Diese Hausarbeit hat zum vorrangigen Ziel, darzustellen, inwiefern sich die USamerikanische Nation in ihrer Vergangenheit im Einklang bzw. in Zwietracht zu ihrem Freiheitsverständnis befunden hat. Es geht hierin vordringlich um die Übereinstimmung bzw. den Unterschied zwischen Proklamation und Wirklichkeit. Der für diesen Zweck begutachtete Zeitraum der Historie der USA ist jener, der diesbezüglich der wohl deutlich widersprüchlichste ist. Er erstreckt sich von Mitte der 1850er Jahre bis 1876 über folgende drei Phasen: Vorabend des Bürgerkriegs, Krieg und Rekonstruktion. Explizit im Mittelpunkt der Betrachtung soll die Emanzipation der Schwarzen bzw. der Missstand der Sklaverei als offensichtlicher Widersatz zur Freiheits- und Gerechtigkeitsliebe der US-Amerikaner stehen. Diese Arbeit baut sich wie folgt auf. Nach der Vorstellung des Forschungsstandes soll zunächst der Frage auf den Grund gegangen werden, wie das Freiheitsverständnis der USA als Teil der nationalen Identität soll entstanden ist. Auf welchen Entwicklungen und Strömungen beruht es? Worin manifestiert es sich? Wie hat es die Menschen, das Volk, die Gesellschaft beeinflusst? Dieses zu ergründen, wird Aufgabe des ersten Abschnitts sein. Zudem wird hier zum ersten Mal auf den Widerspruch zwischen Freiheitsanspruch und Versklavung hingewiesen. Entsprechend der Maßgabe, die Sklaverei und die Emanzipation der Schwarzen in den Mittelpunkt der diachronisch-analytischen Betrachtungen zu stellen, soll im nächsten Kapitel das Wesen der Sklaverei verschiedenartig beleuchtet werden. Hierbei liegt der Fokus auf den Lebensumständen der Schwarzen, deren Stellung und Bedeutung. Des Weiteren soll hier einer ausführlichen Gegenüberstellung der Argumente für und wider die Sklaverei Raum gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Forschungsstand
3 Das Freiheitsverständnis der Vereinigten Staaten von Amerika
3.1 Der Einfluss der Religionen
3.2 Weltlich-philosophische Einflüsse
3.3 Das Selbstverständnis der Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika
3.4 Der Widerspruch von Anspruch und Wirklichkeit
4 Die Sklaverei
4.1 Die Sklaverei und die Sklaven als Wirtschaftsfaktoren
4.2 Rechtliche Stellung von Sklaven und freien Schwarzen
4.3 Lebensbedingungen der Sklaven in den USA
4.4 Aktiver und passiver Widerstand der Sklaven
4.5 Öffentlicher Widerstand gegen Sklaverei – Die Abolitionisten
4.6 Argumente Für und Wider die Sklaverei
5 Auf dem Weg in den Krieg
5.1 Marksteine der Sezession
5.1.1 Die Bedingung des David Wilmot und die Volkssouveränität
5.1.2 Das Kansas-Nebraska-Gesetz
5.1.3 Das Dred-Scott-Urteil
5.1.4 Die Sezession
6 Der Krieg
6.1 Verlauf des Krieges
6.2 Die Emanzipationserklärung
7 Rekonstruktion
7.1 Die Situation nach dem Krieg
7.2 Emanzipation der Schwarzen und Wiederherstellung der Nation
7.3 Das Ende der Rekonstruktion und die Zeit danach
7.4 Fazit der Rekonstruktion
8 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den historischen Widerspruch zwischen dem US-amerikanischen Freiheitsanspruch und der Existenz der Sklaverei im Zeitraum von Mitte der 1850er Jahre bis 1876. Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Nation mit diesem fundamentalen Zwiespalt zwischen politischer Proklamation und gesellschaftlicher Wirklichkeit umging.
- Herausbildung des US-amerikanischen Freiheitsverständnisses und nationalen Selbstbildes
- Strukturen und Lebensbedingungen innerhalb der Sklaverei im Süden der USA
- Eskalation des Konflikts zwischen Nord- und Südstaaten bis zur Sezession
- Rolle des Bürgerkriegs und der Emanzipationserklärung im Transformationsprozess
- Scheitern der Rekonstruktion bei der Gleichstellung von Schwarz und Weiß
Auszug aus dem Buch
4.2 Rechtliche Stellung von Sklaven und freien Schwarzen
Wie repressiv, unwürdig und unmenschlich die vier Millionen Sklaven von ihren ungefähr 38.300 Herren (im Jahr 1860) behandelt wurden zeigten die „slave codes“. Diese waren ein Bündel von Gesetzen und regelten jeden Lebensbereich der Sklaven, so dass diese immer untergeordnet, diszipliniert und arbeitsam gehalten und dadurch drohende Aufstände niedergehalten wurden. Zwar unterschieden sich die „slave codes“ von Staat zu Staat, jedoch blieb die Grundtendenz immer dieselbe: „Ein Sklave ist keine Person, er ist Eigentum.“ Er wurde zur beweglichen Habe und zur juristischen Unperson. Um Sklaven jedoch auch gerichtlich belangen zu können, musste ihnen ein freier Wille zugestanden werden, weswegen Schwarze in den seltsamen Mischstatus Ding-Mensch eingeordnet wurden.
Im Sklavenkodex wurde unter anderem festgelegt, dass jedes Kind einer Sklavin, egal von welchem Vater, auch ein Sklave sein sollte. So kam es, dass viele Besitzer ihre eigenen Kinder versklavten, denn „die sexuelle Zwangsherrschaft war [...] eine wesentliche Dimension in der sozialen Beziehung zwischen dem Sklavenherrn und der Sklavin“, was sich in zahllosen Vergewaltigungen ausdrückte. Des weiteren konnten Sklaven vor Gericht weder als Zeuge noch als Ankläger über das Verhalten eines Weißen aussagen bzw. auftreten. Den Unfreien war es auch verboten jegliche Gewalt gegen Weiße anzuwenden, auch im Falle der Notwehr. Da ein Sklave kein Rechtssubjekt war, durfte er, laut dem Sklavenkodex, keinen Besitz haben oder Verträge abschließen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in den zentralen Widerspruch zwischen dem US-amerikanischen Freiheitsanspruch und der Sklaverei im Zeitraum von 1850 bis 1876 ein.
2 Forschungsstand: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die umfangreiche Literatur zur US-amerikanischen Geschichte, Sklaverei, Bürgerkrieg und Rekonstruktion.
3 Das Freiheitsverständnis der Vereinigten Staaten von Amerika: Hier werden die religiösen und philosophischen Wurzeln des "American way of life" sowie die Diskrepanz zur Realität beleuchtet.
4 Die Sklaverei: Das Kapitel analysiert die Sklaverei als Wirtschaftsfaktor, die rechtliche Situation der Sklaven, ihren Widerstand sowie die Rolle der Abolitionisten.
5 Auf dem Weg in den Krieg: Dargestellt werden die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Gegensätze zwischen Nord und Süd, die zum Bürgerkrieg führten.
6 Der Krieg: Dieses Kapitel behandelt den Verlauf des Konflikts, die Bedeutung der Emanzipationserklärung und die militärische Eskalation.
7 Rekonstruktion: Analysiert werden die Nachkriegszeit, die Versuche zur gesellschaftlichen Umgestaltung und das letztendliche Scheitern der Rekonstruktion.
8 Zusammenfassung: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse über das Freiheitsverständnis und die bleibende Zerrissenheit der Nation zusammengefasst.
Schlüsselwörter
USA, Sklaverei, Bürgerkrieg, Rekonstruktion, Freiheitsverständnis, Sezession, Emanzipation, Abolitionisten, Rassismus, Nordstaaten, Südstaaten, American way of life, Union, Conföderation, Menschenrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das US-amerikanische Freiheitsverständnis und beleuchtet kritisch den tiefgreifenden Widerspruch zwischen diesem idealisierten Selbstbild und der historischen Praxis der Sklaverei im 19. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Entwicklung der nationalen Identität, das System der Sklaverei, die Ursachen für den Ausbruch des Bürgerkriegs sowie die politischen und sozialen Prozesse während der Rekonstruktionsphase.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, darzustellen, wie und warum sich die US-amerikanische Nation über einen Zeitraum von rund 20 Jahren im Einklang oder im Zwiespalt zu ihrem Anspruch auf Freiheit und Gerechtigkeit befunden hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer diachronisch-analytischen Betrachtungsweise, die umfangreiche historische Literatur und Quellen nutzt, um gesellschaftliche und politische Entwicklungen nachzuzeichnen.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des religiös-philosophischen Freiheitsverständnisses, die detaillierte Beschreibung der Sklavenhaltung, die Entstehung des Sezessionskonflikts und den gescheiterten Prozess der gesellschaftlichen Neuordnung nach dem Krieg.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem "Freiheitsparadoxon", "Sklaverei", "Rekonstruktion", "Abolitionismus" und die Spannung zwischen "Anspruch und Wirklichkeit" in der US-Geschichte.
Warum konnte das System der Sklaverei trotz moralischer Bedenken so lange existieren?
Die Sklaverei war eng mit der ökonomischen Struktur des Südens verknüpft und wurde durch rassistische Ideologien sowie eine spezifische Auslegung religiöser Texte als "natürliche Ordnung" gerechtfertigt.
Warum wird die Rekonstruktion als fehlgeschlagen bewertet?
Trotz verfassungsrechtlicher Garantien für Schwarze scheiterte die Rekonstruktion an der tiefen Ablehnung der weißen Bevölkerung im Süden, dem schwindenden Interesse des Nordens an Gleichberechtigung und der Etablierung neuer diskriminierender Strukturen.
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- Johannes Keil (Author), 2005, Sklaverei, Bürgerkrieg und Rekonstruktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53156