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Warum dreht sich Orpheus nach Eurydike um? Vergleich ausgewählter literarischer Bearbeitungen des Orpheus-Mythos

Title: Warum dreht sich Orpheus nach Eurydike um? Vergleich ausgewählter literarischer Bearbeitungen des Orpheus-Mythos

Seminar Paper , 2003 , 23 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Beate Leiter (Author)

Latin philology - Literature
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Schon in der Antike entstanden zahlreiche Varianten der Geschichte des Orpheus, wie aus Konrat Zieglers umfangreichen Artikel Realencyklopädie hervorgeht. In der bildenden Kunst und Literatur Griechenlands tritt Orpheus etwa ab 700 v. Chr. als Mysterienpriester und Begründer der Orphik auf, weiterhin entstehen ungefähr gleichzeitig nicht-sakrale Darstellungen seiner Person, in denen er der erste Dichter, Sänger und Kithara- oder Lyra-Spieler, manchmal auch Erfinder dieses Instruments, der Schrift oder des Hexameters ist, berühmt für die gewaltige magische Wirkung seines Gesanges und seiner Musik. Diese Wirkung faszinierte viele Dichter und Künstler und regte deren Fantasie an, so dass zahlreiche unterschiedliche Werke um den Mythos des Orpheus entstanden, wobei sich die Überlieferungen nur in einem Punkt einig sind: Er stammte aus Thrakien.

Ein wichtiges Ereignis in der mythischen Biographie des Orpheus ist der Abstieg in die Unterwelt: Orpheus, der sich mit dem Tod seiner Frau Eurydike nicht abfinden will, steigt in den Hades hinab, um sie zurück auf die Oberwelt zu holen. Aufgrund der Wirkung seines Gesanges geben die Götter seinem Bitten nach, doch unter einer Bedingung: Er darf sich auf dem Weg in die Oberwelt nicht nach Eurydike umdrehen. Diese heute allgemein bekannte Bedingung ist vor Vergil nicht belegt. Und dennoch dreht sich Orpheus um, obwohl er damit Eurydike verliert. Ziel dieser Hausarbeit ist es, einzelne ausgewählte literarische Bearbeitungen dieses Mythos´ im Hinblick auf die Beantwortung jener zentralen Frage zu untersuchen, die da lautet: Warum dreht sich Orpheus um? Im Vorfeld sei darauf hingewiesen, dass die folgenden Textstellen der antiken lateinischen Quellen in dieser Arbeit nicht erschöpfend stilistisch analysiert wurden, da im Hinblick auf einen Vergleich die modernen deutschen Orpheus- Erzählungen ebenso eingehend untersucht hätten werden müssen, und dies den Rahmen der Hausarbeit gesprengt hätte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. ‚Vorblick‘

2. Antike Orpheus-Erzählungen:

2.1. Vergil – P. Vergilius Maro

2.2. Ovid – Ovidius Naso Publius

2.3. Zusammenfassender Vergleich der antiken Orpheus-Erzählungen

3. Neuzeitliche Orpheus-Darstellungen:

3.1. Rainer Maria Rilke

3.2. Hans Erich Nossack

3.3. Zusammenfassender Vergleich der modernen Orpheus-Darstellungen

3.4. ‚Einblicke‘ in weitere ‚Umblicke‘

4. ‚Rückblick‘

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen literarischen Darstellungen des Orpheus-Mythos mit dem zentralen Fokus auf der Motivation des Protagonisten, sich während des Aufstiegs aus der Unterwelt nach Eurydike umzublicken, um so die verschiedenen Weltbilder und poetologischen Ansätze ausgewählter Autoren gegenüberzustellen.

  • Analyse der antiken Vorlagen von Vergil und Ovid
  • Untersuchung der modernen Adaptionen von Rilke und Nossack
  • Gegenüberstellung von Liebe vs. Poesie als Handlungsantrieb
  • Reflexion über Dichtertum, Fiktion und künstlerische Autonomie
  • Vergleichende Literaturwissenschaft des Orpheus-Mythos

Auszug aus dem Buch

3.1. Rainer Maria Rilke

Voran der schlanke Mann im blauen Mantel, der stumm und ungeduldig vor sich aussah. Ohne zu kauen fraß sein Schritt den Weg in großen Bissen; seine Hände hingen schwer und verschlossen aus dem Fall der Falten und wußten nicht mehr von der leichten Leier, die in die Linke eingewachsen war wie Rosenranken in den Ast des Ölbaums. Und seine Sinne waren entzweit: indes der Blick ihm wie ein Hund vorauslief, umkehrte, kam und immer wieder weit und wartend an der nächsten Wendung stand, – blieb sein Gehör wie ein Geruch zurück.

Manchmal erschien es ihm, als reichte es bis an das Gehen jener beiden andern, die folgen sollten diesem ganzen Aufstieg. Dann wieder wars nur seines Steigens Nachklang und seines Mantels Wind, was hinter ihm war. Er aber sagte sich, sie kämen doch; sagte es laut und hörte sich verhallen. Sie kämen doch, nur wärens zwei, die furchtbar leise gingen. Dürfte er sich einmal wenden (wäre das Zurückschaun nicht die Zersetzung dieses ganzen Werkes, das erst vollbracht wird), müßte er sie sehen, die beiden Leisen, die ihm schweigend nachgehen:

Den Gott des Ganges und der weiten Botschaft, die Reisehaube über hellen Augen, de schlanken Stab hertragend vor dem Leibe and flügelschlagend an den Fußgelenken; und seiner linken Hand gegeben: sie. Die So-geliebte, daß aus einer Leier mehr Klage kam als je aus Klagefrauen; daß eine Welt aus Klage ward, in der alles noch einmal da war: Wald und Tal und Weg und Ortschaft, Feld und Fluß und Tier; und daß um diese Klage-Welt, ganz so wie um die andre Erde, eine Sonne und ein gestirnter stiller Himmel ging, ein Klage-Himmel mit entstellten Sternen –: Diese So-geliebte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. ‚Vorblick‘: Einführung in den Mythos und Definition der zentralen Fragestellung der Arbeit bezüglich der Motivation des Orpheus.

2. Antike Orpheus-Erzählungen: Analyse der antiken Fassungen bei Vergil und Ovid, wobei der Fokus auf den Unterschieden zwischen Pathos und Ethos liegt.

2.1. Vergil – P. Vergilius Maro: Untersuchung von Vergils Darstellung der Orpheus-Geschichte als Ausdruck einer negativ bewerteten, rasenden Leidenschaft.

2.2. Ovid – Ovidius Naso Publius: Untersuchung von Ovids Erzählweise, die Orpheus' Blick als Ausdruck von Sorge und Liebe interpretiert.

2.3. Zusammenfassender Vergleich der antiken Orpheus-Erzählungen: Synthese der Erkenntnisse zu den antiken Vorlagen und deren abweichende Weltbilder.

3. Neuzeitliche Orpheus-Darstellungen: Analyse der modernen Transformationen des Mythos in der Literatur des 20. Jahrhunderts.

3.1. Rainer Maria Rilke: Interpretation von Rilkes Gedicht, in dem die Poesie und die künstlerische Existenz als treibende Kräfte des Handelns identifiziert werden.

3.2. Hans Erich Nossack: Untersuchung von Nossacks Prosatext, der den Blick zurück als Folge der dichterischen Eitelkeit und des Triumphes deutet.

3.3. Zusammenfassender Vergleich der modernen Orpheus-Darstellungen: Gegenüberstellung der modernen Ansätze, die den Mythos als Mittel zur poetologischen Selbstdarstellung nutzen.

3.4. ‚Einblicke‘ in weitere ‚Umblicke‘: Kurzer Ausblick auf weitere literarische Bearbeitungen des Themas, etwa durch Ywan Goll oder Arno Schmidt.

4. ‚Rückblick‘: Resümee der Arbeit, das die zentralen Ergebnisse der vergleichenden Untersuchung zusammenfasst und bewertet.

Schlüsselwörter

Orpheus, Eurydike, Mythos, Literaturwissenschaft, Vergil, Ovid, Rainer Maria Rilke, Hans Erich Nossack, Motivation, Blick zurück, Unterwelt, Poesie, Dichtung, Ethik, Poetologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die literarische Darstellung des Orpheus-Mythos und den Grund für dessen Scheitern beim Aufstieg aus der Unterwelt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Motivation für den Blick zurück bei verschiedenen Autoren sowie die Einordnung dieses Handelns in den Kontext von Liebe, Poesie und Dichterrolle.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, warum sich Orpheus nach Eurydike umdreht, und wie dieser Moment je nach Epoche und Weltbild unterschiedlich gedeutet wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die primäre Textstellen der Antike und Moderne interpretiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der antiken Fassungen (Vergil, Ovid) und der modernen Bearbeitungen (Rilke, Nossack).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Orpheus, Mythos, Motivation, Poesie, Antike Rezeption und Literaturvergleich.

Warum unterscheidet sich Nossacks Sichtweise so stark von den anderen?

Nossack fokussiert auf die dichterische Eitelkeit und den Triumph über das Totenreich, statt das Handeln primär aus der romantischen Liebe zur Gattin zu erklären.

Welche Bedeutung hat das Hermes-Motiv bei Rilke?

Im Gegensatz zur Tradition führt Hermes bei Rilke Eurydike an, was die räumliche und innere Distanz zwischen den beiden Liebenden betont.

Inwiefern ist der "Blick zurück" laut der Arbeit für moderne Dichter notwendig?

Bei modernen Autoren wie Rilke dient der Verlust der Geliebten der Autonomie des Dichters und der Entstehung einer zweckfreien Kunst.

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Details

Title
Warum dreht sich Orpheus nach Eurydike um? Vergleich ausgewählter literarischer Bearbeitungen des Orpheus-Mythos
College
http://www.uni-jena.de/  (Altertumswissenschaften/ Latinistik)
Course
Proseminar
Grade
1,7
Author
Beate Leiter (Author)
Publication Year
2003
Pages
23
Catalog Number
V52900
ISBN (eBook)
9783638484831
ISBN (Book)
9783638688147
Language
German
Tags
Warum Orpheus Eurydike Vergleich Bearbeitungen Orpheus-Mythos Proseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Beate Leiter (Author), 2003, Warum dreht sich Orpheus nach Eurydike um? Vergleich ausgewählter literarischer Bearbeitungen des Orpheus-Mythos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52900
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