Der Dramatiker Heiner Müller und der Bühnenbildner, Regisseur, Schauspieler und Schriftsteller Einar Schleef stellen Lichtgestalten der neueren deutschen - wohlgemerkt - gesamtdeutschen Theaterszene dar. Müller und Schleef, denen die Nachkriegs-DDR ihre Prägung mit auf den Weg gab, einte unter anderem, dass sie in beiden deutschen Staaten verehrt wie abgelehnt aufführten.
Diese Hausarbeit möchte in einem biographischen Teil den Versuch anstellen, die Wirkungskreise, die auch ihre Überschneidungen fanden, aufzuzeigen. Thema hierbei sind ihre Auffassung der Geschichte, ihr an Berthold Brecht angelehntes Theatermodell sowie theaterästhetische Ausführungen. Das Hauptaugenmerk soll aber auf dem im Juli 2001 verstorbenen Einar Schleef liegen, der wie Müller postum zu einem hell leuchtenden Stern am deutschen Theaterhimmel erhoben wurde.
Im Anschluss an diesen Teil wirft die Arbeit einen Blick auf das literarisch-essayistische Werk Droge Faust Parsifal (1997). Einar Schleef äußert in diesem Werk von 500 Seiten seine theaterästhetischen Überlegungen und liefert eine theoretische Grundlage seiner Theaterarbeit und Obsession. Die praktische, inszenatorische Arbeit Schleefs wird in diesem Teil der Arbeit an der 1998 am Wiener Burgtheater uraufgeführten Inszenierung von Elfriede Jelineks Ein Sportstück hinsichtlich seines Chor-Gedankens illustriert. Die Sportstück-Inszenierung stellt einen Höhepunkt in der Theaterarbeit Schleefs dar, da sie unter der Prämisse der öffentlichen Wahrnehmung betrachtet, sein größter Erfolg war. Sie wurde von der Zeitschrift Theater heute zur Aufführung des Jahres 1998 gewählt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. müller schleef
III. Droge Faust Parsifal und ein Ausblick auf Ein Sportstück
IV. Literatur
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die ästhetischen und inhaltlichen Schnittpunkte im Schaffen von Heiner Müller und Einar Schleef, wobei ein besonderer Fokus auf die Bedeutung des Chors und dessen Rolle in der Theaterkonzeption von Schleef gelegt wird. Ziel ist es, durch die Analyse der theoretischen Grundlagen in Schleefs Werk „Droge Faust Parsifal“ sowie der praktischen Umsetzung in der Inszenierung von „Ein Sportstück“ aufzuzeigen, wie das postdramatische Theater neue Formen der Identitätsdarstellung und gesellschaftlichen Reflexion findet.
- Biographische und künstlerische Parallelen zwischen Heiner Müller und Einar Schleef
- Die Funktion des Chors im antiken und modernen Theater
- Theaterästhetik der Präsenz und die Bedeutung des phonetischen Sprechens
- Analytische Betrachtung des Werks „Droge Faust Parsifal“
- Die Inszenierung von Elfriede Jelineks „Ein Sportstück“ als Fallbeispiel
Auszug aus dem Buch
III. Droge Faust Parsifal und ein Ausblick auf Ein Sportstück
Droge Faust Parsifal, das zentrale literarisch-essayistische Werk Schleefs, erschien 1997 bei Suhrkamp und wurde 1998 mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet. Auf dem Bucheinband prangen in mythischem Schein die Worte: 1. SCHLEEF, 2. DROGE, 3. FAUST, 4. PARSIFAL und 5., durch eine Linie abgetrennt, SUHRKAMP. Die Worte zeigen das Programm seiner Studie, jedoch in einer Art und Weise, in der kein gleicher Buchstabe dem anderen entspricht. Sie wirken wie in Stein gemeißelte archaische Zeichen und scheinen damit einer Urform und dem Authentischen auf der Spur zu sein oder gar in sich zu tragen.
Schleefs Art, die Spielbetriebe mit seinen Inszenierungen zu erschüttern, das Äußerste, sowohl von den Schauspielern als auch von den Zuschauern zu verlangen, stieß bei beiden Gruppen häufig nicht auf Verständnisbereitschaft. Schleef liefert schließlich durch diesen Großessay eine theoretische Grundlegung seiner Theaterarbeit ab. Droge, Faust und Parsifal stellen die Schlüsselworte für seine Interpretation des Theaters und des Dramas seit der Antike dar. Jedoch bleibt auch dieser Theaterkanon nicht ohne Kritik.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Dieses Kapitel skizziert die künstlerische Bedeutung von Heiner Müller und Einar Schleef als prägende Figuren der deutschen Theaterszene und legt die thematischen Schwerpunkte der Arbeit fest.
II. müller schleef: Hier werden die biografischen Gemeinsamkeiten, der Einfluss der deutschen Geschichte auf ihr Schaffen sowie ihre unterschiedlichen Ansätze zur theatralen Kommunikation und Sprachentwicklung dargelegt.
III. Droge Faust Parsifal und ein Ausblick auf Ein Sportstück: Dieses Kapitel analysiert Schleefs theoretische Abhandlung zur Funktion des Chors und illustriert diese anhand seiner Inszenierung von Elfriede Jelineks „Ein Sportstück“.
IV. Literatur: In diesem Kapitel werden alle verwendeten Quellen, Fachliteratur und weiterführenden Internetressourcen aufgelistet.
Schlüsselwörter
Heiner Müller, Einar Schleef, Theater, Chor, Droge, Faust, Parsifal, Ein Sportstück, Elfriede Jelinek, Postdramatisches Theater, Sprachästhetik, Geschichtsauffassung, Identität, Inszenierung, Masse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die künstlerischen Verbindungen und theatertheoretischen Ansätze von Heiner Müller und Einar Schleef unter besonderer Berücksichtigung ihrer Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und der Form des Chores.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Theatermodelle von Müller und Schleef, die Transformation antiker Chor-Strukturen, das postdramatische Theater sowie die ästhetische Umsetzung von Sprache und Körper auf der Bühne.
Welches ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Es soll analysiert werden, wie Schleef das antike Theatermodell des Chores theoretisch fundiert und in der Praxis – insbesondere bei „Ein Sportstück“ – zur Darstellung neuer Identitäts- und Kommunikationsformen nutzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theaterwissenschaftliche Analyse, die sowohl biografische Aspekte als auch eine vertiefende Untersuchung von Primärtexten (Einar Schleefs „Droge Faust Parsifal“) und die Rezeption spezifischer Inszenierungen umfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine vergleichende Betrachtung von Müller und Schleef hinsichtlich ihrer Geschichtsauffassung und Sprachbehandlung sowie eine detaillierte Analyse der chorischen Elemente in „Ein Sportstück“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Chor, Postdramatik, Einar Schleef, Heiner Müller, Droge und Inszenierung geprägt.
Warum ist das Werk „Droge Faust Parsifal“ für die Argumentation wichtig?
Es dient als theoretisches Fundament, da Schleef darin seine Interpretation von Theater und Drama von der Antike bis zur Moderne herleitet und die Verbindung von ritualisierter „Drogeneinnahme“ und gemeinschaftlicher Chor-Bildung begründet.
Welche Rolle spielt die Inszenierung von „Ein Sportstück“ im Kontext der Arbeit?
Sie fungiert als exemplarisches Fallbeispiel für die praktische Anwendung der chorischen Ästhetik von Schleef, in der individuelle Figuren durch eine namenlose, massenhafte Sprachfläche ersetzt werden.
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- Benjamin Pauwels (Author), 2003, Einar Schleef und Heiner Müller. Biographien und Wirkungskreise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52937