Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Film Being John Malkovich von Spike Jonze und analysiert das im Werk auftretende, soziokulturelle Phänomen der Verfremdung. Um zu ergründen welche zentralen Motive mit welchen stilistischen Mitteln im Film transportiert wurden, wurde „Being John Malkovich“ nach einer skizzierten Genreabgrenzung anhand des Musters von Werner Faulstichs „Grundkurs Filmanalyse“ thematisch, figurenbezogen, bauformtechnisch und symbolisch untersucht. Es zeigte sich, dass die Verfremdung in vier zentralen Motiven innerhalb des Films thematisiert wird. Von der persönlichen Verfremdung zur Erlangung der „15 minutes of fame“ (I) über die Verfremdung des eigenen Äußeren zur Erreichung eines standardisierten Schönheitsideals (II), vom Zwang der sexuellen Verfremdung (III) über eine Verfremdung der inneren Biologie zur Erreichung eines immer höheren Alters (IV). Jonze setzt seine Ideen humorvoll, kreativ und virtuos um und ist dabei weit entfernt, mit erhobenem Zeigefinger zu kritisieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung und Abgrenzung
2. Genreabgrenzung
3. Hauptteil: Analyse
3.1. Handlungsanalyse
3.2. Figurenanalyse
3.2.1. Craig Schwartz
3.2.2. Lotte
3.2.3. Maxine
3.2.4. John Malkovich
3.2.5. Doctor Lester
3.3. Analyse der Bauformen
3.4. Symbole in Being John Malkovich
4. Schlussteil: Soziologische Filminterpretation
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den Film "Being John Malkovich" schematisch zu analysieren, um zu untersuchen, in welchem Maße darin das soziokulturelle Phänomen der Verfremdung thematisiert wird. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie die Akteure durch die Identitätsaufgabe und die Nutzung fremder Körper stellvertretend für gesellschaftliche Normen und Probleme stehen.
- Schematische Filmanalyse nach Werner Faulstich
- Charakterentwicklung und Motivation der Protagonisten
- Die Rolle der Identität und des Fremden
- Filmische Bauformen und deren Wirkung
- Symbolik und deren Bedeutung für das Gesamtverständnis
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Craig Schwartz:
Im Rahmen 1(I) wird eine besondere Form der Fremdcharakterisierung an den Rezipienten vermittelt. Man erkennt Craig, als Marionette in der fiktiven Welt des Puppenspielers, in der erst nachdenklichen, dann wütenden und letztendlich verzweifelten Darstellung durch den Protagonisten von Being John Malkovich. Die Verfassung der Puppe ist gleichwohl auch seine Eigene. Bezeichnend ist die Zerstörung des Spiegels, die den Identitätsverlust des arbeitslosen Künstlers symbolisiert. „Den Wunsch, sich im Gegenüber zu erkennen und die Frage nach der Identität wird nicht nur durch Malkovich, sondern auch durch den Einsatz von Spiegeln evoziert“10 schreibt der schweizer Filmkritiker Louis Gerber.
Im „Gespräch“ mit Affe Elijah stellt Craig anschließend seine emotionale Situation auch selbst dar, indem er das Bewusstsein als „furchtbaren Fluch“ thematisiert, der Denken, Fühlen und Leiden verursache.
Realitätsfern sehnt er sich anfangs danach, seinem Vorbild „Derek Mantini“ folgen und als Marionettenspieler berühmt zu werden, doch seine Karriere als Straßenkünstler bringt ihm wenig Anerkennung. Er bekommt eher das Unverständnis der Öffentlichkeit zu spüren, als er den Ausbruch aus dogmatischen Beschränkungen als Liebesakt darstellt (III), wieder symbolisch für seine eigene Situation, denn die Ehe, die er führt, bietet sexuell wenig Reize für ihn, symbolisiert durch Lotte, die später einsam als Marionette an der Wand hängt (IX).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung und Abgrenzung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, den Film unter soziokulturellen Aspekten sowie anhand filmwissenschaftlicher Standards zu analysieren.
2. Genreabgrenzung: Dieses Kapitel ordnet den Film in verschiedene Genres ein, darunter Komödie, Mystery und Abenteuerfilm, um die Genrepluralität des Werkes zu verdeutlichen.
3. Hauptteil: Analyse: Hier wird der Film strukturell in Handlung, Figuren, filmische Bauformen und Symbole zerlegt, um ein tiefgreifendes Verständnis der Charaktere zu ermöglichen.
4. Schlussteil: Soziologische Filminterpretation: Das abschließende Kapitel interpretiert die zentralen Motive wie Geschäftssinn, Liebe und Unsterblichkeit im Kontext von Identitätsverlust und Verfremdung.
Schlüsselwörter
Being John Malkovich, Spike Jonze, Verfremdung, Identität, Figurenanalyse, Puppenspiel, Filmanalyse, Soziokulturelle Phänomene, Macht, Liebe, Spiegel, Marionette, Körperlichkeit, Gesellschaft, Selbstwahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Film "Being John Malkovich" hinsichtlich seiner Darstellung von Identität und dem soziokulturellen Phänomen der Verfremdung.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Analyse?
Die Hauptthemen sind die Charakterentwicklung, die manipulative Kraft der Identitätsaufgabe, die Machtstrukturen zwischen den Figuren und die symbolische Bedeutung filmischer Gestaltungsmittel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Film schematisch zu untersuchen und aufzuzeigen, wie die Protagonisten durch die Nutzung des "Gefäßes" Malkovich ihre Identität verlieren und sich soziologisch anpassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Filmanalyse genutzt?
Die Analyse stützt sich maßgeblich auf die filmtheoretischen Ansätze von Werner Faulstich ("Grundkurs Filmanalyse"), ergänzt durch soziologische Interpretationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Handlungsstruktur, einer ausführlichen Figurenanalyse (Craig, Lotte, Maxine, Malkovich, Dr. Lester), den filmischen Bauformen und den verwendeten Symbolen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind Identitätsverlust, Verfremdung, die Transformation des Selbst, symbolische Spiegelungen und die soziokulturelle Kritik an Ruhm und Anpassung.
Warum ist das Thema "Verfremdung" für Craig Schwartz so relevant?
Craig empfindet sein eigenes Leben und seinen Körper als unzureichend, weshalb er in der fremden Hülle von Malkovich nach Anerkennung und Erfolg sucht, was jedoch in einer totalen Selbstaufgabe mündet.
Welche Bedeutung kommt dem Charakter Dr. Lester in Bezug auf das Motiv der Unsterblichkeit zu?
Dr. Lester verkörpert den existentiellen Wunsch nach Unsterblichkeit, wobei er die "Pforte" als Mittel nutzt, um sein Leben künstlich durch ständiges Wechseln der Körper zu verlängern.
- Quote paper
- Sebastian Dürrschmidt (Author), 2003, Spike Jonzes "Being John Malkovich" als Film über das soziokulturelle Phänomen der Verfremdung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52708