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Ostrakismos - Das Scherbengericht im klassischen Athen

Title: Ostrakismos - Das Scherbengericht im klassischen Athen

Seminar Paper , 2005 , 17 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Christian Richter (Author)

World History - Early and Ancient History
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Die Demokratie Athens bildete sich im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. langsam heraus. Die Reformen Solons im Jahre 594 v. Chr. und die Reformen Kleisthenes im Jahre 508/507 v. Chr. waren die Wegbereiter einer Entwicklung, die unter Perikles ihren Höhepunkt erreichte. Solon griff die Vorherrschaft einiger adliger Familien an, indem er die Bauern von ihren Schulden und aus der Schuldknechtschaft befreite. Dadurch behob er viele soziale Missstände in Athen und schuf die Grundlagen für eine politische Neuordnung. Solons Reformen waren die Vorrausetzung für das Durchbrechen des alten aristokratischen Prinzips, welches eine gesellschaftliche Stellung von Herkunft und Abstammung abhängig machte. Kleisthenes legte mit seinen Reformen im Jahre 508/507 v. Chr. die Basis für eine Demokratie. Er zerbrach adlige Machtstrukturen, löste durch die territoriale Neueinteilung Athens die alten Stammesverbände auf und schuf eine Bürgerschaft, die nicht mehr von ihrer sozialen Herkunft abhängig war. Kleisthenes führte Institutionen, wie zum Beispiel die Volksversammlung (Ekklesia), und besondere Verfahren ein. Ein besonderes Verfahren war der Ostrakismos, das Scherbengericht.1 In dieser Arbeit wird die Entwicklung des Ostrakismos in Athen behandelt, obwohl eine Entwicklung des Scherbengerichts in ähnlicher Form auch in anderen Demokratien stattgefunden hat. Aristoteles bemerkt: „Es hat daher gegen anerkannte Überlegenheiten die Idee des Scherbengerichtes eine gewisse staatliche Berechtigung.“2 Diese Hausarbeit möchte einen Überblick über das Verfahren des Ostrakismos geben und sich mit der Frage befassen, ob das Ostrakismosverfahren nur zum Zweck der Tyrannisabwehr eingesetzt oder für andere Zwecke missbraucht wurde.

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

2. Der Ostrakismos

2.1 Die Formen des Ostrakismos

2.2 Der Ablauf des Verfahrens

2.3 Tonscherben als Stimmzettel

2.4 Verbannung aus Athen

3. Das erste Scherbengericht des Volkes

4. Die Ostrakisierung des Hyperbolos

5. Zusammenfassung

6. Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Anwendung des Ostrakismos im klassischen Athen. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, ob das Scherbengericht tatsächlich primär der Tyrannisabwehr diente oder ob es vermehrt als politisches Instrument zur Beseitigung von Kontrahenten missbraucht wurde.

  • Historische Einordnung des Ostrakismos innerhalb der attischen Demokratie
  • Analyse des Verfahrensablaufs und der Rolle der Tonscherben (Ostraka)
  • Untersuchung des Wandels vom Schutzinstrument zum machtpolitischen Werkzeug
  • Fallbeispiele prominenter Ostrakisierungen (u.a. Megakles, Hyperbolos, Aristeides)
  • Bewertung des Missbrauchs des Scherbengerichts in der späteren Phase

Auszug aus dem Buch

2.3 Tonscherben als Stimmzettel

Bis heute wurden etwa 11000 Ostraka in und um Athen gefunden, vor allem auf der Akropolis, im Kerameikos und auf der Agora. Die Tonscherben stammen von Gefäßen jeglicher Art ab und sind in den verschiedensten Größen gefunden worden. Die gefundenen Tonscherben geben Auskunft über die Person und über die geführten Verfahren, da meist mehr als der Name eingeritzt wurde. Häufig fand man darauf den Vatersnamen oder die Demenzugehörigkeit, aber in seltenen Fällen auch Beleidigungen oder vorgeworfene Verbrechen.

Auch Personen, die des Schreibens nicht mächtig waren, konnten ihre Stimmen abgeben, da wahrscheinlich Schreiber bereitstanden, um zu helfen. Es ist aber auch wahrscheinlich, dass Politiker und ihre Anhänger Ostraka vorbereiteten und diese später kurz vor der Wahl an die Wähler verteilten. Eine Anekdote bei Plutarch weiß zu berichten, wie Aristeides half, seinen eigenen Namen für einen Analphabeten auf eine Scherbe zu schreiben. Aristeides wurde also gefragt, ob er nicht helfen könnte, den Namen Aristeides auf eine Scherbe zu schreiben. Überrascht fragte Aristeides was er möglicherweise dem Mann getan haben könnte. Der Mann antwortete: „Nichts. Ich kenne diesen Mann nicht einmal. Aber ich kann es nicht mehr hören, dass ihn jeder den Gerechten nennt.“ Als Aristeides das hörte, schrieb er ohne ein Wort zu sagen seinen Namen auf eine Tonscherbe und gab sie zurück.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der demokratischen Entwicklung Athens unter Solon und Kleisthenes sowie Einführung in die zentrale Fragestellung zur Funktion des Ostrakismos.

2. Der Ostrakismos: Definition und Erläuterung des Begriffs sowie Untersuchung der verschiedenen Formen und des formalen Ablaufs des Scherbengerichts.

3. Das erste Scherbengericht des Volkes: Analyse der ersten Anwendungen des Ostrakismos unter dem Eindruck der Bedrohung durch die Perser und die Peisistratiden.

4. Die Ostrakisierung des Hyperbolos: Betrachtung des letzten bedeutenden Ostrakismos-Verfahrens, das beispielhaft für den Missbrauch des Instruments zu rein machtpolitischen Zwecken steht.

5. Zusammenfassung: Rekapitulation der wesentlichen Erkenntnisse über den Zweckwandel und die Institutionalisierung des Scherbengerichts.

6. Schlussbemerkungen: Abschließende Reflexion darüber, wie der ursprüngliche Schutzgedanke durch politisches Kalkül und persönliche Rivalitäten verdrängt wurde.

Schlüsselwörter

Ostrakismos, Scherbengericht, Athen, Kleisthenes, Demokratie, Tyrannis, Ostraka, Volksversammlung, Verbannung, Machtpolitik, Politische Gegner, Klassisches Athen, Ekklesia, Parteimittel, Geschichte der Antike

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Ostrakismos, einem besonderen politischen Verfahren im klassischen Athen, bei dem Bürger durch eine Abstimmung mit Tonscherben für zehn Jahre verbannt werden konnten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die Einführung und Entwicklung des Verfahrens, die rechtlichen Rahmenbedingungen, den Ablauf der Abstimmung sowie den historischen Wandel in der Anwendung des Scherbengerichts.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, ob das Ostrakismosverfahren primär als Instrument zur Abwehr von Tyrannis-Gefahren diente oder ob es zunehmend zweckentfremdet wurde, um politische Gegner auszuschalten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung antiker Quellen (u.a. Aristoteles, Plutarch, Thukydides) und moderner Forschungsliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die formale Erläuterung des Ostrakismos, die historische Entwicklung der Verfahren und die detaillierte Analyse konkreter Fälle, wie etwa bei Megakles oder Hyperbolos.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Ostrakismos, Scherbengericht, attische Demokratie, Machtpolitik und der gezielte Missbrauch politischer Institutionen.

Wie sicherte man die Anonymität der Abstimmung?

Die Bürger legten ihre beschrifteten Tonscherben mit der Schrift nach unten in ein speziell abgegrenztes Gelände auf der Agora, um die Wahl geheim zu halten.

Warum wird das Verfahren des Hyperbolos als besonders markant hervorgehoben?

Das Verfahren gegen Hyperbolos wird als letztes erfolgreiches Scherbengericht gesehen, da es die Fehlentwicklung deutlich macht, bei der Politiker das Mittel gegeneinander nutzten, was letztlich zur Abschaffung der Praxis führte.

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Details

Title
Ostrakismos - Das Scherbengericht im klassischen Athen
College
Dresden Technical University  (Philosophische Fakultät)
Course
Proseminar: Thukydides
Grade
2,0
Author
Christian Richter (Author)
Publication Year
2005
Pages
17
Catalog Number
V52960
ISBN (eBook)
9783638485326
ISBN (Book)
9783638751698
Language
German
Tags
Ostrakismos Scherbengericht Athen Demokratie Antike
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Richter (Author), 2005, Ostrakismos - Das Scherbengericht im klassischen Athen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52960
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