden, weil das Kooperieren eine Tat, also aktiv ist und im Tragen von Verantwortung seinen Sinn findet. Die Systeme, so wie sie durch die Systemwissenschaft beschrieben werden, sind passiv rezeptiv, automatenhaft und damit vom Standpunkt des Menschseins aus nicht wirklichkeitsgemäss gedacht.

Die systemische Anschauung könnte zu einer vollständig neuen Anschauung des Menschen führen, die diesen Hoffnung schöpfen liesse, einen wirklichen Sinn in seiner Lebensgestaltung zu finden, wenn sie ihrem Hauptprinzip ‚des Nichtausschliessens eines Gegensatzes‘ konsequent treu bliebe. Sie konstruiert einen Gegensatz ‚Materie – Geist‘ und zeigt auf, dass der Geist sozusagen aus den Rückkoppelungsmechanismen der Materie entstehe und keine eigenständige, sprich gestaltgebende Rolle (= Ideen, Begriffe) im System einnehme, die durch das Mittel der Materie in die materielle Sichtbarkeit gelangt. Dies will sie durch die Autopoiesis der Materie belegen. Damit rettet sie sich, wie wir gesehen haben, in einen mehr als fragwürdigen Monismus.

Damit wirkliches Verständnis für den geforderten unaufhörlichen Austausch zwischen den Systemen (in einem autopoietischen Kommunikationszusammenhang) zustande kommen kann, müssen wir uns der Frage nach der Informationslücke ‚Wie kommen Verknüpfungen, Anschlüsse von Vorstellungen an Folgevorstellungen in der Selbstorganisation zustande?‘ zuwenden. Das heisst nichts anderes, als dass wir der Fragestellung nachgehen müssen, wie Denkbewegungen zur ‚Erkenntnis der Idee in der Wirklichkeit‘ im Individuum zustande kommen und ob diese real sind oder nur subjektiv empfunden. Dass Denkbewegungen stattfinden, ergibt sich aus der Introspektion des Individuums, dass diese geistiger Art sind, bestreitet heute selbst der Materialist nicht mehr. Die Frage ist die, ob Geist als eine selbständige Wirklichkeit im Sinne von Wirksamkeit, die als die andere Seite der materiellen Erscheinung, als Einheit erleb-, erkenn- und erforschbar, existiere oder ob er als das Zufallsprodukt ,Bewusstsein‘ durch Rückkoppelungsmechanismen zustande gekommen, bloss als Vorstellung oder Illusion im Konstruktivismus existierend, wiederum mit der Materie in Wechselwirkung tritt, was dann als Kommunikation einer Unwirklichkeit ‚Geist als Bewusstsein‘ (Illusion, Bewusstsein als Konstrukt) mit einer scheinbaren Wirklichkeit ‚Materie‘ (Relativität der materiellen Eigenschaften, die ja gemäss systemischem Bewusstsein auch nur Vorstellungen sein können, denn jedes andere Paradigma wäre eine naive Annahme) dargestellt werden müsste. Diese Problematik ergibt sich aus der Frage: „Wie kommt die Materie dazu, über sich selber nachzudenken?“[32]

[...]


[1] Briggs, John; Peat, F. David: Die Entdeckung des Chaos, München – Wien 1990. S. 239

[2] Ebenda: S. 248 - 251: Jantsch aber spricht von einer umfassenden Koevolution, in der sich die ‚Mikro - und Makroskalen‘, wie er sie nannte, gemeinsam entwickeln. Bakterien entwickeln die Atmospäre, die Atmospäre entwickelt Bakterien. Die Koevolution koppelt das Grosse und das Kleine in einem nahtlosen Zyklus gegenseitiger Kausalität Die Koevolution bildet eine Entwicklungsspirale, in der kleinräumige und grossräumige Vorgänge sich gegenseitig hervorrufen und beeinflussen. Mit jeder Windung der Spirale wächst die Autonomie auf dem individuellen wie auf dem kollektiven Niveau. Mehr Autonomie bedeutet zugleich aber eine immer grössere und komplexere gegenseitige Abhängigkeit. Das ist das sogenannte autopoietische Paradox (etwa: der sich selbst betätigende Widerspruch, Anm. d.V). Koevolution ist voller chaotischer Ordnung (das heisst voller Vorgänge die sich ordnen und wieder ins Chaos auflösen, um sich in unvorhersagbarer Weise neu zu ordnen, Anm. d.V.), in der die Vorgänge im Grossen und im Kleinen einander wiederspiegeln, hin – und herspringen, und dabei einen evolutionären Prozess in Gang setzen, der unvorhersagbar ist und in dem alles eng miteinander vernetzt ist.

[3] Gödel, Kurt: On formally undecidable Propositions of principia mathematica and related systems, New York 1992. Introduction by R. B. Braithwaite: Every system of arithmetic contains arithmetical propositions, by witch is meant propositions concerned solely with relations between whole numbers, which can neither be proved nor be disproved within the system. (S. 1 ) [...] This syntactical fact about arithmetic is sometimes described by saying that arithmetic, in it’s very nature, is incomplete. Gödels discovery of this incompleteness, presented in this paper, is one of the greatest and most surprising of the intellectual achievements of this century. (S. 32 ) Gödels Abhandlung: S. 37 – 72, insbesondere „Proposition VI“ (S. 57) und „ ... two general conditions ( S. 62) ... “

[4] Kant I.: Kant’s gesammelte Schriften, Band IV: Kritik der reinen Vernunft, Berlin – Leipzig 1900 – 72. S. 35

[5] Ebenda: S.23

[6] Edelmann, G. M.; Tononi, G.: gehirn und geist, München 2002. S. 265

[7] Erst in den vierziger Jahren erkannte man das eigentliche Wesen von Regelkreisen oder Rückkoppelungsschleifen. Die Kybernetik, die Informationstheorie der Maschinensprache, machte sie populär. Einfache Rückkoppelungssysteme sind Thermostaten, die mit der Zentralheizung verbunden sind. Das ohrenbetäubende Pfeifen einer Lautsprecheranlage ist ein Beispiel für eine positive Rückkoppelung. Positiv heisst in dem Fall verstärkt und ist nicht wertend gemeint. (n. J. Briggs/ F. D. Peat „Die Entdeckung des Chaos“ S. 32, 33)

[8] Als reentrant bezeichnet man in der Informatik Funktionen, die in einer Art Daueraktivierung verharren können, das heisst, sie können nach einem Abbruch erneut an derselben Stelle wieder aufgenommen werden, und sie können zur gleichen Zeit mehrfach aktiviert sein. In der Neurophysiologie werden reziprok (wechselseitig) miteinander verknüpfte Neuronen, die sehr rasch über einen Prozess miteinander interagieren, als Reentry bezeichnet. (gerald m. edelmann, giulio tononi „Gehirn und Geist“, S. 56)

[9] Vgl.: Briggs, John; Peat, F. David: Die Entdeckung des Chaos, München – Wien 1990. S. 255 - 257

[10] Edelman G. M.; Tonioni G.: gehirn und geist, München 2002. S. 278

[11] „Unter einer globalen Karte versteht man eine Struktur, die aus vielen einzelnen Hirnkarten (Speichersystemen) besteht, die mit Hippocampus, Basalganglien und Kleinhirn verknüpft sind. Signale aus der Aussenwelt erreichen diese Karten, Outputs münden in Bewegung. Durch diese Bewegung wiederum verändert sich die Art und Weise, wie neue sensorische Signale aufgenommen werden. Eine globale Karte ist somit eine dynamische Struktur, die sich sowohl im Laufe der Zeit, als auch durch Verhalten verändert. Ihre reentrant miteinander verknüpften lokalen Karten korrelieren Merkmale und Bewegung miteinander und machen die Wahrnehmungskategorisierung möglich. (Aus „gehirn und geist“ S. 132)

[12] Ebenda S. 279

[13] Anm. d. V. : Durch die subjektivistische und damit relativistische Anschauung heben sich die Schlussfolgerungen der Systemtheorie bezüglich des menschlichen Ich – Bewusstseins als Produkt des natürlichen Systems, genannt Mensch, selber auf, wie in einem späteren Kapitel gezeigt wird.

[14] Vgl.: Kant I.: Kant’s gesammelte Schriften, Band IV: Kritik der reinen Vernunft, Berlin – Leipzig 1900 – 72. S. 35.

[15] Edelmann, G. M.; Tonioni : gehirn und geist, München 2002, S. 20.

[16] Vgl.: Ebenda: S. 35

[17] Transzendent wäre eine Erkenntnis, welche die Grenzen möglicher Erfahrung überstiege. Sie ist nicht möglich. Es kämen hier also Gegenstände in Frage, die eine Wirkung ausüben, aber nicht erkennbar sind. Das ist die hypothetische Annahme der Systemtheorie

[18] Vgl.: Edelmann, G. M.; Tonioni, G.: gehirn und geist, München 2002, S. 29.

[19] Steiner, R., Dr.: Philosophie der Freiheit, Dornach 1987, S. 59 – 60.

[20] Ebenda. S. 60.

[21] Vgl.: Steiner, R. Dr.: Philosophie der Freiheit, Dornach CH 1987. S. 85.

[22] Vgl.: Whorf, Benjamin Lee , Sprache, Denken, Wirklichkeit, Hamburg 1963.

[23] Ebenda.

[24] Vgl.: Luhmann, Niklas: Einführung in die Systemtheorie, Heidelberg 2002.

[25] Luhmann, Niklas: Einführung in die Systemtheorie, Heidelberg 2002. S. 266.

[26] Edelmann, G. M.; Tonioni, G.:gehirn und geist S. 132

[27] Luhmann versteht unter Autopoiesis die „Selbsterhaltung des Systems“ , was eine Abgeschlossenheit bedeutet, im Gegensatz zur Selbstorganisation, die auf Kommunikation mit anderen Systemen unter Bewahrung seiner eigenen Existenz beruht. [Luhmann Niklas (2002), Einführung in die Systemtheorie S. 100 – 118, Carl – Auer – Systeme Verlag.] Wir setzen hier Autopoiesis mit Selbstorganisation gleich.

[28] Siehe Kapitel 5, S. 39 ‚... Um seine Theorie zu retten, nimmt der Systemtheoretiker Zuflucht zu dogmatischen Determinierungen.‘

[29] Edelmann G. M.;Tonioni, G: gehirn und geist, München 2002. S. 70 u. S. 85.

[30] Kesten, Dietmar:Nachruf auf Niklas Luhmann (8.12.1927 – 6.11.1998): Wie man lernt zu denken, zum Tod von Niklas Luhmann, Gelsenkirchen November 1998.

[31] Briggs, John;Peat F. David: Die Entdeckung des Chaos, München – Wien 1990. S. 232 u. 233.

[32] Steiner, R., Dr.: Philosophie der Freiheit, Dornach CH 1987. S. 33: Die dritte Form des Monismus ist die, welche im Atom bereits die beiden Wesenheiten, Materie und Geist, vereinigt sieht. Damit ist aber auch nichts anderes erreicht, als dass die Frage, die eigentlich in unserem Bewusstsein entsteht, auf einen anderen Schauplatz verlegt wird: Wie kommt das einfache Wesen dazu, sich in einer zweifachen Weise zu äußeren, wenn es doch eine ungetrennte Einheit ist?

[...]


Ende der Leseprobe aus 163 Seiten

Details

Titel
Die Informationslücke - Ist die Selbstbestimmung des Menschen eine Illusion?
Veranstaltung
Div. Referate im Gesundheitswesen
Autor
Jahr
2004
Seiten
163
Katalognummer
V52645
ISBN (eBook)
9783638483032
ISBN (Buch)
9783638000239
Dateigröße
913 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bevor wir wissenschaftlich zu denken beginnen, müssen wir uns Klarheit darüber verschaffen, wie Bewusstsein überhaupt zu Stande kommt. Damit beschäftigt sich die postmoderne Philosophie mehr und mehr. Dieses Buch versucht zur Grundlagendiskussion beizutragen.
Schlagworte
Informationslücke, Selbstbestimmung, Menschen, Illusion, Referate, Gesundheitswesen
Arbeit zitieren
Dipl. Päd. Fritz Frey (Autor), 2004, Die Informationslücke - Ist die Selbstbestimmung des Menschen eine Illusion?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52645

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