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Der "Just Community" Ansatz Lawrence Kohlbergs und seine Implikationen für die pädagogische Praxis

Title: Der "Just Community" Ansatz Lawrence Kohlbergs und seine Implikationen für die pädagogische Praxis

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Wiebke Vieljans (Author)

Pedagogy - Pedagogic Sociology
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Betrachtet man heute junge Menschen in Bezug auf ihr Moralverständnis, gilt der kalkulierte Regelverstoß unter vielen als akzeptabel und angemessen. Darf man sich beispielsweise ein fremdes Fahrrad aneignen, das seit Jahren im Keller verstaubt? Die junge Generation hat sich ein völlig neues Wertesystem aufgebaut. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Sozio-historischer Wandel in der Struktur moralischer Motivation“. Gertrud Nunner-Winkler hat die moderne Moralvorstellung junger Erwachsener untersucht und festgestellt, dass die junge Generation überwiegend den Prinzipien Gleichheit, Unparteilichkeit, Schadensvermeidung und Achtung der Menschenwürde folgt. Dagegen werden religiöse Argumente oder überlieferte Traditionen mehrheitlich abgelehnt. „Bei schwierigen Entscheidungen treten junge Menschen in einen inneren Dialog. Sie wägen ab: moralisch sein oder den Profit genießen“, so die Expertin. Nunner-Winkler bewertet diese Entwicklung nicht als unmoralischer. Im Gegenteil, das moderne Moralverständnis erfordere sogar ein höheres Urteilsvermögen.1Wie kommt es zu einem solchen Wandel? Zu Beginn der 70er Jahre fing eine Gruppe von Lehrern um Lawrence Kohlberg an, in Unterrichtsversuchen intensive Dilemmadiskussionen einzubringen. Diese Versuche standen unter dem Konzept „Entwicklung als Ziel der Erziehung“, welches Kohlberg prägte. Man wollte eine höhere Stufe des moralischen Urteils stimulieren, was jedoch bald als zu eng empfunden wurde. Da dieser Prozess meist anhand hypothetischer Dilemmata ablief, sah man diesen Ansatz als zu kognitiv an. Eine Forderung nach moralischer Entwicklung anhand echter Konflikte wurde immer lauter. Als erzieherisches Problem wurde zudem der mangelnde Handlungsbezug empfunden. Die rein kognitive Anregung ist für Kohlberg zwar ein notwendiger Hintergrund der Moralentwicklung, bringt diese jedoch nicht unmittelbar hervor. Von größerer Bedeutung sind die Rollenübernahme-Gelegenheiten genannten Faktoren der generellen sozialen Erfahrung und Anregung. Bei der sozialen Erfahrung wird die Handlung anderer nachvollzogen, ihre Gedanken und Gefühle vergegenwärtigt und sich in ihre Lage versetzt. Wenn die emotionale Seite der Rollenübernahme hervorgehoben wird, nennt man sie auch Empathie. [...]

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

2. Der Ansatz Lawrence Kohlbergs

2.1 Die Begünstigung der moralischen Entwicklung

2.2 Der Übergang zur Errichtung einer Gerechten Gemeinschaft in Schulen

3. Theorie vs. Praxis einer Schule der Gerechten Gemeinschaft

3.1. Das Hauptprinzip der Gerechten Schulgemeinschaft

3.2. Die Struktur einer Gerechten Schulgemeinschaft

4. Gerechte Schulgemeinschaft und Demokratie

5. Kritische Bemerkungen

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht das von Lawrence Kohlberg entwickelte Konzept der „Just Community“ (Gerechte Gemeinschaft) im schulischen Kontext. Das zentrale Ziel ist es, den Übergang von rein kognitiven Dilemmadiskussionen hin zu einer gelebten, partizipativen Schulkultur zu beleuchten, die moralisches Handeln durch echte soziale Verantwortung und demokratische Teilhabe fördert.

  • Grundlagen der moralischen Entwicklung nach Lawrence Kohlberg.
  • Transformation des „hidden curriculums“ in ein explizites moralisches Lernfeld.
  • Analyse des Modells am Beispiel der Johannes-Gutenberg-Realschule.
  • Die sieben Minimalbedingungen für die erfolgreiche Implementierung einer Just Community.
  • Diskussion der Herausforderungen und Gefahren für die pädagogische Praxis.

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Hauptprinzip, welches die Gerechte Schulgemeinschaft begründet

Anhand dieses Beispiel einer Just Community-Sitzung sollte verdeutlicht werden, dass in einem solchen Fall moralische Erziehung nicht durch bloßes Vermitteln moralischer Normen geschieht, auch nicht durch das Predigen moralischer Tugenden. Ebenfalls nicht, wie man es heute oft vorfindet, durch das Aufhängen von Plakaten mit Regeln, wie Gesprächsregeln, Verhaltensregeln, etc., die der Lehrer festlegt, aber auch nicht durch Diskutieren künstlicher moralischer Dilemmata. Hier geht es stattdessen darum, am Fall zu lernen. Der Fall stellt dabei ein Problem oder ein Thema dar, das eine Klasse, die Schüler oder die Lehrer wirklich betreffen. Moralisches Urteilen, Handeln, Argumentieren und Entscheiden richtet sich auf diesen konkreten Fall.

Das Prinzip des Lernens am Gegenstand bzw. am Fall ist entscheidend, weil der Gegenstand das zu Klärende ist. Lernmaterial gibt es als solches nicht; es kann dem täglichen Interaktionsprozess entnommen werden. Damit ist es also nicht curricular vorgegeben, sondern macht den bereits vorhandenen heimlichen Lehrplan (hidden curriculum) einer Schule bzw. Klasse transparent. Dennoch sind viele Schulleiter gegenüber der Entstehung neuer Gerechter Schulgemeinschaften negativ eingestellt: Sie behaupten, an ihrer Schule gäbe es solche Konflikte nicht; entstünden dennoch welche, würden sie auch sofort geregelt. Doch gerade diese autoritäre Einstellung zu moralischen oder sozialen Sachverhalten verhindert das Lernen am Gegenstand, verhindert, dass Schülern selbst zugemutet wird, Verantwortung zu übernehmen und ihre Vernunft zu gebrauchen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den sozio-historischen Wandel des moralischen Wertesystems junger Menschen und führt in Kohlbergs Entwicklung vom kognitiven Dilemma-Ansatz hin zum Konzept der „Just Community“ ein.

2. Der Ansatz Lawrence Kohlbergs: Das Kapitel beschreibt den biographischen und wissenschaftstheoretischen Hintergrund Kohlbergs und erläutert seine progressive Sicht auf die moralische Entwicklung als aktiven Prozess der Auseinandersetzung mit der Umwelt.

3. Theorie vs. Praxis einer Schule der Gerechten Gemeinschaft: Hier wird das Konzept an einem konkreten Fallbeispiel der Johannes-Gutenberg-Realschule illustriert und die sieben notwendigen Rahmenbedingungen für die schulische Praxis analysiert.

4. Gerechte Schulgemeinschaft und Demokratie: Dieses Kapitel verknüpft das Konzept mit dem demokratischen Bildungsverständnis von John Dewey und betont, dass demokratische Strukturen in der Schule nicht verordnet, sondern kontinuierlich erarbeitet werden müssen.

5. Kritische Bemerkungen: Der Abschnitt reflektiert die praktischen Schwierigkeiten, die hohen Anforderungen an das Lehrpersonal sowie die Gefährdungen des Modells durch mangelnde didaktische Geschicklichkeit oder organisatorische Defizite.

Schlüsselwörter

Just Community, Lawrence Kohlberg, Moralerziehung, Gerechte Schulgemeinschaft, moralische Entwicklung, Partizipation, hidden curriculum, soziale Perspektivenübernahme, Demokratie, Werteerziehung, Schulklima, moralisches Urteilen, Verantwortlichkeit, schulisches Lernen, Gerechtigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die pädagogische Umsetzung des von Lawrence Kohlberg entwickelten Ansatzes der „Gerechten Gemeinschaft“ (Just Community) zur Förderung der Moralentwicklung an Schulen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die moralische Entwicklungstheorie, die Demokratisierung des schulischen Alltags, das Lernen an echten Konflikten und die strukturelle Umgestaltung von Schule durch Partizipation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu zeigen, wie durch echte Mitverantwortung und gelebte demokratische Prozesse in Schulgemeinschaften die moralische Urteils- und Handlungskompetenz von Schülern nachhaltig gesteigert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse von empirischer Moralforschung (nach Kohlberg) sowie der Fallanalyse schulpraktischer Versuche basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen, die sieben Bedingungen für eine „Just Community“ sowie die praktische Umsetzung und Evaluation anhand eines Realschul-Beispiels dargestellt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Just Community, moralisches Lernen, Partizipation, hidden curriculum, soziale Verantwortung und demokratisches Schulklima.

Was versteht man unter dem „Blatt-Effekt“?

Der Blatt-Effekt bezeichnet ein von Kohlbergs Doktoranden entwickeltes Stimulationsmodell, mit dem eine nachweisbare Anhebung des moralischen Urteilsniveaus um zwei Stufen erreicht werden konnte.

Warum ist das klassenübergreifende Moment in einer Just Community so wichtig?

Es ist entscheidend, da es das Bewusstsein stärkt, dass die Schule eine intakte soziale Einheit bildet und Probleme nicht nur individueller, sondern gemeinschaftlicher Natur sind.

Wie gehen die Autoren mit der Kritik an der praktischen Umsetzung um?

Sie betonen, dass Schwierigkeiten bei der Einführung unvermeidlich sind, plädieren jedoch dafür, diese Krisen als Lernchancen zu begreifen, anstatt das Modell bei ersten Rückschlägen aufzugeben.

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Details

Title
Der "Just Community" Ansatz Lawrence Kohlbergs und seine Implikationen für die pädagogische Praxis
College
University of Münster  (Institut für Soziologie)
Course
Seminar Schule und Moralerziehung
Grade
1,7
Author
Wiebke Vieljans (Author)
Publication Year
2005
Pages
22
Catalog Number
V53024
ISBN (eBook)
9783638485838
ISBN (Book)
9783656780946
Language
German
Tags
Just Community Ansatz Lawrence Kohlbergs Implikationen Praxis Seminar Schule Moralerziehung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Wiebke Vieljans (Author), 2005, Der "Just Community" Ansatz Lawrence Kohlbergs und seine Implikationen für die pädagogische Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53024
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