In den vergangenen zwei Jahrhunderten nutzte man stets einfache Modelle zur Erklärung wirtschaftlicher Zusammenhänge. Diese Modelle gingen von vollkommener Markttransparenz und einer gleichmäßigen Verteilung von Informationen aus. Es gibt keine Kosten, die durch Informationsbeschaffung entstehen. In einer solchen Modellwelt ließen sich aber Erscheinungen wie Arbeitslosigkeit und Kreditrationierung nicht oder nur unzulänglich erklären. Seit den 70er Jahren gewann die Theorie der asymmetrischen Informationsverteilung (ASIV) immer mehr an Bedeutung. Insbesondere vorangetrieben durch die Arbeiten von George Akerlof und Joseph Stiglitz wurde diese Theorie zu einem Modell entwickelt, welches o.g. Zusammenhänge exakter erklären kann als die einfachen Modelle. In dieser Abhandlung sollen zunächst die Grundlagen der asymmetrischen Informationsverteilung und die Folgen dargestellt werden. Schließlich wird die Anwendung auf Finanzintermediäre und den Markt, in dem diese agieren, vorgenommen. Es soll geklärt werden, wie es zu Kreditrationierung kommt und warum Banken im Umfeld von ASIV auf Gewinn verzichten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Das neoklassische Modell – eine Welt ohne Transaktionskosten
Die Bedeutung von Transaktionskosten
Unkenntnis und Unsicherheit als Folge von Transaktionskosten
Asymmetrische Informationsverteilung
Adverse Selektion
Moralisches Risiko
„Screening“ und „Signaling“ – zwei Marktlösungen
Kreditinstitute in der Umgebung asymmetrisch verteilter Information
Die Folgen und die Reaktion des Kreditgebers
Anwendung der Marktlösungen zur Vermeidung von ASIV
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Theorie der asymmetrischen Informationsverteilung und deren Auswirkungen auf wirtschaftliche Transaktionen, mit einem besonderen Fokus auf den Bankensektor. Ziel ist es zu analysieren, wie Kreditinstitute im Kontext von Informationsasymmetrien agieren, welche Folgen dies für die Kreditvergabe hat und durch welche Mechanismen Banken versuchen, Risiken zu minimieren.
- Grundlagen der asymmetrischen Informationsverteilung (Principal-Agent-Theorie).
- Unterscheidung zwischen adverser Selektion und moralischem Risiko.
- Marktlösungen wie „Screening“ und „Signaling“ zur Informationsbeschaffung.
- Analyse der Kreditrationierung und das Verhalten von Kreditinstituten.
- Strategien von Banken zur Risikominimierung und zur Vermeidung von Marktversagen.
Auszug aus dem Buch
Adverse Selektion
Adverse Selektion tritt auf, wenn im Vorfeld eines Vertrages die Information zwischen den beiden Akteuren asymmetrisch verteilt ist. Zunächst gehe ich von einem Markt aus, auf dem Nachfrager und Anbieter sehr gut über die gehandelten Güter informiert sind. Die Nachfrager können die Qualität der Güter sehr gut einschätzen. Sie wählen dann ein Gut, das ihren Vorstellungen entspricht und sind bereit, dafür den entsprechenden Preis zu zahlen. Für ein Gut hoher Qualität werden sie auch einen hohen Preis zahlen.
Herrscht auf dem Markt Unkenntnis über die Qualität der Güter, so ist der Nachfrager nur zur Zahlung eines durchschnittlichen Preises bereit. Er weiß schließlich nicht, ob er ein Gut mit hoher oder niedriger Qualität erhält. Dies hängt vom Zufall ab. Der Anbieter wird auf diesem Markt Güter mit hoher Qualität nur mit Gewinnabschlag oder Verlust verkaufen. Aufgrund der Annahme der Gewinnmaximierung wird er also nur noch Güter mit durchschnittlicher bis schlechter Qualität anbieten. Die Durchschnittsqualität am Markt sinkt. Dies nehmen auch die Nachfrager wahr. Somit sinkt auch ihre Zahlungsbereitschaft, was erneut zum Wegfall der besten Qualitäten führt. Dieser Prozess setzt sich weiterhin fort. Irgendwann werden nur noch die schlechtesten Qualitäten gehandelt.
Die guten Qualität werden also durch die schlechten Qualitäten vom Markt verdrängt und der Preis pendelt sich auf niedrigem Niveau ein.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Theorie der asymmetrischen Informationsverteilung als Erweiterung klassischer Wirtschaftsmodelle zur Erklärung von Phänomenen wie Kreditrationierung.
Das neoklassische Modell – eine Welt ohne Transaktionskosten: Erläuterung des theoretischen Konzepts eines perfekten Marktes ohne Informationskosten, in dem keine Kreditrationierung existieren würde.
Die Bedeutung von Transaktionskosten: Darstellung der Realität wirtschaftlichen Handelns, in der Transaktionskosten ein wesentliches Entscheidungskriterium für Verträge darstellen.
Unkenntnis und Unsicherheit als Folge von Transaktionskosten: Differenzierung der Informationsmängel in Unkenntnis, Unsicherheit und Ungewissheit als Konsequenz begrenzten Wissens.
Asymmetrische Informationsverteilung: Hinführung zum Grundgedanken der Principal-Agent-Theorie, bei der eine Seite über mehr Informationen verfügt als die andere.
Adverse Selektion: Analyse des opportunistischen Verhaltens vor Vertragsabschluss, das zur Verdrängung hochwertiger Güter vom Markt führt.
Moralisches Risiko: Untersuchung des opportunistischen Verhaltens nach Vertragsabschluss (verstecktes Handeln und versteckte Information).
„Screening“ und „Signaling“ – zwei Marktlösungen: Vorstellung der Strategien, durch Informationsbeschaffung oder Signalsetzung Informationsasymmetrien abzubauen.
Kreditinstitute in der Umgebung asymmetrisch verteilter Information: Anwendung der theoretischen Konzepte auf die spezifische Beziehung zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer.
Die Folgen und die Reaktion des Kreditgebers: Beschreibung der Maßnahmen von Banken zur Risikobegrenzung, wie Kreditgrößenbeschränkungen oder Diversifikation.
Anwendung der Marktlösungen zur Vermeidung von ASIV: Zusammenfassung der Möglichkeiten, durch Monitoring und Selbstauskunft Informationsvorteile zu generieren und das Risiko zu steuern.
Schlüsselwörter
Asymmetrische Informationsverteilung, Transaktionskosten, Principal-Agent-Theorie, Adverse Selektion, Moralisches Risiko, Kreditrationierung, Kreditinstitute, Screening, Signaling, Marktversagen, Finanzintermediäre, Informationsdefizit, Vertragstheorie, Risikomanagement, Informationsbeschaffung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ökonomische Theorie der asymmetrischen Informationsverteilung und deren praktische Bedeutung, insbesondere im Bereich der Kreditvergabe und bei Banken.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind Transaktionskosten, die Principal-Agent-Theorie, das Problem der adversen Selektion sowie die Auswirkungen von moralischem Risiko auf Vertragsbeziehungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, wie Informationsasymmetrien auf Märkten entstehen, welche Folgen sie haben und warum Banken im Umfeld dieser Informationsmängel auf Gewinnmaximierung verzichten können, um Risiken zu vermeiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Herleitung auf Basis der Neuen Institutionenökonomik und überträgt diese Modelle auf den Bereich der Finanzintermediation.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Transaktionskosten, Informationsmängel, Marktlösungen) und die praktische Anwendung auf den Kreditmarkt unter Berücksichtigung von Screening- und Signaling-Instrumenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Asymmetrische Informationsverteilung, Adverse Selektion, Moralisches Risiko und Kreditrationierung maßgeblich definiert.
Warum kommt es laut Autor zu einer Kreditrationierung?
Die Kreditrationierung ist eine notwendige Reaktion der Banken, um sich vor den negativen Effekten asymmetrischer Information zu schützen, da eine Zinserhöhung oft nur noch schlechte Risiken anzieht (adverse Selektion).
Welche Vorteile haben Kreditinstitute bei der Informationsbeschaffung?
Kreditinstitute profitieren von der Fähigkeit zur vollständigen Internalisierung gewonnener Informationen sowie von Skalenvorteilen aufgrund jahrelanger Erfahrung und Spezialisierung in diesem Bereich.
- Quote paper
- René Walther (Author), 2004, Asymmetrische Informationsverteilung - Theorie und praktische Darstellung am Beispiel von Kreditinstituten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53240