Aufgrund der Bedingungen des Verdrängungswettbewerbes am Bau sind Unternehmer gehalten, die Bauabläufe so optimal wie nur möglich zu gestalten und alle Reserven auszureizen. Dabei werden der Kalkulation immer weiter differenzierte Bauabläufe zugrunde gelegt. Jede noch so kleine Lücke in den Vertragsunterlagen versuchen die Auftragnehmer zu nutzen, um ein konkurrenzfähiges Angebot abgeben zu können. Es ist daher aus der Sicht der Auftragnehmer verständlich, dass sich die Baukosten ändern, sobald sich die Bedingungen der geplanten Baudurchführungen von den tatsächlichen unterscheiden. Zwangsläufig müssen mit den Änderungen im Bauablauf auch Änderungen in der Vergütung verbunden sein. Aus dieser Abweichung in der Baudurchführung folgt aber nur dann eine geänderte Vergütung für die Auftragnehmer, wenn die Ursache für derartige Änderungen eindeutig der Sphäre der Auftraggeber zuzuordnen sind. Die Betrachtungen dieser Arbeit bezüglich der Vergütung von Allgemeinen Geschäftskosten, Baustellengemeinkosten und Wagnis und Gewinn bei Nachträgen, Schadensersatz und ordentlicher Kündigung beziehen sich hauptsächlich auf die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB), die das Vertragswerk für öffentliche und private Bauaufträge darstellt. Die besonderen Bedürfnisse der Bauwirtschaft sind dort besser als im BGB-Werkvertrag (§ 631 ff) geregelt.
Die VOB als Ganzes vereinbart, gilt allgemein als ausgewogen und berücksichtigt die Interessen beider Vertragspartner gleichermaßen, womit in diesen Fällen die VOB-Klauseln nicht gegen das AGB-Gesetz verstoßen.
Neben den beiden genannten Grundlagenwerken sind daneben auch individuelle Vereinbarungen zwischen den Vertragsparteien möglich, die wiederum ihren Ursprung in den Regelungen der Standardwerke, insbesondere der VOB, haben können. Es ist denkbar, dass Zusätzliche, beziehungsweise Allgemeine Geschäftsbedingungen eines Vertragspartners neben den Regelungen der Standardwerke als Grundlage der Vereinbarungen herangezogen werden. Dies ermöglicht beispielsweise die Konkretisierung oder den Ausschluss einzelner Klauseln der VOB und des BGB. Alle diese vom Standard abweichenden Vereinbarungen unterliegen allerdings der Kontrolle des AGB-Gesetzes, in dem Regelungen zur Gleichstellung der Vertragspartner festgeschrieben sind. Ist in einer der genannten Vereinbarungen eine Klausel enthalten, die einen Vertragspartner zu stark bevorzugt, so ist diese Klausel gemäß § 9 AGB unwirksam.
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Inhaltsverzeichnis
A Grundlagen
B Bauauftragsrechnung
1. Baubetriebliches Rechnungswesen
2. Kalkulationsarten und deren Gliederung
3. Kalkulationsbestandteile
3.1 Einzelkosten der Teilleistungen (EKT)
3.2 Baustellengemeinkosten (BGK)
3.3 Allgemeine Geschäftskosten (AGK)
3.4 Wagnis und Gewinn (W&G)
3.5 Umsatzsteuer
C Kostenrechnungsmodelle
1. Allgemein
2. Äquivalenzziffernkalkulation
3. Zuschlagskalkulation
4. Kalkulation für die Angebotsendsumme
5. Prozesskostenrechnung
6. Deckungsbeitragsrechnung
7. Zielkostenrechnung
8. Bewertung der Kostenrechnungsmodelle
D Kalkulationsbestandteile
1. Allgemeine Geschäftskosten
1.1. Vorbemerkungen
1.2. Bestandteile der Allgemeinen Geschäftskosten
1.3. Analyse der Allgemeinen Geschäftskosten
1.4. Berechnung der Allgemeinen Geschäftskosten
2. Baustellengemeinkosten
2.1. Vorbemerkungen
2.2. Bestandteile der Baustellengemeinkosten
2.3. Analyse der Baustellengemeinkosten
3. Wagnis und Gewinn
3.1. Vorbemerkungen
3.2. Bestandteile von Wagnis und Gewinn
3.3. Ermittlung von Wagnis und Gewinn
E Vergütungsansprüche aus Veränderungen des Leistungsumfangs
F Vergütungsnachträge nach § 2 VOB/B
1. Vergütungsgrundsätze im BGB und der VOB/B
2. Nachtrag laut BGB und VOB/B
3. Nachtragskalkulation
4. Nachtragsbearbeitung
5. Einheitspreisvertrag (EP-Vertrag)
6. Veränderungen der vertraglichen Leistungen
7. § 2 Nr. 3 Mengenänderungen
7.1 § 2 Nr. 3 Abs. (1) VOB/B Normalmenge
7.2 § 2 Nr. 3 Abs. (2) VOB/B Mengenmehrung > 10 %
7.2.1 Fallbeispiele
7.3 § 2 Nr. 3 Abs. (3) VOB/B Mengenminderung > 10 %
7.3.1 Fallbeispiele
8. Unterschiede der Preisanpassungen bei Mengenmehrungen und Mengenminderungen
9. Ausgleichsberechnung
9.1 Fallbeispiel
10. Anspruch auf Mehrvergütung geänderter und zusätzlicher Leistung
11. § 2 Nr. 5 VOB/B Leistungsänderung
11.1 Fallbeispiele
12. § 2 Nr. 6 VOB/B Zusatzleistung
13. Parallelen und Abgrenzungen zu § 2 Nr. 3 VOB/B
13.1 Fallbeispiel
14. Abgrenzung von geänderter und zusätzlicher Leistung
14.1 Handhabung der Preisfortschreibung
15. Pauschalpreisvertrag nach VOB
15.1 Abgrenzung Einheits- / Pauschalpreisvertrag nach VOB
15.2 Arten von Pauschalpreisverträgen
15.3 Besonderheiten beim Pauschalpreisvertrag
15.4 § 2 Nr. 7 VOB/B Pauschalpreisänderung
15.5 Die Änderung des Pauschalpreises im Werkvertragsrecht
16. Unwirksame Vertragsklauseln
17. Abgrenzung zum BGB
18. Massenänderungen beim BGB-Bauvertrag
G Behinderung und Unterbrechung der Leistung nach § 6 VOB/B
1. § 6 Nr. 6 VOB/B Schadensersatz
2. Ausschluss des § 6 Nr. 6 VOB/B
3. Fallbeispiel
4. Abgrenzung zum BGB § 642
H Kündigung nach den §§ 2 Nr. 4 und 8 Nr. 1 VOB/B
1. § 2 Nr. 4 VOB/B Teilkündigung
1.1 Fallbeispiel
2. § 8 Nr. 1 VOB/B Freie Kündigung (Arbeitgeber)
2.1 Fallbeispiel
3. Abgrenzung zum BGB
I Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die vergütungsrechtliche Behandlung von Allgemeinen Geschäftskosten, Baustellengemeinkosten sowie Wagnis und Gewinn bei Nachträgen, Schadensersatzforderungen und Kündigungsszenarien im Rahmen von Bauverträgen, insbesondere unter Anwendung der VOB/B.
- Kostenrechnungsmodelle in der Bauwirtschaft
- Struktur der Kalkulationsbestandteile
- Vergütungsansprüche bei Mengenänderungen (§ 2 VOB/B)
- Umgang mit geänderten und zusätzlichen Leistungen
- Regelungen bei Kündigung und Behinderung
Auszug aus dem Buch
3. Nachtragskalkulation
Unter einer Nachtragskalkulation versteht man eine nach Vertragsabschluss zu erstellende Kalkulation von Bauleistungen, die im Bauvertrag nicht vereinbart waren, oder wenn sich für vertraglich vereinbarte Leistungen die Grundlagen der Preisermittlung geändert haben.
Vor dem Hintergrund einer immer knapperen und zum Teil sogar nicht kostendeckenden Kalkulation der Baupreise, ist es für die Unternehmen von zunehmender Bedeutung, berechtigte Ansprüche aus Nachtragsforderungen gegenüber dem Auftraggeber erfolgreich durchzusetzen.
Eine mögliche Vorgehensweise bei der Nachtragskalkulation könnte beispielsweise wie folgt aussehen:
- Zutreffende, ursprüngliche Leistungsposition, die von Leistungsänderung betroffen ist, im Vertrag identifizieren.
- Ursprüngliche Vertragsposition aufgliedern in Kostenbestandteile.
- Prüfung der Einzelkosten der Teilleistungen (EKT), ob sich durch Leistungsänderung eine Kostenveränderung ergibt.
- Solche Kostenveränderungen der EKT in Form von Mehr- und Minderkosten einzeln bewerten und kalkulieren. Beibehaltung der nicht durch Leistungsänderung betroffenen Kostenbestandteile.
- Die EKT der geänderten Kosten aufaddieren.
- Zuschlagssätze aus Auftragskalkulation aufschlagen.
- Nachtragspreise bilden.
Zusammenfassung der Kapitel
Grundlagen: Einführung in die wettbewerblichen Bedingungen am Bau und die Bedeutung der VOB für die vertragliche Ausgestaltung.
Bauauftragsrechnung: Erläuterung des betrieblichen Rechnungswesens mit Fokus auf die Kalkulationsphasen und Kostenrechnungsarten.
Kostenrechnungsmodelle: Gegenüberstellung gängiger Modelle wie Zuschlagskalkulation, Prozesskostenrechnung und Deckungsbeitragsrechnung.
Kalkulationsbestandteile: Detaillierte Analyse der Zusammensetzung von AGK, BGK sowie Wagnis und Gewinn.
Vergütungsansprüche aus Veränderungen des Leistungsumfangs: Übersicht über die verschiedenen Anspruchssituationen bei Leistungsänderungen.
Vergütungsnachträge nach § 2 VOB/B: Eingehende Betrachtung der Nachtragsberechtigung, Mengenänderungen und Leistungsanpassungen.
Behinderung und Unterbrechung der Leistung nach § 6 VOB/B: Analyse der Schadensersatzansprüche bei gestörtem Bauablauf.
Kündigung nach den §§ 2 Nr. 4 und 8 Nr. 1 VOB/B: Erörterung der Voraussetzungen und Folgen einer Teil- oder freien Kündigung.
Schlüsselwörter
VOB/B, Nachtragskalkulation, Bauauftragsrechnung, Allgemeine Geschäftskosten, Baustellengemeinkosten, Wagnis und Gewinn, Einheitspreisvertrag, Pauschalpreisvertrag, Mengenänderung, Leistungsänderung, Schadensersatz, Kündigung, Bauablaufstörung, Kalkulationsbestandteile, Deckungsbeitragsrechnung
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptziel dieser Diplomarbeit?
Die Arbeit untersucht, wie die Kalkulationsbestandteile (AGK, BGK, Wagnis & Gewinn) bei Nachträgen, Schadensersatzansprüchen und Kündigungen korrekt berücksichtigt und verrechnet werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Bauauftragsrechnung, verschiedene Kostenrechnungsmodelle, die vergütungsrechtlichen Regelungen der VOB/B bei Leistungsänderungen sowie die Kündigungsfolgen.
Welche Forschungsfrage wird verfolgt?
Es wird analysiert, wie Auftragnehmer bei Abweichungen vom ursprünglichen Bau-Soll ihre Vergütungsansprüche auf Basis einer korrekten Nachtragskalkulation rechtssicher geltend machen können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung der VOB/B-Regelungen und der Betriebswirtschaftslehre des Bauwesens, ergänzt durch praktische Berechnungsbeispiele.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung der Kostenrechnung, die Analyse der Kalkulationsbestandteile und die detaillierte juristisch-kalkulatorische Aufarbeitung der § 2, § 6 und § 8 VOB/B Regelungen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
VOB/B, Nachtragsmanagement, Kalkulation, Leistungsänderung und Baustellengemeinkosten.
Warum ist die Unterscheidung zwischen geänderter und zusätzlicher Leistung so wichtig?
Die Unterscheidung ist für das Ankündigungserfordernis des Vergütungsanspruches entscheidend, da § 2 Nr. 6 VOB/B (Zusatzleistung) eine explizite Ankündigung verlangt, während dies bei § 2 Nr. 5 VOB/B (geänderte Leistung) strittig bzw. nicht zwingend ist.
Wie unterscheidet sich die Nachtragskalkulation bei Mengenänderungen im Einheitspreisvertrag?
Bei Minder- oder Mehrmengen über 10% wird der Einheitspreis angepasst, um die Verteilung der Gemeinkosten auf die tatsächlich ausgeführte Menge verursachungsgerecht zu korrigieren.
- Quote paper
- Antje Bruchner (Author), 2005, Die Berücksichtigung von Allgemeinen Geschäftskosten, Baustellengemeinkosten und Wagnis & Gewinn bei Nachträgen, Schadensersatz und Kündigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53078