‚Wissen ist Macht!’ ist eine Behauptung, die vor allem in der heutigen Informations- und Kommunikationsgesellschaft immer mehr an Bedeutung gewinnt. Dies wirkt sich auch auf die Struktur von Unternehmen aus. Durch dezentrale Organisationsstrukturen soll versucht werden, die Mitarbeiter in die unternehmerischen Entscheidungsprozesse mit einzubinden. Zudem soll sowohl deren Humankapital als auch deren spezifisches Wissen genutzt und ihre Eigeninitiative und ihr Engagement gefördert werden.1Weil nicht jeder gleich viel Wissen besitzt, kommt „der Verteilung von Entscheidungskompetenzen in einer Unternehmung für die Akquisition von Wissen eine entscheidende Bedeutung zu“ [JostWe00, S.185].Auf Basis des für diese Arbeit relevanten Aufsatzes „Specific and general knowledge, and organizational structure“ von Michael C. Jensen und William H. Meckling aus dem Jahre 19902soll gezeigt werden, wie wichtig Wissen für eine Organisation sein kann. Außerdem wird darauf eingegangen, wie vorhandenes Wissen und Entscheidungsrechte am besten dezentralisiert und verteilt werden und wie mit etwaigen Problemen bezüglich der Verteilung von Wissen und Entscheidungsrechten umgegangen werden kann. Die Prinzipal -Agentur-Theorie spielt dabei eine große Rolle. Um ein Beispiel für die Dezentralisierung von Entscheidungsrechten anhand der Prinzipal -Agentur-Theorie zu zeigen, wird in Kapitel 4 auf Franchise-Systeme eingegangen. Diese machen sich eben genau dieses Konstrukt der Wissens- und Rechteverteilung zu Nutze, um effizient wirtschaften zu können und Wettbewerbsstärken auszubauen. Die Organisations-form des Franchising hat nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland längst Einzug gehalten hat. So ist die deutsche Franchise-Branche in den letzten Jahren sehr stark gewachsen. Im Jahr 2003 gab es in Deutschland 830 Franchise-Systeme, darunter Unternehmen wie TUI, McDonald´s, Foto Quelle oder Schülerhilfe.Wie derartige Franchise-Unternehmen mit der Ressource Wissen umgehen und wie sie die mit der Wissensverteilung in Zusammenhang stehenden Probleme am besten bewältigen können, wird im Rahmen dieser Arbeit zuerst allgemein erläutert und dann konkret anhand des Umgangs mit Wissen in der Franchise-Branche und am Beispiel McDonald´s gezeigt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeines und spezifisches Wissen in der Organisationsstruktur
2.1 Begriffsabgrenzung
2.2 Wissensverteilung und Transferkosten
3 Dezentralisierung von Entscheidungsrechten
3.1 Agenten als Entscheidungsträger
3.2 Fremdübertragung von Rechten
3.2.1 Rechteverteilungsproblematik
3.2.2 Kontroll- und Agenturproblem
3.3 Kontrollsystem
4 Franchising
4.1 Herkunft des Franchising
4.2 Definition
4.3 Vor- und Nachteile von Franchise-Systemen
4.4 Wissensübertragung in Franchise-Systemen
4.5 Franchise-Unternehmen „McDonald´s“
5 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von allgemeinem und spezifischem Wissen für die Struktur von Organisationen und analysiert, wie Entscheidungsrechte effizient dezentralisiert und verteilt werden können. Dabei steht die Anwendung der Prinzipal-Agentur-Theorie im Vordergrund, um Probleme der Wissensverteilung zu identifizieren und Lösungsansätze für die Praxis zu erarbeiten.
- Unterscheidung zwischen allgemeinem und spezifischem Wissen
- Herausforderungen der Wissensverteilung und Transferkosten
- Dezentralisierung von Entscheidungsrechten und Kontrollsysteme
- Anwendung der Prinzipal-Agentur-Theorie auf Franchise-Systeme
- Praxisbeispiel der Wissensnutzung bei McDonald´s
Auszug aus dem Buch
3.1 Agenten als Entscheidungsträger
Die Wissensträger, denen die Entscheidungsrechte auferlegt werden, bezeichnet man als Agenten. Sie sind in der hierarchischen Organisationsstruktur eines Unternehmens tendenziell eher weiter oben angesiedelt. Dabei handelt es sich meist um Mitarbeiter in Führungspositionen wie Abteilungs- oder Bereichsleiter, die von der jeweils oberen Ebene das Recht bekommen zu handeln. Die Delegation der Agenten findet also mittels eines Top-down-Ansatzes statt. Hierbei können unterschiedliche Probleme für das Unternehmen auftreten.
Zum einen sieht sich die Organisation dem Rechteverteilungsproblem, dem so genannten ‚rights assignment problem’, gegenüber. Hierbei geht es darum, wer die Entscheidungsrechte ausführen darf. Jede Entscheidung bedarf eines bestimmten spezifischen Wissens, so dass genau selektiert werden muss, welcher Agent das entsprechende Wissen innehat, um die Entscheidung richtig und überlegt umzusetzen.
Zum anderen muss sich die Organisation mit dem Kontroll- und Agenturproblem auseinandersetzen. Dabei muss sichergestellt werden, dass die Agenten, denen gewisse Entscheidungsrechte auferlegt worden sind, nicht nur aus Eigeninteresse handeln, wie es in der Natur des Menschen liegt, sondern, dass die Agenten in ihrem eigenen Interesse Rechte so ausüben, dass sie einen Beitrag zum Erfolg der Unternehmung leisten. Diese Interessendivergenz wird in der Prinzipal-Agentur-Theorie erläutert. Da diese Problematik in Franchising-Systemen eine große Rolle spielt, soll hier kurz auf die Theorie eingegangen werden. In Kapitel 4 wird diese Thematik dann weiter vertieft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Wissen als strategische Unternehmensressource ein und erläutert die Anwendung der Prinzipal-Agentur-Theorie auf Franchise-Systeme.
2 Allgemeines und spezifisches Wissen in der Organisationsstruktur: Das Kapitel differenziert zwischen allgemeinem und spezifischem Wissen und beleuchtet die Herausforderungen bei der effizienten Wissensverteilung im Unternehmen.
3 Dezentralisierung von Entscheidungsrechten: Hier wird der Prozess der Aufgaben- und Rechteübertragung an Agenten sowie der Einsatz von Kontrollsystemen zur Behebung von Interessenkonflikten erörtert.
4 Franchising: Dieses Kapitel analysiert das Franchising als Organisationsform, wobei die theoretischen Wissens- und Kontrollkonzepte auf dieses Geschäftsmodell angewandt werden.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine effiziente Organisationsstruktur auf der bewussten Verteilung von Wissen und der Implementierung geeigneter Anreizsysteme basiert.
Schlüsselwörter
Wissen, Entscheidungsrechte, Dezentralisierung, Prinzipal-Agentur-Theorie, Franchising, Wissensverteilung, Humankapital, Transferkosten, Kontrollsystem, Opportunismus, Wissensübertragung, Organisationsstruktur, McDonald´s, Effizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der zentralen Rolle von Wissen in Unternehmen und untersucht, wie Organisationen durch die Dezentralisierung von Entscheidungsrechten auf das unterschiedliche Wissensniveau ihrer Mitarbeiter reagieren können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung von Wissenstypen, dem Management von Wissensübertragungskosten, der Anwendung der Prinzipal-Agentur-Theorie sowie der Analyse von Franchise-Systemen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie vorhandenes Wissen innerhalb einer Organisationsstruktur durch die Verteilung von Entscheidungsrechten optimal genutzt werden kann, um Wettbewerbsvorteile zu generieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die organisationstheoretische Analyse, insbesondere basierend auf dem Ansatz von Jensen und Meckling, sowie auf die Anwendung der Prinzipal-Agentur-Theorie zur Erläuterung struktureller Probleme.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Wissensverteilung, die Probleme bei der Delegation von Rechten und die praktische Umsetzung dieser Konzepte in Franchise-Netzwerken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Wissensmanagement, Dezentralisierung, Prinzipal-Agentur-Theorie, Interessendivergenz, Informationsasymmetrie und Franchising.
Warum wird im Kontext von Franchise-Systemen von "Profit-Centern" gesprochen?
In Franchise-Systemen fungieren die einzelnen Standorte als selbstständige Einheiten, die für ihren eigenen Gewinn und Verlust verantwortlich sind, weshalb sie organisatorisch als Profit-Center klassifiziert werden.
Welches spezifische Problem wird bei McDonald´s im Hinblick auf die Qualität aufgezeigt?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Franchise-Nehmer aufgrund hoher Gebühren unter Kostendruck stehen, was vereinzelt zu Qualitätseinbußen führen kann, um den persönlichen Gewinn zu maximieren.
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- Stephanie Voh (Author), 2005, Die Bedeutung von allgemeinem und spezifischem Wissen für die Organisationsstruktur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53005