Der italienische Faschismus: Von seinen Anfängen bis zur Mitte der dreißiger Jahre


Magisterarbeit, 2003
160 Seiten, Note: 1,8

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Risorgimento – Staat
2.1 Der Risorgimento – Staat: Genesis und Strukturen
2.2 Der Risorgimento – Staat: Entwicklung bis zum Weltkrieg

3. Die Quellflüsse des Faschismus
3.1 Der revolutionäre Nationalismus
3.2 Der revolutionäre Syndikalismus

4. Die Interventionskrise
4.1 Mussolini
4.2 Die Interventionsfrage
4.3 Die Intervention

5. Italien im Krieg und die Entwicklung des Linksinterventionismus

6. Die Fasci di combattimento

7. Die Nachkriegskrise
7.1 Der ökonomische Ruin
7.2 Das biennio rosso
7.3 Der agrario socialismo
7.4 Die vittoria mutilata
7.5 D´Annunzio in Fiume
7.6 Die Paralyse der parlamentarischen Demokratie

8. Der Aufstieg der Fasci
8.1 Der Ausbruch der Fasci aus der politischen Isolation
8.2 Die faschistische Explosion und die Reaktion
8.3 Die Offensive der Fasci
8.4 Der Agrarfaschismus
8.5 Die Bewegung wird zur Partei

9. Der Marsch auf Rom

10. Die faschistische Regierung
10.1 Die faschistische Koalitionsregierung
10.2 Die Matteotti – Affäre

11. Die Errichtung der faschistischen Diktatur

12. Die faschistische Repression

13. Die Staatspartei

14. Der Duce

15. Der Anspruch des faschistischen Staates

16. Der korporative Staat des Faschismus

17. Der integrale Staat des Faschismus

18. Faschismus und Rassismus

19. Die faschistische Erziehungsdiktatur

20. Die faschistische Apotheose des Staates

21. Ein totalitärer Staat?

22. Propaganda und Selbstdarstellung des Regimes

23. Das Regime zwischen Anspruch und Wirklichkeit

24. Die Wirtschafts- und Finanzpolitik des Regimes

25. Die Außenpolitik des Regimes

26. Der Abessinien – Krieg

27. Der Untergang des Faschismus

28. Bewertung

29. Literaturverzeichnis

Der italienische Faschismus

Von seinen Anfängen bis zur Mitte der dreißiger Jahre

1. Einleitung

In der Mitte und zum Ende des Jahres 1920 wurde die italienische Sprache um neue Vokabeln bereichert: fascismo, um die politische Bewegung der Fasci di combattimento zu bezeichnen, die am 23. März 1919 von Benito Mussolini und anderen an der Piazza San Sepolcro in Mailand gegründet worden waren, fascisti, um deren Anhänger zu identifizieren. Der Begriff fascismo, Faschismus, drückt – im Gegensatz zu anderen politischen Begriffen - nichts aus, und leitet sich ab von den fasci, Bünden. Um diese Bünde, ihre Bündler und deren ganz besondere Form der Bündlerei, um den Faschismus, geht es in der vorliegenden Studie – von seinen Anfängen bis zur Mitte der dreißiger Jahre.

Ihr Ziel ist es, den italienischen Faschismus als Phänomen der italienischen Geschichte zu erklären, denn der Faschismus ist „italienisch“, in seinen Spezifika an Italien, seine Geschichte und politische Kultur gebunden, und der Begriff muss folglich für die politische Bewegung in Italien reserviert bleiben - ein Oberbegriff, der auch andere politische Bewegungen als „faschistisch“ subsumiert, ist nicht zulässig.

„Unserer Ansicht nach bedeutet den Faschismus definieren, zuallererst die Geschichte des Faschismus schreiben.“,[1] hält Angelo Tasca fest und dazu wird zunächst auf den Rahmen verwiesen, in dem das politische Phänomen entstand: den Risorgimento – Staat, seine Entstehung aus der besonderen Form von italienischem Nationalismus und Sozialismus. In der Auseinandersetzung über den Eintritt Italiens in den Weltkrieg wird seine früheste Form sichtbar, auch im Werdegang seines künftigen Protagonisten, des ehemaligen Marxisten Mussolini. In der Nachkriegszeit zunächst ohnmächtig, verschafft ihm die Krise, die auf den Krieg folgt, die Möglichkeit zum Marsch auf Rom und zur Übernahme der Regierung. Diese Regierung entwickelt sich zu einer Diktatur, die weder Militär- oder Königsdiktatur noch Diktatur des Proletariats ist, sondern ein neuartiges Regime errichtet, dass charakterisiert und dessen politische Praxis dargestellt wird. Entscheidender Wendepunkt in der Geschichte des Faschismus ist der Abessinien – Krieg Mitte der dreißiger Jahre, der ihn scheinbar triumphieren läßt, seinen Weg in den Untergang aber bereits anzeigt. Wie und warum das so ist, wird erläutert. Abschließend wird der Faschismus bewertet.

2. Der Risorgimento - Staat

2.1 Der Risorgimento – Staat: Genesis und Strukturen

Wer vom Faschismus reden will, sollte nicht von dem politischen System schweigen, in dem sich die Genesis seiner Ideologie vollzog und das seinem Regime vorausging: dem liberalen Nationalstaat des Risorgimento. Dieser Staat war in der Kooperation des Königreiches Piemont unter Ministerpräsident Camille de Cavour und der nationalen Bewegung der Rothemden Giuseppe Garibaldis - unter Protektorat und militärischem Beistand Napoleon III - kreïert worden.[2] Die österreichische Hegemonie über Nord– und Mittelitalien war von Frankreich und Piemont kriegerisch aufgebrochen worden und im fast unmittelbaren Anschluss daran vertrieb Garibaldis „Zug der Tausend“ die Bourbonen aus Sizilien und Neapel, wo er sich mit aus dem Norden vorgedrungenen piemontesischen Truppen vereinigte; das päpstliche Regime war auf Rom zurückgeworfen worden. Ihren Abschluss fand die Eroberung der Halbinsel in der plebiszitär legitimierten Annexion der besetzten und liquidierten italienischen Staaten durch Piemont, das in dem neuen Königreich Italien aufging, dem es seine Krone und seine parlamentarische Verfassung übertrug.[3] Diese Verfassung, das Albertinische Statut, garantierte die rechtliche Gleichstellung aller Bürger, beschränkte aber die politischen Rechte durch ein äußerst restriktives Wahlrecht fast ausschließlich auf Aristokratie und Bourgeoisie. Der italienische Nationalstaat war, bei zentralistischer Verwaltung, potentiell instabil und schwach und wurde von folgenden Faktoren seiner Gründungszeit belastet:

Nationalbewegung und Nationalstaat wurden lediglich von der liberalen und antiklerikalen Bourgeoisie und Teilen der Aristokratie getragen, waren damit eindeutig Sache und Anliegen einer Minderheit, während die Masse des italienischen Volkes allenfalls ansatzweise – im kleinen und mittleren Bürgertum - nationales Bewusstsein entwickelte und ansonsten auch dem neuen Staat traditionell gleichgültig bis feindselig begegnete. „Das Risorgimento vollendete sich in der Form einer >königlichen Eroberung< der Halbinsel durch das kleine Piemont, ohne aktive Teilnahme des Volkes, ja teilweise sogar gegen das Volk.“[4]

Papsttum und Kirche standen dem italienischen Nationalstaat, diesem Räuber des Patrimoniums Petri, in erbitterter Feindschaft gegenüber. Guy Palmade: „Ebenso wie sich der belgische, holländische oder französische Liberalismus antiklerikal gab, vollzog sich Italiens Einigung gegen den Papst, der seinen Staat verlor, sich über 50 Jahre im Vatikan einschloß und sich als Gefangenen des neuen Königreichs betrachtete.“[5] Der Heilige Stuhl verbot den Gläubigen die Teilnahme an Wahlen, was die Zahl der Wähler, bei etwa 15% (1861) wahlberechtigter Männer, nochmals reduzierte.[6] Die intransigente Kirche und der liberal - antiklerikale Staat ignorierten einander.

Die verkrusteten sozialen Strukturen wurden von der nationalstaatlichen Gründung nicht berührt. So blieb im Mezzogiorno die feudale Agrarverfassung aus Latifundien – Besitz neben elenden und sklavenähnlichen Landarbeitermassen auch nach dem Sturz der Bourbonen intakt. Für die Masse der häufig noch analphabetischen ländlichen Bevölkerung in ganz Italien blieb der Begriff „Italien“ abstrakt bis nichts sagend.[7] Der liberale Nationalstaat machte ihnen und dem Kleinbürgertum kein Identifikationsangebot auf der Grundlage agrarischer und wahlrechtlicher Reformgesetzgebung.

Das eng begrenzte Wahlrecht bildete lediglich Parlamentsparteien aus, Wahlmännervereine und Honoratiorenverbände, die sich um bestimmte Persönlichkeiten gruppierten. Diese Protagonisten der Kammer in Rom verteilten untereinander das Feld politischer Macht mittels des Systems des so genannten trasformismo,[8] des Dauerkompromisses bei der politischen Entscheidung im Rahmen des allein selig machenden Liberalismus unter Einbeziehung intriganter und korrupter Praktiken. Wahlen waren durch die nämlichen Phänomene geprägt, begünstigt durch die Mehrheitswahl in kleinen Wahlbezirken, im Süden noch zusätzlich durch Gewalttätigkeiten. Lokale Magnaten setzten gemietete Schlägerbanden ein, die der Wahl ihrer Kandidaten, der so genannten Askaris, Nachdruck verliehen und konservierten so ihren politischen Einfluss.

Das politische System des Königreiches ist somit als klientelistisch und personalistisch geprägte, parlamentarische Oligarchie der liberalen Bourgeoisie zu definieren.[9] Im Folgenden ist aufzuzeigen, wie sich dieses System in den Grundzügen bis zum Ausbruch des Weltkrieges entwickelte. Zu fragen ist: welche Herausforderung begegnete dem liberalen Regime (während die Katholiken missmutig abseits standen)? Wie reagierte das liberale Regime auf diese Herausforderung? Wie veränderte sich das liberale Regime durch diese Herausforderung?

2.2 Der Risorgimento – Staat: Entwicklung bis zum Weltkrieg

Der gesamteuropäische Industrialisierungsprozess konzentrierte sich in Italien in den Metropolen des Nordens, damit die Kluft zwischen Norden und Süden noch vertiefend, wo sich der italienische Sozialismus formierte, der neben der Industrie– auch die Landarbeiterschaft in Nord– und Mittelitalien erschloss, also auch erhebliche regionalistische Züge aufwies. Der italienische Sozialismus, der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die Herrschaft der Bourgeoisie sozialrevolutionär bedrohte, war - dies muss ausdrücklich betont werden – nicht beinahe ausschließlich marxistisch geprägt (wie die deutsche SPD). Seiner gefährlichen Herausforderung des liberalen Systems begegnete Ministerpräsident Francesco Crispi (1887 – 1896, mit Unterbrechungen), Veteran des „Zugs der Tausend“, mit repressiver Innen- und sozialimperialistischer Außenpolitik, die nicht nur den aufkommenden Nationalismus im breiten Bürgertum bediente, sondern auch die sozialen Spannungen nach Übersee ableiten und so das liberale Regime stabilisieren sollte. Dieses Vorhaben, dem die Kräfte des schwachen italienischen Staates nicht genügten, scheiterte völlig – die Eroberung Abessiniens wurde 1896 durch die Niederlage italienischer Truppen bei Adua vereitelt – während die sozialen Konflikte blutig eskalierten. Nach schlechten Ernten ausgebrochene Hungerkrawalle führten zu einer Massenerhebung in Mailand (1898), die von der Armee unter Einsatz schwerer Artillerie niedergeschlagen wurde. In der anschließenden panischen Revolutionsangst berief König Umberto I. (1900 von einem Anarchisten ermordet) das Ministerium des Generals Luigi Pelloux, der die innere Befriedung und die Bannung der sozialrevolutionären Gefahr mit militärrechtlichen Ausnahmegesetzen zu erzwingen suchte, die immer mehr die Formen einer Militärdiktatur nach lateinamerikanischem Modell annahmen. Gegen diese Lösung opponierte nun allerdings auch die staatstragende liberale Bourgeoisie – besonders ihr linker Flügel aus Republikanern und Radikalen - die sie durch systematische parlamentarische Obstruktion zu Fall brachte.

Dies war die Stunde Giovanni Giolittis, Innenminister seit 1901, Ministerpräsident von 1903 bis 1914 (mit Unterbrechungen), der von repressiven Maßnahmen nicht absah, parallel dazu aber eine Reformpolitik betrieb, um dem Sozialismus seine revolutionären Giftzähne zu ziehen und ihn so weit zu liberalisieren, dass er in die herrschende Ordnung integrierbar war. Die Politik dieses Virtuosen des Parlamentarismus italienischer Art und brillanten Technikers des trasformismo stand unter der Prämisse, die Herrschaft und die Herrschaftstechniken der liberalen Eliten zu erhalten: so suchte er, in transformistisch – personalistischer Tradition, nicht das Arrangement mit dem marxistischen PSI (Partito Socialista Italiano) sondern kollaborationswilligen Persönlichkeiten in ihm.[10] Was der Reformpolitik Giolittis, die ihre Krönung in der Gewährung eines fast allgemeinen Wahlrechts 1913 fand,[11] an Unterstützung im revisionistischen Flügel des PSI zuwuchs, brach ihm bei nationalistischen und konservativen Liberalen um Antonio Salandra zusehends weg, denen sie viel zu weit gehend und bedrohlich erschien. So unternahm Giolitti mit dem diplomatisch sorgfältig eingefädelten Krieg gegen die Türkei, der zur Besetzung Libyens und einiger ägäischer Inseln (Rhodos, Kos und umliegende Inseln) durch Italien führte, auch eine innenpolitische Notoperation, um die erodierende Unterstützung nationalkonservativer Liberaler zurückzugewinnen, trieb den PSI damit allerdings in die Stellung fundamentaler Opposition zum liberalen Regime zurück. Auf dem Parteitag des PSI in Reggio 1912 polemisierte der Parteisekretär von Forli, Benito Mussolini, gegen jedwede Kollaboration mit der Bourgeoisie und erwirkte den Parteiausschluss der Protagonisten des reformistischen Parteiflügels, Leonida Bissolatis und Ivanoe Bonomis.[12] So ließ sich Giolitti zu einem Wahlbündnis, dem Patto Gentiloni,[13] mit den Katholiken herbei, die zusagten, liberale Kandidaten zu wählen, die sich bereit erklärten, kirchliche Forderungen wohlwollend zu prüfen und bewahrte so bei den ersten allgemeinen Wahlen von 1913 noch einmal, schon notdürftig und improvisiert, die liberale Hegemonie. Für jeden, der nicht mit Giolittischem Optimismus gesegnet war, musste sich aber spätestens seit 1912/14 eine interessante Frage stellen. Wie nämlich sollte die gerade begründete parlamentarische Demokratie funktionieren, wenn die Katholiken, mit einer eigenen Wahlpartei, zusätzlich zu den Sozialisten, in die nationale Politik drängten und die neuen Massenparteien, nebst den liberalen Gruppierungen, über eine sporadische und punktuelle Zusammenarbeit nicht hinauskamen?

Nachdem über den liberalen Vorkriegsstaat befunden worden ist, seine anfälligen und instabilen Strukturen und seine Entwicklung, in deren Mittelpunkt seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die Herausforderung durch sozialrevolutionäre Forderungen, bei weitestgehender katholischer Abstinenz, stand, stellt sich nun die Frage, ob es in diesem Gesamtbild politische Strömungen gab, die in Opposition zur herrschenden Ordnung standen ohne den genannten Marxisten anzugehören. Es ist ja bereits darauf verwiesen worden, dass der italienische Sozialismus nicht mit Marxismus identisch ist, und tatsächlich wurde er insgesamt auch, neben dem libertären Sozialismus des Anarchismus, vom revolutionären Syndikalismus gebildet. Es gab also eine sozialistische Opposition außerhalb des PSI und zudem eine extremistische Rechte des – analogen – revolutionären Nationalismus. Im Folgenden ist zu klären, welche politischen Strömungen das überhaupt waren, der revolutionäre Syndikalismus und der revolutionäre Nationalismus, wie sie entstanden, welche revolutionären Ziele sie verfolgten und wie sie sich in der Vorkriegszeit entwickelten. Diese Fragestellungen sind umso interessanter, als es sich beim revolutionären Nationalismus und dem revolutionären Syndikalismus um die Quellflüsse eines politischen Phänomens namens „Faschismus“ handelt. Zunächst soll der revolutionäre Nationalismus untersucht werden, darauf der revolutionäre Syndikalismus, der sich, wie zu zeigen sein wird, nationalistisch auflud und zur Bildung der ersten Fasci führte.

3. Die Quellflüsse des Faschismus

3.1 Der revolutionäre Nationalismus

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildeten sich in Italien nationalistische Intellektuellenzirkel, die schon bald mit der Herausgabe von Zeitschriften begannen, wie „Il Leonardo“ (gegründet 1903 von Giovanni Papini und Giuseppe Prezzolini), „Il Regno“ (gegründet 1904, herausgegeben von Giovanni Papini und Enrico Corradini), „La Voce“ (herausgegeben von Giuseppe Prezzolini), „Lacerba“ und „L´Anima“[14], und sich vom sozusagen traditionellen Nationalismus absetzten. Inwiefern? Der traditionelle italienische Nationalismus hatte das Risorgimento, das Wiederaufleben der Nation qua staatlicher Einheit, betrieben und getragen, während und seit der Gründung des Nationalstaates die in ihm ursprünglich starken republikanisch – demokratischen bis sozialrevolutionären, auch von völkerverbindenden Ideen mitbestimmten Kräfte, von Giuseppe Garibaldi und Giuseppe Mazzini repräsentiert, an den Rand gedrängt, sich von ihnen getrennt. Fortan war es ihm um eine imperiale Politik im Mittelmeer und in Afrika zu tun – offizielle Regierungspolitik spätestens seit den Ministerien Crispis der achtziger und neunziger Jahre. Italien hatte nicht nur seine Irredenta im Trentino, in Triest und Dalmatien – das Risorgimento vollendend - zu erlösen, sondern auch seine Machtstellung durch Eroberung eines Kolonialreiches zu der einer sechsten europäischen Großmacht zu heben.[15] Der Nation war damit zudem Siedlungsland für die italienischen Auswanderer zu erschließen und ihren internen sozialen Konflikten war ein Ventil zu geben, das die liberale Ordnung stabilisierte.

Der neue revolutionäre Nationalismus teilte die außenpolitischen Projekte der liberalen Regierungen, entzündete sich aber an ihrem völligen Mißlingen – der „Schande von Adua“, wo Italien schwarzafrikanischen Kriegerhorden unterlegen war – und wendete sich gegen das liberale Regime. Was hatte denn die liberale Ordnung für Italien erreicht? Weniger als nichts, siehe Adua. Worin lag das nationale Debakel begründet? Im liberalen System selbst, seiner Ideologie, dem schwachen Staat, den sie hervorbrachte, und der die Nation militärisch und ökonomisch, machtpolitisch impotent machte, Italien nicht den Rang geben konnte, der ihm, gerade vor dem Hintergrund seiner ruhmreichen Vergangenheit mit ihren römisch – imperialen, militärischen, zivilisatorischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Leistungen gebührte. Der Liberalismus trug die Verantwortung dafür, dass Italien schwach und rückständig blieb, aber nicht er alleine, zeigte sich seine Altersschwäche und Dekadenz doch auch darin, dass er nicht mit der gebotenen Entschlossenheit und Härte gegen die antinationale, den Staat zersetzende „böse Pflanze des Sozialismus“[16], vorging. Der neue Nationalismus nahm also eine doppelte Frontstellung ein gegen die beiden Kräfte, die Italien niederhielten: Liberalismus und Sozialismus. Denn sowohl Liberale wie Sozialisten vertraten materialistische Klasseninteressen, nicht die Interessen der Nation, das gaben sie – im Fall der Liberalen – in ihrer Auseinandersetzung, die Italien spaltete und schwächte, lediglich vor. Das ideologische Arsenal aus dem sie sich bei ihrer Verfechtung materialistischer Klasseninteressen bewaffneten war ein und dasselbe, Holz vom gleichen Stamm, nämlich dem der Aufklärung, mit ihrem rationalistisch – positivistischen Weltbild, ihrer individualistisch – utilitaristischen Orientierung und universal – internationalistischen, eben nicht nationalen, Botschaft. Das aufklärerische Gedankengut, dem die Französische Revolution zum politischen Durchbruch verholfen,[17] und das das herrschende politische System des 19. Jahrhunderts aus Liberalismus und Sozialismus hervorgebracht hatte, tötete alles ab, was zu großen Taten im Dienst an der Nation inspirierte: den tief verwurzelten, nicht hinterfragten und mythologisierten Glauben an die Idee und die Größe der Nation, Gemeinschaftsgeist, Idealismus und Altruismus. Mit dieser Kritik an der aufklärerischen Kritik reihte sich der neue italienische Nationalismus in die gesamteuropäische Zeit– und Ideenströmung des integralen und organischen Nationalismus und dessen radikal konservativen, gegenrevolutionären und radikal antisozialistischen Ansatz ein, wurde dabei insbesondere von der Action française inspiriert und enthielt, so Luigi Salvatorelli „den ganzen Charles Maurras; gelesen, abgeschrieben, auswendig gelernt und in allerlei Saucen gekocht.“[18]

Die Spezifika des revolutionären italienischen Nationalismus traten aber in seinem alternativen Konzept zur parlamentarischen Ordnung hervor, seinen Vorstellungen von Nation und Staat und der Methoden, sie umzusetzen. Im Gegensatz zu ihren französischen Brüdern im Geiste blickte der neue italienische Nationalismus nicht zurück und erhob einen ausgesprochen progressiven und modernistischen Anspruch. Gewiss: die Romanità, der Kult um Rom, war traditionellen wie neuen Nationalisten Italiens lieb und teuer, war ihnen Inspiration und Ansporn, es den Vorfahren bezüglich ihrer imperial – zivilisatorischen Leistungen gleich zu tun und wurde von den Faschisten in atemberaubende Höhen getrieben. Der neue Nationalismus wärmte sich aber nicht an einem vergangenen politischen System, wie die Maurras – Jünger am vorrevolutionären, königlichen und katholischen Frankreich. Vom Ruhm der Vergangenheit inspiriert, wollten die revolutionären Nationalisten für Italien etwas völlig Neues. Das wurde am deutlichsten bei ihrer exzentrischen und extremistischen Minderheitsfraktion der Futuristen, einer künstlerischen Avantgarde, die die moderne Technologie feierte und ihre Kunst, durch das von Filippo Tommaso Marinetti 1909 in Paris im „Figaro“ veröffentlichte Futuristische Manifest, zum politischen Programm erweiterte. Im Gegensatz zu allen anderen italienischen Nationalisten brachen sie radikal mit jeder Form der Vergangenheit, schonten nicht einmal das ewige Rom und polemisierten gegen das Zuviel an Vergangenheit, Geschichte, alter Kunst, das Italien befrachte und es daran hindere, modern, also militärisch stark, technologisch fortgeschritten und imperial zu werden. Demnach mussten zunächst einmal alle Museen, Bibliotheken, Pinakotheken, Ausgrabungsstätten und Kirchen zerstört werden um das neue moderne Italien zu schaffen, dem dann, wie die Futuristen in nicht zu überbietender bellizistisch – blutrünstiger Diktion forderten, Bahn zu schlagen war. Artikel 9 und 10 des Futuristischen Manifests: „Wir wollen den Krieg verherrlichen – diese einzige Hygiene der Welt -, den Militarismus, den Patriotismus, die Vernichtungstat der Anarchisten, die schönen Ideen, für die man stirbt, und die Verachtung des Weibes. Wir wollen die Museen, die Bibliotheken und die Akademien jeder Art zerstören und gegen den Moralismus, den Feminismus und gegen jede Feigheit kämpfen, die auf Zweckmäßigkeit und Eigennutz beruht.“[19] Was die Futuristen am deutlichsten ausdrückten stand für alle revolutionären Nationalisten außer Frage, dass nämlich das neue Italien nur durch Krieg zu errichten sei.

Dem lag auch das Konzept der Nation zugrunde, dass ihr Wortführer Enrico Corradini, von einer Reise nach Süd – und Nordamerika zurückgekehrt, entwarf. „Italien“, verkündete er „ist eine proletarische Nation, was die Auswanderung zur Genüge beweist. Italien ist der Proletarier der Welt.“[20] Das sozialistische Klassenkampfmodell wurde radikal verworfen, auf eine höhere Ebene gehoben und der Bürgerkrieg zwischen Klassen zugunsten des Krieges zwischen Nationen verworfen. Italien, die proletarische Nation wurde von den plutokratischen Nationen, den parasitären Besitzern gewaltiger kolonialer Imperien ausgebeutet und daran gehindert, die ihm gebührende zivilisatorische Mission und Machtstellung einzunehmen, war jedoch im Besitz des Mandats der Geschichte, dass es durch Krieg gegen die Plutokratien an sich ziehen konnte und musste[21]. Wer diese plutokratischen Nationen waren? Großbritannien und Frankreich, die dekadenten und altersschwachen Westmächte, die überdies Italiens natürlichen Machtbereich, das mare nostro des Mittelmeeres, kontrollierten - keineswegs das Wilhelminische Reich, mit dem der revolutionäre italienische Nationalismus sympathisierte, handelte es sich doch um einen jungen Nationalstaat, der gleich Italien von Briten und Franzosen an seiner Entfaltung gehindert wurde, sich somit in einer Front mit Italien befand und überdies nicht – Ausdruck seiner Vitalität – vom Parlamentarismus derart vergiftet war wie London und Paris.

Im Dezember 1910 gründeten nationalistische Intellektuelle und ihre Sympathisanten in Florenz die Associazione Nazionalista Italiana (ANI), die das zuvor in der extrem nationalistischen Presse verbreitete Gedankengut zu ihrer politischen Agenda machte, moderatere Kräfte bis zum Vorabend des Weltkrieges ausscheidend.[22] Der Schlüssel für die Lösung der innenpolitischen Problematik Italiens, der sozialen Spannungen, der allgemeine Rückständigkeit gegenüber den Plutokratien und dem Deutschen Reich, dem Nord – Süd – Gefälle, der Verelendung weiter Gebiete des Mezzogiorno, Probleme, die ihren sichtbaren Ausdruck im Phänomen der Auswanderung fanden, befand sich für die revolutionären Nationalisten in der kolonial – imperialen Expansion und damit im Krieg. Neben seiner Feststellung – „Was ist die italienische Arbeit in Argentinien? Alles. Was sind die Italiener? Nichts“ - führte Corradini auf dem Gründungskongress der ANI aus: „Wäre Afrika vielmehr unter italienischer statt unter französischer Herrschaft, glauben Sie, das hätte Sizilien und den Süden und Italien unter denselben Bedingungen gelassen, unter denen sie geblieben sind? … das ganze Leben der Insel und des Südens und der Halbinsel wäre neu durchglüht worden, und gewiß wären viele sogenannte innere Fragen, die immer noch unter der Sonne faulen und durch die wir in Fäulnis aufgehen, gelöst worden.“[23]

Das Fundament der revolutionär – nationalistischen Ideologie, neben dem Konzept der proletarischen Nation durch Enrico Corradini, lieferte der Jurist Alfredo Rocco, der 1913 der ANI beitrat und das Konzept eines korporativen Staates[24] entwarf, der den Wiederaufstieg Italiens vollziehen würde. Dieser Staat würde seine von Liberalismus und Sozialismus zersetzte Autorität restaurieren und die sozialen Konflikte durch eine korporative Ordnung befrieden, die die Arbeitgeber– und Arbeitnehmerorganisationen jeder einzelnen Branche jeweils – in einer Korporation – verschmolz, in der die Interessen und Konflikte zwischen Arbeit und Kapital unter staatlicher Aufsicht ausgeglichen würden. Der korporative und autoritäre Staat würde, nach Eliminierung der internen Auseinandersetzungen, freie Hand zur Modernisierung und Steigerung der ökonomischen Leistung Italiens haben, Voraussetzung seiner antizipierten Großmachtstellung, und das Staatsindividuum dazu erziehen, so Rocco, „sich selbst ganz zu geben, sein Hab und Gut, sein Tun und Lassen, sein Leben“ – für die italienische Staatsnation - „deren Element und Organ es ist.“[25] Der neue Staat werde die 1500jährige Phase der Geschichte des italienischen Volkes endgültig beenden und imperial überwinden – durch Krieg selbstverständlich, in der, so Rocco „it had fought no wars and remained disunited and servile.“[26] Seine letzte Ausformung erhielt dieser Staatsbegriff durch Giovanni Gentile, neben Benedetto Croce der bedeutendste zeitgenössische Philosoph Italiens, der postulierte, dass die derart konditionierten Individuen, zum Idealismus bekehrt, den „ethischen Staat“[27] bildeten, der die ethischen, weil höheren Ziele der Nation verfolge.

Die Futuristen traten der ANI zwar nicht bei, weil sie keine Stellung gegen die vormodernen Relikte des Königtums und der katholischen Kirche bezog, sie vielmehr ausdrücklich als identitäts– und integrationsstiftende Institutionen bejahte, doch genoss sie die Sympathien des bedeutendsten italienischen Dichters der Zeit, des in den Jahren vor dem Weltkrieg in Paris weilenden Gabriele D`Annunzio, der den Nationalismus mit seinen Hymnen auf die italienische Seemacht befeuerte.

Die sehr junge Partei des revolutionären Nationalismus blieb in der Vorkriegszeit in der Position einer kleinen Minderheit der nationalen Politik. Dass beunruhigte sie keineswegs, schließlich war auch das Risorgimento Sache einer Minderheit gewesen und das neue Italien werde ja schließlich nicht durch das Auszählen von Stimmzetteln, sondern den von den revolutionären Nationalisten fieberhaft erwarteten großen europäischen Krieg geschaffen, aus dem eine Elite hervorgehen werde, die die ANI zu stellen gedachte, die das liberale System beseitigen und den Sozialismus vernichten werde. Bei den Kammerwahlen von 1913 gewann die ANI nur 5 Sitze[28], doch war sie lautstark, insbesondere bei ihrer propagandistischen Begleitung des Libyen – Krieges von 1911, und übernahm die politische Kampfmethode zum Teil gewalttätiger Straßendemonstrationen, auf die bislang die Linke quasi ein Monopol gehabt hatte. Während der „Settimana rossa“ im Frühsommer 1914, als es zu sozialistischen Streiks und Aufruhr bis an den Rand des offenen Aufstandes kam, konzentriert in der Emilia Romagna, reagierten die ANI – Nationalisten mit militanten Gegenkundgebungen und einem Aufmarsch in Rom. Die Nationalisten lieferten dem Faschismus das Modell eines künftigen Staates und sollten in ihm schließlich aufgehen. Sein Ursprung aber lag im antimarxistischen Sozialismus, dem revolutionären Syndikalismus. Dazu nun.

3.2 Der revolutionäre Syndikalismus

Zunächst ist zu klären, was der Syndikalismus, im Unterschied zum Marxismus, ist. Der Syndikalismus, der Begriff besagt es, stellt die Syndikate, Gewerkschaften, in den Mittelpunkt seines Denkens. Das sind nun allerdings keine Gewerkschaften im Sinne von Organisationen der Arbeiterschaft, die deren vornehmlich ökonomistischen Interessen – Entlohnung, Arbeitszeit et cetera - wahrnehmen, mittels Streik zum Beispiel. Die Syndikate sind vielmehr Vereinigungen der Arbeiterschaft, die durch permanente, gut organisierte und militante Generalstreiks die Herrschaft der Bourgeoisie vernichten. Wie das gelingt? Indem das Proletariat der Bourgeoisie die Kontrolle über den Produktionsprozess entreißt. Syndikate sind also revolutionäre Kampfgemeinschaften, keine Kleingärtnervereine. Den Syndikalisten geht es um die Kontrolle des Produktionsprozesses, nicht um die Verfügung über die Produktionsmittel, wie den Marxisten. Die Kollektivierung der Produktionsmittel und die Reglementierung der freien Marktwirtschaft kommen für sie überhaupt nicht in Frage.[29] Zur Marktwirtschaft und zum Privatbesitz, auch an Produktionsmitteln, gibt es keine Alternative, schließlich werden Menschen zur wirtschaftlichen Aktivität durch das Gewinnstreben motiviert, entfällt diese Motivation, bricht die Wirtschaft zusammen, eben auch zum Schaden des Proletariats. Wenn der Kapitalismus aber fortbesteht, die Bourgeoisie die Produktionsmittel besitzt, wie kann denn dann die Ausbeutung des Proletariats beendet werden? Nun, indem durch die syndikalistischen Generalstreiks auch die Instrumente der Bourgeoisie zur Ausbeutung des Proletariats – Armee, Polizei, Bürokratie, kurzum der Staat, systematisch aufgerieben und durch eine Gesellschaft nunmehr freier Produzenten, in Syndikaten und Genossenschaften organisiert, ersetzt werden. Man ist jetzt frei, arbeitet nach persönlichem Ermessen, da die Bourgeoisie den Marxschen Mehrwert durch Ausbeutung nicht mehr erzielen kann und befindet sich im Sozialismus. Um zum Sozialismus zu gelangen ist der revolutionäre Generalstreik nötig, der individuelle Terror gegen den Staat und seine Repräsentanten, wie die Anarchisten glauben, genügt nicht und ganz falsch ist das politische Projekt der Marxisten, einen proletarischen Staat zwischenzuschalten, bevor man zum Sozialismus gelangen kann: jeder Staat ist bourgeois und repressiv, die Revolution muss einen ausschließlich ökonomischen Charakter haben, ihr von den Marxisten geforderter politischer Charakter ist ein Irrweg. Nun ist zu klären, wie sich der italienische revolutionäre Syndikalismus - in seiner Hauptströmung, nicht alle Syndikalisten gingen die Strecke bis zum Ende mit – nationalistisch auflud, zum Nationalsyndikalismus wurde und dann in einem politischen Phänomen namens Faschismus ankam.

Der Syndikalismus entstand als Oppositionsbewegung zur marxistischen Hegemonie in der sozialistischen Partei Italiens, dem PSI, am Anfang des 20. Jahrhunderts. Unter Führung der bedeutendsten syndikalistischen Wirtschaftstheoretiker, Arturo Labriola und Enrico Leone, griff er die sozialistische Orthodoxie wegen ihrer Irrtümer an: die von Marx prophezeite wachsende Verelendung und die Dichotomie Bourgeoisie – Proletariat, der fortschreitende Verfall des Kapitalismus – sie hatten augenscheinlich nicht stattgefunden, ganz im Gegenteil: dem Proletariat ging es immer besser und der Kapitalismus stand in voller Blüte. Zudem wurde die Lehre des großen Meisters der Situation und Problematik Italiens nicht gerecht, verengt auf das städtisch – industrielle Proletariat des Nordens in einem Land mit massenhaftem Landproletariat, zu dessen Problematik ausgeprägter sozioökonomischer Rückständigkeit die marxistischen Determinanten keine Lösung anboten. Stellten seine widerlegten Vorhersagen und seine Unzulänglichkeiten den Marxismus schon grundsätzlich in Frage, so wog anderes noch schwerer: der Marxismus mit seinem aufklärerischen Rationalismus konnte auch keine revolutionären Leidenschaften wecken, keinen revolutionären Eifer entflammen – ein Befund der sich in seinem schlimmsten Degenerationssymptom, dem Reformsozialismus manifestierte. Für das Linsengericht materialistischer Vorteile qua Kollaboration mit der Bourgeoisie verkaufte er die Idee der Revolution, verschob sie auf den Sankt Nimmerleinstag und stabilisierte den liberalen Staat und seine Institutionen. Wie aus dieser Marxismuskritik, die im Einklang mit der französischen Schule George Sorels und Gustave Le Bons stand, deren Gedankengut sie aufgriff, in der Folge eine Ideologie wurde, die vom Marxismus nur noch den revolutionär - militanten Aktivismus beibehielt, ihn aber ansonsten völlig negierte, ist nun nachzuzeichnen.

Die Entwicklung zur Nationalisierung des Syndikalismus vollzog sich auf mehreren Grundlinien. Der Kapitalismus wurde vom Syndikalismus nicht a priori in Frage gestellt - vorausgesetzt man schuf eine Gesellschaft freier Produzenten ohne Staat, kapitalistische Produktionskontrolle und die hypertrophen Erscheinungen des Kapitalismus - Börse und Großbanken – mehr noch: ein florierender aber kontrollierter Kapitalismus war Voraussetzung für die Entwicklung und das Gedeihen des Sozialismus. Daraus ergab sich für den Syndikalismus die Forderung, den Kapitalismus zu entwickeln – und zwar im nationalen Rahmen in Italien, das noch vorwiegend agrarisch und im westeuropäischen Vergleich rückständig war. Hier lag der Ansatz zum Nationalismus im Syndikalismus, dem allmählichen Abschied vom marxistischen Internationalismus, bei der Suche nach Lösungen für die besondere Problematik Italiens. Das schloss die Auswanderung ein, in gleicher Schärfe von Nationalisten und Syndikalisten attackiert, wenn auch zunächst unter verschiedenen Feldzeichen, hier Nationalismus, dort Sozialismus, die dem liberalen Staat und dem ihn tolerierenden Reformsozialismus zur Last gelegt wurde. Unter den Syndikalisten setzte sich sukzessiv die Meinung durch, dass Italien seinen eigenen Weg zu Revolution und Sozialismus zu gehen hatte, zu dem notwendig die Modernisierung des Landes gehörte. Eine sozialistische Lösung musste nicht mehr unbedingt im internationalen Rahmen erfolgen.

Die Modernisierung Italiens wiederum erforderte eine Erhöhung seiner ökonomischen Leistungskraft, die Steigerung der Produktion. Für die Syndikalisten waren die Begriffe Proletariat und Produzenten ursprünglich nahezu identisch, dem national angereicherten Modernisierungsprogramm entsprechend, wurde die Kategorie der Produzenten aber schließlich immer weiter ausgedehnt und schloss schließlich alle am Produktionsprozess Beteiligten ein: am Ende sogar die Fabrikanten. Die Begriffe Proletariat und Bourgeoisie wurden nicht einfach gestrichen aber immer häufiger umdefiniert. Die Bourgeoisie wurde schließlich meist auf nicht produzierende Kapitalisten beschränkt, das Marxsche Gegensatzpaar auf die Formel Produzenten gegen Parasiten umgestellt. In dieser Logik war es dann nur sinnvoll, im Sinne der Modernisierung Italiens durch Produktionssteigerung als Grundlage der sozialrevolutionären Lösung seiner speziellen Problematik – Rückständigkeit und Auswanderung, die Produzenten jeder Branche jeweils zusammenzufassen: in einer Korporation. Näherte sich der Syndikalismus immer stärker nationalem Denken an, die Syndikalisten empfanden bei der Beschäftigung mit den Problemen Italiens immer stärker, dass sie eben auch Italiener waren, so eskalierte dieser Ansatz, wie die Entwicklung des Syndikalismus in der Vorkriegszeit offenbart.

Die Syndikalisten waren die eiferndsten Revolutionäre im PSI, ihre Versuche, die Partei und den von ihr dominierten Gewerkschaftsverband, die Confederazione Generale del Lavoro (CGL) auf eine Kurkorrektur in ihrem Sinne einzuschwören scheiterten jedoch. Nach dem großen syndikalistischen Landarbeiterstreik in der Provinz Parma im Sommer 1908 unter Führung Michele Bianchis, der vom Militär niedergeworfen wurde, ihren immer heftigeren Attacken auf die marxistische Partei– und Gewerkschaftsleitung, nachdem die Syndikalisten ihre Häresien mit dem klassischen Sozialismus immer weiter getrieben hatten, wurden sie im Herbst 1908 aus dem PSI ausgeschlossen. In ihrem unbedingten Willen zur Entfesselung einer Revolution schwenkten die Syndikalisten immer mehr auf die Bahn des Antirationalismus ein und setzten in maßlosen Angriffen den Marxismus immer mehr mit dem Liberalismus gleich.

Bei beiden Ideologien handelte es sich nämlich um revolutionsfeindliche Kräfte, basierend auf einem Materialismus, Rationalismus, Positivismus und Intellektualismus, der jene feurigen Tugenden erstickte, ohne die eine Revolution nicht möglich war: Idealismus, Aktivismus und Opferbereitschaft. Wie die Nationalisten machten die Syndikalisten die Entdeckung, dass Marxismus und Liberalismus aus derselben Quelle schöpften die ihre veralteten Anschauungen aus dem 19. Jahrhundert tränkte: der Aufklärung. Beide Kräfte standen für ein altes Italien, der Syndikalismus hingegen für progressiven und modernen Sozialismus – im Gegensatz zum veralteten und degenerierten Marxismus – der ein neues Italien zu schaffen beabsichtigte. In ihrem revolutionären Eifer nahmen die Syndikalisten aber nicht nur die alten Parteien ins Visier, sondern, zunächst vereinzelt, dann immer allgemeiner und umfassender, auch das Proletariat, die Arbeiterschaft. Die bereitete ihnen immer größeren Kummer, ließ sie sich doch mehrheitlich am marxistischen Gängelband führen.

An dieser Stelle kam der Nationalismus im Syndikalismus zum Durchbruch, als Italien der Türkei 1911 den Krieg erklärte und in Libyen Krieg führte. Der Begriff des Proletariats wurde im Syndikalismus schon vielfach durch den der Produzenten ersetzt, nun wurden die Produzenten von einer Fraktion des Syndikalismus mit der Nation gleichgesetzt. Unter Leitung Arturo Labriolas, Angelo Oliviero Olivettis und Paolo Oranos stellte sich dieser syndikalistische Flügel die Frage, ob der Libyen – Krieg Italien nicht von Nutzen war, insbesondere dem Mezzogiorno, wenn es sich in Nordafrika festsetzen konnte. Gab es etwa kein nationales und proletarisches Interesse am Besitz Libyens? War Italien eine proletarische Nation, die im Gegensatz zum Staat, der Bourgeoisie stand? Überdies wurde der prinzipielle Antimilitarismus, den besonders der Syndikalist Filippo Corridoni verfocht, kritisiert. Die Armee war nicht grundsätzlich zu bekämpfen, vielmehr galt es, sie vom bourgeoisen Staat zur proletarischen Nation herüberzuziehen, die Soldaten sollten von der Bourgeoisie abfallen. Zudem war der Krieg eine hervorragende Schule revolutionärer Tugenden, der die Proletarier – Produzenten auf die große Stunde vorbereitete. Diese Positionen wurden von anderen syndikalistischen Führern, dem genannten Corridoni, Enrico Leone und Alceste De Ambris erbittert bekämpft. Der Libyen – Krieg, diente den Interessen der parasitären Bourgeoisie und ihres liberalen Staates, wie jeder Krieg, keineswegs denen der Nation und war selbstverständlich revolutionär zu bekämpfen, durch antimilitaristische Agitation mit Aufrufen an die Soldaten zur Desertion von der Bourgeoisie und den Generalstreik von 1911.

Gerade über diesen gescheiterten Generalstreik und die im Juni 1914 ausgebrochene Settimana rossa, die rote Woche in der Romagna mit militanten Streiks, nachdem Carabinieri in Ancona in eine antimilitaristische Demonstration gefeuert hatten, beide als Auslöser der Revolution antizipiert, fanden die zerstrittenen Syndikalisten wieder zusammen. Denn wer hatte die Streiks untergraben, hintertrieben, abgebrochen? Niemand anderes als die besten Agenten der Bourgeoisie, so ihre wutschäumenden Angriffe: PSI und CGL. Und wer war ihrem Defätismus gefolgt? Die Masse des Proletariats. Das Proletariat war, so die Mehrheitsmeinung unter den syndikalistischen Intellektuellen und Aktivisten offenbar keine revolutionäre Kraft mehr. Folglich musste die Revolution ihre Rekruten dann eben auch anderswo einberufen, womöglich in der ganzen Nation, und ihre Waffe nicht mehr auf die des stumpf gewordenen Generalstreiks beschränken, um das neue Italien freier Produzenten zu schaffen. Welche andere revolutionäre Disziplin gab es aber außerdem noch? Nun: den Krieg. So weit war es also mit dem Syndikalismus gekommen, als der Weltkrieg ausbrach: die Lösung der Probleme Italiens hatte auf sozialrevolutionärem Weg zu erfolgen, der das neue und moderne Italien begründen und das alte Italien des liberalen Staates und seine Derivate, wie den reformerisch – revisionistischen Sozialismus, vernichten würde. Diese Lösung musste nicht notwendig internationalistisch sein, sie war auch im nationalen Rahmen denkbar, ihre Waffe musste nicht notwendig der Generalstreik sein, auch der Krieg war denkbar, die Soldaten der Revolution mussten nicht notwendig aus dem Proletariat kommen, sie konnten aus allen produktiven Klassen der Nation kommen. Was bei diesem Ansatz noch fehlte, um die Brücke vom Syndikalismus zum Nationalismus zu schlagen, war das Ziel der Revolution – sozialrevolutionär gegen nationalistisch, das Korporationsmodell – Kontrolle der Produktion durch die proletarischen Produzenten gegen Solidarität in der italienischen Staatsnation und die Nichtverständigung über Krone und Kirche: die Syndikalisten waren so antimonarchistisch wie antiklerikal. Übereinstimmung herrschte über die Erneuerung Italiens durch Produktionssteigerung und Modernisierung der Wirtschaft und die Rolle der Eliten in der Revolution. Die Syndikalisten waren immer der Auffassung, dass eine aktivistische und heroische Elite die Revolution zu organisieren und zu führen habe: die Revolution war schließlich eine Disziplin, kein spontaner Krawall. Diese Elite konnte neuerdings im syndikalistischen Denken auch, nach Lage der internationalen Beziehungen im Sommer 1914, in einem großen Krieg geschmiedet werden.

Als dieser große europäische Koalitionskrieg im August 1914 dann ausbrach erlebten die syndikalistischen Intellektuellen und Aktivisten ihre nächste Enttäuschung. Ihre Basis, organisiert in der von der CGL abgefallenen UIL (Unione Italiana del Lavoro), verabschiedete umgehend eine Deklaration, die die Neutralität Italiens verlangte. Dagegen rebellierte nun deren Mailänder Sektion, initiiert durch ihren Vorsitzenden, einen der schärfsten Gegner des Libyen – Krieges, Alceste De Ambris, der den Krieg als Revolutionskrieg gegen die reaktionären Mittelmächte forderte, einen Krieg, der das alte Italien kurz und klein schlagen, das neue Italien errichten werde. Diese Sezession riss andere syndikalistische Führer mit sich, so den ehemaligen Antimilitaristen Filippo Corridoni, der nun unter der Arbeiterschaft für den Krieg agitierte. Die interventionistischen Syndikalisten, der linke Interventionismus, gründeten im Oktober 1914 einen Agitationsverband, um Italien in den Krieg zu führen: die Fasci d´azione rivoluzionaria internazionalista. Kurz nach seiner Gründung trat diesen neuen Fasci der gerade zurückgetretene Chefredakteur des PSI – Organs „L´Avanti“ bei: Benito Mussolini. Was war geschehen? Warum war einer der bekanntesten, wenn nicht der bekannteste und einflussreichste Marxist Italiens zum Linksinterventionismus übergetreten? Für die Genesis, die Formierung und weitere Entwicklung von dem was unter „Faschismus“ bekannt werden sollte hat diese Persönlichkeit eine überragende Bedeutung. Nicht weil Faschismus Mussolinismus ist - die faschistische Ideologie und ihren Aufstieg hätte es auch ohne Mussolini gegeben – sondern weil das politische Phänomen sich gerade vor dem persönlichen und intellektuellen Werdegang seines bedeutendsten Repräsentanten deutlicher analysieren und erfassen lässt. Es ist also zunächst der politische Werdegang eines Individuums zu schildern, die Gründe seiner Metamorphose, übergehend in die italienische Interventionskrise in ihrer Gesamtheit unter Akzentuierung des Linksinterventionismus von Syndikalisten und entlaufenen Söhnen des Marxismus.

4. Die Interventionskrise

4.1 Mussolini

Zunächst also: wer war Benito Mussolini?[30] Geboren 1883 als Sohn eines Hufschmieds und Schankwirts, wuchs er in einem Dorf in der Romagna auf und erwarb ein Lehrdiplom für französische Grammatik und Literatur. Vor dem Militärdienst für den verHaßten liberalen Staat emigrierte er in die Schweiz, verdingte sich dort und in Deutschland als Maurergehilfe, Übersetzer, erledigte Botengänge, musste zeitweise sogar betteln, schloss sich sozialistischen Debattierzirkeln an und schrieb erste Artikel für sozialistische Blätter. Sein ganzer Haß galt der Bourgeoisie und der Kirche, gegen die er in einer Art agitierte mit der keiner seiner Genossen konkurrieren konnte. Dies brachte ihm kurze Gefängnisaufenthalte und Ausweisungen aus Kantonen ein, ein unstetes Wanderleben, dass er beendete, als er eine Amnestie nutzte, um nach Italien zurückzukehren und doch noch seinen Militärdienst in einem Bersaglieri – Regiment abzuleisten. Außer bei einem kurzen Aufenthalt in Trient – Ergebnis: Ausweisung – war Mussolini fortan in Italien tätig, begann seine politische Karriere in Forli, wo er zum Parteisekretär des PSI aufstieg und die Zeitung „La Lotta di Classe“ (Der Klassenkampf) herausgab. Die Bühne der nationalen Politik betrat er durch seine heftige Agitation gegen den Libyen – Krieg und der Durchbruch zu landesweiter Bekanntheit und einer führenden Rolle in der italienischen Politik gelang ihm auf dem PSI – Parteitag von 1912 in Reggio. Dort beeindruckte er die Delegierten durch seine heftigen Attacken auf den reformistischen Parteiflügel, dessen Exponenten auf seinen Antrag hin aus der Partei ausgeschlossen wurden. Das Parteidirektorium, das sich von seinen rhetorischen und journalistischen Qualitäten überzeugt, seine Popularität bei der Basis erlebt hatte, ernannte ihn Ende 1912 zum Chefredakteur des Parteiorgans „L´Avanti“. In dieser Funktion, die er wie ein Diktator aber auch mit enormem Geschick und Einsatz ausübte – unter seiner Leitung stieg die Auflage des „Avanti“ binnen zweier Jahre von 28 000 auf 100 000 Exemplare,[31] wurde der neue Liebling der Partei auch zu ihrem großen Hoffnungsträger und ihrer führenden Figur. Was nun hier interessieren muss ist die Frage, wie es um Mussolinis Marxismus im marxistischen PSI, den Gehalt seiner Rechtgläubigkeit, gerade vor dem Hintergrund seines spektakulären Abfalls von der „Abasso la guerra!“ – Parteilinie im Oktober 1914, bestellt war.

Im Hinblick darauf und seinen späteren Werdegang stellte sich diese Frage für viele seiner Zeitgenossen und Weggefährten nicht. Mussolini, so ihre These, habe niemals irgendeine politische Überzeugung gehabt, damit auch keiner verlustig gehen können und niemals ein anderes Motiv gekannt, als das nach persönlichem Machtgewinn unter Nutzung jeder sich bietenden Opportunität. Exemplarisch etwa die Feststellung Angelo Tascas: „In Wahrheit ist Mussolini gar nie Sozialist gewesen, er war immer nur Mussolinianer.“[32] Ein Urteil, das allerdings seinerseits zu hinterfragen ist. Was war denn eigentlich für Mussolini durch seinen spektakulären Frontwechsel zu gewinnen? Bestand für ihn, den aufsteigenden Stern am Firmament einer Partei, von der sich absehen ließ, dass sie zur stärksten des Landes werden würde, nicht viel eher die Gefahr, seine Führungsposition in ihr, seine Macht zu verlieren? Warum sollte er denn aus ihrem Hauptstrom gegen den Krieg aussteigen? Dass war doch für eine alleine auf machtgierigen und egozentrischen Opportunismus beschränkte Motivation sehr riskant, wenn nicht völlig irrational. Es muss also danach gesucht werden, ob es in seiner politischen und intellektuellen Entwicklung wenigstens Ansätze für ein Denken gibt, dass für seinen Frontwechsel andere Beweggründe plausibel macht, als den des vorgeworfenen Opportunismus, der ihn nicht erklären kann. Damit ist zu fragen, ob es im mussolinischen Marxismus Abweichungen, frühe, latente Abweichungen, von der offiziellen Parteilinie gab. Im Folgenden ist zu beweisen, dass es sie in der Tat gab, dass sie ihn – aus einem marxistischen Ansatz - in eine der marxistischen Orthodoxie entgegengesetzte Richtung ins Lager des syndikalistisch geprägten Linksinterventionismus führten, aus dem der Faschismus entstand, in dessen Formation und Entwicklung Mussolini eine kaum zu unterschätzende Rolle spielt.

Am Marxisten Mussolini fällt zunächst sein revolutionärer Eifer auf, der den üblichen Rahmen im PSI sprengte. Der revolutionärste Revolutionär dort war Mussolini in seinem glühenden Haß auf Bourgeoisie und Kirche. Die Beschäftigung mit dem wissenschaftlichen Sozialismus hingegen war seine Sache nicht,[33] sondern die journalistisch – rhetorische Agitation für die finalità: die Revolution. Dieses Wirken ließ ihn gegen die reformistischen Marxisten wüten und brachte ihn an die Spitze der Partei, deren von den Genossen gemeinhin als wichtigste erachtete Position, die Chefredaktion des „Avanti“, er eroberte. Revolutionärer Eifer ist für einen Marxisten völlig legitim, das Parteivolk, weniger die Funktionäre, liebte ihn dafür – solange er sich im Rahmen der Ideologie bewegt. Die Lehre vermochte ihren Zeloten aber schon früh nicht mehr im ideologisch korrekten Seilgeviert zu halten, gelegentlich beugte er sich weit darüber, am Ende würde er es überspringen. Dabei lässt sich zunächst eine bedenkliche Annäherung an syndikalistische Positionen beobachten. Die syndikalistische Kritik am Marxismus fand einen Anwalt im Marxisten Mussolini: die Lehre war teilweise zum Reformsozialismus degeneriert, vermochte vielfach in rationalistisch – positivistischer Vertrocknung keine revolutionären Tugenden mehr zu stimulieren, die Mussolini gerade im Sorelschen Sinne revitalisieren wollte. Die Marxsche Prophetie war von der Wirklichkeit widerlegt, der Kapitalismus gedieh und war auch nötig, um die nicht in den Marxismus integrierbare spezifische Problematik Italiens zu lösen. Voraussetzung dieser Lösung im sozialrevolutionären Sinne war ein florierender Kapitalismus, dessen Italien zur Modernisierung seiner sozioökonomischen Strukturen bedurfte. Über die Beschäftigung mit dem Syndikalismus fand der Internationalist aus Forli erstmals einen Zugang zur italienischen Nation und ihr geltenden Fragen, wie auch der Auswanderung und der sozialen Problematik auf dem Land. Schließlich teilte Mussolinis auch die von Vilfredo Pareto beeinflussten elitären Theorien des Syndikalismus: die Revolution musste von einer Elite geführt werden, einem „kleinen entschlossenen und kühnen Kern“, er übertraf die syndikalistischen Vorbehalte gegen die Masse, „die zwar zahlreich, aber chaotisch, amorph und feige ist“.[34]

1909 schließlich bekannte er, „seit fünf Jahren Syndikalist“ gewesen zu sein.[35] Ein zumindest zugespitztes Selbstzeugnis. Denn nach wie vor störte ihn sozusagen das Syndikalistische am Syndikalismus. Militante Streiks waren, obwohl Mussolini mit den Syndikalisten darin konform ging, dass permanent zugeschlagen werden musste, bis die Bourgeoisie und ihr Staat eines Tages am Boden lagen, eben keine revolutionäre Allzweckwaffe und die neue revolutionäre Ordnung konnte sich auch nicht auf Syndikate und Genossenschaften alleine stützen – Staat und Partei hatten eine Schlüsselrolle, die Kontrolle des Produktionsprozesses durch das Proletariat und die Aufhebung kapitalistischer Entartungen, der Großbanken und Börsen, genügten nicht, um die kapitalistische Ausbeutung zu beenden.

Entscheidend in Mussolinis Absatzprozess vom Marxismus in der Vorkriegszeit sollte die Nationalisierung seiner Revolutionsauffassung werden, die über den Weg seines heftigen Kampfes gegen den Reformsozialismus im Marxismus erfolgte. Dessen Ursprung ließ sich in Deutschland finden, wo er, ausgehend von seinem Mentor Bernstein, seine größte Virulenz in der weltweit größten, am besten organisierten und angesehendsten sozialistischen Partei entfaltete, der SPD. Der „Avanti“ – Chefredakteur schreibt: „Der >moderne< internationale Sozialismus ist ein sinnloser Ausdruck. Es gibt nicht ein einziges sozialistisches Evangelium, nach dem sich alle Nationen bei Strafe der Exkommunikation richten müssen. Jedes Volk hat sich seinen eigenen Sozialismus geschmiedet. Die Periode der deutschen Hegemonie in der sozialistischen Bewegung geht ihrem Ende entgegen, das Mißtrauen gegenüber den deutschen Sozialisten wächst.“[36] Die Kritik am mangelnden Revolutionarismus von Teilen des PSI wurde zur Kritik an seinen deutschen Inspiratoren aus der SPD, ja zur Feindschaft gegen sie und entwickelt sich in Kombination mit der Perzeption der Probleme Italiens, denen mit marxistischen Schablonen nicht beizukommen war, zum Schattenbild eines nationalen Sozialismus, der in der unmittelbaren Vorkriegszeit immer deutlichere Konturen gewann. Mussolinis benutzte im „Avanti“ für den Begriff „proletariato“ neue Umschreibungen – popolo und nazione – die zwar noch von klassenkämpferischer Terminologie umstellt waren, diese aber schließlich durchbrachen.[37] Was war geschehen?

Während sich der mussolinische Internationalismus in Auflösung befand, seinen Ersatz immer pointierter in der Sozialrevolution im nationalen Rahmen fand, stellte der „L´homme qui cherche“ – wie er eine Serie antireformistischer Artikel zeichnete[38] - immer stärker die Fähigkeit des Marxismus und seiner revolutionären Bataillone aus dem Proletariat in Frage. Seit Ende 1913 gab er, zum Erstaunen der Genossen, eine Zeitschrift heraus, die „Utopia“, für die unter anderen Angelo Tasca, Karl Liebknecht und die Syndikalisten Massimo Rocca, Agostino Lanzillo und Sergio Panunzio Artikel verfassten, zwecks „Revision des Sozialismus nach revolutionären Gesichtspunkten“[39], so ihr Herausgeber. Die erschien Mussolini dringend erforderlich, löste sich der klassische Sozialismus doch offenbar immer stärker in kollaborationistischem Reformismus und revolutionärem Defätismus auf. Diese Position teilten die anderen „Utopia“ – Journalisten, von denen ein Teil beim Kommunismus, der andere beim Faschismus ankommen sollte. Den letzten Beweis für diese immer deutlichere Auffassung brachten für Mussolini die Ereignisse des Jahres 1914. Zunächst scheiterte die hoffnungsvoll begonnene „Settimana rossa“: die proletarischen Mannschaften und das PSI – Direktorium desertierten von den revolutionären Aktivisten, wie Mussolini, der bei Zusammenstößen in Mailand von der Polizei niedergeschlagen worden war, und nach dem Scheitern der revolutionären Attacke ausrief: „Italien braucht eine Revolution und wird sie bekommen!“[40] Sein retrospektiver Befund deckte sich nun mit dem der Syndikalisten. Das heißt: die Revolution sollte ihre Kräfte künftig auch außerhalb des versagenden, materialistischen Proletariats suchen, es konnte auch anders als mit Aufruhr und militanten Generalstreiks gekämpft werden, die sich, wie in den Jahren 11 und 14 erwiesen, ja doch ergebnislos verliefen. Das andere Kampfmittel war keine Unterschriftensammlung einer Bürgerinitiative sondern der Krieg. Wenn die Revolutionsarmee allerdings nicht mehr nur nach dem Kriterium der Klasse mobilisiert wurde, wenn als ihr Kampfmittel der Krieg als Alternative verblieb, dann lag der Internationalismus auf dem Sterbelager. Im August 1914 erhielt er in den Augen Mussolinis und seiner Anhänger sowie der Syndikalisten den Gnadenstoß, als seine bisher anhänglichsten Parteigänger, die deutschen und französischen Marxisten, eine abrupte Kehrtwende vollzogen, gegeneinander zu den Waffen riefen und für Kriegskredite stimmten. Sie waren soeben Zeugen eines Begräbnisses geworden, das sie jetzt davon überzeugte, dass die Vernichtung des alten Italiens der liberalen Bourgeoisie zugunsten eines neuen und erneuerten Italiens nur durch eine soziale und nationale Revolution vollbracht werden konnte. Die Reihenfolge und Akzentuierung in dieser Verbindung sollten sich im linken Interventionismus während des Krieges immer mehr vom sozialen auf den nationalen Aspekt verschieben und als diese Entwicklung abgeschlossen war, gab es den Faschismus. Bevor dieser Vorgang untersucht wird, muss auf die politische Gesamtsituation in Italien eingegangen werden, unter Betonung des Linksinterventionismus, im Sommer 14/ Frühjahr 15, als der Nation die Frage vorlag, ob sie in den soeben ausgebrochenen europäischen Koalitionskrieg eintreten sollte. Um welche Motive sammelten sich die Parteiungen? Welche unmittelbaren innenpolitischen Folgen hatte die Intervention für Italien? Welche Wirkung erzielte sie auf den entstehenden Faschismus? Kurzum: es geht um die Frage der Intervention.

4.2 Die Interventionsfrage

Seit dem Frühjahr 1914 amtierte, nach dem Rücktritt Giolittis, ein Kabinett Antonio Salandras aus konservativen und nationalistischen Liberalen, dessen Außenminister Sidney Sonnino den Casus foederis – Italien war im Dreibund mit dem Deutschen Reich und Österreich – Ungarn verbündet - für nicht gegeben erklärte, als der große europäische Krieg ausbrach.

Auf dieser Grundlage, sehr zur Enttäuschung der Nationalisten, die mit dem dynamischen Wilhelminischen Reich gegen die britische und französische Plutokratie hatten ziehen wollen, stellte sich der italienischen Politik die Frage, die bekundete Neutralität durchzuhalten, oder kriegerisch gegen die Mittelmächte in die militärische Auseinandersetzung zu intervenieren, kurz: die Interventionsfrage. Aus der Debatte und Auseinandersetzung um sie wurde eine Interventionskrise, die den Dolch unter die Senatoren eines instabilen Gemeinwesens warf und das innenpolitische Klima Italiens nachhaltig vergiftete. Aus welchen Gruppen setzten sich die Lager der Neutralität und des Intervento zusammen? Zunächst zu den Neutralisten.

Die katholische Kirche und die Masse ihrer Gläubigen waren gegen den Krieg. Nationale Motive zur Befreiung der Irredenta wogen für sie nicht schwer angesichts der Aussicht, gegen andere Katholiken zu den Waffen greifen zu sollen, ohne das eine unmittelbare Notwendigkeit wie der Verteidigungsfall dies geboten hätte. Die große Mehrheit der Sozialisten und ihrer Anhänger war gleichfalls gegen eine Kriegsintervention, schließlich hätte es sich dabei um die schlimmste Form der Klassenkollaboration mit der Bourgeoisie im Dienste ihres Staates gehandelt, der Krieg führte, um die kapitalistische Ausbeutungsmaschinerie funktionstüchtig zu halten. Wenn Krieg, dann nur als finaler internationaler und revolutionärer Bürgerkrieg zwischen Proletariat und Bourgeoisie. Bei Katholiken und Sozialisten spielte auch das humanitäre Motiv eine Rolle, zu vermeiden, dass auch noch Italien in das ersichtliche europäische Blutbad einstieg. Der einflussreichste Staatsmann Italiens, Giovanni Giolitti, und mit ihm die Mehrheit der Deputierten,[41] waren gegen den Krieg. Italien konnte auch ohne Krieg, bei bloßer Drohung mit der Intervention, ganz ohne Blutvergießen, von Österreich die Abtretung seiner von Italienern bewohnten Gebiete erzwingen, des Trentinos und Triests. Ein darüber hinausgehender territorialer Gewinn würde die zu befürchtenden menschlichen Opfer und wirtschaftlich – finanziellen Verheerungen nicht rechtfertigen oder aufwiegen können. Damit ist das Lager der Neutralität durchquert und das der Intervention erreicht.

Die Regierung Salandra optierte für den Krieg, in dem Italien zur europäischen Großmacht aufsteigen sollte. Außerdem ließen sich die Ergebnisse der gefährlichen Giolittischen Reformpolitik der vergangenen Dekade, die Staat und Gesellschaft der sozialistischen Bedrohung ausgesetzt hatte, im Gefolge eines siegreichen und kurzen Krieges wieder zurückdrängen. So der Plan, für den die Regierung aber in der Deputiertenkammer und im Senat keine Mehrheit fand. Außer dem PSI opponierte auch die Mehrheit der liberalen Gruppierungen im Parlament die Intervention - gegen die nationalkonservativsten Regierungsanhänger, die linksliberalen Republikaner, deren Miliz der garibaldinischen Rothemden der französischen Republik gegen die preußische Monarchie zur Hilfe eilte und die fünf nationalistischen Abgeordneten. In der parlamentarischen Repräsentanz erschöpfte sich die interventionistische Partei allerdings nicht, die eine außerparlamentarische Interventionsagitation rechter und linker Provenienz entfesselte. Um wen handelte es sich?

Auf der Rechten waren da zunächst die irredentistischen Kräfte unter Cesare Battisti, für die der Krieg gegen die Donaumonarchie eine heilige nationale Pflicht zur Befreiung italienischer Landsleute aus ihrem irredentistischen Kerker war. Außerdem selbstverständlich die Nationalisten. Krieg war zu führen, um durch ihn und in ihm, in einem nationalrevolutionären Konzept, Italien zu erneuern und das liberale parlamentarische System zu beseitigen. Da ihre favorisierte Kriegskonstellation nicht aufging, Krieg aber auf alle Fälle geführt werden musste, hatte er dann eben statt gegen Frankreich und Großbritannien mit Deutschland, gegen Deutschland mit Frankreich und Großbritannien stattzufinden. Die Mission zur Befreiung der terra irredenta, der die Nationalisten bislang keine entscheidende Bedeutung beigemessen hatten, die sie als „antiösterreichische Gefühlsduselei“[42] apostrophiert hatten, wurde nun zur historischen Pflicht für Italien. Dem entsprach der Linksinterventionismus insofern, als auch er außerparlamentarisch - agitatorisch mit revolutionärer Zielsetzung, von zunächst allerdings sozialistischem Charakter, war.

Hierbei handelte es sich um die besprochenen Syndikalisten und ihren interventionistischen Verband der Fasci d´azione rivoluzionaria internazionalista[43], dem eine Minderheit aus dem PSI unter Benito Mussolini beitrat. Hier ist nun an das Curriculum des „Avanti“ – Chefredakteurs wieder anzuknüpfen, von dessen Marxismus bei Ausbruch des Krieges im Kern nur noch der revolutionäre Aktivismus übrig geblieben war. Er fügte sich zwar zunächst den neutralistischen Direktiven seiner Partei, jedoch mit schon zweifelndem Unterton, als er am 13. Oktober schreibt: „Was wollte man mehr? Daß wir die Hofnarren des demokratischen Krieges würden? Daß wir unverzüglich alle unsere Überzeugungen zum alten Eisen würfen, nur weil eine neue Realität uns überraschte?“[44] Fünf Tage später deckte er sein interventionistisches Blatt auf und schrieb die letzten Zeilen im „Avanti“: „Es zeugt von einer an Einfalt grenzenden Unwissenheit, wenn man jede Art von Krieg ablehnt und nicht zwischen den verschiedenen Arten zu unterscheiden weiß … Wollt ihr als Männer und Sozialisten tatenlose Zuschauer dieses gewaltigen Dramas bleiben? Oder wollt ihr seinen Ausgang auf die eine oder andere Weise mitbestimmen? Sozialisten Italiens, der Geist der Partei ist wichtiger als ihre Satzung!“[45] Das internationalistische Glaubensbekenntnis muss über Bord geworfen werden, um den revolutionären Geist des Sozialismus zu retten? Schon anderntags wurde Mussolini vor das Direktorium der Partei zitiert um sich zu erklären, dabei ganz auf seinem Grundsatz beharrend, das Italien die Revolution brauche, so oder so: „Ich würde unsere absolute Neutralität begreifen, wenn ihr den Mut hättet, bis zu Ende zu gehen und das heißt den Aufstand hervorzurufen. Aber den laßt ihr a priori außer Betracht, weil ihr wißt, daß ihr einem Mißerfolg entgegengeht. Dann sagt doch in aller Aufrichtigkeit, daß ihr gegen den Krieg seid, weil ihr vor den Bajonetten Furcht habt … Wenn ihr es wollt, wenn euch der Sinn danach steht, bin ich an eurer Spitze: Neutralisten außerhalb der Legalität … Nun wohl, man muß entschieden sein. Nur die absolute Neutralität im Rahmen der Gesetze, die ist fortan unmöglich geworden.“[46] Die Rechtfertigung überzeugte die Parteigranden in keiner Weise, Mussolini wurde offiziell gerügt und trat darauf umgehend aus der „Avanti“ – Redaktion aus. Wie es so oft geschieht, wurde aus dem Liebling von gestern das Haßobjekt von morgen, zumal der zurückgetretene Chefredakteur sich mit seinen wenigen Anhängern, Cesare Rossi, Massimo Rocca und anderen, den linksinterventionistischen Fasci anschloss, die Führung in ihnen, dank seines journalistischen und rhetorischen Vermögens, an sich riss und neben dem Syndikalisten Filippo Corridoni[47] eine in Mailand konzentrierte interventionistische Agitation von links entfaltet, während der Nationalpoet Gabriele D´Annunzio ihre rechte Variante in Rom orchestrierte. Zum eigentlichen Sündenfall des Benito Mussolini in den Augen des PSI wurde die Tatsache, dass er schon im November eine eigene Zeitung herausgeben konnte, den eigens zum Zweck der Intervention gegründeten „Popolo d´Italia“, dessen Untertitel ihn als sozialistische Tageszeitung auswies, flankiert von zwei Zitaten: „Wer Eisen hat, hat auch Brot“ (Louis Blanqui) – „Die Revolution ist eine Idee, die Bajonette hervorgebracht hat“ (Napoleon Bonaparte).[48] Wenn der plötzliche Bellizismus Mussolinis die PSI – Genossen zunächst irritiert, dann erzürnt hatte – seine häretischen Ausflüge hatten sie nicht zur Kenntnis genommen oder unterschätzt – so schlug ihm nun Haß entgegen. Woher nahm Mussolini die Mittel für eine eigene Zeitung? Die Antwort konnte nur sein, dass er französisches Geld und das von Rüstungsfabrikanten genommen hatte; Frankreich war am Kriegseintritt so interessiert, wie die Mittelmächte daran desinteressiert waren, und aus den Botschaften in Rom wurde Geld in die italienische Presselandschaft gestreut.[49] Tatsächlich war keine andere Erklärung möglich, als die finanzieller Zuwendungen von interessierter Seite, denn Mussolini war nicht vermögend. Doch verbleibt der Unterschied zwischen der Annahme von Geld und dem Kauf durch Geld: die Motive des, mutmaßlich, französischen Botschafters und einiger Fabrikanten für den Krieg waren nicht die Mussolinis. Diese Frage spielte auf der einigermaßen turbulent verlaufenden Versammlung der Mailänder PSI – Sektion, wenige Tage nach Gründung des „Popolo d´Italia“ keine Rolle. Mussolinis Gegenrede zum beantragten Parteiausschluss ging in Pfiffen, wüsten Beschimpfungen[50] und dem Werfen von allerlei Gegenständen unter. Benito Mussolini war der Judas Ischariot des PSI, für dreißig Silberlinge hatte er sich an die Bourgeoisie verkauft. Im Herbst 1914 wurde zwischen den italienischen Marxisten und ihrem entlaufenen Genossen ein lebenslänglicher Haß begründet,[51] der durch dessen weitere politische Aktivität keinerlei Milderung erfuhr. Auf die fortschreitende ideologische Entgrenzung Mussolinis zum Marxismus in seiner neuen Eigenschaft als Führer des linken Interventionismus muss im Folgenden, zunächst im Rahmen des Kriegseintritts Italiens, eingegangen werden.

4.3 Die Intervention

Nach seinem Einschwenken auf den linksinterventionistischen Kurs der Syndikalisten[52] ließ Mussolini, zumal Besitzer einer Zeitung und damit als Journalist sein eigener Vorgesetzter, seiner Kritik am Marxismus freien Lauf. War sie im „Avanti“ und der „Utopia“ noch verschleiert, so nahm er nun im „Popolo d´Italia“ so wenig ein Blatt vor den Mund, wie als neuer Anführer der Fasci d´azione rivoluzionaria – frei von jeder Parteidisziplin. Die in der Vorkriegszeit entwickelten heftigen Aversionen gegen die allzu reformistische und revolutionslahme SPD mündeten in einen antimarxistischen DeutschenHaß, einer einander hochschaukelnden Kombination, die zum Katalysator seines steigenden Nationalismus wurde - zu dem Mussolini seinen ersten Zugang bei der Beschäftigung mit den Problemen Italiens und der daraus resultierenden Überzeugung gewonnen hatte, dass sie nur auf der Grundlage einer nationalen Sozialrevolution zu lösen seien. Es erwies sich nun, auch in einer Art persönlicher Abrechnung, dass der marxistisch – internationalistische Sozialismus aus dem ideologischen Arsenal des preußisch – deutschen Imperialismus und Militarismus stammte, der darauf angelegt war, die Widerstandskraft anderer Nationen zu untergraben und sie zu unterjochen – Italien im besonderen. Marx und Hindenburg – zwei Schulen, ein Ziel. „Verrat, Schmach, Hinterlist“ – was sind sie? – „genuin deutsch“.[53] Die kriegsunterstützenden deutschen Sozialdemokraten waren ihm der beste Beweis und den Haß ihrer italienischen Gesinnungsgenossen auf ihn, Mussolini, zahlte der zurück: nicht er war des Verrats schuldig, nein, sie waren es, antinationale Lakaien der Alldeutschen.[54]

Um so erforderlicher war es, nach dem Bruch mit sämtlichen marxistischen Dogmen, die Revolution, die das neue Italien schaffen sollte, national zu interpretieren und sie auf dem Weg zu suchen, der alleine noch offen stand: dem Krieg. Von der rhetorischen Frage, ob der Internationalismus ein „absolut notwendiges Element des Begriffs Sozialismus“ sei und der Feststellung „Das Nationalgefühl besteht, es lässt sich nicht leugnen“[55] findet der „Popolo d´Italia“ – Herausgeber zu bellizistisch - nationalistischer Revolutionsrhetorik: „Wem seine Haut zu kostbar ist, der wird nicht in die Schützengräben gehen, aber noch weniger wird man ihn am Tage der Straßenkämpfe auf den Barrikaden finden. Wer heute gegen den Krieg ist, der ist ein Helfershelfer des Kaisers, eine Stütze des schwankenden Thrones Franz Josephs, ein Genosse der Galgenbauer und Priester … Die Neutralen haben noch nie die Ereignisse beherrscht. Sie sind ihnen immer unterlegen. Es ist das Blut, das das dröhnende Rad der Geschichte bewegt!“[56] Der Avantgarde des Revolutionskrieges und der Charakter des Fasci – Interventionismus werden von Mussolini bereits identifiziert: „Der Krieg ist der Schmelztiegel, in dem sich die neue revolutionäre Aristokratie bildet. An uns liegt es, für eine umstürzlerische, revolutionäre, antikonstitutionelle Intervention anzutreten und nicht für eine Intervention der Gemäßigten.“[57] Das Projekt der revolutionären Erneuerung Italiens qua Krieg führte die Kräfte des alten Italiens gegen die revolutionäre Aristokratie des neuen Italiens, „auf der einen Seite alle Konservativen, vom König bis zum Anarchisten, alle aus dem gleichen Holz geschnitzt“, so der syndikalistische Interventionsaktivist Olivetti, „auf der anderen jene, die etwas Neues erhoffen, die sich selbst zu übertreffen suchen, um einen Akt der Stärke, des Willens und der Gerechtigkeit zu vollbringen“[58]

Der König aber und seine Regierung befanden sich auf dem Pfad zum Krieg und die Drohung des Fasci – Chefagitators „Wenn Sie, Monarch, nicht … den Krieg erklären, wenn Sie sich weigern: nun, dann werden Sie die Krone verlieren“[59] - war so überflüssig wie hybrid; der König hatte die Gewehre, nicht Mussolini. Ministerpräsident Salandra verfolgte nämlich eine Politik, die er als „sacro egoismo“[60] definierte, und die den Preis der Kriegsintervention Italiens für die Entente und Russland in die Höhe trieb. Die Entscheidung zur Intervention war bereits gefallen, zumal die Alliierten im Londoner Geheimabkommen keinerlei falsche Bescheidenheit an den Tag legten. Italien sollte die Brennergrenze, Triest und Dalmatien, das Protektorat über Albanien und eine Zone in Kleinasien erhalten, obendrein auch noch die Teilhabe an deutschen Afrikakolonien, wenn es in den Krieg eintrat. Solche Argumente überzeugten auch den König und der Druck aus Hof und Regierung löste in den maggio radioso, jenen strahlenden Maitagen der außerparlamentarischen Interventionslegende, als sich rechter und linker Interventionismus in Rom zu gewaltigen Kundgebungen vereinigten, die neutralistische Parlamentsmehrheit auf. Kammer und Senat stimmten der Kriegserklärung an Österreich – Ungarn[61] zu, am 24. Mai 1915 erfolgte sie.

Nationalisten und Syndikalisten glaubten ihre Durchbruchsschlacht gegen das liberale System gewonnen, die erste Stellung bei ihrem revolutionären Feldzug für ein neues Italien genommen zu haben, denn sie waren es, die den Willen der Nation gegen den dekadenten Parlamentarismus durchgesetzt hatten. Die Nation aber, der popolo d´Italia, wollte gar nicht. Die große Masse des italienischen Volkes zeigte weder vor noch nach der Intervention die geringste Begeisterung für den Krieg, begegnete diesem Krieg, der wie eine Naturkatastrophe über sie gekommen war, sogar mit erbitterter Feindschaft – insbesondere die Anhänger des PSI, auch wenn sich dessen Direktorium auf die Formel „ne aderire, ne sabbotare“[62] – weder unterstützen, noch sabotieren - allzeit neutral zurückzog. So trat Italien de facto in einer Bürgerkriegssituation zwischen Neutralismus und Intervento in den Krieg, weit entfernt von Burgfrieden oder Union sacrée.

Die Interventionskrise schuf eine Bürgerkriegssituation und der Krieg gab ihr die letzte haßerfüllte Motivation, die Waffen und Kombattanten. Eine der Parteien sollte der Linksinterventionismus sein.

5. Italien im Krieg und die Entwicklung des Linksinterventionismus

Der Kriegsverlauf entsprach ganz und gar nicht den Erwartungen der politischen und militärischen Leitung Italiens. Da die Alpen einen natürlichen Schutzgürtel gegen jeden Angreifer bilden, mit geringen Kräften zu halten sind, konzentrieren die Italiener ihre Angriffe im Carso und im Tal des Isonzo, dort sollte die gegnerische Front entscheidend mit einem Vorstoß auf Triest gebrochen werden. Der k.u.k – Armee gelang es jedoch, elf italienische Offensiven vom Sommer 1915 bis zum Herbst 1917 abzuwehren, auch ihre kroatischen und slowenischen Soldaten zeigten wider Erwarten gegen die italienischen Angreifer eine hohe Kampfmoral. Eben die sank in der italienischen Armee unterdessen immer mehr, die minimale Geländegewinne mit einem schrecklichen Blutzoll bezahlte, deren Fronttruppen zu fast 80% von Bauern gestellt wurden, mehrheitlich aus dem Süden, die häufig ihren meist norditalienischen Offizieren sprachlich nicht recht folgen konnten[63]. Um einer 12. Isonzo – Offensive zuvorzukommen griffen die Österreicher im Herbst 1917, erstmals gemeinsam mit deutschen Truppen, die zermürbte und ausgeblutete italienische Armee an. Die erlitt die Niederlage von Caporetto im Oktober 1917, wo die italienische Front durchbrochen und anschließend fast aufgerollt wurde. Italien stand am Rand einer nationalen Katastrophe und der Auflösung seiner Armee gebot die Militärjustiz durch erbarmungsloses Vorgehen Einhalt, indem sie Hunderte von Soldaten durch Carabinieri erschießen ließ. Kurz vor der Lagune von Venedig gelang es den Italienern schließlich an der Piave die deutsch – österreichische Offensive zu stoppen und eine neue Front aufzubauen, die gehalten wurde. Das Kriegsministerium stellte nach Caporetto die Eliteeinheit der Arditi, der Kühnen, auf, die nicht in den Schützengräben lagen sondern als mobile Heereseinheit stets an gefährdete Frontabschnitte geworfen wurden: hoch motivierte, verwegen kämpfende nationalistische Eiferer, die camicie nere, schwarze Hemden, als Symbol ihrer Todesverachtung, trugen. Welche Entwicklung nahmen der in den Fasci d´azione rivoluzionaria organisierte Linksinterventionismus im Krieg?

Nachdem die Fasci ihren Zweck erfüllt hatten, Italiens Kriegseintritt herbeizuführen, lösten sie sich auf, zumal ihre Aktivisten sich freiwillig an die Front meldeten oder, wie Mussolini, eingezogen wurden. Im August 1915 zu seinem Bersaglieri – Regiment eingerückt, versah er seinen Kriegsdienst ohne Auszeichnung, erlangte keinen Offiziersgrad und wurde als Zuschauer der verunglückten Demonstration eines Grabenmörsers im Februar 1917 schwer verletzt, um nach einem Lazarett – Aufenthalt in die Redaktion seines „Popolo d´Italia“ nach Mailand zurückzukehren.[64] Für ihn persönlich war der Krieg beendet, in dem ihm Corridoni abhanden gekommen war, sein größter Konkurrent im linken Interventionismus, dessen unbestrittene Führungsfigur er mit dem Sprachrohr seiner Zeitung nun war.

[...]


[1] Tasca, Glauben, gehorchen, kämpfen, S. 374

[2] Die Reichsgründung lässt sich als Bündnis zwischen dem preußischen Staat und der deutschen Nationalbewegung definieren – gegen Napoleon III.

[3] Für die militärische Hilfe bei der Errichtung des italienischen Nationalstaates zahlte Cavour an Frankreich den Preis der Abtretung Nizzas und Savoyens. Italien annektierte – qua Allianz mit Preußen gegen Österreich - Venetien (1866) und besetzte nach dem Abzug französischer Truppen Rom (1870), das zur neuen italienischen Hauptstadt erhoben wurde.

[4] Tasca, Glauben, gehorchen, kämpfen, S. 33

[5] Palmade, Das bürgerliche Zeitalter, S. 263

[6] Angabe ebd., S. 269

[7] Wie schwach die nationale Identität allgemein noch war, wird auch daran deutlich, dass nur 2.5% (1861) der italienischen Bevölkerung Italienisch, und nicht nur ihren jeweiligen regionalen Dialekt, sprachen. Die Reden im ersten gesamtitalienischen Parlament in Turin 1861 wurden in französischer Sprache gehalten. (Angaben nach Schulze, Staat und Nation in der europäischen Geschichte, S. 175)

[8] Nach Sergio Romano spiegelt der trasformismo ein „Streben nach Einmütigkeit, Gemeinsamkeit, gemeinschaftlicher Verantwortung wider, das … tief in der politischen Kultur Italiens verwurzelt ist“ und drückt das Bewußtsein aus, „daß eine politische Partei allein nicht imstande sei, Italien zu Beginn seiner gemeinsamen nationalstaatlichen Geschichte zu regieren.“ (in: Der italienische Faschismus. Probleme und Forschungstendenzen, S. 46; 70)

[9] Die Inversion der deutschen Situation aus demokratischem Wahlrecht ohne parlamentarische Regierung.

[10] Roberto Vivarelli stellt fest, dass die Reformpolitik Giolittis in der Wahlreform bestand (in: Der italienische Faschismus. Probleme und Forschungstendenzen, S. 71). Der Arbeiterschaft wurden keine sozialpolitischen Konzessionen gemacht, vielmehr sollte sie durch die Wahlteilnahme zum Liberalismus umerzogen werden.

[11] Die Zahl der Wahlberechtigten stieg von 3,3 auf 8,6 Millionen, ausgeschlossen waren nur noch Analphabeten unter 30 Jahren (Angabe nach Mommsen, Das Zeitalter des Imperialismus, S. 218).

[12] Mussolini besteht auf dem Ziel der Revolution und greift die Reformer heftig an: “Bonomi ruft: >Nichts da von Zielen. Uns genügt die Bewegung.< Aber was für eine? Auch das delirium tremens ist eine Bewegung.“ (zit. nach Nolte, Der Faschismus in seiner Epoche, S. 210)

[13] Der Papst hatte 1905, vom aufbrandenden Sozialismus beunruhigt, den Gläubigen die Wahlteilnahme gestattet, die Gründung einer katholischen Partei aber noch nicht freigegeben (erst 1919 erfolgend).

[14] Vgl. Griffin, The Nature of Fascism, S. 57

[15] MacGregor Knox: „Liberal Italy´s foreign policy elite sought to make Italy a true great power, consolidated in its real or supposed national territory, dominant in the Mediterranean, equipped with colonial perquisites, universally respected, and – most important – feared.” (Knox, Common Destiny, S. 114) Das Vorhaben der Erlösung der terra irredenta mußte dabei einstweilen zugunsten imperialer Projekte zurückgestellt werden, schließlich war Italien mit dessen Besatzungsmacht, Österreich – Ungarn, im Dreibund verbündet.

[16] So die erste Ausgabe von „Il Regno“, zit. nach Nolte, Der Faschismus in seiner Epoche, S. 237

[17] Die nationalistische Generalkritik an Aufklärung und Französischer Revolution ist erstaunlich, wurde in ihnen doch auch der Grundstein zu einer politischen Strömung namens „Nationalismus“ gelegt, gerade in seiner integralistischen Überhöhung durch die Definition der Nation als „une et indivisible“.

[18] Zit. nach Nolte (Hrg), Theorien über den Faschismus, S. 119

[19] Zit. nach Payne, Geschichte des Faschismus, S. 91

[20] Zit. nach Sternhell, Die Entstehung der faschistischen Ideologie, S. 209

[21] Mussolini in seiner Kriegsproklamation an Großbritannien und Frankreich am 10. Juni 1940: „We are entering the field of battle against the plutocratic and reactionary democracies of the West, who at every turn have impeded the march, and often threatened the very existence of the Italian people … Italy, proletarian and Fascist, has risen to its feet for a third time, strong, proud, and united as never before.” (zit. nach Griffin; Hrg, Fascism, S. 82)

[22] Luigi Salvatorelli: „Diejenigen, die nicht von Anfang an verstanden hatten, worum es ging, fielen schließlich in dem gleichen Maße ab, in dem sich seine esoterische Lehre offenbarte. Zuerst gingen die Demokraten, dann die Liberalen, es blieben – die Nationalisten.“ (zit. nach Nolte; Hrg., Theorien über den Faschismus, S. 120)

[23] Zitate nach Alff in: Faschismus – Nationalsozialismus, S. 10; 11

[24] Vgl. Payne, Comparison and Definition, S. 30; 70

[25] Zit. nach Alff in: Faschismus – Nationalsozialismus, S. 27

[26] Zit. nach Griffin (Hrg.), Fascism, S. 31

[27] Zit. nach Payne, Geschichte des Faschismus, S. 268

[28] Angabe nach Alff in: Faschismus – Nationalsozialismus, S. 19

[29] Zeev Sternhell sieht hier die revolutionären Syndikalisten in Übereinstimmung mit Georges Sorel: „Solche Vorstellungen waren für ihn und seine Anhänger nichts weiter als das Geschwafel schwächlicher rousseauistischer Anarchisten und jaurèsianischer Sozialisten.“ (zit. nach Sternhell, Die Entstehung der faschistischen Ideologie, S. 39)

[30] Den spanischen Vornamen Benito erhielt der künftige glühende italienische Nationalist von seinem Vater Alessandro, Verehrer des mexikanischen Präsidenten Benito Juarez (1858 – 1872). Der hatte nach einem Bürgerkrieg Kaiser Maximilian, den von Napoleon III. installierten Monarchen eines konservativ – klerikalen, französischen Satellitenregimes, überdies noch Habsburger, erschießen lassen.

[31] Angabe nach Hibbert, Mussolini, S. 26. Auf seiner ersten Redaktionssitzung erklärte er: „Ich habe beschlossen, alle politischen Artikel selber zu schreiben.“ (Zitat ebd.)

[32] Tasca, Glauben, gehorchen, kämpfen, S. 54

[33] Auch die philanthropischen, nicht unbedingt marxistischen Aspekte des Sozialismus, die im PSI präsent sind, stoßen nicht auf sein Interesse. Auf dem Parteitag von 1921 in Livorno beklagt sich Costantino Lazzari bei den Herausgebern der „Ordine Nuovo“. Grund: er habe in ihrer Zeitung nie etwas von Menschlichkeit und Brüderlichkeit gelesen. (zit. nach Nolte, Der Faschismus in seiner Epoche, S. 249)

[34] Zitate nach Nolte, Der Faschismus in seiner Epoche, S. 208. Im Gegensatz dazu trägt Lenins Konzept einer elitären Kaderpartei der geheimpolizeilichen Verfolgung durch die Ochrana Rechnung, ist bloß revolutionäre Taktik: das Proletariat kann angeleitet werden, sich jedoch nur selbst befreien.

[35] Zit. nach Sternhell, Die Entstehung der faschistischen Ideologie, S. 252

[36] Zit. nach Sternhell, Die Entstehung der faschistischen Ideologie, S. 268

[37] Vgl. ebd., S. 262

[38] Vgl. Payne, Geschichte des Faschismus, S. 116

[39] Zit. nach Sternhell, Die Entstehung der faschistischen Ideologie, S. 263

[40] Zit. nach Sternhell, Die Entstehung der faschistischen Ideologie, S. 268

[41] 300 Deputierte hinterlassen noch Anfang Mai 1915 ihre Visitenkarte, als Zeichen ihrer Sympathie, in Giolittis Haus.

[42] Zit. nach Nolte (Hrg.), Theorien über den Faschismus, S. 121

[43] Das internationalistische Nachwort als Nachklang ihrer vergangenen Tage aus und im klassischen Sozialismus wurde schon einen Monat nach der endgültigen Konstituierung der Gruppe im Januar 1915 gestrichen.

[44] Zit. nach Nolte, Der Faschismus in seiner Epoche, S. 223

[45] Zit. nach Kirkpatrick, Mussolini, S. 55

[46] Zit. nach Nolte, Der Faschismus in seiner Epoche, S. 223

[47] Corridoni fiel im Krieg, ein anderer herausragender interventionistischer Agitator, Cesare Battisti, geriet in österreichische Kriegsgefangenschaft und wurde als Landesverräter – er wurde im Trentino geboren, seine italienische Staatsbürgerschaft nicht anerkannt – gehängt.

[48] Zitate nach Hibbert, Mussolini, S. 29. Der Untertitel wurde im August 1918 geändert zu „giornale dei combattenti e dei produttori“ - Zeitung der Frontkämpfer und Produzenten (zit. nach Nolte, Der Faschismus in seiner Epoche, S. 574)

[49] „Chi paga?“ fragte der „Avanti“ unablässig. (vgl. Nolte, Der Faschismus in seiner Epoche, S. 224)

[50] „Traditore! Venduto! Sicario!“ (vgl. Hibbert, Mussolini, S. 29)

[51] Die Partisanen, die Mussolini im April 1945 bei seiner versuchten Flucht in die Schweiz in einem Wehrmachtskonvoi entdeckten und gefangen nahmen brüllten ihn an: „Weshalb hast du den Sozialismus verraten?“ (zit. nach Nolte, Der Faschismus in seiner Epoche, S. 306)

[52] Mussolini zu Emil Ludwig 1932: „Die Strömungen waren verschieden, flossen aber zusammen: die Nationalisten wollten Vergrößerung des Landes, die Demokraten wollten Trient, die Syndikalisten wollten den Krieg, um aus ihm die Revolution zu entwickeln, bei diesen stand ich.“ (zit. nach Ludwig, Mussolinis Gespräche mit Emil Ludwig, S. 86f )

[53] Zit. nach Nolte, Der Faschismus in seiner Epoche, S. 227. Das deutsche Monopol auf Mussolinis auswärtigen Haß wird schon in der unmittelbaren Nachkriegszeit von Briten, Franzosen und Südslawen rasch gebrochen.

[54] Vgl. Sternhell, Die Entstehung der faschistischen Ideologie, S. 272f

[55] Zitate nach Rauscher, Hitler und Mussolini, S. 24; 25

[56] Zit. nach Kampmann, Der Faschismus in Italien, S. 14

[57] Zit. nach Rauscher, Hitler und Mussolini, S. 26

[58] Zit. nach Sternhell, Die Entstehung der faschistischen Ideologie, S. 223

[59] Zit. nach Nolte, Der Faschismus in seiner Epoche, S. 227

[60] Zit. nach Afflerbach in: Versailles 1919, S. 166

[61] Die italienische Kriegserklärung an das Deutsche Reich erfolgte im August 1916

[62] Zit. nach Payne, Geschichte des Faschismus, S. 120

[63] Die italienischen Kriegsverluste, insbesondere durch die Gemetzel am Isonzo, beliefen sich auf 700 000 Soldaten (Angabe nach Nolte, Der Faschismus in seiner Epoche, S. 233; Prozentangabe nach Sternhell, Die Entstehung der faschistischen Ideologie, S. 230). Industriearbeiter wurden fast keine eingezogen, weil in der Rüstungsproduktion unabkömmlich.

[64] Das Kapitel „Mussolini im Krieg“ stellt kein Heldenepos dar und es ist ihm nicht geglückt, den Tod fürs Vaterland zu finden, doch lässt sich der Vorwurf der Feigheit, den ihm seine Feinde machen (vgl. Tasca, Glauben, gehorchen, kämpfen, S. 51) nicht belegen, er deckt sich auch nicht mit den Aussagen seiner Kriegskameraden (vgl. Hibbert, Mussolini, S. 32).

Ende der Leseprobe aus 160 Seiten

Details

Titel
Der italienische Faschismus: Von seinen Anfängen bis zur Mitte der dreißiger Jahre
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Politikwissenschaft)
Note
1,8
Autor
Jahr
2003
Seiten
160
Katalognummer
V53294
ISBN (eBook)
9783638487900
ISBN (Buch)
9783656084952
Dateigröße
966 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Faschismus, Anfängen, Mitte, Jahre
Arbeit zitieren
M.A. Michael Preis (Autor), 2003, Der italienische Faschismus: Von seinen Anfängen bis zur Mitte der dreißiger Jahre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53294

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