Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen: Konfuzianismus und Taoismus II


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die protestantische Ethik
2.1. Die Berufsidee
2.2. Der Prädestinationsglaube
2.3. Freikirchen
2.4. Die innerweltliche Askese als Ergebnis

3. Der „Geist des Kapitalismus“

4. Konfuzianismus und Taoismus
4.1. Die konfuzianische Lebensorientierung
4.1.1. Ideologie
4.1.2. Praktische Auswirkungen
a) staatlich
b) wirtschaftlich
c) wissenschaftlich
4.2. Orthodoxie und Heterodoxie oder Konfuzianismus und Taoismus
4.3. Weltreligion vs. Volksreligion
4.3.1. Intellektualismus vs. Antiintellektualismus
4.3.2. Jenseitsglaube
4.3.3. Magie
4.4.Sekten- und Ketzerverfolgung in China
4.5. Die Verbreitung des Taoismus
4.6. Ergebnis

5. Einordnung der Studie in den Handlungszusammenhang

6.Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Max Webers Religionssoziologie untersucht ausgehend von seinem Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ den grundlegenden Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein einer bestimmten religiösen Ethik und der Entwicklung eines kapitalistischen Geistes. Dieser wiederum bildet schließlich eine entscheidende Voraussetzung für das Entstehen des modernen Kapitalismus, wie er Kennzeichen des Okzidents ist.

Grund zu der Annahme gab die These, dass Protestanten oft führende Rollen einnahmen, im Gegensatz zu den Katholiken, bei denen diese Tatsache nicht zu beobachten war[1]

In dem Zusammenhang untersucht er auch Wirtschaftsethiken der Weltreligionen, um Aufschluss darüber zu erlangen, ob deren Gesinnungen die Voraussetzung dafür gaben, dass in anderen Kulturen die Entstehung des modernen Kapitalismus ausblieb.

Im folgenden möchte ich nun so vorgehen, dass ich zuerst die „protestantische Ethik“ und den „Geist des Kapitalismus“ nach Weber vorstelle. Dann werde ich zum Haupteil dieser Arbeit kommen, nämlich der Ausarbeitung meines Referatthemas „Konfuzianismus und Taoismus“, und der Schluß beinhaltet die Einordnung des Referatthemas in den Handlungszusammenhang.

2. Die protestantische Ethik

Während der Reformation wurde versucht, das kirchliche Leben mehr in den Alltag der Gläubigen miteinzubeziehen, um einen Bruch mit den bisherigen Idealen des Christentums zu erlangen, die beschränkt waren auf einen kleinen elitären Kreis von Klerikern.

Daraus ergaben sich drei Merkmale für die neue Lebensweise der Protestanten: 1. die Berufsidee, 2. die Prädestinationslehre und 3. die Herausbildung von Freikirchen.

2.1. Die Berufsidee

Durch den Protestantismus erhielt die Arbeit eine Art von Aufwertung, indem sie zur Lebensaufgabe und zur Erfüllung derselben wurde. Sie wurde zu einem Produkt der Nächstenliebe, indem sie aufgrund der Arbeitsteilung den einzelnen zwang, sowohl für sich als auch für andere zu arbeiten. Nur auf diese Weise konnte man ein Leben führen, das nach Gottes Willen war, so die Reformatoren. Dennoch durfte man nicht versuchen, seinen Stand zu verlassen, um einen besseren Beruf zu erlangen, denn er war Gottes Wille und als gleichwertig zu betrachten[2]

Natürlich konnte eine solche Einstellung den Kapitalismus nicht fördern. Dies mussten also andere Strömungen verrichten, wie der Kalvinismus und die puritanischen Sekten.

So sah Calvin die Welt nicht als starre, gottgewollte Ordnung an, sondern durch sie musste Gottes Reich auf Erden erst errichtet werden. Auch Reichtum wurde als Zeichen für Erfolg angesehen und war damit erwünscht. Luxus und verschwenderischer Umgang mit Geld dagegen galten als gottlos und waren nicht erlaubt.

2.2. Der Prädestinationsglaube

Der kalvinistische Destinationsglaube besagt, dass alle Menschen durch Gott für ein Leben bestimmt sind und es nicht durch gute oder schlechte Taten versuchen können zu verändern.

Gottes Wille ist hier nicht beeinflussbar und hat absolute Gewalt. Man brachte den Menschen später die Überzeugung bei, selbst von Gott erwählt worden zu sein. Ungewissheit zeugte von unsicherem Glauben und ungenügender Wirkung von Gottes Gnade. Auf diese Weise machte man die Menschen zu selbstbewußten Gläubigen, indem sie sich nun ihrem Beruf unterwarfen, um ihre individuelle Aufgabe zu meistern.

2.3. Freikirchen

Die Freikirchen wie auch die Sekten wurden zur Organisationsform vieler protestantischer Strömungen, so auch der Puritaner. Sakramente oder jegliche Art von Lebensreglementierung wurde von ihnen abgelehnt. Da ihre Quantität eher gering war im Vergleich zu den Kirchen, konnten sich hier die kalvinistischen Regeln viel besser anwenden lassen. Ihre Missachtung wurde schwer verfolgt. Im Gegensatz dazu wurden aber auch beispielsweise effiziente ökonomische Handlungen belohnt, was wiederum den Anreiz nach beruflichem Erfolg vergrößerte.

2.4. Die innerweltliche Askese als Ergebnis

Innerweltliche Askese bedeutet den Rückzug aus dem weltlichen Leben in das außerweltliche Leben. Im Gegensatz dazu forderte der Protestantismus von seinen Anhängern innerweltliches Handeln nach Gottes Wille, was in stark ökonomischer Aktivität und damit einer ethischen Aufwertung des Berufs endet.

Die protestantische Ethik und damit die innerweltliche Askese resultierten demnach in einer ökonomischen und zugleich rationalen Lebensführung, die gegensätzlich war zum bisherigen Traditionalismus. Sie bildet schließlich die Basis für die Herausbildung des „kapitalistischen Geistes“ und damit auch der Entstehung des modernen Kapitalismus.

3. Der „Geist des Kapitalismus“

Mit dem „Geist des Kapitalismus“ im Weberschen Sinne ist eine kapitalistische Gesinnung und das Tragen von Eigenschaften von Individuen gemeint, die den Kapitalismus als Wirtschafts- und Gesellschaftsform förderten. Im Grunde also aufopfende wirtschaftliche Arbeit, die nicht nur dem Selbstzweck dient, sondern auch der Gemeinschaft und dem Staat.

Herrschte bisher der Traditionalismus, so war dieser Geist etwas völlig Neues[3].

Vergleicht man nun diese Gesinnung mit dem Protestantismus, so lassen sich doch gewisse Parallelen feststellen.

Diese Zusammenhänge möchte ich im folgenden kurz darstellen:

Der Kapitalismus verbreitete sich vor allem in protestantischen Regionen, was bedingt war durch die Folgen der Berufsidee, der Prädestinationslehre und der Bildung der Freikirchen, nämlich dass gerade dort viele willige Arbeitskräfte zu finden waren, die den Reichtum fördern wollten. Es gäbe noch viele weitere Gründe, deren Aufführung hier kein Platz findet.

Ich denke aber, es ist deutlich geworden, dass ein enges Verhältnis besteht zwischen der protestantischen Religion und der Schaffung des modernen Kapitalismus.

Webers Ansichten sorgten jedoch für viel Kritik, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Soziologie.

Letztendlich stellt sich aber für uns die Frage, warum sich die wirtschaftlichen Verhältnisse des Okzidents, wie übrigens auch die des Künstlerischen und Wissenschaftlichen, die wohl einer Art Rationalisierung unterzogen worden sind, sich nicht auch in China oder Indien ähnlich entwickelten. Deshalb beschäftigte sich Max Weber, ausgehend von seiner „protestantischen Ethik“ und dem „Geist des Kapitalismus“ mit anderen Weltreligionen, wie dem Konfuzianismus, um einen Versuch zu starten, Zusammenhänge zwischen einer Glaubensrichtung und bestimmten wirtschaftlichen Verhältnisse zu erklären.

Im folgenden komme ich nun zu der Ausarbeitung meines Referats über Konfuzianismus und Taoismus.

[...]


[1] Vgl. Weber, Max, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I. Tübingen, 1988, 23

[2] Vgl. Weber, 71

[3] Vgl. Weber, 53

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen: Konfuzianismus und Taoismus II
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V53186
ISBN (eBook)
9783638487023
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Lektürekurs: Max Webers Religionssoziologie
Schlagworte
Wirtschaftsethik, Weltreligionen, Konfuzianismus, Taoismus, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Catherine Kimmle (Autor), 2001, Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen: Konfuzianismus und Taoismus II, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53186

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