Am 30. Dezember 2004 veröffentlichte das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) den „Entwurf einer Neufassung des IDW Standards: Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen (IDW ES 1 n.F.)“1. Gleichzeitig sind ab dem 01. Januar 2005 kapitalmarktorientierte Muttergesellschaften verpflichtet ihren Konzernabschluss nach den Vorschriften von IAS/IFRS zu erstellen. Dadurch ist die Diskussion über die Unternehmensbewertung nach IDW ES 1 n.F. und die Rechnungslegung nach IAS/IFRS wieder stärker in den Vordergrund gerückt. In dieser Hausarbeit soll nun aufgezeigt werden, welche Bedeutung die Unternehmensbewertung im Rahmen der Rechnungslegung nach HGB und IAS/IFRS hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundsätze zur Rechnungslegung nach HGB und IAS
2.1 Gläubigerschutz versus Anlegerschutz
2.2 Beizulegender Zeitwert und Fair Value
3. Geschäfts- oder Firmenwert
3.1 Definition
3.2 Bewertung nach HGB
3.3 Bewertung nach IAS/IFRS
3.4 Zusammenfassung
4. Finanzanlagen nach HGB
4.1 Definition
4.2 Finanzanlagen des Anlagevermögens
4.2.1 Überblick
4.2.2 Bewertung
4.3 Finanzanlagen des Umlaufvermögens
4.3.1 Überblick
4.3.2 Bewertung
4.4 Zusammenfassung
5. Finanzanlagen nach IAS
5.1 Überblick
5.1.1 Anteile an Tochterunternehmen
5.1.2 Anteile an assoziierten Unternehmen
5.1.3 Anteile an Joint Ventures
5.2 Bewertung
5.3 Zusammenfassung
6. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Unternehmensbewertung im Kontext der Rechnungslegung nach HGB und IAS/IFRS, insbesondere im Hinblick auf den derivativen Firmenwert und Finanzanlagen, um Unterschiede in der Bilanzierungspraxis und deren Auswirkungen auf die Kapitalmarktorientierung aufzuzeigen.
- Vergleich der Rechnungslegungsgrundsätze (Gläubigerschutz vs. Anlegerschutz)
- Bewertungsmethodik des derivativen Geschäfts- oder Firmenwerts
- Bilanzielle Behandlung und Bewertung von Finanzanlagen (Anlage- vs. Umlaufvermögen)
- Rolle der Unternehmensbewertung bei der Werthaltigkeitsprüfung (Impairment-Test)
- Analyse des Einflusses der Bewertungsvorgaben des IDW auf die Abschlusserstellung
Auszug aus dem Buch
3.3 Bewertung nach IAS/IFRS
Am 31. März 2004 hat das International Accounting Standards Board (IASB) die überarbeitete Fassung des IAS 36: Impairment of assets (Wertminderung von bestimmten Vermögenswerten) verabschiedet. Im Zuge dessen ist der erworbene Goodwill (derivative Firmenwert) nicht mehr planmäßig abzuschreiben, sondern mindestens einmal jährlich einem Niederstwerttest zu unterziehen und gegebenenfalls außerplanmäßig abzuschreiben (impairment-only approach). Zu diesem Zweck ist der Goodwill im Erwerbszeitpunkt auf cash generating units (CGUs) zu verteilen.
Eine CGU ist: „the smallest identifiable group of assets that generates cash inflows that are largely independent of the cash inflows from other assets or groups of assets”. Die Zuordnungsfähigkeit einer CGU ist somit dann gegeben, wenn sich die Einheit auf der niedrigsten möglichen Unternehmensebene befindet, für die das Unternehmen renditebezogene Investitionskontrollen vornimmt.
Im Zuge des Werthaltigkeitstests nach IAS 36 wird jede CGU für sich untersucht. Dabei ist der erzielbare Betrag (recoverable amount) mit dem entsprechenden Buchwert des Nettovermögens (carrying amount) der CGU zu vergleichen. Wenn der recoverable amount kleiner sein sollte, als der carrying amount, muss eine Wertberichtigung in Höhe der Differenz auf den Goodwill und gegebenenfalls pro rata auf die weiteren Vermögenswerte der CGU vorgenommen werden.
Zur Bestimmung des recoverable amount werden der fair value less costs to sell und der value in use gegenübergestellt. Der höhere Wert der beiden bestimmt dann den recoverable amount.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die gestiegene Relevanz der Unternehmensbewertung im Kontext der IAS/IFRS-Anwendung und des IDW-Standards ES 1 n.F.
2. Grundsätze zur Rechnungslegung nach HGB und IAS: Es wird der Gegensatz zwischen Gläubigerschutz im HGB und Anlegerschutz in den IAS/IFRS sowie die unterschiedliche Anwendung von Zeitwerten verdeutlicht.
3. Geschäfts- oder Firmenwert: Untersuchung der unterschiedlichen Folgebewertungsansätze zwischen dem planmäßigen Abschreibungswahlrecht im HGB und dem Impairment-Only-Ansatz nach IAS/IFRS.
4. Finanzanlagen nach HGB: Analyse der Bilanzierung von Finanzanlagen unter Berücksichtigung des Niederstwertprinzips und der Anforderungen des IDW an die Unternehmensbewertung.
5. Finanzanlagen nach IAS: Erläuterung der Kategorisierung von Finanzinstrumenten und der Bewertung nach IAS 39 unter dem Gesichtspunkt des beizulegenden Zeitwerts.
6. Schlussfolgerung: Fazit über die wachsende Bedeutung der Unternehmensbewertung und den Spielraum, den Bewertungsmethoden für die Bilanzierung bieten.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, HGB, IAS, IFRS, Geschäfts- oder Firmenwert, Goodwill, Finanzanlagen, Anlagevermögen, Umlaufvermögen, Fair Value, Niederstwertprinzip, Impairment-Test, Ertragswertverfahren, DCF-Verfahren, Bilanzierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, welche Bedeutung die Unternehmensbewertung für die handelsrechtliche Rechnungslegung nach HGB sowie die internationale Rechnungslegung nach IAS/IFRS hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen insbesondere die Bewertung des derivativen Geschäfts- oder Firmenwerts (Goodwill) sowie die bilanzielle Behandlung von Finanzanlagen im Anlage- und Umlaufvermögen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Unterschiede in den Bewertungsvorschriften herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie diese die Unternehmenswertermittlung und damit den Ausweis in der Bilanz beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer vergleichenden Analyse der gesetzlichen Regelungen des HGB, der internationalen Standards IAS/IFRS sowie einschlägiger Standards des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW).
Welche Inhalte umfasst der Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die Bewertungsgrundsätze für Firmenwerte nach HGB und IAS/IFRS sowie eine detaillierte Prüfung der Finanzanlagen und deren unterschiedliche Kategorisierung in den jeweiligen Rechnungslegungssystemen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Goodwill, Fair Value, Niederstwertprinzip, Impairment-Test und Unternehmensbewertungsverfahren wie das DCF- oder Ertragswertverfahren.
Warum unterscheidet sich die Bewertung des Firmenwerts zwischen HGB und IAS/IFRS?
Während das HGB ein Aktivierungswahlrecht mit planmäßiger Abschreibung vorsieht, verlangen die IAS/IFRS eine Aktivierungspflicht ohne planmäßige Abschreibung, setzen dafür aber einen jährlichen Werthaltigkeitstest (Impairment-Test) voraus.
Welche Rolle spielt das IDW für die Bewertung nach HGB?
Das IDW liefert durch Standards wie den IDW ES 1 n.F. und die IDW RS HFA 10 Vorgaben, wie Unternehmenswerte für bilanzielle Zwecke zu ermitteln sind, wobei die Unbeachtlichkeit des bilanziellen Vorsichtsprinzips betont wird.
- Quote paper
- Doreen Schampel (Author), 2005, Bedeutung der Unternehmensbewertung im Rahmen der Rechnungslegung nach HGB und IAS/IFRS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52990