Der wirtschaftliche Aufstieg Ostasiens: Zwischen Wunder und Fata Morgana


Seminararbeit, 2004

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einfluss industriepolitischer Instrumente auf das East Asian Miracle
2.1 Die neoklassische Interpretation
2.2 Position der Weltbank – Zwischen Neoklassik und Revisionisten
2.3 Die Revisionistische Sicht als Kritik an der Neoklassik und der Weltbank
2.4 Zusammenfassung

3 Gründe für die industriepolitische Steuerungsfähigkeit
3.1 Erklärungen der Weltbank
3.2 Der Staat als innovativer Unternehmer

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Acht ostasiatische Staaten haben innerhalb von drei Jahrzehnten einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufstieg erlebt. Niemals zuvor haben sich Länder so schnell entwickelt. Japan, Hongkong, Korea, Singapur, Taiwan, Indonesien, Malaysia und Thailand stellen einen informellen Wachstumsverbund dar, der in den vergangenen Jahrzehnten ein fernöstliches Land nach dem anderen in die Moderne gerissen hat“[1] Seit 1960 wuchs das Bruttoinlandsprodukt dieser Länder mehr als doppelt so schnell wie in den restlichen ostasiatischen Ländern und dreimal so schnell wie in Latein Amerika. Ihr Anteil am Weltexport stieg in der Zeit von 1965 bis 1990 von 9 % auf 21%.[2] Besonders auffällig ist die geographische Konzentration der Wachstumsländer, so dass ein zufälliges Zustandekommen des Wachstums mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann.[3] Die Meinungen über die Ursachen des außergewöhnlichen Wachstums gehen weit auseinander. Besonders die Rolle des Regierungen und ihrer Industriepolitik werden kontrovers diskutiert. Einerseits behaupten die Neoklassiker, dass die Länder ihre außergewöhnliche, wirtschaftliche Entwicklung durch „Orientierung am Markt und am internationalen Wettbewerb“[4] erreicht haben und der Staat nur günstige Rahmenbedingungen schaffte. Im Gegensatz dazu sind die Revisionisten der Meinung, dass ein solches Wirtschaftwachstum nur mit gezielten, nicht marktkonformen Interventionen des Staates, wie der Protektion der Industrie vor internationalem Wettbewerb, möglich ist.[5]

Die Weltbank geht, ihrer Ansicht nach, in ihrem „marktfreundlichen“[6] Ansatz einen Mittelweg zwischen Neoklassischen Ansatz und Revisionisten.[7] 1993 erschien ihr Bericht: „The East Asian Miracle. Economic Growth and Public Policy“ (EAM) in dem sie das „wunderbare“ Wachstum der acht ostasiatischen Staaten, die im EAM Bericht unter „High performing Asian economies“ (HPAEs) zusammengefasst werden, zu erklären versucht.[8]

Im Folgenden sollen die Ansätze erläutert werden und besonders auf den Beitrag der Industriepolitik zum wirtschaftlichen Aufstieg der ostasiatischen Länder eingegangen werden.

2 Einfluss industriepolitischer Instrumente auf das East Asian Miracle

„Unter ‚Industriepolitik’ verstehen wir die Gesamtheit aller staatlichen Maßnahmen im Hinblick auf die Reallokation von Produktionsfaktionen zwischen Industrien oder innerhalb einer Industrie, mit dem expliziten oder impliziten Ziel die wirtschaftlichen Wohlfahrt zu steigern oder die wirtschaftliche Wohlfahrt über den Umfang hinaus zu erhöhen, der bei freiem Wettbewerb bestünde.“[9] Man kann zwischen impliziter und expliziter Industriepolitik unterscheiden. Jeder Staat betreibt implizite Industriepolitik indem er mit seinen Maßnahmen irgendwie Einfluss auf die Industriestruktur ausübt. Explizite Industriepolitik bedeutet die bewusste, konzeptionell kontrollierte Einflussnahme. Strittig ist besonders der Erfolg der expliziten Industriepolitik im Zusammenhang mit dem EAM.

Es gibt drei verschiedene Ansichten über die Intensität und den Erfolg der Industriepolitik in den ostasiatischen Staaten: Japan und der Tigerstaaten: Hongkong, Korea, Singapur, Taiwan, Indonesien, Malaysia und Thailand.

2.1 Die neoklassische Interpretation

Nach neoklassischer Sicht hat sich der Staat aus den wirtschaftlichen Prozessen weitestgehend herauszuhalten und nur für marktkonforme Rahmenbedingungen zu sorgen. „Die Regierung sollte makroökonomische Stabilität, Infrastruktur, Kollektivgüter ... sowie marktfreundliche Institutionen beschaffen, Preisverzerrungen vermeiden oder ausgleichen und vielleicht zugunsten der bedürftigen umverteilen.“[10]

Nach neoklassischer Auffassung kann es auch zu Markversagen kommen. Es ist aber meistens die Folge von staatlichen Interventionen, die den Marktmechanismus beeinträchtigen. Das Marktversagen kann nur in den seltensten Fällen durch selektive Industriepolitik beseitigt werden.[11]

Die Neoklassiker sehen die Ursachen für den wirtschaftlichen Aufstieg der ostasiatischen Länder entsprechend ihren theoretischen Annahmen in der Ausrichtung am Marktsystem.[12] Die Regierungen haben lediglich für eine stabile makroökonomische Umwelt und Rahmenbedingungen für inländischen und internationalen Wettbewerb gesorgt. Sie waren stark Export orientiert, Preisverzerrungen wurden gering gehalten.[13]

Die koreanische Wirtschaft zum Beispiel wurde Ende der 1950er Jahre sehr stark vom Staat reguliert. Die Interventionen wurden seitdem sukzessiv reduziert. Dies führte nach Krueger zu einer Reduzierung des Staatsdefizits und zu der bekannten positiven Entwicklung. Auch Taiwan, Singapur und Hongkong haben liberale Politik betrieben und haben damit gute ökonomische Erfolge erzielt.[14] Wolf behauptet, dass Entwicklungsländer einen beschränkten Zugang zu relevanten Informationen haben und sich durch Faktorimmobilität und Preisverzerrungen auszeichnen. So sei es eine eindrucksvolle Tatsache, dass die Rolle der Regierungen Hongkongs, Malaysias, Singapurs, Südkoreas und Taiwans begrenzt war und die Ressourcenallokation den Märkten überlassen wurde.[15]

2.2 Position der Weltbank – Zwischen Neoklassik und Revisionisten

Die Weltbank behauptet in ihrer Studie „The East Asian Miracle. Economic Growth and Public Policy“, dass das schnelle Wachstum von drei Faktoren abhängt:

Akkumulation von Kapital

effiziente Allokation

ein schneller technologischer Aufholprozess

Im Gegensatz zu den Neoklassikern erkennt sie aber an, dass Märkte nicht vollkommen sind und die drei Faktoren auch mit der Hilfe politischer Interventionen erreicht werden. Die Weltbank teilt die Interventionen in marktorientierte, fundamentale Interventionen und selektive Interventionen. Zu den wichtigsten fundamentalen Interventionen gehören:

die Förderung makroökonomischer Stabilität

hohe Investitionen in Humankapital, d. h. Erziehung und Bildung

ein stabiles und sicheres Finanzsystem

geringe Preisverzerrung

die Offenheit für ausländische Technologie

Zu den selektiven Interventionen zählen:

eine geringe finanzielle Repression, d. h. Zinsen werden positiv aber niedrig gehalten

die Zuteilung von Krediten

eine selektive Industriepolitik

Exportförderung

[...]


[1] Vgl. Sauga, M. und Siems, D. (1994), S. 32.

[2] Vgl. The Economist, 10/2/93, S. 41.

[3] Vgl. Weltbank (1993), S. 2.

[4] Rohde, R. (1999), S. 70.

[5] Vgl. Rohde, R. (1999), S. 2.

[6] Weltbank (1991), S. 2.

[7] Nach Meinung Röpkes gelingt ihr dies nicht. Die Position der Weltbank stellt nur eine Variante der neoklassischen Sicht dar, weil sie die Thesen der neoklassischen Wachstumstheorie und Inputlogik übernimmt und ihre Ansicht über Marktversagen auf der neoklassischen Preistheorie und paretianischen Wohlfahrtsökonomie basieren (Übersetzung vom Verfasser. Vgl. Röpke (2001), S. 17.).

[8] vgl. Weltbank (1993), S.1.

[9] Röpke, J. (1991), S. 100.

[10] Weede, E. (2000), S. 137.

[11] Vgl. Wade, R. (1990), S. 13.

[12] Vgl. Rohde, R.(1999), S. 72.

[13] Vgl. Weltbank (1993), S.9.

[14] Vgl. Krueger, A. O. (1993), S. 29-30.

[15] Vgl. Wolf, C. (1993), S. 28.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der wirtschaftliche Aufstieg Ostasiens: Zwischen Wunder und Fata Morgana
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Abteilung Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftstheorie)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V53267
ISBN (eBook)
9783638487702
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aufstieg, Ostasiens, Zwischen, Wunder, Fata, Morgana, Seminar
Arbeit zitieren
Sebastian Auth (Autor), 2004, Der wirtschaftliche Aufstieg Ostasiens: Zwischen Wunder und Fata Morgana, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53267

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