ROKO I. - König von Hessen - Intention, Manipulation und Rezeption - Roland Koch und sein Image als politischer Spitzenakteur in der mediatisierten Öffentlichkeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

45 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALT

1. EINLEITUNG

2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
2.1 Einführung in das Forschungsgebiet der Theatralisierungsthese
2.2 Zur Imagekonstruktion – Allgemeine Begriffsdefinitionen
2.3 Methodisches Vorgehen

3. Absichten bei der Imagekonstruktion – die senderorientierte Perspektive
3.1 Methodik und Grundlagen
3.2 Retrospektive – Das private und politische Leben des Roland Koch
3.2.1 Persönliche Vitae
3.2.2 Politische Vitae
3.3 „Inszenierst Du schon oder wirst Du inszeniert?“ Wie konstruiert Roland Koch sein Image?
3.3.1 Zur reflexiven Beurteilung von Roland Koch
3.3.2 Die Selbstinszenierung des Roland Koch
3.4 Zwischenfazit

4. „Wer ist Koch und wer ist Kellner?“ Inwieweit Manipulieren Medien bei der imagekonstruktion von roland koch?
4.1 Systematik und Auswertung
4.2 Dialektische Konstruktion von Roland Kochs Image durch die Medien – Jedoch: „Koch bleibt Koch.“
4.2.1 Die Darstellung des Privatmenschen Roland Koch in den Medien
4.2.2 Der „Lügner“ Koch – Skandale und Affären im politischen Leben des CDU-Spitzenkandidaten
4.2.3 Der brillante Politprofi Roland Koch – Positive Zuschreibungen und Charakterisierungen in den Medien
4.3 Zwischenresümee

5. „Roland Koch der König von Hessen“ – Perzeption des öffentlichen bildes beim Wähler
5.1 Methodisches Vorgehen und Datenbasen
5.2 Authentizität vom Schein und Sein - entscheidende Relevanz zu Zeiten ökonomischer Knappheit?
5.3 Zwischenfazit

6. Diskussion

7. LITERATUR

8. Linkverzeichnis

1. EINLEITUNG

Ende der neunziger Jahre befand sich die Insze­nierungs­these auf ihrem Höhepunkt (siehe ausführlich dazu Willems/Jurga, 1998). Eine moderne Ge­sell­schaft die durch die mediale Logik[1] bestimmt und deren Strukturen (Orga­nisations­formen, rechtliche Verfasstheit und ökonomische Aus­richtung) durchzogen ist, neige, so Befürworter der Inszenie­rungsthese, zur Theatralisierung aller sozialer Systeme (vgl. Meyer, 2003, S.12).

Der Wandel hin zu einer Mediengesellschaft und dessen Auswirkungen auf das politische System sind unverkennbar.[2] Eine nivellierende Ausrichtung hin zu einer kurzfristigen Medienresonanz auf Kosten eines sorgfältigen Arbeitens in den Parlamenten ist mit Bedauern systemübergreifend fest­zu­stellen, egal ob in einer parlamentarischen oder präsidentiellen Demo­kra­tie, in einem Zwei- oder Mehrparteiensystem oder in Systemen mit einem Mehrheits- oder Verhältniswahlrecht (vgl. Korte/Hirscher, 2000, S.7).

Vor allem aus legitimatorischen Gründen sind besonders politische Akteure darauf angewiesen, ihre Politik mit der Öffentlichkeit abzustimmen bzw. politische Vorstellungen und deren Umsetzung an die Bevölkerung zu kommunizieren. In einer Mediendemokratie ist es deshalb nicht verwun­derlich, dass Spitzenakteure von Parteien intentionale Telepolitik betrei­ben, um so ihre Wählerschaft zu erreichen (vgl. Jarren, 2001, S.10).

Im Zuge einer Ökonomisierung der Gesellschaft und nachlassender partei­politischer Bindungen setzen politische Spitzenakteure vermehrt auf Tech­niken des politischen Marketings. Die Imagekonstruktion und –pflege par­tei­­politischer Spitzenmänner ist dabei nur eines von vielen Instru­menten, welches im modernen politischen System Einzug gehalten hat (vgl. Pries, 2004, S.153ff).

Im Rahmen des Hauptseminars „Versöhner“, „Macher“, und „Eiserne Ladies“ – Zur Imagekonstruktion politischer Spitzenakteure – im Sommer­semester 2005 unter der Leitung von Martin Florack, wissen­schaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen, sollten nicht nur die Auswirkungen des Wandels von einer parla­men­tarischen hin zu einer Mediendemokratie problematisiert werden, son­dern auch praxisnah erforscht und untersucht werden, wie das poli­tische System versucht, die Medien zu instrumentalisieren und wie die Marke­tingtechnik der Imagekonstruktion in der politischer Praxis An­wen­dung widerfährt.

Die Teilnehmer des Seminars bekamen die Aufgabe, in kleinen Teams po­li­tische Spitzenakteure hinsichtlich ihres Images, dessen Wahrnehmung in der Öffentlichkeit und dessen Konstruktion durch die Medien intensiv zu analysieren. Der vorliegende Forschungsbericht fast die Ergebnisse einer dieser Untersuchungen zusammen. Dabei konzentrierte sich ein Projekt­team von fünf Studenten/innen auf die Image-Generierung von Roland Koch (CDU).

Im anschließenden Abschnitt werden die theoretischen Grundlagen für das Forschungsprojekt dargestellt. So wird zunächst eine wissen­schaftliche Rah­mung und Einführung in das Forschungsgebiet der Theatrali­sierungs­these vorgenommen, die theoretische Herleitung des Begriffs Image­kons­truktion und die Methodik der Forschungsgruppe Roland Koch differenziert erläutert.

2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN

2.1 Einführung in das Forschungsgebiet der Theatra­lisie­rungs­these

In den Kommunikationswissenschaften wird der Wandlungsprozess dynamischer und moderner Gesellschaften anhand des prägenden Merk­mals der Evolution der Medien charakterisiert.[3] Werden Medien als kom­plexe institutionalisierte Systeme, die sich aus überwiegend technisch or­ga­nisierten Kommunikationskanälen mit spezifischen Leistungs­ver­mögen zusammen setzen, definiert und wirken diese in alle Ebenen individuellen und kollektiven Seins hinein, egal ob in kultureller, wirt­schaftlicher und politischer Hinsicht, kann medienvermittelte Kom­muni­kation auch als soziales Totalphänomen bezeichnet werden. (vgl. Saxer, 1998, S.52ff).

Angesichts der fortschreitenden Globalisierung, der technisch induzierten grundsätzlichen Veränderung des Mediensystems und der Dualisierung des Rundfunksystems in vielen europäischen Ländern Mitte der achtziger Jahre erachten es viele Wissenschaftler für sinnvoll, von einer Medien­ge­sell­schaft zu sprechen (vgl. Kaase, 1998, S.24-25). In diesem immer kom­plexer werdenden und ökonomischen Gesetzmäßigkeiten folgenden so­zialen System gewinnt Kommunikation, der Prozess der Zeichen- und Be­deutungsvermittlung, für den Zusammenhalt und die Funktionsfähigkeit einer Gesellschaft eine immer größer werdende Relevanz (vgl. Saxer, 1998, S.52-53).

Politische Öffentlichkeit in einer Mediengesellschaft ist hinsichtlich ihrer Inhalte, Strukturen und Prozesse weitgehend medial beeinflusst. In dem Maße wie sich allgemeine Kommunikations- und Informationspraxen durch die Mediatisierung verändern,[4] wandelt sich auch die politische Kommuni­ka­tion. Die Mediatisierung der politischen Kommu­nikation wird im Rahmen dieser Arbeit holistisch betrachtet. D.h. auf die drei wesentlichen Perspek­ti­ven der Mediatisierungsthese, der wachsenden Ver­schmelzung von Medienwirklichkeit und politischer sowie sozialer Realität, der zuneh­men­den Wahrnehmung von Politik im Wege medienvermittelter Erfahrung und der Ausrichtung politischen Handelns und Auftretens an der Medien­logik, wird hier im Einzelnen nur ansatzweise und nicht detailliert eingegangen (vgl. Jarren, 2001, S.12).

Theatralische Darstellungen und die damit im Zusammenhang stehende Inszenierungsthese des Politischen, verbreitet durch immer modernere und weitreichendere Medientechniken, finden zunehmend in der Öffent­lichkeit Zuspruch.[5] Begründbar ist dies durch die Machtverschiebung vom geschriebenen oder gesprochenen Wort hin zur bildlichen Darstellung. Durch die Visualisierung, hauptsächlich generiert durch das Leitmedium TV und dessen innere Funktionslogik,[6] spielt es keine Rolle mehr, wer was sagt, sondern wie das zu vermittelnde durch Bildhaftigkeit die Sinne des Rezipienten in Regie nimmt (vgl. Meyer u.a., 2000, S.89).

Politik in der Demokratie lebt von der immerwährenden Legitimation ihrer Intentionen, Verhaltensweisen und von ihren Handlungserfolgen. In einer Mediengesellschaft kann und muss dies über medienvermittelte – explizit elektronische – Kommunikation erfolgen. Die durch mediale Logik be­stimmte Gesellschaft zwingt das politische System allerdings dazu, sich in die Abhängigkeit des Mediensystems zu begeben. Um Aufmerk­samkeit zu erlangen und die Bürger zu erreichen, müssen politische Ereignisse oder Akteure theatralisiert bzw. inszeniert werden (vgl. Meyer, 2003, S.12ff).

Von politischen Begebenheiten kann dann als theatralisches Event ge­sprochen werden, „wenn es sich um Darstellungsaktivitäten handelt, die vor allem mit dem tätigen Körper und/oder seinen mediatisierten Bildern operieren“ (Meyer u.a., 2000, S.45). Findet politische Kommunikation als das Vorzeigen „bewegter Körper und der Führung des Blicks in einem öffentlich hervorgehobenen Raum statt, wobei unterschiedliche Sinn­be­reiche, Medien und Zeichensysteme zusammenwirken“, kann von Thea­tralität des Politischen gesprochen werden (Meyer u.a., 2000, S.45).

Der Begriff der Inszenierung meint in diesem Kontext „das Ensemble von Techniken und Praktiken, mit denen etwas absichtsvoll und hochselektiv zur Erscheinung gebracht wird und zugleich den Prozess des Erscheinens selbst. Das erklärt auch das Verhältnis zwischen den beiden Schlüssel­begriffen Inszenierung und Theatralität: Die Inszenierung ist das, was Theatralität zur Erscheinung bringt“ (Meyer u.a., 2000, S.54).

Die Inszenierungsthese besagt im Kern, dass moderne politische Kommu­nikation nur noch den Gesetzmäßigkeiten des medialen Systems folgt und jegliche Art von politischer Kommunikation und politischem Handeln allein symbolischen Wert besitzt, um die Aufmerksamkeit des Bürgers bzw. po­tentiellen Wählers zu gewinnen bzw. seine Meinung über den politischen Akteur, dessen Partei oder Programmatik intentional zu beeinflussen. In ei­ner Mediengesellschaft fehlt dieser Darstellungspolitik jedwede politische Substanz und Entscheidungspolitik wird als irrelevant kategorisiert (vgl. Korte/Hirscher, 2000, S.11).

Aus anthropologischer Sicht lässt sich zur Inszenierungsthese zwar an­mer­ken, dass politische Akteure bereits vor Jahrhunderten versucht ha­ben, ihre Ziele oder Verdienste, ihre Person oder die Gruppe, die sie ver­tra­ten, durch entsprechende Inszenierungspraktiken für eine breite Öf­fent­lichkeit ins rechte Licht zu setzten. Allerdings hat sich durch den Wan­del hin zur bildlichen Kommunikation sowie durch die inflationäre Mittei­lungsflut und der damit zu problematisierenden Aufmerksamkeits­malaise eines Massenpublikums der Konkur­renzdruck in der Politik drastisch ver­schärft. Die Situation und die Möglichkeiten der politischen Kommunika­tion haben sich damit grundlegend verändert (vgl. Meyer, 2003, S.13-14; Müller, 1999, S.41-42).

In einer von Bildern durchzogenen und geleiteten Gesellschaft ist es für politische Akteure essentiell und überlebenswichtig geworden, auf PR- und Marketingtechniken (evtl. unter Zuhilfenahme von Medienberatern) zu­rück­zugreifen, um überhaupt noch Aufmerksamkeit erlangen zu können (vgl. Kahler, 2004, S.184ff). Folgender For­schungsbericht über den poli­tischen Spitzenakteur Roland Koch, Minister­präsident des Landes Hessen und CDU-Abgeordneter im Deutschen Bundestag, thematisiert die Insze­nierungsthese aus einer praktischen Perspektive.

Dabei soll das Bild oder besser Image, welches ein politischer Spitzenak­teur besitzt, aus angesprochenem Anlass – der Inszenierungs­these – nä­her analysiert werden. Welche Möglichkeiten der Inszenierung bieten sich für den Poli­ti­ker oder dessen Image-Broker? Wie können die Medien von diesen Akteuren instru­men­talisiert werden und zugleich manipulieren? Welche Auswir­kungen haben die unterschiedlichen Inten­tionen und Regelsysteme der beteiligten Akteure auf die Öffentlichkeit und deren Meinung (vgl. Priess, 2003, 157ff; Korte, 2004, S.211ff)?[7]

2.2 Zur Imagekonstruktion – Allgemeine Begriffs­defi­nitionen

Im Folgenden soll das Instrument der Inszenierung des Politischen an der Pra­ktik der Imagekonstruktion exemplarisch behandelt werden. Der Be­griff Image leitet sich von dem lateinischen Wort Imago (Bild) ab. Ein Image ist definiert als die Gesamtheit von Vorstellungen, Einstellungen und Gefühlen, die eine Person im Hinblick auf ein Objekt, z.B. eine Person, eine Orga­­nisation, ein Produkt oder eine Idee, besitzt (vgl. Merten, 1999, S.244).

In der Werbe- oder Sozialpsychologie geht dem Image das Konzept der Einstellung voraus, das als Struktur mit drei verbundenen Komponenten verstanden werden kann: einer kognitiven (Aufmerksamkeit), einer konativen (Handlung) und einer affektiven (Sympathie, Wertung). Somit sind Einstellungen innere Bereitschaften (Prädispositionen) eines Indivi­du­ums, auf bestimmte Stimuli der Umwelt konsistent positiv oder negativ zu reagieren. In den Kommunikations- oder Publizistik­wissenschaften wird der Begriff Meinung anstelle von Einstellungen verwendet. Das Image charakterisiert somit die Einstellung oder Meinung einer Person zu einem Objekt und kann deshalb als differenziertes und dabei ganzheitliches Bild eines Einstellungs­gegenstandes begriffen werden (vgl. Mattenklott, 2004, S.625-626, Kindelmann, 1994, S.29 und Meffert, 2000, S.118-119).

Im Lexikon für politische Bildung wird ein Image als Bild bezeichnet, das Werbung und Public Relation mit Hilfe der Massenmedien von einer Person, einer Sache oder einer Personengruppe erzeugen (vgl. Schüler Duden, Politik und Gesellschaft, Bildung, 1992, S.186-187). Insbesondere für unsere Studie, die diese Marketing- und PR-Instrumente bei der Konstruktion eines Politiker-Images untersucht, ist diese Definition sehr passend. Es werden bereits zwei der drei beteiligten Hauptakteure im Prozess der Image-Konstruktion explizit angesprochen. Zum einen spielt bei der Image-Genese der politische Spitzenakteur und dessen Intention eine wesentliche Rolle. Auf der anderen Seite sind die Massenmedien zu nen­nen, die ihrer eigenen Logik folgen. Dabei ist davon auszugehen, dass der politische Akteur versucht, das mediale System und dessen Akteure für seine Zwecke zu instrumentalisieren, damit diese ein möglichst posi­tives und nach seinen Zielen ausgerichtetes Selbstbild transportieren.

Im Gegensatz zum politischen System läuft die Präsentations- und Selektionslogik der Massenmedien in eine andere Richtung. Hier zählt die Einschaltquote und der Nachrichtenwert. Des Weiteren wollen sich die Medien auch nicht vor den „Karren“ der Politiker spannen lassen und versuchen deshalb, möglichst unabhängig vom politischen System zu agieren. Der dritte, wenn nicht sogar der entscheidende Akteur bei der Image-Konstruktion, kann entweder als Wähler oder Konsument bezeich­net werden, je nachdem ob die mediale oder politische Perspektive ge­wählt wird. Folgende Grafik soll den Prozess der Image-Genese besser veranschaulichen und die Beziehungen zwischen den beteiligten Akteuren darstellen (vgl. Sarcinelli, 2003, S.16ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Imagekonstruktion und die reziproken Verhältnisse zwischen den beteiligten Akteuren (eigene Darstellung)

Der politische Spitzenakteur kann entweder durch personale Kom­mu­nikation, z.B. durch Wahlveranstaltungen, sein Image an die Wähler direkt vermitteln (Pfeil 1), auf spezielle Instrumente zur Image-Genese zurück­greifen (Pfeil 2) oder versuchen, die Medien für seine Zwecke zu instru­men­talisieren, z. B. durch Event-Management (Pfeil 3). Poli­tiker können aber auch professionelle Beratung durch Image-Broker in Anspruch neh­men (Pfeil 4). Dabei ist anzumerken, dass diese politischen Akteure zwei­ter Ordnung ebenfalls intentional spezielle Techniken verwenden, um das Image zu konstruieren (Pfeil 2). Um in einer medialen Gesellschaft die Wähler am besten und effektivsten zu erreichen, sind die Medien das wich­tigste Instrument bei der Image-Konstruktion (Pfeil 3).

Bei der Darstellung ist zu berücksichtigen, dass die Medien versuchen, dem politischen System ihre Logik aufzuzwängen.[8] Pfeil 5 soll aufzeigen, dass die Medien die Wähler eher als Konsumenten betrachten und durch Visualisierung politischer Prozesse, hier der Image-Konstruktion, ver­suchen, eine möglichst hohe Einschaltquote zu erreichen. Der insti­tu­ti­o­nelle Kontext umrahmt und strukturiert die politischen und medialen Systeme als auch die in ihnen handelnden Akteure.

2.3 Methodisches Vorgehen

Die Aufgabe des Forschungsteams Roland Koch bestand zunächst darin, sich über das methodische Vorgehen zu verständigen und ein ent­spre­chen­des Konzept zu entwerfen. Aufgrund der zeitlichen Reglemen­tie­rung – die gesamten Teams des Seminars hatten nur acht Wochen Zeit, Ergeb­nisse zu erarbeiten – entschloss sich die Pro­jekt­­­gruppe, exem­pla­risch für das mediale System, die Printmedien aus­zuwählen.

Daraufhin wurde ein entsprechender Untersuchungszeitraum für die Re­cher­­che abgesteckt: Die erste Amtszeit von Roland Koch zwischen 1999 und 2003. Dabei wurde auf das Internet und eine Zeitschriften-Datenbank zu­rück­­ge­grif­fen. Nachdem ein ausreichender Fundus an Zeitungsartikeln vor­lag, mussten die relevanten Dimensionen des Konstruktes Image be­stimmt werden. Diese Dimensionen dienen dazu, anhand von qualitativen In­halts­ana­lysen der Zeitungsartikel festzustellen, wie das Image von Ro­land Koch in den Medien transportiert wird, wie er es selbst inszeniert und wie es bei den Rezipienten ankommt.

Aufgrund des begrenzt zur Verfügung stehenden Zeitkorridors wurde bei der Operationalisierung des Konstruktes Image eine Studie von Kindel­mann (1994) hinzugezogen. Diese Untersuchung wurde aus zwei wesent­lichen Grün­den ausgewählt: Zum einen wegen der thematischen Nähe der Arbeit von Kindelmann zu dem vorliegenden Forschungsprojekt und zum zweiten aufgrund der hohen wissenschaftlichen Reputation dieser Un­tersuchung (vgl. Sarci­nelli, 1998, S.286).

[...]


[1] Bei der medialen Logik handelt es sich um zwei aufeinander abgestimmte Regelsysteme, der Selektions- und Präsentationslogik. „Das erste Regelsystem besteht in der Auswahl berichtens­werter Ereignisse nach Maßgabe ihrer Nachrichtenwerte, das zweite aus einem Kanon von attrak­tionssteigernden Inszenierungsformen für das so ausgewählte Nachrichtenmaterial, um die Maxi­mie­rung eines anhaltenden Publikumsinteresses zu sichern.“ (Meyer, 2003, S.15)

[2] Thomas Meyer stellt die „kopernikanische Wende“ – den Wandel von der Parteien- hin zur Me­diendemokratie – ausführlicher in seinem Werk „Mediokratie. Die Kolonisierung der Politik durch das Mediensystem“ dar (vgl. Meyer, 2001).

[3] So betrachten beispielsweise McLuhan (1964/1995) und – im Anschluss daran Meyrowitz (1987) - die Entwicklung der Gesellschaft als Geschichte ihrer Medien (vgl. Meyer u.a., 2000, S.71).

[4] Das Fernsehen ist bei der Mediatisierung nicht nur als Faktor zu betrachten, sondern hat mittlerweile auch die Funktion des Leitmediums oder Meinungsführers inne. Von Relevanz ist somit, dass die Bildung der öffentlichen Meinung immer stärker an die Medien abgetreten wird und ein Wandel weg von realen hin zu virtuellen Opinion-Leader festzustellen ist (Vgl. Merten, 1999, S.243)

[5] Nach Merten ist eine analytische Differenzierung zwischen Öffentlichkeit und öffentlicher Meinung ratsam. Dabei kann Öffentlichkeit als Situation mit fünf typischen Elementen definiert werden: „1) der Beobachtbarkeit von allem durch alle [...], die 2) Diskurse anstößt zu 3) Themen, die 4) nach Relevanz behandelt werden und 5) dazu Meinungen provozieren.“ (Merten, 1999, S.217-218) Öf­fent­liche Meinung in der Medien­gesellschaft wird systemisch als neuzeitliche Struktur von Kom­mu­nikation verstanden, die nicht mehr auf Authentizität, sondern viel eher auf die Unterstellung von Wahrhaftigkeit aufbaut. Dabei spielt die Akzeptanz einer Meinung, welche nicht authentisch sein muss, eine immer größere Rolle, wobei die Akzeptanz einer Meinung über die Öffentlichkeit be­schafft werden kann (vgl. Merten, 1999, S.217ff). Bei unseren Arbeiten und schriftlichen Ausfüh­rungen wird allerdings nicht zwischen diesen beiden theoretischen Konstrukten unterschieden.

[6] Jarren thematisiert in dem Artikel „Mediengesellschaft – Risiken für politische Kommunikation“ detailliert die inneren Strukturen und Regelsysteme etablierter Medienorganisationen (vgl. Jarren, 2001, S.13ff).

[7] Arnswald geht in seinem Essay „Die Inszenierung der Politik in einer theatralisierten Gesellschaft“ von der Prämisse aus, dass drei Akteure - die politischen Eliten als Protagonisten der Inszenierung, die Medien und das allgemeine Publikum - bei der Inszenierung eines Images von Relevanz sind (vgl. Arnswald, 2003, S.28).

[8] Wer nun genau „Koch oder Kellner“ im Kampf der Gewalten ist, bleibt wohl weiterhin eine unbe­antwor­tete Frage. Ausführlicher betrachtet und betreibt diese Diskussion Hombach, ehemaliger Medienberater von Gerhard Schröder und mittlerweile Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe in Essen (vgl. Hombach, 2003, S.6 ff).

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
ROKO I. - König von Hessen - Intention, Manipulation und Rezeption - Roland Koch und sein Image als politischer Spitzenakteur in der mediatisierten Öffentlichkeit
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Hauptseminar: 'Versöhner', 'Macher' und 'Eiserne Ladies' - Zur Imagekonstruktion politischer Spitzenakteure
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
45
Katalognummer
V52851
ISBN (eBook)
9783638484510
ISBN (Buch)
9783640126774
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ROKO, König, Hessen, Intention, Manipulation, Rezeption, Roland, Koch, Image, Spitzenakteur, Hauptseminar, Ladies“, Imagekonstruktion, Spitzenakteure
Arbeit zitieren
Marc Petrovic (Autor), 2005, ROKO I. - König von Hessen - Intention, Manipulation und Rezeption - Roland Koch und sein Image als politischer Spitzenakteur in der mediatisierten Öffentlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52851

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