Hans Christian Andersen schuf mit dem Märchen „Die Schneekönigin“ ein Werk, dass die Bedrohung des Kalten und Unerforschten bereits im Titel trägt. Beim genaueren Untersuchen des Kunstmärchens, erkennt man jedoch schon bald, dass die eigentliche Bedrohung nicht der Schnee oder das Eis, sondern der Mensch selbst darstellt.
Ich möchte mich in dieser Hausarbeit auf die Spurensuche nach dem eigentlichen Bösen begeben und aufzeigen, dass die personifizierte Herzenskälte in Form der Schneekönigin oder auch die Herzenskälte der Menschen an sich, die Grundlage dieses Märchens sind.
Die Untersuchung möglicher Parallelen zwischen dem mysteriösen Spiegel und dem Schnee sowie der Schneekönigin selbst, wird diese Hypothese unterstützen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Scherbenuntersuchung
3. Flockenuntersuchung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Hans Christian Andersens Kunstmärchen „Die Schneekönigin“ hinsichtlich der Repräsentation des Bösen und der Metaphorik der Herzenskälte. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, inwieweit nicht die Kälte der Natur, sondern die menschliche Natur selbst das eigentliche Bedrohungspotenzial in diesem Werk darstellt.
- Analyse der Symbolik des mysteriösen Spiegels und dessen Fragmentierung
- Untersuchung der Parallelen zwischen Schnee, Eis und menschlicher Herzenskälte
- Deutung der Metamorphose der Schneeflocken und deren organische Konnotation
- Erarbeitung der Rolle der Schneekönigin als Personifizierung des Bösen
- Reflektion der im Märchen implizierten moralischen und religiösen Heilsversprechen
Auszug aus dem Buch
Scherbenuntersuchung
Das Märchen Die Schneekönigin umfasst insgesamt sieben Kapitel. Das erste Kapitel handelt von einem Spiegel der von Teufelshand geschaffen wurde. Er besitzt die Eigenschaft alles Gute und Schöne verblassen und alles Schlechte prägnanter hervortreten zu lassen, als es eigentlich ist. „Die schönsten Landschaften sahen in dem Spiegel aus wie gekochter Spinat, und die besten Menschen wurden ekelhaft und standen auf dem Kopfe ohne Bauch. Die Gesichter wurden so verzerrt, dass sie nicht zu erkennen waren [...].“1
Den Teufel amüsierte das so sehr, dass er den Spiegel den Kobolden zutrug und diese bald darauf den Entschluss fassten, mit dem Spiegel in den Himmel zu fliegen, um Gottes wahres Gesicht sehen zu können. Den Grundstein für dieses Vorhaben, legte eine besondere Eigenschaft des Spiegels. „Ging [nämlich] ein guter, frommer Gedanke durch einen Menschen, dann gab der Spiegel ein Grinsen wieder [...].“2 Je höher die Kobolde mit dem Spiegel flogen, und je näher sie den guten und从 frommen Engeln sowie Gott kamen, umso stärker erbebte dieser unter einem schrecklichen Grinsen.
Da Gott unter den gläubigen Menschen als besonders gut und fromm gilt, zerbrach der Spiegel in „hundert Millionen, Billionen und noch mehr Stücke“3. Diese reflektierenden Teilchen rieselten wie kleine Eiskristalle auf die Erde herab.
Dieser Umstand verlieh dem einstigen Spiegel mehr Macht als zuvor. Wer die kleinen Stücke ins Auge bekam, hatte nur Augen für die negativen Aspekte einer Sache oder eines Menschen. „Einige Menschen bekamen sogar eine kleine Spiegelscheibe ins Herz, und dann war es ganz grässlich, das Herz ward gleichsam zu einem Klumpen Eis.“4
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Der Autor führt in die Hypothese ein, dass nicht die Kälte des Eises, sondern die menschliche Herzenskälte das eigentliche zentrale Thema des Märchens bildet.
2. Scherbenuntersuchung: Dieses Kapitel analysiert die Symbolik der gesprungenen Spiegelscherben und deren transformierende Wirkung auf die Wahrnehmung und das Herz der betroffenen Menschen.
3. Flockenuntersuchung: Hier wird untersucht, wie der Schnee im Märchen eine organische Qualität annimmt und als Metapher für eine existenzielle Bedrohung fungiert.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das Kunstmärchen zur Besinnung an das Menschsein aufruft und die Erlösung von Kälte und Bösem allein durch Glauben darstellt.
Schlüsselwörter
Die Schneekönigin, Hans Christian Andersen, Herzenskälte, Kunstmärchen, Spiegelsymbolik, Metamorphose, Organik, Erlösung, Menschenbild, Literaturwissenschaft, böses Prinzip, Eiskristalle, moralische Lehre, Spiegel des Verstandes.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Hans Christian Andersens „Die Schneekönigin“ und hinterfragt die traditionelle Interpretation der Kälte als äußeres Phänomen, um stattdessen die menschliche Herzenskälte als zentralen Fokus freizulegen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Symbolen wie dem Spiegel und dem Schnee sowie deren Bedeutung für das menschliche Wesen und die personifizierte Form des Bösen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass das Märchen eine tiefergehende moralische Lehre über das menschliche Herz und die Notwendigkeit von Erlösung durch Glauben transportiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Es wird eine textnahe literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die zentrale Textstellen zitiert, interpretiert und in einen interpretatorischen Kontext setzt.
Was wird im Hauptteil des Dokuments behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Spiegelscherben und deren zerstörerische Wirkung sowie in eine detaillierte Analyse der Schneeflocken und deren Metamorphose in organische Gestalten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Herzenskälte, Spiegelsymbolik, Metamorphose, Kunstmärchen und das Spannungsfeld zwischen organischem und anorganischem Sein.
Inwiefern spielt der „Spiegel des Verstandes“ eine tragende Rolle in der Argumentation?
Die Autorin argumentiert, dass der Spiegel eine Spiegelung der Wirklichkeit und des menschlichen Seins ist, womit die Schneekönigin als Komplement zum personifizierten Bösen (Teufel) positioniert wird.
Warum stellt laut der Arbeit erst die Metamorphose zur Dame eine echte Bedrohung dar?
Solange der Schnee als Naturphänomen oder einzelne Flocke existiert, bleibt er Kulisse; erst durch die Transformation in menschliche Gestalt erhält das Böse eine direkte, zielgerichtete Handlungsfähigkeit gegen den Menschen.
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- Andrea Staub (Author), 2004, Hans Christian Andersen, Die Schneekönigin - Auf der Spurensuche nach dem Schrecken des Eises und der Finsternis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52983