Die Entwicklung des Einzelhandels in der Bundesrepublik Deutschland


Hausarbeit, 2006
17 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Relevanz des Themas
1.2 Inhalt und Ziel der Arbeit

2 Begriffsdefinitionen und Grundlagen
2.1 Definition des Begriffs „Einzelhandel“
2.2 Betriebsformen
2.3 Wettbewerbs- und Profilierungtrategien

3 Die Entwicklung des Einzelhandels in Deutschland
3.1 Der Einzelhandel im Zeitraum von 1850 bis zum Ende des 2. Weltkriegs
3.2 Die Entwicklung in der BRD bis
3.3 Einzelhandel in der DDR
3.4 Der deutsche Einzelhandel nach

4 Exkurs: Aldi – eine Erfolgsgeschichte im dt. Einzelhandel

5 Trends und zukünftige Entwicklungen

6 Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Relevanz des Themas

Der Einzelhandel ist nach Industrie und Handwerk der drittgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland mit insgesamt 2,8 Millionen Beschäftigten in etwa 430.000 selbständigen Unternehmen und einem jährlichen Umsatz von über 500 Milliarden Euro.[1] Allein unter den Top 20 der deutschen Unternehmen finden sich 6 Einzelhandelsunternehmen, wie die folgende Übersicht zeigt.

Tabelle 1: Die 6 größten Einzelhändler in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr. 167 vom 22.Juli 2005, S.25 (eigene Bearbeitung)

Diese Zahlen zeigen die unbestrittene Wichtigkeit des Einzelhandels für die deutsche Wirtschaft.

Aber warum konnte die Branche hier in Deutschland so stark werden und wie geht diese Entwicklung weiter? Ein Grund sich mit der Geschichte des Einzelhandels genauer auseinanderzusetzen.

1.2 Inhalt und Ziel der Arbeit

Die Arbeit gibt einen groben Überblick über die Entwicklung des Einzelhandels in Deutschland. Nach der Definition wichtiger Grundlagen und Begriffe des Einzelhandels liegt der Schwerpunkt auf der Ausbreitung und Organisation der Einzelhandelsunternehmen nach dem 2. Weltkrieg, den verschiedenen Ausprägungen des Handels in Ost- und Westdeutschland sowie der besonderen Situation nach der Wiedervereinigung. Als Beispiel für die Erfolgsgeschichte deutscher Einzelhändler wird auf die Entwicklung der Aldi Gruppe eingegangen. Im weiteren Verlauf werden neue Trends und Entwicklungen wie e-commerce und Teleshopping und deren Auswirkungen auf den klassischen Einzelhandel betrachtet.

2 Begriffsdefinitionen und Grundlagen

2.1 Definition des Begriffs „Einzelhandel“

Unter Einzelhandel wird in der Literatur eine Form von Handelsunternehmen verstanden, die darauf ausgerichtet ist, Waren in Kleinmengen an Endverbraucher zu verkaufen. Gegliedert ist der Einzelhandel im Hinblick auf den Ort des Handels, die Betriebsformen sowie der Branchen.[2] Der institutionelle Einzelhandel wird nach Kontaktformen in den stationären Handel, den ambulanten und halbstationären Handel sowie den Versandhandel untergliedert. Zum stationären Einzelhandel wird der Ladeneinzelhandel mit festem Standort gezählt, während der ambulante Handel (z.B. Markthandel, Heimdienst usw.) über keinen festen Standort verfügt.[3]

2.2 Betriebsformen

Ein Betriebsformentyp ist die Zusammenfassung aller Unternehmenskonzeptionen mit übereinstimmender Handlungs- und Organisationsform. Zur Handlungsform gehören Standortwahl, Sortiments- und Preisbildung. Die Organisationsform wird in Ein- und Mehrbetriebsunternehmen unterschieden.[4] Als weitere wichtige Größe zur Charakterisierung der Betriebsform gilt die Verkaufsfläche. Die verschiedenen Betriebsformentypen unterliegen außerdem einem ständigen Wandel, weil die Einzelhändel dazu gezwungen sind, ihre Vertriebsformate an die Wünsche der Kunden anzupassen. Die folgende Übersicht stellt die wichtigsten traditionellen und neueren Typen dar.[5]

Tabelle 2: Übersicht über die wichtigsten Betriebsformen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Popp 2002, bearbeitet

2.3 Wettbewerbs- und Profilierungtrategien

Wettbewerbsvorteile lassen sich nur über den entsprechenden Kundennutzen erzielen. Entsprechend der Nutzeneinteilung in Grund- und Zusatznutzen war es früher üblich den Wettbewerb eindimensional, in Preis- und Qualitätswettbewerb einzuteilen, da die Kunden entweder nur das Produkt zum möglichst günstigen Preis suchten oder darüber hinaus auf Qualität der Ware bedacht waren. Durch die zunehmende Marktsättigung und qualitative Austauschbarkeit der Produkte hat sich die Situation heute jedoch geändert und die Dimensionen erlebnisorientierter Wettbewerb und versorgungsorientierter Wettbewerb kommen hinzu. Aus den Schnittmengen ergeben sich die folgenden vier Profilierungs- konzepte.[6]

a) Discountstrategien
Das Discountprinzip umfasst alle Maßnahmen, die dazu beitragen die größtmögliche Warenmenge mit den geringsten vom Kunden erwarteten Serviceleistungen zum niedrigst möglichen Preis zu verkaufen. Grundlage des Discountprinzips ist eine agressive Preispolitik.[7] Es werden zwei unterschiedliche Strategien unterschieden, eine hochagressive Preispolitik, wie sie z. B. bei Aldi zu finden ist, mit dem Ziel preispolitisch generell nicht unterboten zu werden und eine Strategie der Normalpreis- und Sonderangebote, mit dem Streben nach marktbekannter Preisgünstigkeit gegenüber der Konkurrenz.[8] Vorraussetzung für die Durchsetzung einer solchen Strategie sind: günstigerer Einkauf, geringere Handlungs- kosten sowie niedrigere Verkaufspreise als die Konkurrenz und Preistransparenz bei den Kunden.[9]
b) Erlebnisstrategien
Aufgrund des Strebens nach Verwirklichung eines eigenständigen Lebensstils und der Suche nach Befriedigung von Erlebniswerten der Konsumenten in den Industrie- und Wohlstandsgesellschaften entwickelten sich in den letzten Jahren vermehrt Strategien im Einzelhandel, mit dem Ziel, diese Bedürfnisse zu befriedigen. Diese Strategien sind in der Regel auf Personen mit höherer Bildung, einem geringeren Alter und besserem Einkommen zugeschnitten und zielen darauf ab, Präferenzen beim Kunden aufzubauen sowie sich von der Konkurrenz durch dieses erlebnisorientierte Image abzuheben.[10] Als Beispiel kann hier das Konzept der Apple Stores genannt werden. Es handelt sich bei diesen Läden im Gegensatz zu den traditionellen Verkaufsräumen um eine Art „Learning Center“. Die Kunden können die Produkte ausprobieren, an Workshops teilnehmen und miteinander ins Gespräch kommen, mit dem Ziel eines Marken- und Produkterlebnisses.[11]
c) Versorgungs-Qualitäts-Strategien (Mischstrategien Typ 1)
Bei diesen Strategien steht die Bedarfsdeckung im Vordergrund. Darüber hinaus erwarten die Kunden jedoch qualitative Zusatzleistungen. Diese qualitativen Merkmale werden zur Differenzierung von den Wettbewerbern genutzt. Beispielhaft sind hier die Markenstrategie, die Servicestrategie oder die Conveniencestrategie zu nennen.[12] Während sich die Einzelhandelsunternehmen bei der Markenstrategie durch Eigen- oder Herstellermarken profilieren, geschieht dies bei der Servicestrategie durch zusätzliche Serviceleistungen wie z.B. Kundenberatung, Kundenclubs und Nebenleistungen.[13]
d) Erlebnis-Discount-Strategien (Mischstrategien Typ 2)
Diese Mischstrategien enthalten sowohl Elemente der Discount- als auch der Erlebnis- strategien. Waren mit einem hohen Erlebnisprofil werden hier zu absoluten Niedrigpreisen verkauft. Diese Strategien werden in den Konzepten der Factory-Outlet-Center und Off-price Läden umgesetzt. Sie konzentrieren sich auf den Verkauf hochwertiger Markenartikel, häufig bis zu 70% unter dem regulären Einzelhandelspreis.[14] Ein Beispiel ist das B5-Center bei Berlin – Kollektionen bekannter Marken wie Dolce & Gabbana, Valentino, Benetton, Levis oder Nike aus der letzten Saison, Produkte zweiter Wahl und Überhangware wird hier zu wesentlich reduzierten Preisen verkauft.

3 Die Entwicklung des Einzelhandels in Deutschland

3.1 Der Einzelhandel im Zeitraum von 1850 bis zum Ende des 2. Weltkriegs

Die Industrialisierung, starke Verstädterung sowie ein immenses Bevölkerungswachstum führten ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer sprunghaften Entwicklung des Einzelhandels in Deutschland. Wo vorher Zünfte, fahrende Händler und Jahrmärkte die deutsche Einzelhandelslandschaft prägten, bestimmten nun zunehmend Kauf- und Warenhäuser das Bild.[15] Obwohl zu dieser Zeit noch etwa 2/3 der deutschen Bevölkerung Selbstversorger waren – das heißt, sie lebten überwiegend von dem was sie selbst anbauten – entwickelten sich in diesem Zeitraum viele der heute noch existierenden Branchen und Organisationsformen. Wichtige Neuerungen im Einzelhandel wie die das „Anschreiben“ ablösende Barzahlung, die feste Preisauszeichnung und das Umtauschrecht gehen auf diese Zeit zurück.[16]

Viele der heute noch überall in Deutschland anzutreffenden Warenhäuser wurden zwischen Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts gegründet. Zu den Begründern zählten unter anderem Oskar und Hermann Tietz (Hertie), die Gebrüder Wertheim sowie R. Karstadt und Th. Althoff (Karstadt). Anzutreffen waren diese so genannten Konsumtempel vor allem in den Großstädten wie Berlin und Hamburg. In ihnen fand der Kunde vor allem Waren des mittleren und unteren Preissegments. Noch waren aber die Warenhäuser keine Konkurrenz für den mittelständischen Einzelhandel, dessen Anteil Ende der 1920er Jahre etwa 75% betrug.[17]

Die Entwicklung des Versandhandels zu dieser Zeit war besonders wichtig für die Landbevölkerung. Er bot attraktive Preise und zugkräftige Artikel in seinen Katalogen, die sonst nur in den Großstädten zu haben waren. Unternehmen wie Klingel (gegründet 1925), Quelle (1927) oder Bader (1929) nahmen zu dieser Zeit ihren Anfang.[18]

[...]


[1] Vgl. HDE (2005): http://www.hde.de/servlet/PB/menu/1048448/index.html.

[2] Vgl. Wikipedia (2005): http://de.wikipedia.org/wiki/Einzelhandel.

[3] Vgl. Schmid, Florian (1996) S.12.

[4] Vgl. Klein, Kurt (1995), S.25.

[5] Vgl. Müller-Hagedorn, Lothar (1998), S. 41f.

[6] Vgl. Schmid, Florian (1996), S. 147f..

[7] Vgl. Tietz, Bruno (1983), S. 734.

[8] Vgl. Ebenda, S. 369.

[9] Vgl. Schmid, Florian (1996), S. 150.

[10] Vgl. Ebenda, S. 157ff.

[11] Vgl. Mett, Udo (2005): http://www.vhb.de/handelsjournal/308.htm.

[12] Vgl. Schmid, Florian (1996), S. 163ff.

[13] Vgl. Tietz, Bruno (1993), S.410.

[14] Vgl. Schmid, Florian (1996), S. 175.

[15] Vgl. Spiekermann, Uwe (1999), S. 617.

[16] Vgl. Berekoven, Ludwig (1986), S. 28ff.

[17] Vgl. Spiekermann, Uwe (1999), S. 236f.

[18] Vgl. Ebenda, S. 296ff.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des Einzelhandels in der Bundesrepublik Deutschland
Hochschule
Fachhochschule Erfurt
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V52684
ISBN (eBook)
9783638483308
ISBN (Buch)
9783656620532
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Einzelhandels, Bundesrepublik, Deutschland
Arbeit zitieren
Susanne Voth (Autor), 2006, Die Entwicklung des Einzelhandels in der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52684

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