Jesus zeigt einem Gelähmten, wie er sein Leben wieder lieben kann, Mk 2, 1-12


Seminararbeit, 2005

35 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Sachanalyse
Das Markusevangelium
Bibelstelle Mk 2, 1-12 „Die Heilung eines Gelähmten“
Auslegung der Bibelstelle
Klärung bestimmter Begriffe
Besonderheiten dieser Erzählung

3. Schülerbezug
Soziokulturelle Bedingungen
Anthropogene Bedingungen

4. Fachdidaktische Analyse
Gegenwartsbedeutung des Themas
Zukunftsbedeutung des Themas
Exemplarizität
Formulierung der Lernziele & Aufstellen einer kleinen Sequenz

5. Methoden- und Medienfragen
Methoden
Medien

6. Verlaufsplanung der Unterrichtsstunde

7. Reflexion über die Unterrichtsstunde

8. Geschichte

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des fachdidaktischen Praktikums im Unterrichtsfach Evangelische Religion, welches ich im Wintersemester 2004/2005 an der Volksschule Innigen-Augsburg absolvierte, soll zu einer Unterrichtsstunde eine Didaktische Analyse geschrieben werden.

Die Themen der zur Verfügung stehenden Unterrichtsstunden richten sich nach dem Religionsbuch für die zweite Klasse. In der Zeit, in der ich mein Praktikum machte, haben wir drei größere Themenkomplexe behandelt. Der erste Bereich war die Geschichte von Josef und seinen Brüdern, die zu dem Oberthema „Miteinander leben – füreinander da sein“ gehörte. Der zweite Themenbereich hieß „Auf Weihnachten warten – Freude erleben“, wozu der Weg der Maria zählte, der in der Geburt Jesu seine Endstation gefunden hat. Nach Weihnachten haben wir uns dann mit dem Thema „Von der Hilfe Jesu erfahren – sich auf seine Hilfe einlassen“ beschäftigt, zu dem u. a. die Jesusgeschichten zählten.

Während meines Praktikums habe ich zwei Unterrichtsstunden gehalten, wobei die erste Stunde seine Zuordnung bei dem Weg der Maria fand. Es handelte sich hierbei um die Geburt Jesu. Meine zweite Stunde, die die Grundlage für die Didaktische Analyse darstellen soll, hat sich mit der Heilung eines Gelähmten beschäftigt. Sie findet ihre Zuordnung im dritten großen Themenkomplex in den Geschichten über Jesus.

2. Sachanalyse

Die nun folgende Sachanalyse befasst sich auf einer fachwissenschaftlichen Ebene mit dem im Unterricht zu behandelnden Thema. Damit der Lehrer das Thema seiner Unterrichtsstunde pädagogisch richtig aufbereiten kann, gilt es als eine wichtige Voraussetzung, sich auf das „Was“ des Unterrichts zu konzentrieren. Peterßen ist der Meinung, dass der „Lehrer die >Sache<, um die es im Unterricht geht, beherrschen muss […] Er muss sie vielmehr insgesamt, in ihrer ursprünglichen Struktur und ohne Einengungen kennen.“[1] Daher werde ich mich im folgendem mit der Grundlage für meine Geschichte, dem biblischen Text, näher beschäftigen und dessen Besonderheiten herausarbeiten.

„Die Heilung eines Gelähmten“, welche die Grundlage für meine Unterrichtsstunde ist, findet sich in den Evangelien, also bei Markus (Mk 2, 1-12), Matthäus (Mt 9, 1-8) und Lukas (Lk 5, 17-26) wieder. Jedoch bezieht sich der Lehrplan 2000 auf die Bibelstelle bei Markus, die ich der Vollständigkeit halber im übernächsten Absatz aufführen werde.

2.1 Das Markusevangelium

Das Evangelium nach Markus gehört zu den synoptischen Evangelien. Es handelt sich neben den beiden anderen Synoptikern, Matthäus und Lukas, um das kürzeste Evangelium. Der Begriff Evangelium bedeutet gute Nachricht oder frohe Nachricht / Botschaft.

In ihm werden die Taten Jesu, sein Wirken und Handeln in der Öffentlichkeit beschrieben, die im Gegensatz zu seinen Worten im Vordergrund stehen. Hier findet der „handelnde Jesus“[2] eine stärkere Betonung als in den anderen Evangelien. Es handelt sich dabei um kurze Erzähleinheiten, die sich nach Gerhard Hörster[3] mit folgenden drei Bereichen befassen: Die Wunder Jesu, Jesu Wirkung auf die Menschen in Palästina und Jesu Auseinandersetzung mit den jüdischen Führern.

Das Evangelium lässt sich in sechs Abschnitte einteilen, wobei sich die Geschichte über „die Heilung eines Gelähmten“ zu Jesu Wirken in Galiläa zählen lässt.

Als literarische Besonderheit ist auffallend, dass es sich um eine lose Zusammenstellung von Berichten über die Taten und Reden Jesu handelt, aus der sich aber kein zeitlicher Ablauf des Wirkens Jesu erstellen lässt. Es handelt sich vielmehr um eine geographische Aufteilung nach „Ereignisse in Galiläa“, „Ereignisse auf dem Weg nach Jerusalem“ und „Ereignisse in Jerusalem“.[4] Bei der Gestaltung finden schriftstellerische Gesichtspunkte Verwendung. Es werden Berichte oder Erzählungen an bestimmten Stellen unterbrochen und nach einem völlig anderen Einschub wieder aufgegriffen und zu Ende erzählt.

Markus schreibt sein Evangelium für Heiden, was sich teilweise daran erkennen lässt, dass Markus „jüdische Gepflogenheiten und aramäische Wörter“[5] erklärt.

Auffallend ist ebenfalls, dass im gesamten Evangelium Markus seinen Namen nicht nennt; ebenfalls stammen die Überschriften nicht von Markus, sondern sie wurden als Inhaltsverzeichnisse zum Neuen Testament im 2. Jh. geschrieben. Aber Markus wurde von Anfang an als der Verfasser des Evangeliums betrachtet, da er ein Mitarbeiter und Schüler des Petrus war und dessen Berichte, nach den Aussagen des Bischofs Papias von Hierapolis in Kleinasien, „genau – allerdings nicht der Reihe nach – aufgeschrieben“[6] hatte.

Zum Ort der Entstehung dieses Evangeliums können keine zuverlässigen Angaben gemacht werden, aber zu der etwaigen Entstehungszeit werden im Evangelium selbst Hinweise gegeben. Bei „Mk 13,14ff hat die Urgemeinde vor der Belagerung Jerusalems die Stadt verlassen und ist nach Pella in Peräa ausgewandert.“[7] Daher kann man sagen, dass das Evangelium um 64-66 n. Chr. verfasst worden ist.

2.2 Bibelstelle Mk 2, 1-12 „Die Heilung eines Gelähmten“

1 Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaun; und es wurde bekannt, dass er im Hause war.
2 Und es versammelten sich viele, so dass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort.
3 Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen.
4 Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett hinunter, auf dem der Gelähmte lag.
5 Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
6 Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen:
7 Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?
8 Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen?
9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geht umher?
10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten:
11 Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!
12 Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, so dass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.[8]

2.3 Auslegung der Bibelstelle

Im folgenden Absatz möchte ich mich mit der Auslegung der Bibelstelle näher beschäftigen und dabei Vers für Vers vorgehen. Die kursiv geschriebenen Wörter beziehen sich auf den Bibeltext und unterstrichen hebe ich Anregungen hervor, die ich in meine Unterrichtsstunde mit einfließen lassen möchte bzw. die Verwendung finden könnten.

Überwiegend orientiere ich mich bei der Auslegung an den Aussagen von Gerhard Maier[9] in seinem Kommentar zum Evangelium nach Markus.

Die „Heilung eines Gelähmten“ stellt den Anfang eines neuen Abschnittes dar, nämlich die Zeit der Kämpfe und Auseinandersetzungen. Es erfolgt ein Übergang in eine andere Ebene. In Mk 1,39 und Mk 1,45 ist die Rede davon, dass Jesus in Galiläa unterwegs ist bzw. an einsamen Orten unterwegs ist, wo die Menschen zu ihm kommen[10]. Nun ändert sich dies: Eine neue Situation ist eingetreten, denn es heißt, dass Jesus nach Ablauf einiger Zeit wieder nach Kapernaum gekommen ist. Oft findet sich auch die Übersetzung ‚nach einigen Tagen’ wieder, dennoch kann der Leser erkennen, dass zu dem zuvor genannten eine gewisse Zeitspanne dazwischen gelegen sein muss und Jesus auch schon einmal in Kapernaum gewesen sein musste, da er ja wieder gekommen ist. Die Äußerung dass er im Haus war ist eine Erklärung für die spätere Menschenmenge, denn die Tatsache, dass Jesus da war, sprach sich schnell herum und es versammelten sich viele, nämlich ganze Menschenmengen, die das Haus zum Überfüllen brachten. Am besten stellt man sich das so vor, dass die Menschen dicht gedrängt im ganzen Raum, weiter auf dem Weg von der Gasse zu diesem Raum und im eventuellen Innenhof des Hauses standen. Hierbei könnte man die Kinder nach eigenen Erfahrungen fragen, die sie gesammelt haben, falls sie sich schon einmal in einem überfüllten Raum befunden hatte. Das Wort Tür kann man auf zwei verschiedene Arten erklären, da sich nicht genau feststellen lässt, welche Tür gemeint ist. Es gibt zum einen die Tür zum Raum, indem sich Jesus aufgehalten hatte, zum anderen kann aber auch die Tür zu dem ganzen Hauskomplex gemeint sein, also die Tür, welche das Haus zur Gasse hin öffnet. Die Predigt Jesus, dass er den Menschen das Wort sagte, war der Grund für das zahlreiche Erscheinen der Menschen. „Die Wendung >das Wort sagen< gehört zur urchristlichen Missionssprache.“[11] Jesus konnte, wie sonst niemand, den Menschen durch seine Botschaft den Weg zum Reich Gottes und zur Erlösung nahe bringen. Die nun folgende Geschichte entspricht einer Lehrszene, denn „Jesu Zuspruch der Sündenvergebung (5b), seine Auseinandersetzung mit den Schriftgelehrten (6-10) und die wunderbare Heilung eines Gelähmten (11-12) haben Lehrcharakter.“[12] Es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen schildert die nun folgende Situation im Gegensatz zu Matthäus und Lukas sehr anschaulich und somit gut vorstellbar. Ein einziger Kranker wird von vier gesunden Menschen zu Jesus gebracht. Gelähmt bedeutet hier, dass sich dieser Mensch nicht mehr selbst bewegen kann, er liegt nur herum, ist körperlich nicht zu Bewegungen fähig und kann sich daher auch selbst keinen Weg zu Jesus und seiner Botschaft suchen. Er ist auf die Hilfe von seinen Freunden oder auch anderen, unter Umständen fremden Menschen angewiesen. An dieser Stelle möchte ich die Kinder fragen, ob sie sich unter dem Wort gelähmt etwas vorstellen können und ob sie wissen, wie ein gelähmter Mensch sein Leben verbringt. Was kennzeichnet einen Gelähmten? Bei der Erzählung wird allerdings nicht erwähnt, warum er Mensch gelähmt ist. Aber gerade diese Tatsache könnte die Phantasie der Kinder anregen, dass sie sich auch die Gründe dafür überlegen. Der Beginn von Vers 4, sie konnten wegen der Menge, drückt ein Scheitern im Vorhaben der Freunde aus, was sie aber nicht von ihrem Vorhaben abbringt, sondern sie zu neuen Überlegungen und Ideen anregt. Die Tatsache, dass sie keinen Weg zu Jesus in den Raum finden, sehen sie als eine Herausforderung nach Neuem. Immer wieder begegnen wir in unserem Leben Hindernissen, aber man muss sich einen Weg suchen, um zu seinen Zielen zu kommen. Dies wird hier ganz deutlich gesagt. Aufgeben ist nicht der Sinn der Sache, sondern das Suchen nach neuen Wegen und Ideen wird angesprochen! Das Verlangen nach Heilung und die Sicherheit, dass sie bei Jesus Hilfe finden werden, muntert die Freunde auf und lässt sie nach einer ungewöhnlichen Lösung suchen. Hier möchte ich nun bei meiner Stunde die Geschichte unterbrechen, und die SchülerInnen nach ihren Ideen fragen, wie die Freunde sich entscheiden werden.

Die Freunde wählen einen ungewöhnliche Weg, da sie sich für das Dach des Hauses, indem sich Jesus mit den Menschenmengen aufhält, entscheiden.

Um das Dach aufzudecken, mussten die Freunde erst über eine Außentreppe oder ein Nachbarhaus auf das Dach des Hauses Jesu gelangen. Bei dem Dach handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Flachdach aus Ziegeln (vgl. Lk 5,19), aus dem dann einige Ziegel entnommen wurden, um die Trage mit dem Gelähmten hinunterlassen zu können. Da dies von den Leuten unten im Raum nicht unbemerkt geschehen kann, findet hier keine Beachtung, vielmehr wird der „Blick auf Jesu Wahrnehmung und Beurteilung (5) des Vorgangs“[13] gelenkt.

Dem nun folgenden Vers 5 kommt eine bedeutende Rolle zu. Die Formulierung, als Jesus den Glauben sah, lässt die Frage aufkommen, ob Glauben sichtbar sein kann. Das Verhalten und das Vertrauen der Freunde bezeichnet Jesus hier als Glauben, denn für ihn, als den Sohn Gottes ist es möglich, dass er über den Glauben eines anderen Menschen urteilen kann. „Die Entschlossenheit, Findigkeit und Zielstrebigkeit, mit der die Gruppe erhebliche Hindernisse zu überwinden versteht, ist eine starke Bekundung ihres in Jesus gesetzten zuversichtlichen Vertrauens.“[14] So schreibt Gerhard Maier, „der Glaube anderer kann es möglich machen, dass der Herr meine Sünde vergibt.“[15] Des weiteren wird an diesem Vers besonders deutlich, dass bei Jesus die Sündenvergebung einen wichtigeren Standpunkt als das Wunder der Heilung einnimmt, denn er sagt zu dem Gelähmten, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Da zum Ausdruck kommt, dass die Sünden jetzt in dem Augenblick vergeben werden als Jesus zu dem Kranken spricht (Sünden SIND dir vergeben), erkennt man weiter, dass Jesus selbst Sünden vergeben kann! Während dies geschieht, wird Jesus von Schriftgelehrten beobachtete, die nach jüdischer Sitte dasaßen. „Als vermeintliche Anwälte der absoluten Souveränität Gottes repräsentieren sie den von vornherein festgelegten Unglauben der Vollmacht Jesu gegenüber. Hier wird ihre Jesus gegenüber feindlicher Gesinnung und Haltung zum ersten Mal offen angesprochen […] Sie verkennen den an Gottes Statt sprechenden und handelnden Sohn und lehnen ihn innerlich ab.“[16] Ihre Gedanken, wie Jesus so redet, unterwerfen die Aussage Jesu einer strengen Prüfung und sie kommen zu dem Schluss, dass es sich um eine Gotteslästerung handelt, denn nur Gott alleine kann Sünden vergeben (vgl. 2 Mo 34,7; 1 Sam 16,7: Jes 43,25). Durch die Äußerung Gott allein, die ein Hinweis auf das Glaubensbekenntnis Israels ist, wird dies nochmals verdeutlicht, denn er verstößt hier gegen das im Glaubensbekenntnis genannte Recht Gottes zur Sündenvergebung. Ist aber Jesus nach Dan 7,13 selbst Gott, dann geht er hier nur seinem Recht nach. Jesus sind diese Gedanken der Schriftgelehrten nicht unbekannt, denn er erkannte, dass sie so denken. Das Erkennen solcher Gedanken gibt Jesus die göttlichen Fähigkeiten, da Gott allein in das Herz der Menschen schauen kann. Er möchte ihnen mit der Frage, warum sie so denken, die Möglichkeit geben, seinen göttlichen Geist anzuerkennen. In Vers 9 gibt Jesus den Schriftgelehrten eine Aufgabe zu entscheiden vor, bei der sie sich entweder für die Heilung oder die Sündenvergebung entscheiden müssen. Doch beides kann nur Gott (Ps 103,3; Ex 15,26). Dass Jesus auf seine Frage keine Antwort bekommt, erklärt sich daraus, dass die Schriftgelehrten ihm die Vollmacht Gottes zur Sündenvergebung anerkennen müssten, sobald der Kranke auf Jesu Worte gesund wird. Dies wollen sie sich aber nicht zugestehen. Ab dem nun folgenden Vers 10 erreicht die Erzählung ihren Höhepunkt; sogleich wechselt Markus die Erzählperspektive und spricht von nun an nur noch von Jesus in der 3. Person. Jesus vollzieht nun die Heilung und unterstreicht somit seine Vollmacht zur Sündenvergebung. Der Begriff Menschensohn taucht hier zum ersten Mal im Markusevangelium auf, da Markus schreibt, dass der Menschensohn die Vollmacht zur Sündenvergebung besitzt. Vollmacht bedeutet hier, dass Jesus von Gott diese Gabe verliehen bekommen hat und er selbst die Person ist, die Sünden bei allen Menschen auf der ganzen Erde vergeben darf/kann. Die Schriftgelehrten vertreten eine Lehre ohne Vollmacht und sind hier in diesem Zusammenhang ‚gelähmt’, da es für sie nicht möglich ist, „sich Jesus zu öffnen und sich von ihm helfen zu lassen.“[17] Vers 11 enthält die Äußerung an den Kranken mit ganz einfachen Worten, er soll aufstehen, sein Bett nehmen und gehen. Somit vollzieht Jesus die Heilung und auf seinen Befehl hin wird die Lähmung überwindet. Die Menschen alle waren überrascht und schockiert, da dass, was Jesus sagte, auch sogleich geschehen ist. Vers 12 stellt damit die Herrlichkeit von Jesus in den Mittelpunkt. Vor aller Augen bedeutet, das alle Menschen – auch die Schriftgelehrten - egal wie ihr Glauben war oder ob sie überhaupt einen Glauben hatten, dieses Wunder sehen und verfolgen konnten. Da das Volk solch ein Wunder noch nie gesehen hatte (Wir haben so etwas noch nie gesehen), wird deutlich, dass hier die Einzigartigkeit von Jesus beschrieben werden soll, da der Messias die Aufgabe hatte, einzigartige Wunder zu vollbringen. „Seine Kompetenz zur Überwindung von Lähmung auf dem Weg der Sündenvergebung übersteigt ihre bisherigen Erfahrungen. Diese Vollmachtstat geht für sie also weit über bisher erlebte Exorzismen und Heilungen (Mk 1,21-27 und 32-34) hinaus.“[18] Am Ende der Geschichte lassen sich dann für die SchülerInnen noch weitere Fragen stellen, die im Unterrichtsgespräch näher erarbeitet werden soll. Wie geht es dem Gelähmten nach seiner Heilung? Was ist nun neu für Ihn? Was kann er jetzt wieder machen? Wie steht er zu seinen Freunden und zu Gott?

2.4 Klärung bestimmter Begriffe

In diesem Absatz möchte ich auf die beiden Begriffe „Schriftgelehrte“ und „Menschensohn“ näher eingehen.

Die Schriftgelehrten werden je nach Übersetzung auch mit Gesetzeslehrer wiedergegeben. Es handelt sich bei dieser Personengruppe um ausgebildete jüdische Theologen, die das Gesetz, die Bücher Mose, studieren und auslegen. Die fünf Bücher Mose waren zugleich die Gesetzbücher für das bürgerliche Leben. Daraus kam den Gesetzeslehrern bzw. den Schriftgelehrten auch die Funktion eines Juristen zu. Das erste Erscheinen der Schriftgelehrten findet in der Zeit nach dem babylonischen Exil statt und sie fanden zum ersten Mal schriftlich in den Makkabäerbüchern Erwähnung. Ihr Vorbild war Esra.

Ein Grossteil der Schriftgelehrten zur Zeit des Neuen Testamentes gehörten der Religionsgemeinschaft der Pharisäer an. Ihre Aufgaben waren dadurch bestimmt, dass sie aufpassen mussten, dass die göttlichen Gebote nicht überschritten wurden. Im Lauf der Zeit ergaben sich feste Auslegungstraditionen, die fast denselben Stellenwert wie das geschriebene Gotteswort selbst hatten. Ebenfalls ließen sich nach Angaben von Markus in der christlichen Gemeinde Gesetzeslehrer finden, die die Auslegung des Gesetzes durch Jesus aktuell auf die Gemeinde anzuwenden hatten.[19]

[...]


[1] Peterßen, Wilhelm H.: „Handbuch Unterrichtsplanung“; Ehrenwirth/Veritas; 1992; 5. Auflage; S.22

[2] vgl. Maier, Gerhard: „Markus Evangelium Bibelkommentar Band 3“; Neuhausen-Stuttgart; 1995; S. 13

[3] Hörster, Gerhard: „Einleitung und Bibelkunde zum Neuen Testament“; R. Brockhaus Verlag; 1993; S. 25f

[4] Hörster, Gerhard: „Einleitung und Bibelkunde zum Neuen Testament“; R. Brockhaus Verlag; 1993; S. 27

[5] „Gute Nachricht Bibel“; Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart; 2003

[6] Maier, Gerhard: „Markus Evangelium Bibelkommentar Band 3“; Neuhausen-Stuttgart; 1995; S. 9

[7] Hörster, Gerhard: „Einleitung und Bibelkunde zum Neuen Testament“; R. Brockhaus Verlag; 1993; S. 33

[8] Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers; Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart; 1985; S. 45 NT

[9] Maier, Gerhard: „Markus Evangelium Bibelkommentar Band 3“; Neuhausen-Stuttgart; 1995; S. 84ff

[10] vgl. Eckey, Wilfried: „Das Markusevangelium: Orientierung am Weg Jesu; ein Kommentar“; Neukirchen; 1998; S. 91

[11] Eckey, Wilfried: „Das Markusevangelium: Orientierung am Weg Jesu; ein Kommentar“; Neukirchen; 1998; S. 91

[12] Eckey, Wilfried: „Das Markusevangelium: Orientierung am Weg Jesu; ein Kommentar“; Neukirchen; 1998; S. 91

[13] Eckey, Wilfried: „Das Markusevangelium: Orientierung am Weg Jesu; ein Kommentar“; Neukirchen; 1998; S. 92

[14] Eckey, Wilfried: „Das Markusevangelium: Orientierung am Weg Jesu; ein Kommentar“; Neukirchen; 1998; S. 93

[15] Maier, Gerhard: „Markus Evangelium Bibelkommentar Band 3“; Neuhausen-Stuttgart; 1995; S. 87

[16] Eckey, Wilfried: „Das Markusevangelium: Orientierung am Weg Jesu; ein Kommentar“; Neukirchen; 1998; S. 93

[17] Eckey, Wilfried: „Das Markusevangelium: Orientierung am Weg Jesu; ein Kommentar“; Neukirchen; 1998; S. 96

[18] Eckey, Wilfried: „Das Markusevangelium: Orientierung am Weg Jesu; ein Kommentar“; Neukirchen; 1998; S. 96

[19] vgl. Gute Nachricht Bibel; Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart; 2003; S. 414

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Jesus zeigt einem Gelähmten, wie er sein Leben wieder lieben kann, Mk 2, 1-12
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Begleitseminar zum Praktikum
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
35
Katalognummer
V52762
ISBN (eBook)
9783638483841
ISBN (Buch)
9783656450306
Dateigröße
2289 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bei der Arbeit handelt es sich um eine Didaktische Analyse zu einer Unterrichtsstunde im Fach Evangelischer Religion in einer 2. Klasse einer Grundschule.
Schlagworte
Jesus, Gelähmten, Leben, Begleitseminar, Praktikum
Arbeit zitieren
Uta Starke (Autor), 2005, Jesus zeigt einem Gelähmten, wie er sein Leben wieder lieben kann, Mk 2, 1-12, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52762

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