Der Konflikt zwischen Kaiser Friedrich II. und Papst Gregor IX. Am Beispiel des Einfalls der Schlüsselsoldaten in das Königreich Sizilien 1229


Seminararbeit, 2005

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Die Exkommunikation von Friedrich II. durch Gregor IX.
2.2 Friedrichs abermalige Kreuzzugsvorbereitungen und die Planungen des Papstes
2.3 Der Einfall der Schlüsselsoldaten in das Königreich Sizilien
2.4 Friedrichs Rückkehr und Sieg

3. Fazit

4. Literatur

1. Einleitung

Als Friedrich II. am 28. Juni 1228 von Brindisi aus, zu seinem lange versprochenen und zuvor bereits wegen Krankheit verschobenen Kreuzzug ins Heilige Land aufbrach, tat er dies nicht nur als Exkommunizierter der römischen Kirche und ohne den üblichen päpstlichen Kreuzfahrersegen, sondern auch gegen den ausdrücklichen Willen des Papstes Gregor IX.. Nachdem sein erster Aufbruch in den Orient im Sommer 1227 aufgrund einer schweren Erkrankung abgebrochen werden musste und der Kaiser widerwillig zur Umkehr gezwungen war, reagierte der Papst sehr ungehalten auf diese Nachricht und verhängte umgehend den Kirchenbann über den in seinen Augen abtrünnigen Kaiser. In der Folgezeit entwickelte sich ein unerbittlicher Konflikt zwischen Papst und Kaiser, der vor allem vom Papst mit strittigen Mitteln geführt wurde.

Als der Kaiser gegen den Willen des Papstes nach Jerusalem aufgebrochen war, nutzte Gregor die Situation und fiel mit seinen Truppen in Friedrichs Königreich Sizilien ein. Und während die päpstlichen Truppen, aufgrund ihres Wappens auch Schlüsselsoldaten genannt, sich daran machten das sizilische Königreich für den Papst und die römische Kirche zu erobern, verhandelte der Kaiser im Heiligen Land mit dem Sultan al-Kamil über die Übergabe der „heiligen Stadt“ Jerusalem an die Christen. So entstand die paradoxe Situation, dass der Papst als geistlicher Führer der Welt zur Erlangung seiner Ziele Waffen und Gewalt einsetzte, während der Kaiser in christlicher Mission zu friedlichen Verhandlungen bereit war. Ein in der Geschichte der Christenheit bis dato einmaliges Ereignis. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass Thomas von Acerra mit seiner Meinung in dem Brief an den Kaiser, in dem er fragt warum und mit welchem Recht der Römische Priester zu den Waffen greift und zu Raub und Brandstiftung aufruft, nicht alleine stand.[1]

Wie war es zu diesem Konflikt gekommen und was bewegte den Papst mit solch massiven Mitteln gegen den Kaiser, dem er einst als Freund und Förderer wohl gesonnen war, zumal in dessen Abwesenheit, vorzugehen? Und wie rechtfertigte er diesen augenscheinlichen Angriffskrieg vor der Christenheit?

2. Hauptteil

2.1 Die Exkommunikation von Friedrich II. durch Gregor IX.

Ein Kreuzzugsversprechen hatte Friedrich II. den Führern der römischen Kirche schon vor mehreren Jahren gegeben, allerdings nie in die Tat umgesetzt. Gegenüber dem damaligen Papst Honorius III. hatte sich Friedrich schließlich in San Germano am 25. Juli 1225 mit einem feierlichen Eid verpflichtet bis zum August 1227 ins Heilige Land aufzubrechen und gleichzeitig zugestimmt, sollte er diesen Kreuzzug nicht bis zu jenem Datum beginnen, er zwangsläufig exkommuniziert werde. Nun war es keineswegs so, dass Friedrich diesen Eid nicht Ernst nahm, ganz im Gegenteil, schließlich galt die Kreuzfahrt und die Eroberung des Orients im staufischen Weltherrschaftsverständnis als stolzer Höhepunkt der deutsch-römischen Kaiser[2] und nicht zuletzt erhob er, nach seiner Heirat mit Isabella von Jerusalem Anspruch auf die Krone des Königs von Jerusalem.

Zusammen mit Hermann von Salza war es ihm gelungen mehrere hundert Ritter aber auch Fürsten aus Deutschland für den Kreuzzug zu gewinnen. Die Vorbereitungen für den Aufbruch waren getan, mehrere tausend Kreuzfahrer versammelten sich im Sommer 1227 in Brindisi und das Beladen der Kreuzfahrtschiffe hatte begonnen. Allein die Tatsache, dass unter den Pilgern in der sommerlichen Hitze Süditaliens eine Seuche ausgebrochen war und viele von ihnen an den Folgen der Krankheit starben, verhinderte den erfolgreichen Aufbruch. Es waren zwar einige Kreuzfahrer in See gestochen, aber als schließlich auch der Kaiser selbst erkrankte, war man gezwungen den Kreuzzug nach wenigen Tagen abzubrechen und nach Otranto zurückzukehren.

Gemäß den Abmachungen von San Germano war nun der neue Papst Gregor IX. ohne Zweifel berechtigt Friedrich zu bannen, schließlich zählte allein die Tatsache, dass der Kaiser nicht zu seinem zugesicherten Kreuzzug aufgebrochen war. Die Gründe dafür, warum dies nicht erfolgt war, interessierten den Papst allerdings nicht im Geringsten. Der Papst teilte auch nicht die Auffassung des Kaisers, dass diese Begebenheit, nichts an seinem Vorhaben und dem erfolgreichen Kreuzzug ändere, sondern sich dieser nur um einige Monate verschiebe. Die Krankheit des Kaisers erklärte er ohne Anhörung von Zeugen für erlogen und vorgetäuscht und gab ihm in einer emotional gehaltenen Enzyklika vom 10. Oktober 1227 sogar die Schuld am Ausbruch der Seuche, da der Kaiser nicht für ausreichende Verpflegung der Pilger gesorgt habe.[3] In seinen Augen hatte sich der Kaiser nicht hinreichend und mit aller Kraft für den Kreuzzug eingesetzt und somit „der ganzen Christenheit unermesslichen Schaden und größte Schande zugefügt“.[4] Ausgehend von dieser erbarmungslosen Sicht auf die Dinge, erklärte Gregor Friedrich schließlich am 29. September 1227 in der Kirche von Anagni für exkommuniziert.

Zu seiner eigenen Verteidigung und Ehrenrettung sah sich der Kaiser nun gezwungen ebenfalls propagandistisch tätig zu werden, und so sandte er seinerseits im Dezember 1227 eine Enzyklika als Gegendarstellung gegen die Vorwürfe Gregors IX. aus. In ruhiger und sachlicher Weise nahm er zu den Anschuldigungen den Papstes Stellung und versuchte diese Punkt für Punkt zu widerlegen. Die Fronten zwischen Papst und Kaiser verhärteten sich zusehends.

Das Verhältnis zwischen Gregor und Friedrich war jedoch keineswegs immer von solch enormen Spannungen geprägt gewesen. Wenige Jahre zuvor, damals noch in seinem Amt als Kardinalbischof Hugo von Ostia hatte Gregor den staufischen Herrscher als „Lieblingspflanze der Kirche“ bezeichnet und Friedrich hatte seinen „väterlichen Freund“ mehrfach unterstützt.[5]

Nachdem nun aber Papst Honorius III. am 18. März 1227 gestorben war und der Kardinal zum Papst gewählt worden war, änderte sich das Verhältnis zwischen den beiden mächtigsten Herrschern des Abendlandes schlagartig. Der neue Papst nannte sich nicht ohne Grund Gregor IX., sondern wollte mit der Wahl dieses Namens bewusst an Papst Gregor VII. anknüpfen und somit an jenen Papst erinnern, der im 11. Jahrhundert gegen den deutschen König Heinrich IV. gekämpft hatte, ein Name also von großer symbolischer Bedeutung.

Bereits in seinem ersten Schreiben als Papst an den Kaiser ermahnte er diesen, sich stets gehorsam und ergeben gegenüber dem Apostolischen Stuhl zu erweisen, da er nicht mehr gewillt sei Nachsicht walten zu lassen.[6] Mit der erbarmungslosen Exkommunikation Friedrichs sollte schon wenige Monate nach diesen Worten eine folgenschwere Tat folgen.

War der „liebenswürdige Greis“[7] Honorius III. eher um Einvernehmen zwischen Kirche und Reich bemüht, so wollte Gregor diese Politik seines direkten Vorgängers nicht übernehmen, sondern vielmehr als erfahrener Jurist und Diplomat Strenge und Härte im Umgang mit dem Kaiser an den Tag legen. Gregor hatte sich aber nicht nur als Jurist einen Namen gemacht, sondern war auch für seine fast mystische Frömmigkeit bekannt. Als Freund der Armutsbewegung und der Franziskaner war er den neuen religiösen Strömungen eng verbunden, wogegen ihm die höfische Welt und das staufische Lebensgefühl unendlich fern war.[8]

In den Augen Gregors stellte Kaiser Friedrich II. nicht nur religiös eine enorme Gefahr für das Patrimonium Petri dar, sondern auch politisch, da sich der Kaiser vornehmlich als Sizilianer sah und sich zum Ziel gesetzt hatte, Italien unter seiner Herrschaft zu vereinigen. Er hatte Sizilien zentralistisch und bürokratisch organisiert, ohne feudale oder kommunale Autonomien und auch die Kirche wollte er in den Staat einordnen. Für Friedrich war das Reich vor allem italienisch und das für ihn fremde Deutschland trat in seiner Politik zunehmend in den Hintergrund.

Für Friedrich bedeutete die krankheitsbedingte Umkehr nach Otranto nur eine Verschiebung des versprochenen Kreuzzuges und so nahm er kurz nach seiner Genesung die Vorbereitungen für den Kreuzzug wieder auf und hielt seine Verpflichtung zum Kreuzzug aufrecht. Auf diese Weise, so dachte er jedenfalls, sei es ihm möglich die gesamte Christenheit davon zu überzeugen, dass es ihm ernst gewesen war mit diesem Unternehmen und hoffte sich somit rehabilitieren zu können. Er erkannte den Bann des Papstes und seine Rechtfertigung an, zeigte Reue und war bereit Buße zu tun, verwies jedoch auch darauf, dass das Versäumnis des vereinbarten Kreuzzugtermins unfreiwillig geschah. Die Lösung vom Bann hätte eigentlich die Folge dieses Verhaltens des Kaisers sein müssen, jedoch machte Gregor die Absolution plötzlich von weiteren Bedingungen abhängig. Es hat den Anschein, dass es dem Papst nicht in erster Linie um das Nicht-Einhalten des Kreuzzugversprechen ging, sondern er ambitioniertere Ziele mit seiner Politik verfolgte und nur auf einen günstigen Moment gewartet hatte, um gegen den Kaiser vorgehen zu können.[9] Plötzlich brachte er weitere Angelegenheiten aufs Tapet, die mit dem Kreuzzug an sich nichts gemein hatten. Primär ging es dabei um das Königreich Sizilien und um die vermeintlich schlechte Behandlung der sizilischen Kirche, aber auch vor gegenstandslosen und falschen Anschuldigungen machte der Papst nicht Halt. Dieses Verhalten lässt darauf schließen, dass es ihm zum einen um die Schwächung, Unterwerfung und Demütigung des Kaisers, vor allem aber auch um die Gewinnung des Königreichs Sizilien für die römische Kirche ging. Er ging sogar so weit die Absolution an die Bedingung zu knüpfen, dass das Regnum Sicilie zuvor unter die päpstliche Oberaufsicht gestellt werden müsse.[10] Eine Forderung, die Friedrich natürlich nicht erfüllen wollte, woraufhin der Papst seine Exkommunikation am 23. März 1228 erneuerte und drohte, dem Kaiser Sizilien zu entziehen, sollte dieser weiterhin gegen den Willen der Kirche handeln und verhängte über alle Orte, in denen sich der Kaiser aufhielt das Interdikt.[11] Gregor war fest entschlossen, es zu einer Auseinandersetzung mit dem Kaiser kommen zu lassen und handelte entsprechend, indem er Friedrich in keiner Weise entgegen kam und halsstarrig an seinen Forderungen festhielt, obgleich auch aus kirchlichen Kreisen, beispielsweise durch den Erzbischof von Magdeburg versucht wurde, den Papst zur Aufhebung des Bannes zu bewegen.

[...]


[1] Vgl. Heinisch, Klaus J. [Hrsg.], Kaiser Friedrich II. in Briefen und Berichten seiner Zeit, Darmstadt 1968, S. 219.

[2] Vgl. Kantorowicz, Ernst, Kaiser Friedrich der Zweite, Berlin 1936, S. 154.

[3] Vgl. Ebda., S. 158f.

[4] Stürner, Wolfgang, Friedrich II., Bd. 2: Der Kaiser 1220-1250, Darmstadt 2003, S. 135.

[5] Vgl. Ebda., S. 134 und Kantorowicz, Kaiser Friedrich der Zweite, S. 157.

[6] Vgl. Stürner, Friedrich II., Bd. 2: Der Kaiser 1220-1250, S. 134.

[7] Rösch, Eva Sybille u. Gerhard, Kaiser Friedrich II. und sein Königreich Sizilien, Sigmaringen 1995, S. 85.

[8] Vgl. Schaller, Hans Martin, Kaiser Friedrich II.. Verwandler der Welt (Persönlichkeit und Geschichte, Bd. 34), Göttingen 1964, S. 34 und Rösch, Eva Sybille u. Gerhard, Kaiser Friedrich II. und sein Königreich Sizilien, S. 86.

[9] Vgl. Hechelhammer, Bodo, Kreuzzug und Herrschaft unter Friedrich II.. Handlungsspielräume von Kreuzzugspolitik (1215-1230), Mittelalter-Forschungen, Bd. 13, hg. v. Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter, Ostfildern 2004, S. 189.

[10] Vgl. Schaller, Hans Martin, Kaiser Friedrich II.. Verwandler der Welt, S. 35 und Winkelmann, Eduard, Kaiser Friedrich II., Bd. 2 (Jahrbücher der Deutschen Geschichte), Leipzig 1897, S. 3 und Kantorowicz, Kaiser Friedrich der Zweite, S. 160 sowie Baaken, Gerhard, Ius Imperii ad Regnum. Königreich Sizilien, Imperium Romanum und Römisches Papsttum vom Tode Kaisers Heinrich VI. bis zu den Verzichtserklärungen Rudolfs von Habsburg, Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters, Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii, hg. v. d. Kommission für die Neubearbeitung der Regesta Imperii bei der österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Kommission für die Bearbeitung der Regesta Imperii bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, Köln 1993, S. 281.

[11] Vgl. Stürner, Friedrich II., Bd. 2: Der Kaiser 1220-1250, S. 137.

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Details

Titel
Der Konflikt zwischen Kaiser Friedrich II. und Papst Gregor IX. Am Beispiel des Einfalls der Schlüsselsoldaten in das Königreich Sizilien 1229
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Friedrich Meinecke Institut )
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V52687
ISBN (eBook)
9783638483322
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konflikt, Kaiser, Friedrich, Gregor, Beispiel, Einfalls, Schlüsselsoldaten, Königreich, Sizilien, Friedrich II., 13. Jahrhundert, Kreuzzüge, Kreuzzug, Gregor IX., Papst, Mittelalter
Arbeit zitieren
Marcus Sonntag (Autor), 2005, Der Konflikt zwischen Kaiser Friedrich II. und Papst Gregor IX. Am Beispiel des Einfalls der Schlüsselsoldaten in das Königreich Sizilien 1229, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52687

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