Hans J. Morgenthau, der Begründer der heute als „klassischer Realismus“ bezeichneten Theorie, veröffentlichte 1948 sein erstes Werk zu diesem Thema. Anerkannt und bestätigt wurde die Theorie erst einige Jahre später. Grundsätzliche Überlegungen dieser Theorie liegen jedoch schon lange Zeit zurück. Das realistische Denken geht auf Theoretiker wie Thukydides, Machiavelli und weiter Hobbes, Nietzsche und Weber zurück. Einer der zentralen Punkte der Theorie ist, dass das Interesse eines Staates im Sinne von Macht verstanden wird. Der konstituierende und regulierende Einfluss von Macht in der Politik spielte schon vor H.J. Morgenthau in den realistischen Überlegungen eine Rolle. Die Anwendung der Theorie auf Geschehnisse der internationalen Beziehungen, die vor der Zeit H.J. Morgenthaus liegen, ist somit grundsätzlich möglich. Ich möchte nun, anhand der Theorie des Realismus die Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs analysieren und erklären. Ich stelle also die Frage, ob die deutschen und britischen Handlungen nach realistischem Verständnis zu erklären sind.
Da diese Theorie zu den internationalen Beziehungen bis heute weitergeführt wurde, werde ich auf die allgemeinen Ziele und Grundannahmen des klassischen Realismus sowie der neorealistischen Theorie eingehen. Auf der Basis dieses theoretischen Rahmens werde ich das Fallbeispiel des ersten Weltkriegs heranziehen und auf dem Schwerpunkt der deutsch-britischen Beziehungen und ihrer Aussenpolitik analysieren.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Der klassische Realismus
- Geschichte
- Morgenthaus Ansatz
- Allgemeine Grundsätze und Ziele und Thesen
- Neorealismus
- Geschichte
- Allgemeine Grundsätze und Ziele und Thesen
- Anwendung der Theorie anhand des Beispiels der deutsch-britischen Beziehung vor dem ersten Weltkrieg
- Deutschland
- Ziele und Beweggründe
- Wahrnehmung der Briten
- Grossbritannien
- Ziele und Beweggründe
- Wahrnehmung der Deutschen
- Deutschland
- Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert die deutsch-britischen Beziehungen im Vorfeld des Ersten Weltkriegs (1911-1914) mithilfe des klassischen Realismus und der neorealistischen Theorie. Sie untersucht, ob die Handlungen der deutschen und britischen Regierungen durch die realistische Perspektive erklärbar sind.
- Die Grundannahmen und Ziele des klassischen Realismus und des Neorealismus
- Die Anwendung der Theorien auf die deutsch-britische Beziehung im Kontext des Ersten Weltkriegs
- Die Analyse der Ziele und Beweggründe Deutschlands und Grossbritanniens
- Die Untersuchung der Wahrnehmung der jeweiligen Staaten durch den anderen
- Eine Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt den Fokus der Arbeit auf die Analyse der deutsch-britischen Beziehungen im Vorfeld des Ersten Weltkriegs aus realistischer Perspektive dar.
- Der klassische Realismus: Dieses Kapitel beleuchtet die Geschichte des Realismus, fokussiert auf Morgenthaus Ansatz und seine Grundannahmen, Ziele und Thesen.
- Neorealismus: Das Kapitel beleuchtet die Geschichte und die allgemeinen Grundsätze des Neorealismus im Vergleich zum klassischen Realismus.
- Anwendung der Theorie anhand des Beispiels der deutsch-britischen Beziehung vor dem ersten Weltkrieg: Dieses Kapitel analysiert die deutsch-britischen Beziehungen im Kontext des Ersten Weltkriegs anhand der realistischer Theorien. Es beleuchtet die Ziele und Beweggründe beider Staaten sowie ihre gegenseitige Wahrnehmung.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Analyse der deutsch-britischen Beziehungen im Vorfeld des Ersten Weltkriegs, die klassische Realismus Theorie, die neorealistische Theorie, Machtpolitik, Nationalinteresse, Machtgleichgewicht, Sicherheitsstreben und internationale Anarchie.
Häufig gestellte Fragen zu den deutsch-britischen Beziehungen (1911-1914)
Was ist der zentrale Punkt des klassischen Realismus nach Morgenthau?
Der zentrale Punkt ist, dass das Interesse eines Staates primär im Sinne von Macht verstanden wird und Machtpolitik das Handeln in den internationalen Beziehungen bestimmt.
Wie erklärt der Realismus den Ausbruch des Ersten Weltkriegs?
Er analysiert das Streben nach Machtgleichgewicht, die gegenseitige Wahrnehmung als Bedrohung und die nationalen Sicherheitsinteressen, die Deutschland und Großbritannien in den Konflikt führten.
Was ist der Unterschied zwischen Realismus und Neorealismus?
Während der klassische Realismus Machtstreben oft in der menschlichen Natur begründet, sieht der Neorealismus die Ursache im strukturellen Aufbau des internationalen Systems (Anarchie).
Welche Ziele verfolgte Großbritannien vor 1914?
Großbritannien war vor allem bestrebt, seine maritime Vorherrschaft zu sichern und ein Übergewicht einer einzelnen Macht (insbesondere Deutschlands) auf dem europäischen Kontinent zu verhindern.
Wie nahm Deutschland die britische Politik wahr?
Deutschland fühlte sich durch das britische Bündnissystem zunehmend „eingekreist“ und sah seine eigenen imperialen Ambitionen und seinen Status als Weltmacht bedroht.
- Quote paper
- Mareike Hopf (Author), 2005, Deutsch-Britische Beziehungen am Vorabend des ersten Weltkriegs (1911-1914) aus Sicht des klassischen Realismus sowie der neorealistischen Theorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52822