Freiherr vom Stein - Preußischer Reformer oder gesamtdeutscher Visionär?


Hausarbeit, 2005

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Biographie

3. Adelsideal und -reform

4. Das „Erbe“ des Freiherrn vom Stein: die neue Städteordnung

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Kaum eine Persönlichkeit hat das politische Leben in Deutschland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts derart geprägt wie Freiherr vom Stein (1757-1831). Obwohl der Patriot eines geeinten Deutschlands oft so dargestellt wird, war er das Gegenteil eines Revolutionärs; der Respekt vor den bewährten Institutionen und Gesetzen verbot es ihm, Staat und Gesellschaft zu demokratisieren.[1] Daher war er auch kein Freund jenes Ereignisses, was Europa zu seiner Zeit tief zerrüttete und das Handeln Steins bestimmte: der Französischen Revolution. Neue Verfassungen sollten nach Stein nicht auf revolutionärem Wege entstehen, sondern durch evolutionäre Anpassung.[2]

Prägend für seine politische Karriere war die Beschäftigung mit dem englischen Adelsideal und Montesquieus Lehre der Gewaltenteilung. Den britischen Adel sah Stein als Vorbild für die Verhältnisse in Preußen.

Diese Hausarbeit soll Leben und Wirken des Freiherrn vom Stein darstellen vor dem Hintergrund seines Adelsideals und der von ihm angestoßenen Reformen, die dieses und andere Ziele erreichen sollten und teilweise bis heute gültig sind. Adelsideal und -reform sollen anschließend noch einmal aufgegriffen und ausführlich erörtert werden. Abschließend soll die Bedeutung der Städteordnung als nachhaltigster Reform Steins dargestellt, und ein Fazit aus den gewonnenen Erkenntnissen gezogen werden

2. Biographie

Heinrich Friedrich Karl vom Stein wurde am 25.10.1757 als neuntes von zehn Kindern des Reichsfreiherrn Karl Philipp vom und zum Stein und seiner Frau Henrietta Karolina in Nassau geboren. Karl Philipp vom Stein war Kämmerer und Geheimer Rat in Kurmainz. Die reichsritterschaftliche Tradition dieser alten deutschen Adelsfamilie wurde auch in Steins Kindheit schon gepflegt.[3] 1773 begann er sein Studium der Staatswissenschaft und Jura in Göttingen, anschließend sammelte er erste Berufserfahrungen im Staatsdienst bei Praktika am Reichskammergericht Wetzlar, und in der Verwaltung von Regensburg, Mainz, Münster, Kleve und Paderborn. 1780 fand er seine erste feste Anstellung in Berlin im Bergwerks- und Hüttendepartment, was den Beginn der politischen Laufbahn markierte. Schnell wurde Stein zum Oberbergrat befördert, und studierte nebenher an der Bergakademie in Freiberg/Sachsen. Schon 1784 wurde er zum Direktor der Westfälischen Bergämter und der Mindenschen Bergwerkskommission ernannt, zwei Jahre später gar zum Geheimen Oberbergrat. In diesem Amt legte er das Fundament für Aufschwung des rheinischen Industriegebietes, indem er den modernen Bergbau förderte, Straßen und Kanäle bauen ließ und die Verbrauchssteuern senkte.

1793 heiratete Stein Wilhelmine von Wallmoden-Gimborn und wurde Präsident der Klevischen Kammer, was sein erstes Amt außerhalb der Bergbauverwaltung darstellt. Drei Jahre später wurde seine erste Tochter Henriette Luise geboren; ihr folgte 1803 Theres Marianne Magdalene. 1802 wurde vom Stein zum Leiter der Spezialorganisations-Kommission für erworbene geistliche Gebiete befördert.[4]

1804 wurde Freiherr vom Stein zum preußischen Staatsminister für Handel und Finanzen ernannt. Eine Reform des Systems der indirekten Steuern und die Aufhebung der Binnenzölle waren seine wichtigsten Errungenschaften in dieser Position. Während der Rheinbundzeit beschäftigte er sich mit der neuen Reichsverfassung für einen deutschen Bundesstaat, der ein Gegengewicht zu Frankreich bilden sollte; während der Koalitionskriege gegen Napoleon rettete er die preußische Staatskasse von Berlin nach Königsberg, wohin die Regierung flüchten musste. Stein setzte sich für eine Fortsetzung des Krieges mit allen Mitteln ein.

Im April 1806 verfasste Stein seine erste bedeutende Denkschrift: "Darstellung der fehlerhaften Organisation des Kabinetts und der Notwendigkeit der Bildung einer Ministerialkonferenz". In der Urfassung fanden sich zunächst viele Grobheiten und Beleidigungen gegenüber Kabinettsmitgliedern. Veröffentlicht wurde die Denkschrift deshalb erst im September nach einer „Entschärfung“ durch Königin Luise, zu der er einen guten persönlichen Kontakt pflegte, und die oft als Vermittlerin zwischen Stein und Friedrich Wilhelm III. agierte. Grundtenor dieses Traktats waren Reformvorschläge für die obersten Behörden im Staat und Kritik an den geheimen Kabinettsräten. Er entwickelte auf dieser Grundlage das Prinzip der Fachministerien, wie es bis heute praktiziert wird.

Im Januar 1807 verlor Freiherr vom Stein sein Ministeramt. König Friedrich Wilhelm III. hatte ihn aufgefordert, das Außenministerium zu übernehmen, um den Frieden mit Frankreich zu erreichen, den Stein so vehement ablehnte und deshalb die Forderung des Königs schroff zurückwies. Im gleichen Jahr verfasste er die Nassauer Denkschrift „Über die zweckmäßige Bildung der obersten und der Provinzial-, Finanz- und Polizeibehörden in der preußischen Monarchie“. Er forderte darin die Teilnahme des Bürgers am Staatsleben sowie Selbstverwaltung in Provinz und Kommunen, die bis heute Grundlage der deutschen Kommunalverfassungen ist.

Nach dem Frieden von Tilsit, der mit großen Gebietsverlusten für Preußen einherging, wurde Stein im September auf Betreiben Hardenbergs und Drängen Napoleons wieder zum leitenden Minister ernannt. In dieser Position konnte er nun viele seiner Vorschläge aus den Denkschriften umsetzen: er hob die Erbuntertänigkeit der Bauern auf, führte eine Landreform durch, sodass fortan jeder Land erwerben konnte, setzte eine neue Städteordnung mit starker Selbstverwaltung in Kraft und strukturierte die Regierung um in ein Staatsministerium mit fünf Fachministerien. Außerdem hob er die Berufsschranken zwischen den Ständen auf.[5]

Im Jahr 1808 legte Stein in einem Brief die Möglichkeiten einer antinapoleonischen Volkserhebung dar, die er hinter dem Rücken der Franzosen und des Königs mit Gneisenau und Scharnhorst plante. Der Brief wurde von den Franzosen beschlagnahmt und in einer französischen Zeitung veröffentlicht. Napoleon forderte daraufhin seine Ergreifung und Erschießung. Stein bat wegen des beschlagnahmten Briefes um seine Entlassung; dem wurde entsprochen. 1809 verließ Stein Berlin für drei Jahre. Unter dem Pseudonym von Voigt ging die Familie Stein zunächst ins österreichische Exil, später nach Prag. Im Exil arbeitete Stein an der Vorbereitung des Befreiungskampfes gegen Napoleon.[6]

1812 reiste Freiherr vom Stein auf Einladung des Zaren Alexander I. nach Russland, ihm wurde dort der Posten eines Beraters in deutschen Angelegenheiten angeboten. Zwei Jahre später nahm er als Vermittler und Berater des Zaren am Wiener Kongress teil. Zusammen mit Hardenberg formulierte er den "Entwurf der Grundlagen der deutschen Bundesverfassung", bestehend aus 41 Artikeln. Gegenspieler Steins war dabei Metternich, der zum Status quo Deutschlands vor dem Krieg zurückkehren wollte. 1813, nach dem Losbrechen der Volkserhebung gegen die französische Besatzung in Deutschland, kehrte Stein aus St. Petersburg zurück und wurde zum Präsidenten des Zentralen Verwaltungsrats für die besetzten Gebiete, sollte in dieser Funktion die Kräfte für den Kampf gegen Napoleon bündeln.[7]

1816 zog sich Stein, frustriert von den Ergebnissen des Wiener Kongresses, auf sein Anwesen in Cappenberg in Westfahlen zurück und widmete sich der Geschichtsforschung. Er erkrankte am schwarzen Star und erblindete auf einem Auge. Drei Jahre später gründete er die "Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde" in Frankfurt/Main, deren Präsident er wurde. 1826 folgte noch eine kurze Rückkehr in die Politik: Stein wurde zum Marschall des Westfälischen Provinziallandtages ernannt. Am 29. Juni 1831 starb er in Cappenberg, und wurde in seiner Geburtsstadt Nassau beigesetzt.[8]

[...]


[1] vgl. Diwald, Hellmut, Freiherr vom Stein, in: ders., Im Zeichen des Adels. Portraits berühmter Preußen, Bergisch-Gladbach 1981, S. 61.

[2] vgl. Nolte, Paul, Stände, Selbstverwaltung und politische Natur, in: Duchhardt, Heinz / Teppe, Karl, Karl vom und zum Stein. Der Akteur, der Autor, seine Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte, Mainz 2003, S. 146.

[3] vgl. Botzenhart, Erich, Adelsideal und Adelsreform beim Freiherrn vom Stein, in: Westfälisches Adelsblatt, Band 5, 1928, Nr. 8/12, S. 212.

[4] vgl. Server der Freiherr vom Stein Gesellschaft, <http://fvsg-online.de/fs_namespa.html> am 08.09.05

[5] vgl. Diwald, Freiherr vom Stein, S. 65.

[6] vgl. Diwald, Freiherr vom Stein, S. 58.

[7] vgl. Diwald, Freiherr vom Stein, S. 67.

[8] vgl. ebd., S. 56.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Freiherr vom Stein - Preußischer Reformer oder gesamtdeutscher Visionär?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Deutscher Adel im 19. Jahrhundert
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
11
Katalognummer
V52660
ISBN (eBook)
9783638483117
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Freiherr, Stein, Preußischer, Reformer, Visionär, Deutscher, Adel, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Götz Lieberknecht (Autor), 2005, Freiherr vom Stein - Preußischer Reformer oder gesamtdeutscher Visionär?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52660

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