Durch die Ausweitung und Intensivierung der Globalisierung gewinnt auch das internationale Marketing immer mehr an Bedeutung. Zu den Motiven und Anreizen für die Ausbreitung der Unternehmen auf die ausländischen Märkte werden vor Allem drei Gründe gezählt: Die Erweiterungender „General Agreement on Trade in Service“ (GATS)und der„Trade Related Aspects of Intellectual Property Rights“ (TRIPS),welche zur Erweiterung der Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GeneralAgreements on Tariffs and Trade, GATT)führte, die sukzessive Erweiterung und Vertiefung der Europäischen Union (EU) mit ihrer Einführung der Einheitswährung (Euro) sowie schließlich die großen Fortschritte in der Kommunikations- und Transporttechnologie (vgl. Bauer 2002, S.1-2). Der durch die Globalisierung der Märkte zunehmende Wettbewerb in der weltweiten Wirtschaft führt zu einem immer stärkeren und vermehrten Bedarf an internationalem Marketing und dadurch auch zu einem steigenden Bedarf an Marktinformationen. Diese Chance machen sich insbesondere die in Deutschland bereits vorhandenen Marktforschungsinstitute zu Nutze, indem sie sich auf die neu zu erschließenden Märkte ausbreiten, um dort die nun immer wichtiger werdende internationale Marktforschung durchzuführen (vgl. Berekhove 2004, S.319). Denn um erfolgreich neue Märkte erobern zu können, braucht ein Unternehmen erst ausreichende und präzise Informationen über die ausländische Marktsituation. Internationale Marktforschung ist also Vorraussetzung, um erfolgreich internationales Marketing betreiben zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Rolle der internationalen Marktforschung im internationalen Marketing
2. Anforderungen an die internationale Marktforschung
3. Probleme der internationalen Marktforschung
3.1. Probleme bei der Übersetzung des Messinstruments
3.2. Bias- Neigungen und ihre Auswirkungen auf die Äquivalenz der Marktforschungsstudie
3.3. Probleme bei der Durchführung der Marktforschungsstudie
4. Entwicklung und Zukunftsperspektiven der internationalen Marktforschung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Seminararbeit analysiert die spezifischen Herausforderungen, die bei der Durchführung internationaler Marktforschungsstudien entstehen, um die notwendige Qualität für fundierte Marketingentscheidungen zu gewährleisten. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie Anforderungen wie Äquivalenz, Validität und Reliabilität trotz kultureller und sprachlicher Barrieren sichergestellt werden können.
- Bedeutung der internationalen Marktforschung im Zuge der Globalisierung
- Qualitätskriterien: Äquivalenz, Validität und Reliabilität
- Sprachliche Herausforderungen und Übersetzungsmethoden
- Kulturelle Bias-Neigungen (Konstrukt-, methodische und Item-Bias)
- Herausforderungen bei der Durchführung und Datenerhebung
Auszug aus dem Buch
3.1. Probleme bei der Übersetzung des Messinstruments
Um internationale Marktforschung überhaupt betreiben zu können, ist es meist unumgänglich das Messinstrument, in den meisten Fällen den Fragebogen, in die landesgebräuchliche Sprache zu übersetzen. Selbst bei Studien innerhalb eines Landes kann dies unter Umständen von Nöten sein, falls es in dem Land verschiedensprachige Bevölkerungsgruppen gibt, wie zum Beispiel in den Vereinigten Staaten von Amerika oder Belgien. Oft werden in solchen Situationen die Messinstrumente einem Institut übergeben, welches sich auf gerade diese Übersetzungsarbeiten spezialisiert haben. Einrichtungen dieser Art sind unter Anderem EUROBAROMETER, zuständig für Europa, ISSP (International Social Survey Programme) oder WVS (World Values Survey) (vgl. Harkness(ZUMA) 1998, S.87-88).
Selbst innerhalb einer Sprache kann es zu erheblichen Unterschieden kommen, wie an folgender Tabelle deutlich zu sehen ist (vgl. Tabelle 1).
Nicht nur bei gleicher Sprache in verschiedenen Ländern, hier Frankreich und Kanada, variiert die Antwortskala, sondern auch bei Übersetzungsvorschlägen für das gleiche Land treten gravierende Unterschiede von Institut zu Institut auf. Während die EUROBAROMETER Französisch Skala und die ISSP Französisch-Kanada Skala in Struktur und Semantik eine relativ hohe Deckungen mit der ISSP Englisch Quellenskala (die Masterskala, welche es zu übersetzen galt) erkennen lassen, sie benutzen zum Beispiel beide die gleichen Stichworte agree - disagree/d´accord - pas d´accord, unterscheidet sich die ISSP Französisch Skala deutlich mehr von der ursprünglichen Übereinstimmungsskala. Hier wird nicht nur ein anderes Stichwort, approuver, verwendet, welches semantisch von der Quellenskala abweicht, sondern auch strukturell hebt sich diese Version von allen anderen ab, da hier die Antworten in ganzen Sätzen formuliert wurden (vgl. Harkness 2003, S.55-56). Die Frage ist nun, welche der drei Übersetzungen am Besten geeignet ist, um die oben genannten Anforderungen an die internationale Marktforschung zu erreichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Rolle der internationalen Marktforschung im internationalen Marketing: Das Kapitel erläutert den wachsenden Bedarf an globaler Marktinformation durch zunehmende Internationalisierung und Globalisierung.
2. Anforderungen an die internationale Marktforschung: Hier werden zentrale Gütekriterien wie Äquivalenz, Validität und Reliabilität definiert, die für die Verwertbarkeit internationaler Studienergebnisse essenziell sind.
3. Probleme der internationalen Marktforschung: Dieser Abschnitt analysiert die Schwierigkeiten bei der Übersetzung, kulturell bedingte Bias-Effekte und die praktischen Hindernisse bei der Datenerhebung im Ausland.
4. Entwicklung und Zukunftsperspektiven der internationalen Marktforschung: Das Kapitel beleuchtet das Marktwachstum der Branche und prognostiziert eine steigende Relevanz der Marktforschung durch den zunehmenden globalen Wettbewerbsdruck.
Schlüsselwörter
Internationale Marktforschung, Globalisierung, Internationales Marketing, Äquivalenz, Validität, Reliabilität, Messinstrumente, Übersetzungsmethode, Kulturbedingte Bias, Konstrukt-Bias, Methodische Bias, Item-Bias, Datenerhebung, Marktforschungsinstitute, ESOMAR
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik und den Herausforderungen, die bei der Durchführung von Marktforschungsstudien in einem internationalen Kontext auftreten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Qualitätsanforderungen an internationale Daten, sprachliche Übersetzungsprobleme, kulturelle Verzerrungseffekte (Bias) und die logistischen Herausforderungen bei der Datenerhebung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Schwierigkeiten aufzuzeigen, die bei der Harmonisierung internationaler Studiendaten auftreten, und darzulegen, wie trotz unterschiedlicher Sprachen und Kulturen eine vergleichbare Datenqualität erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, die auf einschlägige Fachquellen der internationalen Marktforschung und interkulturellen Methodik zurückgreift.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Qualitätskriterien, die spezifischen Probleme bei der Übersetzung, die Analyse von Bias-Neigungen (Konstrukt-, methodische und Item-Bias) sowie Hürden bei der praktischen Durchführung von Befragungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind internationale Marktforschung, Äquivalenz, Bias, Validität und Globalisierung.
Warum ist die Übersetzung des Messinstruments ein kritisches Problem?
Wie im Text dargelegt, führen selbst kleine semantische oder strukturelle Unterschiede in der Übersetzung zu erheblichen Verzerrungen, was die Vergleichbarkeit der Ergebnisse in verschiedenen Ländern gefährdet.
Was versteht man unter dem Komitee-Ansatz?
Es ist eine Vorgehensweise, bei der zweisprachige Muttersprachler die Übersetzung durchführen, um sowohl sprachliche Genauigkeit als auch die kulturelle Verständlichkeit der Fragen sicherzustellen.
Welchen Einfluss haben Bias-Neigungen auf die Forschung?
Bias-Neigungen, wie etwa Höflichkeits-Bias oder unterschiedliche Antwortmuster in verschiedenen Kulturen, führen zu systematischen Verzerrungen, die die Validität der Ergebnisse beeinträchtigen können.
- Quote paper
- Reni Gründler (Author), 2005, Probleme der internationalen Marktforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53201