Die Apologie des Christentums bei C. S. Lewis und ihre möglichen Auswirkungen auf die religionspädagogische Praxis


Examensarbeit, 2000

71 Seiten, Note: Sehr gut


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. DIE CHRISTLICHE APOLOGETIK
2.1 Die christliche Apologetik als wissenschaftliche Rechtfertigung des Christentums
2.2 Die biblisch-theologische Begründung der Apologetik
2.3 Die Rolle der Apologetik für die religionspädagogische Praxis

3. C. S. LEWIS ALS APOLOGET DES 20. JAHRHUNDERTS
3.1 Lewis’ Sicht des intellektuellen und geistlichen Klimas des 20. Jahrhunderts
3.2 Wer war C. S. Lewis? - Wichtige Stationen seines Lebens
3.3 Die bedeutendsten christlichen Bücher von C. S. Lewis

4. DIE ZENTRALEN APOLOGETISCHEN THEMEN BEI C. S. LEWIS
4.1 Die Existenz Gottes: Begründung aus dem Sittengesetz
4.1.1 Das Sittengesetz
4.1.2 Gott offenbart sich in Natur und Verstand
4.1.3 Das christliche Gottesbild
4.1.4 Gottes Botschaft an die Menschen
4.2 Die Existenz Gottes: Begründung aus dem Supranaturalismus
4.2.1 Naturalismus und Supranaturalismus
4.2.2 Mögliche Einwände gegen Wunder
4.2.3 Die Grundlage für den Glauben an das Übernatürliche
4.2.4 Das große Wunder: Die Inkarnation
4.2.5 Die neutestamentlichen Wunder
4.3 Die Problematik von Schmerz und Leid
4.3.1 Die Allmacht Gottes
4.3.2 Die Gutheit Gottes
4.3.3 Die menschliche Natur
4.3.4 Die Bedeutung menschlichen Schmerzes
4.3.5 Die Frage nach der Gerechtigkeit
4.3.6 Lewis’ persönliche Erfahrung von Schmerz
4.4 Freude - der Ruf Gottes im Menschen
4.4.1 Die Eigenschaften der Freude
4.4.2 Der Nutzen der Freude

5. DIE NARNIA-CHRONIKEN VON C. S. LEWIS
5.1 Zum Inhalt der Narnia-Chroniken
5.2 Entstehung und Form der Chroniken
5.3 Zum Verständnis der Märchen
5.4 Christliche Symbolik in den Narnia-Chroniken
5.5 Der ethische Gehalt

6. AUSWIRKUNGEN AUF DIE RELIGIONSPÄDAGOGISCHE PRAXIS

BIBLIOGRAPHIE

1. EINLEITUNG

Als 1998 der 100. Geburtstag von Clive Staples Lewis gefeiert wurde, galt er schon lange als einer der bedeutendsten christlichen Autoren des 20. Jahrhunderts. Bereits zu Lebzeiten war Lewis über die Grenzen Großbritanniens hinaus bekannt, doch seit seinem Tod 1963 nahm seine Popularität stetig zu. Den größten Bekanntheitsgrad hat er heute in der englischsprachigen Welt. Außer in seinem Heimatland Großbritannien werden seine Bücher vor allem in den USA gelesen, wo Lewis zudem immer wieder der Gegenstand von Veröffentlichungen ist. Lewis’ theologisch-apologetische Bücher sprechen Christen aller Konfessionen an und werden von so unterschiedlichen Persönlichkeiten der Kirche wie Billy Graham und Papst Johannes Paul II. geschätzt. Doch auch seine Werke der Erzählliteratur, allen voran die „Narnia-Chroniken“ für Kinder, werden weltweit gelesen. Für seine Bücher erhielt Lewis verschiedene Auszeichnungen wie beispielsweise die Ehrendoktorwürde der Theologie an der St. Andrews University in Schottland, die ihm 1946 verliehen wurde.

Gesellschaften, die sich mit Lewis’ Werk beschäftigen, finden sich heute in mehreren Ländern. Die älteste „C. S. Lewis Society“ wurde 1969 in New York gegründet; in Oxford treffen sich die Anhänger seiner Bücher seit 1982. In den Lewis-Forschungszentren der Bodleian Library in Oxford und des Wade Centers in Illinois (USA) befinden sich die beiden größten Sammlungen von Lewis’ Manuskripten, eine elfbändige Zusammenstellung von Tagebüchern, Briefen und anderen Andenken der Familie Lewis. Viele der Lewis-Biographen und Verfasser von Begleitliteratur kommen aus den USA, wie beispielsweise Chad Walsh, Kathryn Ann Lindskoog und Peter J. Schakel. In Europa gelten Walter Hooper und George Sayer als Lewis-Experten, aber auch der Stiefsohn von Lewis, Douglas Gresham.

In Deutschland besteht seit 1983 die „Inklings-Gesellschaft für Literatur und Ästhetik e.V.“, die sich in Symposien und Gesprächskreisen außer mit C.S. Lewis auch mit anderen Fantasy-Autoren und Verfassern religiöser Literatur wie z.B. J.R.R. Tolkien, Dorothy L. Sayers, George MacDonald und G.K. Chesterton beschäftigt. Die Literaturgesellschaft benennt sich nach einer Gruppe von Freunden um C.S. Lewis, die sich über Jahrzehnte in Oxford versammelten und sich gegenseitig aus ihren Manuskripten vorlasen. Die deutschen „Inklings“ geben ein Jahrbuch heraus und sorgen durch Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften dafür, daß die Werke der oben genannten Schriftsteller nicht nur Kennern vorbehalten bleiben. Trotz allem ist die Popularität von C.S. Lewis in Deutschland geringer als in der englischsprachigen Welt, was zum einen daran liegen mag, daß viele seiner Bücher bis vor kurzem nur in veralteten Übersetzungen vorlagen. Erst in den letzten Jahren wurde damit begonnen, die Arbeiten neu zu übersetzen, und seitdem steigen auch die Auflagen. Zum anderen war lange Zeit keine deutschsprachige Biographie oder andere Begleitliteratur erhältlich, was sich in den vergangenen Jahren aber ebenfalls geändert hat. Dennoch liegt ein großer Teil der Sekundärliteratur zu C.S. Lewis ausschließlich im englischen Original vor und ist teilweise nicht in Deutschland zugänglich. Diese Bücher konnte ich in der Bodleian Library in Oxford einsehen.

C.S. Lewis erlangte auf mehreren Gebieten Bedeutung. Als Literaturwissenschaftler hat er einige Standardwerke geschrieben, doch bekannt wurde er vor allem durch seine religiösen Bücher und die „Narnia-Chroniken“. Einige seiner bedeutenden apologetischen Werke erschienen in den vierziger Jahren, also zu einer Zeit, als viele Menschen sich in ihrer Existenz bedroht sahen und von schweren Schicksalsschlägen betroffen waren. In allgemein verständlicher und humorvoller Weise verteidigte Lewis die Glaubens-wahrheiten, an denen viele seiner Zeitgenossen angesichts der politischen und gesellschaftlichen Umstände zu zweifeln begannen. Dabei kam es ihm nicht auf seine persönliche Meinung oder eine bestimmte Konfession an, sondern auf das, was er für die Wahrheit hielt. Er schrieb auch nicht als professioneller Theologe für andere Gelehrte, sondern als Christ für Menschen, die bereit sind, mitzudenken.

Als Lewis zwischen 1950 und 1956 die „Narnia-Chroniken“ verfaßte, begab er sich auf ungewohntes Terrain. Vielen, die bisher nur seine apologetischen Werke gelesen hatten, war der Gedanke befremdlich, daß Lewis nun auch Kinderbücher schrieb. Doch der Erfolg gab ihm Recht. Mittlerweile gilt Lewis als einer der Wegbereiter der religiösen Kinderliteratur im 20. Jahrhundert, und „die Narnia-Erzählungen stehen heute im englischen Sprachraum auf einer Stufe mit Klassikern wie Alice im Wunderland , Der Wind in den Weiden oder Der kleine Hobbit“.[1]

Diese Arbeit beschäftigt sich nach einigen Vorbemerkungen zur christlichen Apologetik mit dem biographischen und kulturellen Hintergrund von C.S. Lewis sowie seinen wichtigsten christlichen Büchern. Anhand von fünf seiner apologetischen Bücher sollen dann Lewis’ Argumentationsweise sowie seine theologischen Grundgedanken dargestellt und durch ausgewählte Zitate verdeutlicht werden. Einige dieser Zitate werden im englischen Original widergegeben, während andere in der deutschen Übersetzung vorliegen. Diese Differenz begründet sich zum einen aus der besseren Verständlichkeit der teilweise sehr komplexen Textabschnitte in der Übersetzung, zum anderen aus der Zugänglichkeit der Quellen. Die „Narnia-Chroniken“ werden ausschließlich in der Originalsprache zitiert. Um diese Reihe von Märchenbüchern als eine mögliche Form der Apologie geht es in Kapitel 5. Hierbei stehen besonders das Verständnis der Bücher und ihre tiefere Bedeutung im Vordergrund. In einem abschließenden Kapitel soll Lewis’ Apologie schließlich kritisch betrachtet und in Beziehung zur religionspädagogischen Praxis gesetzt werden.

2. DIE CHRISTLICHE APOLOGETIK

2.1 Die christliche Apologetik als wissenschaftliche Rechtfertigung des Christentums

Seit ihrer Entstehung sieht sich die christliche Religion Angriffen von außen auf die Wahrheit ihres Inhalts ausgesetzt. Da es sich beim Christentum um eine Religion des Glaubens handelt, die nicht auf äußeren Beweisen beruht, sind solche Angriffe, die sich entweder als persönliche Zweifel oder in wissenschaftlicher Gestalt darstellen, nicht verwunderlich. Das Christentum selbst versteht sich nun aber als Religion der Wahrheit und sieht die Verkündigung des Evangeliums als eine seiner wichtigsten Aufgaben an. Dabei fordert es keinen blinden Gehorsam, sondern will anderen gegenüber Rechenschaft ablegen über seinen Sinn und sein Bekenntnis. Diese Vermittlung der christlichen Identität und die Auseinandersetzung mit Kritik ist die Aufgabe der Apologetik.[2]

Die christliche Apologetik entwickelte sich bereits im 2. Jahrhundert, als die Christen gezwungen waren, sich gegen Gerüchte und Anschuldigungen zu verteidigen. Ihnen wurde beispielsweise Unzucht und gesellschaftliche Absonderung vorgeworfen. Zudem hatte die jüdische Umwelt größte Vorbehalte gegenüber der christlichen Tora-Auslegung, ihrem Messias-Verständnis und der Berufung von Heiden in die Nachfolge Christi. Bei ihrer Verteidigung und dem Werben für ihren Wahrheitsanspruch mußte die Apologetik sich von Anfang an der Gedankenwelt derer anpassen, die sie erreichen wollte. Dabei handelte es sich vor allem um die aufgeklärte Gesellschaft des römischen Reiches. Diese Anpassung führte dazu, daß sich das Christentum zunehmend als theoretische Lehre darstellte, um eine Vereinbarung mit der antiken Philosophie zu ermöglichen. Es ging also immer mehr um die Zustimmung zu einer Lehre als um den Ruf in die Nachfolge Christi.

Gegner des Christentums hat es zu allen Zeiten gegeben. Mußten sich die Christen in den ersten Jahrhunderten noch gegen Angriffe von Anhängern der hellenistischen Philosophie, des Judentums und des römischen Staates verteidigen, so sind die Gegner heute Atheismus, Aberglaube und Aufklärung. Da diese dem christlichen Glauben oftmals mit wissenschaftlichen Argumenten begegnen, muß auch die Apologetik ihr Verhältnis zur Wissenschaft überdenken und gegebenenfalls ihre Methoden ändern: „Die zunehmende

Verwissenschaftlichung des Gesamtlebens zwingt die Theologie zu intensiven wissenschaftstheorethischen Bemühungen, die heute an die Stelle der älteren Apologetik getreten sind.“[3] Zudem hat es die Apologetik nicht ausschließlich mit entschiedenen Gegnern des Christentums zu tun, sondern auch mit „neutralen“ Gruppen, die das Christentum weder ablehnen noch befürworten. Doch gegen wen die Apologetik den christlichen Glauben auch verteidigen muß - fest steht, daß sie eine bleibende Aufgabe der Kirche ist. Kurt Aland hat dazu folgenden Leitsatz aufgestellt: „Die Apologetik ist eine unaufgebbare Lebensäußerung der christlichen Kirche. Eine Kirche ohne Apologetik ist tot.“[4]

2.2 Die biblisch-theologische Begründung der Apologetik

Die Apologetik nimmt zweifellos seit den Anfängen der Kirchengeschichte eine wichtige Stellung ein, doch auch schon im Neuen Testament kommt sie ihrem Stammwort nach mit mehreren Bedeutungen vor. In den Evangelien findet sich das Verb apologeisqai an zwei Stellen. Sowohl in Lk. 12,11 als auch in Lk. 21,14 geht es um die Verteidigung und Verantwortung gegenüber der feindlichen Obrigkeit. In der Apostelgeschichte und in den Briefen kommt sowohl das Verb als auch das Substantiv apologia vor. An einigen Stellen hat das Wort eine juristische Bedeutung und bezieht sich auf die persönliche Verteidigung eines Angeklagten vor einer richterlichen Instanz. Doch es tritt auch hier im christlich-religiösen Sinne auf und beinhaltet die Verantwortung und Bekräftigung des Evangeliums. Paulus selbst sieht die apologia als Grundhaltung seines Apostelamtes an und fordert diese Bereitschaft von allen Christen (1. Petr. 3,15). Damit kommt die Apologetik einem stetigen Bekenntnis des persönlichen Glaubens gleich.

Der Anspruch, den Paulus an die Christenheit erhebt, läßt sich aus dem ganzen nachösterlichen Geschehen ableiten, von dem im Neuen Testament berichtet wird. Gleich nach der Auferstehung Jesu begann eine missionarische Bewegung als nötige Konsequenz der Worte und Taten Jesu. Die Überzeugung der Christen ist es, daß Gott selbst Menschen in seine Nachfolge ruft und als lebendiger Gott Beziehungen zu Menschen sucht. Jesus ist der Ausdruck seines Vorhabens; durch ihn will er die Menschen erretten. Der Gedanke der persönlichen Errettung führte die frühen Christen direkt in die Mission, die sich zunächst auf den eigenen Kulturkreis erstreckte. Als die missionarische Bewegung im 18. Jahrhundert auch Gebiete außerhalb Europas mit einbezog, ging der Blick für die Menschen im eigenen kulturellen und sozialen Umfeld weitgehend verloren, was jedoch der Theologie des Neuen Testamentes und der Praxis der frühen Kirche entgegensteht. Das Neue Testament ruft zu einem persönlichen Glauben auf, der eine spirituelle und praktische Seite hat und nicht nur kulturell bedingt ist.

2.3 Die Rolle der Apologetik für die religionspädagogische Praxis

In der Religionspädagogik hat der Begriff der Apologetik zwar keinen großen Stellenwert, doch in der Praxis kommt sie nicht ohne die Verteidigung der Grundlagen des christlichen Glaubens aus. Wenn es zur Begegnung des Christentums mit dem Anspruch der menschlichen Vernunft kommt, den Glauben zu begreifen, ist die Apologetik gefragt. Da die Kirche es mit mündigen, von der wissenschaftlichen Welt geprägten Menschen zu tun hat, muß die Apologetik sich mit dem Vernunftgebrauch auseinandersetzen und die Menschen in ihrem Bemühen unterstützen, die Praxis des Glaubens mit dem Anspruch der Vernunft zu vereinbaren. Für viele moderne Menschen lassen sich Glaube und Wissenschaft nur schwer oder überhaupt nicht in Einklang bringen, da sie ihr Wissen als sicher ansehen, doch der Glaube stets eine unsichere Komponente enthält. Hier ist die Kirche gefragt, den Glaubensbegriff für die Menschen dieser Zeit verständlich zu definieren, wofür ihr unter anderem der Katechismus als Mittel zur Verfügung steht.

Die Apologetik ist immer ein Teil der Religionspädagogik und wendet sich nach dieser Auffassung nicht nur an solche Menschen, die der Kirche fern stehen oder durch außerchristliche Einflüsse gefährdet sind, sondern an alle Menschen, die von der vernunftgeprägten Welt bestimmt sind. Es geht also nicht darum, die Vernunft zu begrenzen, sondern um das Verstehen der von der Vernunft geprägten Welt aus dem Glauben heraus. Die Apologetik schließt in ihrem Bemühen den mündigen Menschen, den Gebrauch der Vernunft und die Situation mit ein. Dabei darf sie nicht vergessen, daß sie nur für das Verstehen der Glaubensgrundlagen Sorge tragen kann; das Einverständnis hängt allein von der Gnade Gottes ab.

Eine wichtige Aufgabe der Apologetik ist es, die christliche Botschaft für solche Menschen verständlich zu machen, die nicht im kirchlichen Sprachgebrauch zu Hause sind. Ein wichtiges Kriterium bei einer solchen Übersetzungsarbeit ist die Tatsache, daß das Christentum für Menschen aller Bildungsschichten bestimmt ist und deshalb auch für alle faßbar sein muß. Während die Apologetik damit vor allem auf kirchenferne Menschen abzielt, muß sie sich auch innerhalb der Kirchen mit den Fragen und Zweifeln der Menschen auseinandersetzen. Diese treten verstärkt in Zeiten politischer und sozialer Unsicherheit auf, aber auch in persönlichen Lebenskrisen. In solchen Situationen ist es die Aufgabe der Apologetik, die Überzeugungen des christlichen Glaubens zu verteidigen und mit den Krisen in Zusammenhang zu bringen.

3. C. S. LEWIS ALS APOLOGET DES 20. JAHRHUNDERTS

3.1 Lewis’ Sicht des intellektuellen und geistlichen Klimas des 20. Jahrhunderts

Eine Kirche, die ihren Glauben verkündigen möchte, muß auf zwei Dinge besonders achten, nämlich auf die Klarheit ihrer Botschaft und auf die Welt, die sie mit ihrer Botschaft erreichen will. Die Hörer der Botschaft müssen ernst genommen und verstanden werden, damit sie erreicht werden können - so wie es auch der Apostel Paulus in 1. Korinther 9,19-23 schreibt. Das 20. Jahrhundert sah sich mehr als jedes vorhergehende Jahrhundert einer Verbreitung von Atheismus, Agnostizismus und anderen Formen des Unglaubens gegenübergestellt. Bei der geistigen Entwicklung führten nicht mehr die Kirchen, sondern die allgemeine Kultur, die sich von der Kirche emanzipierte, autonom wurde und sich zum Teil sogar deutlich gegen Religion und Christentum stellte. Diese Autonomie bedeutet zugleich Säkularisierung, wenn nicht sogar Säkularismus. Harvey Cox beschreibt die Säkularisierung als eine Freiheitsbewegung im sozialen, kulturellen und politischen Bereich, die eine natürliche Folge des Aufeinandertreffens von christlichem Glauben und westlicher Geschichte ist. Sie ist die Loslösung von kirchlicher Kontrolle in Gesellschaft und Kultur. Der Säkularismus hingegen ist eine Ideologie, die die Freiheit der Gesellschaft bedroht.[6] Eng damit verbunden ist ein Streben nach Individualismus, nach Entscheidungsfreiheit und selbstbestimmtem Leben.[5]

Einige christliche Kreise sahen die Bewegung der Säkularisierung als Chance, den Glauben zu entmythologisieren, doch diejenigen, die die Mission für die zentrale Aufgabe der Kirche hielten, beunruhigte diese Entwicklung. Dies ist die Situation, die C. S. Lewis im 20. Jahrhundert vorfand. Er war der Ansicht, daß der biblische Glaube von Gott reden muß, und da er von der Wahrheit des Evangeliums überzeugt war, sah er es als seine Aufgabe an, eine Brücke zwischen der Kirche und den säkularisierten Menschen zu schlagen. In der Frage der Säkularisierung unterschied er streng zwischen „Religion“ und „Christentum“. Religion war für ihn nur das Mittel, das den Menschen Gott näher bringt, jedoch nicht die eigentliche Beziehung zu ihm. Deshalb sah er den Verfall der Religion in England auch nicht ausschließlich negativ, sondern als Chance, das Christentum neu wiederzuentdecken. Verloren ging seiner Meinung nach nämlich nicht das Christentum selbst, sondern lediglich ein ethisch gefärbter Theismus:

One way of putting the truth would be that the religion which has declined was not Christianity. It was a vague Theism with a strong and virile ethical code, which, far from standing over against the ‘World’, was absorbed into the whole fabric of English institutions and sentiments and therefore demanded church-going (at best) a part of loyalty and good manners as (at worst) a proof of respectability. Hence a social pressure, like the withdrawal of the compulsion, did not create a new situation. The new freedom first allowed accurate observations to be made. When no man goes to church except because he seeks Christ the number of actual believers can at last be discovered.[7]

Die rückläufigen Zahlen der Kirchenbesucher waren für Lewis eine positive Begleiterscheinung des Verfalls der Religion, da sich dadurch die Glaubensange-legenheiten klären. Der Kontrast zwischen wahrem christlichen Glauben und dem Unglauben als Alternative wird deutlicher. Zudem muß die Religion erst überwunden werden, damit die Menschen Gott als den erkennen können, der die Initiative ergreift und von sich aus Kontakt zu den Menschen sucht. Die Vorstellung eines Gottes, der die Menschen findet, anstatt von ihnen gefunden zu werden, ist charakteristisch für Lewis.

Trotz aller Vorteile für das Christentum wirkt sich der Niedergang der Religion eher negativ auf die Gesellschaft aus, da Normen wie Ehrlichkeit und Respekt vor der Würde des Einzelnen leicht verloren gehen können. Problematisch wird die Säkularisierung auch dann, wenn der Mensch versucht, den Platz Gottes einzunehmen. Die Bekämpfung dieses Aspektes der Säkularisierung sah Lewis als die Pflicht der Christen an, da die Kirche stets ihrer eigenen Identität treu bleiben muß. Deshalb war er auch dagegen, das Übernatürliche aus der christlichen Lehre zu streichen, nur um die säkularisierten Menschen, die nicht mehr an Wunder glauben, besser erreichen zu können. Das Evangelium soll zwar für alle Menschen verständlich sein und die Verkündigung ihrem Sprachgebrauch angepaßt werden, doch dabei darf der Inhalt der Lehre nicht verfälscht werden:

Do not attempt to water Christianity down. There must be no pretence that you can have it with the Supernatural left out. So far as I can see Christianity is precisely the one religion from which the miraculous cannot be separated. You must frankly argue for supernaturalism from the very outset.[8]

Indem Lewis eine solche supranaturalistische Position vertrat, die in der Öffentlichkeit eher unpopulär war, wurde er gezwungen, seine Ansichten zu verteidigen. Dies tat er am deutlichsten in seinem Buch Miracles (dt. Wunder ), doch auch in seinen anderen Büchern vertritt er diesen supranaturalistischen Standpunkt. Er war der Ansicht, daß das, was wahr ist, verkündigt, argumentiert und verteidigt werden muß. Dadurch bekam er den Ruf eines Apologeten, und so verstand er sich auch selbst. Er war davon überzeugt, daß eine auf rationale Argumente gestützte Verteidigung des Christentums in einem skeptischen Zeitalter nötiger war als jemals zuvor. Dabei machte er immer wieder deutlich, daß er das Christentum nicht verteidigt, weil er es für gut oder wichtig hält, sondern allein aus der Überzeugung heraus, daß es wahr ist:

One of the great difficulties is to keep before the audience’s mind the question of Truth. They always think you are recommending Christianity not because it is true but because it is good . And in the discussion they will at every moment try to escape from the issue ‘True - or False’ into stuff about a good society, or morals, or the incomes of Bishops (...) - or anything whatever. You have to keep forcing them back, to the real point. (...) One must keep on pointing out that Christianity is a statement which, if false, is of no importance, and, if true, of infinite importance. The one thing it cannot be is moderately important.[9]

Mit seinem „entweder - oder“-Denken schwamm Lewis gegen den Strom des allgemeinen geistigen Klimas, das alles als relativ ansah. Für ihn war jedoch nicht wichtig, was die Leute hören wollten, sondern welche Botschaft er als Christ zu verkünden verpflichtet war. Auf eine angenehme und verständnisvolle Weise war er auf Konfrontation aus. Trotzdem überschätzte Lewis seinen Einfluß als Apologet nicht. Er war sich bewußt, daß die rein rationale Argumentation, mit der er vorging, kaum zur Bekehrung eines Ungläubigen führen würde, und doch hielt er die Arbeit eines Apologeten für äußerst wichtig. Er sah sich als Wegbereiter für die Verkündigung des Evangeliums, als jemand, der das Klima schuf, in dem Glaube wachsen kann. Bei der Bekehrung Ungläubiger spielten Andere seiner Meinung nach eine wichtigere Rolle:

But I wish to say most emphatically that where a speaker has that gift, the direct evangelical appeal of the ‘Come to Jesus’ type can be as overwhelming today as it was a hundred years ago. (...) I cannot do it: but those who can ought to do it with all their might. I am not sure that the ideal missionary team ought not to consist of one who argues and one who (in the fullest sense of the word) preaches. Put up your arguer first to undermine their intellectual prejudices; then let the evangelist proper launch his appeal. I have seen this done with great success.[10]

Lewis gab sich nicht der Illusion hin, daß die Bekehrung zum Glauben ein rein intellektueller Vorgang sei, doch der Einfluß von Christen auf das intellektuelle Leben der Gesellschaft war wichtig für ihn. Das bedeutet nicht, daß er eine Dominanz der Kirche

gegenüber dem öffentlichen Leben anstrebte, sondern er hielt den Einfluß von Christen gerade in nichtkirchlichen Bereichen für wichtig; also dort, wo das Christentum eher im Hintergrund steht. Deshalb wünschte er sich auch mehr Bücher christlicher Autoren, die nicht direkt vom Christentum handeln, sondern unterschwellig christliche Werte vermitteln.

Trotz seines eigenen philosophischen Hintergrundes war sich Lewis dessen bewußt, daß er mit einem philosophischen Ansatz nicht sehr viele Menschen erreichen würde, sondern daß es effektiver wäre, direkt von Christus zu sprechen. Zu seinem Erstaunen waren die Menschen meist viel eher dazu bereit, sich mit der Person Jesu zu beschäftigen als mit der Existenz Gottes. Reine Atheisten gab es seiner Erfahrung nach nur sehr wenige, so daß eine Diskussion der Existenz Gottes oft wenig Interesse hervorrief. Obwohl Lewis als christozentrisch bezeichnet werden kann, war er der Meinung, daß man sich den menschlichen Verstand zunutze machen kann, um für die Existenz Gottes zu argumentieren. Diesen Ansatz verfolgt er auch in seinen Büchern Mere Christianity (dt. Pardon, ich bin Christ ) und Miracles , um die Menschen damit auf dem Weg des Glaubens voranzubringen, der jedoch erst durch die Offenbarung Christi vollendet wird.

Eine große Hürde, die es erschwert, dem modernen Menschen das Christentum näher zu bringen, war Lewis’ Meinung nach eine veränderte Annäherung an Gott. Dies illustriert er in folgendem Zitat sehr bildhaft:

The ancient man approached God (or even the gods) as the accused person approaches his judge. For the modern man the roles are reversed. He is the judge: God is in the dock. He is quite a kindly judge: if God should have a reasonable defence for being the god who permits war, poverty and disease, he is ready to listen to it. The trial may even end in God’s acquittal. But the important thing is that Man is on the Bench and God in the Dock.[11]

Lewis war sich recht unschlüssig, wie er diesem Phänomen begegnen sollte, denn er wußte, daß sich die Menschen nicht für etwas schuldig fühlen können, das sie nicht als unmoralisch ansehen. Bei manchen kam das völlige Fehlen eines Sündenbewußtseins hinzu. Der moderne Mensch wird, wie Lewis sagt, dazu erzogen, stets andere für das Böse in der Welt verantwortlich zu machen. Als Apologet für das Christentum beschränkte sich Lewis nicht auf eine logische Verteidigung des Glaubens, sondern er fand mit den „Narnia-Chroniken“ ein geeignetes Mittel, die Mauer zwischen dem Denken des modernen Menschen und dem Christentum zu überwinden. Wie er dies verwirklichte, wird eingehend in Kapitel 5 dieser Arbeit behandelt.

3.2 Wer war C. S. Lewis? Wichtige Stationen seines Lebens

Clive Staples Lewis wurde am 29. November 1898 in Belfast geboren. Sein Vater Albert James Lewis war ein vielbeschäftigter Anwalt und seine Mutter Flora Augusta Hamilton Lewis die Tochter eines Pfarrers. Zu den besonderen Segnungen seiner Kindheit zählte Lewis neben seinen Eltern, gutem Essen und einem Garten, der zu seinem Geburtshaus gehörte und ihm damals riesig erschien, noch zwei andere Dinge. Zum einen war dies sein Kindermädchen, Lizzie Endicott, mit der er ausschließlich gute Erinnerungen verknüpfte, und sein um etwa drei Jahre älterer Bruder Warren. Mit Warren verband ihn eine innige Freundschaft, die ein Leben lang anhielt.[12]

Lewis’ frühe Kindheit war sehr glücklich. Da er und sein Bruder aufgrund der Ängstlichkeit ihrer Mutter ungewöhnlich viel Zeit im Haus verbringen mußten, las er viele der unzähligen Bücher, die überall in seinem Elternhaus zu finden war, und begann auch früh, sich selbst Geschichten auszudenken und aufzuschreiben. Gemeinsam mit Warren entwickelte er das Phantasieland „Boxen“, in dem sowohl menschliche Wesen als auch sprechende Tiere in Kleidern lebten. Die Brüder illustrierten ihre Geschichten sogar selbst. So verbrachte Lewis glückliche Jahre, in denen er von seiner Mutter und einer Hauslehrerin unterrichtet wurde und deren Routine durch jährliche Aufenthalte am Meer unterbrochen wurde. Diese unbeschwerte Zeit endete jedoch 1908 mit dem Krebstod seiner Mutter, der ihn völlig aus der Bahn warf. Nur wenige Wochen später wurde er auf eine Internatsschule namens Wynyard nordwestlich von London geschickt, die Warren bereits seit einigen Jahren besuchte. Daß Lewis diese Schule später in seiner Autobiographie nach dem Konzentrations-lager „Belsen“ benannte, sagt viel über den Charakter der Schule aus. Albert Lewis wollte seine Söhne auf einer Privatschule unterrichten lassen, um aus ihnen „Gentlemen“ zu machen und ihnen eine gute Bildung zu ermöglichen, doch er hatte die denkbar schlechteste Wahl getroffen. In Wynyard wurden die Schüler regelmäßig geschlagen und lernten zudem kaum etwas, was wohl auch der Grund dafür war, daß die Schule 1910 aus Mangel an Schülern schließen mußte. In den darauffolgenden Wochen besuchte Lewis das Belfaster Campbell College, ein Internat ganz in der Nähe seines Elternhauses. Nach kurzer Zeit bekam er jedoch einen schlimmen Husten und wechselte nach einigen Wochen der Erholung zu Hause auf eine Preparatory School namens Cherbourg House in Malvern, südwestlich von Birmingham gelegen. Hier war das Klima für Lungenkranke besonders günstig, und zudem besuchte Warren schon seit einiger Zeit das dortige College. So konnten die Brüder gemeinsam die Reise zwischen Schulort und Belfast zurücklegen, was sie sehr genossen. In Cherbourg House fühlte Lewis sich recht wohl. Er wurde so gefördert, daß er sein literarisches Interesse weiterentwickeln konnte, schrieb sein erstes heroisches Gedicht und entdeckte die Musik Richard Wagners, die ihn begeisterte. Während seiner Zeit auf der Preparatory School entwickelte Lewis auch eine Leidenschaft für nordische Mythologie, die seine Phantasie vollständig gefangen nahm und wohl auch dazu beitrug, daß er seinen christlichen Glauben verlor. Dabei wirkte zudem der Einfluß der Hausmutter des Internats mit, die für Lewis eine Art Ersatzmutter war und ihn mit der Welt des Okkulten bekannt machte. Als Kind wurde Lewis gelehrt, die Pflichten eines Christen sehr ernst zu nehmen, und daran hatte er sich auch gehalten, doch nun löste er sich bereitwillig vom Christentum, das er schon seit einiger Zeit als Belastung empfunden hatte.

Im Sommer 1913 gewann Lewis ein Stipendium für das Malvern College. Hier machte er zum ersten Mal die Erfahrung, schulisch stark gefordert zu werden, was noch dadurch verstärkt wurde, daß er kaum Zeit für seine eigentliche Arbeit fand. An englischen Privatschulen war es zu jener Zeit üblich, daß jüngere Schüler den älteren gewisse Dienste leisten mußten, so daß Lewis’ ohnehin schon knapp bemessenen Freizeit fast vollständig mit anderen Dingen als Lernen ausgefüllt war. Am Malvern College entdeckte Lewis aber auch seine Liebe zur antiken Dichtung. Sein Klassenlehrer verstand es gut, den Schülern die Schönheit der lateinischen und griechischen Sprache nahe zu bringen, und bei Lewis fielen seine Bemühungen auf fruchtbaren Boden. Dennoch war er unglücklich in Malvern und bedrängte seinen Vater in Briefen, das College verlassen zu dürfen, woraufhin Albert Lewis beschloß, seinen Sohn als Einzelschüler zu seinem ehemaligen Tutor Mr. Kirkpatrick in die Grafschaft Surrey zu schicken. Dieser hatte auch schon Warren auf den Eintritt in eine Militärakademie vorbereitet und unterrichtete von nun an den jüngeren Lewis-Sohn mit dem Ziel eines Stipendiums an der Oxforder Universität. Unter Kirkpatrick’s Anleitung, der die Begabung seines Schülers schnell erkannte, entwickelten sich nicht nur Lewis’ Fähigkeiten, sondern auch seine atheistische Einstellung wurde verstärkt.

Im April 1917 begann Lewis schließlich sein Studium am University College in Oxford, für das er die Aufnahmeprüfung bestanden hatte. Da zu dieser Zeit jedoch der erste Weltkrieg in Europa tobte, wurde er schon nach kurzer Zeit zu einer militärischen Grundausbildung eingezogen und mußte schließlich im November an die französische Front ausrücken. Dort diente er, bis er im Frühjahr 1918 verwundet wurde und zur Erholung nach England zurückkehren durfte. So konnte Lewis im Januar 1919 sein Studium der klassischen Sprachen und Philosophie wieder aufnehmen. Wenige Zeit später erschien sein erstes Buch, ein Gedichtband mit dem Titel Spirits in Bondage , das unter dem Pseudonym Clive Hamilton veröffentlicht wurde. Die Gedichte stammen teilweise noch aus der Zeit bei Mr. Kirkpatrick, doch erst nach dem Krieg ordnete er sie zu einem Zyklus und sandte das Manuskript an einen Verleger. Das Buch verkaufte sich nicht sehr gut, ähnlich wie die Verserzählung Dymer , die 1926 erschien. Lewis gab bald die Hoffnung auf, als Dichter erfolgreich zu werden.

Schon während des Krieges hatte Lewis Mrs. Moore kennengelernt, die Mutter eines Kameraden, der jedoch nicht aus dem Krieg zurückkehrte. Mrs. Moore stellte wohl eine Art Mutterersatz für ihn dar, auch wenn in den verschiedenen Biographien viel über die Art ihrer Beziehung spekuliert wird. Seit seinem zweiten Jahr am College wohnte er mit in ihrem Haus, und dies blieb auch bis zu Mrs. Moores Tod 1951 so. Fest steht, daß Lewis durch sie endlich wieder ein normales Familienleben hatte und außerdem mit Menschen aus anderen Bildungsschichten zusammenkam, was eine wichtige Voraussetzung für seinen späteren Erfolg als populärer Schriftsteller war.

Nach Abschluß seines Studiums 1922 fand Lewis nicht sofort eine Anstellung, und so verlängerte er um ein weiteres Jahr und erwarb einen Abschluß in Englischer Literatur. Nach einem Jahr als Philosophie-Tutor am University College in Oxford bekam er schließlich eine Anstellung am dortigen Magdalen College, wo er von 1925 bis 1954 als Englisch-Tutor tätig war. 1954 nahm Lewis einen Lehrstuhl für Englische Literatur des Mittelalters und der Renaissance am Magdalene College der Universität Cambridge an. Dort blieb er, bis er seine Lehrtätigkeit 1963 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mußte. Am 22. November 1963 starb C. S. Lewis in seinem Haus in Headington Quarry.

Nachdem Lewis als Heranwachsender seinen Glauben an Gott verloren hatte, war er viele Jahre lang Atheist. In den ersten Jahren seiner Tätigkeit als Tutor in Oxford sah er sich jedoch auf Grund der Lektüre verschiedener Bücher (u.a. von George McDonald) und Gesprächen mit Freunden dazu gezwungen, seinen Standpunkt zu überdenken. Nach langem Nachdenken und Ringen bekannte er sich 1929, im Alter von 31 Jahren, schließlich zum Theismus. In Surprised by Joy (dt. Überrascht von Freude ) schreibt er über seine Bekehrung: „In the Trinity Term of 1929 I gave in, and admitted that God was God, and knelt and prayed: perhaps, that night, the most dejected and reluctant convert in all England.“[13] Erst weitere zwei Jahre später bekehrte sich Lewis ausdrücklich zum Christentum, nachdem er wichtige Fragen wie die des Heilsgeschehens gemeinsam mit Freunden wie J.R.R. Tolkien für sich geklärt hatte. Bereits kurz darauf begann seine Karriere als christlicher Schriftsteller.

3.3 Die bedeutendsten christlichen Bücher von C. S. Lewis

In diesem Kapitel sollen die wichtigsten Bücher mit christlichem Inhalt von C. S. Lewis in wenigen Worten vorgestellt werden. Dazu zählen sowohl apologetische und autobiographische Werke wie auch Erzählliteratur und Essays. Während seiner Karriere als Schriftsteller hat Lewis außerdem literaturwissenschaftliche Bücher geschrieben, von denen einige heute zu den Standardwerken zählen, sowie Gedichtbände. Diese bleiben hier jedoch unberücksichtigt.

Apologetische und autobiographische Bücher:

1. The Pilgrim’s Regress (dt. Flucht aus Puritanien ) erschien 1933, etwa zwei Jahre nach Lewis’ Bekehrung. Es handelt sich um einen autobiographisch-allegorischen Roman, in dem er seinen Weg zum Christentum zu beschreibt. Von den Rezensenten wurde dieses Buch sehr positiv aufgenommen, doch es fand zunächst nur wenige Käufer.
2. The Problem of Pain (dt. Über den Schmerz ) wurde 1940 veröffentlicht. Dieses Buch versucht die Frage zu klären, warum auf dieser Welt Leid existiert, wenn Gott sowohl gut als auch allmächtig ist. Auch dieses Buch wurde lobend rezensiert und kam zudem bei den Lesern sehr gut an. Noch heute ist es eines der meistgelesenen Bücher des Autors.
3. Miracles: A Preliminary Study (dt. Wunder: möglich - wahrscheinlich - undenkbar? ) erschien 1947. Auf philosophischer Grundlage versucht Lewis in diesem Buch, die Glaubwürdigkeit von Wundern als Erscheinungsform des Übernatürlichen zu belegen, um daraus einen Beweis für die Existenz Gottes abzuleiten. Dieses Werk wurde von einer jungen Philosophin aus Cambridge so heftig kritisiert, daß Lewis sich in seiner Argumentation widerlegt sah und dies sein letztes im engeren Sinne apologetisches Buch blieb.
4. Mere Christianity (dt. Pardon, ich bin Christ. Meine Argumente für den Glauben ) erschien zwar erst 1952 als ein Band, ging aber aus drei Einzelbänden hervor, die zwischen 1942 und 1944 erschienen. Ursprünglich handelte es sich um Rundfunk-ansprachen, die 1941 von der BBC gesendet und später in Buchform veröffentlicht wurden. Es ist das am deutlichsten evangelistische Buch von Lewis, in dem er auf der Basis der Vernunft sehr bildhaft die Grundlagen des christlichen Glaubens erörtert. Dieses Buch ist bis heute das bekannteste seiner apologetischen Bücher.
5. Surprised by Joy (dt. Überrascht von Freude ) wurde 1955 veröffentlicht. Dieses Buch kommt einer Autobiographie sehr nahe, endet allerdings bereits mit Lewis’ Bekehrung zum Christentum 1931. Lewis beschreibt hierin seinen Weg vom Atheisten zum überzeugten Christen, wobei der besondere Schwerpunkt auf der Kindheit liegt.
6. A Grief Observed (dt. Über die Trauer ) erschien 1961 zunächst unter dem Pseudonym N. W. Clerk. Hierin verarbeitet Lewis seinen Schmerz nach dem Tod seiner Frau (vgl. Abschnitt 4.3.6 dieser Arbeit). Das Buch fand zwar nur wenige Rezensenten, dafür aber einige dankbare Leser. Zu Lewis’ Lebzeiten wurde es nicht sehr bekannt und wäre heute möglicherweise vergriffen, wenn es nach seinem Tod nicht unter Lewis’ eigenem Namen veröffentlicht worden wäre.

Erzählliteratur:

1. Mit seiner Weltraum-Trilogie begründete Lewis die Gattung der theologischen Science Fiction. Der Protagonist der drei Bände Out of the Silent Planet (dt. Jenseits des schweigenden Sterns , 1938), Perelandra (dt. Perelandra , 1943) und That Hideous Strength (dt. Die böse Macht , 1945) ist Professor Ransom; sein Widersacher, der Wissenschaftler Weston, symbolisiert die Versuchung. Von den Kritikern wurden die Bücher positiv aufgenommen, doch nur wenige verstanden den christlichen Inhalt.
2. The Screwtape Letters (dt. Dienstanweisung für einen Unterteufel ) erschien 1942. In 31 Briefen gibt ein älterer Teufel im Ruhestand seinem jungen Neffen Ratschläge, wie er die Seele seines menschlichen „Patienten“ durch die Ausnutzung kleiner Schwächen zur Beute der Hölle machen kann. Das gesamte Buch ist aus der Perspektive der beiden Teufel als Gegenspieler Gottes geschrieben und schärft den Blick für die vielen Gesichter des Bösen. The Screwtapes Letters wurde sofort nach seiner Veröffentlichung ein großer Erfolg und machte Lewis populär.
3. The Great Divorce ( dt. Die große Scheidung ) wurde 1945 veröffentlicht und handelt von den vielen Entscheidungen des täglichen Lebens, die entweder in den Himmel oder in die Hölle führen. In Form einer Traumreise mit vielen allegorischen Elementen erzählt das Buch von Gut und Böse im menschlichen Dasein.
4. Zwischen 1950 und 1956 erschienen die sieben Bände der „Narnia-Chroniken“. In diesen Märchenbüchern gelangen Kinder auf unterschiedliche Weise in das geheimnisvolle Land „Narnia“, wo sie viele Abenteuer erleben und am Kampf zwischen guten und bösen Mächten teilnehmen. Die Bücher sind voller biblischer Symbolik und haben einen hohen ethischen Gehalt. Heute gelten sie als Klassiker der Kinderliteratur, die auch mehrfach verfilmt wurden.
5. Till We Have Faces (dt. Du selbst bist die Antwort ) erschien 1956 und wird oft als Lewis’ beste literarische Leistung betrachtet. In diesem Buch wird der Mythos von Amor und Psyche theologisch vertieft und handelt von der Selbsterkenntnis. Obwohl von den Kritikern gelobt, fand dieses Werk bei den Lesern nur wenig Anklang, was wohl an seiner schwierigen Interpretation liegt.

[...]


[1] Christian Rendel. C. S. Lewis (1991). S. 152.

[2] Die Informationen für dieses Kapitel stammen hauptsächlich von H. Cox, K. D. Schmidt und dem Artikel „Apologetik“ der TRE.

[3] TRE (1978) Bd. 3, S. 412.

[4] Kurt Aland. Apologie der Apologetik (1948), S. 17.

[5] Die Informationen stammen hauptsächlich von H. Cox und D. T. Hyatt.

[6] Vgl. H. Cox. Stadt ohne Gott? (1966), S. 31.

[7] C. S. Lewis. „The Decline of Religion“. In: W. Hooper (Hg.). God in the Dock. Essays on Theology and Ethics . (1973), S. 219f.

[8] C. S. Lewis. „Christian Apologetics“. In: God in the Dock. S. 99.

[9] Ebd., S. 101.

[10] Ebd., S. 99.

[11] C. S. Lewis. „God in the Dock“. In: God in the Dock. S. 244.

[12] Die grundlegende Literatur für dieses Kapitel ist von C. S. Lewis ( Surprised by Joy ), C. Rendel und G. Sayer.

[13] C. S. Lewis. Surprised by Joy (1998), S. 178.

Ende der Leseprobe aus 71 Seiten

Details

Titel
Die Apologie des Christentums bei C. S. Lewis und ihre möglichen Auswirkungen auf die religionspädagogische Praxis
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Praktische Theologie)
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
71
Katalognummer
V5329
ISBN (eBook)
9783638132442
ISBN (Buch)
9783656058380
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
C. S. Lewis, apologetische Bücher, Narnia-Chroniken
Arbeit zitieren
Christina Bendicks (Autor), 2000, Die Apologie des Christentums bei C. S. Lewis und ihre möglichen Auswirkungen auf die religionspädagogische Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5329

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