Die tägliche Sportstunde an Grundschulen - Auswirkungen auf die sportmotorischen Fähigkeiten


Examensarbeit, 2004

79 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

Verzeichnis der Tabellen

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Kindheit im Wandel
2.1.1 Kindheit früher und heute
2.1.2 Kindheit und Medien
2.1.3 Kindheit und Bewegung
2.1.4 Kindheit und Schulsport
2.2 Vorstellung Konzept „Tägliche Sportstunde" am Beispiel der Friedrich-Ebert-Schule in Bad Homburg
2.3 Motorische Fähigkeiten
2.3.1 Konditionelle Fähigkeiten
2.3.1.1 Kraft
2.3.1.2 Schnelligkeit
2.3.1.3 Ausdauer
2.3.1.4 Beweglichkeit
2.3.2 Koordinative Fähigkeiten
2.4 Definition Sportmotorischer Test

3. Methodik
3.1 Zielsetzung und Fragestellung
3.2 Untersuchungsdesign
3.3 Vorstellung der Versuchsschulen
3.3.1 Friedrich-Ebert-Schule Bad Homburg
3.3.2 Hermann-Ehlers-Schule Preetz
3.3.3 Beschreibung der Versuchsgruppen
3.4 Beschreibung der Tests
3.5 Gütekriterien

4. Ergebnisse

5. Diskussion der Ergebnisse im Hinblick auf die Fragestellung und Zielsetzung

6. Fazit

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang

Verzeichnis der Abbildungen

Abb. 1: Raumerleben in den fünfziger und sechziger Jahre

Abb. 2: Verinselter Lebensraum von Kindern heute

Abb. 3: Mögliche Beziehungen zwischen Motorik und Bewegung

Abb. 4: Differenzierung motorischer Fähigkeiten (nach Bös 1987)

Abb. 5: Modell zur Ausdifferenzierung der Kraft-, Schnelligkeits- sowie Ausdauerfähigkeiten und der Beweglichkeit

Abb. 6: Einordnung des BMI-Wertes nach Alter und Geschlecht

Verzeichnis der Tabellen

Tab. 1: Geschlechtsspezifische Übersicht Siebenjährige

Tab. 2: Geschlechtsspezifische Übersicht Achtjährige

Tab. 3: Geschlechtsspezifische Übersicht Neunjährige

Tab. 4: Geschlechtsspezifische Übersicht Zehnjährige

Tab. 5: Mittelwertvergleich 20-Meter-Lauf

Tab. 6: Mittelwertvergleich Zielwerfen an die Wand

Tab. 7: Mittelwertvergleich Ball-Beine-Wand- Zielwurf

Tab. 8: Mittelwertvergleich Hindernislauf

Tab. 9: Mittelwertvergleich Medizinballstoß

Tab. 10: Mittelwertvergleich 6-Minuten-Lauf

Tab. 11: Mittelwertvergleich Stand and Reach

Tab. 12: Mittelwertvergleich Body-Mass-Index

Tab. 13 Mittelwertergebnisse

Tab. 13a: Leistungsbeurteilung

Tab. 14: Mittelwertergebnisse

Tab. 14a: Leistungsbeurteilung

Tab. 15: Mittelwertergebnisse

Tab. 15a: Leistungsbeurteilung

Tab. 16: Mittelwertergebnisse Zielwerfen

Tab. 16a: Leistungsbeurteilung

Tab. 17: Mittelwertergebnisse

Tab. 17a: Leistungsbeurteilung

Tab. 18: Mittelwertergebnisse

Tag. 18a: Leistungsbeurteilung

Tab. 19: Mittelwertergebnisse

Vorwort

Zunächst möchte ich mich bei Herrn Dr. Christopher Zitzmann für die Hilfe bei der Abgrenzung des Themas und die Unterstützung während meiner Examensarbeit bedanken.

Ich bedanke mich ebenfalls bei Frau StR Meike Starke für die Übernahme des Korreferates.

Maßgeblichen Anteil an der statistischen Auswertung der experimentell erhaltenen Daten haben der Schulleiter der Friedrich-Ebert-Schule in Bad Homburg, Herr Bethge, und der zuständige Sportlehrer Herr Laupus sowie die Sportlehrkräfte der Hermann-Ehlers-Schule in Preetz, insbesondere Frau Stefanie Bökenhauer. Ihnen gilt an dieser Stelle mein Dank.

Zu danken habe ich auch den Schülern beider beteiligter Schulen und den engagierten Helfern in Preetz und in Bad Homburg, ohne deren Mitarbeit an der empirischen Untersuchung das Vorhaben nicht hätte durchgeführt werden können.

Rajka Repenning

1. Einleitung

„Urbanisierung, Mediatisierung, Verhäuslichung, Sozialumbruch“

„Veränderte Lebensbedingungen = reduzierte Leistungsbedingungen?“

„Unbewegte Kindheit“

„Können Kinder wirklich nicht mehr rückwärts laufen?“

„Motorik von Kindern heute - eine Generation von „Schlaffis und Desinteressierten“?“

So oder so ähnlich lauten die Schlagzeilen, die immer öfter in den Medien zu lesen sind. In der Literatur besteht ein weitestgehender Konsens darüber, dass sich die motorischen Leistungen der Kinder in den letzten Jahren verändert haben. „Statistisch gesehen sind bis zu 65 % der Kinder im Primarschulbereich bereits haltungsgeschwächt bzw. sogar -geschädigt."1

Während einige Wissenschaftler (OBST-KITZMÜLLER, BÖS, ZIMMER u.a.)2 über den Verfall der kindlichen Bewegungswelt und dem damit verbundenen Rückgang der motorischen Leistungsfähigkeit klagen, sind andere Wissenschaftler (DORDEL, KRETSCHMER, GIEWALD u.a.)3 davon überzeugt, dass dramatisch dargestellte Veränderungen des Gesundheitszustandes und der Leistungsfähigkeit von Kindern stark übertrieben sind.

Unstrittig ist allerdings, dass sich die Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt hat, was nicht zuletzt auch eine veränderte kindliche Lebensumwelt zur Folge hat. Neben starken Veränderungen im familiären Bereich (Zunahme der Ein­Kind-Familien, der Alleinerziehenden und der Scheidungskinder) haben sich auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, Erziehungsziele und Erziehungsnormen sowie das Freizeit- und Konsumverhalten verändert. „Daraus ergeben sich weitreichende Konsequenzen für die Kinder und ihre Lebens- sowie Bewegungswelt."4

Eine der möglichen Maßnahmen gegen einen zunehmenden Bewegungsmangel der heutigen Kinder kann die tägliche Bewegungszeit in Schulen darstellen. Sie kann versuchen, das sich aus dem Wandel der Gesellschaft ergebende, zunehmende Bewegungsdefizit zu kompensieren.

In diesem Zusammenhang stieß ich auf das Konzept der täglichen Sportstunde. Zunächst suchte ich in Schleswig-Holstein nach Schulen, die eine tägliche Sportstunde eingerichtet haben. Zu meiner Verwunderung fand ich dabei lediglich zwei Schulen, die jeden Schüler jeden Tag im Fach Sport unterrichten. Nach Aussagen der beiden Schulen richteten sie sich nach dem Modell der Friedrich- Ebert-Schule in Bad Homburg, welche die tägliche Sportstunde seit gut zehn Jahren in ihren Stundenplan aufgenommen hat.

Interessant erschien mir besonders die Frage, ob und inwieweit sich die tägliche Sportstunde auf die motorischen Fähigkeiten auswirkt. Daraus entwickelte sich die Formulierung des Themas dieser Arbeit:

„Die tägliche Sportstunde an Grundschulen Auswirkungen auf die sportmotorischen Fähigkeiten"

Um die Auswirkungen auf die sportmotorischen Fähigkeiten zu untersuchen werden zwei Schulen mit unterschiedlichen Sportprofilen miteinander verglichen.

In der vorliegenden Arbeit wird im Theorieteil zunächst der Wandel der Kindheit beschrieben, bevor das Konzept der täglichen Sportstunde näher erläutert wird. Im Anschluss daran folgen Definitionen zu den motorischen Fähigkeiten Kondition und Koordination, sowie zum sportmotorischen Test. Im zweiten Teil der Arbeit wird die durchgeführte empirische Untersuchung an zwei Grundschulen vorgestellt und ausgewertet. Es werden anschließend die Ergebnisse dargestellt und im Hinblick auf die Fragestellung diskutiert, bevor ein zusammenfassendes Fazit folgt.

Aus Gründen der Einfachheit verwende ich in meiner Arbeit ausschließlich die männlichen Personen- bzw. Berufsbezeichnungen. Selbstverständlich gelten meine Ausführungen in gleichem Maße für die weiblichen Personen- bzw. Berufsbezeichnungen.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Kindheit im Wandel

Im folgenden Kapitel wird erörtert, welcher Zusammenhang zwischen kindlicher Entwicklung, Bewegung und Umweltbedingungen besteht und welche Veränderungen hierbei zu Bewegungsarmut führen.

Der Soziologe BÜCHNER fasst die eingangs genannten Argumente hinsichtlich der veränderten Kindheit kurz und prägnant mit dem Aussage „andere Kindheiten bringen andere Kinder hervor"5 zusammen. Bedingt durch den gesellschaftlichen Wandel hat sich die Kindheit der heutigen Kinder zunehmend geändert.

Im folgenden wird die Entwicklung der Kinder in den letzten fünfzig Jahren beschrieben, um dann näher auf die heutige Kindheit in Bezug auf Medien, Bewegung und Schulsport einzugehen.

2.1.1 Kindheit früher und heute

In den 50er Jahren war der Hauptspielplatz der Kinder die Straße und der Hof, bedingt durch die Enge der Wohnungen. Nach Kriegsende boten die Trümmergrundstücke den Kindern Erkundungsmöglichkeiten weit ab der elterlichen Kontrolle. Der Umgang mit anderen Kindern und der bewegungsfreundliche soziale Nahraum förderte die Sozialisation der Kinder.6 Zudem gab es damals kaum richtiges Spielzeug, was Kreativität und Eigeninitiative der Kinder forderte.

Zusammenfassend lässt sich über die damalige Zeit sagen, dass die Kindheit weitestgehend selbst bestimmt und im Großen und Ganzen sinnlich erfahrbar und überschaubar war. Die Lebensumwelt der Kinder damals war stets zusammenhängend. Je älter die Kinder wurden, umso mehr erweiterten sie ihren Lebensraum über die Wohnung in die nähere und später in die weitere Umgebung. „[...] Wohnung, Straße und nahe Umgebung [bildeten] einen intensiv und multifunktional genutzten Raumzusammenhang, in dem es nicht, wie oftmals in der heutigen Zeit, ausgegrenzte Spezialräume für Kinder gab."7 Die Kinder konnten alles eigenständig zu Fuß oder mit dem Rad erreichen. Graphisch lässt sich dies wie folgt darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Raumerleben in den fünfziger und sechziger Jahren in: Obst-Kitzmüller, F. (2002) S. 25

Inzwischen sind die meisten Straßen unbespielbar geworden, genauso wie viele Plätze, die jetzt zu Parkplätzen geworden sind.

Grund dafür ist die Verstädterung, die in den vergangenen Jahrzehnten rasant zugenommen hat. Natürliche Bewegungsräume für Kinder werden somit immer seltener. Die Möglichkeit, die Umwelt zu erkunden, wird durch Verbotsschilder, den permanent wachsenden Straßenverkehr und hohe Drahtzäune immer mehr eingeschränkt. Spielen ist nur noch auf gestalteten Spielplätzen erwünscht, welche die Bedürfnisse der Kinder nur wenig berücksichtigen und Sportanlagen dürfen oft nur 'nach Plan' benutzt werden.

„Da werden Straßen und Industriebauten errichtet, wo früher noch Spielen im freien Gelände möglich war; Beton und Asphalt beherrschen den Lebensraum und verhindern Erfahrungen an und mit natürlichen und als angenehm empfundenen Materialien wie Holz, Erde, Stein; die ausschließliche Orientierung an den Bedürfnissen der Erwachsenen führt zu einer monotonen Gestaltung der Umwelt und verhindert Möglichkeiten spontaner Erfahrungsbildung im Springen (über Kanten, natürliche Hindernisse, Gräben ...), Werfen (mit Steinen, Ästen und anderen natürlichen Materialien über Büsche oder Bäume, in die Weite), Klettern (auf Bäume, über Hindernisse...), Laufen oder Balancieren."8

Die Umwelt der Kinder präsentiert sich als etwas Fertiges, das sich zwar zur Benutzung attraktiv anbietet, aber kaum gestaltbar ist. Der Lebensraum heute stellt sich wenig bewegungsfreundlich dar:

„Das Land ist weitgehend urbanisiert, die Städte präsentieren sich in Beton und Asphalt. Die Bewegungsmöglichkeiten unserer Kinder sind eingeschränkt, und vieles ist eher daraufhin gestaltet, Bewegung zu verhindern als zu fördern."9

Für viele Kinder sind heute daher die eigenen vier Wände der bevorzugte Spielplatz. Die Freizeit der Kinder ist immer weniger selbstbestimmt. So beginnt am Nachmittag die „Tour" durch die Betreuungseinrichtungen, wie z.B. Nachhilfe, Sportvereine, Musik- und Ballettschulen. Die Freizeit der Kinder ist viel durchorganisierter als früher, zunehmend fremdorganisiert. Sie halten sich zu festen Terminen in verschiedenen Institutionen auf. Oftmals werden sie von den Eltern mit dem Auto von einem Termin zum nächsten gefahren, da eine derartige Fülle von Terminen sonst nicht zu bewältigen wäre.

Die Entfernungen zwischen den Handlungsorten verhindern eine kindgemäße Raumerschließung. Früher haben die Kinder die Distanzen der verschiedenen Institutionen eigenständig überwunden, heutzutage sind sie auf eine höhere Mobilität und damit auf ihre Eltern angewiesen. Hier entfällt also auch die zusätzliche Bewegung durch das zu Fuß gehen oder das Radfahren. Kinder kennen den Raumzusammenhang ihrer unmittelbaren Umgebung oftmals nicht mehr. Sie erleben ihren Nahraum weitestgehend als nicht miteinander verbundene Inseln, deren Zwischenraum für sie unerschlossen bleibt. Das „Kinderalltag mehr und mehr zur „Verinselung" [wird]"10 illustriert das Schaubild „Verinselter Lebensraum von Kindern heute" (s. Abb. 2).

Das Spielen innerhalb der Familie oder mit den Nachbarskindern wird immer seltener, weil der Platz und die Nachbarskinder fehlen. Ein weiterer Grund ist häufig, dass die „bildungsbewussten Eltern in unserer Leistungsgesellschaft einen Vorteil für ihre Kinder sehen, wenn sie frühzeitig gefördert werden."11 Darüber hinaus ist durch den Wegfall des Bewegungsraums Straße die Bildung sozialer Beziehungen und Kontakte deutlich erschwert worden. So müssen Kinder sich der technologischen

Kommunikationswege wie Telefon oder Computer bedienen, um sich, nach genauem Studieren des eigenen Zeitplans, zu verabreden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Verinselter Lebensraum von Kindern heute in: Schubert, R./ Späte, D. (1998) S. 15

2.1.2 Kindheit und Medien

Kinder halten sich in der veränderten Wohnumwelt mehr und mehr im Haus, in ihrem Kinderzimmer auf. Der technische Fortschritt macht auch vor dem Kinderzimmer nicht halt. GLOGAUER stellte bereits 1993 fest, dass Grundschulkinder eine beträchtliche Anzahl von audiovisuellen Medien besitzen. Der Besitz dieser Medien hat in den letzten zehn Jahren erheblich zugenommen, so dass man heutzutage unter den 6-12-jährigen Grundschülern fast von einer Vollversorgung hinsichtlich CD- Player (91%), Fernseher (74,8%), Videospielen (69,6%) und Computer (58,7%) sprechen kann. Die Zeit, die heutige Kinder mit fernsehen verbringen, nimmt in der Gesamtheit der Freizeitaktivitäten den größten Teil ein. So stimmt es bedenklich, dass 43% aller 6-jährigen fast jeden Tag fernsehen und nicht selten gleich mehrere Sendungen hintereinander. Das Fernsehen bindet Zeit, die früher für aktive Tätigkeiten genutzt werden konnte. FUHS hat 1996 nachgewiesen, dass Fernsehen im Alltag umso weniger eine Rolle spielt, je höher der soziale Status der Familie ist. Darüber hinaus zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Art der besuchten Schule und der Häufigkeit der passiven Mediennutzung: je niedriger die Schulbildung ist, umso höher ist der Konsum.12

Mittlerweile ist jedes zweite Kind im Besitz eines eigenen Computers. Dies ist aus sportwissenschaftlicher Sicht kritisch zu betrachten, denn obwohl die Kinder den Umgang mit dem Computer schon früh lernen sollten, zwingt er sie auch zum Stillsitzen.

2.1.3 Kindheit und Bewegung

Für Kinder ist Bewegung als Möglichkeit der aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt für die körperliche und geistige Entwicklung - also für die gesamte kindliche Persönlichkeitsentwicklung - von extrem wichtiger Bedeutung.

„Kinder und Jugendliche benötigen für eine harmonische psychophysische Gesamtentwicklung ein ausreichendes Maß an Bewegung. Dieses Bedürfnis wird im allgemeinen von den Kindern durch ihren ausgeprägten Bewegungsdrang von selbst gesteuert."13

In der Interaktion mit der Umwelt sind Spiele und Bewegung unersetzlich. Kinder erfahren auf diesem Weg sich und ihre Umwelt. Durch die eigene Bewegung lernen sie sich mit ihrer Umwelt auseinander zu setzten, die Umwelt verbindet ihre Innenwelt mit ihrer Außenwelt. Aus diesem Grund ist nach WASMUND- BODENSTEDT die Bewegung „[...] neben der Sprache, bei sechs- bis achtjährigen Kindern ein wesentliches Ausdrucksmittel."14

Kinder lernen durch Handeln Ursachen und Wirkungszusammenhänge kennen und begreifen. So liefern die kinästhetischen Sinne (Gleichgewichts-, Tast-, Seh- und Hörsinn) dem Kind Eindrücke und Zusammenhänge über seine Umwelt. Die gesammelten Bewegungserfahrungen führen zu Körpererfahrungen. Darüber hinaus fördert Bewegung das Wachstum und steigert neben der Muskelkraft auch Ausdauer und Geschicklichkeit. Folglich schadet zu wenig Bewegung der Gesundheit, da die Enttwicklung des Skeletts und der Muskulatur verzögert werden können. Daraus können motorische Leistungsschwächen entstehen.15

2.1.4 Kindheit und Schulsport

Bewegungsfeindlichkeit findet sich jedoch nicht nur im außerschulischen Lebensraum von Kindern und Jugendlichen. Vielmehr tragen die institutionellen Rahmenbedingungen von Schule selbst dazu bei, dass eine gesunde Entwicklung erschwert wird: Langes Stillsitzen, geistige Anspannung und Konzentration auf einseitig kognitiv beanspruchende Anforderungen führen zu Missbefinden, Verspannungen und Überlastung. Nach PRIEBE/ ISRAEL/ HURRELMANN haben derartig bewegungsfeindliche Umorientierungen der Kindheit und ihrer Institutionen gravierende gesundheitliche Auswirkungen: Haltungs- und Koordinationsschwächen, Adipositas, Herz-Kreislauf-Schwächen und psychosomatische Störungen bereits im frühen Schulkindalter stellen eine Auswahl an besorgniserregenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen dar und sind heutzutage längst keine Seltenheit mehr.16

Zusammenfassend lässt sich die veränderte Lebenswelt der Kinder mit den Begriffen „Urbanisierung, Mediatisierung, Massenkonsum, Verhäuslichung und Sozialumbruch [darstellen], die Veränderungen in den Fähigkeiten der Kinder werden in der Regel mit dem Mangel an Sinnes-, Bewegungs-, Spiel-, Sozial- und Eigentätigkeitserfahrungen von Kindern beschrieben."17

Die verwandelte Lebenswelt der Kinder hat diese entsprechend beeinflusst. Sie bewirkt veränderte motorische Fähigkeiten und Voraussetzungen der Kinder und erfordert ein neues Unterrichtskonzept. Es stellt sich die Frage, wie die Schule darauf reagieren kann, um eventuelle Defizite frühzeitig aufzufangen bzw. auszugleichen.

Ein Schritt in die richtige Richtung ist zum einen das Konzept „Bewegte Schule", welches den Kindern u.a. eine tägliche Bewegungszeit im normalen Unterricht anbietet. Darüber hinaus gibt es noch einige andere Projekte, wie z.B. „Die fitte Schulklasse" oder „Die Gesunde Klasse", die ihre Schwerpunkte in der Bewegung, der Ernährung und der Entspannung haben.

„Insgesamt ist eine qualitätsgesicherte bewegungsorientierte Gesundheitsförderung in den letzten Jahren zwar einen Schritt vorangekommen, noch sind die vorliegenden Konzepte für den Schulbereich aber in keiner Weise ausreichend."18

Täglicher Sportunterricht will gegen Erfahrungs- und Bewegungsarmut angehen und versucht außerdem der einseitigen Vermittlung kognitiven Wissens entgegen zu wirken.

Wie bereits beschrieben, versucht der tägliche Sportunterricht den teilweise akuten Bewegungsmangel aufzufangen. Dies geschieht nicht nur mit der Absicht die sportmotorischen Fähigkeiten zu verbessern, wie in der vorliegenden Arbeit dargestellt, sondern ebenfalls um die Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstkonzept der Kinder positiv zu beeinflussen. Genauso wird vermutet, dass die tägliche Sportstunde Auswirkungen auf die intellektuelle Entwicklung hat.19 Zudem wurde von der untersuchten und im Folgenden vorgestellten Friedrich-Ebert- Schule in Bad Homburg berichtet, dass die Schüler durch den ausgeweiteten Sportunterricht in den anderen Fächern wesentlich ruhiger und konzentrierter mitarbeiten. Diese Tatsache müsste im Hinblick auf die Ergebnisse der PISA-Studie im Sinne einer jeden Schule sein.

2.2 Vorstellung Konzept „Tägliche Sportstunde" am Beispiel der Friedrich-Ebert-Schule in Bad Homburg

Das Konzept „Die tägliche Sportstunde an Grundschulen" besagt, dass alle Kinder einer Grundschule täglich eine Stunde Sportunterricht erhalten.

Für die Durchführung einer täglichen Sportstunde gibt es zwei Varianten. Zum einen kann sie in Form von zusätzlichen Sportstunden, d.h. durch Erweiterung der Stundentafel erteilt werden. Zum anderen kann sie, wie im vorliegenden Fall an der Friedrich-Ebert-Schule in Bad Homburg (im Folgenden FES), durch Umstrukturierung der Stundentafel und ohne eine Erweiterung derselben stattfinden. Anhand dieses Modellversuchs „Die tägliche Sportstunde" an der FES wird das Konzept der täglichen Sportstunde näher erläutert.

Das Schulprojekt „Die tägliche Sportstunde" entstand 1993 auf Initiative von Prof. Dr. Klaus Bös vom Institut für Sportwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main, unterstützt durch das hessische Kultusministerium und den damaligen Schulamtsdirektor des staatlichen Schulamtes. Das Projekt war Teil der Projektarbeiten im Rahmen des Landesforschungsschwerpunktes „Sport in Hessen unter besonderer Berücksichtigung der Prävention".

„Ausgangspunkt des Projektes war die Annahme, dass sich ein zeitlich erweiterter Sportunterricht überdurchschnittlich positiv auf die Schüler auswirken könnte, sowohl auf der motorischen Ebene (Verbesserung der Fitness) als auch auf der Verhaltensebene (Verminderung aggressiven Verhaltens, Senkung des Unfallrisikos)."20

Grundlage des Schulversuches war die wissenschaftliche Begleitung durch die Universität Frankfurt an einem auf vier Jahre angesetzten Projekt in der FES, die mit Beginn des Schuljahres 1993/94 eine tägliche Sportstunde für alle vier Klassenstufen einführte. Zum Vergleich wurde eine andere, von Größe und Struktur ähnliche Bad Homburger Grundschule herangezogen. In beiden Schulen wurde halbjährlich der Allgemeine Sportmotorische Test (AST) von BÖS/ WOHLMANN21 durchgeführt. Das Modellvorhaben erstrecke sich über einen kompletten Grundschuldurchlauf von vier Jahren, da die Entfaltung der motorischen Fähigkeiten ein Prozess ist, der sich über einen langen Zeitraum entwickelt.

Eine zentrale Bedingung für das Gelingen des Projektes lag in der Kooperationsbereitschaft des Lehrerkollegiums. Gerade wenn zugunsten des vermehrten Schulsportunterrichts Kürzungen in der Stundentafel bei anderen Fächern vorgenommen werden mussten, war die Überzeugungsarbeit gegenüber dem Kollegium und vor allem gegenüber den Eltern von entscheidender Bedeutung. Die Lehrkräfte, die sich nicht mit dem Sportunterricht befassten, gaben ihre Vorbehalte gegenüber dem ausgeweiteten Sportangebot relativ schnell auf. Laut Aussage der Schule waren die Eltern ebenfalls recht schnell von der Notwendigkeit körperlicher Aktivität überzeugt worden und stimmten den Maßnahmen zur Ausweitung des Schulsports zu. Nicht wenige Eltern geben mittlerweile bei der Schulanmeldung die tägliche Sportstunde als Argument für ihre Schulwahl an.

Nach der Zustimmung der Eltern und des Kollegiums musste die Stundentafel dementsprechend geändert werden. Statt der bisher drei Sportstunden sollten jetzt fünf untergebracht werden, ohne, so die Vorgabe des Projektes, die Stundentafel zu erweitern und den Bedarf an Sportlehrerstunden zu überschreiten. Hierfür fasste man in den ersten beiden Klassenstufen fünf Stunden Deutsch, zwei Stunden Sachkunde und drei Stunden Kunst/ Werken/ Musik zu insgesamt acht Stunden zusammen. Dieser Unterricht liegt in der Hand des Klassenlehrers, so dass dieser epochale Schwerpunkte setzen kann. In den dritten und vierten Klassen wurden ähnlich wie in den beiden unteren Klassenstufen fünf Stunden Deutsch, vier Stunden Sachkunde und vier Stunden Kunst/ Werken/ Musik zu elf Stunden in der Hand des Klassenlehrers zusammengefasst. So wurden jeweils zwei Stunden eingespart, die für den zusätzlichen Sportunterricht zur Verfügung standen.

Ein weiteres organisatorisches Problem stellte die Hallennutzung sowie die Sportlehrerstundengestaltung dar. Um bei der vierzügigen Friedrich-Ebert- Grundschule eine tägliche Sportstunde einzuführen und jede Klasse weiterhin wie bisher alleine zu unterrichten, wären 80 Sportlehrerwochenstunden benötigt worden. Abgesehen davon, dass diese Zahl schon rein personell nicht zu bewältigen war, kam noch hinzu, dass in einer Woche mit täglich sechs Stunden nur 30 Hallenstunden zur Verfügung standen. Aus diesem Grund wurden zwei bis drei Klassen eines Jahrgangs zu einer „Sportgruppe“ zusammengefasst. Im laufenden Schuljahr werden teilweise sogar bis zu vier Klassen gleichzeitig unterrichtet. So änderte sich auch die Organisationsform des Sportunterrichts, welcher nur noch in Großgruppen stattfand.

Mittlerweile hat sich für die Arbeit mit den Großgruppen ein Lehrerteam bestehend aus mindestens zwei ausgebildeten Sportlehrkräften als optimal herausgestellt. Wo immer es der Stundenplan erlaubt, werden auch Lehrer ohne Sportausbildung eingebunden, die methodische und sicherheitsrelevante Aspekte kennen lernen und somit eine Sicherung des Projektes für die Zukunft gewährleistet ist.

Der Sportunterricht an sich enthält nur wenige Frontalphasen. Er bietet den Kindern eine Vielzahl von Bewegungsangeboten, die diese frei ausprobieren können. Darüber hinaus findet oft Gruppenarbeit statt, freie Bewegung mit Kleingeräten wird praktiziert und selbst organisierte Spiele der Kinder werden in den Unterricht integriert.

Es hat sich nach Aussage der Schule gezeigt, dass Grundschulkinder in der Lage sind zu erkennen, dass sinnvolles Sporttreiben nur unter bestimmten Voraussetzungen wie z.B. Rücksichtname, Fairness und der Einhaltung bestimmter Rituale möglich ist. Während die Fitness der Grundschüler nachweislich angestiegen ist, haben das Unfallgeschehen und die Aggression der Kinder auf dem Pausenhof deutlich abgenommen. Zudem berichten alle Lehrkräfte davon, dass die Kinder im normalen Klassenunterricht ausgeglichener und konzentrationsfähiger geworden sind.22

Als das Schulprojekt mit Ende des Schuljahres1996/97 auslief, haben Gesamtkonferenz, Schulkonferenz und Elternbeirat aufgrund der positiven Ergebnisse beschlossen, die veränderte Stundentafel beizubehalten und auch weiterhin täglichen Sportunterricht anzubieten.23

2.3 Motorische Fähigkeiten

Der Begriff Motorik stellt neben dem Begriff Bewegung einen zentralen Begriff der Bewegungslehre des Sports dar. Die sportwissenschaftliche Fachliteratur bietet verschiedene Definitionsmöglichkeiten für beide Begriffe.

MEINEL ist der Auffassung, dass die Gegenstandsbereiche von Motorik und Bewegung identisch sind, während BUYTENDIJK, FETZ, FETZ/ BALLREICH den Gegenstandsbereich der Bewegung als echte Teilmenge der Motorik ansehen. SCHNABEL vertritt die Meinung, dass beide Gegenstandsbereiche über eine gemeinsame Schnittmenge verfügen. Dagegen gehen MARHOLD, GUTEWORT/ PÖHLMANN davon aus, dass die Begriffe Motorik und Bewegung getrennt voneinander zu betrachten sind.24 Bildlich lassen sich diese Ansätze wie folgt darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Mögliche Beziehungen zwischen Motorik und Bewegung in: Röthig, P. et al (1992) S. 319

Die vorliegende Arbeit orientiert sich an der Auffassung von BÖS/ MECHLING. Nach ihnen wird Motorik als „die Gesamtheit aller Steuerungs- und Funktionsprozesse verstanden, die Haltung und Bewegung zugrunde liegen."25 Nach ihrer Sichtweise werden die Begriffe Motorik und Bewegung getrennt voneinander betrachtet.

In der Sportwissenschaft differenziert man die motorischen Fähigkeiten in konditionelle und koordinative Fähigkeiten, die im Bewegungsvollzug jedoch eng zusammenwirken. Die motorischen Hauptbeanspruchungsformen Kondition und Koordination sind zentrale Leistungsvoraussetzungen für das Erlernen und Realisieren von körperlich-sportlichen Bewegungshandlungen. Es ist festzuhalten, dass eine Differenzierung in Kondition und Koordination nur aus Vereinfachungsgründen erfolgt. Keine Fähigkeit besteht ausschließlich aus konditionellen oder koordinativen Prozessen, sondern es überwiegt bestenfalls ein Element. Es herrscht demnach eine Wechselbeziehung zwischen Kondition und Koordination.26

Motorische Fähigkeiten kennzeichnen für ROTH/ WILL individuelle Unterschiede im Niveau der Steuerungs- und Funktionsprozesse, die bewegungsübergreifend von Bedeutung sind. Die motorischen Fähigkeiten bilden für die beiden die Voraussetzung für jeweils mehrere strukturell verschiedenartige Ausführungsformen.

Im Allgemeinen werden sie als Leistungsfaktoren aufgefasst, die nicht an ganz bestimmte Bewegungen gebunden sind, aber eine Vielzahl und verschiedenste Bewegungsmuster beeinflussen. Sie sind gewissermaßen als „Ausstattung" zu verstehen, mit der eine Person motorische Aufgaben bewältigen kann. 27 Eine etwas abstraktere Definition der motorischen Fähigkeiten liefern SCHEID/ PROHL:

„Unter den motorischen Fähigkeiten im engeren Sinne versteht man zum einen informationsorientierte Voraussetzungen bei der Planung, Komposition und neuromuskulären Feinabstimmung von Bewegungshandlungen (koordinative Fähigkeiten) und zum anderen energetische Voraussetzungen für den Umfang, die Intensität und die Dauer des muskulären Einsatzes (konditionelle Fähigkeiten)."28

Das folgende Schaubild macht eine Differenzierung der konditionellen und koordinativen Fähigkeiten nach BÖS deutlich:

MOTORISCHE FÄHIGKEITEN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Differenzierung motorischer Fähigkeiten in: Bös, K./ Tittlbach, S. (2002) S. 5

Zunächst werden die motorischen Fähigkeiten in energetisch determinierte (konditionelle) und informationsorientierte (koordinative) Fähigkeiten unterschieden. Anschließend erfolgt eine detailliertere Aufgliederung in die Teilbereiche Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Koordination und Beweglichkeit, die sogenannten Grundeigenschaften. Auf der dritten Ebene lassen sich insgesamt zehn motorische Fähigkeiten als Leistungsfaktoren für das Zustandekommen von Bewegungsleistungen unterscheiden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Während sich die sportwissenschaftliche Fachwelt bei der Zuordnung zu den konditionellen Fähigkeiten weitestgehend einig ist, herrschen bei der Differenzierung der koordinativen Fähigkeiten kontroverse Diskussionen.

Auf die motorischen Fertigkeiten wird in der vorliegenden Arbeit im Hinblick auf die Themenstellung nicht eingegangen.

2.3.1 Konditionelle Fähigkeiten

Für den Konditionsbegriff gibt es verschiedene Definitionen, abhängig vom Wissenschaftsbereich. So ist die Begriffsbestimmung aus der Sicht der Trainingslehre von MARTIN/ CARL/ LEHNERTZ:

„Kondition ist eine Komponente des Leistungszustandes. Sie basiert primär auf dem Zusammenwirken energetischer Prozesse des Organismus und der Muskulatur und zeigt sich als Kraft-, Schnelligkeits-, Ausdauerfähigkeit sowie Beweglichkeit im Zusammenhang mit den für diese Fähigkeiten erforderlichen psychischen Eigenschaften."29

eine andere, als die aus sportmedizinischer Sicht von RÖTHIG:

„Mit Kondition wird jener Komplex der sportlichen Leistungsfähigkeit des Menschen bezeichnet, der in besonderem Maße durch Aufbau und Funktion der energieliefernden Organsysteme bestimmt ist."30

Demnach sind unter konditionellen Fähigkeiten solche zu verstehen, die primär durch energetische Prozesse im Sinne der Energieübertragung und Energiebereitstellung bestimmt sind. Hierzu zählen die physischen Faktoren Ausdauer und Kraft. Die Zuweisung von Ausdauer und Kraft zu den energetisch determinierten Fähigkeiten ergibt sich aus der Abhängigkeit vom Herz-Kreislauf-System, der Skelettmuskulatur als zentralem System der Energiegewinnung und des Energietransports im menschlichen Organismus. Umfang und Struktur der Skelettmuskulatur werden als Voraussetzungen für die motorischen Kraftfähigkeiten angesehen, während die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems die bestimmende und limitierende Größe für Ausdauerleistungen darstellt.

Wie bereits erwähnt, herrscht über die der Kondition zugeordneten Fähigkeiten weitestgehend Einigkeit. Einzig umstrittener Punkt ist die Ansiedlung von Schnelligkeit und Beweglichkeit. HOHMANN/ LAMES/ LETZELTER z.B. räumen ihnen eine Zwischenstellung zwischen Kondition und Koordination ein, während andere Sportwissenschaftler sie als eigenständige Fähigkeitsbereiche sehen.31 Schnelligkeit gehört für einige Autoren definitiv zu dem Bereich Kondition, für andere nimmt die Schnelligkeit eine Mittelstellung zwischen konditionellen und koordinativen Fähigkeiten ein. Schnelle Bewegungen sind dadurch charakterisiert, dass sie aus einer optimalen Verknüpfung des energetischen Potentials mit der Qualität sensorischer Regulationsprozesse bestehen.32

Während die Beweglichkeit u.a. von BÖS, wie im Schaubild „Differenzierung motorischer Fähigkeiten" (s. Abb. 4) deutlich erkennbar ist, nicht präzise zugeordnet werden kann, wird sie in neueren Untersuchungen von MARTIN/ CARL/ LEHNERTZ zu den konditionellen Fähigkeiten gezählt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Modell zur Ausdifferenzierung der Kraft-, Schnelligkeits- sowie Ausdauerfähigkeiten und der Beweglichkeit in: Martin, D./ Carl, K./ Lehnertz, K. (2001) S. 89

Im Folgenden wird ausschließlich auf die einzelnen konditionellen Fähigkeiten und ihre Bedeutung für den Schulsport in Grundschulen eingegangen, die im sportmotorischen Test im zweiten Teil der Arbeit näher untersucht werden. Dies sind Schnellkraft, Reaktions- bzw. Aktionsschnelligkeit, Kurzzeitausdauer bzw. allgemeine Ausdauer, sowie Beweglichkeit und Dehnfähigkeit.

2.3.1.1 Kraft

Sportliche Leistungen sind ohne motorische Kraft nicht zu realisieren. Die folgende biologische Kraftdefinition zeigt, welche Möglichkeiten es gibt, um durch Training Einfluss auf die Kraftentfaltung zu nehmen:

„Kraft im Sport ist die Fähigkeit des Nerv-Muskelsystems, durch Innervations- und Stoffwechselprozesse mit Muskelkon­traktionen Widerstände zu überwinden (konzentrische Arbeit), ihnen entgegenzuwirken (exzentrische Arbeit) bzw. sie zu halten (statische Arbeit)."33

[...]


1 Vgl. Grosser, M./ Starischka, S./ Zimmermann, E. (2004) S.176

2 Vgl. Obst-Kitzmüller, F. (2002) S. 13f , Bös, K. (1997) S. 10, Zimmer, R. (1991) S. 25f

3 Vgl. Dordel, S. (2000) S. 341f, Kretschmer, J.: www.sportpraxis.com/cms/red/download/KretschmerFAQ.pdf am 07.09.04, Kretschmer, J./ Giewald, C. (2001) S. 44f

4 Balz, E. et al (Regensburger Projektgruppe) (2001) S. 88

5 Büchner (2001) zitiert nach Schmidt, W./ Harmann-Tewes, I./ Brettschneider, W.-D. (2003) S. 42

6 Vgl. Obst-Kitzmüller, F. (2002) S. 27

7 Zeiher (1995) zitiert nach Obst-Kitzmüller, F. (2002) S. 25

8 Priebe, B./ Israel, G./ Hurrelmann, K. (1993) S. 250

9 Bös (1997) zitiert nach Obst-Kitzmüller, F. (2002) S. 24

10 Rolff, H.-G./ Zimmermann, P. (1997) S. 152

11 Zinnecker (1989) zitiert nach Balz, E. et al (Regensburger Projektgruppe) (2001) S. 89

12 Vgl. Schmidt, W./ Harmann-Tewes, I./ Brettschneider, W.-D. (2003) S. 39

13 Weineck (1990) zitiert nach Obst-Kitzmüller, F. (2002) S. 24

14 Wasmundt-Bodenstedt (1984) zitiert nach Obst-Kitzmüller, F. (2002) S. 23

15 Vgl. Obst-Kitzmüller, F. (2002) S. 22f

16 Vgl. Priebe, B./ Israel, G./ Hurrelmann, K. (1993) S. 253

17 Kretschmer, J./ Giewald, C.: www.erzwiss.uni-hamburg.de/Projekte/Kkurl/rl_text.doc am 07.09.04

18 Schmidt, W./ Harmann-Tewes, I./ Brettschneider, W.-D. (2003) S. 80

19 Vgl. Schmidt, W./ Harmann-Tewes, I./ Brettschneider, W.-D. (2003) S. 142f

20 Bös, K./ Obst, F.: www.dslv.de/Homburger%20Schulprojekt.pdf am 07.09.04

21 Bös, K./ Wohlmann, R. (1987) S. 145-156

22 Vgl. Bös, K./ Obst, F.: www.dslv.de/Homburger%20Schulprojekt.pdf am 07.09.04 und www.fes-hg.de/w_spo.htm am 07.04.04 und Informationen aus einem Gespräch mit Herrn Bethge, dem derzeitigen Schulleiter der Friedrich-Ebert-Schule in Bad Homburg am 27.09.04

23 Vgl. Obst, F./ Bös, K. (1998) S. 14

24 Vgl. Röthig, P. et al (1992) S. 319

25 Bös/ Mechling (1992) zitiert nach Singer, R./ Bös, K. (1994) S. 14

26 Vgl. Weineck, J. (2002) S. 137

27 Vgl. Neumann, H. (2003) S. 123

28 Scheid, V./ Prohl, R. (2001) S. 127

29 Martin, D./ Carl, K./ Lehnertz, K. (2001) S. 87

30 Röthig, P. et al (1992) S. 241

31 Vgl. Neumann, H. (2003) S. 124

32 Vgl. Grosser in Scheid, V./ Prohl, R.: Bewegungslehre - Kursbuch Sport. S. 128f

33 Grosser, M./ Starischka, S./ Zimmermann, E. (2004) S. 40

Ende der Leseprobe aus 79 Seiten

Details

Titel
Die tägliche Sportstunde an Grundschulen - Auswirkungen auf die sportmotorischen Fähigkeiten
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
79
Katalognummer
V53121
ISBN (eBook)
9783638486521
Dateigröße
1191 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sportstunde, Grundschulen, Auswirkungen, Fähigkeiten
Arbeit zitieren
Rajka Repenning (Autor), 2004, Die tägliche Sportstunde an Grundschulen - Auswirkungen auf die sportmotorischen Fähigkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53121

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