Der IWF und seine Anpassungsprogramme


Seminararbeit, 2002

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Entstehungsgeschichte
Bretton-Woods-System
Die Weltbank
GATT / WTO

3. Der IWF und seine Aufgaben
Charakterisierung
Mitgliedschaft und Organisation
Mittelausstattung und Quotenregelung
Aufgaben und Werkzeuge des IWF

4. Die Anpassungsprogramme des IWF
Theoretische Grundlagen
Die Ausgangssituation von IWF-Programmen
Makroökonomischer Rahmen von IWF-Programmen
Der Einsatz der Geldpolitik
Der Einsatz der Fiskalpolitik
Wachstumspolitische Maßnahmen
Ansätze zur Analyse der Wirkungen von IWF-Anpassungsprogrammen
Warum scheitern IWF-Anpassungsprogramme?

5. Kritik und Reformvorschläge

6. Schlussbetrachtung

7. verwendete Literatur

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick bieten in das finanzpolitische Handeln des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei der Durchführung von Anpassungs-programmen in Krisenländern. Der Autor möchte versuchen, dem Leser das Handeln des IWF verständlich darzustellen.

Immer wieder gerät der IWF in die Kritik, da er durch sein wichtigstes wirtschaftspolitisches Instrument, die Kreditvergabe an überschuldete Staaten, die erhofften Ziele nicht erreiche. Welches sind diese Instrumente? Wie und wann werden sie eingesetzt? Warum scheiterten die Anpassungsprogramme bisher so oft? Diese und daran sich anhängende Fragen wollen wir hier erörtern. Hierbei scheint es sinnvoll, zu Beginn auch auf die Entstehungsgeschichte des IWF, der Weltbank und der WTO (World Trade Organization) einzugehen. Damit wären auch die drei großen Organisationen die aus dem Bretton-Woods-Abkommen hervorgingen, kurz vorgestellt. Im dritten Kapitel verschaffen wir uns einen Einblick in die Organisation des IWF, seine Mittelausstattung sowie in seine Aufgaben im Kontext mit dem finanzpolitischen Instrumentarium, das zu ihrer Erreichung dient. Im zentralen vierten Kapitel wird das Prinzip der Anpassungsprogramme dargestellt. Hier soll, nach einer kurzen Wiederholung der theoretischen Grundlagen, auf das Prinzip und die Wirkung fiskal- geld- und wachstumspolitischer Maßnahmen eingegangen werden. Dabei sollen auch Antworten für das Scheitern der Programme gegeben werden. Die beiden letzten Kapitel beinhalten wesentliche Punkte der über Jahre geführten Debatte um eine Reform oder gar Abschaffung des IWF.

2. Entstehungsgeschichte

Bretton-Woods-System

Im Juli 1944 findet in Bretton Woods (USA) die „Internationale Währungs- und Finanzkonferenz der Vereinten und Assoziierten Nationen“ statt. Sie hatte zum Ziel nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges eine neue Weltwirtschaftsordnung aufzubauen, um die Staaten vor starken Wirtschaftskrisen zu schützen und ihnen einen Ausweg aus einer desolaten Wirtschaftslage aufzuzeigen. Vor allem die USA und Großbritannien erarbeiteten noch zu Kriegszeiten (bis 1943) zwei verschiedene Pläne für die Nachkriegs-Weltwirtschaftsordnung. Die Väter des Bretton-Woods-Systems waren der Brite J.M. Keynes (Keynes-Plan) und auf amerikanischer Seite H.D. White (White-Plan). Bei den Verhandlungen setzten sich die USA weitgehend durch. Das Ergebnis der Konferenz waren, das Abkommen über Währungsfragen (beruhend auf dem System fester Wechselkurse mit dem Dollar als Leitwährung) und die Schaffung des IWF, der Weltbank und der Freihandel durch das GATT (General Agreement on Tariffs and Trade). Die Weltbank und das GATT sollen hier charakterisiert werden, auf den IWF gehen wir in Kapitel drei ein.

Die Weltbank

Die Weltbank setzt sich aus vier Institutionen zusammen, weswegen man auch von der Weltbankgruppe spricht. Diese Institutionen (IBRD, IDA, IFC, MIGA)[1] verfolgen das gemeinsame Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung in weniger entwickelten Mitgliedsländern durch finanzielle Hilfen, Beratung und technische Hilfe zu fördern, sowie als Katalysator für Dritte zu wirken.

Wesentliches Element der Weltbank ist die IBRD, geschaffen um in der Nachkriegszeit, den erwarteten großen Bedarf an langfristigem Kapital für den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung in den Mitgliedsländern zu decken. Sie soll v.a. langfristige Kredite für (Infrastruktur-, Energie-)Projekte vergeben, die nicht über den Kapitalmarkt finanzierbar sind. Hier wird auch ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zum IWF erkennbar. Die Weltbank befasst sich heute hauptsächlich mit langfristigen Unterstützungsprojekten in Entwicklungsländern, wohingegen der IWF kurzfristig mit Krediten hilft.

GATT / WTO

Der dritte Pfeiler der neuen Weltwirtschaftsordnung sollte die ITO (International Trade Organization) sein. Da die USA die Ratifizierung des Abkommens ablehnten, konnte das Gesamtprojekt nicht realisiert werden. Jedoch entstand ein wichtiges Teilstück, das Allgemeine Zoll-und Handelsabkommen (GATT), welches sich seitdem in den 8 großen Verhandlungsrunden insbesondere dem Abbau von Zöllen und mengenmäßigen Handelsbeschränkungen widmete. Schließlich wurde 1994 doch noch eine der ITO entsprechende Welthandelsorganisation geschaffen. Die WTO (World Trade Organization) stellt seitdem die Institutionalisierung des GATT dar.

3. Der IWF und seine Aufgaben

Charakterisierung

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist eine internationale Organisation; seine Mitgliedsstaaten haben sich vertraglich verpflichtet, vereinbarte Regeln einzuhalten, in Fragen der internationalen Währungspolitik und des zwischenstaatlichen Zahlungsverkehrs eng zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig finanzielle Hilfe zur Überwindung von Zahlungsbilanzdefiziten zu leisten.[2] Seit Inkrafttreten des IWF-Übereinkommens, wurde es dreimal geändert und angepasst. 1969 wurde das System der Sonderziehungsrechte (SZR) eingeführt. Dies entstand aus Sorge darüber, dass bei zukünftigen Leistungsbilanzdefiziten der USA nicht mehr genügend Dollar für die Versorgung der übrigen Länder mit Währungsreserven verfügbar sein würden. Darum schuf man eine Korbwährung aus Dollar, Euro, Yen und britischen Pfund (August 2001: 1 SZR≈1,26$). Nach der Ölkrise, zu Beginn der siebziger Jahre, erhielt der IWF 1978 als zusätzliche Aufgabe, die Überwachung der Wechselkurspolitik seiner Mitgliedsländer. Eine Kompetenzerweiterung erfuhr der IWF 1992 in der dritten Änderung. Stimm- und Mitgliedschaftsrechte von Ländern mit hartnäckigen Zahlungsrückständen gegenüber dem IWF, können von ihm nun suspendiert werden, wenn diese sich kooperationsunwillig zeigen.

Mitgliedschaft und Organisation

Seit seiner Gründung wuchs der IWF ständig, von damals 39 auf nunmehr 183 Mitgliedstaaten. Die Bundesrepublik Deutschland gehört dem IWF seit 1952 an.

Die IWF-Mitglieder wirken nach der ihnen zugeteilten Quote an der Politik des Fonds mit (Quotenregelung s.u.). Sie entsenden dazu einen Gouverneur (meist den für Währungspolitik zuständigen Minister oder Notenbankpräsidenten) in den Gouverneursrat, dem obersten Leitungsgremium des IWF. Themen denen sich dieser Rat widmet sind u.a. Aufnahme neuer Mitglieder oder die Festsetzung der Anteile der Mitgliedsländer am Fonds. Die laufende Geschäftsführung des IWF obliegt dem Exekutivdirektorium, der aus 24 Exekutivdirektoren besteht, die für fünf Jahre den Geschäftsführenden Direktor wählen. Bei Abstimmungen im Gouverneursrat richtet sich das Stimmgewicht jedes Landes primär nach der Höhe seiner finanziellen Beteiligung am IWF.

Mittelausstattung und Quotenregelung

Die Quote repräsentiert den Kapitalanteil eines Mitgliedstaates am IWF. Nach ihr bemisst sich die Einzahlungsverpflichtung (Subskription) aber auch das Recht zum finanziellen Rückgriff auf den Fonds im Rahmen der Tranchenpolitik. Die Quote wird in Sonderziehungsrechten (SZR) angegeben und zusammengenommen besitzt der Fonds derzeit etwa 212415 Mio. SZR. In der Vergangenheit wurde die Quote mehrmals angehoben, bis 1998 insgesamt elf mal.[3] Aus Abbildung 1 kann man entnehmen, dass USA, Japan und Deutschland die größten Quoten- und damit auch Stimmenanteile besitzen, zusammen entfallen auf sie 29 %, sie stellen gleichzeitig die ökonomisch bedeutsamsten Staaten dar. Der gemeinsame Block der Entwicklungs- und Schwellenländer zusammen mit den Ölexportnationen macht 39% der gesamten Quotenanteile aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*) Italien, Niederlande, Belgien, Spanien, Schweden, Norwegen, Finnland, Island, Dänemark, Griechenland,

Portugal, Irland, Luxemburg, Österreich

**) Australien, Kanada, Neuseeland, Schweiz

***) 161 Entwicklungs- und Schwellenländer inklusive Ölexportstaaten Quelle: IWF (2001)

[...]


[1] IBRD (=International Bank für Wiederaufbau und Entwicklung); IDA (=Internationale Entwicklungsorganisation); IFC (=Internationale Finanz-Corporation); MIGA(=Multilaterale Investitions-Garantie-Organisation)

[2] Deutsche Bundesbank: Internationale Organisationen und Gremien im Bereich Währung und Wirtschaft; Frankfurt am Main; 1997, S. 12.

[3] http://www.imf.org/external/np/exr/facts/quotas.htm

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Der IWF und seine Anpassungsprogramme
Hochschule
Universität Hamburg  (Volkswirtschaftslehre)
Veranstaltung
Volkswirtschaftliches Proseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
25
Katalognummer
V5265
ISBN (eBook)
9783638132107
Dateigröße
866 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick bieten in das finanzpolitische Handeln des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei der Durchführung von Anpassungsprogrammen in Krisenländern.
Schlagworte
IWF
Arbeit zitieren
Daniel Wülbern (Autor), 2002, Der IWF und seine Anpassungsprogramme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5265

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