Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit der russischen Emigration zwischen 1917 und 1945 und dem Nationalsozialismus in Deutschland. Untersucht wurde, ob und wie die russische Emigration Einfluß auf den Nationalsozialismus in Deutschland hatte. Anhand von ausgewählten Personen und Organisationen - wie z.B. der Vlasov-Bewegung - soll dargelegt werden, daß der Nationalsozialismus - besonders in seiner frühen Phase - stark von der russischen Emigration profitierte. Im Laufe der Zeit versuchte sowohl die russische Emigration den deutschen Nationalsozialismus für ihre Zwecke als auch die deutschen Nationalsozialisten die Emigranten für ihre Zwecke zu benutzen. Beide Seiten zogen Vorteile aus der Zusammenarbeit, aber letzendlich verhinderten zu verschiedene Vorstellungen eine konkrete, bedeutendere und vor allem koordinierte Zusammenarbeit zwischen ihnen.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Russen und russische Organisationen im Dritten Reich
2. Die Vlasov-Bewegung
3. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen politischen Verstrickungen der russischen Emigration im Deutschland der Jahre 1917 bis 1945 und analysiert kritisch das ambivalente Verhältnis zwischen russischen Emigrantenorganisationen und dem nationalsozialistischen Regime.
- Finanzierung der jungen NSDAP durch russische Emigranten
- Die Rolle russischer monarchistischer Gruppierungen in Deutschland
- Struktur und politische Instrumentalisierung der Russischen Nationalen Befreiungsbewegung (ROND)
- Entwicklung und Wirkung der Russischen Nationalen und Sozialen Bewegung (RNSD)
- Die Vlasov-Bewegung als Propagandainstrument und militärische Organisation
Auszug aus dem Buch
1. Russen und russische Organisationen im Dritten Reich
Zwischen 1923 und 1933 verringerte sich die Zahl der Russen in Deutschland von 250.000 auf 50.000. Die Gründe lagen in den sich verschlechternden politischen und wirtschaftlichen Umständen. Die meisten zog es nach Paris, Prag oder auf den Balkan. Von denen die blieben versuchten einige ihren Patriotismus zu Rußland sowie ihre Loyalität zum Dritten Reich in Einklang zu bringen.
Einer von ihnen war Vasilij Biskupskij der die Jahre nach dem Hitler-Putsch nuzte, um sich mit Hilfe von politischen Gruppen und Emigranten ein Informationsnetz aufzubauen. Der Wahlerfolg der NSDAP 1930 weckte in Biskupskij neue Hoffnung für einen aktiven Kampf gegen die Sowjetregierung. Doch es zeigte sich bald, daß die NSDAP und die Großrussen unterschiedliche Vorstellungen hatten. Biskupskij wollte ein Rußland innerhalb der Grenzen von 1914, eine Wiedereinführung der Monarchie unter Vorherrschaft der Romanov-Dynastie sowie eine Rücknahme der Bodenreform.
Die Nazis dagegen forderten Lebensraum im Osten. Dies stand in Gegensatz zur Zielsetzung der Monarchisten. Doch trotz dieser unterschiedlichen Zielsetzungen glaubten die Emigranten weiterhin, „dass … Deutschland seinen Bevölkerungsüberschuß an tüchtigen Ingenieuren und Erfindern einfach dem kommenden Rußland zur Verfügung stellen müsse.“ An einen Interessenkonflikt dachte man nicht. Nach der Machtergreifung durch die Nazis wurde Biskupskij im Juni 1933 durch die Gestapo in Schutzhaft genommen. Nach dreimonatiger Haft entließ man ihn, da man ihm keine Gesetzesverstöße nachweisen konnte. Er gab nicht auf und strebte eine Stellung innerhalb der NSDAP an. Seit Ende 1933 hatte er Briefkontakt zu Himmler, dem er Informationen über die monarchistische Emigrantenbewegung zukommen ließ. Unter anderem schrieb er 1935 einen Bericht über die monarchistische Emigrantenbewegung für Himmler, der von Biskupskij’s Fach- und Detailwissen beeindruckt war.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Der Abschnitt skizziert die enge finanzielle und ideologische Vernetzung zwischen rechten russischen Emigranten und den aufkommenden Nationalsozialisten in den 1920er Jahren.
1. Russen und russische Organisationen im Dritten Reich: Hier wird die Rolle einflussreicher Emigranten wie Biskupskij nach 1933 sowie die Überwachung und Instrumentalisierung verschiedener russischer Organisationen durch die Gestapo beleuchtet.
2. Die Vlasov-Bewegung: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung, das Scheitern und die militärische Nutzung der Vlasov-Bewegung sowie deren schicksalhafte Entwicklung bis Kriegsende.
3. Fazit: Das Fazit bewertet die wechselseitige Instrumentalisierung beider Seiten und resümiert, wie ideologische Unvereinbarkeiten und Misstrauen eine strategische Allianz verhinderten.
Schlüsselwörter
Russische Emigration, Nationalsozialismus, NSDAP, Vlasov-Bewegung, ROND, RNSD, Vasilij Biskupskij, Gestapo, Hitler-Stalin Pakt, Bolschewismus, Kollaboration, Widerstand, Politische Verstrickungen, Lebensraum im Osten, Wehrmacht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politischen Beziehungen und Verflechtungen zwischen russischen Emigranten und dem nationalsozialistischen Deutschland zwischen 1917 und 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Unterstützung der NSDAP durch Emigranten, die monarchistischen Bestrebungen, die Rolle der Gestapo bei der Kontrolle russischer Organisationen und die spätere Vlasov-Bewegung.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt nach dem Ausmaß und der Art der Zusammenarbeit sowie den Gründen für das gegenseitige Misstrauen trotz gemeinsamer Feindbilder.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse auf Basis zeitgenössischer Quellen und einschlägiger wissenschaftlicher Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Situation der Russen im Dritten Reich bis 1933, die Organisationen unter NS-Kontrolle wie ROND und RNSD sowie die Entwicklung der Vlasov-Bewegung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Russische Emigration, Nationalsozialismus, Vlasov-Bewegung, Kollaboration und Politische Verstrickungen sind die prägenden Begriffe.
Warum lehnte Hitler die Zusammenarbeit mit russischen Emigrantenorganisationen weitgehend ab?
Hitler und das NS-Regime standen der slawischen Bevölkerung aufgrund der Ideologie von "Untermenschen" und der Expansionspolitik (Lebensraum im Osten) ablehnend gegenüber, was eine echte Allianz unmöglich machte.
Welche Rolle spielte die Gestapo in Bezug auf die russischen Emigranten?
Die Gestapo überwachte die Organisationen, kontrollierte deren Aktivitäten streng und instrumentalisiert sie teilweise, um die Emigration politisch zu steuern und zu schwächen.
Wie veränderte der Hitler-Stalin Pakt die Situation der russischen Emigranten in Deutschland?
Der Pakt führte zu massiven Einschränkungen der russischen Emigrantenorganisationen und Verboten öffentlicher Veranstaltungen, da das NS-Regime die Beziehungen zur UdSSR nicht gefährden wollte.
Was war der Grund für den Untergang der Vlasov-Bewegung?
Neben der anfänglichen Skepsis des NS-Regimes gegenüber Vlasov führte die militärische Fehleinschätzung und die Behandlung der Vlasov-Einheiten als zweitrangige Truppen in einem ohnehin verlorenen Krieg zum Untergang der Bewegung.
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- Thomas Müller (Author), 2005, Politik und politische Verstrickungen der russischen Emigration 1917-1945 - Die russische Emigration und der Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53354