Spike Jonzes "Being John Malkovich" als Film über das soziokulturelle Phänomen der Verfremdung


Hausarbeit, 2003
27 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Kapitel:

1. Einführung und Abgrenzung

2. Genreabgrenzung

3. Hauptteil: Analyse
3.1. Handlungsanalyse
3.2. Figurenanalyse
3.2.1. Craig Schwartz
3.2.2. Lotte
3.2.3. Maxine
3.2.4. John Malkovich
3.2.5. Doctor Lester
3.3. Analyse der Bauformen
3.4. Symbole in Being John Malkovich

4. Schlussteil: Soziologische Filminterpretation

5. Literaturverzeichnis

6. Anlage: Segment-/Sequenzübersicht

1. Einführung und Abgrenzung

Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel Being John Malkovich (1999), Spike Jonze´s Debut als Regisseur und Charlie Kaufman´s erstes verfilmtes Drehbuch, schematisch zu analysieren. Im Mittelpunkt soll die Frage behandelt werden, in welchem Maße Being John Malkovich eine soziokulturelle Verfremdung thematisiert. Im Seminar „Fremdes und Eigenes im Film“ wurden größtenteils interkulturelle Sachverhalte innerhalb verschiedener Spiel- und Dokumentarfilme untersucht, was bei Being John Malkovich nicht möglich ist. Dennoch werde ich zeigen, dass dieser Film im Kontext zum Seminar durchaus eine Relevanz besitzt.

Nach einer kurzen Genreabgrenzung wird der Film, anhand des Musters von Werner Faulstichs „Grundkurs Filmanalyse“[1], thematisch, figurenbezogen, bauformtechnisch und symbolisch untersucht werden.

Auf eine Synopsis des Films wird verzichtet, da die Sequenzübersicht (Anhang) einen hinreichenden Überblick über den Film bietet. Sie ist die Grundlage der handlungsanalytischen Untersuchung des Filmes, in der die Hauptthemen und Handlungen der Akteure dargestellt werden.

Der eigentliche Hauptteil dieser Arbeit ist die Figurenanalyse, bei der, in Bezug auf die Charakterentwicklung, vor allem auf soziale, sexuelle und familiäre Beziehungen und ideelle Werte und Eigenschaften der Protagonisten eingegangen wird. Es wird sich zeigen, dass ohne diesen Schritt kein hinreichendes Verständnis des Filmes möglich ist.

Anschließend sind kurz verschiedene Bauformen des Films zu analysieren, denn auch hier ist festzuhalten, dass der Regisseur gezielt verschiedene Möglichkeiten des Films (Kameratechnik und Sound) nutzt, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen und diese an den Rezipienten zu vermitteln.

Am Ende des Hauptteils wird eine kurze Analyse der Symbole in Being John Malkovich durchgeführt.

Der Schlussteil enthält die soziologische Filminterpretation, die explizit das Thema der Verfremdung bei Being John Malkovich untersuchen wird.

2. Genreabgrenzung:

Die meisten Kritiker bezeichnen Being John Malkovich schlicht als Komödie, als Slapstickfeuerwerk und sonstiges. Bei diesem Film liegt jedoch eine gewisse Genrepluralität vor. Man findet Merkmale der Satire, wenn man das Werk als „an incisive satire of our celebrity-obsessed culture“[2] interpretiert. Weiterhin kann man aufgrund der zahlreichen Liebesbeziehungen, der Charakterentwicklung, der Darstellung von Gefühlen bei Being John Malkovich Anzeichen des Liebesfilms (Melodram) erkennen, was nicht weniger relevant ist, als alle anderen Genredeutungen, da die Liebe speziell beim Hauptdarsteller Craig Schwartz die eigentliche Motivation seines Handelns darstellt, wie später noch ausführlich in der Figurenanlyse dargelegt wird.

„Die Schlüsselkategorie des Abenteuerfilms ist die Bewährung in der Relation zwischen dem Selbst und dem andern“[3] schreibt Werner Faulstich und weiter „Dabei kann das Fremde, kann die Herausforderung ganz unterschiedliches meinen: etwa das Unbekannte, das zu Entdeckende, das zu Erobernde... Eine andere Bedeutung hat das Fremde als Erlösendes, als zu Ersehnendes, als Transzendentes“[4]. Mit diesen beiden Zitaten kann der Genremix des Films zusätzlich noch auf das Genre des Abenteuerfilms erweitert werden.

Der renomierte Filmkritiker Georg Seeßlen schreibt über Being John Malkovich „Die Mystery-Linie entwickelt sich in einer Zeit, in der das fantastische Kino – und der Horrorfilm im Besonderen – seine Ikonographie, seine genrespezifische „Mitte“ weit gehend verloren hat... Auf die Angstlust vor der körperlichen Versehrung, der Wiederkehr verdrängter Monstren folgt die Lust an fantastischen Grenzüberschreitungen, an absurden Vertauschungen von Perspektiven und sogar Geschlechtern wie in Being John Malkovich. Es ist wie eine Vorahnung einer neuen Spiritualität: Die soziale Existenz ist nicht mehr das verlässliche Zentrum eines Lebens.“[5] und ordnet den Film somit in das kürzlich entstandene Subgenre des Horrorfilms, in das Mysterygenre ein. Im folgenden wird nun die eben angesprochene thematische Vielfalt dargelegt und analysiert.

3. Hauptteil Analyse:

3.1. Handlungsanalyse:

Being John Malkovich erzählt die Geschichte des Puppenspielers Craig Schwartz im New York der Gegenwart. Obwohl sich der Film besonders durch seine thematische Vielfalt und Skurrilität von der typischen, konservativen Hollywoodindustrie abgrenzt, folgt die lineare Handlung dennoch „der 5-Akt-Struktur des klassischen aristotelischen Dramas“[6] (Phase 1: Exposition, Phase 2: Steigerung, Phase 3: Krise/Umschwung, Phase 4: Retardierung, Phase 5: Katastrophe, Happy End). Es existieren drei Hauptthemen, die sich alle innerhalb dieser Struktur entwickeln, wechselseitig bedingen und von einem Rahmen (I und XXXII) eingegrenzt werden. Der Rahmen wirft die Frage der Identität des Protagonisten auf, der sich in (I) mit seiner Situation nicht zufrieden zeigen kann und nach etwas vollkommen Neuen sucht und der in (XXXII) seine Identität komplett verloren hat, da er im Unterbewusstsein einer anderen Person gefangen ist. Dieser Rahmen wird innerhalb des Filmes ergänzt, in dem das Spiel von Craig Schwartz mit hölzernen Puppen und menschlichen „Gefäßen“, die, in der Wirklichkeit, eröffneten Probleme in der nicht realen Welt des Protagonisten lösen (XX) oder Möglichkeiten der Problemlösung mit Hilfe des Marionettenspiels entwickeln (IX).

Erste Haupthandlung von Being John Malkovich ist die Entdeckung der Pforte in das Innere des Schauspielers John Malkovich (1), die zum allgemeinen Vergnügen benutzt (2) und von Malkovich selbst betreten wird, während Dr. Lester die Bedeutung der Pforte Lotte erklärt und Craig Malkovich „besetzt“ (3). Dr. Lester bezieht mit seinen Freunden das Gefäß, nachdem Craig es verlassen hat und Maxine trägt das neue Gefäß Emily in sich (4). Craig ist im Unterbewusstsein Emilys gefangen und Lester bereitet das neue Gefäß vor (5).

Derselben Dramaturgie folgt auch die zweite Handlung, die komplexe Liebesgeschichte der vier Hauptpersonen. Die Gefühle von Craig zu seiner Ehefrau Lotte verändern sich, nachdem er sich in seine Arbeitskollegin Maxine verliebt (1). Als Lotte diese kennenlernt, verliebt sie sich ebenfalls in Maxine. Diese trifft sich aus sexuellem Verlangen mit dem Schauspieler John Malkovich und verliebt sich in Malkovich (Lotte)[7], wobei sich die Handlung kontinuierlich steigert (2) bis Maxine bemerkt, dass Craig Malkovich steuern kann, weswegen sie aus Ruhmsucht Malkovich (Lotte) verlässt und eine dauerhafte Beziehung mit Malkovich (Craig) beginnt (3). Nach 8 Monaten, Maxine ist schwanger, verlässt sie Craig und gesteht Lotte, dass das Baby von Malkovich (Lotte) ist (4) worauf diese zusammenbleiben und auch sieben Jahre später noch zusammen die gemeinsame Tochter Emily erziehen (5).

Das dritte Thema handelt von der materiellen Karriere des erst arbeitslosen, dann als Archivar arbeitenden Craig (1), der nach Entdecken der Pforte mit Maxine ein gewinnbringendes Geschäft aufbaut (2), was nachdem Craig Malkovich besetzt hat nicht mehr möglich ist (3). Durch die Berühmtheit Malkovichs wird Craig jedoch als Puppenspieler populär, er macht Karriere und kommt zu Ruhm (4), wird jedoch entmaterialisiert im Unterbewusstsein Emilys (5). Besonders dieser Handlungsstrang und die Liebesgeschichte wird durch das Puppenspiel dargestellt.

Daraus kann sich aber noch kein vollständiges Verständnis des Films ergeben, vielmehr muss man die Motivation der handelnden Figuren hinterfragen und analysieren.

3.2. Figurenanalyse:

Schon beim Cast, der Auswahl der Schauspieler vor Drehbeginn eines Filmes, fällt auf, dass keiner der drei Hauptdarsteller (John Cusack, Katherine Keener, Cameron Diaz) eine für ihn/sie stereotype Rolle spielt. John Cusack, sonst eher der gutgekleidete, intelligente Held des Films wie in Bullets over Broadway, City Hall und Con Air spielt den zerzausten, unzufriedenen Puppenspieler Craig Schwartz. „Catherine Keener, usually cast as an ingenue doofus”[8] spielt Maxine, eine attraktive, jedoch ruhmsüchtige und hintertriebene Geschäftsfrau. Die größte Diskrepanz zum normalen Cast besteht jedoch bei Cameron Diaz. Sonst eher festgelegt auf die Rolle der hübschen, umworbenen Blondine wie in The Mask, There´s something about Mary und Very Bad Things übernimmt sie, kaum wiederzuerkennen, den Part der Lotte, ein tierverrücktes „reizarmes Neutrum“[9]. Augenscheinlich legt sie keinen Wert auf ihr Äußeres und, ähnlich wie Craig, lebt sie realitätsfern in ihrer eigenen Welt.

Antithetisch dazu spielt John Malkovich tatsächlich halbdokumentarisch sich selbst, ebenso Charli Sheen, der im Film die Rolle eines Freundes Malkovichs übernimmt. Man kann schon hier feststellen, dass diese Eigenheit des Films im Cast durchaus das wiederkehrende Thema der Verfremdung allegorisiert.

Die Werte der Protagonisten werden deutlich, wenn man analysiert, wie sie das Gefäß Malkovich betrachten, wofür sie es benutzen. Im folgenden wird nun dargelegt, inwieweit die Charaktere innerhalb ihrer Gesellschaft stellvertretend für bestimmte Werte, Normen und Ansichten angelegt sind.

[...]


[1] Werner Faulstich: Grundkurs Filmanalyse. In: Wilhelm Fink Verlag München 2002

[2] Jared O´Conner, http://www.angelfire.com/nh/jaredspick/beingjohnmalkovich.html, 10.03.2003, 14:37

[3] Werner Faulstich: Zwischen Exotik, Heil und Horror. In: Ders, Medienkulturen. München 2000, S.127-138

[4] Werner Faulstich: Grundkurs Filmanalyse. In:Wilhelm Fink Verlag München 2002, S.41

[5] Georg Seeßlen, http://www. kinofenster.de/ausgaben/kf0101/hinter1.htm

[6] Werner Faulstich: Grundkurs Filmanalyse. In:Wilhelm Fink Verlag München 2002, S.81

[7] Immer wenn von Malkovich (...) die Rede ist, befindet sich (...) im Körper Malkovichs.

[8] Johnathan Romney, Sight and Sound 3/2000, S.12-14

[9] http://www.cosmopolis.ch/cosmo22/malkovich.htm

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Spike Jonzes "Being John Malkovich" als Film über das soziokulturelle Phänomen der Verfremdung
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Veranstaltung
Fremdes und Eigenes im Film
Note
1.0
Autor
Jahr
2003
Seiten
27
Katalognummer
V52708
ISBN (eBook)
9783638483476
ISBN (Buch)
9783638662253
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spike, Jonzes, Being, John, Malkovich, Film, Phänomen, Verfremdung, Fremdes, Eigenes
Arbeit zitieren
Sebastian Dürrschmidt (Autor), 2003, Spike Jonzes "Being John Malkovich" als Film über das soziokulturelle Phänomen der Verfremdung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52708

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