Gesellschaften sind in ihrer Entwicklung ständigen Schwankungen und Umstrukturierungen unterworfen.
In einer Zeit, die durch raschen technologischen und gesellschaftlichen Wandel geprägt ist, bleiben auch die Formen familiären Zusammenlebens von Veränderungen nicht unberührt. Vor allem in den westlichen Industrienationen ist ein Veränderungsprozess zu verzeichnen, der sich mehr oder minder unmerklich eingestellt hat und an einer Reihe von Indikatoren manifestiert werden kann.
In der Diskussion um diesen Veränderungsprozess sprechen eine Reihe von Wissenschaftlern von Auflösungstendenzen oder vom Funktionsverlust der Familie und sehen darin eine wesentliche Ursache für steigende Kriminalität, Drogenmissbrauch und psychische Erkrankungen.
Andere begreifen die Veränderungserscheinungen der Familie als einen notwendigen Anpassungsprozess an die gewandelten Lebensumstände der Moderne, der die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen auf eine neue Basis stellt und es somit der nachwachsenden Generation erleichtert, die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen.
Die vorgelegte Hausarbeit befasst sich mit den Familienformen im Wandel der Zeit und geht besonders auf die Veränderungen der Bedeutung der Familie und ihrer Funktion in Deutschland in der Zeit vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart ein.
Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung und der Funktion der „Kleinfamilie“ im 19. Jahrhundert an den Beispielen der bürgerlichen Familie, der Arbeiterfamilie und der ländlichen Familie.
Im zweiten Teil erfolgt ein Überblick der Bedeutung und der Funktion der Familie und Familienpolitik in der Zeit des Nationalsozialismus, der besonders die kinderreichen Familien sowie die Autorität und die Familie als ein politisches Instrument fokussiert.
Der dritte Teil der Hausarbeit setzt sich mit der Bedeutung und der Funktion der Familie in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik auseinander.
Dabei wird auf die wichtigsten Familienformen – die kinderlose Ehe, die Einelternfamilie sowie die nichteheliche Lebensgemeinschaft – neben der Kernfamilie im Vergleich zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik eingegangen.
Der vierte Teil beschäftigt sich mit der Bedeutung und der Funktion der postmodernen Familie. Hierbei erfolgt eine Konzentration auf die Prozesse der Individualisierung und der Pluralisierung der Familienformen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bedeutung und Funktion der „Kleinfamilie“ im 19. Jahrhundert
2.1 Die Bedeutung und Funktion der bürgerlichen Familie
2.2 Die Bedeutung und Funktion der Arbeiterfamilie
2.3 Die Bedeutung und Funktion der ländlichen Familie
3. Die Bedeutung und Funktion der Familie in der Zeit des Nationalsozialismus
3.1 Die Bedeutung und Funktion der kinderreichen Familie
3.2 Die Autorität und Familie als politisches Instrument
4. Die Bedeutung und Funktion der Familie in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik
4.1 Die kinderlose Ehe in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik
4.2 Die Einelternfamilie in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik
4.3 Die nichteheliche Lebensgemeinschaft in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik
5. Die Bedeutung und Funktion der postmodernen Familie
5.1 Die Pluralisierung der Familienformen
5.2 Die Individualisierung der Familienformen
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Wandel von Familienformen in Deutschland vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ziel ist es, die Veränderungen in der gesellschaftlichen Bedeutung und den Funktionen der Familie zu analysieren und den Übergang von traditionellen Modellen hin zur Pluralisierung und Individualisierung in der postmodernen Gesellschaft nachzuvollziehen.
- Historische Entwicklung der Kleinfamilie im 19. Jahrhundert
- Familienideologie und staatliche Steuerung im Nationalsozialismus
- Vergleich der Familienmodelle in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR
- Prozesse der Individualisierung und Pluralisierung moderner Lebensformen
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Bedeutung und Funktion der bürgerlichen Familie
In den Städten entwickelte sich im 19. Jahrhundert ein Typ der bürgerlichen Familie, der historisch Karriere machen sollte.
Er unterschied sich in einem zentralen, sozial folgenreichen Strukturmerkmal von den Bauern- und Handwerksfamilien: die Wohn- und Arbeitsstätten waren separat. Die Produktion fand nicht in der Familie, sondern außerhalb statt. Der Ursprung dieser Familienform hat mit der Industrialisierung zunächst nichts zu tun. Das Prinzip der „strengen Trennung von Dienstlichem und Privaten“, von Arbeit und Familie hatte sich bereits in der vorindustriellen Zeit im Dienstleistungsbereich entwickelt und prägte den Dienst und das Familienleben der Beamten. In gut situierten Schichten, wo Frauen und Kinder von der Erwerbsarbeit freigestellt waren und wo man sich „gut bürgerliche“ Wohnverhältnisse leistete, konnte in Ansätzen ein privates, nach außen abgeschottetes und emotional gefärbtes Familienleben entstehen.
Die Produktionsfunktion der Familie schwand, während die Erholungs- und Entlastungsfunktion an Bedeutung gewann.
Die häusliche Geborgenheit diente als Zufluchtsstätte nach den Mühen des Arbeitstages. Die Familie war nicht länger eine Produktionsgemeinschaft, sondern eine Gemeinschaft für Konsum, Freizeit und Entspannung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Wandel familiärer Lebensformen als Reaktion auf gesellschaftliche Umstrukturierungen und umreißt den inhaltlichen Aufbau der Untersuchung.
2. Die Bedeutung und Funktion der „Kleinfamilie“ im 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel analysiert die Ausdifferenzierung bürgerlicher, arbeiterlicher und ländlicher Familienstrukturen unter dem Einfluss von Industrialisierung und veränderten Produktionsverhältnissen.
3. Die Bedeutung und Funktion der Familie in der Zeit des Nationalsozialismus: Hier wird untersucht, wie das NS-Regime die Familie ideologisch instrumentalisierte, durch pronatalistische Anreize steuerte und welche Rolle Autoritätsstrukturen dabei einnahmen.
4. Die Bedeutung und Funktion der Familie in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik: Es folgt ein Vergleich der Familienpolitiken und -formen in den beiden deutschen Staaten, unter besonderer Berücksichtigung kinderloser Ehen, Einelternfamilien und nichtehelicher Lebensgemeinschaften.
5. Die Bedeutung und Funktion der postmodernen Familie: Der Fokus liegt auf der fortschreitenden Individualisierung und Pluralisierung, welche die traditionelle Normalfamilie in den Hintergrund drängen und zu neuen, flexibleren Lebensformen führen.
6. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel reflektiert die zentralen Ergebnisse der Arbeit zum Struktur- und Funktionswandel der Familie.
Schlüsselwörter
Familienformen, Kleinfamilie, Strukturwandel, Industrialisierung, Nationalsozialismus, Bundesrepublik Deutschland, Deutsche Demokratische Republik, Kinderlose Ehe, Einelternfamilie, Nichteheliche Lebensgemeinschaft, Pluralisierung, Individualisierung, Postmoderne, Sozialisationsfunktion, Familienpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht den soziologischen Wandel von Familienstrukturen und deren Funktionen in Deutschland, ausgehend vom 19. Jahrhundert bis in die heutige postmoderne Gesellschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der bürgerlichen und proletarischen Kleinfamilie, der Familienpolitik im NS-Staat, dem Vergleich von DDR und BRD sowie den modernen Prozessen der Pluralisierung.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Untersuchung fragt nach den Ursachen und Ausprägungen des Wandels der Familienbedeutung und -funktion unter dem Einfluss sozio-ökonomischer Modernisierungsprozesse.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine sozialhistorische Literaturanalyse, die soziologische Theorien zur Familienentwicklung mit historischen Daten verknüpft.
Was deckt der Hauptteil der Hausarbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse des 19. Jahrhunderts, eine Untersuchung der NS-Zeit, einen Staatenvergleich der deutschen Nachkriegsgeschichte sowie eine soziologische Betrachtung der Postmoderne.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Familiensoziologie, Wandel der Lebensformen, Individualisierung, Strukturwandel und Pluralisierung beschreiben.
Inwieweit unterschied sich die Einelternfamilie in der DDR von der in der Bundesrepublik?
In der DDR waren Alleinerziehende meist voll berufstätig und wurden weniger sozial diskriminiert, da sie staatliche familienpolitische Unterstützung erfuhren, während sie in der BRD stärker als abweichende Form stigmatisiert wurden.
Warum wird die postmoderne Familie als autopoietisches System bezeichnet?
In Anlehnung an Kaufmann wird die Familie als ein System gesehen, das seine eigene Realität durch die Koevolution zweier Individuen und die bewusste Entscheidung für eine gemeinsame Lebensform stets neu behaupten muss.
Welche Rolle spielt die Industrialisierung für den Wandel zur Kleinfamilie?
Die Industrialisierung führte durch die Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz zum Funktionsverlust der Familie als Produktionsstätte und förderte die Entwicklung der Kleinfamilie als Ort für Erholung und Privatheit.
- Quote paper
- Katrin Groß (Author), 2005, Die Bedeutung der Familie und ihrer Funktion in der Zeit vom 19. Jh bis zur Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52965